Einzelbild herunterladen
 

M

M

M

1

U: r

■

M V

fir. 152. |

Verantwortlich für den tebaftioneUen £eil: Kart e ä u 11 e. I für die Anzeigen: I. Parzetler, Hulda. — Rotationsdruck.

Samstaq 5. Zu« 1919. | I 46- 3obrg.

Der Friede.

Die Ratifikation durch Deutschland.

* Weimar, 4 Juli. Der Friedensvertrag wird ßer Nationalversammlung Mitte nächster Woche .ut Ratifikation unterbreitet werden.

Die Ausführung des Friedensvertrags.

Zur einheitlichen Erledigung der für die Aus- Kbmng des Friedensvertrages erforderlichen Ge- chäfie wird der „Vojsischen Zeitung" zufolge eine sondere Abteilung bes AuswärtigenAmtes unter Leitung von Geheimrat v. Simson gebildet.

Lloyd George über „Sünde" und Butze.

Gestern hat Lloyd George im Unterhause eine Rede über den Friedensvertrag gehalten. Er sagte, die Beringungen seien zwar sehr schwer, aber auch die Sün- dcn, für die gebüßt werden müsse, seien groß. Er freue sich, daß Gelegenheit gegeben sei, Polen und Elsaß- Lothringen wieder herzustellen. Die Deutschland aufer- <egten Kriegskosten seien keineswegs gegen das Recht rersioßend, überhaupt seien alle Bestimmungen des Der- irages nur „gerecht". Wenn Deutschland zugebe, daß eHurch den Krieg geläutert (!) sei, und einsehe, daß seine Politik in den letzten 150 Jahren ein großer Irrtum sei, stehe seiner Ausnahme in den Völkerbund nichts im Wege. (Wie gnädig!)

Die Regierung für General Hoffmann.

Die dem General Hoffmann zugeschriebene Presse- Veröffentlichung, er werde auch gegen den Befehl der Regierung die Grenze mit bewaffneter Hand verteidi­gen, ist, wie vom Kriegsministerium mitgeteilt wird, tatsächlich von ihm nicht ausgegangen. General Hoff­mann hat persönlich, wie viele andere und im Isnnern gewiß alle Offiziere, gegen die Schmachbedingungen protestiert und hat zum Ausdruck gebracht, daß er bei Auslieferung des Kaisers nicht weiterdienen könne. Nachdem die durch die Annahme des Friedens geschaf­fene Lage bei den Truppen bekannt geworden war, hat General Hoffmann ausdrücklich gemeldet, daß er den Beiehlen seiner Vorgesetzten gehorsam bleibe, nur die Bitt; hinzugefügt, ihn von seinem Posten zu entheben, falls sein Grenzabschnitt geräumt werden müsse. Den Truppen war vom Oberkommando Süd im Anschluß I'ieran besonders eingeschärft worden, daß sie den Räu- Mungsbesehlen der Negierung zu folgen haben werden.

Diese Aufklärung entzieht den zahlreichen Presse- angrisfen gegen General Hoffmann den Boden. Die Regierung hat keinen Anlaß, einen tatkräftigen und gehorsamen Führer kurz vor dem Abschluß der ihm gestellten Aufgaben zu e n tl a s s e n. In der augen­blicklichen Lage kann niemand unseren Offizieren den Ausdruck ihres bitteren Schmerzes verargen. Diesen Empfindungen trägt auch die Regierung volle Rech­nung, solange Ordnung und Gehorsam gewahrt blei­ben. Das ist tatsächlich bis heute unverändert der Kall getvesen und gereicht den Offizieren und Truppen Zum hohen Lobe.

150 Millionen für unsere heimkehrenden Kriegsgefangenen.

wtb Berlin, 4. Juli. Um den Kriegsge­fangenen, die so Schweres erduldet haben, bei ihrem Uebertritt in das bürgerliche Leben eine Hilfe zu leisten, hat sich die Reichsregierung aus eigener Entschließung bereit gefunden, 150 Mil­lionen Mar! zur Verfügung zu stellen. Diesen Be­irag erhält die Kriegsgesangenenheimkehr, eine sich über ganz Deutschland bis in die kleinsten Orte er­streckende Organisation, als Reichszuscbutz zu ihren eigenen, durch Sammeltätigkeit aufgebrachten Mit­teln, mtt sie in zweckmäßiger Weise hilfsbedürftigen Heimkehr enden Kriegsgefangenen nutzbar zu machen, insbesondere durch Beschaffung von Arbeitskleldung und Arbeitsgerät.

