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SM«Stag, 26. Juli 1919.
Fuldaer Zeitung
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herzig tröstend Marias beide Hände!
„Na, Kopf hoch, Cousinchen", sagte er, nicht immer gleich das Schlimmste denken, wo ist denn Dein Vater?"
„Er fuhr nach der Saldi, um sich beim
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melden. Er will absolut nicht länger mehr zu Hause bleiben, obwohl er dringend noch der Schonung bedürfte. Die Lmigeweile plagt ihn aber allzusehr."
Maria war sehr rot geworden bei den Worten ihres Detters. Dieser ober merkte davon nichts, nur die stillen, ernsten Augen des Assessors ruhten sekundenlang auf dem erglühenden Gesicht des jungen Mädchens. Max plauderte in seiner lebhaften Weise weiter: „Uebrigens Coustnchen, bilde Dir nur jo nicht ein, wir wären eigens hier herausgefahren, um mit Dir zu plaudern! Nach dem Befinden des Onkels, Deines lieben Vaters, wollte ich mich erkundigen. Wie geht es ihm?"
Maria seufzte tief auf.
„Er macht mir rechte Sorge. Er steht sehr gealtert aus, und die Kräfte wollen ihm nicht zurückkehren trotz aller Stärkungsmittel, die wir schon versucht haben. Er ist auch stets so mutlos, er fürchtet immer, seinen Beruf nicht mehr ausfüllen zu können, und das wäre für ihn das Schlimmste. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie das werden sollte, wenn Vater ohne seine geliebte Musik leben müßte, wenn er nicht mehr mittun könnte. Denn untätig dafitzen bringt der unermüdlich tätige Mann wohl nicht fertig."
„Nun, mein Fräulein", warf Joachim Held, der aufmerksam zugehört hatte, in beruhigendem Ton dazwischen, „ich denke, so schlimm wird es nicht gleich werden. Sie sehen wahrscheinlich zu schwarz."
„Wollte Gott, es wäre so, Herr Aflefior, aber wenn ich den Vater so betrachte, dann fällt es mir auf, wie sehr er sich in der letzten Zeit verändert hat. Er ist ganz plötzlich ein alter Mann geworden. Vor feiner Erkrankung ging er immer so stattlich und hochaufgerichtet einher, und nun läßt er den Kops hängen. Ich habe große Angst und Sorge um ihn."
Sie wischte heimlich eine Träne aus dem Auge, die sich nicht zurückdrängen lassen wollte. Vetter Max faßte treu»
A Olt t.
fier Linie nicht daraus an, daß der Bauernstand Volksgemeinschaft politische Worthelden Verfügung stellt, sondern ernste, in harter Arbeit Tätigkeit geschulte Männer mit einem Herzen Liebe und Verständnis für den eigenen Stand
Der Heilige Vater und die soziale Frage.
Kardinalstaatssekretär Gasparri hat im Namen des Heil. Vaters einen Brief an den Professor der katholischen Universität zu Lille und Präsidenten der Katholischen sozialen Woche in Metz, Duthoit, gerichtet, in dem er sich über die soziale Frage ausspricht. Der Papst erinnert, daß der Ausgleich der sozialen Klassen nur in dem Triumph der Gerechtigkeit und der Liebe erfolgen könne. Benedikt XV. beruft sich auf die Enzyklika „Rerum Novarum", um an die den Rechten der Arbeiter und Arbeitgeber gezogenen Grenzen und an die Untrennbarkeit der Rechte von den Pflichten zu erinnern. Die Arbeitgeber muffen sich bewußt sein, daß sie außer den Rechten Pflichten haben, die sie an die breite Masse der Arbeiter binden, die ihrerseits die eigenen Pflichten ihrer Klaffe beobachten müssen, ohne sich dadurch entwürdigt fühlen zu dürfen, als ob sie keine Rechte haben.
feine Lebensbedürfnisse, aber auch für feie Gesa mist c i t des Volkes: Stornier, die die Fähigkeit und den Mut haben, in die Zukunft zu schauen, und die, sittliche Kraft, an der Zukunst mitzugestalten."
