M 173.
Attttwoch, 30. Juli ISIS.
--- Wuldaer Zeitung Druck bet- Fuldaer Äetieadrnckerei i« Fulda.
^as Kleine Igarabxes.
^Hotnan von Irene v. H e1 Im uth.
Bl den Kopf. Die Gartenpforte knarrte leise. ^Meinung, der Vater kchre zurück, lief sie ein paar _ c dem Ankommenden entgegen. , Statt des Er- kat Felix Ebbhardt herein. Marias Gesicht Ni ei1" Schatten. Schon wieder dieser unliebsame iZr ®$on überlegte sie, ob sie nicht einfach ins Haus IwHo Iva' °^er !>el' iun9c Mann stand schon fast neben Eu,*0 <m ein Entkommen nicht zu denken war. Er K* ^rc Absicht erraten, denn er beeilte sich, trat an sie heran, und faßte nach ihrer Hand, die nur widerwillig ließ.
8k wa Ionfeo Sie nicht fort", rief er dringend, »gönnen Eg”™ Ihre Gegenwart!"
■jl J®01? einen finsteren Blick auf Linda, die ebenfalls "rn hj p *tat und ihn mit einem Wortschwall willkom- ®r ^ätte so gern einmal allein mit Maria ge-
■Ev’ ai,cr es gelang -hm nie. Linda wich keine Mi- " *er Seite der Schwester. Er zerbrach sich ner- en Kopf nach einem Dorwand, um ne ent- "C' ^'oulein Linda", sagte er plötzlich, „möchten Wst sein, und mir das Lied holen, von dem
neulich sprach? Ich möchte die Noten gerne x g/ ,en’ um sie zu Hause obzuschreiben."
W ihr er°b widerwillig, aber sie mochte einsehen, K«, 7r den Augenblick nichts anderes übrig blieb, W^°sehen.
Linda verschwunden war, begann Felix Ebb- ^W^sch uimend: „Fräulein Mario, zu einer langen A«ß y, "u^t mir keine Zeit, nur einmal — einmal '^nen sagen, daß ich, daß ich Sie liebe habe, M ^r u<f,On" T Lch weiß ja, ich habe nichts zu hoffen, WHy J6®6" bie mir, ob Nicht ein winziges Fünkchen in ^Ser, 3Jas*1 "ich glüht! — Ich wäre ja mit we- M ^den, ich würde auch warten, so lange Sie es WgA®^iuugen, jahrelang, wenn Sie wollen. Ich Wh et> Mit der Zeit würden Sie es vielleicht lernen, zu haben! Sagen Sie mir nur, ob
Ma- würde Windthorst tun?
Es Veteran der Zeutrumrpartei, der die Kultur» ^»wfzzert kämpfend miterlebt hat, schreibt unS: •“c^einem westfälischen Sonntagsblatte wird gjr Mangel an ManneSmut und Heldentum ge» !£rf und bte Frage aufgeworfen:
*88o ist die zum äußersten entschlossene Widerstands.
•k unfern ehrwürdigen Parlamentarier au» der Zeit Si «alturkam pfe»? So hören wir nur von 9tütf= Aompromiffen, Widersprächen, Entschuldigungen, E^htungen und menschlichen Rücksichten!
Die Erinnerung an unsere alten Vorkämpfer im -gflnrfampf der siebziger und achtziger Jahre ist sehr Das Borbild von Mndthorst und den an» l^wackeren Führern soll uns auch jetzt noch matz- sein. Nur müflen wir natürlich ihr Wirken ^Ganzen auffasien und würdigen.
