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Lirdendorffs falsche Rechnung

Die Beurteilung der Kriegslage durch den Grafen

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rit vorläufig sicher. Daß unsere militärische Lage ge-

ST kstiat ist und der U-Bootkrieg wirkt, brauche ich < i$t weiter aukzuführen. Demgegenüber ist

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C ianorotrt]o;arntcoe wcogncyieucn oieirn. cei Haltung Polens müssen wir auS militärischen 25 ^sichten die Grenzen Litauen» über Grodno nach

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P*11- Die Liquidation der dort liegenden, im feind, besitz befindlichen Werbe mit Uedergang in Iche Hand würde die» erleichtern. Im Westen

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Zuwachs an Land ?hEen. Dies finden wir nur in Kurland und Litauen, v* Wte landwirtschaftliche Möglichkeiten bieten. Bei

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||-eiter zu kämpfen und noch nicht an Frieden zu denken.

E müssen uns klar sein, daß das, was wir nicht ,,/En, im Frieden durch hohen militärischen Aufwand Mowrhr, Unte.'wltung von Fliegerstreilkräflcn, starke ^unq) ausgeglichen werden muß, soweit dies über* w möglich ist. Das lothringische Erzbecken | *an9t Geländezuwachs nach Westen. Je

Deutsche Ncktis«i!vsr'sammlrtng.

Sitzung vom 30. Juli.

Die dritte Beratung des Verfassung-» entwurfeS wird fortgesetzt.

Abg. Dr. Düringer (Tnat. Vv.): Wir bleiben bei unserer ablehnendes Stellung gegenüber der Berfas' sung, weil sie unS nicht konservativ genug ist. Wir bleiben Anhänger der Monarchie, werden aber auch bei der republikanischen StaatSform unsere Pflichten als Staatsbürger erfüllen. Wir achten den Willen der Volksmehrheit, der sich für diese Staats- form entschieden hat. Wir wünschen eine Stärkung d,-' Präsidenten. Tas deutsche Volk wird sich noch einmal nach demalten Obrigkeitsstaat" zurücksebnen. Wii halten an bcm föderalistischen Charakter des Neiche» fest. Tie Politik, die auf die Weltrevolution Ic?= steuert eine Jllufionspolitik die würde unS die Zustände, die in der schrecklichen Zeit des Dreißigjährig gen Krieges bei un§ herrschten, bringen. Bewahre uns GStt vor der We ltrevolution. Ge, gen unsere Partei gerichtete Vorwürfe als Kriegsvcr- längerer empfinden wir als pharisäisch. (Lebhafte Zu. stimmung rechts.l Wir find konservativ in gesundem,

gemein menschlichen Sinne. Konservativ und wahrer Fortschritt geboren zusammen In diesem Sinne wol­len wir an dem Wiederaufbau des Reiches Mitarbeiten. (Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. Tr. Heinze (D. Vp.): Eine Verfassung, wie wir sie zum Ausbau unseres Vaterlandes brauchen, muß die Möglichkeit geben, alle lebendigen Kräfte des Staates beranzuziehen Von diesem Gesichtspunkt aus können wir uns nicht auf den Boden der neuen Verfassung stellen. Wir hängen an der deutschen

lichten Denkschrift Czernins hervorgegangen. Jetzt die in der letzten Rede des Ministerpräsidenten zitierte Denkschrift Ludendorffs vom

September 1917 amtlich veröffentlicht. Wahr- ftt und I r r t u m treten sich dadurch klar gegenüber.

entnehmen daraus das Wichtigste:

xci den Verhandlungen in Berlin ist unsere und fcggge unserer Feinde besprochen worden. Ich halte ^verpflichtet, hierauf nochmals zurückzukommen und

