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<7 A I Verantwortl. für den redaktion. Teil J.V.: Dr.Joh. Kramer, I 'S <QiO I «erlan der Fuldaer »ctiendruckereiin Fulda. Preis monatl. I AG *lnhm

fit. > I für die Anzeigen: I. Parzeller, ffulda.- ÄotahtmSbxmf. | S>OmSlUM Zu* ^Ull | ].iq Mk. Fervfpr. Rr. S. Lelegr..Adrefle: Fuldaer Zeitung. j >1M»

Werg« 00t der MimiRchsMU.

fgie erwartet wurde, hat die gestrige Sitzung der «Bonaloersammlung einen bedeutsamen Verlauf genommen. Erzberger hat sich gegen tat Feldzug, der von den verschiedensten Seiten gegen x y .i.nommen wU'de, zur Wehr gesetzt. Cr hat M irl Erfolg geiin imb konnte ei- umfu wirksamer hB vtif die Zeu*:umsfraktion gestern e i n- Bi nn 'p beschlossen hatte, ihrem Milgliede Etzbcr- L Vertrau" ausznsprcchen und sich hinter L ju stellen. Auch das Kabinett hatte dem Abg. Kzberger bei der Abwehr der gegnerischen Angriffe römüt'ig Unterstützung zugcsagt.

Bon hochgeschätzter parlamentari­scher Seite wird uns heute geschrieben, daß die «stern hier schon zitierte Aeußerung desVorwärts", (tit jetzigen Angriffe hätten den Zweck, den Reichs- stiartzminister zu stürzen, die Vermögensabgabe und »je übrigen harten direkten Steuern zu verhindern), ten Nagel auf den Kopf trifft.

Kteine 1§arabxes.

Vornan von Irene v. Hellmuth.

', (Fortsetzung au» der Beilage.)

Werte doch mit den Dummheiten zufrieden!"

"Nicht schicken warum soll sich denn y? . schicken» Was wir zwei tun, schickt sich immer!

??ch weine Cousine, da werde ich Dich auch mit« "urfen! Sieh doch mal andere Mädchen anl Sie Wirr, eU?m förmlich heraus mit ihren Blicken, die t_-u fugen scheinen: Geh doch mit mir! Es würde desinnen, mitzugehen."

°®tt °uch ein hübscher Junge!" spöttelte Joachim

Du mal stille", rief Max halb ärgerlich,so ch». Du habe ich noch lange nicht bei den Mäd- letzeod »5^ 65 wir glauben, Maria", wandte er sich ne» » Eder an diese,es ist ganz unerhört, wie mei- Mg jj ,bie Bübchen nachlaufen! Rein wie toll sind " in,,. jedem Finger könnte er zehne haben!

dch «Tom ® Ernsthaf tzu sprechen, Mario, Du solltest wirk- dH w derau,! Wofür bist Du denn jung und hübsch, Wetzt, k?.r E mit Dir Staat machen; natürlich den Fall KJL® Dich nicht zu 3 erleben gedenkst, denn da kl u/ °6r ^^üutigam das erste Recht!" schelmisch nach ihr hin.

K al, o eine heftig abwehrende Handbewegung, Wch Itgtn *'e Ötm Schwätzer die Finger ans den ^.f°chie gutmüitg.

Wte, Onkel machte mir schon einigemal Andeu- ichesirt,' t. ~ Dir eine ausgezeichnete Partie böte. Mir Wh ni$t « gern, wenn Du zugriffcst. Aber Du ^1° lMtelte heftig den Kopf.

.llde/ " will nicht!"--

!=tn ®etum nicht? - Maria fei gescheit! Heutzu.

. .Du meinuQn.,ben ohne Geld nicht durch!" mb 2rC). c'l°- weil ich f?in Vermögen besitze, müßte *te tzs ifij «n ^greifen, sobald sich mir eine sogenannte c bietet! Ob da nein Herz mitspricht oder

S j weite, wenn ich >j gut versorgt bin. Aber

** iti»t! 9 . b-

. Ter Verlauf der Sitzungen.