' gjj haben mit Mannesmut und mit heldenhafter «Werfeü die schärfste Opposition durch geführt gegen ^damlige Gewaltpolitik Bismarcks. Aber sie haben für die Anbahnung des Friedens, für einen er» Ufenben Ausgleich gearbeitet, sobald sich Aussicht für Verständigung bot.
zgs da behauptet, das Zentrum habe zu jener nur durch unentwegtes Heldentum feine Erfolge gingen, und alle Kompromisse verschmäht, der ver- jgntt bie markantesten Tatsachen der Geschichte. Bahn- -relMd war vor allem das Franken st einsche Kompromiß in den großen Zoll- und Steuerftagcn Boa 1879. Zu dessen Abschluß gehörte nicht bloß viel Wghest, sondern auch viel Mannesmut: denn Fran- kwftein, Windthorst und ihre Genossen wußten ganz genau, daß ein großer Teil ihrer Wähler nach den toaueriiifjen Erfahrungen der acht Jahre keine Stirn- ^^hchten für Anschluß an die Regierung und die oder gar für die Bewilligung von Das Neinsagen wäre bequemer gewesen, u_ keineswegs nützlicher für Staat und Kirche. Die Skseitigung des Jesuitengesetzes ist auch nicht M einem Schlage erfolgt, sondern von Stufe zu stufe.
In den achtziger Jahren wurden dann die M a i • ersetze allmählich etwas abgemildert durch eine Reihe von neuen Gesetzen. Das waren lauter Halbheiten und Kompromisse, aber das Zentrum stimmte jeber Anzahlung zu. Auch das letzte Abänderungs- zejetz, das die Anzeigepslicht regette, war nichts Ganzes Md Abschließendes, sondern wurde vom Papst Leo XIII. als „Zugang" zum Frieden bezeichnet. Dieser Papst glorreichen Gedächtnisses war der oberste Phrer in dieser Politik des geschmeidigen Ausgleichs. Wer wagt zu behaupten, daß Papst Seo XIII. Mangel an Mannesmut gehabt und von menschlichen Rücksichten sich habe irreführen lassen?
Als hn Jahre 1887 die Septennatswahlen eine konservativ-liberale Kartellmehrheit ergeben hatten, mar bas Zentrum wieder in die Gefahr geraten, aus« geschaltet und in die unfruchtbare Opposition gedrängt zu werden. Windthorst wußte die Berhandlungen über die Branntweinsteuer so zu lenken, daß die Zen- mmspattei wieder Fühlung mit den Konservattven smb. Das Kartell wurde alsbald gesprengt.
Die Anläufe zur Schulgesetzgebung in den neunziger Jahren scheiterten. Windthorst starb, nachdem er den Rest feiner Kraft den Ausschußberatungen über das Schulgesetz gewidmet hatte. Es dauerte noch ein Jahrzehnt, bis seine Nachfolger eine gesetzliche Grundlage für die konfessionelle Schule erringen ttmn- ten. Auch nur auf dem Wege des Kompromisses. Der Vergleich mußte soaar mit den Nationalliberalen «Massen werden. Dieses preußische Schulunterhaltungsgesetz konnte als Halbheit belltest werden; aber mos es wert war, sehen wir jetzt, wo alle Kraft angespannt wird, um das zu retten, was uns dieses Schul- komoomiß beschert hatte.
Was die Zentrumspartei in den rein weltlichen «ngen durch die Mischung von kühner Kraftentfaltung to™ Mer Klugheit erreicht hat, wollen wir nicht weiter «ariern. Es genügt die Feststellung, daß feine ge» iworenen Gegner sich bitterlich beklagten über die "pichende Stellung", welche diese Partei der gebo= ffflen Minderheit sich errungen hatte.
“mf) der Revolution hätten Unsere Abgeordneten W ebenso m den Schmollwinkel stellen können wie Konservativen. Was wäre die Folge eines solchen -Vloentums" gewesen? Bon all den Garantien für ^ugwsen und sittlichen Interessen des Volkes hätten ®«nichts erlangt, rein gar nichts; wohl aber würde eine alleinherrschende Linksmehrheit die Tren- Kttche und Staat, die Beraubung der Kttche, ■ wüT; Mng des Religionsunterrichts aus der Schule Zwang zum Besuch der bekenntnislosen Ein- s^ichule bereits durchaekührt fein. Wir wären be
reits in das Elend der französischen Kirchen- und Schulpolitik geraten.