„Gnädiges Fräulein kommen wohl selten nach der Stadt, weil man Sie niemals weder auf der Promenade noch fonst wo sieht?" fragte Joachim, um sie ein wenig obzulenken.
Maria schüttelte lächelnd den Kopf.
„Nein, Herr Asseflor, ich bin so sehr gewöhnt an meine liebe Einsamkeit, daß mich das Getriebe in der Stadt förmlich beängstigt. Wenn ich ja einmal hinein muß, um etwas zu besorgen, dann tue ich das auf dem kürzesten Wege, um so schnell als möglich wieder daheim zu sein."
„Du bist em sonderbares Mädchen, Maria", lachte Max. „Andere in Deinem Alter sind stets auf der Straße zu treffen, sie wollen sehen und gesehen werden; sie laufen einem überall in den Weg, und Du versteckst Dich förmlich. Hast Du nicht das Verlangen, Dich einmal ordentlich mit Deinen Altersgenossinnen zu tummeln?"
Maria sah still vor sich nieder.
„Nein, nein", entgegnete sie ernst. „Mir ist es in meinem Garten am liebsten. Hier saß ich immer mit meiner Mutter, es war eine schöne Zeit, solange die Mutter lebte. Ihr Tod hat eine unausfüllbare Lücke gerisien."
„Ist sie schon lange tot?" fragte Joachim.
„Zwei Jahre. Aber sie war lange krank, ihr schweres Leiden fesselte sie jahrelang an den Rollstuhl und erforderte viele Pflege. Ich kam in all der Zeit mit niemand zusammen, lebte nur ihr allein, und mit dem Egoismus, der allen Kranken eigen ist, fesselte sie mich stets neben ihr Lager. Sie wollte keine Stunde allein bleiben, Tag und Nacht mußte ich um sie sein. Daher mag es wohl kommen, daß ich mir das zurückgezogene Leden so angewöhnt habe. Aber ich vermißte an der Seite meiner Mutter nichts von den Vergnügungen der Welt. Sie war eine hochbegabte Frau, sie leitete meinen Unterricht und meine Ausbildung, und wurde in dieser Tätigkeit nicht müde, selbst als sie schon schwer leidend war. Ich habe viel gelernt während der stillen Stunden, die ich bei ihr saß. Fast nie habe ich ein Wort der Ungeduld von ihr gehört, obwohl sie manchmal große Schmerzen litt. Sie war sonst und geduldig wie ein Engel. Noch heute meine ich ihre liebe Hand aus meinem Haupte zu spüren. Sie
Di« Kohlenversorgurrg vor der Katastrophe.
Neuere Meldungen bestätigen, tefe die Lage unserer Kohlenversorgung, von der nicht nur bas Gedeihen unserer Industrie, Landwirtschaft usw., die Bersor. gung mit Lebensmitteln und Rohstoffen aller Art, son- dern vor allem auch die Arbeitsmöglichkeit abhängt, äußerst besorgniserregend ist. Die Stein- kohlenförcerung an der Ruhr und in Oberschiesten hat in den ersten fünf Monaten dieses Jahres knapp 60 y. H. der Förderung in der gleichen Zeit des Vorjahres betragem, nämlich an der Ruhr nur 26 gegen 42 Mill. Tonnen, in Oberschlesien nur 10 gegen 18 Will. Tonnen Kohlen. In der Braunkohlenförderung und der Briketterzeugung liegen die Verhältnisse ahn-
iS dluch in unserem ländlichen Leserkreise wird fol- , u Aeuhernng einer geachteten sozialpolitischen
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deren Schutz die Zentrumspartei heute wie zu ihren hehr st en Aufgaben zählt, ^wteifen und anzufeinden. Da ist es wirklich eine •jgjfc Probe für staatsmännische Geduld, die von der Astrumspartei bei der taktischen Zusammenarbeit mit 5g Sozialdemokratie verlangt wird. Freilich: hätten die Zusammenarbeit abgelehnt, Demokraten Sozialisten hätten sich gefunden und mit «reint en Kräften nach den Rezepten von Hä- Mlch und dem deutschen Lehrerverein rosarote Aalturpolitik gemocht. Dann war alles verloren.
