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Tlf 17L I Derantwottl. für den redaktton. Lei: I.«.: Dr. Joh. K ram er, I |IU > | für die Anzeigen: I. P a rze ll er, Fulda. SloratronSdruck.

Montag 28. ZuU 1919. | I 46. Zahrg.

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Die Politik des Zentrums.

Nachdem die Demokraten wegen ihrer Haltung h, der Friedensfrage aus der Regierung ausgeschieden mären und Z-ntrum und Sozialdemokratie allein die Regierungs-Mehrheit bildeten, setzte in der geg­nerischen Presse, vor allem aber in den alldeut­schen Blättern, ethe unglaublich wüste und ver­logene Hetze gegen dar Zentrum ein. In der Haupt­sache richten sich die gegen das Zentrum erhobenen Vorwürfe gegen sein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie bei dec Regierungsbildung, gegen seine Haltung in der Friedensfrage uttb in der Schulfrage. Uno diese SBortvürfe wurden und ^verden in einer solchen Form und in einet solchen Schändlichkeit erhoben, daß sie im höch­sten Grade geeignet sind, unser ganzes politisches Leben völlig zu vergiften.

Es ist deshalb freudig zu begrüßen, und weiteste Arcise der Anhänger des Zentrums werden dankbar dafür sein, daß in der großen politischen Aussprache in der Nationalversammlung in Weitstar am Freitag derAbg.Dr. Brauns die Gründe für dieHaltung und die Politik des Zentrums in ausführlicher Weise batlegie- Wie in früheren Jahren, so haben auch jetzt in dem Kampfe gegen das Zentrum unsere Geg­ner unserer Partei die nationale Gesinnung ebsprechen wollen/ Es hieß, ihnen zuviel Ehre cin- mn, wollten wir uns gegen einen solchen schmäh­lichen Vorwurf verteidigen, denn das Zentrum hat in den langen Friedensjahren und auch in den har­ten Jahren des nun hinter uns liegenden schweren Krieges Beweise genug dafür erbracht, daß es sich an nationaler Gesinnung von keiner andern Partei übertreffen läßt.

Unter dem lebhaften Bifall sagte dann auch Dr. Brauns sehr richtig, daß wir keine Bestätigung unserer nationalen Gesinnung brauchen. Gerade, M das. Zentrum eine nationale Partei ist und nicht wie unsere Gegner eS tun, national mit nationalistisch verwechseln, gerade Weil tl aus feiner nationalen Gesinnung heraus seine ganze Kraft für das Wohl des Vaterlandes jederzeit «nicht, gerade darum hat es sich mit der Eozial- demokratie zur Hebernahme der Regierung zusammen­geschloffen. Denn ohne Sozialdemokratie ist beute eine Regierung nicht möglich. Aus der Slot des Augenblicks heraus hat dar Zentrum trotz unüberwindbarer Gegensätze in der bei­derseitigen Weltanschauung sich mit der kozialdemokratie zu einer Arbeitsgemeinschaft ver­bunden.

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Es galt, zu handeln und, unbekümmert um die mit Sicherheit zu erwartenden Verdächtigungen und Schmähungen der Leute, die selbst von der riefen« schwer lastenden Verantwortung zurückschreckten, daS Vaterland vor einem noch schlimmeren Zustand, als der er war, in dem es sich befand, zu bewahren. Hätte auch das Zentrum sich feige vor der Ver­antwortung gedrückt, dann wäre unser Vater­land rettungslos dem Chaos verfallen.