Der Papst über Missionen und BloSade.

Rom, 4. Juli. Gelegentlich eines K o n s i st'o- r i u m s hielt der Papst eine Ansprache, in welcher er, nachdem er den Patriarchen von Antiochia gerühmt hatte, sagte: Das Schicksal der Missionen und zahlreiche andere Angelegenheiten, welche die Kirche und die ganze Christenheit betreffen, haben ums in der letzten Zeit große Besorgnisie gebracht. Aber wir dersuchten zu erzielen, daß auf der Friedenskonferenz w Paris Entscheidungen getroffen werden, welche die Rechte der Glaubensverkündigung des Evangeliums wcht gefährden. Wir wandten uns an die Mitglieder der Friedenskonferenz und haben diese gebeten, diesen

tm

Olgas Irrtum.

_ Frau von Jiffem empfing Olga in fast feierlicher 'Stimmung. „Er ist noch nicht erschienen, wie Sre sehen. Ex wird doch nicht wortbrüchig werden! In- desien — wir warten nicht und trinken. Die Männer geben ohnedies nicht viel um der Frauen Getränk —■

ist einer von der schlimmsten Sorte! Bitte, Kind, 'ch habe Ihnen Ihren Platz am Fenster zugewiesen. Schauen Sie fleißig in den Garten hinunter, denn ^urch die Gittertüre wird er kommen. Er braucht dann nur die Terrasse zu passieren und gelangt zu meinen Zimmern. Wollen Sie nun aufgießen, .Olga? ^as Wasser kocht."

Bald erfüllte der aromatische Duft den behaglichen Raiiui/

-Sind Sie nicht neugierig auf den Erwarteten?" 'wgte die Dame unvermittelt.

_ Er ist mir kein Fremder, seitdem ich sehe, wie sehr die ihn ins Herz geschlossen."

-Ha", versetzte sie mit Wärme, „er ist ein edler ™eiif(6. Denken Sie daran, wenn Sie ihn sehen."

-Und nun, mein Kind, schauen Sie einmal durch's Fenster. Dort kommt mein Neffe!" Forschend ruhte 'hr Blizx 0^ Dkga die sich schnell umgewandt hatte und ^nvlickw. Ihr Auge suchte die Gittertüre und — sah

von Seiten! Mit einem leisen Schrei sprang sie empor, stammende Nöre übergoß Gesicht und Nacken, ^"d i6te Brust hob und senkte sich tn atemlosem Nin-

auch Frau von Jissem tvar aufgesprungen.

-Also doch!" murmelte sie und faltete die Hände

_r der Brust. „Nun muß alles klar werden!" Tar-

eilte sie mit fast jugendlicher Leichtigkeit dem An- ewmcnden entgegen.

Mit bebender Hand uinklammerte Olga die Lehne , ^baiselongue. Sie war vom Fenster hinweggetre- j .e!t .und raffte sich mit fast übermenschlicher Selüstbe- i Jetr!c'’iung empor. Vor der Türe hörte sie sprechen, ,.‘e Stinte bewegte sich. „Herr des Himmels!" betete te' "e’6 mir die Kraft, stehe mir bei, dieses letzte zu

Punkten ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Wir sandten einen vorzüglichen Prälaten der Kurie zur Verteidigung dieser Rechte nach Paris und freuen uns, mitteilen zu können, daß die Delegierten in Paris diese Rechte der Kirche vorurteilslos prüften und b i l l ig t e n. Wir wagen zu hoffen, daß jene Persönlichkeiten den großen Gerechtigkeitssinn zeigen werden bei der Durchfüh­rung des Vereinbarten. Es Handelt sich nicht nur um die Interessen der kaiholischen Religion, sondern der ganzem Menschheit. Und jetzt, wo die Feindselig­keiten eingestellt sind, beten wir und hegen wir den Wunsch, daß jetzt auch die Blockade, durch welche so viele Unglückliche die größten Entbehrungen und Hunger erleiden, aufgehoben wird, daß die G e- fangenen zurückgeführt werden und Friede und Eintracht zwischen den Völkern Platz greife.

Unruhen in Italien.