We die sozialdemokratischen Durchschnittsagitatoren nnt der Religion umspringen, zeigt deutlich eine Zuschrift, die im sozialdemokratischen Zeitzer Volksbolen oaoffentücht wird. Es heißt da:
Seit einiger Zeit mehren sich im „Volksboten" die Bufrufe an tie Arbeiterschaft, die Kinder vom Religionsunterricht f e r n z uh al t e n, aus hm dmikelsten Ecken unseres Wahlkreises sind solche gufnrfe eingegangen — nur die Zeitzer Arbeiter schla- Ln Diele bilden sich ein, daß die Revolution ohnehin einen freieren Zug in die Lehrerschaft gebracht habe, rafi im „Volksboten" erschien kürzlich ein Artikel, der wenigstens von den jüngeren Lehrern annahm, gbtr man täuscht sich sehr. Vorige Woche fragte ich chi sechsjähriges Kind, was es bisher in der Schule «lernt hatte — im Rechnen: die Zahlenreihen bis 5, k Schreiben: zehn kleine Buchstaben, in Religion: ein (tagens ein Absud- und ein Tischgebet mit der drin.
n Aufforderung des (ganz jungen) Lehrers, recht Gebrauch davon zu mähen. Diese kann W»'allerdings nur den kleinsten Kinderft lehren, glauben den Blödsinn nicht mehr. Man ftdfe fick einmal morgens um 7 Uhr vor unseren Volksschulen auf, aus allen Fenstern erklingen Kirchenlieder und in allen Klaffen werden noch immer Vier- Al- bis halbstündige Morggnandachten gehalten (die hluhandachten nicht zu vergessen). Man erhoffe auch ine Besserung von der Einheitsschule, unsere Lehrer haben nickt umsonst fünf Jahre lang die unter fäffischer Leitung stehenden Seminare be-
, sie können einfach aus ihrer Haut nicht heraus.
kommt, daß viele von ihnen an der Kirche Geld ienen (Kantor- und Organistendienst, Chorgesang ».) und sich deshalb der Kirche verpflichtet glauben, itoeitereltern! Noch einmal: meßet eure K i n. der sofort vom Religionsunterricht f, sie können dafür morgens eine Stunde länger und das Bringt ihnen größeren Nutzen!
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SVulb«, 26. Juki 1019.
„/" Im Ruhestand. Zum 1. Juli wurde auf seinen Antrag der Weichensteller Kaspar Fröhlich von hier in den Ruhestand versetzt. Er stand 50 Jahre im Eisenbahndienst und hat seinen Posten stets pflichtgetreu versehen.
** Das Ergebnis der Viehzählung. Das Ergeb- nis der in Preußen am 2. Juni vorgenommenen Viehzählung wird jetzt veröffentlicht. Da uns die Provinz Posen und damit deren Viehbestand verloren geht, ist, um einen Vergleich mit den borangegangenen Zäh- langesn zu ermöglichen, bei diesen ebenfalls der Viehbestand Posens in Abzug gebracht' worden. Die Zahl der Vieh haltenden Haushaltungen hat sich seit der letzten Zählung in Preußen, das ist seit dem 1. März, UM 141 654 auf 3 944 204 erhöht. An Rindvieh waren am 2. Juni 1919 9 350 227 Stück vorhanden, das bedeutet gegen die letzte Zählung eine Vermehrung nm 244 838 gegen 1918 allerdings noch ein Minus von 781412 Stück. Der Bestand an Schweinen hat sich ebenfalls gehoben, denn es ist gegen die letzte Zählung ein Zuwachs um 1 356 276 auf 6 007 599 zu verzeichnen bezw. 1 004 013 gegen 1918. Im allge. meinen hat sich demnach der Viehbestand Preußens durchweg gehoben; sieht man sich jedoch die Staiistik etwas genauer an, so ergibt sich, daß der Viehbestand qualitativ sich toeiter verschlechtert hat. Der Zuwachs, den Preußens Viehbestand zu verzeichnen hat, erstreckt sich im allgemeinen nur auf ganz junges Vieh. So entfällt beispielsweise bei den Rindern der Zuwachs nur auf Kälber, bei denen er gegen die letzte Zählung 432 793 beträgt, während Zugvieh eine Abnahme um 162163, Milchkühe und sonstige Kühe eine solche um 8023 zu verzeichnen haben. Aehnlich ver- hält es sich bei der Steigerung des Pferdebestandes, wo die Vermehrung nur auf Fohlen zurückzuführen ist; auch bdi der Steigerung des Bestandes an Schweinen ist dasselbe zu sagen, der Hauptzuwachs entfällt auf Schweine unter einem halben Jahre, nämlich 920 186 Stück. Schafe hatte Preußen am 2. &mi 4 282 114 Stück gegen 8 828 967 am 1. März 1919 und 4 149 559 am 1. Juni 1918.