Dieselben Gründe, die das Zentrum zu seiner Teilnahme an der Regierung veranlaßten, bestimm­en es auch, für die Unterzeichnung der Friedensvertrages einzutreten, da es sich nach uulicher Uebcrlegung den ungeheueren Gefahren, die «ne Ablehnung, die tatsächlich jedoch nur ein HinauS- schieben gewesen wäre, mit sich bringen mußte, nicht «nlchließen konnte. Krieg und Bürgerkrieg, Anarchie u«o wilde Streiks wären die vernichtenden Folgen Mivesen. ES galt aber, aufzubauen und nvcht noch mehr zu vernichten. Man spricht so gern von Schmachfrieden, den daS Zentrum unterzeichnet Me. Aber diese Schmach trifft nicht unS, sondern aeben denen, die uns diesen Frieden «ufzmangen, auch diejenigen, die nach dem Hereinbrechen des ^aischuldeten VerhängniffeS ihrNein des Affek- 2r/ wie Tr. Brauns sagte, sprachen und Volk und Merland nicht am Leben erhalten wollten.

m ,~ieB so das Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesamtheit des Volkes und seine wahrhaft nationale dte dem Zentrum ein Zusammengehen mit Sozialdemokratie als unbedingt notwendig er« JWnen, so war eS doch weit davon entfernt, bei ,'sier Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie ^.grundsätzliche Stellungnahme zu allen ^»Mellen Fragen auch nur im geringsten «u andern. DaS zeigte sich vor allen Dingen bei

-Beratung der jetzt vor dem Abschluß stehenden MtofaffuRg. Und eS wäre grnstdfalsch, ans £*. Mitarbeit deS Zentrums an dieser Belastung

Schluß zu ziehen, daß dar Zentrum sich Mr;*? auf eine bestimmte Regierungsform ver- Mte. Durch seine Mitarbeit erfüllt dar Zentrum kiweh, nur die ben Golt gewollte Pflicht, die neue ^°«ung der Dinge zu stützen, damit überhaupt hJ?1 blühe und Ordnung in unserem Vater» ^^«nkehrt.

besonders aber hat dar Zentrum in der ihti-A i,1 bewiesen, daß eS durch ein Zusam- ».,°chen mit der Sozialdemokratie auch nicht ein iMi J t 1 Prinzipien aufzugeben gewillt ist. Und jgT:.®0 hat man versucht, mit allen Mitteln päda- *^lwer Art eine Hetze gegen das Zentrum zu *itt»aett Lösung, die gefunden wurde, ist Hz., uaatSkluge, praktische und dauernde auf der Grundlage politischer j.^a nz, bie unser Vaterland von neuem schweren Hit e*. toie ei ein Kulturkampf unbedingt hätte ap bringen müssen, zu bewahren.

der Ab». Dr. Brauns am Schluffe seiner itaL6ott der Rationalversammlung und von der anfl sagte, daß sie nämlich nach Abschluß des Mnarwerkei ruhigen Herzens vor den Richter» Kr et Geschichte treten könnte, das gilt in gleichem Erst recht für di« Politik, die das Zen- W.J?- Frage der Regierungsbildung, in der ««frage und auch in der Echulfrage getrieben hat. Eas Verbrechen «m deutschen Volke.

Dan ^Edeutsche Blätterwald rauschte seit Juli 1917 bts »^ln °let Entrüstung über die Friedensresolution Hatet v^>btages und vor allem über deren geistigen hiyx^rzberger. Kein Vorwurf war schwer genug, Nen ffl7uRl'8ung teuflisch genug, daß man sie nicht stlz »r^)r9er m ge^äfftgftet Weise vorgebracht hätte.

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, punkt aber erreichte aus durchsichtigen Gründen die Hetze gegen Erzberger, nachdem er das Reichsfinanz- minifterium übernommen und die Pläne seiner neuen Steuerreform verkündet hatte.

Dieser Feldzug der Schmähungen, so hartnäckig und zielbewußt geführt, hätte wohl eines Tages zu dem erwünschten Erfolg einer völligen Irreführung weiter Kreise des deutschen Volkes geführt. Da war eine Tat, eine durchschlagende Aufklärung erforderlich. Erzber- gers Rede hat sie gebracht. Das größte Ver­brechen, das je an einem Volke begangen wurde, hat Minister Erzberger enthüllt, und ein tiefes Entsetzen wird durch unser Volk gehen über den verbrecherischen Leichtsinn, der kaltherzig hunderttausende Leben unserer besten Söhne opferte. Die vielgeschmähte Friedens­resolution hat nicht den Verständigungs- willenunsererFeindevernichtet, sondern sie hat ihn im Gegenteil soweit gefördert, daß England in vollem Einvernehmen und in Uebereinftimmung mit Frankreich durch den Heiligen Stuhl ein Frie­densangebot an Deutschland machen ließ. Und dieses Friedensangebot war derart, daß es Deutschland ohne materielle Opfer schon 1917 einen ehrenvollen Frieden gesichert hätte, wenn eben nicht die alldeutschen Annexionisten diese Friedensmöglichkeit in geradezu unglaublicher Weile im Ketme erstickt hätten.

