tl» f 5 A I verantwortlich für den redaktionellen teil; Kart 1"♦ I für di- Anzeigen: I. Parzeller, Fulda.- Zote
en Teil: Kart Schutte. I __* <■> „ e
Fulda.- Rotationsdruck. | SaMSta^ |2» JUll |9|9.
I Verlag der Fuldaer A ctrendruckerei in Fulda. — Preis monatl. I Ap ”1A h r n
95 Pfg. — gernfpr. Nr. 9. Tetegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung. | “v. y
er
eitun
um
13Ü.
ren
u.ig
er
(Lebhafter Beifall und Justin?-
'ste
uert
f
vor d-m kinan-
'ergang bewahrt.
t der blei
en «p e sc
rke i
€
kom- Da- jut« er n in 7513
der Rede zu legen, mimg.)
killt Suli, ren- mer iften Nit. igen 7.10 noch
M fett ists» 7689
'her- ohl 7718 tlo.
hi nell, tilgt
Ng 7654 22 je) 83.
‘3.
m ult, ab
■t alt rvos if<i* Sitter oel»1 frei*.
Die Treue der Duola-Leute.
Den Protesten aus allen deutschen Gauen, wegen des Raubes der Kolonien durch die Entente schließen sich, wie die ,P.-P. Nachr/ erfahren, in einem Schreiben an die Nationalversammlung auch die Duala-Leute an. Sie geloben der sozialistischen Republik unverbrüchliche Treue und wollen alles daran setzen, um mit dem neuen Deutschen Reich in gutem Einvernehmen zu leben. Das Schreiben stellt einen neuen Beweis für die Verlogen , eit der englischen Behauptung dar, daß die Eingeborenen Afrikas keinen.anderen Wunsch hätten, als von Deutschland befreit und in die schützenden Arme Englands ausgenommen zu werden.
Die französischen Drangsalierungen in der WoO
Am 25. Juni wurden in Kehl Amtmann Werber und, Amtsrichter Frisch verhaftet und unter entwürdigen! en Umständen gefangen gehalten, weil sie gegen hochverräterische Umtriebe das Rechtsage nien Harnpa vflrchtgemäß eingeschritten waren. Fetzt haben die französischen Behörden Werber zu sechs. Frisch zu drei Monaten Gefängnis und je 2500 Mark Geldstrafe verurteilt, weil sie politische Verhaftungen vornehmen ließen, ohne die französischen Behörden zu verständigen. Dazu waren fie aber in keiner Weise verpflichtet. — Es ist selbstverständlich, daß auch gegen dieses Urteil und seine grausame Härte bei den zuständigen französischen Instanzen P r o t e st eingelegt wurde.
14t> zu berücksichtigen ist, eine öffentliche Volksschule in der Gemeinde nicht besteht. Private Vorschulen find unzulässig.
Die enogutige Formulierung des Kompromisses hegt noch nicht vor. Fest steht aber, daß für das Kompromiß eine sichere Mehrheit vorhanden ist. Ein großer Teil der Sozialdemokraten wird allerdings in der zweiten Lesung wegen ।einet grundsätzlichen Stellungnahme nicht für'das Kompromiß stimmen. Sie werden aber für die Verfassung im ganzen stimmen.
Heimkehr unserer Brüder.
Aeaf, 11. 2uli. Eine Havasdepesche meldet, daß gltmenceau den Befehl gegeben habe, mit dem Abtransport der deutschen Gefangenen am Montag früh zu beginnen. Die Uebernahme der Kriegsgefange- nen soll im rechtsrheinischen Gebiet erfolgen.
Nach dieser Meldung scheint die baldige Rückkehr unserer Gefangenen nunmehr gesichert zu sein. Hohe Freude wird diese Kunde in den Herzen aller Deutschen erwecken, aller Arme breiten sich aus, um die Tausende aufzunehmen, die hinter heimatfernem Stacheldraht unter der Knute eines brutalen Siegers gedarbt haben.
