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Weltstreik" nur in Berlin.

An der Wiege desWeltstreikes" ist es wunderlich ^gegangen. Die französischen Sozialisten, die ten Runm'.l angezettelt hatten, zogen sich vor dem Liirnrunzeln des Herrn Clemeneeau wieder zurück. Die englischen Genossen waren vom Anfang an nicht ernstlich bei der Sache. Die Italiener ge- rieten bald in Zwietracht und Schwanken, so daß dort höchstens in einigen Stödten Streiks zu erwarten sind. Den größten Eifer und die meiste Zähigkeit entfalten tieUnabhängigen" in Deutschland, die eigent- zlch gar nicht eingeladen waren.

Die deutschen Mehrheitssozialisten, die anfangs wieder in der bekannten Stimmung waren: fett ich, oder soll ich nicht" haben sich, offenbar unter dem Eindruck des Fiaskos der ausländischen Streik- pläiic, in letzter Stunde zu einer etwas männlicheren Haltung aufgerafft. DerVorwärts" bezeichnet die Streikparole der Unabhängigen für Len heutigen Montag als eine Leichtfertigkeit und Ge­wissenlosigkeit. Er schreibt:

Dieser Streik ist ein neues Verbrechen gegen dos deutsche Volk! Wer noch ein Gewissen im Leibe und Lerantwvrllichkeitsgefühl gegenüber seiner Familie und feinem Volke hat, darf am Montag nicht streiken! Die Arbeite! schäft muß sich von den Totengräbern ihrer Zu­kunst, ben Unabhängigen und Kommunisten, abwenden: sie muß ihnen am Montag die Gefolgschaft verweigern. Wir sind in schwerster Not. Sollen wir uns völlig tob streiken? Nein, nein, nein! Arbeiter, Genossen! am Montag wird nicht gestreikt!

Die Mehrheitssozialdemokraten scheinen sich jetzt doch zu sagen, daß sie schlecht dabei fahren können, wenn sie sich von den Unabhängigen und Kommunisten immer mehr in die Defensive drängen lassen, und sich deshalb zu einem entschiedeneren und entschlosseneren Auftreten gegen ihre Gegner von links aufgerafft zu haben auf die Gefahr hin, dadurch angesichts der über­wiegend ertrem-radikalen Richtung der Berliner Ar­beiter für den Augenblick rein zahlenmäßig weitere Einbußen zu erleiden. Sie wollen sich jetzt mit Ver- sammlungen begnügen. Freilich haben inzwischen die radikalen Hetzer schon weithin für die Streikparole ge­wirkt. Trotzdem mußten auch die Unabhängigen von den Kommunisten sich sagen lassen, sie wären nicht energisch genu.g aufgetreten, da sie nicht offen die Parole ousgegeben hätten: Sturz der Regierung. Daraus kann man erkennen, was der letzte Zweck des Ganzen ist: mit Hilfe der Unabhängigen soll eine bol- sHewistische Regierung in Deutschland angebahnt werden.

Die Waffe des Generalstreikes sei schon durch den häufigen Mißbrauch stumpf geworden, sagt der Vorwärts". Mit einem stumpfen Messer kann man leider noch viel Unheil anrichten.

4 Das Berliner Sireikprogramm.

Reichswehrminister Noske hat die Abhaltung der Versammlungen, die die Unabhängigen am Montag imtcr freiem Himmel abhalten wollten, verboten. Dm Gegensatz zu den Beschlüssen der Arbeiterräte haben auch die Betriebsräte der Wasserwerke beschlos­sen, daß die Arbeiter am Montag der Arbeit fernzu- kleiben hätten. Der Direktor des Elektrizitätts- werkes in Berlin teilt mit, daß am Montag von 6 llhr früh bis abends 8 Uhr gestreikt und nicht einmal nn Krankenhäuser usw. Strom abgegeben werde. Wir erhalten noch folgendes Telegramm:

wtb Berlin, 21. Juli. Zu dem heutigen Demon- strnrionsstrei? der Unabhängigen wird mitgeteilt, daß sowohl die Große Berliner Straßenbahn als auch dis Eiemensbahn und die Städtische Straßenbahn von 6ruh ab die Arbeit e i n st e l l e n, um sie erst morgen früh wieder aufzunehmen. Die Hoch- und Untergrundbahn wird sich dem Streik anschließrn. Der Verkehr für die Omnibuslinien wird in der gewohnten Mise durchgeführt werden. Die Stadt-, Ring- und Vorortbahnen verkehren. Ebenso wird der F e r n - " k ehraufrechterhalten. Wie sich die Ar- bet sage pin den großen Prioatindustriebetrieben ge- I-olten wird, muß abgewartet werden.