—* Obst waschen! Eindringlich sei in jetziger Obstzert darauf hingewiesen, daß jederlei Obst vor dem Genuß gewaschen werden muß! Wie notwendig das ist, lehrt ein Blick auf das Waschwasser: man staunt geradezu über die ganz ungeheure Menge
Wahrhaftig, ein Dokument, das die fanattsche Re- ligionrfemdschaft eines Sozialisten drastffch beweist. M böse sähe es danach für unsere religiöse Zukunft "E ans, wenn nicht gottseidank eine große, auf Maffen ;eholi gefügte christliche Volkspartei vorhanden wäre, die M die Kraft und den erprobten Willen besäße, dem sozia» 5” Wischen Religionshaß so starke Zügel aufzuzwingen, u” als er bei der heutigen politischen Lage nur möglich ist.
Kleine ^arabxes.
Sloman von Irene v. Hellmuth.
bos fröhliche Gesicht seinem Begleiter zu, ttjJ Auffallend schöne, elegante Erscheinung war. Das ny (mit den grauen, stillen, seelenvollen Augen ebenmäßig in seinen Linien, daß es seinen Ein- E#*<’t uersehlen konnte. Joachim Held nickte lächelnd, tz, „ r«b an Maria wandte: „3a, ich wandere gern £ es hat immer einen ganz besonderen Reiz
18^’™®' on der auch der schörffte Beobachter nicht eine tt& mj7m.®rte9un9 hätte bemerken können, lud die Her- fate D°ai9 ruhiger Stimme ein, Platz zu nehmen, und deiter: „Das ist hübsch von Dir, Detter Max, NuAft 'h15 nid,t Sanz vergißt, daß Du uns manchmal fe °”roo^ ich mir denken kann, daß Du Dir eigent- ^MNehmecen Zeiwertreib wüßtest."
B w 2t Wunsch beteuernd die Hand aufs Herz: „Du ^^Uestheiden, Coustnchen! Eine Stunde mit Dir zu Ifliu//*? 'st für mich der angenehmste Zeiwertreib, senken kann, und außerdem übt Euer reizendes! oyj? Quf wich immer eine besondere Anziehungs- tie mein Herr Ingenieur", sagte Ma-
Ib und Detter Max konstatierte bei sich, daß ihr •Steifa bezaubernd stand. Deshalb rief er rasch: nv' ®Qr'a' Du solltest eigentlich viel mehr lochen! ten®cn.,Ir' Du siehst bildhübsch aus mit Deinen Grüb- feheft $ ' n°d) viel schöner, als wenn Du ernst bist, "'cht auch, Achim?" wandte er sich in feiner
■b ttu5 an den Freund, her mehr aus Höflichkeit NKton,,,. e"träeu9ung, er hatte Maria nicht angesehen» «nenb nitftc.
überhaupt", sagte er bann ruhig, „daß bas ^d)°IaUlCin Did 311 ernst für Ihre Jugend ist."
l® gnäfr8' ’et "'cht so steif", fuhr Max dazwischen. ivSiiliS^E Fräulein", ahmte er ihm nach und machte k ifo’y Verbeugung. „Sag doch Fräulein Mario, ,doch Diti schöner!"