Gedankengang schriftlich wiederzugeben, in dem ich i* bewegte. Ich erweiterte ihn hier inbezug auf ongwy und Briey und auf Landwirtschaft und erhandel. Unsere Lage im Innern ist nach An. der Ressortvertreter schwierig bezüglich Futter d Kohlen, bezüglich Kohlen leider nicht uuverschul. durch die Verhältnisse früherer Monate. Unsere Hauswirtschaft ist außerordentlich angespannt. Durch ie Aeich»tag»mehrheit ist unsere Lage im Innern einer wenig erfreulichen gemacht. Die Arbei» und dann auch die Ersatzfrage hat sich verschärft, meine aber, diese inneren Schwierigkeiten müssen eine feste Leitung der jetzigen Regie-

' ruf einen Erfolg in der 12. Jsonzoschlacht; der wird - sm versagt bleiben. Die inneren Verhältnisse treiben «mit zur Krise. Die Kohlennot muß sehr groß wer- 3m!n ien. Daß da§ neue Ministerium in Frankreich für ie Dauer kriegerischer sein wird als da» bisherige, nüjj st nicht anzunehmen. Das Gegenteil ist zu erwar- ,n^ en. Auch Frankreich steht vor einer Kohlennot. Alle pe g eiten Nachrichten au» Frankoeich stimmen überein, daß v>er llbootkrieg wirkt, daß die Ernährun«Sfrage chvierig ist, und daß die englische Regierung mit Har­en sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Der Brang nach Frieden in England wird immer lätter. Ich brauche mich hierüber nicht näher auSzii-

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Senlit ^jnin im April 1917 ist aus der vorgestern hier ver- r.Ainn 'iSnnffrfiriff Oiternin« hprnrnrnpnnnnen 5iet>t

jen. Sollte England ernsthafte Schritte unternehmen, träte da» ein Zeichen, daß eS nicht mehr glaubt, den Bg zu gewinnen. Von hier bis zu der Ueberzeu- daß es nur noch verlieren kann, ist kein weiter itt. Die Hoffnung der Entente seit Rußlands erläge ist Amerika. ®8 darf nicht unterschätzt, der auch nicht überschätzt werden. Zurzeit int England zu befürchten, daß die Führung der ente an Amerika übergeht. Wie taS Verhältnis

überwunden werden. Möglich ist es. .>xst"reich-Ungarn ist, wie ich hier nicht näher erläu- i(.ln jj. will, für die nächsten Monate durchaus an uns » efesselt. Auch Bulgarien wird entgegenkommen» $ nachdem westlich deS Ochridasee» die Franzosen

FranzösisHss Strafgericht.

Der Kriegsrat in Paris beendete den Prozeß gegen die Individuen, die in der Aisne-Gegend den Deutschen einige Bewohner denunzierten, weshalb mchrere derselben ins Gefängnis gesteckt ober erschos­sen wurden. Der Rat verurteilte e l f Personen zum Tode und elf weitere zu Zwangsarbeit von einem bis zwanzig Jahren. Sechs Angeklagte wurden frei- gesprochen.______________ , _________________

Die «imultanschule *18 Norm.

In den letzten Tagen fanden in Weimar Verhand­lungen statt zwischen den beiden Parteien, die das bisherige Schulkompromiß trugen, und den Demo­kraten, in der Absicht, die drei Parteien in der strit- ttgen Schul- und Bildungsfrage zu einigen. Nach längeren Verhandlungen kam es zu einer Verständi­gung über den Absatz 2 des Artikels 143, der nach einem gemeinsamen Antrag der drei Parteien folgendermaßen lauten soll:Innerhalb der Gemeinden sind indes auf Antrag der Erziehungsberechtigten, Volksschulen ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung einzu­

