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Famstag, 3. Juli 1919

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Zeitung

** * Druck der Hnldaer ^ctieudrnckere! itt Fuld-i

Die neue Tabaksteuer.

3m Entwurf über die neue Tabaksteuer wird eine völlige Neugestaltung der Tabakbesteuerung in her Richtung vorgeschlagen, daß von allen Taboker- zcugnissen eine nach ihren Kleinverkaufsprei­sen abgestufte Verbrauchsabgabe unter Verwendung Dfln Steuerzeichen erhoben werden soll. Die Besteue­rung des inländischen Rohtabaks soll beseitigt und vom ausländischen Rohtabak soll unter Aufhebung des Sertzollzuschlages lediglich ein Gewichtszoll in der f,Sbe erhoben werden, wie es zum Schutze des heimi- i*en TÜakbaues notwendig ist

1; Die Berbrauchsabgabesätze für Zigarren sind «jjr die billigeren Zigarren niedriger bemessen und steigen mit der Höhe der Kleinverkaus'vreise verhält- ulsmähig an; sie bewegen sich in 22 Abstufungen 'wischen 8 cM für 1000 Stück und 500 JA für 1000 Stück. Der Satz von 8 JA für 1000 Stück trifft Zi­garren, deren Kleinoerkaufspreis 8 Pfg. oder weniger isir das Stück bträgt, der Satz von 500 JA. für 100«) Zjück soll Zigarren treffen, deren Kleinoerkaufspreis mchr als 1,20 M für das Stück beträgt. Beläuft sich rsr Preis auf 1,20 JA, fo beträgt die Abgabe 3,80 JA -ür 1000 Stück oder 31,6 v. H. des Kleinverkauf sprei- ;e5) während bei den Zigarren, die mit 8 Pfg. ver­kauft werden, der Abgabesotz sich auf 10 v. H. berech­nt. Die Herstellung der billigeren Zigarren ist außer­dem durch den Wegfall der Steuer für inländischen Rohtabak erleichtert.

Set den Zigaretten soll der Kriegsaus.chlag n;it der Zigarettensteuer vereinigt werden und darüber kinaus eine Abgabenerhöhung um etwa 8 v. H. der Kkeinverkaufspreise eintreten. Die Abgabesätze für Zigaretten bewegen sich in 11 Abstufung n zw.;chen 10 JA für 1000 Stück (bei Zigaretten bis zu 3 Pfg. das Stück) und 140 <M. für 1000 Stück (bei Zigaretten von über 25 Pfg. das Stück). Für Zigarren und Zi­garetten silld feste Preisklassen vorgesehen, um einem ungesunden Wettbewerb im Kleinhandel vorzubeugen.

Für feingeschnittenen Rauchtabak bewegen sich die Steuersätze zwischen 3 JA und 60 JA für 1 Kg., und zwar kommt der niedrigste Satz bei einem Klein- vercaufspreise bis zu 10 Ji das Kilogramm und der höchste Satz bei einem Kleinverkaufspreise van üb-t 80 JA das Kilogramm zur Anwendung. Die Steuer­sätze für Pfeifentabak (grob geschnittenen Rauchtabak) sollen sich zwischen 1 JA bis 9 JA für das Kilogramm bewegen. Kautabak und Schnupf­tabak sollen in 6 bezw. 7 Abstufungen mit 20 o. H. des Kleinverkaufspreises belastet werden.

Für Zigarettenpapier, mit Ausnahme des, zur ge­werblichen Verarbeitung bestimmten beträgt die Steuer 10 JA für 1000 Zigarettenhüllen.

Tabakers-tz stosse dürfen bei der Herstel­lung von Tabakerzeugnissen sowie von Waren, die ohne Mitverwendung von Tabak als Ersatz für Tabak- erzeugnifse tn den Handel gebracht werden (tabakähn­liche Waren) nur nach näherer Bestimmung des Staa- tenausschufles verwendet werden. Bei allen Erzeug­nissen, die ganz oder zum Teil aus Ersatzstoffen her- gestellt sind, ist dies auf den Packungen in einer dem Verbraucher erkennbaren Weise anzugeben. Die Ab­gabe für Tabakersatzstofse beträgt 100 JA für 1 Dop­pelzentner, tabakähnliche Waren sind wie Tabakerzeug- nisse zu versteuern.

