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ü | Samstag 2. Sugust 1919. | ^*^TSgSaS^rfSäSS I 46- Zahrg.^

i. V.: Dr. Joh. Kramer,

*«* I verantwort!, für Len rrdaltüm.Tett I. |[[t J| V» I für die Anzeigen: I. Parzeller.g

nlda. Rotationsdruck.

Der Erzbergertöter Helfferich

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Das End« der Ungarischen Räte-Repttvlir.

Der diplomatische Feldzug der Entente gegen Sow­jet-Ungarn hat nun doch Erfolg gehabt. B-la Kun (früher Kohn) und die Räteregierung sind zurückgetre­ten. Ein rein sozialistisches Ministerium ist gebildet, und seine erste Tat ist die Wiederherstellung des Privateigentums. Präsident ist der ge­mäßigte Sozialist Peidl. Der Verlaus der entscheiden- den Sitzung war so stürmisch, daß man die Reden bis auf die Straße hörte, wo eine ungeheure Volks- menge in äußerster ErreMng auf den Ausgang war­tete. Es wurde befchlosfen, daß die Räteregierung abzudanken habe. Die Menge auf der Straße nahm die Entscheidung mit brausendem Jubel ent­gegen. Die Kommunisten scheinen sich in die Derhäll- nisse gefunden zu haben und an keine Gegenaktion zu denken. Die erste und wichtigste Aufgabe der neuen Regierung ist es, den Vormarsch der Rumänen zum Stehen zu bringen, da große Gefahr bestetzt, daß sie in Budapest einrücken. Ein Vertreter hat sich nach Wien begeben, um bei der Entente dahin vorstellig zu werden, daß sie der rumänischen Armee die Weisung erteile, jetzt, wo in Ungarn eine Regierung eingesetzt worden sei, die die Wünsche der Entente zu befriedigen in der Lage sei, den Vor­marsch einzu st eilen. Die ungarische Regie­rung hegt schon insofern die größten Besorgnisse, als sich infolge der von der gestürzten Räteregierung vor­genommenen Beschlagnahmungen von Vermögen außerordentlich große Werte an Gold, Juwelen und Effekten in Budapest angehäuft haben, die nun von

den Rumänen unter dem TitelKriegsentschädigung' weaaeschleppt werden könnten.

Die Räteregierung hat in den fünf Monaten, wah­rend der sie das Land durch den ruckfichtslosest.il Terror unterworfen hielt, nach innen und außen ourcg« «is abgewirtschaf tet. Durch Segnun­gen des Bolschewismus ist nicht nur allem die industrielle Produktion vollkommen zugrunde ge­richtet und sind die Finanzen und die auswärtigen Handelsbeziehungen in ein Chaos umgewandelt, s«i- bern es ist auch das Ernahrungswesen aus dem ©teile gebracht und ein großer Teil der Bevölkerung der bit­tersten Not überantwortet worden.

Umsturz in Bulgarien?

Nach einem in den englischen Blättern veroffent- lichten Reutertelegramm hat man m amtlichen britischen Kreisen verläßliche Berichte au» Sofia er. halten, die ein sehr ernstes Bild von der inneren Lage in Bulgarien geben.. Man habe den Eindruck, daß Bulgarien eine Sowjet-Nepublik errichten und den König Boris absetzen wird. - Ra* dem 6um der Budapester Räterezierung wird wohl vor, läufig in Bulgarien eine Abkühlung in der Sowjet­begeisterung ««treten.

Der beratende Ausschuß des zweiten Schi-dige. richts, welcher rmit der Unter' Vorfälle, die sich.bei der Abrei,. . Delegation von Versailles ereignet haben, betraut ist, hat seine Ilntersuchmia beendet und bean­tragt, die Untersuchun-r mieoerzuschlagen. Man habe festaastellt, daß die Deut,Mn, indem sie lärmende Grüße wechselten, Hochrufe ausbrach, ten und der Menge Grimassen schnitten, dadurch Pro- test herausgefordert haben. Man hcÄ nicht festgestellt, ob die Menge Steine geworfen hat.