5.^ VormittagSsitzung vom 25. Juli.

-Die Sitzung beginnt mit der Beratung einer gan­zen Anzahl kleiner Anfragen.

: Wg. Rückert (Soz.) berichtet über den uner° .KL-rten Ue bergriff b,or französi scheu kcsatznngöbehörden in Kehl, welche den Hilfsstaats- etoalt Derber und den Amtsrichter Fritsch, die gegen bet AcchtSagenten Hompo eingeschritten waren, zu schveren Gefängnis- und Geldstrafen verurteilten. Och. Rat Frbr. v. Welser teilt dazu mit, daß die AU'fcnstillsrandsko'.mnission ergebnislos Vor- stellungen bei ter französischen Regierung gemacht die aber. trotzdem fortgesetzt würdem.

7,Aas eine Anfrage des Abg. Biener (Dnat. Vp.) 86er die getvaltiae Zahl der Landesverweisun- #;ttt unter der deutsch-gesinnten Bevölkerung in Elsaß- Äringen verweist Geh.,Rat v. Welser auf die' Weit der vom Reichsministerium des Innern errich. Wir- besonderen Abteilung für aus Elsaß-Lothringen Vertriebene.

Kiif. eine Anfrage des Abg. Hermann (Württem- Wstzl lDem.) wird regierungsseitig erwidert, daß der ftet über die zukünftige Textilforfchung in allernäch- Wr. Züt vorgelegt ivarden wird.

PWdeNt Fehrcnbach machte dann über den vom llÄtkücnausschuß beschlossenen Arbeitsplan Mitteilung mb bat dringend um Zustimmung der Versammlung. . Abg. Lchulz-Bromberg (Dnat. Dp.)r Ich hab« ge- tt* diesen flrbeitsplan nichts einzuwenden, bis auf den MÄÄcig M i t t e August nach Berlin zu über- sicb-ln.

.Präsident, Fehrenboch: Wir können nicht nochmals W eie ganze Wintersaison das Theatergebäude in An" Vmch nelnnnu. Ich bitte zu bedenken, der Kostenauf­wand in Weimar ist derart, daß man es kaum wird Vermttivorten können, länger als absolut notwendig » Sc-mar zu bleiben.

-.iffkr (Dem.); Meine Fraktion legt Wert ;S98,> erklären zu lassen, daß äußerste B e- , g i c n n i g ir. n g in der lieber siedlung not- cciwiil ist.

Jcrauf wird die Besprechung der 9tegie= nS ? t rHa r it n g e n fortgesetzt.

Der Redner deS Zentrums.

®rntttt* lZtr.): Zentrum und Sozialdemo- haben ihre Koalition nicht von langer Hand öKc,:et- .Plötzlich und in denkbar schwerster Stunde und ohne Zutun entstand sie aus « 1 gegenüber dem damals so hart geprüften ^u^getragen kann der Strest um die Friedens- (v?6 "st bei den Reichsta gswahlen wer- r-hne Sozialdemokratie ist jedenfalls heute keine «nti^,rin'! ^'isbar. Das Zentrum glaubte sich der Ver- ^«mrning für die Unterzeichnung nicht ent- ei» m J n n e n. Da?Nein" der Rechten war Aetn des Affektes". (Stürmischer Widerspruch fcZL. "wge anhaltende Bewegung und durcheinander- tmL f _>,,tufe.) Die Frage war nichtdiesen ober

Frieden" sondern die Frage war,wann

schließen wir den schlechten Frieden, jetzt oder später, und vielleicht gar noch einen schlechteren?" Man spricht in ter Opposition den Jasagern, wie man sich geschmack­voll auszudrücken pflegt, die nationale Gesin­nung ab. Ter Frieden selbst ist ein Unrecht und eine Vergewaltigung und wir werden nicht aufhören, ferne Rcoision auf friedlichem Wege zu fördern und mit allen Mitteln nachdrücklich zu betreiben. In unserer aus­wärtigen Politik müssen wir den Schach des Deutsch­tums im AuSlande und die Gewinnung unser er d cu t s ch-ö sterreichischen Brüder betreibe!». Wtr erheben Einspruch gegen die Trennung des deut- toen Südtirols von Oesterreich. Von imferer christ- l i chr eligiösen Ueberzeugung au? ver­urteilen wir alle Bestrebungeu, Feindschaft gegenüber andern Völkern zu predigen.