Nach der Ertragsschätzung würde die im Gesetz­entwurf vorgesehene Ausgabe durchschnittlich auf 1 Zigarre eine Belastung mit Verbrauchsabgabe von 3 Psg. bedeuten. Hierzu tritt die Belastung mit dem auf ausländischen Rohtabak gelegten Eingangszolle, die bei den nur aus solchen Tabaken hergestellten Zi­garren rund 1 Pfg. beträgt. Auf 1 Zigarette würde eine durchschnittliche Belastung mit Verbrauchsabgabe von 2 6 Zehntel Pfg. fallen, die sich bei den nur aus ausländischen Tabaken hergestellten Zigaretten um den Eingangszoll für den verwendeten Rohtabak uf etwa 2 7 Zehntel Pfg. erhöht. Der Gesamtbetrag aus den im Entwürfe vorgefchlagenen Abnabe ätzen wird mit rund 750 Millionen JA schätzungsweise veran schlagt.

Zur Rückkehr unserer Kriegsgefangenen

Von einem Mitgliede der Zentrumsfraktion der Preußischen Landesversammlung wird uns geschrieben: Ächthunoerttausend brave deutsche Volksgenossen schmachten noch immer in feindlicher Gefangenschaft. Ter Umstand, daß ihnen der Friedensschluß endlich die ersehnte Freiheit und die Rückkehr in die Heimat bringt, hat manchen Beteiligten die schwere Entschci- >ung, ob der Gewaltfrieden unterzeichnet werden solle, erleichtert.

Nun sollen sie bald der Heimat wiedergegeben wer­den. Sie mit offenen Armen zu empfangen, ihnen jeglich« Pflege und Fürsorge angedeihen zu lasten, ist für ihre Volksgenossen eine gern und freudig übernom­mene Pflicht. Sie können natürlich nicht sofort nach der Einreise in Deutschland in die Heimat entlassen borden und müssen aus Gesundheitsrücksichten sich einer achttägigen Quarantäne unterziehen. 8u dem Zwecke sind von der Heeresverwaltung in Ba-

MpoWche Seitläufe.

N. Ber lin, 2. Juli 1919.

Wilson schwimmt jetzt nach Amerika Zurück. Er Erläßt Europa nach vollbrachter Tat. Und was für eine Tat war das? An ihren Früchten können wir sie erkennen. Europa befindet sich in einer Verwirrung Md Not, in einem Jammer und Elend, wie cs seit *)unbetten von Jahren nicht erhört worden ist.

Bst Wilson schuld daran? Er und seine Ameri- raner haben freilich den Krieg nicht angestiftet, aber sie haben

1. das Völkermorden verlängert durch die Unmenge von Waffen, die sie von Anfang an unseren vcinden lieferten,

2. den A u s s ch l a g gegeben zum Siege der räu- berifchen Partei,

3. einenFriedensvertrag" zuwege gebracht, der verderblicher wirrt, wie der Krieg, wenn Europa die­le- erdrückende Joch nicht abschüftelt.

Dieser mörderischeFrieden" ist die Krönung der ^iielaten, und dafür ist gerade Wilson persönlich ver- autwortlich

Welch ein Unterschied zwischen der Ankunft I Schons unb seiner Abreise! Damals wurde er m. Herr der Welt und als Retter der Welt begrüßt.

seiner Heimkehr hat er nichts gerettet, nicht ein» 5al feinen eigenen Ruhm. Seine Verbündeten sagen: ?en haben wir schön herumgekriegt! Die Neutralen ö?n: Dieser Prophet des Weltfriedens und, des mu ~&unbe§ hat uns schwer enttäuscht. Wir sagen Ba der Vater der 14 Punkte hat uns schänd- ^^Eäin'cht, verraten und betrogen!

®n Kann, ein Wort Mit diesem Maßstab ge-

en..ist Wilson kein Mann, sondern ein Fuchs. Von y?1 ^i.ger in Paris und dem Wolf in London konnte j.?n suchts' anderes erwarten. Sie hatten nicht den Fetischen Schafspelz üüergczogcn und keine Fuchs- p evl0itn gehalten.

Wilson hat den Rekkord der S e lb stv c r le u g - ung ausgestellt. Nicht durch Selbstverleugnung im

den, in Delbrück bei Köln, in Münster i. M. usw. größere Barackenlager eingerichtet worden, in roeldjen die Gefangenen etwa 8 Tage Aufenthalt nehmen müs­sen.