Eine höchst merkwürdige Stellung, nähme der Franzosen. Sie steht in sonderbarem Gegensatz zu bet Tatsache, daß Tlemenceau in seiner bekannten Notie der deutschen Regierung sein Bedauern über das den Gesetzen der Gastfreund-

Mn mag man gegen Erzberger sagen, was man Bl ein Vertreter des Großkapitalismus ist er nicht; t-y. steuerpolitischen und sozialen Maßnahmen sind _ Der einzelnes läßt sich streiten von jenem ijiialcn Geist erfüllt, den der zielbewußte christ- M und volkstümliche Konservatismus stets als den tarnen anerkannt hat.

Gaubt das derrtsche Mrrgertum eine zweite ztevolution riskieren zu können, wenn es sich ge- «ji notwendige Reformen stemmt? Vergesse man doch endlich nicht, daß die Massen da und mit keinem Mit- iel mehr aus der politischen ntnb fogiafen Arena zu entfernen sind. Der liberale Kapitalismus und Jn- dustrialismus hat sie gerufen und erzeugt, indem er cis einer Nation von Besitzern industrielle Ar. ieilerfieeie geschaffen und sie mit den Mit- jefn der Bildung und der öffentlichen Einflußnahme «lisgestatie( und durch die allgemeine Wehrpflicht zu Herren der Lage gemacht hat. Frankreich wird es me und nimmer eine soziale Revolution geben, veil die Nation aus Besitzern besteht und die Nr- ieiierheere im Vergleich zur übrigen Bevölkerung numerisch einflußlos sind.

Deutschland bedarf des neuen Aufbaus. Der Bör- fianct Hclsferich kann ihm dabei nicht helfen; das sollte man bei den Rechtsparteien einsehen. Auch der A n- tiscmitismus macht eS nicht, den jcht Alldeutsche M Wotansleute so scharf betonen; er ist ein Fakror ter Ablenkung, der sich schließlich gegen die Kulisien- heiler wendet.

Helfen kann nur grundsätzlicher Um- und Auf­bau des ganzen Staats und der ganzen Volkspersön- ttetit, der in ethisch-kultureller Beziehung von den alten christlich-konservativen Idealen sutgehk, im sozialen und wirtschaftlichen aber die ehr­lichen Reformen durchführt, wie sie sich als eine For­derung der Entwicklung kundgibt.

Es ist hocherfreulich, einmal aus konservativen Streifen eine solche Stimme zu hören, die sich von den vergiftenden Hetz- und Schimpfartikeln der all­deutschen Presie ungemein wohltuend abhebt.

Die Enthüllungen.

Aus dem deutschen Weißbuch, dessen wesentlichen Inhalt wir gestern schon mitteilten, wird jetzt ein T e- lr«rammwechsel zwischen Kaiser Karl »nd Kaiser Wilhelm hervorgehoben, worin M dem Abschluß des Waffenstillstandes zwischen Österreich und Italien Kaiser Karl sich mit seinen Dvtisch-Oesterreichern für den Fall zum letzten Kampfe dem deutschen Kaiser zur Verfügung {teilt, wenn gliche Truppen durch österreichisches Gebiet nach Etfchland marschieren wollten. Das Angebot hat "ehr rhetorischen als tatsächlichen Wert. Kaiser Karl war bej ber vollständigen Desorganisation der öfter« Milch-ungarischen Armee, die ungeordnet ihre Stel- TnÜcn verließ, gar nicht in der Lage, sein Versprechen "Miosen.

Weiterhin wird heroorgehoben ein Telegramm des L»rsten Hohenlohe-Lang en bürg cm den slinzen Max von Baden vom 25. Oktober e1.8- worin Fürst Hohenlohe ausführt, daß nach T^ung einer zuverlässigen Quelle der Schluß

schäft in so ärgerlicher Weise zuwiderlaufende Gescheh, ucs ausgesprochen hat. Ein Augenzeuge des Vorfalles 'bestätigt, daß es den Mitgliedern der deutschen Dele- gätion in keiner Weise eingefallen ist, das fran­zösische Publikmm durch Hochrufe, Grimasse« usw. zu reizen. Sehr sonderbar wirkt die Behauptung, daß nicht festgestellt sei, daß die Menge Steine geworftn hab«. Die Sekretärin Giesberis, Frau Dornblüth, die nach einer Kopfverletzung im Krankenhaus« darniederliegt, .Hann das GegenteS bestätigen, und an­dere Mitglieder der Delegation sind, wenn auch leich- ter, durch Steruwürfe verletzt worden. Das feindliche Verhalten des ft-nczösischen Publikums beschränkte sich nicht auf den Augenblick, als di« deutschen Delegier- ten ihr Hotel verließen, sondern setzt« sich de« ganzen ziemlich langen Wog fort, den dre Ktiegaäom güm