Die alte Formel vom Erbse in de darf nicht triebet auflebsn. Für ganz besonders not­wendig halten wir auch die Stärkung unseres ?lrbeitS- willenS. In dieser Hinsicht wird die Besserung unserer Ernährung besonders wirksam sein. Man gebe dem armen Volk, das soviel« Fahre gehun­gert hat, einmal regelrecht satt zu essen und müßte die? selbst aus Kosten der VorauSwirtschaft für das nächste Jahr geschahen. An einer zweckmäßigen Regelung der ArbeitSlosenfürforge werden wir nicht vorbeikounnen. Eine Stärkung der Arbeitswilligkeit erwarten wir auch von der Bekämpfung der wilden Streiks. Von einem Streikverbot halten wir nichts. Die bolle Gösurrdung dar Arheitsleistung kann nur durch die Arbeiter selbst kommen. Arbeit ist sitt­liche Pflicht. Dieser Grundsatz muß wieder M- gemeingut werden. Ebenso wichtig wie die Erneuerung der Wirtschaft ist auch die Neuordnung deS Staats- Wesens. Wir stehen vor dem Abschluß der Rei ckS" Verfassung. Wir werden auch nach wie vor dafür -eintreten, daß die Selbständigkeit der Einzelsiaaten nicht stärker beschnitten wird, als die Notlage des Rei­ches es verlangt. Ein völlig zentralisiertes Reich loh­nen wir ab. ©inen völlig neuen Weg haben wir durch unser Kompromiß für die Ordnung des Ver­hältnisses von Staat, Kirche und Schule eingeschlagen. Jede? Komvromiß ist eine siaatSkluge, praktische und dauernde Lösung aus der Grundlage politischer Toleranz. Das Kompromiß bietet uns die Möglichkeit, an einer neuen Art Kultur­kampf vorbeizukommen. Die Nationalver­sammlung und die Regierung können nach Abschluß deS VersassungswerkeS ruhigen Herzsns vor den Richter­stuhl der Geschichte treten. Wir sind aus Pflichtgefühl entschlossen, an den Aufbauarbeiten auch weiterhin teil- zunehmen. Unser Blick ist nicht nach rückwärts, son­dern nach vorwärts gerichtet. (Lange anhaltender Beifall im Zentrum.)

Preußischer Landwirtschaftsminister Braun: Ich habe schon vor Monaten, als die Gefahr eines L a n d- arbei ter streik? auftauchte, Vorbeugungsmaßre­geln, getroffen, bei denen ich allerdings von der Tat- S ausgeag/ngen bin. daß die Arbeits- und Lohnver- tiffe der Landarbeiter rückständig imb unbefriedi­gend sind. Wo diese Er laste loyal ausgeführt wurden, hat Ruhe geherrscht. In Pommern, wo die Arbeitge­ber unter Führung deS Pommerschen Landbundes in der einseitigsten Weise den Herren standpunkt vertreten haben, ist e? zu. Streiks gekommen. Dieser Pommersche Landbund ist ein reaktionäres Gebilde, das van seinen Mitgliedern deuffchtölkische Gesinnung ver­langt. Wenn bei dem jetzt grassierendeln Streikfieber von den Millionen Landarbeitern nur einige Tausend in den Streik eingetreten sind, so ist das in erster Linie der Tätigkeit des LandwirtschaftsministeriumS zu verdanken. Der gesunde Sinn der Landarbeiter wstd hoffentlich die Provokationen von rechts wie die kom­munistische Hetze von sinks als Wahnsinn und Verbre­chen am Volk ablehnen. (Beifall links.)