Die Alldeutschen und die von gleichem Geiste be­seelten militärischen Führer hofften immer noch, Bel­gien vollends unterjochen zu können, um so die groß­kapitalistischen Interessen deutscher Schwerindustrieller zu fördern. Um dieser eigensüchtigen Zwecke willen durfte damals das deutsche Volk den so heiß ersehnten Frieden noch nicht haben, mußte der Tod weiter über­reiche Ernte holten, mußten Not und Elend, Hunger und Entbehrungen immer mehr zunehmen und mußte schließlich das stolze deutsche Reich den Frieden von Versailles erleben.

Und dieselben Leute haben heute schon wieder den Mut, die einzig mögliche Friedenspolitik der deutschen Regierung in der unverantwortlichsten Weise gu stören. Das deutsche Volk wird darum dem Minister Erz­berger dafür Dank wiffen, daß et das größte Verbre­chen, das je an einem heldenhaften, opferfreudigen und vertrauenssesigeir Volke begangen wurde, in seiner gan­zen Verruchtheit enthüllt und dadurch auf die Gefahr hingewiesen hat, die uns auch heute von den sich jetzt schon wieder so wild gebärdenden alldeutschen Schreiern und Federhelden droht.

Du Katholiken aber wiffen dem Minister Erzberger ganz besonderen Dank dafür, daß er der Welt Kunde davon gegeben hat, daß diese große Möglichkeit, zu einem ehrenvollen und gerechten Frieden zu kommen, UNS durch den Heiligen Stuhl geboten wurde, bet während des ganzen Krieges nie aufgehört hat, für die Versöhmmg der Völker und die Beendigung des entsetzlichen Blutvergießens zu wirken.

Die sie sich wenden «nd drehen.

Die Feststellungen des Reichsministers Erzberger haben, wie das von vornherein zu erwarten war, zu einer Fülle von Versuchen geführt, ihre Richtigkeit in Abrede zu stellen. So bringt u. a. der BerlinerLokalanzeiger" eine Mitteilung, die dem General Ludendorff zugeschrieben wird und wonach dieser in Abrede stellt, von dem Schreiben des Nuntius Pacolli.und dem Antwortschreiben des da­maligen Reichskanzlers Michaelis etwas gewußt z u h a b e n. Er fei nur geheimnisvoll darüber unter» Ächtet worden, eine genaue Mitteilung habe er aber nicht erhalten können. Die Schuld schreibt General ßabenborff dem damaligen Staatssekretär v. Kühlmann zu. Alle diese Versuche, die schweren Anklagen des Reichsministers Erzberger gegen die frühere Regierung abzuschwächen und zu vertuschen, schießen am Ziel vorbei, denn sie treffen garnicht den Kern der Sache. Ob General Ludendorff etwas von diesen beiden Schreiben gewußt hat, ändert nichts an der Tatsache, daß sie vorharchen sind, «nd darauf kommt es ausschließlich an. An der vom Re^chsmi- nister Erzberger geschilderten Handlungsweise der früheren Regierung und ihrer Auftraggeber kann kein Zweifel aufkommen. Daran vermögen alle bisher laut gewordenen Ausreden «nd auch die nach­her noch zu erwartenden nichts zu ändern.