Davor hat uns die Zentrumsftaktion bewahrt, indem sie einerseits mutig genug war, die. Mitverant-' wortlichkeit für die schwierige Regierung zu übernehmen, und andererseits klug genug, um Kompromisse herbeizuführen, zur Rettung unserer höchsten und heiligsten Güter. ______________
Vermischtes.
** Tie Schlösser der kaiserlichen Familie. Nach langwierigen Kommissionsarbeiten stehen nunmehr die Verhandlungen über die Zukunft der Schlösser kurz vor dem Abschluß. Die zum Teil recht verwickelten Fragen Haden zu dem Ergebnis geführt, daß alle durch Privatmittel der Krone erworbenen Schlösser ihr auch verbleiben sollen. Im allgemeinen werden dagegen die Schlösser, dre nach 1797, dem Todesjahr Friedrich Wilhelms II, erbaut wurden, vom Staate in Anspruch genommen werden. Demnach werden außer dem Berliner Stadtschloß und dem Kronprinzenpalais auch Schloß Monbijou, das Schloß in Ebarlottenburg, das Stadtschloß in Potsdam, das Marmorpalais und Prinzesfinnen- palais Staaisbesitz werden. Der Krone verbleiben dagegen da? Schloß Bellevue, das Palais des alten Kaisers, daS Palais des Prinzen August Wilhelm, das Ministerium des königlichen Hauses und Schloß Babelsberg. Bemerkenswert ist auch, daß auch große Neuerwerbungen der Krone bei Charlottenburg, Sansouci und den anderen Schlössern in staatlichen Besitz übergehen, ohne daß dafür vollkommen Ersatz geleistet wird.
Die Löslichste Stadt Europas. In „Daily Chro- nicle" (21. Juli 1919) wird unter der Ueberschrift: Die höflichste Stadt Europas dargelegt. wie die Engländer Köln und , die Kölner Bevölkerung anerkennend ezn schätzen. Die Beziehungen zwischen Engländern und Deutschen seien durchaus korrekt, beiderseits herrsche zwar eine würdige Zurückhaltung, aber gerade deswegen sei der Verkehrston so höflich tote in keiner anderen Stadt Europas.
* Ter gewendete Löwe von Waterloo. Der belgische sozialistische Abgeordnete Pepin hat die belgische Regierung gebeten, daß zur Erinnerung an die Frie- densunterzeichnung und die Befreiung Belgiens, für die Frankreich so viel Blut vergossen habe, der auf dem Schlachtfeld von Waterloo errichtete Löwe umge- drebt werde, damit sein geöffneter Rachen nicht mehr wie bisher gegen Frankreich weise. — Auch recht!
Katholischer ti$otte8bieuS.
Donnerstag, 31. Juli. Tom. Nachmittags Vi5 Uhr Beichtgelegenheit. — Stadtpfarrkirche. Nachm. 5 Uhr Gelegenheit zum Beichten. Die Beichte hat Geltung für den Portiunkula-Ablatz.
Amtliche Anzeige«. Beffimmungen ilder das Wagen ooi SelsrWm.
i.
Oelfrüchte dürfen nur geschlagerk werden, wenn sie mit einem vom unterzeichneten Kommunaloerband ausgestellten Schlagschein belegt sind. Der Schlagschein muh enthalten:
1. Name und Wohnort des Anlieferers,
2. Menge und Art der Oelfrucht,
3. Ort und Datum der Ausstellung,
4. Kontrollnummer, Stempel und Unterschrift der ausstellenden Behörde.
2.
Oelfrüchte, welche nicht gemäß Nr. 1 mit einem Schlagschein belegt sind oder ohne einen solchen angeliefett werben, verfallen der Beschlagnahme. Die Beschlagnahme bleibt mich dann bestehen, wenn der Schlagschein nachträglich ausgestellt oder beigebracht wird. Die Schlagscheine sind auf eine bestimmte Mühle ausgestellt und dürfen die Oelfrüchte nur in der auf dem Schlagschein bezeichneten Mühle verarbeitet werden.
