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Gewaltakt Engländer schwebten.

gegen wehrlos deutsche Seeleute, (!) die hätten sogar allen denen, die in Gefahr Hilfe geleistet.

Die Ausstände.

Gestern haben in Berlin zwischen Vertretern der städtischen Verwaltung und der Streikleitung der Stra­ßenbahner Verhandlungen wegen Beilegung des Streiks stattgesunden. Ein Ergebnis haben sie nicht gebracht.

Der Berliner Verkehrsstreik hat riesenhafte Summen verschlungen. Er wird von sachkundiger Seite an ent­gangenen Einnahmen der Verkehrsanstalten an aufgewen­deten Fahrkosten in anderen Fuhrwerken, an Mehrkosten der Post für Paketbeförderung in gemieteten Fuhrwerken, an Ausfällen der großen Geschäfte usw. auf bisher 20 Mil­lionen Mark geschäht.

' Durch den Streik in den sächsischen Steinkohlen­bezirken war gestern in Sachsen die Einstellung des Güterverkehrs angeordnet und die des Personenverkehrs für den Abend angedroht. Die Bergleute haben daraufhin mittags die Arbeit wieder ausgenommen. Damit ist die Fortführung des Bahnverkehrs ermöglicht; nur der Güter­verkehr ist noch beschränkt.

Aus London wird gemeldet: Die Antwort auf die deutschen Beschuldigungen, nach denen wehrlose deut­sche Seeleute von Engländern bei den sinkenden Schiffen von Scapa Flow niedergeschossen seien, ist abgegangen. Es heißt darin, daß englische Offiziere den deutschen Seeleuten befohlen hätten, a u f die sinkenden Schiffe'zurück;ugehen, um das Versinken zu hindern. Man hätte erst auf die Boote geschaffen, als die Deuffchen diesem Befehl nicht Folge leisteten. Dies bedeute keinen

Die Unruhen in Italien.

Di« Teuerungsunruhen in Italien haben noch nicht aufgehört, vielmehr werden wieder aus einer Reihe von Städten Tumulte gemeldet; auch aus Rom. Von besonderer Heftigkeit waren sie in Neapel, wo ein Eisenbahnzug von der Menge angehalten und ausge- plündert wurde, sowie in Tarent, wo fünf Tote zu beklagen sind.

Greueltaten der Polen.

Die deutsche Waffensiillstandskommission übermittelte dem Chef der französischen Militärmission in Berlin, General Dupont, ein Schreiben, in dem es beißt: .Am 6. Juli nahmen die Polen nördlich Zduny auf neu­tralem Gebiet zwei deutsche Soldaten, des Infanterie- Regiments 51 fest und verurteilten sie durch ein sofort eingesetzter Kriegsgericht zum Tode. Die Soldaten haben sich absolut keine Handlung zu Schulden kommen taffen, um ein solches Urteil auch nur im geringsten zu rechtfertigen. Der potni che Abschnittskommandeur in Krotoschin ließ das Todesurteil bereits nm 6. Juli mittags in frevelhafter und unverantwortlicher Weise vollziehen. Eine derartige Greueltat kann vor der Menschheit nicht ungesühnt bleiben und forde:t unver­zügliche Genugtuung."

Deutsch-französischer Zwischenfall in Berlin.

Zu einem peinlichen Zwischenfall kam es in der Nacht zum Donnerstag in Berlin Unter den Linden, der vielleicht unangenehme Rückwirkungen haben kann. Der Berliner Polizeibericht meldet darüber: In der vergangenen Nacht machten sich sieben fran­zösische Soldaten an der Kranzlerecke Unter den Linden über einen älteren Herrn, der sich durch seine lange Haartracht bemerkbar machte, l u st i g. Als dieser sich die Belästigungen verbat, nahm das Publi­kum Partei für ihn und geriet mit den Franzosen in einen heftigen Wortwechsel, in dessen Verlauf der fran- zösische Quartiermeilter Thomas ta französischer

16 000 Offiziere müssen, einer Weimarer Meldung desDeutschen Boten" zufolge, noch in diesem Monat ihren Abschied nehmen, darunter voraussichtlich alle Generale außer den Kommandeuren der Frei- willigen-Formationen und fast alle Stabsoffiziere.