gröfcer er ist, desto leichter wird seine Sicherung. Das Beibehalten der Grenze wie vor dem Kriege würde mit sich bringen, daß jede politische Beunruhigung aus die Werke mit ihrer starken Arbeiterschaft zurückwirken würde. Bei Beginn der Feindseligkeiten wäre der Betrieb lahm gelegt und Zerstörungen aus- gesetzt. Auch in dem zu erwerbenden Gebietsstrei­sen liegen Gruben. Zunächst würde dieser Zuwachs ge­statten, im Frieden sparsamer mit unseren Erzen umzu- gehen. Da die deutschen Erzvorkommen leider sehr be­schränkt sind, ist dieser Punkt nicht unwesentfich. Dor ollem aber würde der zu erwerbende Gebietsstreifen die Gewähr geben, daß die jetzt in deutschem Besitz befindlichen Gruben auch im Kriege arbeiten, wenn sie bann unmit­telbar militärischen Schutz haben. Selbstverständlich bleibt das Gebiet durch Artillerie und Flieger immer sehr ge- fährdet und wird starke Sicherungsmaßnahmen nötig ma­chen, da wir unsere Grenzen dort nicht bis an die Maas vorschieben können. Umso dringender ist die unversehrte Erhaltung des niederrheinisch-westsälischen Gebiets. Was die flandrische Küste für Luftangriffe auf England für dieses Land ist, das ist die Maaslinie bei Lüttich in noch erhöhterem Maße für das Industriegebiet. Wir müssen das Gebiet zu beiden Seiten der Maas und südwärts bis Saint Vith

fest in der Hand behalten.

Bisher sehe ich nur in der Einverleibung durch das Deutsch- Reich das Mittel, dies zu erreichen. Ob es ein anderes Mittel gibt, muß ich dahingestellt fein lassen. Vor­läufig scheint es mir noch nicht gefunden. Der Besitz der Maaslinie allein -genügt nicht, um dem Industriegebiet die erforderliche Sicherheit zu geben. Wir müssen das englifch-belgifch-sranzösische .Heer noch weiter zurückschie- den. Dies kann nur dadurch geschehen, daß

Belgien

wirtschaftlich so eng an uns angeschlossen wird, daß es auch seinen politischen Anschluß an uns sucht. Der wirt- schaslliche Anschluß wird ohne starken militärischen Druck längere Okkupation ohne die

Besitzergreifung Lüttichs

nicht ins Werk zu setzen sein. Die Neutralität Belgiens ist ein Phantom, nnt dem praktisch nicht gerechnet werden darf. Ganz sicher wäre» wir erst, na­mentlich da der Tunnelbau DoverCm Wirklichkeit wird, wenn wir .....

ganz Belgien militärisch besetzten

und an der flandrischen Küste stünden. Trotz aller Schwie­rigkeiten Englands können roh dies zurzeit nicht erreichen. Es fragt sich, ob wir um dieses Ziel den Krieg fortsetzen müssen. Das ist meines Erachtens der Fall, wenn die Engländer einen Gebietsstreifen in Frankreich (Calais) behalten. Tun sie das nicht, so wäre der Besitz der flandrischen Küste für uns kein Grund zur Fortsührnng des Krieges über den Winter hinaus. Wir müssen dann die von der flandrischen Küste erstrebte Einwirkung aus England auf Umwegen erreichen können. Ich Halle dies für möglich, wenn Belgien wirtschaftlich mit dem Deutschen Reich eng verbunden und Wallonien und Flandern geteilt, mit der Zeit den Schutz gegen Frankreich und England selbst übernimmt und nach der Beendigung der Okkupatton sich Heer und Marine hält. Der Anschluß Belgiens an Deutschland wird zur Folge haben, daß bei einer klar ihr Ziel oersolgenden Po­litik Holland an uns gezogen roirb, zumal, wenn sein Kolonialbesitz durch ein mit uns verbündeten Japan ga­rantiert wird. Damit kommen wir wieder an die Eng­land gegenüberliegende Festlandküste, ein Ziel, das die Marine schon jetzt in richtiger Erkenntnis seiner Bedeu­tung anstrebt. Wir erhalten eine Stellung England gegen­über, die es uns ermöglicht, unseren Handel