Auch der frühere Reichskanzler Mi- ch a e t i s hat sich schon zum Wort gemeldet. Michae­lis leugnet in der Erklärung, die er veröffentlicht, nicht, daß er dem Nuntius ausweichend oder ab« lchnerch geantwortet habe, aber er hat, wie er mitteilt, damit nicht die Friedensanregung zurückweffen und auch nicht in der belgischen Frage ein Nein sagen wol­len. Er habe nur statt des Nuntius einen anderen Vermittler vorgezogen, damit Erzb-rger, d. h. die deuffchen Friedensfreunde nichts davon erfahren soll­ten. Damit beging ine deutsche Regierung den Grund­fehler, den Nuntius ablehnend zu bescheiden, während sie durch eine andere Vermittlungsstelle, wahrscheinlich Spanien, Geneigthest zeigte. Es ist klar, daß die Po­litik bei den Feinden den Eindruck der Unehr­lichkeit verstärken mußte, die durch den Rerchs- kanzl« in der Angelegenheit der Fricdcnsresolutwn auch sonst hervorgerufen war.

Die Tatsache, die ßrjbcrger mifgeteilt Hal, ficht fest. Fraglich ist höchstens nur, wie die schuld sich auf die damaligen Führer und maßgebenden Persönllchkcllrn oerteilt. Der ganze Sachverhalt, wie er sich mehr und mehr herausstellt, ergibt mehr beim je die Notwendig­keit der Aufklärung dieser Fragen durch einen Staat sgerichtshof, die tm Ini-reffe der Beteiligten sowohl, als auch der Allgemeinheit so sckMeü wie möglich herbeigeführt werden sollte.

Was das Ausland jagt

Die gesamte französische Presse bringt eingehende Berichte über die Verhandlungen der Na- tionaloersammlung vom Freitag und Samstag.Petll Journal" sagt: Ob Erzbergers Landsleute ihn jetzt verurteilen ober reimvaschen wollen, ist chre Angelegen­heit. Wir können ihnen aber sagen, daß wir im Früh­jahr 1917 nicht Indiskretione« Erzber» b ergers brauchten, um über ble schlechte Lage in Oe st erreich unterrichtet zu wer­den. Dieser Geschäft haben die Oesterreicher selbst gründlich besorgt. Sie schrieen auf allen Dächern tn Zürich und Bern aus, war jetzt Graf ®eM Erzberger zum Borwurf macht. So wird es wohl gewesen sein. Die Behauptung, daß die Entente irgendwie durch den österreichischen 6xcs^'-- M-^exaer sou Kaffer

Karl erhalten hatte, neues erfahren hätte, wenn sie wirklich in deren Besitz gelangt sein sollte, ist un- glaublich oberflächlich. Die Erzbergerhetzer haben da wirklich auf eine große Dummheit des Publi­kums spekuliert.

Roch eine Ariedensmögsichkeil.

In einer Fraktionssitzung der Demokraten machte Herr v. P a y e r die bebeutfame Bemerkung, baß auch nocham28. Januarl918einesehrernste Friedensanregung an Deutschland er­gangen sei. Weitere Mitteilungen aber glaubte er der Fraktion nicht machen zu dürfen. Bekanntlich war Herr v. Payer zu jener Zeit Vizekanzler. Auch die Münchener Post" scheint von dieser Angelegenheit zu wissen. Warum enthält man sie der Oeffentlichkeit?

Tie Telegramme bei en lijchen Gesanden.

Die Reichsregierung wird in ben nächsten Tagen das in dem Schreiben des Münchener Nuntius er­wähnte Telegramm des englischen Gesandten der Oeffentlichkeit zugänglich machen.

Zur Abdankung des Kaisers.

Die rechtsstehenden Blätter veröffentlichen eine Darstellung der Vorgänge, die zur Abdankung des Kaisers führten, für deren Richtigkeit Hinden­burg, Generaloberst o. P l e f f e n, Staatssekretär a. D. o. Hintze, General Frhr. v. Marschall und General Graf v. d. S ch u l e n b u r g, soweit sie an den einzelnen Ereignissen beteiligt waren, die volle Mrgschast übernehmen. Diese Darstellung bestätigt, was über die Abdankung bes Koffers und die Mit­wirkung der militärischen und politischen Faktoren da­bei, namet lich über die Vorgänge am 9. November, bereits veröffentlicht worden ist und fügt nur im Einzelnen einige neue Gesichtspunkte hinzu.