In einer Beleidignngsklage des früheren bayeri­schen Militärministers Schneppenhorst gegen den Redakteur der unabhängigenNeuen Zeitung" Rutt wurde dieser wegen übler Nachrede und Beleidi­gung nach viertägiger Verhandlung zu achthundert Maü Geldstrafe verurteilt. Trotz der Verurteilung sneidet Schneppcnhorst schlecht ab, da ihm eine höchst bedenkliche Liebäugelei mit der Räterepublik nachgewie­sen werden konnte.

Die französischen Eisenbahner beschlossen, sich an dem Demonstrationsstreik am 21. Juli zu beteiligen- Infolgedessen wird am 21. Juli jeder Verkehr in Frank' reich ruhen.

In England werden bereits frisch aus Deutschland eingeführte Solinger Scheren verkauft. Dafür liefert Sheffield Perlmutter und Elfenbein für Mes­sergriffe nach Solingen.

3n ganz Schweden sind die Seeleute in den Ausstand getreten. Sie fordern den Achtstunden­tag und einheitliche Löhne nach allgemeinen Grund­lagen.

AuslraÜsche Truppen, die von Plymouth in die Hei­mat befördert werden sollten, meuterten und ver­ursachten auf dem früheren deutschen DampferPrinz Ludwig" eine schwere Explosion.

Derhandlungen mit Frankreich.

6onhrQC^em ke Entente ihre Bereitwilligkeit zu Ver- $ Ölungen über ein Abkommen über das besetzte ^9 mtonb mitgeteilt hat, hat sich Unterstaatssekretär m d mit einer Kommission Mittwoch abend nach tetiir9 b^eben. Gleichzeitig reiste der Unterstaatssek- °us dem Finanzministerium Schröder dort- ; um über die Fragen des Wiederaufbaus des luir t a französischen Gebiets in Verhandlungen ein- ^'ten ' ^eide Kommissionen werden getrennt ar-

Die Heimkehr unserer Gefangenen.

Hovas-Agentur meldet: Dutasta begab sich Me n Arsailles, wo er mit Frhr. von Lersner über ießDon Deutschland zu stellenden Hilfskräfte verhan- 4>i' ^fkche die nach Deutschland zurückkehrenden ^gefangenen ersetzen sollen.

lrrtu^ Fassung dieser Havcsmeldung könnte zu dem m perhiten, daß das Tempo der Heimsendung der

Kriegsgefangenen-von dem Ersatz durch von Deutsch­land zu stellende Hilfskräfte für den Wiederaufbau ab­hängig gemacht werden könnte, so daß für eine mehr oder minder große Zahl unserer unglücklichen Krieg­gefangenen die unwürdige Sklaverei in Feindesland noch nach Abschluß des Friedens fortdauern könnte. Davon steht im Friedensvertrag kein Wort, viel­mehr hat nach Inkrafttreten des Friedens oh n e wei­te r e s die Heimsendung thit aller Beschleunigung zu erfolgen. Eine andere Sache ist, daß Deutschland selbstverständlich bereit ist, für den Wiederaufbau ge­schulte deutsche Arbeiter zur Verfügung zu stellen. Auf irgend ein anderes Abkommen dürften unsere Unter­händler auf keinen Fall eingehen.

Wie aus Ludwigshafen gemeldet wird, haben die französische und belgische Regierung Vorkehrungen ge­troffen, damit der Abtransport der deutschen Kriegs­gefangenen sich ohne Störung vollziehen kann. Die Eisenbahnzüge werden, wenn der allgemeine Abtrans­port eingesetzt hat, überwiegend zur Nachtzeit die Sammelstationen verlassen und die französische und belgische Zone während der Nachtzeit passieren, damit die Gefangenen möglichst unbehelligt von der Bevölke­rung bleiben.

Die ersten zurüAgekehrtcn Gefangenen.

Der Saargebietschutz teilt mit: Das Saargebiet erhielt von der Entente das erste Zeichcri ihres Wohl­wollens durch die Rücksendung der Gefange­nen, die im S a a r g e b i e t beheimatet sind. Das Zeichen, unter dem die Heimkehr der deuffchen Solda­ten erfolgte, liegt ausgedrückt in der Bekanntmachung, welche in einigen Zeitungen des Saargebiets zu lesen ist: Die Bevölkerung wird dringend von ihrem Bür­germeister gebeten, beim Empfang der Kriegsgefange­nen keine Kundgebungen auf den Straßen zu veranstalten, insbesondere keine vaterländischen Lieder zu singen. Die Bevölkerung bereitete den Heimkehren­den einen rührenden Empfang. Amiliche Bekannt­machungen der Militärverwaltung verordnen, daß nach Ablauf von 24 Stunden nach der Ankunft die Kriegs­gefangenen alle militärischen Abzeichen von den Be­kleidungsstücken entfernen müssen. Außerdem ist das Tragen von militärischen Kopfbedeckungen untersagt. Jeder Kriegsgefangene, der sich den Anordnungen wi­dersetzt, wird verhaftet.