Wir werden unsere Brüder Wiedersehen, den Bater, ben Verlobten, den Sohn, den Freund. Wie werden mir sie wieder finden, das ist nun die Frage, die uns Herz und Sinn bewegt. Werden sie stumpf und hoffnungslos müde geworden fein in dem geistzermartern- bcn Leben der Gefangenschaft, oder hat ihnen trotz allem und allem ihr starkes deutsches Herz noch die Spannkraft des Leibes und der Seele bewahrt, so daß sie Mitarbeiter sein können am Wiederaufbau des zertrümmerten Vaterlandes? Wie immer aber auch die 800 000 deutschen Brüder, die für uns ihre Freiheit und Gesundheit Hingaben, heimkehren werden in das unglückliche Vaterland: unserer herzlichen Liebe, unserer fürsorgenden Treue sind sie gewiß! Das Letzte, was wir haben, wollen wir in Treue mit ihnen teilen und recht viel Sonne und Frohsinn in die Herzen gießen, die solange an tiefem Heimweh gekrankt haben. Sie sollen es wissen, daß wir trotz allen Martyriums der Kriegszeit immer an sie gedacht haben. Und Hand in Hand wollen wir mit ihnen den Dornenpfad gehen, der uns einer neuen Zukunft entgegenführen soll.
Die Aufhebung der Blockade.
m **b Versailles, 12. Juli. (Telegr.) Der Oberste Rat der Alliierten bat in seiner gestrigen Nachmit- tagssitzung beschlossen, die Blockade gegen Deutschland von heute, den 12. Juli, ab aufzuheben.
Ein Manifest gegen die Blockade.
In englischen Blättern wurde ein Manifest gegen dtc Blockade veröffentlicht, das unter anderen die Un- terschriften von Philipp Snowden, Dr. Marion Phi- lips, Dr. Walfh und Besaut trägt. In diesem Manifest wird erklärt: Die Fortsetzung der Blockade durch sieben Monate des Waffenstillstandes hat in der ganzen neu- Men Welt Verwunderung und Entsetzen erregt, und die fortdauernde Verwendung einer so grausamen Waffe bildet eine unauslöschliche Schande für England, das sich daran beteiligt. Wir appellieren on unsere Landsleute und an alle diejenigen, denen die Ehre Englands teuer ist, daß die zivilisierte und christliche Welt sich vor allem in dem Bestreben ver- emigen möge, dieAushungerungswaffeab- Hufchaffen.
Mederanknüpfnng des Wirtschaftsverkehrs.
Berlin, 11. Juli. Wie wir erfahren, werden in °cn großen Berliner Hotels für die zweite Augustwoche Wohnungen für die in Berlin weilenden großen eng- ulchen und amerikanischen Handelssinanzleute angemel-
Die in Berlin weilenden Ententekommissionen be- Mten die Gründung eigener Handelskammern m Berlin vor.
Rotterdam, 11. Juli. Der Manchester Guardian weidet, daß sich eine Reihe großer englischer Handels- zu einem Syndikat zusammengeschlossen w, das in Deutschland und Oesterreich innerhalb Jahresfrist über 300 Handelsniederlassun- q? \erricf)ten will. Bis Mittwoch abend waren bei Ä '"London 24 englische Schiffe für die Routen deutschen Häfen angemeldet.
ueber die Wiederanknüpfung von Sandelsb«. 'ihnngeu zwischen Deutschland und Italien landen m München Verhandlungen statt.
Wilson und der Völkerbund.
n.
schn.
Preußische Landesversammlung.
Sitzung vom 11. Juli.
Das Lsseabahaaoleihe-Geseh steht zur zweiten Beratung.
Minister Oefet: Die vergebenen Arbeiten konnten zu • den vereinbarten Preisen nicht durchgeführt werden; wir mußten die Preise erhöhen. Die Vorlage enthält noch nicht alle Mehrforderungen. Ich muh mir leider Vorbehalten, noch mit Nachforderungen zu kommen. Wir werden künftig mit Bauten vorsichtiger sein müssen als bisher. Notwendig werdende Anlagen werden wir hoffentlich auch in Zukunft ausführen können, aber wir werden so einfach, billig und praktisch wie möglich bauen lassen. Die Preissenkungen der Lebensrnittel haben schon jetzt den Wert einer Lohnerhöhung von 50 Pfennig für die Stunde. Die Schleichhandelspreise sind gefallen und werden weiter sinken, sobald die völkerrechtswidrige Blockade aufgehoben ist. Eine Senkung der Kleider» und Schuhwarenpreise ist demnächst auch zu erwarten. Das Reich wird dazu 500 Millionen beisteuern. Die finanzielle Gesundung der Beamten und Arbeiter wollen wir dadurch weiter fördern, daß wir auf eine begrenzte Zeit auch die bestehenden Löhne und Gehälter noch aufrecht erhalten. Ueber die organisatiorischen Maßnahmen werden wir hoffentlich bald zur Verständigung mit den Gewerkschaften kommen. Wir müssen zu vertrauensvollem Zusammenwirken von Vorgesetzten und Untergebenen kommen und zu einem geordneten leistungsfähigen Betrieb. Nach der politischen Meinung haben wir nicht zu fragen, nur nach der Tüchtigkeit. Jeder Vorgesetzte, der feine Pflicht erfüllt, wird den starken Schutz der Verwaltung hinter sich haben. Die Nebenämter werde ich zu Spezial- ämtem ausbauen. Wir stehen jetzt in wirtschaftlicher Be- zichung an einem Wendepunkt. Sobald die Blockade fällt.
