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El«s Oberhessen und den Hess. Aemter«.
A Marburg. Am Lahnufer bei dem Dorfe Wehrda spielten eine Anzahl Kinder. Dabei fiel da- 6jährige Söhnchen des in französischer Kriegrge- fangenschaft befindlichen Arbeiters Seelbach in das Wasier und ertrank.
# Kirchhain. Ter Kreistag beschloß, den hiesigen Kreis aus dem Kraftwerke der Edertalsperre, mit elektrischem Licht versorgen zu lassen.
Kommandanten werde ohne Rücksicht auf die Frage des Kaiserprozeffes mit vollständiger Zustimmung Amerikas energisch durchgeführt werden.
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Propheten, die dir auf Schritt und Tritt entgegen, tönen, nachzugehen, folge dem Rufe des Gesellenvereins, tritt ein in feine Reihen! Als Freund und Bruder heißen wir dich herzlich willkommen.
Anmeldungen zum Eintritt werden entgegengenommen im Gesellenhaus, Florengasie 17, besonders bei jeder Versammlung des Vereins. Die Veranstaltungen des Vereins werden stets in den „Vereinsnachrichten" der Fuldaer Zeitung bekannt gemacht.
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vtb Amsterdam, 10. Juli. Der Londoner Korre- WNdent des „Manchester Guardian" schreibt: Je nä- m der Prozeß gegen den Kaiser rücke, desto größer men die Schwierigkeiten, auf die man stoße.
m Anzeichen dafür vorhanden, daß vielleicht der
Prozeß aufgegeben werde, und man om.p*e nicht erst erstaunt zu sein, wenn demnächst eine % x Erkürung in diesem Sinne gegeben werde.
Verkündigen Kreisen sehe man die gesetzliche Un- oglichkeit einer gerichtlichen Verfolgung des Kaisers gerichtliche Verfahren gegen die U - V o ot-
hängt ja alle? von dieser Antwort ab!" hov« Sur" Kuckuck, das ist absurd!" t.
li tri.,,,?' ben Teppich, „das ist, gelinde gesagt, um die
»u verlieren."
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Samstag, IS. Juli 1919
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üu§ dem Nachbargebret.
b. Frankfurt a. M. Bei der letzten Gehaltsauszahlung wurden allen Straßenbahnern, die sich am Sympathiestreik für Rosa Luxemburg beteiligt hatten, die versäumten Dienststunden inAbzuggebracht. I gab darob bei allen davon betroffenen Straßenbahner recht lange Gesichter.
Das Durchgangslager Limburg.
;; Limburg. In den nächsten Wochen und Mo- naten, wenn die Rückkehr der Gefangenen sich im Gang befinden wird, dürste das aus dem ehemaligen Gefangenenlager hergerichtete Durchgangslager Limburg eine große Rolle spielen. Die Aufgabe des Durchgangslagers ist: Die Einschleppung an Seuchen zu verhüten, Prüfung des Gesundheitszustandes der Heimgekehrten als Unterlage für etwaige Kriegsbeschädigungsansprüche, Sammlung aller wesentlichen Mitteilungen über Vermißte und über besondere Erlebnisse in der Gefangenschaft. Man nimmt einen Mindestaufenthalt von 3—4 Tagen im D.-L. an. Die Entlassung au- dem Militärdienst geschieht befehlsmäßig im Lager selbst, ebenso die Aushändigung aller Papiere und Urkunden, deren der Entlassene bedarf. Eine Beur- laubung bis zu 8 Wochen mit Auszahlung aller Gebührniffe kann stattfinden, die dem Urlauber Ge- legenheit geben soll, eine Verdienstmöqlichkeit zu finden Kommandant des D.-L. Limburg ist Major Henou- mont v. T. A. 25, ein liebenswürdiger Düsseldorfer, Sohn des in rheinischen Landen beliebten und be- kannten Dichters H.; ihm zur Seite steht der nimmermüde Adjutant Oberleutnant Colnot. DaS Lager ist zu einem freundlichen Aufenthalt hergerichtet worden. Die großen Plätze und Flächen, dir zur Franzosenzeit rechte Wüsteneien geworden waren, schmücken heute Blumenbeete und gärtnerische Anlagen. Für die Verpflegung und leiblichen Bedürfnisse ist in bester Weise Fürsorge getroffen. Alles ist geschehen, um den Heimgekehrten den Aufenthalt im Durchgangslager so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Limburger Bürgerschaft wird durch Freundlichkeit und .Liebenswürdigkeit im Verkehr mit den armen Landsleuten, von denen viele verbittert und gebrochen an Leib und Seele zurückkommen, das ihrige dazu beitragen, daß de: Name Limburg bei allen Heimgekehrten im besten Andenken bleibt.