Zur Landarbeilerbewegung.

Der Landarbeiter-Tarif für Neu- y0 * 1 o m mern, der den zehnstündigen Arbeitstag epas lifeine ^araöiee*

Roman von Iren« v. Hellmuth.

Der alte Musikus lächelte wehmütig. So schnell wird s mohl nicht gehen, mein lieber junger Freund. Ich We mich noch recht matt und angegriffen. Aber hos- stmlich dauert es nicht allzulange, bis ich wieder ganz hergestellt bin."

Linda setzte sich dem jungen Manne gegenüber und Narrte ihm drefft ins Gesicht. Man merkte es wohl, °n ihr hätte Felix Cbbhardt keinen Korb bekommen, ernt er j,e begehrt hätte. Sie bemühte sich auf alle ogliche Weise, ein Gespräch mit ihm aufrecht zu erhalten en seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Aber es offie ihr nicht gelingen. Der Gast schien sehr zerstreut: fr Md manchmal ganz verkehrte Antworten, wenn sie ihn m bebenswürdigster Weise um etwas fragte. Wie trau- ^enb saß er da. Manchmal suchte er Marias Antlitz, nur scheu und verlegen, wie wenn er etwas Un- JWes täte. Linda beobachtete das mit eifersüchtigen Glitten. Was half es, daß sie zornig die Zähne in die ^fierlippe grub, daß sie heimlich die Faust ballte, und -e schöne Schwester haßte, weil ihr alle Herzen zuslogen, Mgloich sie sich nicht im mindesten darum bemühte, -'iaria s^ß g^ch jetzt ziemlich einsilbig und wortkarg da, oum baß |,e fjte und da den Kopf hob. Und die Blicke 65 jungen Mannes hingegen hingen in scheuer Bervunde- ft. °n dem reizenden Gesicht des jungen Mädchens. ~le seltsam aber auch die dunklen Augen und Wimpern ^'t^bem Hellen Haar kontrastierten!

~05 Gespräch stockte alle Augenblicke; es wollte nicht 2iuß kommen. Als Felix Ebbhardi endlich ausstand, ' ssch zu verabschieden, da atmete Maria wie befreit auf.

"]nba versuchte zwar den jungen Mann zum Bleiben nötigen; doch er sagte kurz und bestimmt:Ihr Vater off der Ruhe ich will nicht länger stören." »Aber deshalb brauchen Sie doch nicht zu gehen", i^R^e Linda eifrig.Vater kann immerhin einstweilen fjaus gehen, bitte, leisten Sie uns doch noch ein

-mg Gesellschaft!" Sie legte die Hand auf feinen Arm, zurückzuhalten.

6rrt?en A^enblick stand er unschlüssig; er suchte Marias

1« "nd man merkte es, er wäre jo gerne noch ge-

und die Regelung der zur Einbringung der Ernte erfor­derlichen Ueberstunden vorsieht, und im Uebrigen sich auf einer mittleren Linie zwischen den Forderungen der Landarbeiter und denen der Großbesitzer bewegt, wurde in Stralsund nach fünftägiger Verhandlung abge­schlossen. Zur Schlichtung aller im Verlauf des Streikes eingetretenen Vorkommnisse soll eine sofort zu bildende paritätische Kommission zusam- menfrefeK.

Streik der Straßenbahner im Ruhrrevier.

Im rheinisch-westsälisckrn Jndustriebezirk droht ein allgemeiner Streik der Straßenbahner. Die Angestellten von 28 Slraßenbahnunternehmen des Reviers wollen bei Nichterfüllung ihrer Fo de» tungen in den Ausstand treten. In Essen war am SamStaq abend der Straßenbahnbetrieb bereits ein­gestellt worden.

Hamburg.

Da in Hamburg neue Schießereien vorgekom­men sind, tft die in Aussicht genommene Zurück­ziehung der Neichswehrtruppen aus dem Hamburger und Altonaer Stadtgebiet vorläufig bei« s choben worden.