«. ^m wüsten Kampf, der von den alldeutschen -iärn unter Mitwirkung der sogenannten farblosen Ot gegen den Reichsfinanzminister Erzberger ge- wird, ist Vorkämpfer und Rufer im Streite Herr afferidbbei Vertrauensmann der deutschen Mner, der vielgewandte Bankdirektor und der well- ILauun'gsmäßig liberale Demokrat, der sich in den Hellen und ethischen Fragen nicht von den Leuten fürili* Berliner Tageblatts" unterscheidet".

y diesen schmückenden Beiworten versieht die " «jddevtsche Konservative Korrespondenz" die rgh dieses Herrn Helfferich und schreibt wetterhin: ist eine der bedenklichsten Erscheinungen für L. «oliüsche Leben der Gegenwart, daß Leute, wie Zifferi<st und ^>r. Traub, der linksliberale «rMftantenvereinler, in der deuts ch-n ationa- 777V Volkspartei und in der ehemaligen konser- Presie Unterkommen und Gastfreundschaft fin* K Herr Helfferich ist der liberale B a n k- 'eftor in Reinkultur; seine Weltcmschau- ® jst durchaus börsianisch und großkapitalistisch; er SU zu jenen300 Familien", die die Welt regte- (ttn alten Rom waren es 134), wenn auch nicht ta ten anthropologischen Beschaffenheiten und Zu- Lmcnbängen, so doch nach der reinen sozialen unö «iiäf'Iidiein Seite hin. Herr Helfftrich ist durchaus Ar Geschäftsträger des Großkapital is-

Nnruhen und Streiks.

Streik mitteldeutscher Raltarbeiter.

Der für den 1. August angesagte Generalstreit der mitteldeutschen Kaliarbeitrr kam nur aus «nen geringen Teil der Werke zum Ausbruch. Im Halle- scheu Bezirk wird gearbeitet, ebenso tn een Adler- falitorrfen, sowie in den Kaliwerken Salzmunde, tn den Kaliwerken Aschersleben und in den Kali­werken des Frankfurter Bezirks. Gestreckt wnd in Krügrrshall, mit Ausnahme der Salme, und auf dem Halleschen Kaliwerk.

Eine streikende Fleischerinuung.

Die BreSlauer Flecscherinnuicg beschloß, falls te-. Magistrat nicht di« S ch l i,e ß u n g d e r st a d t i s ch en Wurstfabrik anctbne und die Wur«mache.re> den Fleischern wieder frei gäbt, den städtischen Fleischveo kcmf eri^ustellen und in den Streck einzutreten.

Maßnahmen gegen Erntestreiks.

In Berlin fand «ine Zusammenkunft von Der. tretern der deutschen L a n d a r b ei t e r v e r b an 0e imd von Arbeitgebern der Lcmdwcrl,chaft Mt, um über di« Ddaßnahmen zu beraten gegen drohens Erntestreiks in Ostpreußen, wo es besonders cm Krehc Fischhausen bedrohlich ausfteht. Man war fuh dm- uber einig, daß Ernteftreiks nut allen Mitteln ver­hindert werden müßten. Komitees von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sollen die Provinz zur Aufklärung und Schlichtung bereifen.

Hlntter Frankreich und die Elsässer.

Nach zuverlässigen Nachrichten aus Straßburg sind dort erneute Unruhen ausgebrochen. Aus dem Bahnhofplatz haben Kundgebungen stattgesundon, die geradezu revolutionärer Art waren. DK Aus­ständigen griffen erneut das französische Militär an, töteten eine große Anzahl von Soldaten und mehrere Offiziere, von denen einige in den Illfluh geworfen wurden. Der Gouverneur Hai mit der Verhän­gung des Bclagerungszu st ander gelacht. In Mülhoufen ist in sämtlichen Kabelwerken der Streik aus gebrochen. Die llrfache liegt in der Entlassung eines Arbeiters, der einen Streikbefehl für dey L August ausgehängt hatte.

Geueralflreikbcwegung in der Schweiz.