Dieser Aufenthaii muß ihnen so angenehm wie eben möglich gewacht werden. Alle Volisteile und Or-mnffotionen müsten dabei tatkräftig mi.wirken. Zu di-scm Zwecke haben die cbristlichen Gewerkschaften n Köln eine Baracke von der Heeresverwaltung übernom­men. Sie baben dieselbe wobnlich ausgestattet, stellen eine Aufwaiiurm für die Insassen -ur Verfügung, sor­gen firr Lesestoff «mb werden auch zweckentsprechende Vorträge halten lasten. Dazu ist ab '~ viel Geld nötig, zumal die Heeresverwaltung wegen der schlechten Lage der Reichsfinanzen nur geringe Zuschüsse ?ür die Un­terhaltung und Belehrung der Heimgekehrten leisten kann.

Dem Vorgehen der christlicheGewerkschaften, in Köln mögen andere Korporationen folgen; die katholi­schen Arbeitewereine, die Zentrumsvereinc, der Volks- Verein für das katholische Deutschland usw. In der Fürsorge für unsere Kriegsgefangenen dürfen wir uns von niemand übertreffen lassen. Das gilt namentlich für alle Berufsorganisationen, die ihre heinckehrcriden Berufsgenossen wieder in ihre Obhut nehmen müssen; das gilt aber auch für die Arbeitgeber, di- ihren frühe­ren Angestellten Arbeitern wieder Beschäftigung und Brot geben suleu.

Nur durch cüfeif" .'fertige Eriiillm'g unserer va­terländischen Da..kekpj.'icht gegenüber unseren wieder- fleter« .men Volksgenossen können wir verhindern, daß nickt euch dieser Zweig der Kct gsfürsorge parteipoli- ausgenutzt wird; daß er vielmehr bleibt, was er sc soll: eine Herzenssache des ganzen deutschen Volkes.

Lokales.

ft «Iba, 5. Juli 1919.

A. Gcmüfehöchstpreife. Zur Frage, weshalb für Gemüse noch Höchstpreise bestehen, teilt die Reichs­stelle für Gemüse und Obst mit, daß nur solche Gemüjearten, die den Gegenstand von Lieferungs- Verträgen zwischen Gemeinden und Anbauern bilden können, und zwar für Erbsen, Bohnen, Kohl­rabi, Zwiebeln, Kohl und Möhren Höchstpreise be­schlossen seien. Denn ohne solche wäre der Abschluß und die Erfüllung von Lieferungsverträgen bet wichtigsten Grundlage beraubt. Für andere Gemüsearten, also für die, über die Lieferungs- Verträge abgeschlossen werden können, sind Höchst­preise weder festgesetzt, noch in Aussicht genommen.

)-( Zum Schutze der Heimat. Vor einigen Tagen fand in berHarmonie" eine Ber'ammlung von Herren aus allen Bürgerkreisen statt, in ber auch für Fulba die Gründung einer Ortsgruppe des BunbesHeimatschutz" beschlossen würbe. Eine An­zahl Herren haben sich zur Durchführung ber nötigen Vorarbeiten bereit erklärt. Es ist beabsichfigt, nach beren Erlebigung in einer größ-ren öffentlichen Ver- tammlung über Ziele unb Zwecke bei Bundes auf« zuktären unb weitere Kreise für bie Gebauten bes HeimatschutzeS" zu gewinnen, bis barauf hinaus- laufen, unter bem Gesichtsprmke ber Heimatliebe gegen verbrecherische Anschläge auf Ruhe unb Ord­nung eine zweckmäßige Abwehr barzustellen.