im nächsten Kriege

aufrecht zu erhalten. Dies ist dos dritte große Ziel, das wir nicht aus den Augen verlieren dürfen. Hierzu ge­hören außer Rußland überseeische Absatzgebiete in Siid- amerita, ein Kolonialreich in Afrika und feste Stützpunkte in und außerhalb des Kolonialreichs. Namenttich wenn wir jetzt auf die flandrische Küste verzichten, hat die Ka­rine das Recht, Stützpunkte als Kompensation, wie das auch der Reichskanzler ausgesprochen hat, zu fordern, die es ihr ermöglichen, im nächsten Kriege Deutschland den Weg auf dem Weltmeer und damit seine Zufuhr »an auswärts zu erhalten. Je mehr wir von diesem Ziel , Zu­rückbleiben. desto größer werden die Mittel, die wir zins­los an Rohstoffen in Deutschland > niederlesen müssen. Daß ein durch günstige Handelsverträge eng mit uns ver­bundenes Dänemark unsere maritime Haltung und unsere Handelsfreiheit stark erhöhen würde, fei nur ge­streift.

Diese Denkschrift Ludendorffs ist aufklärender als alle Enthüllungen, alle Behauptungen und Ableug. nungen, die jetzt zu Gunsten persönlicher Interessen ins Volk hineingeschleudert werden. Wie hat die m i- litärische Entwicklung die Anschauungen Lu- dendorsfs Lügen gestraft! Und wie klar enthüllt sich das Annexionsprogramm, das Ludendorff und feine Freunde verfolgt und nicht eher preisgegebrn haben, als bis es viel zu spät war. Alles das in einer Zeit, wo Czernins entgegengesetzte Beurteilung der Lage bereits das Gemeingut weiter Kreise geworden war. Kann man sich wundern, daß Deutschland schließ­lich in so völligen Zusammenbruch hineingeraten ist?

Nur feinen »Papslfrkden".

Der unglückselige Herr Michaelis, der Kanzler der 100 Tage, hat jetzt an den General Ludendorff, offenbar zur Stütze von dessen Behauptung, er (Lu- dendorfs) habe von dem päpstlichen Friedensfühler überhaupt nichts gewußt, einen Bries ge- schrieben, worin es heißt:Nach meiner Erinnerung lag die Sache so, daß in der Kronratssitzung davon ge­sprochen worden ist, daß ein Fühler von England vor­lag, daß aber absichtlich von Seiner fDlcjeftät dem Kaiser und mir nichts darüber gesagt wurde, auf welchem Wege der Fühler an uns gelangt ist. Das sollte absolut geheim bleiben."

Einmal beweist diese Aeußerung, für wie wich­tig auch der Kanzler die Angelegenheit hielt, und daß der Friedensfühler nicht so bedeutungslos war, wie die Alldeutschen es jetzt hinstrllen. Die Wichtigkeit des' Schrittes der päpstlichen Diplomatie konnte mich nur übersehen, wer für diplomatische Aktionen kein Verständnis und von Zusammenhängen auf dem Gebiete der internationalen Politik keine Ahnung hatte.

In zweiter Linie aber fragt sich doch jeder: warum diese Geheimniskrämerei? Daß es Erzberger und den Vertretern der Linken vorent­halten wurde, erklärt Michaelis aus der Furcht vor Indiskretionen. Auffällig ist aber, daß er seinen Freunden auf der Rechten und Ludendorff nicht mehr getraut haben sollte. Oder glaubte er etwa deren Auffassungen und Stimmung hinreichend zu ken­nen, um annehmen zu können, sie würden fein Vor­gehen ohne weiteres billigen? Auf einenP apst - frieden" war man ja auf jener Seite äußerst schlecht zu sprechen. Und wie stand Michaelis selbst zu einem etwaigen Dapstfrieden? Ist es nicht merkwür-

Donnerstag 3J. Zutt 1919» | 1.10 Mk.

ien? und feiner Bundesgenossen ist, mag dahinge- -Fe®Wt biewen; jedenfalls find starke Reibungen unter den mhi Mii'liedern der Entente entstanden. Große kriegerische gerid hfolge hat das Jahr 1917 der Entente bisher nicht $ Bracht. Nur Mesopotamien ist von England ge» l.h tonnen. Große Waffenerfolge zu Lande und zu Wasser Uw» Sieben auf unserer Seite.