’M gäBi die Zentrumspartei heute mit den Sozialer, fcflgrfraten zusammen in der Regierung sitzt, so bringt Interesse des Wiederaufbaues unseres Dater- , der realpolitisch nun einmal in anderer nicht zu bewerkstelligen ist, ein großes Opfer, ine Sozialdemokraten, zumindest ihre Durch- ^itatoren, können es nicht laffen, die Reli-
«us der Ruhmesgefchichte katholischer Sozialpolitik
Vor fünfzig Jahren, am 25. Juli 1869, hielt Bischof Wilhel m Emanuel Frhr v. iffetieler auf der Liebfrauenheide bei Klein-Krvtz-n- Iburg vor zehntausend Arbeitern feine Predigt über «Die Arbeiterbewegung und ihr Streben im Verhältnis zu Religion und Sittlichkeit", ebne ter wichtigsten und beachtenswertesten Kundgebungen, die je von katholischer Seite auf dem Gebiete der sozialen Frage und ihrer Lösung gemacht worden sind. Während seiner Visitationsreise im Dekanat Seligenstadt hatte Bischof Ketteler die Zunahme der Arbeiterbewegung zu beobachten Gelegenheit gehabt und seine Referate wer die 'soziale Frage für die Fuldaer.Bischofskonferenz fer- ttggestellt. Sein scharfer Blick für die Not bet Zeit, ferne Liebe zu der arbeitenden Bevölkerung, sein apostolischer Eifer für die Verbreitung der eitrigen Grundsätze des Glaubens lebten ihm den Gedanken nahe, den Jahrestag seiner Bi,chofsweihe ujnd den Schluß der Fi rntungsfeterlichkstten zu einer bedeutungsvollen Kundgebung über die Arbeiterfrage und das Christentum zu gestalten. Er entwarf ein klares Programm und stellte die Grundsätze auf, von denen aus die soziale Frage beurteilt werden muß. Die Forderungen der Arbeiter beleuchtete er mit dem Lichte der Religion und Sittlichkeii. Die christliche Sozialpolittk hat sich später in den Bahnen bewegt, die Drschos Ketteler gewiesen. Dem 50jährigein Gedenktag dieser Predigt soll im Sturm unserer Zeit ein ehrfürchtiges Gedenken geweiht sein!
ht a6cr <wch nicht vergessen, daß es selbst
041 Zett der radikalen Demokratie nicht auf die B £ Zahl ankommt, daß sie vielmehr der per» Len unä ständischen Ueberlegenheit auf die Dauer gjjjwergettridjt bringen wird und bringen muß. Der- 8,^". Schicht wird in der Demokratie die Zukunft ge« neu „ die an sittlicher Kraft und an Kon-
Wollen überlegene zeigt. Wir werden voraus- fSx; ??ch. erleben, daß es sich als ein Verhängnis L L?e, Sozialdemokratie erweist, daß sie ihre Anhän- xvut mchts anderem großgezogen hat als mit ein» in Parteipolitik. Niemand ist unfähiger
te aufbauender Arbeit als derjenige, der
an die „Allmacht der Verhältniffe" seine ^^yaffnung auf den Umsturz gesetzt und nicht von
[ lieh. Die linksrheinischen Kohlengebiete, das Saargebiet, das Aachener Revier, das Kölner Braun- kohlemrevier und der links des Rheins liegende Teil des Ruhrgebiets fallen für unsere Versorgung fast vollständig aus. Arstererseits muffen wir KokS und Kohlen aus dem Ruhrbezirk nach Luxemburg und Lothringen a b g e b e n, sodaß eine Aussicht "auf Besserung für den Rest des Jahres kaum besteht.