Die Durchführung drs Getv-ltfriedens.

Politiker oder Astronomen?

In einer Sitzung des Friedensausschusses der französischen Kammer berichtete Dubois über die Wiedergutmachungsklauseln des FriedensvertrageS mit Deutschland. Er berechnet die Schadensumme, die Deutschland bezahlen müsse, auf 2 0 0 Milliar- den: 119 Milliarden für materielle Schäden, hierin einbegriffen 23 Milliarden für entgangene Gewinne infolge Stillegung der Industrie; die Summe der kapitalisierten Militärvensionen: 43 Milliarden 51 Millionen; für die Entschädigung «inderjähriger Kinder 6 Milliarden 920 Millionen, Entschädigungen an Hinterbliebene 2 Milliarden 519 Millionen; Ent­schädigungen an Witwen und Verwundete 6 Milliar­den, für militärische Unterstützungen nach dem Gesetz vom 5. August 1914 13 Milliarden 275 Millionen und schließlich für die Zuwendung an KriegSge' fangene 153 Millionen 627 000. Dabei seien bie Kriegskoste n nicht einbegriffen, die Belgien allein mit 5 Milliarden 266 Millionen zurücker­stattet würden. Davon entfielen auf Frankreich 1 Milliarde 993 Millionen, auf England die gleiche Summe und auf Amerika 1 Milliarde 300 Millionen. Mit solchen Zahlen operierten früher nur Astro­nomen und Vertreter der biologi'chen Wissenschaft.

Die Amerikaner rnd die Ralisikalion.

Der angebliche Geheimvertrag zwischen Deutschland und Japan wurde im amerikani­schen Senat verlesen. Die Debatte über den Frie­densvertrag wird mit großer Schärfe geführt, doch meint der in die Verhältnisse des Parlaments ge­wöhnlich gut eingeweihteElobe" die Annahme der Ratifikation mit großer Mehrheit Voraussagen zu können.

Das Diktat für Oesterreich.

Am Sonntag mittag wurde der ö st e r r e i ch i s ch en Delegation in St. Germain durch Generalsekretär Dutasta mitgeteilt, daß der Friedensvertrag mit Oesterreich fertiggestellt sei. Dutasta übergab der österreichischen Delegation eine Anzahl von Exem­plaren des FriedensvertraZes. ,Der Vertrag ist mit einem Begleitschreiben von Clemeneeau versehen, der der österreichischen Delegation zehn Tage F r i st gewährt, damit sie ihre Bedingungen schriftlich einreichen könne, und die Oesterreicher gleichzeitig da­rauf aufmerksam macht,, daß der Bertrag auf alle in den Roten der Oesterreicher enthaltenen Bemerkungen antworte. Die Uebergabe des Vertrages geschah ohne jedes ZsreMoniell.

Das Siegesfesk der Engländer.

Am Samstag wurde in London mit großem Pomp das Siegesfest gefeiert. Eine ungeheure Men­schenmenge beobachtete den Marsch der alliierten Truppen, die unter Führung von Haig, Beatty, Per­shing und Fach in die Stadt einzogen.

blieben, hätte sie ihm nur die kleinste Aufmunterung zu­teil werben lassen. Doch beharrlich hafteten Marias Augen am Boden, nur ein feines Rot der Erregung färbte die zarten Wangen; denn sie fühlte die bittenden Blicke des jungen Mannes.

Seufzend wandte sich Felix Ebbhardt endlich an den alten Herrn, um Abschied zu nehmen.Wenn Sie ge- statten, mein lieber Meister, so komme ich bald wieder, um mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen."

Sie werden jederzeit willkommen sein", beeilte sich Linda mit süßem Lächeln zu antworten, indem sie ihm die Hand reichte.

Er lächelte melancholisch.

Und Sie", er stand jetzt dicht vor MariaSie sagen kein Wort, daß ich wiederkommen soll? Bin ich Ihnen wirklich zuwider?"

Maria schüttelle den Kopf.

Zuwider nein"

Er faßte mit heißem Ungestüm nach ihrer herab­hängenden Hand.

So darf ich also hoffen, daß Sie mir eines Tages freundlicher gesinnt sein werden? Bitte, bitte, Fräulein Maria, geben Sie mir nur ein einziges Mal Gelegenheit zu einer Aussprache, damit ich Ihnen sagen kann, wie es mir ums Herz ist!"