Auch in der Pfalz sind mehrere Hundert deutsche Kriegsgefangene, die in dieser Gegend beheimatet sind, in den letzten Tagen aus französischer Gefangenschaft eingetroffen. Den Pfalzer Zeitungen wurde verboten, Schilderungen der heimgekehrten Gefangenen zu ver­öffentlichen.

Der Abtransport der Deuischen aus Higa.

Auf den energischen deutschen Einspruch gestattete die Entente nunmehr die Schiffsbewegungen, die zum Abtransport der Deutschen aus Riga und zur Räu­mung des Baltikums von den deutschen Truppen nötig sind.

Die Laralangs von Scapa Flow.

Deutsche Nationalversammrung.

Sitzung vom 10. Juli.

Die Berfafsnngsberatung wird wieder aufgenom- E Bei der Beratung über den 7. Abschnitt, der Be. stimmungen über die Rechtspflege entsteht eine längere Debatte über einen Antrag der Unabhängigen cuf Beseitigung der Militär- und Ausnahmegemchte und Einsetzung von gewählten Volksgerichten. Abg. Haase (Ulnabh.) redete mit starken Worten, von seinen Fraktionsgcnossen durch Zurufe unterstützt, gegen d« Blukgerichte und fluchwürdigen Standgerichte", d,e Justizmorde, wie sie z. B. an Lewine begangen wor- den seien. Tie Redner aller anderen Parteien nahmen den deutschen Richterstand gegen die Angriffe Haases warm in Schutz und betonten, daß die Unabhängigkeit der Gerichte keineswegs durch die Wälflb.^eit der Richter ancptastet Iverden dürfe. Abg. Kahenstern (Soz) fand lebhafte Zustimmung mit seinem Aus­spruch. daß Unabhängige als Richter noch lange kmne unabhängigen Richter seien. Ein ungewolltes Ge­ständnis leistete er sich, als er bei der Kritik des An­trages meinte, daß es bei dessen Durchführung zu einem dauernden Antichambrieren der Juristen bei der Partei führen müßte, die die Armier zu vergeben habe. Seit dem 9. November habe in dieser Hinsicht allerhand erlebt. Abg. v. Brentano lZtr.) erklärte: Unser Richterstand hat wirklich eine bessere Beurtei. lung verdient, als die, daß man ihm mehr oder weniger verblümt den Vorwurf einer bewußten Klassenjustiz macht. Bei einem mehr als mäßigen Einkommen,und bei einem arbeitsreichen Leben haben die deutschen Richter bis jetzt ihr Amt objektiv .ausgeübt. (Sehr richtig! und lebhafte Zustimmung.'! Im übrigen wer­den auch Sie (zu den Unabhängia-ni nick'- brsire te . können; auch ein Wchlrichter wird durch Wahl nicht plötzlich ein höheres Wesen, sondern er bleibt denselben Schwächen und Irrtümern unterworfen, wie der er­nannte Richtier.

In der Abstimmung wurde dann der Unabhängigen. Antrag abgelehnt.

Bei der Beratung der beiden Artikel, in denen Aus- nahmgerichte als unstatthaft erklärt tverden und weiter gesagt wurde, daß die Militärgerichtsbarkeit aufgehoben fei. beantragen die Sozialdemokraten die Militärge­richte als aufgehoben zu erflären (statt sind aufzube- ben), während ein Zentrumsantrag nur die militä­rischen Ehrengeut chte beseitigen und Die militärische Gerichtsbarkeit für die Verhältnisse an Bord bestehen lassen wollte. Außerdem lag eine Ent­schließung des Ausschusses vor, der die möglichste Be­schleunigung des Gesetzes über die Aufhebung der mili. tärischen Justiz fordert.