c.»» 8. i >Lne, 70»!
Äbg. Dr. Heinze (D. Vp.) hält es für bedenklich, fo viele Einzelheiten in die Verfassung hiueinzuschrei- beu.
Wg. Koch (Dem.) meint, man soll sich jedenfalls auf die bereits aufgenommenen Einzelheiten beschränken und nichts neues hineinbriugen.
Reichskommissar Dr. Preuß: Die Neichsregie'runa nimmt allen Anregungen auf Erweiterung der Grundrechte gegenüber eine ablehnende Stellung ein. Ich schlage vor, diesen offenbar schwer umstrittenen Abschnitt völlig zurückzu stellen und die Reichsver- saffung Vorläufig ohne die Grundrechte umd -Pflichten zu erledigen.
Abg. Dr. Beyerle (Ztr.) Ich möchte die Grundrechte in der Verfassung nicht missen; sie müssen als wichtige Grundlage der Erziehung unseres Volkes zum staatsbürgerlichen Leben erhalten bleiben. Der Wortlaut muß volkstümlich und leicht "verständlich fein. Der konstruktive Teil der Verfassung reicht nicht ans. In der Verfassung müssen auch Bekenntnisse niedergelegt fein. Dabei ist zu vermeiden, daß ein Mischmasch von Parteiprogrammen entsteht. Ich bitte Sie. die Grundrechte mit Wohlwollen aufzunehmen und ihnen die Annahme zu sichern. fSebbcfter Beifall tm Zentrum)
Wg. Dr. Quarck (Soz.): Wg. Beyerle hat sich um die Grundrechte zweifellos verdient gemacht, zu einer tiefgehenden erzieherischen Wirkung ist aber ein einheitliches Ganze notwendig Der vorliegende Entwurf der Grundrechte macht aber einen uneinheitlichen Eindruck. Wir schließen uns dem Vorschläge Dr. Preuß an.
Auf Grund dieser Stellung der Sozialdemokratie wurde auf Anregung des Abg. Haußmann (Dem.) die Beratung dbgebrochen, um den Fraktionen Gelegenheit zu geben, zu der prinzipiellen Frage Siel» lunfl zu nehmen.
Samstag: Abschiedsgesetz und kleine Vorlagen.
Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 11. Juli.
Das Haus erledigt zunächst eine Reihe von Anfragen.
Abg. Seiht (knot. Vp.) wiederholt die am 4. Julp nicht beantwortete Anfrage über den Ueberfall au> Kapitänleutnant von Mücke während eines Schulervor- trages in Frankfurt a. M.
Regierungsvertreter Frhr. v. Welfer bestätigt die n. der Anfrage mitgereilten Tatsachen. Die preußische Regierung soll ersucht werden, für bessere Sicherheit -bet Personen in Frankfurt c. M. Sorge zu tragen.
Auf eine Anfrage des Wg. Dr. Becker (D. Vp.) Über Maßnahmen zur Entschädigung 6an Patent' Inhabern teilt Unterstaatssekretär Delbrück mit. ! daß die Reickisregierimg nicht beabsichtige über die Angelegenheit eine Vorlage auszugeben, da es eine unac- rechtfertigie Bevorzugung einer einzelnen Bevölkerungsklasse sein würde.
Äbg. Dr. Riester bemängelt in einer Anfrage die geschmacklose Ausführung der Erinnerungsmarkü-.i füt die Nationalversammlung.