Es heißt da u. a.: Der Kaiser fragte, ob die Ar­meen auch ohne ihn geordnet nach Hause mar­schieren mürben. General Graf Schulenburg ver­neinte, General Gröner bejahte. Währenddem liefen fortgesetzt Ferngespräche aus Berlin ein, in denen unter Hinweis auf Berliner Stra« ßenkämpfe auf Abdankung gedrängt wurde. Auf Befchl des Kaisers setzte der Staatssekretär eine Er­klärung des Kaisers des Inhalts auf, daß er, um Blutvergießen zu vermeiden, bereit fei, als deutscher Kaffer abzudanken, aber nicht als König von Preußm. Die entscheidende Wendung trat durch das weitere Verhalten der Regierung ein. Während nämlich diese Erklärung unterschrieben wurde, telephonierte llnierstaatssekretär Wahnschaffe, es muffe dievöllige Abdankung ausgesprochen wer­den. Nachdem Herr von Hintze verlangt hatte, daß zuvor der Entschluß Sr. Majestät angehört werden müffe, geschah dies. Aber unmittelbar darauf wurde mitgeteilt, daß bereits die Erklärung durch Wolffs Büro veröffentlicht worden wäre, die auch durch Funk- fpruch bei den einzelnen Truppen bekannt geworden fft, wonach der Kaiser und König sich ent» schlossen habe, dem Thron zu entsagen. Herr von Hintze erhob auf der Stelle gegen dieses Verfahren Protest. Ihm wurde von Wahnschafse erwidert:Nach den Vorgängen in Berlin war eine andere Entschlie­ßung als die durch Wolfs bekannt gegebene nicht zu erwarten gewesen." Der Reichskanzler Prinz Max erklärte auf Hintzes Frage bezüglich der Wolfffchen Depesche, daßerfSrsieeintrete. Prinz Max von Baden hatte die Abdankung des Koffers uni) Kö­nigs und diejenige des Kronprinzen veröffentlichen lasten, ohne die Ermächtigung hierzu abzuwarten. Don einem Verzicht des Kronprinzen war außer- dem bisher nicht die Rede gewesen. Der Kronprinz war weder orientiert noch gefragt warben.

Die Neuregelung der Delbstverwaltuug.

Die Entwürfe einer Städte-, Land-, Ge­meinde-, Kreis- und Provinzialordnung find fertiggestellt und gehen jetzt dem Staatsministerium <ju. Sie sollen sofort nach Wiederzufammentritt der Landesversammlung beraten werden. Diese Entwürfe sind in Verhandlungen von Sachverstänbiaen mit D e r- tretern aller Parteien ausgestellt worden, grundsätzliche Bedenken gegen ihre Bestimmungen wur­den von keiner Seite erhoben. Allen Vorlagen ge­meinsam fft die Vereinheitlichung der Be­stimmungen für ganz Preußen und die Durchführung 6 es demokratischen Grvndsatzes. .....

Die ArbelterrSte.

Die unabhängigen und kommunistischen Arbetter- rate in Berlin haben beschlossen, eine neue Orga­nisation zum Kamps gegen ben Kapi- talismus und die bürgerlichen Parteien zu schaf­fen, nachdem sich gezeigt habe, daß die im Dezember in der Ueberstürzung gewählten Arbetterräte fein eigentliches Werkzeug im Kampf gegen den Kapitalis­mus mehr seien. Die Neuwahlen der Arbei­te r r ä t e sollen tunlichst beschleunigt werden.

Sk Slreikseuche.

Der Telegraphenarbeiterstreik in Ber­lin ist beigelegt worden. Es besteht begründete Aus­sicht, daß eine auf Montag einberufene Versammlung der Telegraphenarbeiter die Wiederaufnahme der Ar­beit beschließen wird. In Nürnberg sind die kaufmännischen Angestellten der Nürnberger Duch- druckereibetriebe m den Ausstand getreten. Infolge Streifs der Straßenbahner ist der Straßenbahnverfehr im ganzen Gladbacher IndustricbeM lahmgelegt. Im Zentralgefängnis in Dortmund traten 42 über drei Monate sitzende Schutzhäftlinge in einen Hungerftreif, tun ihre sofortige Freilassung zu erzwingen.