(::j Auflösung ber Kriegsamtstelle de» 11. Korps. Die noch bestehenben Referate ber Kriegsamtstelle Kassel würben mit bem 30. Juni aufgelöst ober an bie Zivilverwaltungen übergeführt. Es bleibt nur noch eine militärische Abwickelungsstelle bie birekt bem Generalkommando 11. A. K. unterstellt ist, bis auf weiteres bestehen.

b. Was wir nicht brauchen nnd was wir brauchen. Das Reichswirtschaftsamt soll nach einer Mitteilung, bie kürzlich durch bie Press- ging, nach wie vor eine genaue Aufsicht über alle einzuführenden Waren augüben,bamit nicht unnötige Waren ein- geführt werben". Leider gehen bie Ansichten über bas, was unnötig ist, in ben betreffenden Kreisen oft recht weit auseinander, .auch werden gerade in dieser Beziehung unsere Feinde versuchen, ihre Ziele zu erreichen. Diese bestehen vor allem darin, ein Wiederansieigen der deutschen Bolkskraft nur infoweft zuzutassen, als es zur Erreichung gewisser Arbeitslekstungen für bie Feinde selbst unumgänglich nötig ist. Deutschlands Zukunft erforbert aber weil mehr' Wir müssen einen Ueberschuß an Kraft er­streben ber uns wieder hoch bringt. Dazu brauchen wv aber weder französischen ober italienischen Wein, amerikanischen Tabak oder englisch inbischen Kaffee oder Tec. Hinsichtlich der Einfuhr dieser Erzeug- niste müssen wir dem Reichswirlfchaftsamt zurufen: Landgraf werde hart! Soweit uns üb.-- aupt noch ein Recht bleibt, mitzubestimmen, muß ge«en einen ioleben Einfuhrhandet der hartnäckigste Widerstand geleistet werden. Auch mit der Ein.uyr von Rosinen, Apfelsinen, scischen toein.rauben, Reis, Mais usw. sei man vor ichtio. Man verwende die dafür an­scheinend veisüobaren Gelder lieber zur Hebung der Erzeugung inländischer ä nlicher Rcchrunsmittel:

Geiste des Christentums oder der edlen Opferwillig­keit, sondern durch Verleugnung der glänzenden Grundsätze und Verheißungen, die er selbst so pathe­tisch der Welt verkündet hatte. Wilson ist an Wilson Lügen gestraft worden.

Wer har den Schaden an diesem Treubruch? In erster Linie wird Deutschland betroffen; aber bie Völker rings umher werden auch in den tückischen Strudel gerissen. Sie sind alle erschöpft durch den Krieg bis auf das Mark in ihren Knochen. Sie brau­chen alle bitternotwendig einen richtigen, dauerhaften Frieden, der ihnen Ruhe und Arbeit sichert. Aber sie werden in neue Krisen und Kämpfe gestürzt, weil Wilson ihnen statt des versprochenen Brotes nur Steine, statt des ersehnten Fisches eine Schlange be­schert hat.

So gerät Europa in Todesnot und verdankt das hauptsächlich den Amerikanern. Die alte Welt war die Dtutter bet neuen Welt. In der neuen Welt galt bisher der Grundsatz, daß Europa und Amerika sich gegenseitig in Ruhe lass«« sollten (die sog. Monroe Doktrin). Wilson hat mit List und Fleiß die Ameri­kaner dazu gebracht, daß sie in die europäischen Strei­tigkeiten eingriffen. Dadurch wurde der Sieg entschie­den zugunsten der schlechten Partei, und dann wurde Europa mir einemFrieden" beglückt, der nur die Feindschaften und Konflikte verewigen kann. So hat die neue Welt ihre alte Mutter an den Rand des Verderbens gebracht. Nach vollbrachter Untat kehrt Herr Wilson dem verratenen Europa den Rücken.

*

Und w i r?

Was macht das deutsche Volk am Rande des Ab­grundes? L, es steht impojant auf der Höhe ter Zeit: Wir tanzen, wir bummeln, wir spielen, wir touc^rn, wir streike n, wir plündern, wir putschen.

Ten Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie am Kragen hätte. Wir treiben Unsinn und Unfug wie Schulbuben, deren Magister herausgerufcn wordcn ist. Wer unhöflich sein will, kann auch sagen: wie ausgebrochene Geisteskranke.

Wir treiben mit dem größten Eifer alles das, wo wir nicht sollen; aber das, was w : i ollen und i

Backpflaumen, Step fei, Hirse und dergleichen. Man richte überall Lehrgänge für Obstverwertung ein und fordere bie Erkenntnis, baß es sehr unzweckmäßig ist, aus Obst und Beeren Weine rc. derzustellen, weil bei der>ung ber wertvolle Obstzucker ver­nichtet wirb. Pflicht unserer Bolksvertreiung aber ist es, daraufhin Vie Tätigkeit beS Reichswirtschafts­amtes andcmernd zu beaufsichtigen.