Er hielt noch immer ihre Hand in der seinen.

Ach, wozu?" entgegnete Maria, ohne ihn anzusehen. Es wäre nur eine unnütze Quälerei, die uns beiden pein­lich werden müßte!"

Enttäuscht ließ er ihre Hand fallen und schritt gesenk­ten Hauptes davon.

Linda hatte kein Wort der leise gesührien Unterhal­tung verstehen können' so sehr sie sich auch bemühte. Als der East außer Hörweite war, begann sie in aufgeregtem Ton:Du fade, abgeschmackte Prinzesiin hättest auch ein Wort sagen können, dann wäre Herr Ebbhardt gerne noch geblieben! Aber Du stehst immer da, als könntest Du nicht bis drei zählen! Hast ihn ja förmlich hinausgewor- fen! Du wirst schon noch sehen, wohin Dein Hochmut Dich führt! Albernes Ding, Du!"

Ich- bin nicht hochmütig", verteidigte sich Maria.

Freillch, nicht immer!"

ßinbas Augen funkelten hämisch und bo-haft als sie

Sie wolle« es selber machen.

In Belgien ist eine sehr heftige Bestrebung im Gange gegen die Absicht der Regierung, deutsche Arbeiter statt Gefangene bei dem Wie­deraufbau der zerstörten belgischen Gebiete zu verwenden. Der Houptwiderstand geht von den B a u- arbeitern aus, die beschlossen haben, die deutschen Arbeiter zu den Arbeitsstätten nicht zuzulassen.

AuS der Räterepublik Unnsrn.

Tie gesamte Macht der Räterepublik Ungarn liegt bei den 33 Volksbeauftragten, deren Haupisührer B e la Kun (Adalbert Kohn) ist. Diese 33 Volksbeaustrag- ken üben, gestützt auf die sog. Rote Armee, eine unum­schränkte Herrschaft aus. So führten sie die Dienst­pflicht wieder ein, der jeder wehrfähige Mamn von? 17. bis zum 45. Lebensjahre unterworfen ist. Verweigert einer die Dienstpflicht oder sucht er sich ihr auf irgend­eine Weise zu entziehen, so wird er mit dem Tode be­straft und öffentlich erschossen.

Wie weit sich die Gewalt dieser Diktatoren bereits .erstreckt, geht aus folgendem Beispiel hervor: Die ge. samte Arbeiterschaft einer Fabrik Üskam die Einrückungsordre. Die Arbeiter dieser Fabrik erklär­ten sich solidarisch und wollten die Dienstpflicht ver­weigern; am Tage des Einrückungsternrines jedoch war der Widerspruch verstummt und jeder einzelne stellte sich aus Furcht vor Strafe. Die Arbeiter ballten die Fmist in der Tasche, find jedoch dem Terror der gutbe­zahlten Rotgardisten gegenüber machtlos.

Tie Peitsche ist auch ein neues Strafmittel int Proletarierstaate Ungarn. Aeußert sich einer nur in geringfügiger Weise abfällig über die Regierung und wird dabei von einem der sehr zahlreichen Spione der Regierung überrascht, so wird er sofort verhaftet und blutig gepeitscht.

Interessant ist auch die Tätigkeit des Budapester Wohnungsamtes. Dieses hätte für die gerechte Verteilung der leerwerdenden Wohnungen Sorge zu tragen und ist zur Ausübung seiner Tätigkeit mif weit, reichenden Vollmachten von der Regierung auSgestattet, die es, wenm auch nicht im gewünschten Sinne, so doch voll und ganz ansnützt. Der Präsident oder sonst ein höherer Beamter dieser Institution besucht in Beglei­tung eines jämmerlich aussehenden Proletariers mit 56 Kindern, die nebenbei bemerkt nicht dessen eigene sind, die Parteien, welche über 45 Wohn- räume verfügen, Und befiehlt dem Wohnungsinhaber, 23 Räume, je nach dem Verhältnis, sofort an den ihn begleitenden Proletarier abzutreten Nachdem er sich überzeugt hat, daß sein Befehl die nötige Wirkung ausübte, setzt der Beamte hinzu,, daß sich dieSache auch anders regeln ließe, unt ersucht den Inhaber der Wohnung höflichst um eine Unterredung unter vier Augen. Die beiden treten in ein Nebenzimmer und dort erklärt der Beamte, daß er bei Bezahlung von 1000 bis 2000 Kronen von der Reguierierung absehen würde. Der Wohnungsinhaber zahlt in seiner Angst, der Beamte mit Gesvlge zieht ab und letzterer kehrt in 46 Wochen wieder zurück, um dieses Manöver von neuem zu machen. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der Scheinproletarier, der den Beamten begleitet, selbst- berstÄndlich seine Prozente aus diesem Handel hat. Das Wohnungsamt hat auch die Verfügung über bie- bei der Einwohnerschaft Budapests und kann diese nach Willkür verteilen und aus den Wohnungen schaffen laffen. Daß auch hier die Dkacht in jeder Weise miß­braucht wird, liegt auf der Hand.