_ Ich ziehe den Schliß: Unsere militärische Lage ist künftiger al» die der Entente und unser Bündni? ist Scher. Die Schwierigkeiten im Innern sind . «'ringer nlS bei bei Sntente. Trotzbem bin ich M «vH der Ansicht, daß der Frieden für uns vor Beginn , jjj BWinters erstrebenswert ist, wenn er uns das Nötigste "ringt, was wir zur Sicherstellung unserer späteren üüriSchaftlichen Entwickelung bebürfen und unS in eine flB Etärttche und wirtschaftliche Lage versetzt, die unS finent neuen Verteidigung? «Krieg mit Ruhe ins STuge 'n läßt. Die Kraftquellen unseres militärischen und ff ^rtSchafilichen Widerstande» liegen (aufjee in Armee II und Flotte) in der Landwirtschaft, den Bodenschätzen und st unserer stark enttoidEefiien Industrie. Ohne Ru- uumien und die anderen besetzten Gebiete wären wir ® 'ine hoch bedenkliche Verpflegung?«Sage gekommen. PB mit Rumänien bleibt sie ernst genug. Sie würde "fi-Nvch verschärfen, wenn wir, wie wir später hoffen 'uuffen, Belgien zu verpflegen haben. Die» können wir ^'it nicht. Wir müssen daher

richten, soweit hierdurch ein geordneter Schul- bktrieb auch im Sinne des Absatzes 1 nicht beeinträchtigt wird. Der Wille der Erziehungs- berechtigten ist möglichst zu berücksichtigen. Das Na- Here bestimmt die Landrsgesetzgebung nach den Gruno- sätzen eines zu erlassenden Reichsgefetzes. ui m Uebergangsbestimmungen soll weiter folgende Bestim­mung ausgenommen werden:Bis zum Erlaß des rri Artikel 143 Absatz 2 vorgesehenen Reichsgefetzes bleibt es bei der bestehenden Rechts­lage. Das Reichsgesetz hat Gebiete des Reiches, m denen eine nach Bekenntnissen nicht getrennte Schule gesetzlich besteht, besonders zu berücksichtigen."

Die Bedeutung des neuen Schulkompromtsses liexi nach derGermania" darin, daß nicht mehr wie bis­her die drei im Entwurf vorgesehenen Schulartcn g l e i ch b e r e ch t i g t in der Rerchsgesetzaebung neben­einander stehen, fondern fortan die Simultan- schule die Norm für die Schule darstellen wird. Die anderen Schularten können nur, wo ein Verlangen des Erziehungsberechtigten es erfordert neben der Simultanschule eingerichtet werden. nicht zu unterschätzenden Vorteil sieht es das Blatt an daß die alten Rechtsgrundsätze für das Schulwesen geb tend bleiben. DerVorwärts" sagt zu dem Kom­promiß: Es ist nun Sache der Freunde der weltlichen Schule, für sie die Herzen der Erziehungsberechtigten zu erwärmen. Dann können wir die ideale Schulso:n der Sozialdemokratie, die für ganz Deutschland burck- zusetzen wir nicht stark genug gewesen sind, überall dort einsühren, nach dem Maß unserer Zahlenstörle, wo wir sie wünschen.

Wir Katholiken aber, das geht aus all dem her­vor, werden um unsere konfessionelle Schule sozusax-n einen täglichen Kampf führen müssen. So­bald wir schlapp werden, ist die christliche Schule uns verloren.

Kommunistisches Thraker.