In der Debatte erklärten sich der preußische Kriegs­minister Reinhardt und der Reickswehrminister gegen die sofortige Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit, da sie technisch unmöglich sei. Das Gesetz über die Auf. Hebung soll aber nach Möglichkeit beschleunigt werden.

In der Abstimmung wird" der Aufhebung der mili­tärischen Ehrengerichte, und der Aufrechterhaltung der Militärgerichte, ebenso der Enffchlietzung des Aus­schusses zugestimmt.

Damit ist der Abschnitt der Rechtsvflege erledigt Freitag: Kleine Anfragen und Verfassung.

Sprache die Aeußerung getan haben soll:W i r s i n d die Sieger, Ihrseid Schweine!" Die hier­über erbitterte Menge drang auf die Franzo- s e n ein, sodaß diese flohen. Auf dem Wege nach dem Botschaftsgebäude am Pariser Platz, zu deren Wache sie gehören, wurden sie jedoch gestellt und liefen nun, da sie gegenüber der Menge zu unterliegen fürchteten, nach dem in der Kleinen Kirchgasse belegenen Garten des Restaurants Tonndorf, wo sie von Polizeibeamten zu ihrer eigenen Sicherheit nach der Wache des 8. Polizeireviers geführt wurden. Thomas und einer seiner Begleiter, Brunard, hatten leichtere Verletzungen am rechten Ohr und am Hinterkopf davongetragen. Nachdem sich die zusammengelatifene Menge zerstreut hatte, wurden die sieben Franzosen wieder entlassen.

Neber das Massensterben in Indien

macht das Newyorker WochenblattAmerica" vom 7. Juni 1919 bemerkenswerte Mitteilungen: Zum Auf­stand gesellten sich Hungersnot und Seuche. Wie der kanadische Statcsman am 10. Mcri mitteilte, waren bis. dahin 6 Millionen Hungers gestorben. Die Zeit­schrift gab der englischen Mißwirtschaft die Schuld und fragte, ob die Hungersnot den Dank Britanniens für die 100 Millionen Pfund bedeute, die Indien zur Kriegskasse beigesteuert habe. Der Globe berichtet von Toronto:Indien liegt in? Todesgriffe der Seuche und Hungersnot. In den mittleren und nördlichen Landschaften fordert der Tod einen Zoll, vor dem die große Verlustliste des Krieges zur Geringfügigkeit ver­bleicht. Gegenwärtig schätzt man die Toten, die ver­gangenes Jahr von Seuche und Hungersnot weggerafft wurden, auf mehr als 32 Millionen. Es fehlen uns die Worte, das sckrcckl-che Unglück zu beschreiben, und photographische Aufnahmen, die man in verschiedenen Teilen des Landes machte, zeigen Bilder, die zu grauen- fikrft sind, als daß man sie veröffentlichen könnte." Später erschien ein ?lbschnitt aus dem Bericht des Hun- gerkomitees in der Times von Toronto;Schreckliche Zustände herrschen in ganz Indien 32 Millionen sind schon iot, 150 Millionen stehen am Rande des Hun- gertodes. Seuche und Hunger durchziehen das Lande Die gegenwärtige Lage findet in der Weltgeschichte ihres Gleichen nicht. . . . Tausende und aber Tausende sind nichts mehr als lebende Gerippe. Ter Verkehr hat ausgehört, die Post wird nicht mehr abgeliefert, die GescWte stehen still. >

Smveit das amerikanische Blatt. Gleicher Koloni­sationserfolge kann sich Deutschland nicht rühmen. So ist es denn allerdings in der Ordnung, daß wir unsere Schutzgebiete anbessere" Verwalter abgcben müssen.

Preußische LKndesversamMlwrrg.

Sitzung vom 9. Juli.

Die zweite Beratung des Handels- und Ge­werbeetats wüd fortgesetzt.

Handelsminister ZsschbeL gibt den Rednern des Hauses zu, daß in den letzten Jahren kein Stand so schwer gelit­ten hat wie der gW-crbstche Mittelstand. Wir müssen alles tun, um dem Handwerker- und Mittelstände wieder aufzuhelfen. Eine Hauptaufgabe wird in dem Ausbau des Genossenschaftswesens liegön. Wirtschastlich bedrücken uns am weiften dis tiefen Strs4G». Das Krulitions- recht ist für viele lediglich das Regt auf Streiks. Sie bedenken nicht, daß der Streik nur dor'Aiusserste Notrecht darstellt und daß At!>wchungen als ein Teil des Koa- litionsrechtes genau Ungehalten werden müssen. (Beifall.) Eine Preissenkung unserer Lebensmittel und anderer Be­darfsartikel wird erst kommen, wenn der Kaufmann wie­der mit der Konkurrenz in Bewerbung tritt. (Sehr rich­tig.)