„'Nem, nein, nein!" rief er entsetzt.
„mUd hast niemals eine Frau — sei eS kirchlich I oder gesetzlich angetraut — besessen?"
„Um des Himmels willen, nein!"
„Warst und bist also frank, frei und ledig? — I Ohne alle bindende Pflicht?"
„Kein Mensch kann lediger sein, als ich," seufzte er.
»So wisse, mein Junge," ernst und würdig stand die Greisin vor ihm, „dieser Verdacht ruht auf Diri Wie das möglich sein konnte, das Rätsel löse mir!"
Er begriff noch immer nicht das Ungeheuerliche, er stand so hilflos, ratlos da, der große Mann, er schaute so verständnislos fragend nach Olga hinüber, deren | gersterbleiches Antlitz ihm zugewandt war, daß Frau von Jissem in die Worte ausbrach:
„Sieh lhn Dir an, liebes Kind, und dann urteile, ob er schuldlos I"
Da flammte. es plötzlich in seinen Augen auf, er schlug sich vor die Stirne, durchschritt erregt das Zimmer, die Erinnerung an jene folgenschwere Unterredung mit Elisabeth war ihm gekommen. Endlich, endlich hatte er'begriffen.
„Aho das ist's!" rief er in Erregung, „das ist's! Und erst heute Morgen wird es mir klar. — Das
Und darunter leide ich all die Jahre! — Das! — Das! Karl, Eichbach, Du eigennütziger Freund. Danke Deinem Geschick, das Dich in diesem Augenblick meinem Zorn entzogen!" und er ballte die Hände zur Faust.
„Was kommt doch?" murmelte die greife Dame.
In wenigen Worten war der Sachverhalt klarge- legt, das Verhängnis, das über der Liebe zweier Menschen geschwebt, gehoben, der unselige Irrtum gelöst, der Anfang zu neuer Liebe gegeben, die Pforte des neuen Paradieses geöffnet.
Aber Olgas Kraft und Selbstbeherrschung war da- hin. Auf ihrem Gesichte kam und ging die Farbe. Alles, was sie geopfert, was sie entbehrt, was sie ge-
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Nachtrag.
Unserer Geschichte bleibt wenig rnajr hinzuzufilgen. Suschen ist auf Schloß Roüenfels gezogen — so heißt öer Ltammsitz derer von Detten, darauf Olga die schönste und repräsentabelste Schloßherrin viele Meilen !» °er Runde geworden. Stolz ist sie geblieben, aber 7* »rrtz hat sich derweil überzeugt, daß seine stolze, schone^ Olga auch ein Herz besitzt! Ueberall, wo er m,t ihr zeigt — sei es in der Residenz oder in der Provinz, beim Offiziersball oder beim Balle des Ober- Präsidenten — lenkt sie mit unfehlbarer Sicherheit die Auftnerffamkeit aller Kreise auf sich. Frau von Detten ist der Gegenstand stiller Huldigung alter Knd junger Militär, das Ideal dichterisch veranlagter Manner, der Brennpunkt, um den stch Schöngeister und Gelehrte scharen. Sie nennen sie „die geistreichste Frau des Landes."
Herr von^Detten zeigt — was unter diesen Umstän- ben verzeihlich ist — Veranlagung zur Eifersucht; aber O^a weiß ihn allemal so spöttisch unbegreiflich anzu- lacheln, daß er reuevoll in sich geht.
bon Alpenheim ist nach Kairo zurückgekehrt. Nachdem er der vollendeten Tatsache von Olgas Verlobung gegenüber gestanden, hat er das letzte davon für sich hcrausgeschlagen und fit ihr und Tettens Freund geblieben.