Oelfrüchte, die der Beschlagnahme nach Absatz 1 unterliegen, dürfen weder in den Betriebs-, Wirtschafts- noch Wohnrämnen des Oelmüllers aufbewahtt werden. Ihre Annahme ist zurückzuroeisen.
Die angelieferten Oelfruchtmengen dürfen das in dem Schlagschein vermerkte Gewicht nicht überschreiten. Das Mehrgewicht ist von dem Oelmüller zurückzuweisen.
' 3.
Inhaltliche Abänderungen des Schlagschemes dürfen nur von der ausstellenden Behörde vorgenommen werden.
4.
Die Schlagscheine sind nach der Reihenfolge ihrer Anlieferung so aufzubewahren, daß sie vor Verlust und Beschädigung geschützt sind. Sie müssen auf Verlangen jederzeit dem Ueberwachungsbeamten des unterzeichneten Reichsausschusses (siehe Nr. 12, Abf. 1) sowie einem entsprechend bevollmächtigten Beamten des unterzeichneten Kommunalverbandes bezw. der Reichsgetreidestelle zur
Maria senkte traurig den Kopf. Es tat ihr aufrichtig leid, ihm so ganz und gar keine Hoffnung machen zu können. Warum nur konnte sie ihn nicht lieben?
„Sprechen Sie doch nur ein Wort, die Zeit ist so kurz", drängte er ungestüm.
„Wozu fragen Sie mich nach?" erwiderte Maria endlich in gequältem Ton. „Sie wissen doch vermutlich schon, daß ich Ihre Liebe nicht erwidern kann; so etwas läßt sich eben nicht erzwingen, und darum hätten Sie uns beiden diese peinliche Szene ersparen sollen!"
„Ich wollte es von Ihnen selbst hören", murmelte er niedergeschlagen. „Aber dos versprechen Sie mir, sollten Sie je einer Hisse, eines treuen, aufrichtigen Freundes bedürfen, — daß Sie sich dann an mich wenden rciroen! Mein Leben gäbe ich hin, könnte ich Ihnen damit nützen! Wallen Sie dessen eingedenk bleiben, Mona?"
Er hielt ihr feine Hand hin und sie legte die ihre hinein. Sie atmete auf, als Linda zurückkehrte und gleichzeitig mit ihr der Vater in den Gatten trat. Maria eilte ihm entgegen und führte ihn zu der Bank.
„Nun, Vater, wie ging es in der Stadt?"
„Der Theaterdirektor kam mir seltsam bedrückt vor", berichtete der alte Herr, „so, als ob et mir etwas sagen wollte und doch nicht recht mit der Sprache herauskönnte. Er meinte, ich sähe recht angegriffen aus und ich solle mich doch schonen, denn die heutigen Anforderungen brauchten einen ganzen Mann. Mindestens ein paar Wochen müsse ich noch zu Haufe bleiben. Und als ich ihn fragte, ob ein Ersatz für mich da sei, da meinte er achselzuckend, er hätte einstweilen einen jungen tüchtigen Mann zur Aus- hllfe engagiert, den er später wahrscheinlich als zweiten Violinisten beibehalten werde. Er sprach zuletzt sehr wohlwollend und freundlich zu mir, aber er konnte mir nicht so recht ins Gesicht schauen, ich fühlte, daß irgend etwas nicht in Ordnung war. Ein paar Kollegen, denen ich begegnete, wollten sich erst an mir oorbeidrücken, als hätten sie mich gar nicht gesehen, aber als ich sie anrief, und fragte, weshalb sie mich gar nicht besuchten, entschuldigten sie sich mit vieler Arbeit. Der neue Kapellmeister, erzählten sie, sei ein sehr strenger und rücksichtsloser Herr, der das kleinste Versäumnis unnachsichtlich rüge und mit Strafen drohe. Er führe ein strammes Regiment. Ich wollte
Einsicht vorgelegt, dürfen ober niemals ans der Mühle entfernt werden.