Die Lebensmittelverteilung ist nach dem Kartensystem eingerichtet, und zwar gibt es drei Klassen. Der A-Klaffe ist die Rote Garde zugeteilt und diese bekommt die bestmögliche Verpflegung. Das nicht eingezogene Proletariat gehört der B-Klasse an, für die es schon schwer ist, die nötigste Verpflegung zu beschaffen; sie bekommt gleichsam das, lvas die Rote ®arbe, die überall an bevorzugter Stelle steht, übrig läßt. Am schlimmsten ergeht es der der Klasse C an­gehörenden Kaste, der Bourgeoisie. Diese mutz falls sie nicht geschickt zu hamstern versteht buchstäblich Hunger leiden und es ist ihr oft unmöglich, nur_ das Allernotwendigste zum Leben zu beschaffen. An Samb dieses Beispieles ersieht man also, daß es in einem kommunistischen Staate auch Klassen gibt, und damit erübrigt sich jeder Kommentar über die. Gleichberechti­gung jedes Einzelnen in einem solchen Staate.

Zum Schluffe sei mir noch gestattet, einiges über das Leben der 38 Volksbeauftragten zu sagen. Diese Volksbeauiftragten, durchweg jüd i s ch p r Konfes­sion, leben mit ihrem weiblichen Anhang im Hotel Hungaria", welches sie in einen Freudentempel um« gewandelt haben. Für diese Herren steht auf Koste» in steigender Erregung fortfuhr:Du denkst wohl, ich weiß nicht,' wer Dir im Kopfe steckt? Da müßte ich ja blind fein! Ach, Du brauchst gar nicht aufzufahren", fügte sie auslachend hinzu, als Maria eine heftige Bewegung machte,ich habe es recht gut bewerft, wie Du rot wirst, wie Deine Hände zittern, und Deine Augen leuchten, wenn dieser geschniegelte und gebügelte Assessor Held auf der Bildfläche erscheint! Er war zwar erst einigemal mit Set­ter Max hier, aber Du Du hast sofort Feuer gefangen! Da ist freilich keine Spur von Stolz an bem gnädigen Fräulein zu bemerken! Da ist pure Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit. Ganz anders als bet Herrn Ebbhardt! Haha gelt, jetzt hab' ich Dich Prinzeffin?" höhnte sie, als Maria mit leisem Schrei auf die Bank zurücksank und die Hände wie geblendet vor das Gesicht schlug. Ihr war plötzlich, als flamme ein grelles Licht vor ihr auf, das sie zwinge, die Augen zu schließen. Das, was sie sich noch nicht einmal selbst eingestanden, wurde hier laut und brutal hinausgeschrien. Doch nur ein paar Sekunden währte Marias Schwäche. Sogleich sprang sie wieder auf und stand bebend vor Zorn, mit hochgeröteten Wangen vor der höhnisch lächelnden Schwester:Du Du es ist alles nur Einbildung von Dir weiter nichts! Du hast Dir da etwas zusammengereimt, um mich zu ärgern! Sage fa etwas wie vorhin nicht noch einmal, sonst könnte ich vergessen, daß Du meine Schwester bist!"