Im kommenden Frühjahr versprach er, mit seiner Keinen _ Lia nach Rottenfels zu kommen, und als et Wort hielt und kam, traf er ein ihm noch unbekanntes Ehepaar an. Das wurde ihm vorgestellt als Amtsrichter Eichbach und Frmt aus Berlin! — __ Das
kam so:
Detten hatte auf Olgas Bitte kein Wort des Tadels an Karl gerichtet, auch seine Vermählung teilte er ihm nicht mit, aber Elisabeth wußte es doch.
m Eines Tages erschien auf Schloß' Rottenfels der ^dbr-eftr-Mr und zahlte viel Papierscheine auf den Tisch, Absender?" — „Karl Eichbach, Berlin." — „Zuruck; Annahme verweigert! — 2Ba5 ich geschenkt.
Eine empörende „S'^ges"feier.
Die „Hildesheimer Zeitung" berichtet aus dem von den Amerikanern besetzten Höningen am Rhein, daß dort am 2. Juni Umzug durch den Ort stattfand. Vorangeführt wurde, in Sarg und Leichentuch gebettet, ein als deutsche K r i e g e r l e i ch e maskierter, mit blutigroter Farbe beklexter Soldat zur Versinnbildlichung der deutschen Niederlage. Ein als Türke maskierter Soldat folgte mit den lächerlichsten Beleidsbe- zeugungen. Voran schmetterte die Musik ihre Siegesweisen, unterstützt von dem widerlichen Gejohle der kaum mehr menschenwürdig, geschweige denn soldatisch sich gebärdenden Wilsonsöhne. Männer, die draußen im harten Kampf nicht gezittert, Frauen, die Gatten und Söhne opferduldend hingegeben haben in diesem Weltringen, konnten sich der Tränen nicht erwehren angesichts solchen Gebarens, das man jenseits des Ozeans vielleicht belächeln könnte, hier aber im Angesichte der schwergeprüften und zur Ohnmacht verurteilten Bevölkerung als Ausbruch niedrigster Gesinnung empfinden muß. Am gleichen Tage Nachm. wurde auf einem Fuhrwerk in einem mannshohen Käfig ein als Kaiser Wilhelm II. in blauer Uniform gekleideter Soldat durch Hönningen und den Nachbarort geführt. Er trug einen Strick um den Hals, der in nicht mißzuverstehender Weise von Zeit zu Zeit von einem Schwarzen in die Höhe gezogen wurde unter dem Gejohle der nachfolgenden Truppe. Am Nachmittag betranken sich die feiernden Soldaten und verübten in diesem Zustande wüste Ausschreitungen. Die zerschlagenen Schaufensterscheiben der Hauptgeschäftsstraße legten am nächsten Tag Zeugnis hiervon ab, selbst S ch u l f e n st e r und Fenster von Privathäusern wurden in großer Zahl zertrümmert. — All dies geschah unter den Augen der Offiziere und Ortskommandanten. Konnten, wollten oder wagten sie nicht einzuschreiten? Hinterher hat das Generalkommando Schadenersatz versprochen. Das ist aber keine Genugtuung für die empörenden Roheiten, die ein Hohn auf die W i l s o n s ch e Volke r v e r s ö h n u n g sind. In der ersten Zeit haben sich die Amerikaner im besetzten Gebiet korrekt verhalten, jetzt übertrumpfen sie vielfach die anderen Besatzungstruppen durch Rücksichtslosigkeiten.
(Schluß)
IöiSa zur Seite Olgas, die, wider den Kcrmiv '«’b n-x brennende Stirn in die flache Hand stützte 'Nichts mehr hören noch wissen mochte. Die alte sich/ “ßte den einem Arm um Olgas Taille, den s'e gebieterisch gegen Detten aus, der Klinke der Türe in der Hand hielt.
^he, ich muß für Euch handeln, Ihr seid per- $jx e' ‘ ?ln Olgas Statt erhebe ich die Anklage gegen it « Un° Du antwortest prompt nmd rückhaltlos. ES
Eoiales.
Fulda, 12. Juli 191ti Frauenberg. Bei dem vergangener.
Tttularfest der Marianiichen Bruderschaft wurde ^ur.^rweffter Reinhardt in Sickels zum Sekretär gewahlr.Satzungsgemäß erhielt der seitherige Sekretär Lokomotwfahrer a. D. D eutsch hier die Stelle des vrajcnen.