Die Weiterberatung, wird auf J44 Uhr vertagt. RachmittagSsitzung vom 25. Juli.

Abg. Frau Dr. Bäumer (Dem.): An dem vom Ministerpräsidenten entwickelten Programm werden wir im Rahmen unserer demokratischen und politischen Ueberzeugng Mitarbeiten. Der Völkerbung hat für un? nur Wert auf der Grundlage der Gleichberechtigung des deutschen Volkes. Wir lehnen uns auch auf gegen die Aufladung der Kriegsschuld. Wr verlangen, daß der von unS bereits aufgeworfene Gedanke eines in«

dieser Beziehung eine andere Auffassung. Dor allem werde ich bei der Wahl meines zukünftigen Gatten mein Herz befragen. Der Geldbeutel kommt erst in zweiter Linie."

Ganz meine Meinung", pflichtete Joachim stöhlich bei.Sie sind ein tapferes Mädchen. Ihre Ansicht ist um so mehr anzuerkennen, als dergleichen in imferer Zeit recht selten geworden ist."

Marias Augen glänzten. Ihr Gesicht strahlte vor Freude. Sie sah wirklich wunderhübsch aus mit den vor Erregung geröteten Mangen. Sie fühlte sich so fwh und heiter wie feit langem nicht und vergaß ganz ihre Sorgen.

Doch plötzlich legte sich ein Schatten aus ihre lieblichen Züge. Linda kam den Gartenweg daher. Sie zeigte eine recht spöttische Miene und Maria zitterte hn Innern, denn sie fürchtete die Rücksichtslosigkeit der Schwester. Wie, wenn diese auch dem Asiesior Andeutungen machte von dem, was sie beobachtet haben wollte? Bei diesem Ge­danken krampfte sich Marias Herz zusammen vor Angst. Sie machte ein recht ernsthaftes Gesicht und schie wie um­gewandelt, aber Linda hatte doch beretts bemertt, wie Mari «vorhin förmlich gestrahll hatte. Max, der mit Linda stets auf Kriegsfuß stand, flüsterte seinem Freunde zu:Es nähert sich des Paradieses Schlange."

Linda reichte mit süß lächelnder Miene den beiden Herren die Haist» und sagte:Welche Ueberraschung! Ich freue mich immer, wenn jemand kommt, um uns in unse­rer Einsamkeit Gesellschaft zu leisten!"

Aber ganz besonders fteust Du Dich, wenn zwei so hübsche junge Herren kommen, wie wir beide, nicht, Lindo? lachte Max spöttffch.

Du bist sehr mit Einbildung gestraft", lieber Detter, denn da sPrädikathübsch" ist bei Dir nicht anzuwenden", gab sie in ebensolchem Ton zurück.

Ra, bei Dir noch weniger", sagte er ernsthaft, einen prüfenden Blick auf die hagere Gestatt werfend.

Du Grobian!" rief Linda aufgebracht.

Du hättest mich eben nicht reizen sollen, Cousine."

Aber Du bist sehr unaufmerksam gegen Deine Gäste", schalt Linda bann die Schwester,Du läßt die Herren so ganz trocken sitzen und sorgst nicht für die kleinste Erfti- schung. Hast wieder einmal alles um Dich her vergessen?"