# Seereisen von Deutschen. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Laut Nachrichten aus Rotterdam sind die Bestimmungen über ben Reiseverkehr nach über­seeischen Ländern geändert worben. Reichsdeutsche kön­nen nun wieder mit neutralen Dampfern als Reifende nach neutralen Landern reifen, soweit sie nicht in englischen Häsen landen. Der Paß muß von dem Konsul des Bestimmungslandes visiert werden. Eine Beschränkung hinsichtlich des Geschlecktes ober des Alt-rs der Reisenden findet nicht mehr statt. Trotz dieser Bestimmungen wird es für Deutsche tatsächlich noch kaum möglich fein, in allernächster Zeit zu reifen, da nach Mitteilung der ni-derlöndiscken Schiffahrts­linien in Rotterdam für die nächsten Monate keine Plätze mehr zu hoben sind. Nach den Vereinigten Staaten von Amerika und Brasilien ist die Reise für Reichsdeutsche noch nicht möglich.

aus dem Nachbargebiet.

Die Generalversammlung des NnitasverbandeS.

A Frankfurt a. M. In der Zeit vom 10.14. Juni fand hier die 57. Generalversammlung des dritten der drei großen katholischen Siudenten- verbände, des Unitasverbandes (11. V.) statt. Es konnten 5 neue Unitasvereine aufgenommen werden: Unilas-Gießcn, Unitas-Harndurg, Unitas» Hruotlandia, Berlin, Unitas-Köln (die das Andenken der Unitas-Straßburg hochhalten wirb) unb Anitas- Rhenania, Bonn unb bie Satzungen des neuen unttar. Altherrenbunbes, sowie der Stellenvermitt­lung wurden genehmigt. Der Ausbau ber Kriegs- unterstützungskasse zu einer allgemeinen unitarischen Hilfskasse unb bie Einrichtung eines Büchermittluncs- amtes, würben beschlossen. Die soziale unb sport­liche Tätigkeit findet in neuen Satzungsparagraphen zeitgemäße Berücksichtigung. Der U. V. wirb künf­tig zu Fragen bes öffentlichen unb akabemiscken Lebens (mit Ausschluß ber praktischen Politik) Stellung nehmen. Die Forderung ber Wissenschaft wirb in urnfassenberem Sinne bahin ausgelegt, baß Diskussionsabende, Besichtigungen, Exkursionen er» ganzen!) zum bisherigen Vonrags ystem treten. Die Persönlichkeit wirb in ben Mittelpunkt be- Vereins­lebens gestellt, bas mehr Rücksicht auf persönliche Entwicklung unb Selbste rziehung nehmen soll. Das Fuchseninstiut wirb zur christlichen Erziehunasgemein- fchaft umgestaltet. Aus § 4 der unitarischen Grunb- satziingen 'wirb bas Wort:Kneipe" gestrichen, so» baß es jetzt jedem unitarischen Verein freigestellt bleibt, an Stelle der Kneipe andere Veranstaltungen einzusetzen. Hinsichtlich des Comments darf eine ge­wisse Maximalgrenze nicht überschritten werden, doch steht es jssdem Unitasverein frei, den Komment nach Belieben abzuschwächen und nach Wunsch zu gestalten.

AuS dem Kreise Fulda. In den Kreisen der Landwirte und Händler herrscht allgemeine Un­klarheit darüber, ob eine Anzeige über stattgesun- bene Veränberungen zu gestatten ist, wenn Schlacht­vieh an ben Viehhanbels - Verband geliefert wurde. In Fällen, in denen Lieferungen von Schlachtvieh an den Viehhanbels - Verband stattgefunden haben, sind die Viehhaiter von der Erstattung der Verände­rungs-Anzeige (auf ber blauen Karte) entbunden. Die Berichtigung der Viehwirtfchafts-Karten ber be­treffenden Viehhalter erfolgt in diesen Fällen von Amtswegen. _________ _________

vermischtes.