Ein Vertreter des Reichspostministeriums teilt dazu mit, daß auf die an alle deutsöben Künstler ergangene Einladung zu einem Wettbewerb über 6400 Entwürfe eingegangen feien. Das aus 15 Herren bestehende Preisgericht habe als Sachverständige nervt Künstler aller Richtungen ausgewiesen. Als Kunstsachverstän- diger habe ihm der Direktor des staatlichen Kupferstiöt- kabrnetts, Dr. Friedländer, angehört. (Der muß a>>- gefetzt werden! Große Heiterkeit.) Außer dem mor- kenkiindigen Lindenburg und zwo- Poitbcamten si-ien noch die Abg. Heine, Nuschke und Dr. Pfeiffer Mii.-I'e« der des Preisgerichts gewesen. (Langandauernde siür- miscke Heiterkeit.) Die beteifinten Künstler hallm ausdrücklich verlangt, daß keinesfalls andere als diele in Vorschlag gebrachten Marken ausgeführt würden. Die Marken bleiben solange im Verkehr, bis neue Dkarken als Ersatz für die Germaniareihe verausgab: Iverden können. Dafür soll ein neues AnSschreiben erfolgen. (Zuruf: Wer schnell! Große Heller* • ) Hierauf wird die Beratung der Verfassung fortgcfei Sie beginnt mit dem zweiten Hauvtteil: Grundrechte und Grundpflichten der jDeut- s ch e n.
Präsident Fehrenbach; Cs wäre erwünscht, wenn wir heute wenigstens die beiden ersten Abschnitte dieses Teils (die „Einzelpersonen und das Gemeinslbafts- leben") erledigen können. Dazu wird aber eine erhebliche Einschränkung der Redelust notwendig fein. Es kommen tm zweiten Hauptteil Artikel vor, Über die man tagelang debattieren könnte. Ich nenne nur die Frage der unehelichen Kinder und die Todesstrafe. Ich befürchte, daß neue Gedanken gegenüber dem, was in ungefähr sieben Jahrzehnten darüber fchon geschrieben und gesprochen worden ist. heute kaum mehr zutage geordert werden können (Sehr richtig! und lebhaft-- Zustimmung), tote ich auch der unmaßgeblichen Meinung bin, daß gestern trotz der sehr schönen Reden über-btc Gerichtsbarkeit kaum etwas Neues zutage gefördert worden ist und jedenfalls auf die Abstimmung kannt irgend welchen Einfluß ausgeübt hat. (Sehr richtig!! Ich würde mich sehr freuen, wenn die Versammlung sich entschließen könnte, ein größeres Gewicht auf die Tat der Abstimmung als auf die Länge und Schönheit
. .Das „schwarz-rote Kompromiß" hat bei einer ge- tniffen Sorte von Presse einige Aufregung hervorze- tufen. Diese Blätter, zu denen auch angeblich partei- lose Zeitungen, die in katholischen Gegenden Berbrei- tung suchen, gehören, sind entrüstet, daß d. Zentrum i. d. Schulfrage seinen Grundsätzen Geltung zu verschaffen suchte. Sie stellen das als Herrschsucht, Erpressung, Friedensbruch ufw. hin, obwohl doch die Grundsätze des Zentrums und die Willensmeinung feiner Wähler hinsichtlich der Verteidigung der christlichen Jugenderziehung und insbesondere der konfessionellen Schule altbekannt find.
Das erinnert an die früheren Liebenswürdigkeiten von feiten der Kulturkämpfer. Wenn unsere Vertreter uan angeblich paritätischen Staat die wirklich paritätische Behandlung der Katholiken im Staatsdienst und auf kommunalem Gebiete verlangten, dann wies man hochmütig die angeblich „mechanische Parität" ab und suchte mit allerhand Scheingründen und tendenziösen Einwürfen die tatsächliche Zurücksetzung des katholischen Volksteiles als normal und befriedigend hinzustellen. Wenn zufällig ein Katholik in ein höheres 2tmt aufstieg, so erhob sich sofort ein Geschrei über das Vordringen des Ultramontanismus und das Zuriick- drängen der Andersgläubigen.
Aehnlich erging es uns mit dem Protest gegen das Jesuitengesetz und anderer kulturkämpferischer Ausnahmegesetze. Sonst galt der Grundsatz: Gleiches Recht für alle. Aber dem katholischen Volksteil glaubte man die gleichmäßige Behandlung versagen zu dürfen. Unsere Ordensleute, sogar mit Einschluß der Krankenschwestern, mußten sich eine schlechtere Behandlung gefallen lassen, als die entsprechenden Genossenschaften auf protestantischer Seite: unsere Geistlichen wurden zurückgesetzt in der Heranziehung zur Schulaufsicht, in den Gehaltszuschüssen ufw.