Der Handels- und Ecwerbeetat wird darauf ange­nommen, ebenso zahlreiche vorliegende Anträge betreffend den Abbau der Zwangswirtschaft, die Förderung des Ge- nossenfchafi.swesrns, den Schutz gegen den Terrorismus und andere.

Die Anlräge auf Schaffung eines n:'"n '.s.rdeUllrechteL für HausangeFMe und Aiffchafftmg der Warenhaussteuer gehen an drn HLvdelrar.sschuh. '

Es folgt die erste Beratung,,^es Gef-tzentwurses zur AbSnderu-tg der ?sssammrnfrtzuag der Schu-deputaiisnen Schuivsrflsnde und Schnlsusichüffe.

Ein Reichskommijsqr erklärt, die Dorlace sei von de mokratischem Geiste erfüllt. Sie regelt solche Dinge, di» wegen ihrer Dringlichkeit der ganzen Schulreform vorweg genommen werden müssen.

Abg. fierlg (Soz.): Die Vorlage entspricht dem Geiste der Zeit. Soweit die Geistlichen wirklich das Vertrauey in der Gemeinde besitzen, wcrden sie auch in die Schul­körperschaften hineingswählt werden.

Abg. RSrnp (Ztr.): Die Tendenz des Gesetzes richtet sich gegen den Einfluß der Kirche. Meine Freunde ton­nen ihm daher nicht zustimmen. Die Eltern haben ein Recht daraus, daß ihre Kinder nur in solche Schulen kom­men, die unter dem Einfluß ihrer Kirche flehen. Es gibt wichtigere wirtschaftliche Fragen zu lösen. Als brutale, Zwang wird es vom gläubigen Volksteil empfunden, wenn althergebrachte Rechte der Kirche mit einem Federstrich be­seitigt werden und der Minderheit jedes Mitbestimmungs­recht genommen werden soll.

Abg. Otto (Dem.): Wir haben sachliche Bedenken gegen den Entwurf. Mit dem Deftätigungsrccht wüsste förmlich aufgeräumt wcrden. Wir halten co dem vom Minister­präsidenten im März verkündeten Kulturprogramm fest. 'Auch das Zentrum hat ihm damals zugestimmt. (Wider­spruch im Zentrum.) Die Schule muß der Kirche gleich­berechtigt sein.

Abg. Lukaffewitz lDntl.): Dem Entwurf totfm schwere Bedenken entnepeii. Wir beantragenre Ueberwei ung an den Unterrickisaussöbuß.

Abg. Adolf Hoffmann lUnabh.): Die Vorsitzenden der Schuldeputationen dürfen nickt ernannt, sondern sie müssen gewählt werden. Nur dann bat das Volk die Gewähr dagegen, daß es nicht lediglich ein Unter­tan der ihn regre!enden Behörde ist. Das Zentrum will durch einen Kuhhandel in Weimar die Einzel­staaten an der sreiheitlichen Entwicklung der Schulen bindern. Dem Zentrum kommt eS daraus an, daß die Schule die Magd der Kirche wird. Ich kann es noch immer nickt glauben, daß die Mehrheitssozialdemo. traten der Preußischen Landesversammlung dem Zen­trum den Steigbügel halten werden.

Abg. Hollmann (D. 53. P.t: Wir sind für die Er­nennung und gegen die Wahl der Vorsitzenden der Schuldeputatronen. Die B-Äätigungsparaaraphen halten auch wir für überflüssig.

Kulturkämpferisches

in der Landesversammlung.

Während die Verhandlungen über das Schulkom­promiß noch schwebten, die zu dem Ergebnis führen sollen, daß der innere Friede nicht durch Verletzung der heiligsten Rechte und Gefühle des gläubigen Volkes gestört werde, hat der preußische Kultusminister am 3. Juli der Landesversammlung einen Gesetzentwurf über die Abänderung der Zusammensetzung der Schuldeputaionen, Schulvorständen und Schulkommissionen vorgelegt, der einen weiteren Schrllt auf dem Wege der Entrechtung der Kirche und ihrer Verurteilung zur Einflußlostgkeit auf die Schule darstellt.