Dk Dresdener IMnister-Mörder verurlM.

Der Prozeß gegen die Leute, die an der Ermor­dung des mehrheitsfozialistischeu sächsischen Kriegsmi­nisters Nouring beteiligt waren, ist nach längerer Dauer zu Ende gegangen. Sämtliche Angeklagte bis auf einen bestritten jede Schuld. Sie beteuerten zu­meist, nur «ls müfeige Zuschauer zugegen gewesen zu fein, aber nicht Hand a« Reuring gelegt zu haben. Die Strafen find mikde ausgefallen. Der am meisten belastete Bertsch wurde zu drei Jahren Gefängnis ver­urteilt. Fünf weitere Angeklagte wurden zu Gefäng- nisstrafen von zurei Sohren 6 Monaien bis zu einem

Jahr sechs Monaten verurteilt. Fünf Angeklagte wur­den freigesprochen.

Israelitische Lehrer an bayerischen Simultauschulen.

Das bayerische Volksschullehrerge­setz ist in zwetter Lesung tm Ausschuß durchberaten und mit 14 gegen 7 Stimmen angenommen worden. Gegen das Gesetz stimmte dte Bayensche Dolksparlei. Außer einigen rmwesentltchen Aende- rungen wurde in der zweiten Lesung im Gegensatz zur ersten beschlossen, daß israelitische Lehrer av Simultanschulen Verwendung finden tonnai, soweit für sie andere Stellen nicht frei sind, und datz Volksschullehrerinnen die Verehelichung gestat­tet ist, ohne daß sie deshalb den Beruf au,-geben muffen.

Die Forderung der Landwirtschaft.

Der preußische Landwirtschastsminister hat in einem neuerlichen Schreiben an die zuständigen Stellen die Volksernährung in der nächsten Zukunft al- ernstlich gefährdet bezeichnet. Der Mrniste, sieht die Möglichkeit einer Steuerung dieser Gefahr nur dann gegeben, wenn die Erzeugung auf öas äußerste gesteigert wird und fordert zu diesem Zweck bie Ueberroeifung der notwendigen Htlssstoffe an die Landwirtschaft, andererseits aber auch dte schleu­nigste Beseitigung aller sonstigen Fesseln, die ihr aus Belangen der Allgemeinwirtschaft nicht unbedingt auf­erlegt werden müssen. Der Landwirtschaftsmtnistei betrachtet es als eine der wichtigsten Aufgaben der Ge­genwart, mit größter Beschleunigung die Auf- lösung der Kriegsgesellsch aften oorzu- nehmen, et erklärt, die Verantwortung für den Verlauf der landwirffchastlichen Erzeugung in den unmittelbar bevorstehenden überaus kritischen Jahren nicht über­nehmen zu können, wenn nicht bald in der angegebenen Richtung Wandel geschaffen wird. Zum W t e d e r - aufbau der Schweinehaltung, als der Gmndlage unserer Fleischversorgung, ist es notwendig, von Gerste wie Hafer nur den Bedarf der öffentlichen Hand in geeigneter Weise sicher zu stellen, den Rest aber freizulassen. Dasselbe Verfahren muß bezüglich ber Kartoffeln in ernste Erwägung gezogen werden. Ohne schleunigen Wiederaufbau der Schweinehaltung fft der Zusammenbruch der Fleisch- oerforgung und damit der gesamten Dolksernahrung zu bssürchten. Auch für die übrigen landwirtschaft­lichen Produkte, namentlich für Zuckerrüben, Oelfruchte u. f. w., muß bec Abbau der Zwangswirtschaft ernst­lich ins Auge gefaßt werden.

Dte Desotzung des Rheinlandes.