Der Ueberwachungsbeamte des Neichsausschusses ist be- rechttgt, die erledigten Schlagscheine einzuziehen und zu vernichten.
Der Oelmüller hat bas votgeschtiebene Mahlbuch ordnungsmäßig zu führen. Ist es noch nicht in feinem Besitz, so hat er es sich unverzüglich anzuschossen.
6,
Die angelieferten Oelfrüchte sollen möglichst mit einem Zettel versehen werden, der den genauen Namen und Wohnort des Anlieferers sowie das Gewicht der Früchte enthält. ?
Dos Schlagen von Oelfrüchten bars nur gegen Barent- schäbigung erfolgen.
Die Berechnung bcs Schlaglohiies richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen; in diesem Rahmen ist sie dem Lel- müller überlassen, doch kann der unterzeichnete Kommu- naloerband eine allgemeine Regelung, insbesondere die Herabsetzung eines wucherischen Lohnes für die Mühlen seines Bereiches vornehmen.
8.
Dem Anlieferer sind Oe! und Kuchen resllos auszu- licfcrn.
9.
Ist der Betrieb einer Oelmühle so umfangreich, daß diese nicht in der Lage ist, dem Anlieferer gerade die aus feinen Oelfrüchten gewonnene Menge an Ott und Kuchen auszuhändigen, so ist sie verpflichtet, ihm mindestens eine Menge Oe! auszuhändigen, die
1. bei Raps, Rübsen und Mohn %,
2. bei Leinsaat, Senf und Dotter %,
3. bei Hans und Sonnenblumensamen i/e der Gewichtsmenge der angelieferten Oelfrüchte entspricht, und die entsprechende Menge Kuchen.
10.
Alle Ueberschüsse an Ott, wozu auch Trops- und Satzöl gehört, sind dem unterzeichneten Reichsausschuß, und zwar dessen Abteilung 7 F, Oelrücklieserung, behufs Abnahme
anzumelden.
Ueberschüsse an Oelkuchen und Kuchenabfällen sind der Reichsfuttermittttstelle, Gefchäftsabteilung, Berlin W 35, Potsdamerstraße 30/31, gleichfalls allmonatlich anzumelden. Verzichtet der Anlieferer auf den chm zustehenden Oelkuchen, so ist ihm freizustellen, den Oelkuchen zu nachstehenden Preisen dem Oelmüller mit der Maßgabe zu Überlassen, den Kuchen der Reichsfuttermittttstelle zu dem gleichen Preise abzuliefern. Die Ueberlassung ist im Mahlbuch unter Preisangabe zu vermerken.
Die Preise betragen: Rapskuchen Rübsenkuchen Mohnkuchen Leindotterkuchen Leinkuchen Sonnenblumenkuchen Hanfkuchen
240 M per 1000 Kilogr
240 M per 1000 Kilogr.
240 M per 1000 Kilogr.
240 Jl per 1000 Kilogr.
300 M per 1000 Kilogr.
280 M per 1000 Kilogr.
210 M per 1000 Kilogr.
Dem Oelmüller ist gesetzlich verboten, irgendwelchen Handel mit Oelfrüchten oder bereit Erzeugnissen zu treiben.
11.
12.
Ist ber Oelmüller Selbsterzeuger von Oelfrüchten, so sst er ben vorgenannten Bestimmungen ebenfalls unterworfen.
Der unterzeichnete Rttchsausschuß läßt den Bttrieb der Oelmühlen durch einen im Besitz eines entsprechenden amtlichen Ausweises befindlichen Ueberwachungsbeamten prüfen. Wird dieser in der berechtigten Ausübung seiner TStigkett behindert, so kann er behördliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Beamte des unterzeichneten Kommunaloerbandes sowie die Ueberwachungsbeamten der Rttchsgettttbestelle find gleichfalls berechtig, eine entsprechende Prüfung des Mühlenbetriebes vorzunehmen.
13.