In Bafel und Zürich find als Demonstration für die Forderung des Preisabbaues große und gefährliche Streikbewegungen im Gange. In B a f e l ist es am Freitag zu blutigen Zusammen­stößen zwischen Streikenden und dem Militär gekom­men. Die Vorfälle spielten sich im Zentrum der Stadt ab, wo Infanterie auf Lastautomobilen mft Maschi- nengewehren und zwei Schwadronen Kavallerie ein­griff. Das Militär schoß zunächst blind, worauf es aber auch zu scharfen Schüssen kam, durch die eine große Anzahl Personen verletzt und drei oder vier Personen getötet wurden. Es wurden Post­amt und Rathaus besetzt und der Verkehr auf der mitt­leren Rheinbrücke gesperrt. Nachdem der General­streik auch in Zürich beginnt, werden jcht in^ Basel Anschläge verbreitet, die bestätigen, daß die Schwei­zerischen Eisenbahnen dir Generalstreikbewegung

Mächte zu gewährleisten. Unter diesem Vorbehalt wird die gegenwärtige und zukünftige Gefchgebung des Deutschen Reiches und der Bundesstaaten ein» schließlich derjenigen, die seit der deutschen Revolution erlassen worden ist, auch in den besetzten Ge­bieten für anwendbar erklärt, sodaß also die Bevölkerung freie Au-rAbvin ii"*r twrfänlidjen und staatsbürgerlichen Rechte, religiöse Freiheit, Freiheit der Presie, der Wahlen und Versammlungen genießen soll und daß die poüfischen, rechtlichen administrativen und wirtschaftlichen Beziehungen der besetzten Gebiete mit dem unbesetzten Deutschland nicht gehemmt sein werden, ebensowenig wie die Verkehrsfteiheit zwischen dem besetzten und unbesetzten Deutschland.

Der König von England hat unterzeichnet.

Aus London wird gemeldet: Rach der erfolgten Genehmigung des Friedensvertrages und des englisch- französischen Abkommens im Oberhause hat der König diese beiden Dokumente unterzeichnet, sodaß sie von jetzt ab als Gesetz gelten. Auch die belgische Kam­me r k o m m i s s i o n für auswärtige Angelegen­heiten hat den Friedensvertrag ratifiziert.

Die S&inroürfe von Versailles.

derWikson-Notefozu deuten sei, daß der ein­zige Weg zu einem einigermaßen erträglichen Frie- den kaum anders als Über dieAbdankung des Kaisers führe. Dem Gewährsmann zufolge fei die Schwäche unserer militärischen Lage den Amerikanern zu bekannt, um bei ihnen, selbst im Falle eines Auf­rufs zur nationalen Verteidigung, über den endgülti­gen Sieg der Entente Zweifel aufkommen zu lasien. Deutschlands Zusammenbruch sei nur eine Frage der Zeit.

Lndendorff nimmt Stellung.

In demBerl. L.-Anz." erklärt General Luden- borff, daß die amtliche Vorbecnerkuna, mit welcher das von der Regierung über die Vorgeschichte des Waffen­stillstandes herausgegebene Weißbuch eingeleitet wird, nach dem Eindruck, den er von der Kenntnisnahme gewonnen hat, eine durchaus einseitige und entstellen de Darstellung der Geschichte gibt und einseitige falsche Schlüsse zieht. Ludendorff sucht dies in einigen Punkten nachzuweisctc. Er bemängelt so ziemlich die Angaben unb Aussagen aller in den Aktenstücken genannten Personen, und man gewinnt den Eindruck, daß General Ludendorsf in der Haupt­frage, nämlich der militärischen Lage, der Möglichkeit des Haltens der Front, einer klaren Aussage auszu- wecchen sucht mit der Begründung, daß im Kriege der Zufall und das Glück eine Rolle spielt. Das Leben tauftbcder deutscher Soldaten und daS Wohl unzähliger Familien war wahrhaftig zu kost­bar, um sie einen Ludendorff zum weietrne Glücks­spiele zur Verfügung zu stellen l

Der StaatSgerichtshof.

Der Verfasiungsausschuß beschäftigte sich erff malig mit dem Gesetzentwurf über den Staatsgr« richtshof. Er wird die Beratungen fo rasch wie möglich beenden.