Gehörten bislang bestimmte G e i st l i ch e von Amtswegen der Schuldeputation an, so sollen sie in Zukunft nur mehr wie jeder andere, der das Ver­trauen der Wahlberechtigten besitzt, in die Schuldepu­tation hingewählt werden können, sodaß sie, wenn sie überhaupt gewählt würden, nicht mehr als Vertreter der Kirche, sondern als Privatpersonen in der Schuldeputation Sitz und Stimme hätten. Warum konnte Preußen nicht warten, bis die in Weimar über die Schulfrage geführten Verhandlungen zu einem Ende kamen? Warum sieht sich Minister Haenisch veran­laßt, einen Gesetzentwurf, der durch die Auflösung der Gemeindevertretungen nötig geworden sein mag, mit Bestimmungen zu belasten, die das ch r i st l i ch e Volk verletzen und zum Widerspruch auf­rufen müssen? Ist es vielleicht deshalb, weil Herr Haenisch dem Verlangen seiner radikalen Parteigenos­sen in der sozialdemokratischen Fraktion der Landes­versammlung entsprechend sich als den starken Mann und Kulturkämpfer hinstellen muß? Ein verantwort­licher Staatsmann sollte doch von höheren Gesichts­punkten und von tieferem Verantwortlichkeitsgefühl in dieser Stunde vaterländischer Rat bei seinen Handlun­gen sich leiten lassen, als von ängstlicher Rücksichtnahme auf einen gewissen blindwütigen Radikalismus und eine offen ausgesprochene Kirchenfeindschaft, von der auch nicht geringe Teile seiner eigenen Partei sich frei» halten wollen.

Das ist jedenfalls gewiß, daß durch das vom preu­ßischen Kultusminister geplante Gesetz, das am Mitt­woch in der Landesversammlung zur Beratung ftanb,. in weite Kreise des Volkes wieder einmal Unruhe und Sorge getragen wird.

Die Ratifizierung.

Mit der Ratifizierung des Friedensvertrages durch Deutschland ist von uns alles getan, was getan roer- jxn konnte und mußte, um den Frieden herbei- fiihren. Gleichwohl ist damit der Friedensvertrag nOd) nicht in Kraft getreten. Die feindlichen Re- eierungen sind übereingekommen, daß dis Ratifizie­rung durch Deutschland und drei der großen Mächte jer anderen Vertragspartei nötig feilt soll, um den Vertrag rechtsgültig zu machen. Man kann annehmen, ^6 die Parlamente in Großbritannien und Frank­reich schon in kurzer Zeit dem Vertrag ihre Zustim­mung geben werden. Das englische Unterhaus hat soeben Lloyd George beauftragt, den Vertrag zu rati- föieren, ohne ihn dem Unterhause vorgelegt zu haben.

Als dritte Macht käme wohl Amerika in Betracht. -Dann dort der Vertrag ratifiziert wird, ist noch nicht abzusehen. Aber erst wenn das geschehen ist, sind alle Vorbedingungen geschaffen für den endgültigen Aus­tausch der Friedensdökumente. Mit dieser Handlung tritt der Frieden ein, d. h. was die Feinde Frieden Hermen. Wir alle sind der Ueberzeugung, daß er einen Mond schasst, der nicht dauernd ist, daß vielmehr die zeit kommen wird, in der dieser jedem Gerechtigkeits- gefihl hohsprechende Vertrag einer gründlichen Revi- ftm unterzogen wird.

Wenn eines in diesen bittersten Stunden des deut- tta Volkes Trost gewähren kann, so ist es di» erfreu« öchr Tatsache, daß die Sitzung der Nattonalversamm- fang, in der dem Vertrag zugestimmt wurde, sich zu ei­ne« einmütigen flammenden Protest gegen den Frie­de« der Vergewaltigung und des Unrechtes gestaltete, «mnütig wie nie zuvor von der äußersten ßinfyt bis «r äußersten Rechten haben alle Parteien des Hauses & vollster Uebereinstrmmung mit dem Sprecher der Hegknmg, dem Minister Müller, Verwahrung ein­gelegt gegen den Frieden, der unter dem Bruch feier« üch gegebener Versprechungen ein Friede des Unrechts mtb ein Friede der Schmach für das deutsche Volk ist. .Knmütig haben alle Parteien den deutschen Brüdern in den abzutretenden Gebieten Treue gelobt, einmütig haben sie der Zuversicht Ausdruck verliehen, daß das gebeugte Recht sich auf die Dauer doch durchsetzen werde.