Ach, willst mich wohl schlagen? Du? Gerade well Du Dich so erregst gerade deshalb ist es wahr! Ich sehe Gott sei Dank noch recht gut! Aber wegen dieses fcmosen Herrn Affeffors Joachim Held", sie betonte spöttisch jedes Wort,brauchst Du Dir gar keine Illu­sionen zu machen; denn er beachtet Dich ja kaum, Du bist für ihn viel zu unbedeutend. Er geht doch nur wegen (eines guten Freundes mit heraus, nicht wegen Dir! Und wenn er, wie das letztemal. Deine zitternden Fingerfpitzen an die Lippen führt, fo brauchst Du Dir deshalb doch lange nichts einzubilden, er ist das eben fo gewöhnt. In den Kreisen, in denen er verkehrt, tut das jeder! Er stammt aus einer sehr vornehmen, hochangesehenen und reichen Familie, fein Vater ist Fabrikbesitzer und soll sehr hochmütig fein. Der würbe im ganzen Leben nicht gestatten, daß fein Sohn eine arme, unbebeutenbe Mu- MkStoMr MM, fettjt, lperm sie fo hübjch ist wie Du!

ter Bevölkerung im erwähnten Hotel stets alles bereit, Mas das Leben angenehm erscheinen laßt, und der Aufwand, den sie betreiben, übersteigt um das Viel­fache die Unterhaltungskosten eines Souveräns. Wah- renb das Volk hungert, feiern dieseMenschenbeglucker und Verherrlicher des kommunistischen Gedankens in großem Egoismus ihre Orgien; damit rhre Freu« vcnfeftc uichi todj einmal unliebsam geftort tveroen, unterbindet ein Kordon der gutbezahlten und demzu. folge absolut zuverläffigen Regierungs-Leibgarde bet Tag und Nacht den Zugang zum Hotel. Wer nicht mit einem besonderen Regierungsausweis ausgestattet ist, dem ist es unmöglich, sich dem Hotel zu nähern Bela Kun, der vor seiner Ernennung em ga«3 mittellofer Journalist war und heute bereits mehrfacher Millw- när ist, wird bei seinen Ausfahrten stets von seiner 200 Mann starken Leihgarde, bestehend aus Rotgardi- ften umrimgi, benn er lebt in beständiger Ängst um 'e'n©o£fiebt es in einem Staate ans, der von Männern geleitet wird, denen nicht das Volkswohl am He^en liegt, sondern die der Hunger nach Macht und Reichtum zu Verbrechern werden ließ. Wer nichts bleibt unaerächt auf Erden, und so wird auch für sie Hof- fentlich in nicht allzuferner Zett die Ktunde der Abrechnung schjlagen. ____

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 19. Juli.

Zunächst wird ein Gesetz über die Zahlung bet Zölle in Gold beraten. Das Gesetz verlangt we- gen des gesunkenen Wertes des Papiergeldes die Be- gleichung der Zölle in vollwertigen Za h lu n gs- Mitteln, um der Entwertung der Reichsmarkwah- rung zu begegnen. Das Gesetz wird nach kurzer Sc­hotte, in der Reichsfinanzminister Erzberger seine Zweckmäßigkeit nachweist, in allen drei Lesungen gegen die Unabhängigen angenommen.

Ferner wird der Gesetzentwurf über dem Absatz der Kalisalze vom 25. Mai 1910 und seine Abänderungs- gesetze sowie Abänderung des Gesetzes über die Rege- lung der Kaliwirtschaft vom 24. April 1919 gegen die Unabhängigem in drei Lesungen angenommen.

Es folgt die erste Beraiung des Gesetzentwurfes betreffend Erhöhung der Pensionen von Reichsbeamten, die das 65. LebenSzehr vollen­det haben, in Verbindung mit der ersten Beratung eines Gesetzentwurfs betreffend die Pensionierung von Reichsbeamten infolge der Ausgestaltung des Staats- Wesens. , *