Das Schießverbok in den Ikovemberkagen 1918.

Die Frage, ob im November 1918 ein Schießverbot erlassen wurde und van wem dies geschah, will, nicht zur Ruhe kommen. Der damalige Kriegsminister Scheuch ist jetzt Vorsitzender des Deutschen Offi­zierbundes, dem der Na,tionalverband deutscher Offiziere wenig fteuMich gesonnen ist. Das Schießverbot muß, so schreibt dieVosi. Ztg.", bei diesem Kampfe feindlicher Brüder als Waffe Her- Halten. Den zahlreichen Erklärungen, die fchon ge­wechselt worden sind, schließt sich neuerdings eine solche des Kriegsmini st eriums an. In ihr wird festgestellt, daß der damalige Kriegsminister ein all­gemeines Schießverbot nicht erlassen hat, daß in Berlin am 9. November das Oberkommando in den Marken der Urheber war, daß das Schießen aus Flugzeugen vom Kriegsminister wegen möglicher Verwechslungen verboten worden war, das Schießen mit Maschinenkanonen von Kraftwagen aus dagegen nicht. Für die Verteidigung des Kriegsministeriums selbst hatte sich der in ihm anwesende Kriegsminister den Befehl zum Schießen vorbehalten; er verbot es schließlich mit Rücksicht auf die (Befamüage. Daß die Erörterung mit diesen Feststellungen ihren Abschluß finden wird, ist wohl kaum anzunehmen, wenngleich die Oefsenllichkeit daraus kaum noch viel Nutzen Kchen wird,

Der Weg zum Friede«.

Lrlrägllche Bestimmungen für das besetzie Gebiet.

Die Verhandlungen, die Unterstaatssekretär Se­rn alt) in Versailles über das sogenannte Abkommen über die besetzten Gebiete mtt den Vertretern der alliierten Regierungen geführt hat, hatten mit der Ueberreichung eines Memorandums geendigt, worin die Einweichungen gegen das Abkommen sachlich be­gründet wurden. Darauf ist jetzt eine Antwort eingegangeh, die in der Form äußerlich verbindlich, auch in der Sache einiges Entgegenkommen aufweift, sodaß man, wenn das Abkommen wirklich loyal durch­geführt wird, auf erträgliche Verhältnisse rechnen kann. Es wird versichert, daß die alliierten Regierungen immer die Absicht gehabt haben, die Be­setzung so wenig drückend als möglich für die Bevöl­kerung des linksrheinischen Gebietes zu gestatten unter dem Vorbehalt, daß Deutschland die Bedingun» gen des Friedensvertrage» genau aus­führen wird. Die von der Entente eingesetzte Kom­mission hat das Recht, Serortmungen mit Gesetzes­kraft zu erlassen, um den Unterhalt, die Sicherheit und die Bedürfnisie der militärische« Kräfte der alliierten

Aas KLeine ^araöie#.

Roman von Irene v. Hellmuth.

trat mit ihrem FmÄ zur Lamze, entfaltete die "Wieben«, Bogen nnb las: -. *'

Sterne geliebte Lotte! i

fe.®5 ift alles, alles aus! Alles vorbei! Es muß not- ftän 3$ hotte während der fangen Krankheit Zeit, HH®3 Senou zu überlegen! Versuche nicht, mich um« denn mein Entschluß steht unverrückbar fest.

soll Defa reiches, junges Leben an mich fest ***6 kann und darf Dein Opfer betm ein solches 's, wolltest Du trotz allem mein Weib werden 5*ttftB®Wnen! So egoistisch bin ich nicht. Du oer- akt ft?1 ?ro<u ünmer, nicht ohne mich leben zu können, cs dennoch lernen muffen, mein armes, Mädchen! Glaube mir, es ist am besten so. Ich ttgy *a' so lange ich lebe, Dir gehören, denn vergesicn 3$ Dich nie, das weiß ich. Mein Leben wird ein» es ist eben nur mein Schicksal, und "h einmal hören würde, daß Du doch noch glück- ^gtmotben bist, f0 wäre bas alles, was ich mir noch tatz zLD01n Leben. Ich habe eine fange Unterredung St$t gehabt. Ich fragte ihn auf Ehre und .' ob ich wieder hergestellt werden könnte. Er Äbh w"1 aU5, sollte mit Phrasen kommen, aber für ti«öu viel ab von dieser Unterredung. Ich mußte n* T^h^ wißen. So berichtete er mir de«« klipp hstin 2* .baß ich zeitlebens em Krüppel bleiben werde. 6>tt^"8£m wüßte aller Voraussicht nach abgenomme« «r _^os wäre ja nun nicht das Schlimmste, denn ten fs_ ^osiliche Beine, die sehr täuschend gemacht wer- !)U5!f..'nEn-. Und wenn ich an Deiner Sette durchs Leben sti» x. wüßte, was läge daran! Mein Arzt versicherte "h sehr alt werden könnte. Aber das ist noch Irep«, es' dem schweren Sturz über die steinerne tie ^rbe mein Rückgrat schwer verletzt, so daß ich ""stände sei« werde, auftecht zu gehe«. Mt der