** Frau Zietz, die Führerin der unabhängigen Sozialdemokraten in der Nationalversammlung, Hal bei der Debatte am Dienstag über die Freilassung der Dortmunder kommunistischen Ruhestörer, die in einen Hungerstreik eingetreten sind, einen $ßein« krampf bekommen. Sie schrie unaufhörlich:Die armenMenschenverhungerni" Frau Ziotz fuchtelte dabei wie wild mit allerhand Aktenstücken in der Luft herum und warf sie schließlich in höchster Ekstase auf die Erde. Die gute Frau scheint dringend erholungsbedürftig zu fein. Üb­rigens haben von den Streikenden 38 den Streik bereits wieder aufgegeben und essen wie­der, 12 streiken noch, aber ihr Zustand ist nicht be­sorgniserregend. Damit entpuppt sich diese von den Unabhängigen so gewaltig aufgebauschte Angelegenheit wieder mal als eine jener bekannten Hetze­reien, auf die sie schon aus agitatorischen Gründen nicht verzichten können. Einzelne der Verhafteten sind, weil für ihre Inhaftbehaltung kein Grund mehr vor­lag, entlassen worden. Von Essen aus ist dem Gene­ralkommando eine von Kommunisten unterzeichnete Drohung zugegangen, in der für den Fall der Nichtfrei­lassung der Inhaftierten der Generalstreik angekündiqt wird. Von Bochum aus werden Demonstrationszüge zugunsten der Freilassung der Inhaftierten angekün­digt. Bei den Inhaftierten handelt es sich um Leute, die sich an der Bildung der Roten (Barbe beteiligt haben und andere.

®ie Beamterrbesoldung.

Die Reichsregierung hat nach einer amtlichen Mel­dung am 29. mit der preußischen Staaisregierung ein­gehend über die Frage der Teuerungszulagen an Beamte u. über die Inangriffnahme einer Re­vision der Besoldungsordnung verhan­delt. Als Ergebnis ist mitzuteilen, daß Liefe sehr schwierigen Fragen alsbald im Reichssinanzministeriurn unter Zuziehung von Vertretern sämtlicher Gliedstaaten und der Deamtenvertreter erörtert werden sollen.

Eine deutsche Polizeilruppe.

Infolge bet Heeresmuorönung kann die Polizei keine militärische Unterstützung mehr gegen organisierte Verbrecherbanden und Unruhestifter erhalten. Daher wird eine Polizeitruppe aus kasernier­ten Jungmanns chaftcn geschaffen» welche den ganzen Sicherheitsdienst zum Schutze der Staatsord­nung, des Lebens und Eigentums der Bürger durch Patrouillen, Posten und Bereithaltung geschlossener Verbände vorfieht. Diese Einrichtung wird in allen preußischen Städten, die bisher eine staatliche Polizei hatten, geschaffen und soll auch den etwa gefähr­deten Landgebieten zugute kommen. Die übrigen deutschen Staaten beabsichtigen eine ähnliche Einrichtung. Auch in den nach dem Friedensvertrag militärfreien ©ebietsftreifen wird diese Polizei einge­richtet.

Cf luxemburgische Erzbecken mit dem Saarrevier und ""derländisch-westfälilche Industriegebiet, das sich vchck tu? d'r belgischen und holländischen Grenze zu immer * jn* »usbauen wird. Die E-efährdung dieser Gebiete I W?" diesem Kriege nicht in Grschrinuug getreten, weil * C***® Aufmarsch der Entente zuvorgeksmmen sind. 1 jZ ~ebeutung der Industriegebiete ist anfangs über» - ES; nicht voll erkannt tooriien. Hieran besteht kein tg lei und muß damit rechnen, daß unsere Feinde thff versuchen werben, uns in diesen Gebieten zu j, Wurde nur dies gelingen, so wären wir nicht Luge, den Verteidigunc^skrieg zu führen. Wir .uuch wirtschaftlich erledigt. Die inneren po- ^ll<hen Folgen brauche ich nicht zu erörtern. Der ' Schutz dieser beiden Gebiete ist für uns eine n* ta®e W'r müssen hier erreichen, was wir irgend können, wozu uns ere Lage berechtigt, wir yichis, so kann an unsere Lage nur mit et Sorge gedacht totröen, und e» wäre dann Bor-

B cye Hand würde die? erleichtern. IM Weiten en- n,?1? dir die beiden großen Zentren, das lethrinxssche mir1 v. wremburaisckie (5r«h#<f#n mit dem Saarrevier und

4*1 A. I Verantwortl. für den reLaktion.Tei! J.V.: Dr.Joh. Kramer,

Xt- U I 1 für die Anzeigen: I P a rze 11 e r, Fulda. Rotationsdruck.