Sft nun die Mißachtung und die Mißhandlung der Katholiken überwunden? Es scheint nicht. Denn die Gegner halten es für in der Ordnung, das Schulwesen nach ihren Grundsätzen und Wünschen umzugestalten: aber dem Zentrum verweigern sie das Recht, auch ihre Ansichten und Interessen auf diesem Gebiete geltend zu machen.
Und dabei ist noch der große Unterschied: Jene wollen die hergebrachte Schulordnung u m st ü r z e n, wir aber wollen nur den bestehenden Zustand vorläufig erhalten. Jene gehen angriffsweise vor; wir beschränken uns auf die notgedrungene Abwehr. Und trotzdem bezichtigt man uns der Dreistigkeit, der Begehrlichkeit, der Friedensstörung. Die Fabel vom Wolf und Lamm muß einem dabei einfallen.
Bei der Verteidigung der bestehenden konfessionellen Schule machen wir sogar dem Zeitgeist schon beträchtliche Zugeständnisse, namentlich in der Wahlsrei- heit des Religionsunterrichts. Und dennoch wird gescholten und gehetzt.
Die Mitarbeit in der Parlamentsmehrheit und auf den Ministersesseln bürdet der Partei eine schwere Verantwortlichkeit auf. Die kann sie mit ihrer Ehre und ihrem Gewissen nicht vereinbaren, wenn die Politik auf Untergrabung der Religion hinausgeht. Dann muß sich das Zentrum zurückziehen. Wer das beklagen will und die Teilnahme für das Wohl des Reiches und Staates als notwendig erkennt, der soll daraus einfach die Schlußfol- I gerung ziehen, daß unter den obwaltenden Verhältnis- I sen der Kulturkampf gestoppt und die Erhaltung des I Burgfriedens voran gestellt werden muß.
Zum Glück ist ja nun, wie der Abschluß des Korn- I promisses zeigt, bei den maßgebenden Politikern diese I Erkenntnis durchgedrungen. Wir möchten aber wiin- I schen, daß auch in der Presse die Schmähungen gegjn I das Zentrum aufhören und allseitig bekannt wird, daß unsere Partei ebenso viel Recht hat, ihre Grundsätze und Wunsche geltend zu machen, wie die anderen Parteien.
Das Zentrum ist nicht nur zum Dienen da, wie ge- I wisse Leute zu glauben scheinen, es dars auch Ansprüche I erheben.
Zur Aufhebung der Ortsschulaufsicht.
Die Beratung über tte Gesetzesvorlage betr. Auf- I Hebung der Ortsschulinspektion tourbe Mittwoch im Un- I terrichtsausschuß der preuß. Laindesverfammlung fort- I gesetzt. Wie nach dem Ergebnis der ersten Beratung I zu erwarten stand, fand die Regierungsvorlage «ine I starke Mehrheit. Für § 1 (Aufhebung der Ortsschul- I inspektion) stimmten alle Parteien geschlossen, wogegen I § 2 und 3 und schließlich das ganze Gesetz gegen I d i e Stimmen des Zentrums zur An - I nähme gelangte. Die Abgeordneten des Zentrums I lehnten die Vorlage ab zunächst, weil keine Sicherungen I auf Wahrungen des kirchlichen Ein - I flusses hinsichtlich Mitbestimmung der sittlich-reli- I giösen Erziehung, wie sie in dem bisherigen Rechtsver- I hältnisse begründet war, in dem Gesetze gegeben war! I dann aber auch, weil die Vorlage den berechtigten I Wünschen der Lehrerschaft durchaus nicht gerecht wird, I Wird die Vorlage, was leider zu erwarten ist, in die- I ser Form Gesetz, so ist die Befürchtung nicht von der I Hand zu weisen, daß die Lehrer statt des einen Orts- I crufseherS jetzt in Fachleuten und Behörden deren I mehrere erhalten werden.