Zeit «nrd sich auf meinem Rücken ein tüchtiger Höcker entwickel«, der Kopf wird zwischen die Schultern ein. sinken, und nun stelle Dst einmal diese» Bild vor Äugen. Ich an Deiner Seite, Du, die schöne, gefeierte, junge, ge­sunde Frau, ich mtt dem SiÄzbem, ein buckliger, häßlicher Krüppel, den die Kinder vielleicht verlachen werden. Nein, nein, ich kann es nicht ausdenken, es ist unmöglich! Und fo, geliebtes Mädchen, muß ich oerfuchen, mir allein durchzuhelftn! Ich danke Dir tausendmal für die glück­lichen, seligen Stunden, die Du mir geschickt. Die Er­innerung daran wirb mich begleiten durch mein ganze» ferneres Leben. Und Du, werde gMcklich! Es ist der einzige Wunsch, den ich noch habe. Laß tms scheiden ohne Wiedersehen. Ich flehe Dich cm, mach keinen Dersuch mehr, Dich mir zu näher«: es wäre mir unnütze Qual für uns beide, die zu nichts führen kann. Wenn Dir ein braver Man« begegnet, der Dst seine Hand bietet, so er­greift sie, denn es ist bester für ein Mädchen, eine Fa- milie zu hoben. Du brauchst eine Stütze. Und wenn Du ernst Kinder besitzen wirst, was ich von ganzem Herzen wünsche, so wirst Du auch roleber Freude haben am Le­ben. Bis dahin wird die Wmcde vernarbt sein. Meine Schwester ist sehr betrübt über unser Unglück. Sie hatte Dich, glaube ich, aufrichtig lieb, was freilich bei fo einem jungen Ding nicht viel sagen will. Und mm muß ich Dir 3um Schluß noch ein Geständnis machen, das aber nie- wand außer Dir erfahren daff. Ich hoffe, Du verstehst mich und schweigst darüber: Weißt Du, wen ich cm jenem verhängnisvollen Abend vor meiner Türe fand, als ich, ein Liedchen trällernd, denn ich war sehr glückllch über Deine Liebe zu mir, meine Wohnung aufsuchen wollte? --Meinen Bruder! Ich wußte es langst, daß er Dich leidenschaftlich liebte, er hatte nie ein Hehl daraus ge- macht.Du kommst von Lotte?" fragte er mich finster. 3a", gab ich fröhlich zurück,sie liebt mich, ich liebe sie, bald wird sie meine Frau. Wir wollen keine fange Brant- zeit."Du", keuchte er,Du sollst sie nicht besitzen, da ich sie nicht die Meine nennen darf!" Er war oiel stärker unb kräftiger als ich, jp nackte e< mich und schleuderte mich

mtt aller Wucht die hohe steinerne Treppe hinab. Ich Hirt bewußtlos liegen. Die Nacht verging, che ich ge­funden wurde. Als ich wird« Kar denken konnte, war mein Bruder längst fort, geflohen von dem Ort fsnet unseligen Tat. Und ich wollte nicht, daß man ihn ver­folgte. Er war mein Bruder, und wir hatten uns ein­mal sehr lieb gehabt. Ob rote uns fa diesem Leben noch einmal Wiedersehen werden, ich weiß es nicht. Jedenfalls verzeih« ich ihm; denn er sündigte aus Liebe zu Dir. Bei der Dernehrnnng sagte ich aus, ich sei im Dunkeln an» Unvorfichttgkett abgestürzt, was jeder glaubte, denn fat ganzen House hatte niemand etwas gehört. (Rn Kampf hatte nicht stattgefunden. Mein Bruder möge glücklich werden, wenn er es kann. Sefa Wunsch, daß euch ich Dich nicht besitzen dürfe, geht ja nun fa Erfüllung. Wenn Du ihm jemals begegnest, fo grüße ihn von mir. Utb jetzt geliebtes Mädchen, lebe wohl. Meine Kraft zn Ende, das Schreiben strengt nstch ftcrchtbar an.