5 „Preußisch" statt „Königlich". Auf Siegel, und vtempelabdrücken sowie bei den Inschriften an Ä h b*n ®«nft9«bäuben der preußischen Staats, behorden soll das Wort „Königlich" nach ministerieller Anordnung entfernt ober durch das Wort „Preußisch" erietzt werden. — Bei der Ausfertigung von Be- stallungen für Beamte ist fortan die Bezeichnung
litten, ertragen, stand lebendig vor ihrer Seele. Alle die Jahre deS stillen Kummers, die nutzlos gewesen, die entbehren Jahre deS Glückes, die geknickten Blüten erster, scheuer Liebe, der Groll und der Abscheu, Haß und Verachtung für den Mann, der schuldlos I —
Ihr Herz schrie auf in wilder Qual! Laut auf- weinend schlug sie beide Hände vor das Gesicht und warf Nch in unanshalbarem S^elenschmerze auf die Chaiselongue. — Diskret war Frau von Jissem hinter der Portiere verschwunden, Detten stand wie angewurzelt auf dem Platze. Was in ihm vorging, trat auf feinem stolzen Männerantlitz sichtlich zum Ausdruck. Seine dunklen Augen hingen an der schlanken Mäd- chenqestalt, die sein Eigen war durch längst geschlossene Bande, er sah den zuckenden lebenden Körper — hörte ba§ Schlingen und Weinen und — leg vor ihr auf den Knien, süße Worte der Liebe stammelnd, ihr Augen und Hände küssend und sie stürmisch an fein treues Herz pressend. Beruhigend sprach er auf sie ein, die letzte Träne küßte er ihr von der Wimper fort: sie aber entwand sich sanft feiner heißen Umarmung, sie wollte sprechen, ihre schönen, tränenfeuchten Augen ruhten auf ihm — aber sie rang vergebens, um ihren Shmb zuckte es verräterisch, sie brachte nur hervor:
„Mein guter, ehrlicher Fritz, wie habe ich Dich verkannt!" und fassungslos warf sie sich an feine Brust.
Er ließ sie dann überhaupt nicht mehr zu Worte kommen.
„Noch ist nicht alles zwischen uns geordnet, Olga. Ich ja ich glaube, ich habe Dich furchtbar betrogen; denn ich — Du mußt es nun doch wissen — ich bin reich!"
Ter größte Fehler seines Lebens hätte ihm nicht schwerer werden können zu gestehen.
„Das macht nichts, mein Junges meinte Frau von Ziffern, welche seine letzten Wotte beim Eintreten auf. fang. „Da Olga meine Erbin ist, wird sie auch reich, und Ihr habt Euch beide nichts mehr vorzuwerfen."
Katholische Gesellen, tretet dem kath. Gesellenverein bei!
Der katholische Gesellenverein ist die älteste katholische StandeSorganisation. Er wurde im Jahre 1846 vom Gesellenvater Adolf Kolping, der zuerst Schuhmachergeselle, später Priester war, im engsten Anschluß und auf dem festen Funda- mente der katholischen Kirche gegründet. In den sieben Jahrzehnten seines Bestehens bat er überaus großen Segen gebracht für seine Mitglieder, für das deutsche Handwerk und für unser gesamtes kath. Volksleben. Ter katholische Gesellenverein ist der Bahnbrecher und das Vorbild für die verschiedensten katholischen Organisationen geworden. Durch den katholischen Gesellenverein sind tausende und abertausende katholischer Männer hindurchgegangen und verdanken ihm ihre zeitliche Wohlfahrt und ihr ewiaeS Glück.
Auch heute noch ist der katholische Gesellenverein eine der notwendigsten Organisationen, dessen Tätigkeit durch keine andere ersetzt, dessen Aufgabe von keiner anderen Organisation übernommen werden kann.
Der katholische Gesellenverein ist die Standesor- ganisation der katholischen Handwerksgesellen und jungen Männer; er ist die Fortsetzung des Iugend- vereins und setzt sich zum Ziel: die religiös-sittliche Erziehung seiner Mitglieder, deren fachliche Ausbildung, ihre politische und soziale Aufklärung. Er will seine Mitglieder vorbereiten auf den Meisterstand und für das künftige Familienleben. Er will sie zu brauchbaren, tüchtigen, vollwertigen Staatsbürgern erziehen.