Drfsi lußland treibt der inneren Auflösung entgegen. Julin Damit scheidet e? als vollwertiger Gegner gänzlich au».

fteAerhättnisse im Osten nehmen für un3 eine sehr eile«, ünstige Gestalt an. Die übrigen Ententemächte 31 ) innen mit Rußland und Rumänien nicht mehr in [ Ägi ollem Umfange rechnen. Sehnliche Erscheinungen weist («u tnierBündnir nicht auf. Italien rechnet anscheinend

uie grenzen Asnuiirn» uuci vyiuunu schieben und Ost- und Westyreußen etwas ber- Erst dann können wir Ppeußen schützen. Auch cM 'wigen Stellen der Provinz Posen läuft die Grenze 'a «Irisch ungünstig. Ob wir mit Kurland euf die 81 El?1 Ostseeprovinzen anzi^end wirken, muß der friere" polifischen Entwickelung überlassen bleiben, und Kartoffeln sind ente Macht wie Kohle und .Unsere Bodenschätze und Industrie liegen an tfatl tux A'sriUgrenzen so ungünstig wie möglich. Regierung "ieichz-ag haben die schwierigeLage de? oberschlesischen r'M «ri x 8 Won vor dem Kriege ernnnt und hoben die Stand- » 18 fcir ~ Vermehrt und verstärkt. Da? allein genügt nicht, ULmiiffen Oberschlefien auch durch Land gewinn

big, daß er angebetene Dienste zurückwies, und in Spanien seinerseits einen Vermittler suchte. Das drängt einem unwillkürlich die Vermutung auf, daß man den Papst als Vermittler nUjt ha­ll e n w o l l t e. Ludwig in. von Bayern hat, wie die Reichspost" in Wien schreibt, verschiedentlich in Pri- vatgesprächen schmerzlich bedauernd hervorgehoben, Ludendorff lehne es ab, sich mit Friedens- vorfchlägen des Papstes auseinanderzufetzen. Der Verdacht, daß Abneigung gegen den Papst damals eine Rolle gespielt hat, wird bestätigt durch Ue kürzliche Erklärung o. Michaelis, der hl. Stuhl habe nickt die Sicherheit unbedingter Vertrauenswürdigkeit geboten. Ohne eine Spur von Beweis wagt dieser Herr heute einen solchen Satz in der Oeffentlichkeit zu vertreten, und fügt dazu eine schwere Kränkung der Stelle, die sich als Vermittler zu unfern Gunsten angeboten hatte und die während des ganzen Krieges nie aufgehört hat, für die Versöhnung der Völker und dir Beendigung des entsetzlichen Blutvergießens zu wirken. Mit Scharfblick hatte Benedikt XV. den Abgrund erkannt, dem Deutschland zustrebte und sein Wunsch war es, Deutschland wie Oesterreich-Ungarn unter erträglichen Verzichten aus dem Kriegsunglück und aus den Gefah­ren innerer Erschütterungen herauszufüh-en. Das fein gesponnene und geschickt ausgeworfene Netz der über­legenen internationalen Diplomatie der römischen Kurie wurde in Deutschland zerstört.

(Eine bevorstehende Veröffentlichung.

Der Vatikan wird, wie verschiedene Blättsr be­richten, die diplomatischen Aktenstücke aus dem Herb st 1917 veröffentlichen.

Was wkr für Bundesgenossen hatten.

Soeben fällt Schleier um Schleier von den Vorgän­gen in der Kriegszeit, die dem deutschen Volke bislang mit erstaunlicher Kunst verhüllt worden sind. Was wir sehen, ist zum Teil entsetzlich und doch handelt es sich um Dinge, die nicht abgeleugnet werden können. Ein Band amtlicher Dokumente, ber soeben in?Berl. Tage, blatt" eine Besprechung erfährt, zeigt uns die ehemali­gen Bundesgenossen am Bosporus, die Türken, in einem Lichte, das Entsetzen und Abscheu her. vorrufen muß.