* Die Auslands-Konkurrenz. Die nordamerikani­schen Großkapitalisten hatten die Absicht kundgegeben, große deutsche industrielle Unternehmungen anzukaufen und dort bie Fabrikation ihrer Artikel einzusühren. Diese Absichten sind aber wieder auf gegeben, denn die Dcmkees haben als gute Rechner herausgesunben, baß bie G eschäftsunkosten in Deutschland durch die hohen Löhne fo groß geworden sind, daß die Preise der Fertig-Fabrikate nicht mehr im Berhätt- nis zu ben Welimarkt-Preisen flehen., Die Ameri­kaner produzieren zuHause erheblich billiger als wir, sie können also ihre Waren in Deutschland immer noch billiger ahaeben, als die bentschen Fabri­kanten liefern können. Die zum Export nach Dem sch- laitb bestimmten Waren sind brühen in Ricsenmcn- gen oorhanben, sie sind bei uns am leichtesten ab» zusetzen, weil bei uns am teuersten gearbeitet wird Irrend welches Mittel, diese U-Gerscbwemmung mit

sen, wird beharrlich abgelehnt. Wer ruhig und regel­mäßig arbeitet, gilt als rückständig uod^ dumm oder gar als ein Serrc.ti an der heiligen ^ufiksache.

Am 28. Jun., genau fünf Jahre nach der Mordtat von Serajewo, als in Versailles das fürchterliche Ak- lenstück urte"fdjneben wurde hat da in ganz Deutschland Heulen und Zähneklappern geherrscht? Hat das Volk da nachgedacht über die neuen Lasten, Gefahren und Pflichten? Ach was! Die einen gingen ihren Vergnügen nach und sagten: das ist Sache der Regierung! Die andern aber steckten die Köpse zu­sammen und berieten sich, ob sie nicht seht die Regie­rung stürzen und im Trüben bischen könnten.

Zum 1. Juli war der Generalstreik und die große Revolution angesetzt. Die Sache ging nicht ganz so wie der Schlachkplan vorgeschrieLen, aber auch aus den bisheriaen Bruchstücken ist die Mache deutlich genug zu erkennen. Tie Hamburger Umstürzler schlu­gen zu früh los, weil sich eine Woche vorher der Auf­lauf wegen der ekelhaften Sülze ergeben hatte. Auch in Berlin kamen die Krawalle auf dem Nahrungsniarkt zu früh, die politischen Drahtzieher ließen die Frauen und die Plünderer im Stich. Ter Streik der Eisen­bahner daaegen war vlanmäßig eingeleitet; bei uw gestörter Entwickelung hätte er zum großen Krach am 1. Juli wciemlich beitragen können. Man hatte die Seitte zu Forderungen aufgehetzt, die absolut uner­füllbar waren. Die Regierung ergriff nun ein kluges Auskunftsmittel, indem sie an Stelle der unmöglichen Lohnerhöhung billigere Preise in Aussicht stellte. So kam diese Bewegung ins Stocken. Die Ruhestörer hatten aber noch Reservetruppen. Tie Straßen­bahner in Beilin sind immerzu streikbereit. Wenn die Fahret und Schaffner schon ein Einkommen haben, um die ein Geheimer Regierungsrat sie beneiden kann, so fordern sie noch 500 Mark zur Deckung ihrer Schul­den, und wenn sie die 500 Mark bekommen und ver­braucht haben, dann fordern sie toieixr 700 Mark unter Vertrags- irud Tarifbruch. Richtig haben dann diese Unersättlichen zum 1. IM Berlin mit einem lähmenden Verkehrsstreik beglückt. Im Hintergründe stehen die Vankangestküten, die augenblicklich noch nicht recht wissen, was sie sollen. Das ist freilich alles noch kein Generalstreik und noch keine Rcvolu-

Auslandsware zu verhindern, haben wir nicht, denn der Friebeneverlrag verbietet uns bie Erhebung von .Zollzuschlägen ober sonstige Einfuhr-Hemmnisse. Wie schlimm es bei uns steht, zeigt bie Betriebs-Einstel­lung der Krupp'jchen Filiale in München wegen anbauernher Unterbilanz.