Religion und Tugend, Arbeitsamkeit und Fleiß, Eintracht und Liebe, Frohsinn und Scherz, sind die vier Wahlsprüche, gleichzeitig aber auch die vier P r o- g r a m m p u n k t e des Vereins.
Religiöse Belehrung ist heute notwendiger denn je. Die Werkstätten und Fabriken sind die Kampfplätze geworden, auf denen die religiösen und politischen Streitfragen unserer Zeit ausgefochten werden. Mit verfänglichen Schlagwörtern tritt der Unglaube an den jungen Mann heran und sucht ihn an sich zu locken. Gegenüber diesen Bestrebungen betrachtet es der kath. Gesellenverein als seine Hauptaufgabe, seinen Mitgliedern durch tiefgehende religiöse Aufklärung und Belehrung eine feste Glaubensüberzeugung zu schaffen, damit sie gegen alle Angriffe gesichert sind.
Arbeitsamkeit und Fleiß sind Grundpfeiler unseres Staats- und Wsttschaftslebens. Das haben wir in den letzten Wochen immer und immer wieder von allen einsichtigen Männern gehört. Nur unermüdliche, fleißige Arbeit kann allmählich die Folgen des Kriegselends mildern. Berufliche Fortbildung und fachliche Schulung find als die Vorbedingung der rechten Arbeitsfreudigkeit im Gefellenverein stets gepflegt worden.
Eintracht und Liebe verbindet die Mitgsie- der miteinander nicht bloß im einzelnen Lokalverein, sondern auch weit über diesen hinaus in allen 1300 Gesellenvereinen in Deutschland, Oesterreich, Holland und der Schweiz. Wer als Mitglied in einen Lokal- verein ausgenommen ist, ist zugleich auch Mitglied des großen Verbandes katholischer Gcsellsnvereine, der in 1300 Vereinen über 85 000 Mitglieder zahlt. Wo der Geselle auf seiner Wanderschaft seinen Wanderstab auch hinfetzt, in fast jedem Städtchen findet er den katholischen Gesellenverein vor, in den er nicht als Fremder, sondern als Glied einer großen Familie ein» tritt und wo er oller Vorteile des Vereins (freier Unterkunft und Verpflegung- teilhaftig wird. Vierhundert Vereine besitzen eigene Häuser, von denen viele als Ledigenheime für ortsfremde Mitglieder eingerichtet sind.
FrohkinnundScherz, heitere, edle Ge'ellig- keit haben neben den ernsten Bestrebungen des Ver- ems aber auch eine rechte Heimstätte in ihm. Gesang, Musik, Theater und Spiel kommen ebenfalls zur Geltung.
Der Gesellenverein will seine Mitglieder erziehen und begeistern für alles Gute, Schöne und Edle, er will seine Mitglieder hinführen zu den reinen, lichten Hohen wahrer Religiöfität und treuen Glaubenseifers zur Erreichung der höchsten Vollendung, in ihrem Be- ntfe zur Erfüllung opferbereiter Kameradschaftlichkeit und zu hoher, reiner, froher und edler Geselligkeit.
Wohlan denn, katholischer ' Geselle, katholischer B li r g e r s s o h n, katholischer junger Mann, der du nicht gewillt bist, den verderblichen Lockrufen falscher
)t d« t, , Jt Dein Bestes. Nun wohl. Fritz von Detten, t 'v. 'ch Dich: Bist Du bereits vermählt?"
(I^'ntfe! — Olgas Kopf sank tiefer. Detten aber "momentan sprachlos die beiden Frauen an. Er fc'ne Tante sei irrsinnig geworden.
vermählt?" wiederholte sie ungeduldig,
„Tas gebt denn doch —'
hr,'46! dkch nicht hartnäckig und antworte klar und «n; ja alles von dieser Antwort ab!"
tb c. Ms! Die Tragödie wird zur koffel" . sich mit schallendem Gelächter in den
’b f-i/ EU'tzschnell stand die alte Dame nebÄt ihm •Ön-j?n bei der Schulter.
* frK-K rwf sie erregt, „so lege doch klar, c ben Zn Euch hegt. Sprich, rede, antworte! Gib t. bat. T , n 0,1‘Seine reine Lebe wieder! Sage ctiy -C?bist. Antworte, Fritz, bist Tu verbunden?" <
Kreistagsfitzurtg.
J Fulda, 12. Juli 1919.
(Schluß deS Berichtes aus Nr. 157.)