Dem Ueberwachüngsbeamten müssen auf Verlangen sämtliche Schlagscheine, das Mahlbuch und sonstige Unter- lagen zur Prüfung oorgelegt werben. Er ist berechtigt, Oelfrüchte und die daraus gewonnenen Erzeugnisse nach- zuprüsen und nachzuwiegen. Der Oelmüller ist verpflichtet ,ihn hierbtt zu unierpü&en.
14.
Der Ueberwachungsbeamte ist verpflichtet, nicht mit Schlagschein belegte Oelfrüchte und die daraus gewonnenen Erzeugnisse sicherzustellen, dem Oelmüller hierüber eine Bestätigung auszuhändigen und dem unterzeichntten Kommunalverband hiervon Kenntnis zu geben, ber daraufhin die endgültige Beschlagnahme vornttnmt.
Der Oelmüller trägt die Verantwortung für die sicher- gestellten Mengen.
15.
Andere Oelfrüchte als Raps, Rübsen, Mohn, Leinsaat, Leindotter, Sonnenblumen, Senf und Hanf dürfen — auch auf Schlagschem hin — nicht zur Verarbeitung angenommen werden.
16.
Verstößt der Oelmüller böswillig gegen vorstehende Bestimmungen, so hat er die unverzügliche Schließung
auch ihn auffuchen, um mich bei ihm zu melden, traf ihn aber nicht zu Hause an. Die Sache hat mich mehr angestrengt, als ich dachte", schloß der alte Herr, „ich bin furchtbar müde. Uebrigens traf ich auch Hans in der Stadt. Er braucht natürlich schon wieder Geld, der arme Junge, ist auch nicht auf Rosen gebettet, denn bei aller Sparsamkeit reichen seine Mittel doch immer nicht aus. Er klagt sehr und versichert, daß er sich eingerichtet, so gut es gehe, aber das Leden in brr Stadl ist sehr kostspielig."
„Er hätte eben einen anderen Beruf ergreifen sollen", warf Linda bissig ein. „Wozu mußte er studieren? Und bann könnte er ruhig hier draußen bei uns wohnen, wir haben Platz genug, dann wäre doch die teuere Miete erspart. Mit ber elektrischen Dahn erreicht man sehr rasch bie Stadt. Ader natürlich, hier ist es dem jungen Herren zu einsam, er zieht' bas Leben in der Stobt vor."
Felix Ebbhardt stand auf, um sich zu verabschieden. „Sollten Sie etwas nötig haben, bitte, wenden Sie sich an mich", sagte er. ,
Maria schaute in banger Besorgnis auf ben Vater. Sie fürchtete, er würde das Anerbieten annehmen. Aber er schüttelte den Kops. „Ich danke Ihnen, mein lieber, junger Fretzvd, vorläufig ist es Gott sei Dank nicht nötig."
Dann gingen sie ins Haus.
III.
Als Maria an diesem Abend ihr hübsches Zimmer betraf, dachte sie noch nicht an Schlaf, obwohl sie ben anderen gesagt hatte, sie wäre sehr müde. Ihre Gedanken wandetten zurück zu dem heutigen Nachmittag und zu demjenigen, ber all ihr Sinnen und Denken beherrschte. Sie sah erst eine ganze Weile im Dunkeln, doch als sie die Lampe angezündet, fiel ihr Blick aus die alte Truhe, die in einer Ecke ihres Zimmers stand und die sie aus Mutters Stube herübergeholt, bald nachdem diese gestorben war. Jetzt schob Mana vorsichtig den Riegel ihrer Zimmertür vor, um von Linda nicht überrascht zu werden; dann öffnete sie erst den Deckel. Obenauf lag allerlei Kram; Bänder, Spitzen, getrocknete Blumen, Fächer, ein paar zierliche Schuhe, bie die Mutter, wie sie oft er« zähtte, auf ihrem ersten Ball getragen, ebenso wie bas Kleid, das sie nachher nur noch ein einziges Mal ange-
feiner Oelmühle zu gewärtigen. Außerdem kann gegen ihn strafrechtlich Dorgegangen werden.