Daher hat die Versorgung der wichtigsten Verbrauchsstellen in beängstigender Weise nachgelassen. Im Vorjahre batten die preußischen Staatsbahnen im Juni einen Kohlenbci'tand von 25 Tagen, Enke September sogar von 30 Tagen; bei anderen deutschen Eisenbahnen waren die Vorräte meist noch größer. In diesem Jahre haben die. Effenbahn-n, der wichtigste Faktor des Wirtschaftslebens, nur ein n Bestand, der knapv hinreicht, ihr Existenzminimum zu decken. Auch die Gaswerke haben keinerlei Vorräte. Die 40 größten Gasanstalten ohne Großberlin hatten im Vorjabre einen Bestand von 230 000 Tonnen, gegen jetzt nut 50 000 Tonnen.. Dazu kommt im Herbst die Zeit des Wagenmangels und der Streckensperren auf der Eisenbahn. Die Elektrizitätswerke, die bett Arbeitsstrom für die Industrie liefern, haben ebenfalls keinerlei größere Vorräte. In ter Hausbrand- versorgung einschließlich Landwirtschaft und Kleingewerbe sind schon jetzt so große Ausfälle vorhanden, daß ein Ausgleich mit dem vorhandenen Kohlenmengen unmöglich ist. An eine Bevorratung kann überhcmpt nicht gedacht werden In der Industrie können nur tie allerwichtigsten Betriebe einigermaßen ihre Mengen Kohle erhalten.
Bei all dem ist die Wirkung des Friedensvertrag e s auf unsere Kohlenversorgung noch nicht berücksichtigt. Von einer Gesamtförderung von 100 Mill. Tonnen sollen wir rund 40 Mill. Tonnen dem Auslande liefern!
Diese traurige Sage wird durch jeden Streik weiter verschlechtert. Die Streiks richten sich nicht mehr gegen ten Unternehmer, sondern gegen die Bevölkerung selbst. Sie gefährden die Versorgung der Gaswerke und des Hausbrandes; Frauen, Kinder und Kranke werden darunter im kommenden Winter hart zu leiten hcchen. Die Versorgung der Industrie mit elektrischer Kraft wird nicht aufrecht erhalten können, wodurch der Arbeiterschaft großer Industriezweige Arbeits- und Verdienst- losigkeit droht. Durch die schlechte Versorgung der Eisenbahnen werden neue Einschränkungen des Verkehrs notwendig, worunter die rechtzeitige und gleichmäßige Verteilung von Lebensrnitteln und Rohstoffen zu leiden hat.
Es läuft einem jetzt schon kalt den Rücken hinunter, wenn men' an den kommenden Winter denkt.
Grund auf gelernt hat, im kleinen Kreis seiner persönlichen Umwelt lebendige Gemeinschaft zu schassen.
Auch alle Parteipolitik empfängt ihren Nachdruck und ihre Durchschlagskraft nicht von stumpfen Massen, sondern von den Persönlichkeiten, welche sie tragen, und von der liefern Einsicht derjenigen Kreise, welche hinter ihr stehen.
Es lt>ärc auch für den Bauernstand nichts verhängnisvoller, als wenn er sich jetzt von kurzsichtigen „Politikern" in eine radikale antidemokratische Politik Hetze«: ließe, die sich von der radikal- sozialdemokratischen bloß dadurch unterschiede, daß sie an Stelle des „glorreichen Zukunftsstaates" den „glor, r eiche n Vergangenheitsstaat" setzte, ähnlich wie in Frankreich manche Kreise nocb ein Jahrhundert lang für das „Aneien r.egime" (Alte Zeit des unumschränklen Königtums) geschwärmt und dadurch den Einfluß auf die Gestaltung der Dinge vollständig aus der Hand verloren haben.
Der Bauernstand muß vielmehr ernst und vor seinem Gewißen überlegen: Wie entwickelt die bäuer. liche Gemeinschaft in ihren Gliedern jene sittlichen Eigenschaften und jene Tüchtigkeit des Könnens, wovon es mit einer gewissen inner» Notwendigkeit abhängt, ob er in der Demokratie zu maßgebendem politischen Einfluß gelangt und der Volksgemeinschaft auch von seiner Eigenart etwas aufprägt? Für heute wollen wir uns schon über soviel klar fein: „Es kommt in er-
stelle Interesse und Beachtung finden. Man schreibt:
Kommt der Bauernstand in der Volksgemeinschaft llUffUlvmgeitd zur Geltung? Wenn wir uns die Zusammensetzung des Reichsparlaments ein» >«n. nach der Zahl ansehen, so könnte es den Anschein ^mnen, als ob das nicht der Fall wäre. Das neue ^altniswahlrecht hat ihn zahlenmäßig in di« Min- °s«mt gebracht. Anderseits aber hat uns die Zeit mw! Anschauungsunterricht von der Unentbehr- rS‘?*t de s Bauernstandes gegeben, der so- "ll.ss'cht wieder vergessen werden dürfte, und auch die Linke hütet sich, diese Taffache in Zweifel zu v^yen.