* GeschSslspoftfoklsmlls. In besseren Seifengefchästen des besetzten Gebietes ist augenblicklich eine französische Seife erhältlich, die neben dem süßesten aller Gerüche eine besondere Eigentümlichkeit aufweist: sie ist dar Produkt eines Dauses, das von feiner Gründung an nur franzö­sische Eigentümer gehabt hat. Es ist ungeheuer wichtig für dieBoches", daß wenn sie nun schon einmal französische Seife kaufen sich auch solche leisten, bei der sie wissen, daß ihre 10 Mk. nur einem Hause zugute kommen, dessen Chef und Personal reine Franzosen sind. Daraus macht ganz bescheiden ein der Seife beigegebener Reklamezettcl der Firma E. Cor.dray aufmerksam, die noch einmal allen sich waschenden Franzosen zuruft, nie­mals die deutschen Derbrechen, Mordtaten und Plünde­rungen zu vergessen, ja niemals zu vergessen Und die Deutschen waschen sich bereitwilligst mit dieser patriotischen Seife, sie verschieben sie emsig insunbesetzte Land" und dieUnbesetzten" waschen sich auch in Berlin! für noch teuerere' Ee'd mit der patriotisch französischen Seife. Sie werfen il;:e Kriegsseife in die Ecke, manchmal auch ahne Wörde, denn ihre Sehnsucht, zu vergessen, was sie erduldet haben, ist groß.

Eingesandt.

Die Wirkung der neuen Ordnung im Schulwesen zeigt sich in unserem Rböndorie Silges (Kreis Hün­feld) zum Schaden für Schüler und Lehrerschaft. Am 1. März erschien von der Regierung gesandt ein Scbu!» amtSbewerber, um die Stelle anzutreten, die S.bu!- amtsbewerberin mußte das Feld räumen, ohne daß ihr auch nur irgend eine Benachrichtigung zugepangen war. Der junge Lehrer suchte sich nun einzurichten, und nu h Garten und etwa» Feld zu bestellen. Doch er hatte die Rechnung ohne die oberste Schulbehörde gemacht; als er sich um definitive Anstellung bewarb (er war Kriegsteilnehmer gewesen^ erhält er ais Antwort, daß er am 15. Mai zu oehen habe. Die Stelle sei, so hieß cs, für einen aus Polen ausgewiesenen Lehrer reserviert; aber bis heute ist et noch nicht erschienen, man sagt, er habe in Bamberg eine Stelle gefunden. Und nun scheint sich ni-mand mehr darum zu kümmern, daß die Schule wieder eröffnet wird. Die OrtSschulinspektion, die sich sonst wohl darum bemüht hätte, ist ja ausge» schaltet. Verschiedene Bemühungen um die Lebrstellc sind von der Regierung gänzlich unbeachtet geblicbcn. Im neuen Deutschland, wo doch so viel für die Bildun z der unteren Volksschichten getan werden soll, darf doch ein armes Rhöndörfchen auch nicht vergessen werden. Oder denkt man nur an die Städte?

Ein Schulfreund.

Märkte.

E Fulda, 5. Juli. Zum heutigen Schweine- markt waren 143 Ferkel aufgetrieben. Die Prei'e betrugen 100, 140 und 180 Mark das Stuck. Der Handel gestaltete sich sehr lebhaft.

Gottesüienstocd nung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntaa, 6. Juli. Dom. Ewiges Gebet. Vollk. Ablaß. (Kollekte f. d. neue Joscphskirche.l/»b Ausl. b. Allcrhl. u. M., 6, V,7 u. 7'/. DL, '',7 gestiftete M. f. d. gefall. Mitgl. d. Männerapostolates, in ders. Kam. d. Männerapostolates u. Anspr., 8 Pfarramt m. Br., 1 -10 Kathedraiamt m. Pr. Danach '/,111'il2 1. Fronl.-A. f. d. Männer, V.12 M. m. Pr., 12-1 2. Fronl.-A. f. d. Jüngl., 12 3. Fronl.-A. f. d. Schulkinde', 23 seierl. Vesper u. Anbetung f. d. Klerus, 34 4. Fronl.-A. f. d. Jungfr., 45 5 Fronl.-A. f. Frauen u. Mütter, 5- ß stille Anbetung f,b. Sakraments-Bruderschaft, 6 Schlutz- Ä. m. feiert Umg. u. Te Deum. (Montag u Donners- tag abend» »,,8 A.) Stadtpfarrklrche. (Kollekte f. d. St. SturmiuSiirche.) 5c« Kom., 5/< M., 63/. M. u. Korn. d. Männerapostolates, 8 M. u. Vr. (1. Schulgd.1, 9Vi Pfarramt u. Pr., 11 DL u. Pr. (2. Schulgd?, 9b, Chr. f. d. Jüngl. i. d. Severik., I1/, Ehr. f. d. Jun ifr., 2Vi Bruderfckaft v. hl. Rosenkranz. Pfarrkirche zu'n hl. Geiste. '/.7 Kom., 7 Frühm., 8 Pr, Amt m. Kom., '/.S Cdr., 5 A. Mittwochs 5 A. Ssdali ät. V,10. SeverMrche. Sonntags',7 M,. werltcms 6 M Herz-Jefn-Heim. 6 ülli., 8 Amt m. Pr, 2 A.,5 Abcnd.A Arauenbera. Feier des Tnularfestes der Marianischen Bruderschaft 5 6 M.,7Bruderschaits'n. m. gemeinsaiiwr Kom. d. Mitgl,8Rosenkranzm. m. Pr., 9Levi'tenamt m P: . Nachmitt. 2 Pr., A. u. Umg. f. d. Marianische Bender- fchaft, barauf Neuwahl des Vorstandes. Nonnenkirche 10 Hochamt.