Anstelle des verstorbenen Bürgermeisters Weh in Buchenrod wurde der Landwirt Wilhelm Sander in Kleinlüder zum Mitglied der KörungSkom- mission gewählt. Die Vertrauensmänner für den Ausschuß zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen für die Amtsgerichte Fulda, Gersfeld und Neuhof wurden mit wenigen Ausnahmen wiedergewählt. Die Herren Breitenbach-Großenlüder und Frank-Fulda regten die Hinzuziehung von geeigneten Vertretern aus dem Arbeiterstande zum Amte als Geschworene an. Zu Mitgliedern der Wegekommission wählte der Kreistag den Hüttner Emil M ö l ler- Ellers, Bürgermeister Jona S» Rex und Metzgermeister Karl Su r leI »Fulda. Der Vorschlag des Oberbürgermeisters Dr. Antoni als Sachverständigen den Meliorotionsbausekretär Rogner in die Kommission zu wählen, fand nicht die Mehrheit.
Der Kreistag beschloß den Beitritt des Kreises Fulda zu dem unter dem Namen „Ueberland- werk Fulda, Hünfeld, Schlüchtern" zu bildenden Zweckverband und beauftragte Herrn Richard Muller gemeinsam mit dem Herrn Land- rat die Verhandlungen zur Gründung dieses Ver» bandes weiterzuführen. Die Satzungen wurden genehmigt mit einem Antrag des Herrn Ed. S ch m i t t auf Abänderung des § 10 dahingehend, daß die Be» kanntmachungen des Zweckverbandes zukünftig nicht nur durch die Kreisblätter, sondern durch alle im ZweckverbandSgebiet erscheinenden Zeitungen veröffentlicht werden. Auf eine Anfrage teilte der Vorsitzende mit, daß wohl erst im Herbst 1920 auf Lieferung von Strom zu rechnen sein werde.
Mit dem Ankauf von 12 ha domänenfiS- kalischen Landes in der Gemarkung Eichenzell war die Versammlung einverstanden.
Zum KreiSdeputierten wurde anstelle des Rentner« Richard Müller, der sein Amt niedergelegt
Bürgermeister Joseph Vieth-Langenbieber gewählt.
Neuwahl der Mitglieder des KreiSauSschuffeS.
Dem Vorsitzenden des Kreistages waren zwe Kandidatenlisten eingereicht worden:
I. Oberbürgermeister Dr. Georg Antoni, Fulda: Zrmmerpolier Wilhelm Balzer, Fulda; Kaufmann und Erster Beigeordneter Karl Arnd, Fulda: Arbeiter Ferdinand Hillenbrand,Pilgerzell; Metzqer- welster Karl Sunkel, Fulda; MeliorationSbau- jekretar Paul Rogner, Fulda.
II. Gutsbesitzer Heinrich Bispin ck, Trätzhof; Bürgermeister und Landwirt Joseph Vieth, Langen» bleber; Wagner und Bürgermeister Ferd. Kohl, EllerS; Landwirt und Müller Wilh. Sander, Kleinlüder; Landwirt Adam Dreh ler, Salzschlirf; Land- und Gastwirt Heinrich Klug, Mittelkalbach.
Dre KrelStagsmitglieder beteiligten sich vollzählig an der Wahl. Gewählt wurden vom ersten Wahl- Vorschlag: v
1. Oberbürgermeister Dr. Antoni. Fulda.
2. Zimmerpolier Balz er-Fulda.
Vom zweiten Wahlvorschlag:
3. Gutsbesitzer BiSpi nck-Trätzhof.
4. Bürgermeister Vieth-Langenbieber.
5. Bürgermeister Ko hl-Ellers.
- 6- Landwirt Sander-Kleinlüder.
Die Verfolgung des Kaisers.