Rttchsansschnh
für pflanzliche und tierische Otte und Fttte G. m. b. H.
Wirb bekannt gemacht mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß die Beschlagnahme ber Oelfrüchte nicht aufgehoben ist, wie dies vielfach angenommen wird.
Fulda, den 26. Juli 1919.
3m Einvernehmen mit dem Arbeiterrat: Der Canbraf. 3. 25.: Köhler.
Mr BroWöe und Gerste aus der Kruke 1919
sind für den hiesigen Kreis festgesetzt: Roggen je Dz. 41,50 M,
Weizen je Dz. 46,50 M,
Gerste je Dz. 41,50 M.
Für die nach § 13 a der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1919 (Reichs-Gesetzbl. S. 535) zu liefernden Früchte dürfen höchstens folgende Uebernahmepreise gezahlt werden:
1. bei Hafer die für Gerste festgesetzten Höchstpreise
(§§ 2, 4),
2. bei Hülsenfrüchten für:
Erbsen 800 'M
weiße Bohnen 900 „
Linsen 950 „
Ackerbohnen 700 „
3. bei Buchweizen für:
ungeschälten Buchweizen 600 .
geschätzten Buchweizen 800 „
wilben Buchweizen (Bockheidekorn, Eifeler Buchweizen) 500 „
Der Preis für Gemenge richtet sich nach der Att der gemischten Früchte und dem Mischungsverhältnisse
Die Höchst- und Uebernahmepreise gelten für Barzahlung binnen 15 Tagen nach Ablieferung. Wird der Kaufpreis länger gestundet, so dürfen bis zu 2 vom Hundert Jahreszinsen über Reichsbankdiskont zugeschlagen
werden.
Die Höchst- und Uebernahmepreise schlleßen die Beförderungskosten ein, die der Verkäufer vertraglich übernommen hat. Der Verkäufer hat auf jeden Fall bie Kosten ber Beförderung bis zur Verladestelle des Ottes, von dem bie Ware mit ber Bahn oder zu Wasser versandt wird, sowie die Kosten des Einladens daselbst zu tragen. Stellt ber Verkäufer Säcke nur bis zu dieser Verladestelle zur Verfügung, so bars hierfür eine Leihgebühr nicht berechnet werben.
Die für Brotgetreibe und Gerste festgesetzten Höchstpreise gelten nicht für Driginalfaatgut, wenn die Bestimmungen über den Verkehr mit Saatgut innegehalten werben.
Originalsaatgut ist nur bas Saatgut solcher Züchtungen, bie unter Bezeichnung des anbauenben Züchters, der Fruchtatt und der Gröhe ber Anbaufläche in einem von ber Reichsgetreidestelle im »Deutschen Reichsanzeiger zu veröffentlichenben Derzttchnis aufgefühtt sinb. Saatgut von Bermehrungsstellen ist nur bann Originalsaatgut, wenn bie Vermehrungsstellen in bem Verzeichnis aufge-
130 'M,
100 ,
80 „
führt sinb. ,
Bei anerkanntem Saatgut bürfen bem Höchstpreis fol-
genbe Beträge zugeschlagen werden: für die erste Absaat bis zu für die zweite Absaat bis zu für die dritte Absaat bis zu
für die Tonne.
Anerkanntes Saatgut sind nur erste, zweite ober dritte Absaaten, die unter Bezeichnung des anbauenben Landwirts, der Fruchtatt, der Größe der Anbaufläche und der anerkennenden Körperschaft in einem von der Reichsgetreidestelle im Deutschen Reichsanzeiger zu veröffentlichenden Verzeichnis aufgefütjrt sind.
Btt sonstigem Saatgut (Handelssaatgut) erhöht sich ber Höchstprttes um 40 M für bie Tonne.
Die Höchstpreise in §§ 15, 16 sind nur zulässig, wenn bie Bestimmungen über ben Verkehr mit Saatgut inne« gehalten werben.