Inzwischen haben die Verhandlungen über das ReichS-Schulkompromiß zu einer Einigung auch in I Preußen geführt. Danach bleibt es in der Frage I oer Kon esfionsschule in Preußen vorläufig beim Alten. Eine Aenderung wird insofern eintreten, als künftig dir Zuständigkeit in Schulfragen von der l Landesregierung auf di« Provinzialregierungen, also I in erstxr Linie auf die Provinz iallandtage ab- | geschoben wird. Es tritt dadurch in Schulsachen eine Selbstständigkeit der Provinzen ein, die den konfessionellen Wünschen der be'reffenden Pevö'kernnaen Rechnung tragen soll. Infolgdessen würde also hie Gesetzesvorlage über die geistliche Schulaufsicht und ebenso die über die Zusammensetzung der Slbuikorn- mitfionen gegenstandslos werden.
Mißglückter Putschversuch in Wien.
Im Wiener Arsenal ereignete sich laut „Voss. Ztg." ein bisher noch nicht aufgeklärter Vorfall. Fünf Personen, darunter drei tschechische Offiziere, erschienen und boten den Vertretern des Ar» beiterrats die das Arsenal bewachen, 50 000 Kronen für die Auslieferung von Waffen tm Werte von 2V« Millionen Kronen. Die Mitglieder des Arbeiterrats lebnten das ab und versperrten die Zugangstüren. Die Offiziere begannen darauf aus ihren Revolvern zu schießen. Darauf wurde die Arbeiterwehr des Arsenals herbeigerufen. A!s sie in da? Zimmer eindrang, fand sie zwei Arbeiterräke tot am Boden liegen. Die Offiziere sprangen zum Fenstern hinaus. Einer blieb schwer verletzt liegen, ein zweiter wurde gefangen. Bei den Offizieren wurden Geldbeträge von über 1 Million Kronen gesungen.
Neue deutsche Rote Herr v. Serener überreichte am Donnerstag in Versailles eine neue Note für den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, in welcher um möglichst rasche Aufhebung der Blockade und um Freilassung der deutschen Ge- f a n g en e n ersucht wird.
Die deutsche Vertretung in der Saarregierung. Der Herausgeber der „Saarbrückener Ztg ", Hofer, der einer altangesessenen Familie des Saargebiets angehört, wurde zum Bertreter des Saarbeckens im Fünferrat ernannt. — Im Friedensvertrag ist bekanntlich für das Saargebiet eine autonome Verwaltung von fünf Männern vorgesehen, von denen einer ein Saartoler sein soll.
Gegen den Demonffrafionsffrcit am 21. Juli, der sich auch auf die Eisenbahner zu erstrecken droht, kündigt der französische Verkehrsminister st r e n g e Maß- re o e l n an. Etwaige Streiks der Eisenbahner werden vor ein Militär- oder Kriegsgericht gestellt werden. Der Handelsminister forderte die Post- und Telegraphenangestellten auf, sich nicht an dem Streik zu beteiligen.
Die Teuerung in den Enkenleländern. Die .,S1a- tistische Gesellschaft" veröffentlicht interessante Untersuchungen über Preissteigerungen in den feindtichen Ländern. Die Zahlen lassen einen gewissen Rückschluß auf die Verteuerung der allgemeinen Lebenshaltung zu, aber sie sind nur mit Vorsicht aufzufassen, da sie Durchschnittspreise von sämtlichen Warengattungen darstellen. So haben sich die Großpreise für Leben s- mittel vom Juli 1914 an bis Abschluß d»s Waffen- stilljtandes rott folgt erhöht: Italien um 481 o. H., Frankreich um 368 v. H., England um 210 r. H., Kanada um 215 v. H., Bereinigte Staaten um 209 v. H. Die Steigerung der Industrieprodukte für sich war beträchtlich höher. So war sie im Oktober 1918 aus 430 v. H. in Frankreich angelangt, wahrend sie in England im August desselben Jahres nur 247 v. H. erreichte. Während in Frankreich Lebensmittel nicht höher als 380 v. H. stiegen, gab es ungeheure Preissteigerungen bei einzelnen Jndustriewaren: Seinen um 1290 v. H., denaturierter Spiritus um 1208 v. H. Seinöl um 760 o. H.
DK 2d)«(frage i« der Reich-Verfassung«
Weimar, 11. Juli.
Das Schulkompromiß zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ist abgeschlossen, und zwar auf der Grundlage, di« wir bereits vor einigen Tagen mitgeteilt haben. Darnach bleibt also der bisherige Zulland tm we entlicben erhalten.