Neuerdings war gemeldet, daß die Kampfrede von gloyd George in Sachen des Kaiserprozesses bei den Drrbündeten Bedenken erregt habe, namentlich in den amerikanischen Kreisen, die von dem angeblich getroffenen Abkommen bisher nichts erfahren hatten. Dirse und andere Zeichen von Uneinigkeit und Unschlüssigkeit unter den Verbündeten dürfen uns nicht zu Hoffnungen verleiten. Wir haben ja schon wiederholt erlebt, daß die Herren im hohen Rat trotz anfänglicher Meinungsverschiedenheiten sich schließlich wieder einigten, und zwar jedesmal auf der schlech- t e n Linie, weil die leidenschaftlichen Strömungen über die Stimmen der Vernunft und Mäßigung jedesmal das Uebergewicht erlangten. Ob in diesem Fall Wilson vor dem Gewaltmenschen Clemen- ceau und Lloyd George sich bereits gebeugt hat, mag noch unsicher sein. Aber es müßte wunderbar zugehen, wenn die Verfolger des Kaisers nicht schließlich ihren Willen durchsetzten.
Bon deutscher Seite ist alles geschehen, was mög- fid) war, um den Kaiser zu schützen. Wenn jemand behauptet, die Ablehnung des Friedensvertrages hätte den Kaiser schützen können, so verkennt er vollständig die Sachlage. Wollen die feindlichen Machte Holland zur Auslieferung zwingen, so haben sie dazu nach Unterzeichnung des Friedens ebenso wenig Recht, wie vorher; doch leider haben sie die M a ch t zu dieser Gewalttat nach wie vor.
Bethmann Hollweg, Hindenburg und die kaiserlichen Söhne haben sich den Feinden angeboten als Träger der Verantwortlichkeit oder als Stellvertreter für den Monarchen. Das Angebot wird von den rachsüchtigen Siegern nicht angenommen. Sie wollen ja gerade an der gekrönten Persönlichkeit ihr Mütcherc kühlen.
Run kommt aus London die auffallende Meldung, man wolle dem Kaiser in dem geplanten Gerichtsverfahren Uichts weiter zu Last legen, als die Verletzung der Neutralität von Belgien und Luxemburg. Das läßt vermuten, daß in den betreffenden Kreisen Bedenken aufgestiegen sind wegen der Verhandlung über die angebliche Schuld am Ausbruch des Krieges. Wenn die Verteidiger des Kaisers sich überhaupt auf die Verhandlungen einlassen, so werden sie natürlich reiches und durchschlagendes Material beibringen, um die Schuld der russischen, der französischen und der englischen Staatsmänner an der Friedensstörung nachzuweisen. Das gäbe eine lange, weitgreifende Verhandlung, die unseren Gegnern viel Sorgen und schwere Bloßstellung verschaffen würde und die Betteidiger des Angeklagten könnten zu obsiegenden Anklägern werden. Demgemäß wäre es begreiflich, daß bedächtige Elemente die Verhandlung beschränken möchten auf die belgische Frage, in der f. Zt. Herr von Bethmann Hollweg die Verletzung des formalen Rechts zugegeben hatte. Ob dieses sog. „Unrecht" nicht gerechtfertigt war, durch die Notwehr des überfallenen Deutschland und durch das Angebot einer vollen Entschädigung für den einfachen Durch- I marsch unserer Truppen, braucht zunächst nicht erörtert I werden. Denn für unser Verhalten gegenüber Belgien und Luxemburg trägt Kaiser Wilhelm nicht die Verantwortung. Diese hat von vornherein und vor I aller Welt der damalige Reichskanzler Bethmann Holl- I s°eg übernommen und will sie auch jetzt noch bis in die äußersten Konsequenzen tragen.
£e bleibt auf jeden Fall das Vorgehen gegen den I Hatjer ein Bruch des geltenden Rechts, des kiaatsrcchts und des Völkerrechts, und von diesem I <ust>,zmorde können die Herren sich weiter keinen Vor- I versprechen, als daß sie ihre Rachsucht und ihren <!frogenwahn in recht drastischer, aber ebenso häßücher •pne befriedigen. Sie setzen der grausamen Politik, I ne durch den Friedensvertrag das deussche V o l k I mißhandelt, durch die Verfolgung des unglücklichen I ■Wonardjen die abscheuliche Krone auf.
& heißt, daß die Vorbereitung zu diesem freocl- hmten Prozeß noch einige Monate erfordern würde, «eileicht tritt inzwischen auch eine gewiffe Ernüch- emng auf der Gegenseite ein. Der Siegesrausch kann I w>rt) nicht noch monatelang In ungeschwächter Kraft I mimr.en. Wenn es anders kommt, so kann uns I rar das Bewußtsein trösten, daß wir das unfenge sit.an pgben bis zum Rest unserer Kraft.