Beim Umsatz von Brotgetreide und Gerste, soweit er nicht im Saatgutverkehr erfolgt, sowie bttm Umsatz ber nach § 13 a ber Reichsgetreideordnung für bie Ernte 1919 zu liefernden Früchte dürfen bem Höchst- und Uebernahme- preis als Kornmissions-, Vermiülungs- und ähnliche Ge- bühren sowie für alle Arten von Aufwendungen nur die von ber Reichsgetreibestelle festzusetzenben Beträge zuge- schlagen werben. Bttm Weiterverkauf von Saatgut dürfen neben den Saaigutböchstpreisen (§§ 15—17) insgesamt Zuschläge bis zu 6 vom Hundert der Presse genommen werden.
Die Zuschläge nach Absatz 1 umfassen vorbehaltlich abändernder Bestimmungen der Rttchsgetteidestelle nicht die Auslagen für Säcke (§ 11); sie umfassen ferner nicht die Auslagen für bie Fracht von bem Abnahmeorte sowie die durch Zusammenstellung kleinerer Lieferungen zu Sammelladungen nachwttslich entstandenen Verfrachtungs- toften, im Saatgutoertefjre nicht bie Beförderungskosten von der Verladestelle des Erzeugers ab.'
Abnahmeort im Sinne dieser Bestimmungen sst ber Ott, bis zu bem der Verkäufer bie Kosten ber Besörbe- rung trägt.
Fulda, ben 26. Juli 1919.
Im Einvernehmen mit bem Arbeiterrat.
Der Canbrat. 3. V.: Köhler.
zogen, „an dem Tage, der meines Lebens Glück zerstörte", wie sie sttts betonte. „Ich hatte mich so auf diesen Ball gefreut", berichtete sie manchmal, „ich war ja so jung da- mats, eben achtzehn, und ahnte nicht, wie schwer das Leben ist. Das erfuhr ich erst später."
„Du solltest Dir wirklich das Kleid für Dich zurecht machen lassen, Maria", hatte sie einmal gesagt. Und mm betrachtete die Tochter lächelnd bas schöne duftige Gewand von allen Seiten. Weich fielen die gelblich schimmernden Spitzen über ein Unterkleid aus mallrosa Silbe. Es war alles noch sehr gut erhalten, bie Seide hatte gar nicht gelitten. Maria überlegte, wie es am vorteilhaftesten oerarbi'tet werden könnte, denn sie wollte so schön als möglich darin aussehen. Sie sah sich nochmals nach allen Seiten um, als fürchte sie, belauscht zu werden, bann streifte sie rasch bie Uebertteiber ab unb schlüpfte in bas Gewanb ber Mutter. Sie nestelte bie Taille zu, biefelbe Figur mußte bie teure Verstorbene als Mädchen gehabt haben, beim es paßte vorzüglich. In rttchen Fallen fiel ber duftige Spitzenstoss an ber schlanken Gestalt hernieder und endigte in einer kleinen Schleppe. Gleich morgen wollte Maria in die Stadt fahren, um mit ber Schneiderin, die ihre einfache Garderobe anfettigte, Rücksprache wegen der Aenderung zu nehmen. Das junge Mädchen betrachtete sich lächelnd in dem kleinen Spiegel und trat dann vor das Bild der Mutter.
„Gefalle ich Dtt?" flisstetten die roten Lippen „Man sagt doch, ich sehe Dir ähnlich und Du galtest allgemein für ttne schöne Frau! Unb ich — ich möchte schön fein, um „ihm" zu gefallen! — Wie töricht ich doch bin“, schall sie sich gleich daraus, während ein Schatten über ihr eben noch so strahlend heiteres Gesicht {log, „ich will gar nicht mehr an ihn denken."
Dann sttesste sie rasch das fällige Gewand wieder ab. Da mit ttnem Male fiihlle sie, daß in ber Tasche ein Papier steckte. Sie zog es heraus, ein Brief war es, zwar vergilbt, aber noch gut leserlich; die Schrift energisch, manche Stelle sah aus, als ob Tränen darauf geträufelt wären und die Borte verwischt hätten.
(Fortsetzung fplflt)