Montag, 7. Juli. Frauenberg. Tag d. ewigen Gebetes i. d. Klosterkirche. Wegen des Festes dcS hl. Laurentius von Brindisi Ablaßtag f. d. Tertiären. 58 M., 9 Levitenamt, 10 letzte M. Von 11 an öffent­liche Betstunden. Nachm. 2 feiert Vesper, 5 Schlutz-A. mit Umgang.

Edaogeltfcher <Sot:r.'di««ft.

Sonntag, 6. Jul:. Vormittags 8 Uhr: Snp Rubl, 9':, Uhr: Pfr. Weber, 11 Uhr: KinoergotteSdienst Bie lerftcin. Vorm. 91'» Uhr: Pfr. Reich.

«»«BemMHeennHHBaroroaÄOBMBeseneeraBcs» Hon: doch wer weiß, was aus dem schwelenden Feuer sich noch entwickelt. Vorläufig hat man den Eindruck, daß die Drahtzieher unter sich nicht mehr einig und klar sind. Die Komiministeii mit ihrer Spartakus­garde wollten unbedingt zu Halbjahrswechsel losschla­gen. Die Unabhängigen aber wollten losschlagen in dem Falle, daß die Regierung und die Nationalver- samnilimg den Friedensvertrag ablehnen würde. Dann sollte das Volk zur neuen Rcrolntion aufgeboten werden unter der Parole: Nieder mit d:>- Regierung, die uns um Frieden und Brvr tvlngt! Ais nun die Unterzeichnung des Friedensvertrages beschlossen und vollzogen wurde, da wurden die Unabhängigen zum großen Teil stutzig und vorsichtig, sie loollten das große Unternehmen wieder verschieben.

Ob sich die angestoßene Lawine noch mifhalteei läßt, ist abzuwarten. Inzwischen kann man nur in Gram und Entsetzen den Kops schütteln über die Verbohri- heii und Blindheit, mit dcr sich Massen von Mitbürgern immer wieder mißbrauchei- lassen zu selbstmörderischen Streiks und Putschen. Die Leute kommen sich so klug und selbstherrlich vor und sind doch nur Puppen, die an den verborgenen Drähten tanzen.

Wenn wir Herrn Wilson den Spiegel vorgehalten haben, so wollen wir diese Scheibe der Wahrheit auch an die eigeneülaie nehmen und beschämt zugestchan, daß in unferm Volk mehr Roheit, Leichtsinn und Duirnn- heit steckt, als man geahnt hatte.

Wir sind im Krieg gewogen und schließlich zu leicht befunden worden. Das kam von der llebermacht, sagt man. Schön; aber nach Abschluß des Wassengaoiges wurde die Probe sortgefetzt, und wir haben sie schlecht bestanden. Wenn nun nach dem Vertragsschluß das alte törichte und frevelhafte Treiben noch ortgcsetzr wird und sich gar zum Generalstreik auswächst, daun müssen wir alle Hcssnung fahren lassen. Tann blcibr nur übrig, mit verhülltem Haupt zu bekennen: Deutsch­land ist zur Selbstregicrung nicht sähig und der Frei­heit nicht würdig.

Schlimm ist die Gewalt von Clemencecni, schlim­mer noch de Verrat von Wilson, am schl mmstru. :;r die Selbstzerslcischung des Volkes.

Herr, hilf uns, denn wir sinken!