Sie blickte Maria anzüglich an, dann lief sie ins Haus beiMi mit eiest w* Dein und Mtem

ternationalen Schiedsgerichts über die Schuldfrage noch einmal erörtert werden. Eine Revanchepolitik lehnen wir ab. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, der Welt nidjt die Revolution, sondern den Welffrieden zu bringen. Dem für die innere Politik auf. gestellten RsgierungSprogramm stimmen wir durchweg -zu. Die notwendigen Maßnahmen für unseren finan­ziellen Wiederaufbau dürfen nicht zur Absaugung des PrriwktionSkapitalS sichren. Unser ganzes WirtschaftS- progrmmn dient dem Gedanken, aus unferm zerrisse­nen Volk wieder eine Einheit aufzubauen, denn das ist die Bo-rcruSsetzung zu einem Wiederaufstieg. Von die­sem Standpunkt aus hat uns die Regelung der Schulfrage mit der tiefsten Besorgnis er­füllt. Dieser Entwicklung gegenüber werden wir auf dem Boden der Einheit und Freiheit und eines starken NationaSbewußtseinS an dem Programm der Reichsre­gierung mitzuarbeiten suchen. (Lebhafter Beifall bei den Demokraten.)

Der alldeutsche AnklöZer.

Abg. v. Gräfe (Dntl. 23p.): Die jetzige Regierung unteffcheidet sich von ihrer unmittelbaren Vorgängerin nur dadurch, daß ein Teil der alten Mitarbeiter ausgeschifft wurde. Der Ministerpräsident verzichtete darauf, die Er­rungenschaften der letzten acht Monate aufzuzählen. Herr Bauer, war dos die Geste des stolzen Bewußtsein? Gute Ware lobt sich von selbst, ohne Vorsicht und Rücksicht auf densenige« Kollegen im Mmisterium, der die eigentliche führende Stellung hat. (Große Unruhe ttnks.) Als Op­position wollen wir uns genau anfehen, wodurch die jetzige Regierung und ihre unmittelbare Vorgängerin auf den Platz Bismarcks gekommen sind, um sein Werk zu zer­stören. (Großer Lärm links.) War der Weg, auf dem sie die Monarchie stürzten, der Wille der Mehrheit des deutschen Volkes? Die Berufung auf die Mehrheit dieses Haujes ist ein Trugschluß. Sie kam zustande durch eine Vergewaltigung des deutschen Volkes. (Lebhafte Unruhe links.) Möglich wurde die Vergewaüigung der Mehrheit durch die Minderheit nur, weil das deutsche Volk, durch die Schrecknisse des Krieges zermürbt, Friede und Brot verlangte. Die Zermürbung unseres Heeres hat seinen Zusammenbruch herbeigesührt. (Lärmender Wideffpruch bei den Soz.) Die Revolution hat den letzten Stoß ge­geben. 2Väre damals dem deutschen Volke zum Bewußt- fern gekommen, daß es seine Waffen auslieferte, so hätte 00s etwas Sehnliches hervor gerufen, wie am 12. Mai, als alle Parteien und die Regierung erklärten, daß ein Volk feine Ehre nicht preisgeben dürfe. Eine ehrliche Demo­kratie hätte unferem Volke die Entscheidung überlassen, an­statt ihm mit dem Gaukelspiel des Waffenstillstandes zu kommen. Hart auf den Tisch schlagend, hat Herr Erz- berger als erster das gemacht. Der Reimer führt dann eine Anzahl sozialdemokrattfcher Aeuherungen an, daß die Politik des Reichstags seit dem November 1917 nicht mehr unter dem Einfluß der Mdeutschen stand. Und jetzt sollen die Alldeutschen die Trager der Positik vor dem 10. November 1918 gewesen fein? Das heißt Sand in die Augen des deutschen Volkes streuen. (Anhaltender Beifall rechts und Wideffpruch links.) Aber der Schlimmste aller Annexionisten (bet Reimer blickt auf ben Minister Erzberger: langandauernde starke Heiterkeit.). Der Redner legt das bekannte Annexions­programm des Ministers Erzberger aus dem November 1914 dar und fährt fort: Dieses Annexionsprogramm kön­nen Sie nicht ableugnen. Ich zweifle nicht, daß Herr Erz­berger hernach allerlei vorlegen wird, was die An- nexionslust ber alldeutschen Kreise in der obersten Heeresleitung beweisen soll. (Minister Erzberger: Allerdings.! Ich hatte den Nachweis für er­bracht, daß, der Minister ihm bekannt gewordene Geheim- niff« in einer so schwer schädigenden Weise für das deutsche Volk verwandt hat, daß er unmöglich noch Vertrauen fin­den kann. Warm er auch nicht un feindlichen Solde ge­handelt hat, so hat er doch so gehandelt, als ob er im feindlichen Sold» gestanden hätte. (Langan­haltende Unterbrechungen.)