Bedauerlich ist, daß diese Kundgebung einmütigen Willens eine Trübung erfahren hat, durch das Ver­halten der Deuffchnationalen, die glaubten, sich eine Demonstration gestatten zu dürfen. Obschon die Form eines regelrechten Antrags gewählt wurde, war es doch nichts anderes als eine leere Demonstration, da auf keinen Fall eine reale Wirkung zu erzielen war. Der Antrag wollte die Ratifizierung an den Vorbehalt knüpfen, daß 1. vor der Auslieferung von Völkerrechts- lchrern ein Gutachten eingeholt und 2. ein neutraler Gerichtshof eingesetzt werde. Solche Forderungen durchzusetzen, haben wir uns in den letzten Wochen redlich bemüht, sind aber dabei gescheitert. Unsere Ver­treter mußten in Versailles unterzeichnen. Jetzt die ibgelehnten Vorbehalte zu erneuern, wäre nicht allein nutzlos, sondern geradezu verhängnisvoll. Die uner« Glichen Gegner würden den Vorbehalt als Verweige­rung der Ratifizierung betrachten und demgemäß den Xampf wieder eröffnen. Obendrein wurde in der gan- /n Welt uns nachgesagt werden, die deutsche Politik sc; hinterlistig und unehrlich, da man erst bedingungs- loe unterzeichne und nachher wieder Vorbehalte mache.

Es wäre gar nicht zu verstehen, rote die Konserva- ticen zu einem so verfehlten Antrag sich enffchlicßen konnten, wenn man nicht ein übermäßiges agita­torisches Bedürfnis voraussetzt. Offenbar woll- tn die konservativen Herren, die für die Demonstration

Ausschlag gegeben hatten, ihrer Partei den Ruhm Wern, daß sie für den Schutz des Kaisers und der übrigen verfolgten Personen kräftiger eingetreten feien,

die anderen Parteien. Ob sich die Wähler fo wcnoen lassen? Wer den Gang der Dinge mit etwas Estandnis verfolgt hat, weiß doch, daß die biirger- »cyen Parteien in dieser Hinsicht nach besten Kräften Sewirkj haben und daß der nachträgliche Antrag der ^onjervativen nichts anderes fein konnte, als ein Schlag ms Wasser.

Also Schwamm über diesen störenden Zwischenfall. u.onst verlief die Verhandlung in jener ernsten Würde, ^..uch für einen solchen Abschluß des entsetzlichen ^Oifffaisbrama gebührt.Das deutsche Volk steht

?r dem Aufbruch zu einem 40jährigen Marsch rch die Wüste; der erste Schritt auf dem Leidens­weg ist die Ratifikation." So hat der Minister Mül- moie Ratifikattonsurkunde treffen?) gezeichnet. Senn» 53*u6 Deutschland Schrift und Siegel unter die 7vuni,e setzen, das war eine zwingende Notwendig­st geworden im schärfften Sinne des Worts. Es leicht gewesen zu sagennein", viel leichter als ^Bejahung, aber es war völlig unmöglich zu sagen, ww man dann nach der Ablehnung Deutschland vor «^entsetzlichen Folgen einer Wiedereröffnung des f^wges bewahren und die Unterwerfung unter viel Wimmeren Verhältnissen und zu viel härteren SBe« «gungen verhüten könnte. Es gab keinen Ausweg.

Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns einer» D? zu trösten durch die Aussicht, daß baldigst die «wllade aufgehoben und unsere Gefangenen erlöst S'r&u unJ> andererseits uns zu rüsten zu treuer

!' damit wir für Deutschland retten, was über« noch zu retten ist.

aerZeitung

I Verlag der Fuldaer A cttendrackrrri in Fulda.^Preirmonatl. I AS. TrthrA 95 Pf?. Fernipr. Nr. 9. relegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung. \

riy. <57 I Verantwortlich für den redaltionellen Teil: Karl Schütte. I Cw*«**^. < < tourt

II». | für die Anzeigen; I. Parzeller, Fulda. Rotationsdruck. | |J« ^Ull