Druck der Fuldaer Actudeuckerei i« Fulda
von Staub und sonstigem Schmutz, der dem Obst angehaftet hak, und man kann sich denken, daß auch viele Krankheitskeime und Bazillen dabei sind, die, in der Luft dahinfliegend, sich auf dem Obste nieder- gelaffen haben und auch beim Pflücken, Verpacken, Versenden, Verkaufen darauf gekommen sind. Dazu die Absonderungen der vielen Insekten, die sich auf dem Obst zu schaffen machen. Ein reinlicher Mensch wird sich vor ungewaschenem Obst einfach ekeln. Man zeige auch den Kindern da? überaus schmutzige, fast schwarze Obstwaschwasser, damit sie das Gebot der Eltern nachdrücklicher begreifen. Das gründliche Waschen ist besser als das Schälen. Die Schalen soll man mögltchst milessen, Henn sie enthalten ,in der Regel zwar weniger Säuren, aber bedeutend mehr Rährsalze als das Fruchtfleisch, und gerade die Rährsalze sind von besonderem Werte!
vermischter.
** Erfüllung eines Gelübdes. Der Erzbischof Dr. von Faulhaber hatte während seiner Tätigkeit als Bischof von Speyer das Gelübde getan, eine Marienkirche im pfälzischen Bistum zuu errichten als Dank dafür, falls die Pfalz von den Leiden des Krieges verschont bleibe. Wenn der Krieg nunmehr auch eine andere Wendung genommen hat, so heißt es in einem Hirtenbriefe des jetzigen Bischofs von Speyer, so sei doch die Pfalz von den eigentlichen Kriegshand- luugen verschont geblieben, weshalb sich der Bischof zur Haltung des Gelöbnisses verpflichtet hält. Es ist noch nicht bestimmt, in welchem Orte die Kirche erbaut wtzrdcn soll.
* Die Volksschristskellerm Maria Köck-Gmeiner ist vor einigen Tagen im 40. Lebensjahre in Wien g e st o r b e n. Sie war auch in den katholischen reichsdeutschen Kreisen gern und oft gelesen. In der „Reichspost" und „Köln. Volkszeitung" gehörte sie zu den beliebtesten Erzählerinnen. Von ihren zahlreichen Werken feien besonders hervorgehoben: „Das Vor- stadthaus", eine Urwiener Geschichte, die uns das bodenständige Element im Kampf mit Juden- und Slawentum zeigt, und der „Stützerl", das echteste und beste Wiener Kriegsbuch, wie eine einmütige Kritik es lobte, in Wahrheit ein Werk, das mit urdrolligem Humor und auch wieder mit tiefem Ernst den Charakter des echten „Weaners" für alle Zeit festgehalten hat. Von ihren zahlreichen Novellen liegen einige Sammelbände vor. Auch zwei vollendete Romane sollen sich im Nachlaß der Dichterin befinden, deren Tod eine Entwicklung beendete, die noch manches reife Werk hatte erwarten laffen.