Lärrnszenen.

Der Redner spricht unter andauernder großer Unruhe und Schlußrufen aus dem Hause weiter. Was hören wir in der Rede des Ministerpräsidenten? Als höchstes Ziel unserer auswärtigen Politik bezeichnet er unseren Eintritt in ben Völkerbund. Hat er gar kein Gefühl dafür, rote solche demütigenden Freundlichkeiten und Unterwürfiakesten auf das Ausland wirken werden? Und wie die außer« Politik, so ist auch die innere Politik der Revo­lution sregierung völlia zusammengebrochen. Das abgedroschene WortFreie Bahn dem Gesinnungstüchtigen ran an die Futterkrippe!" Den wUden Lohnstreikereien steht die Regierung völlig hiff- und machtlos gegenüber. Letzt kommt rnon mit der Sozialisierungspolitik und mtt einer Steuerpolitik, die einfach eine Dermögens-

zurück. Maria schenkte ein. Sie war sehr in Verlegen­heit, betm der Wein war nur eine ganz billige Sorte, von dem der Vater hie und da ein Gläschen tränt. Maria hätte nie gewagt, ihren Gästen davon vorzusetzen. Was würde rmr Assessor H-kd denke», daß man ihm ein solches Getränk anbot? Er, ber verwöhnte Sohn reicher Etter», hott ewahffcheinsich noch fetten eine solch gewöhnliche Sorte von SBeht getrunken. Maria beobachtete ihn mtt Herzklopfen von der Seite, als er sein Glas wieder hl», setzte. Doch war er wohl zu gut erzogen. Äs bah er sich dabei etwas hätte merken kosten. Richt einmÄ Bettet Max, ber sonst nie mit spöttischen Reden zurückhiett, äußerte etwas. So verflog auch Maria» Befangenheit wieder; und de Assessor He8> sie freundlich bot, etwas zu spielen, zeigte sie sich sofort berett, eilte leichtfüßig da­von und holte Ihre kleine braune Violine heran».

Maria war wirklich eine Meisterin.

M» die Salten unter ihren zarten Fingern erklangen, bald jauchzend wie ht wonniger Lust, bald sehnsuchtsvoll und klagend wie ein heimlicher Stebslieb, da verstummte die Unterhaltung der beiden Herren vollständig. Sie lauschten mtt wahrer Andacht auf die entzückende Melo­die, die jetzt einem zwischen blumigen Wiesen sanft dahin- pläffchetnden Bächlein vergleichbar schien, dann wieder anschwoll zu vollen Akkorden. Maria sah sehr schön aus. Ihre Augen leuchteten, chre Wangen glühte», man merkte es, sie spielte mtt Leidenschaft und war mtt ganzer Seele dabei.

Aflestor Held streckte ihr dankend die Hand entgegen, d» sie geendet. Er spendete dem jungen Mädchen auf­richtiges Lob.

Wirklich, mein Fräulein, es war ein hoher Genuß, Ihrem Spiel zu lauschen! Es war einfach wundervoll. Eie könnten in jedem Konzertsaal mit Ehren bestehen. Warum treten Sie nicht Lffenüich auf?"

Maria schüttelte lächelnd den Kopf.

Für den Konzerisaal tauge ich nicht. Ich glaube, ich würde nichts zustande bringen, wenn aller Augen auf mich gerichtet wären. Ich bin entsetzlich feige."