Im Auftrage des Auswärtigen Amtes bat Dr. Jo­hannes LeyfiuS die diplomatischen Akten, die sicki auf die Ereignisse in Armenien und auf die Beteiligung Deutschlands an diesen enffehlichen Er- eignissen beffiehen, geprüft und aneinandergercjht und er unterbreitet sie auf 600 Seiten dem Urteil der zivilisierten Welt. Levsius hatte schon im Jahre 1915 bei einem Aufenthalt in ter Türkei Material über die ungeheuerlichen Armeniermorde, die damals noch nicht bis zur letzten Scheußlichkeit gediehen waren, erhalten und er hatte einen Bericht über dieLage des cimcni. scheu Volkes" verfaßt. Die deutsche Zensur verbot die Verbreitung dieses Berichtes, uni- der Presse wurde, wie Lehsius im Vorwort feine» Dokumentenbandes er» wähnt, durch offizielle Instruktionen Schweige» pflicht über die Armeniergreuel aufer. legt. Die armenischen Männer, Frauen und Kinder wurden danach überall, nachdem man ihnen den ge. samten Besitz genommen hatte, aus ihren Wohnstätten herauSgetrieben, »ort erbarmungslosen Henkern und Eskorten Bis zum Wüstenrande geveitfcht, wo dieKon. zentrationslager" waren. Die Männer touiten von Frauen und Kindern getrennt abseits geführt und ge­tötet, die jüngeren Frauen und Mädchen, auch Kinder, in türkische Harem» und kurdische Dörfer verkauft und verschleppt, Kurden und Regierungstruppen der 86. Kavallerie-Brigade hatten unter Führung ihrer Offi» ziere in vier Tagen 2025 000 F rauen und Kinder in der Kamackfchlucht ganz nahe beim Korn- rnando des 3. Armeekorps erwürgt. DaS war nur ein kleiner Anfang. Tie Ziffern stiegen nach zu ganz anderen Höhen an. In den Konzenttationslagern am Wüstenramde kamen btejenigen, die hingelangt waren, in Hungerkrämpfen um. Mitleidige türkiscke Beamte, die wenigstens mildern wollten, wurden abgesetzt. Deut­schen, Amerikanern und Schweizern wurde jeher Ver­such, Hilfe zu bringen, untersagt. Auf türkischem Bo­den wurde nach den bisherigen Schätzungen ungefähr eine Million Menscken so in unsag­barer Scheutzlichkeit vemichtet und dazu noch 100 000 im Kaukasus.

Die Enterttepresse hat behauptet,. Deutschland habe dieses ungeheure Verbrechen begünstigt. Deutsch« Be- amte hätten sogar aufgereizt. Die zahllosen Be­richte der deutschen Konsulen, die Leysiuz veröffentlicht, sind ein einziger Schrei nach Hilfe, eine einzige Anklage gegen die Mörder und zeugen von einem unablässigen und fast immer erfolg- losen Bemühen, den Verfolgten beizustehen. Ter Bot­schafter von Wangenheim und fein Nachfolger versuch­ten, die türkische Regierung davon zu überzeugen, daß die Nrmeniermor.de aufhören müßten, dr ftc von den Ententemächten auch gegen das angeblich schützende Deutschland cruSgenützt würden, und paß sie in den Augen aller zivilisierten Menschen eine Schande seien.

Es ist traurig, daß die deutsche Regierung nicht energisch genug gegen diese türkische Räuberbande, deren Haupt da? jungtürkische Komitee war, vorgegan­gen ist. Die Armenier, die diese schmackvollen Ver. solgungen durch die Türken auSzustehen hatten, sind bekanntlich zu einem Bruchteil r ö m i s ch-k at h v. lisch (liniierten Armenier), während di« Mehrzahl seit dem Konzil von Chalcedon von Rom getrennt sind. In den Kreisen deutscher Katholiken ist auch während d«S Krieges, freilich unter starker Behinderung durch die Zensur, eine HilfSattion für die Armenier betrieben worden.