Nach der Pariser Ausgabe derChicago Tribüne" soll der Oberste Rat der Alliierten beschlos­sen haben, in den besetzten Rhein-Gebieten eine Ar­mee von 150000 Mann zu unterhalten. Hier­zu stellen die Amerikaner und Engländer je 30 000 Mann, die Belgier 15 000 und die Franzosen 75 000. Das Abkommen werde bis zu dem Monat Oktober oder November Müigksit haben.

Dahlen in Llsatz-Lolhringen.

Die französische Regierung bereitet einen Gesetzen!- wurf vor, demzufolge die Wahlen in Elsaß-Lothringer gleichzeitig und zu den gleichen Bedingungen wie in übrigen Frankreich stattfinden werden. Elsaß- 'Lothringen wird in drei Wahlkreise eingeteilt. Di« Zahl der Deputierten steht jedoch noch nicht fest.

poincare will nicht mehr.

Pariser Leitungen melden: Poineare werde kein, Kandidatur für die nächste Präsident- schäft annehmen, sondern nach Ablauf seiner Amts- periobe ins aktive politische Leben zurückkehren. Äese Siegesfeiern, Truppenschauen und Festessen kann auch der stärkste Mann auf die Dauer nicht aushalten. Und dabei immerbegeistert" sein zu müssen. Ein schreckliches Amt, das eines französischen Präsidenten!

** Mit bet Frage bet Durchführung be8 Frie- beuSvertre^es hat sich das Reichskabinett beschäfttgt. Der Fall deS in Berlin ermordeten französischen Sergeanten Manheim soll dem Haager Schieds- geeicht übertragen werden.

** Der internationale Gewerkschaft? »Kongreß hat mit einer Borkonferenz in Amsterdam begonnen.

* An das ungarische Volk hat der Oberste Rat ber Alliierten einen Funkspruch gerichtet, wonach fie tati dringenden Wunsch haben, mit dem ungarischen Volke F r i e d e n z u s ch l i e ß e n. Das sei aber erst mög- lich, wenn an die Stelle ber jetzigen terroristischen Re­gierung Bela Khun eine wirkliche Volksvertretung ge­langt sei. .

** Aufstandsbewegungen in Indien, an denen vor allem die Afghanen beteiligt fein sollen, werden wieder einmal gemeldet. Der Gegenstand ist für Sen­sationsmeldungen eigentlich etwas sehr abgebraucht.

Deutsche Nationawerfamml»«-.

Sitzung vom 26. Juki.

ES ist folgender Antrag Löbe eringe*

gangen:Die Nationalversammlung wolle beschließch,, 1. die erste Beratung des cSesetzentwurfS über den StaatSgerichtshof mit ber gegenwärtigen poli­tischen Deärtte zu verbinden, 2. die Rede deS ReichS- ministerS Erzberger vom 25. Juli und des Reichsministers deS Aeutzern tarn 24. Juli auf Kosten deS SteicheS im deuffchen Volk zu verbreiten, 8. alte Protokoll, der vertraulichen Sitz' un gen des HaupterisschusseS les Reichstages sowie die der Regierung bekannt gewordenen Dokumente über die Enfftehnng imb Fortführung des Krieges zu ber« öffentlichen."

Abg. LSbe (Soz.): Meine Fraktion hat sich gestern abend mit den Enthüllungen, die der Herr ReichSmtni. ster Erzberger vortrug, beschäfttgt, tte für unsere Frak­tion, wahrscheinlich auch für die anderen Fraktionen und vielleicht für ave Mitglieder dieses Hauses, eine große und schmerzliche Ueberraschung gewesen sind. Wir bitten Sie, daß diese AufNärunaen dem gan­zen deutschen Boll tm vollen Umfang zugänglich gemacht werden. Wir bitten wei- ter, mit dieser Beratung auch sofort die Beratung Wer den SteuttsgerichtShof zu verbinden, der uns feit Wo- chen borliegt und dessen weitere Verzögerung in der Kommission unerwünscht ist. DaS kann geschehen, wenn fein Mitglied dieser Beratung widerspricht, und wir bitten den Herrn Präsidenten fef^ustellen, ob ein Mit. glied in diesem Hause vielleicht dieser Beratnno toider- ,'pricht. ''