Aber in bet Familie würden Sie doch hie und da ein­mal spielen, mcht wahr?" 7

konsiskation bedeutet. Trotzdem wird man um den Staatsbankerott nicht herurnkornrnen. Im Lande sehnt man sich trotz all seiner Mangel nach den Zuständen unseres alten Systems zu. rück. Es werden noch schlimmere Zetten kommen. Abo wir geben ben Helligen Glauben nicht auf und btt heilige Pflicht, diese Regierung zu bekämpsen, wo wir können. Wir sprechen ihr mit allen Gründen unser Miß» trauen aus. Wir wissen, daß wir mit einem solche» Antrag eine weitgehende Resonnanz im deutsche» Volke außerhalb des Hauses finden werden. Rach den Worte« des Dichiers ist es ein Genuß, einer Minderheit anzuge­hören, die die Wahrheit vertrüt! (Bei diesen Worte« bricht lauter Lärm aus, der sich bei dem einsetzenden Bei- fall bet Rechten wiederholt; die mit erhobener Stimme ge- sprochenen Schlußworte des Redners gehen in dem Ge­töse verloren.) ,

Csjbetftr rechnet ad.

Reichsfinanzminister Erzberger: Ist da» alle»? Da» ist die einzige Frage, die tch an den Vorredner zu richten habe. (Heiterkeit.) So . viel Anklagen hl Berlin un» hier und so schwach begründet wie in einer öffentlichen SgitationSredel (Sehr richffg.) Wir neh­men den Kampf auf und wollen ihn gegen die Partei des Vorredners mit aller Entschiedenhett und Rücksichts­losigkeit führen tm Interesse des deutschen Volke» (Lebhafter Beifall link» und tm Zentrum.) Die Wieder» kehr der bentfch-narionalen Elemente würbe den Rui» des deuffchen Vaterlanbe» für alle Zukunft bedeuten. Wenn sie sich heute einen modernen Anstrich geben ja: Rechter Hand, linker Hand, beide» vertauscht! Herr v. Graefe plötzlich ein ernster Anhänger de» par­lamentarischen System» nach c»cht Monaten Revolution»« regierung! aber wer im November, Dezember knie, schlotternd durch die Berliner Straßen wandelte, da» waren die Freunde v. Graefe»! (Stürmischer Beifall, große Heiterkeit link».) Er selbst hat eben da» Stärkste geleistet und N o»k«, den ReichSminister, der da» meiste für Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung getan hat, in peinlichster Weise angegriffen. (Widerspruch bei den D.-Nt.) Waren denn bis November herrliche Zeiten in Deutschland? Wenn in denMonaten seitdem nicht» geleistet wurde, so ist da» die notwendige Folge dessen, waS Sie Ihrerseits geleistet haben. (Sehr richtig!) Wodurch warb Deutschlaub Republik? Lebiglich burch Ihre Schuld) Sie waren die erfolgreichen Schritt­macher auf biefem Gebiete! Ein ganz erheblicher Teil bei Schulb trifft auch ben Kaiser tmb die Bundes- fürsten selbst. Wo waren sie in jenen Tagen?! Wo war Mut und Selbstachtung, in ber Not zu seinem Volk zu stehen?! (Beifall und Lärm, anbauernbe Un­ruhe) llnb im Wahlrecht hat ihre Partei in Preußen am schlimmsten gesündigt. Da» Deutsche Reich ist eine Republik und wird eine Republik bleiben, trotz Graefe und den anderen!