* Drastische Beweismittel vor dem Mietseinigungsamt. Einem schon bejahrten Manne, der in einer Karlsruher Vorstadt eine Notwohnung beziehen mußte, weil seine gemietete Wohnung nicht freigeieben wurde, war es bis jetzt nicht gelungen, da§ Mietscinigungsamt von der Stichhaltigkeit seiner vorgebrachten" Gründe zu überzeugen Ein letzter Versuch sollte dem Bedrängten zum Erfolge verhelfen. Um seinem mehrfachen Gesuch mehr Nachdruck zu verleihen und seine Aussagen beweiskräftig zu gestalten, legte er als corpas delicti einen Glaszylinder voll lebender Wanzen, die er in seiner Noiwohnung höchst eibenhändig „gefangen"- haben will, auf den grünen Trsch. Der ersten Verblüffung folgte allgemeine Heiterkeit und das Mietseinigungsamt war von der Notwendigkeit eines Wohnungswechsels überzeugt. i
** Verdeutschrrngsvorschlime. Im Kampf gegen die fremdsprachlichen Amtsbezeichnungen macht Paul Hundt folgende Vorschläge: für Sekretär will er Schristwart sagen, siir Kaffierer Kassenwart, für Rendant Kassenmeister (gibt es doch schon Forstmeister und Rittmeister-, für Registrator Akten- wart, für Inspektor Verwalter; Supernumerare usw. sollen Anwärter heißen, Büroassistenten und Bürodrötare Hilfsschriftwart. Für den Assessor wäre überall im Reiche der Titel Amtmann einzuführen, den man ihnen jetzt schon in einigen Staaten gibt. Gerichtsamtmann und Negierungsamtmann werden uns bald ganz geläufig sein, und ebenso sagt man viel besser Schulamlmanu statt des eben erst geschaffenen Srudienassesfor. Der Referendar könnte vielleicht in Junker umgewandelt werden. Forstjunkter z. R. klingt nicht schlechier als Forstreferendar, und Lehramtsjunkec ist kürzer und nicht minder wohlklingend als Studienreferendar. Auch an Gerichtsjunker und Regierungsjunker würde man sich allmählich gewöhnen. Gibt man nun noch dem Bürodiener den Titel A m t s w e b e l, (wie Feldwebel) so sind die wichtigsten fremdsprachlichen Beamtentitel in deutsche umgeschaffen.
streichelte immer so liebreich darüber hin. Aber" — unterbrach sich die Erzählerin plötzlich, -„wo bin ich hin- geraten? — ich fürchte, ich langweile die Herren mit meiner traurigen Geschichte. Verzeihen Sie, daß ich mich so vergaß!"
„Bitte sehr, Fräulein Maria", — cs war das erstemal, daß Joachim Held sie beim Vornamen nannte und sie fühlte indessen einen heißen Strom zum Herzen bringen und konnte es nicht verhindern, daß sich wieder eine tiefe Röte über ihr Gesicht breitete, — „bitte, halten Sie uns doch nich für so teilnahmslos; ich für meinen Teil höre Ihnen so gerne zu, — überhaupt ist es hier so schön, daß ich stundenlang hier fitzen könnte. Sehen Sie nur dort, — wie prachtvoll diese herbstliche (Stimmung ist!" —
Er deutete auf eine Gruppe von Birken; dieselben umstanden eh: kleines Bassin und befanden sich noch im vollen Besitz ihres Blätterschmuckes. Auf den gelben Blättern aber lag die Sonne im hellen Glanze und ließ sie ersttahleli wie leuchtendes Gold. Daneben kletterte wilder Wein empor, deffen rote Färbung in »Len Abtönungen schimmette. Ein wenig seitwärts davon hingen Ebereschen in dichten Büscheln, — cs war ein unvergleichlich schöner Anblick. —
„Dos liebte meine Mutier auch so fthr', fing Moria nachdenklich wieder an, „an diesen bunten, herbstlichen Farben konnte sie sich gar nicht genug sehen."
"Aber mir gefällt der Frühling doch viel bester", meinte Vetter Max, „dieser me§mchoi!tck>e Herbst ist nicht nach meinem Geschmack, da- ist mir selbst ein kalter, stren- ger, froststarrender Wintertag noch lieber. Und Heuer im Winter sollst Du mal heraus aus Deiner Klause", fuhr er, sich lebhaft an Maria wendend, 'ort, „Du sollst auf die Eisbahn mit mir und Dich tüchtig herumturnmelni Wirst mal sehen, was das für ein yerrliches Vergnügen ist. Mir scheint. Du hast die Freuden der Jugend Überhaupt noch nicht kennen gelernt! Aber da laß nur mich sorgen! Im kommenden Winter wirst Du mit mir gehen!" „Aber Max", lachte Maria, „das würde llch doch gar nicht lchicken. Ich kann doch nicht mit Dir ganz allein" —
KFortfetzuuL folgt.)