Reichsfinanzminister Erzberger: Der ertfe Gesetz enttourf verfolgt den offen ausgesprochenen Zweck ein. Verjüngung unserer Beamtenschaft herbeizuführen. Dieser Zweck soll dadurch erreicht wer. den daß die Beamten,, die das 65. Lebensjahr über- schritten haben, in rascherem Tempo verabschiedet wer- den Das soll bei diesen Beamten dadurch erreich werden, daß ihnen ein Zuschlag auf ihre Pension in Höhe von 10 Prozent gewährt wird. Der zweite Ge- setzentwurf betrifft die Pensionierung der Reichsbeam- ten infolge der Umgestaltung unseres Staatswesens Vom Standpunkte der individuellen Freiheit jeder poli- tischen Betätigung will die Regierung feinen B e- amten zwingen, der neuen deutschen Repu­blik zu dienen, wenn er es mit ferner inneren Auffassung und den Traditionen seiner Familie nicht vereinbaren zu können glaubt. Deshalb soll es den Beamten erleichtert werden, in dein Ruhestand zu tre­ten, indem ihnen die Pemsion gewährt wird, auch wenn sie das 65. Lebensjahr noch nicht erreicht haben und wenn auch die übrigen Voraussetzungen für die Pensw- nierung nicht gegeben sind. Selbstverständlich bezieht sich das nur auf politische Beamte, Nicht auf Verkehrsbeamte und gewiße Kategorien. der unteren und mittleren Beamtet!. Ein Briefträger beisplels- weise kann ohne Gewissenskonflikte in der Republik ebensogut seinen Dienst tun, wie rm Kaiserreich. Die Reichsregierung soll mit Zusttmmung des Staatenaus­schusses den Kreis der Beamten umgrenzen, bte unter das Gesetz fallen.

Die beiden Gesetzentwürfe werden an den Haus- Haltsausschuß überwiesen.

Es folgt die erste Beratung der Gefchenttvürfe über

Entschädigung der Offiziere und D e ck i s f i z i e r e, die infolge der Verminderung der Wehrmacht aus dem Heere, der Marine und den Schutz­truppen ausfcheiden, sowie über die Entschädigung der infolge der Verminderung der Wehrmacht auSscheiden- den Kapitulanten (KapitulantenentschädigungS- J Preußischer Kriegsminister Reinhardt: Die Ent- schädigungsgesetz- für die Offiziere und Kapitulanten Also bescheiden sein, mein liebes, schönes Schwester- chen, und sich keine Flausen in den Kops setzen!"

Linda hatte bas alles wie etwas Auswendiggelernte, hervorgesprudelt. Es bereitete ihr eine boshafte Freude, als sie sah, wie Maria bleich, mit weitgeöffneten Augen be» stand, und sich vergebens bemühte, den Redefttom za unterbrechen. Als Linda endlich schwieg, hatte Maria ihre volle Selbstbeherrschung wieder erlangt.

Bist Du nun fertig?" fragte sie, ein Lachen er zwingend, das ziemlich natürlich klang.Woher hast Du denn all diese Weishesten? Es mutz Dir doch recht nie! Mühe gemacht haben, dies alles auszukundschastenl Ich sage Dir, das hättest Du Dir sparen können! Es ist ja alles albernes Zeug, Hirngespinste weiter nichts! Ich machte mir nicht so viel aus dem Herrn Assessor Held!"

Sie schnippte mit den Fingern und drehte sich auf dem Absatz herum, lief dann lachend zu dem Vater, der mit weit aufgeriffenen, erstaunten Augen der Auseinander­setzung zugehött hatte. Ein paarmal öffnete er bei Linda» Taktlosigkeiten den Mund, um sie zu unterbrechen, doch ließ sie ihn nicht zu Wort kommen.

Fröhlich schlang Maria die Arme um des Vaters Hals und schmiegte sich an den sehr erschrocken aussehenden Allen. Linda schaute etwas verblüfft dem Treiben der Schwester zu.

Sollte ich mich getäuscht haben?"» murmelte sie. Fast war sie überzeugt.

Mana machte sich eifrig mit dem Vater zu schaffen. ;

Komm nun, Väterchen", schmeichelte sie,es ist Zett, daß Du ins Haus gehst und ausruhst, es möchte Dir sonst zu viel werden. Verzeih nur, daß Du durch Lindas alberne Schwäherei eine unliebsame Szene mit erleben mußtest. Leider kennt Linda weder Schonung noch Rück-, sicht, wenn es gilt, ihre Rache an mir zu kühlen! Was habe ich ihr denn getan? Rein gar nichts. Nur daß ich den Herrn Felir Ebbhardt nicht zum Bleiben nötigte.' Aber selbst, wenn er noch zwei Stunden geblieben wäre,; fo hätte es ihr ja doch nichts genützt. An den verschwendet sie vergebens alle Liebenswürdigkeit, der beißt nicht an haha!" Maria sprach über die Achsel zurück in sehr spöttischem Ion und brach bei den letzten Worten in ein hell« Aelächier aus.

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