In langen Jahren parlamentarischer Arbeit habe ich politische Fehler begangen. Einer der größte« Fehler war eine zu weitgehende Gutmütigkeit gegenüber den früheren Regierungen, ein zweiter ein zu weit gehende» Vertraue« zu ihnen. Auf biefem Vertrauen beruhte» bie Aufgaben, die ich von dem damaligen Reichskanzler erhielt. Den Weltkrieg habe ich nie pro- pagiert. Ich habe mich aber zuerst öffentlich von ihm zurückgezogen. Seitdem bin ich immer schamlos an­gegriffen worden. Mit dem Märchen von dem lleber- fall und der Zroeifelhafiigkeit der belgischen Neutralität machen Sie auf mich keinen Eindruck, well ich weiß, wie es bei Kriegsausbruch zugegangen ist! Ich habe immer da» Beste für da» Vaterland gewollt, und auch dafür gearbeitet. Ich wünschte, meine Gegner hätten so Gutes gewollt wie ich! Mit Ihne«, Herr Graefe, tausche ich mcht! Wer hat denn vier Jahre lang unverantwortlich das deutsche Volk von einer Illusion in die andere gechetzt?! All« drei Monate hieß «I, Frankreich stehe vor dem Zusammenbruch usw. Deutschland hatte vier Jahre lang überhaupt keine poli­tische Regierung, sondern

eine militärische Diktatur!

Es war das Unglück des deutschen Volkes, daß es die politische Vernunft nicht zu Worte kommen ließ. Sobald die Politik sich vorwagte, drang daS Militär gegen die schwache Regierung vor.

Der vereilelle Friede.

Mindestens zweimal konnte ein chrenvoller Friede zustande kommen. (Hört! hört!) Die Re ch t e mtt dem Militär zusammen hat dies beide Male verhindert! (Große Bewegung.) Das belgische Problem war das größte Hindernis. Mr erhoben Protest gegen den Abtransport der. belgischen Männer und Frauen. Die Zusage, daß er aufhören sollte, wurde nicht gehalten; man schickte die Leute in die Schützengräben. Man bestreitet, daß unter der Füh­rung Helfferichs die Schwerindustrie Aspiratio­nen auf Belgien organisierte; man bezeichnet es als gemeine Lüge. Erzberger verliest demgegenüber einen amtlichen Bericht, »ach dem Schweriichustrielle unter Führung der Firma Krupp und anderer große Werte in Belgien zu Gunsten der großkapitalistisch« Interest« Deuffchlands erwerb« wollt«. Luden­dorff und Helfferich sei« der Ansicht gewesen, daß man bas deutsche Dolk vor vollendete Tatsachm stet- lm müsse. Die Akt« find in belgische Hände gefallen. Das war die Geheimpolftik hinter dem Rück« des deuffchen Lölkes. Angeblich wollte man nur den wirt­schaftlichen Anschluß an Belgien; darum wurde der Ärieg so lange geführt. Niemals ist uns ein klares Wort über Belgien gesagt worden. Wilson wollte ISIS mit aller Energie den Fried« herbeiführen. Man frage nur den Graf« Bernstorf f. Warum rourbe Graf Bernstorff nach feiner Rückkehr aus Washington wochenlang nicht zum Vortrage am Hofe zugelasten? (Hört! hört!) Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Oberste Heereesleitung in Verkemmng der miütärisch« MachtverhSltnifle nicht das richtige Augmmaß gchabt hat zur Wahrnehmung eines gün­stigen Momentes für den Friedensschluß! (Andauernde Unterbrechungen rechts.) Ja, das sind Taffach«, die Sie nicht bestreit« formen!

Die Enthüllung des Grafen Wedel.

Der Abg. Dr. Gräfe hat sich mtt einer Darstellung de» Grafen Wedel in ben Hamburger Nachrichten le» fchästigt. Ich bin dem Grafen Wedel für fein Hervor- treten dankbar. In feinem Artikel bestätigt er zweier­lei: Die Notwendigkeit eines Friedens­schlusses im Jahre 1917 und Möglichkeit dazu. Gegenüber dem Graf« Wedel hatte ich aufrecht, daß ich im amtlichen Auftrage in Wien war. Bon dem Immedialbericht des Grafen Czernin an den früheren Kaiser Karl hat der Graf Wedel nur einen Satz geschrieben. Der Bericht des Grafen G^ernir wird m den nächsten Tagen veröffentlicht tr s da mag jeder ein Urteil darüber bilden, ob r- Bericht mit einem fo nichtssagenden Satz s. fcArfc, Dieser Bericht F Md teinerzett frei ju