Ich bleibe bis in den Tod

Defa getreuer Gottlieb.

Maria saß fange, den Kopf in die Hand gestützt, und starrte auf die Blätter, die das Lebensschicksol der Mutter enthielten. Trane um Trane rann aus ihren Augen auf den Brief. Das olfo war. es, was sie von ihrem Der- fobten getrennt!Arme, arme Mutter, was magst Du gelitten Haden", flüsterte sie. Wer mochte dieser Gottlieb fein? Ob er noch lebte? Mario hätte es gar zu gern er­fahren. Aber woher sollte ihr Kunde kommen über das Schicksal dieses Mannes? Ob die Mutter keinen Ring, kein Dill) oder fonftiges Andenken von ihm besaß? Sie durchstöberte die Truhe, sand aber nichts; dann stand sie wieder vor dem Bill) der Mutter und betrachtete es for­schend. Wie viele Tränen mochten diese Augen vergossen haben, bis nach und nach der Schmerz milder wurde! Maria rechnete nach. Ost hatte die Mutter erzählt, daß sie eben achtzehn Jahre mar, als sie den erste« Ball de- suchte, und dieser erste war auch der einzige geblieben, falzlcch mußte ße dort wohl tzr« Verlobten tennen un­

lieben gelernt Haden, und die Katastrophe mußte bald daraus gefolgt sein. Mtt achtcmbzwmczig Jahren hatte sie geheiratet. Erst «ach langem Sträuben ergriff sie den Rettungsanker, der sich tzr bot, weil sie ganz allem m der Well stand. Mso zehn Jahre fang ließ sie die Hoffnung nicht finken, 8eh sich unter fremden Menschen herumstohen.

Maria sann und grübelte. Gar zu gern hätte sie ein Bill) jenes Mannes gehabt; deshalb durchsuchte sie auch noch alle Schubfächer der alten Komode, die, wie sic wußte, chre Mutter schon als junges MAxhen besesien hatte. Es fand sich aber nichts, was als Andenken an der Mutter kurzes Glück gelten konnte. Nichts als der verdorrte Brautkranz und der Schleier, em paar gepreßt? Blumen, Spitzenreste und sonstige Klecnigkecien lagen wohlgeordnet fa Schachteln und Bchältern.

Es war schr spät geworden, als Maria die Lampe verlöschte und chr Lager «usjuchte.

Etwa drei Wochen später sand der Gesellschastsabend im Hause des Kommerzienrats Held statt. Maria zeigte den ganze« Tag über ein so fröhliches Gesicht, daß selbst der Later sie kopffchüttelnd betrachtete und Lindo manch spöttische Bemerkung solle« ließ. Aber Maria hörte gar nicht daraus. Assessor Held war im Laufe des Nachmittags für eine Viertelstunde dagewesen, um sich nochmals zu versichern, daß Moria bestimmt konrnce. Auch Linda m* der Vater wurden nachträglich eingeladen. Lindo mußte z« ihrem größte« Leidwesen absagen sie ent- schuSigte sich mit Kopfschmerze« aber fa Wahrheit be­saß sie keine geeignete Toilette, mn fa so glänzender Ge- sellschast effcheinen zu könne«. Sie ärgerte sich unbe schreiblich, denn die Einladung an sie war so spät erfolgt, daß beim besten Willen kein paffendes KkeD mehr be^ schafft werden konnte. Sie ballte heimlich die Faust aoi Zorn, als Maria mit dem Sater den Wagen bestieg, den Affeffor He» herausgeschickt hatte. Auch ein reizender Strauß aus blaßrosa Rosen hatte nicht gefehlt.

Maria hatte eine der Dimne« fa ihrem blonden, rot . ligeu Hav beietzrgt, das ßck heute abfalnt mckt ru eüw»