Die Emzelbestimrmmgen sind in ben §§ 143, 144 und 146 der Verfassung festg'legt. Die gegenwärtigen Verhältnisse auf dem Gebiete der Schule sollen nicht geändert' werden. Für die Feststellung des be- stebenden Zustandes soll der Zeitpunkt der Verkündigung der Verfassung maßgebend fein.
Der konfessionelle Unterricht bleibt neben den Simultanschulen bestehen. Der Wille der Erziehungsberechtigten ist für den konfessionellen Religionsunterricht maßgebend. Die Erteilung des R e- ligionsunterrichtes durch die Lehrer und ihre Teilnabme an kirchlichen Handlungen wird von der Willenserklärung der Lehrer abhängig gemacht. Kein Kind kann gegen den Willen der Erziehungsberechtigten zur Teilnahme am Religiousunterichi oder an kirchlichen Feiern gezwungen werden. Der Religionsunterricht wird in Uebercinstimmung mit den Grundsätzen der betreffenden Religicmsgesellschaft erteilt. Mit dieser Maßgabe wird die Erteilung des Religionsunterrichts als eines ordentlichen Lehrfachs der Schulen im Rahmen der Landesgesetzgebung geregelt.
Tie prtvaten Schulen als Ersatz für öffentlich. Schulen werden nicht grundsätzlich verboten, bedürfen aber der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen. Sie sind in der Regel zuzulassen, wenn sie in ihrem Lehrzielen und Einrich- tungen, j'olvte in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen. Die Genehmigung privater Volksschulen ist zu erteilen, toann für eine Minderheit von Erziehungsberechtigten, deren Wille» rmch Artikel
sp E Amsterdam, 11. Juli. Reuter meldet aus ■t.; J v1 n 0 t o n, daß Wilson bei Vorlegung des S.^ertrQges vor dem Senat seine Rede fast aus- erffÄrtVölkerbund widmete, von dem er linre^' er fei "idst nur ein Werkzeug, um größeres ?OtV neuen Friedensverträgen wieder gut zu fonöern er sei eine Hoffnung der Menschheit, erklärte, das Werk des Friedensvertrages h, Q‘s Ganzes mit den Grundsätzen überein (!), Stnomm gemeinsam als Grundlage des Frizens an- ^mmen habe. Kompromisse, die als unvermeidlich I-n LL "urden schnitten niemanden (!) in die- Katzen ins Herz.
Bfc m Unterredung mit Pressevertretern meinte 1 <°n« Harne r i k ° nischen Xruppen müß- A Staterinr Vei,n bleiben, bis Deutschland alles im Friedensoertrag gefordert werde,
^tgegenkommen für Deutsch-Oesterreich. MedeE^°"b/ungsfiihrung der deutsch-österreichischen >em in Germain hat, vereint mit
inschtob ber Entente, Deutsch-Oesterreich von dem !erf)eff„„ n Deutschland abzuhalten, eine grundlegende J Ar L ber Friedensbedingungen erreicht,
1)106! Zungen L4.9, wüd gestrichen und durch folgende Bestim- EichfÄ Die Güter, Rechte und Interessen der öfter.
* tiich'nL" Staatsbürger und der von ihn kontrollierten Ge- krre *K*UnterIif0en in ben Gebieten, welche Teile der tt 5? l9‘un8Qrif<f)en Monarchie gebildet haben, nicht oirb chtagnahme oder Liquidation. Außerdem D- lei« Die Oesterreich in Artikel 1 bis 3 aufer- khren ll l8p. Meistbegünstigung wird nach drei '"foru* „n teinem alliierten oder assoziierten Staat in teähtto genommen werden, ohne die Gegenseitigkeit zu bohu.J?evn mcht der Völkerbund anders entscheidet.
ie baß die Tschechen, Polen und Südflawen "!-ist°n ,-^utsch-Oesterreichs in ihren Ländern nicht jtyet„h v^rsen, wird die überragende Stellung der toLn »Handelsmetropole Oesterreichs, Wiens zum *it onr . erhalten werden, und Wien dürfte .nach etien ns ? Ickten Einfluß auf die Geschäfte in allen bet öer 2-S” behalten. Dadurch wird andererseits heniqlin- Zusammenhang der Länder des
liischr,,?^. Oesterreich-Ungarn wieder befestigt und der .. ifls ift9^*anfe m den Hintergrund gerückt. Ieden- |^0» tflen h Deutsch-Oesterreich dadurch