Die Lebensmittelunruhen in Mittel- und Söditalien haben einen immer größeren Umfang angenommen. In F o r l i hat sich ein Arbeiterrat gebildet und sämt­liche Lebensmittelvorräte der Stadt beschlagnahmt. In Imola, Faenza, Forlimpopoli, Ancor-" “*•“ •

zwangen die Volksmengen den Berkaus der Waren zu einem um 50 Prozent ermäßigten Preise. Ernste Teuerungsunruhen werden auch aus Torre und bei Neapel gemeldet. — In Genua sind 5000 Metallar­beiter in den Streik getreten.

wtb Bern, 4. Juli. (Tel.) Nach der Aufhebung der Zensur kann heute der „Avanti" mitteilen, daß bei den vor drei Wochen in Spezia stattgehabten Un­ruhen die Marinetruppen sich weigerten, die Schiffe zu verlassen. Auch die Artillerie ver­brüderte sich mit der Menge. Die aufgebotene Infan­terie säuberte das Werft. In Ravenna wurden die Läden gestürmt und geplündert; in Imola, wo es 7 Tote gab, wurde auf dem Dom die rote Flagge ge­hißt.

* Bern, 4. Juli. Laut Avanti erklärte d'Aragena, der Generalsekretär des italienischen Gewerkschafts­bundes, Italien befinde sich nach dem Kriege in Verhältnissen, die zum Bankerott führen müßten. Das Volk sei von einer revolutionären Be­wegung ergriffen und die Lage so ernst, daß Nachrichten die aus Italien stammten, und von einer revolutionären Bewegung und blutigen Er­eignissen sprechen könnten, nicht überraschen dürften.

Der Berkehrsstreik in Berlin.

Im Berliner Straßenbahner streik will der Vollzugsrat vermitteln. Die Büroangestellten der Stra­ßenbahn haben unabhängig davon beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Es scheint, als ob auch sonst die besonnenen Elemente unter den Berliner Straßenbahnern sich allmählich bemühten, einen Abbau des Streiks vor­zubereiten. In den einzelnen Bahnhöfen haben sich be­reits viele ältere Straßenbahner gemeldet und sich zpr Wiederaufnahme der Arbeit bereit erklärt.

Um dem Verkehrsbedürfnis abzuhelfen, haben Lis Mi­litärbehörden alle verfügbaren Militärwagen in Be­trieb gestellt, die die Fahrgäste für mäßige Preise beför­dern. An mehreren Stellen in den Außenbezirken kam es gestern wieder zu Angriffen auf die Wagen, einige wurden umgestürzt und die Pferde verletzt.

Wenn auch die Eisenbahner in Berlin Die Ar­beit bis auf vereinzelte Ausnahmen wieder ausgenommen haben, kann der Verkehr immer noch nur notdürftig auf­recht erhalten werden, da es an Lokomotiven fehlt. Für die Wiederaustrahme des Stadt- und Ringbahnverkehrs besteht keine Aussicht. Die Folgen des Streiks werden noch auf lange Zeit hinaus zu spüren sein, vor allen Dingen auf den Gebieten der Kohlen- und Lebens­mittelversorgung. Tatsache ist, daß alle nach Berlin führenden Strecken zur Zeit irU L-bensmittr'züzen und Kohlentransporten vollgestopft sind, sodaß die N a h- r u n g s m i 11 c ( bei der schwülen Witterung vielfach verderben. Don den Eisenbahnern ist das Ansuchen gestellt worden, die Streiktage zu bezahlen. Ts besteht schon seit längerer Zeit eine Verfügung, daß Löhne für Streiktage nicht mehr ausgezahlt wer­den, und diese Berfügmrg wird streng durchgehalten wer­den. Eine Auszahlung der Löhne tarne einer Unter­stützung der Streikenden gleich.

Emonts geflüchtet.

vtb Berlin, 5. Juli. (Tel.) Der Führer der Bankbeamten, EMonts, der wegen bolschewistischer Propaganda verhaftet, geftem aber zu den Verband- Inn ren zwilchen den Bankangestellten nnb den Bonk-

überwinden. Hilf mir, Herr — meine Kraft ist zu Ende--hilf--"

»Und hier, mein Junge, siehst Tu schon gleich meine junge Freundin. Nur heißt sie nicht, wie ich schrieb, Elli, sondern", und hier öffnete sich die Türe weit, „Olga!"

Ter Mann, der über die Sdjtocne trat, prallte zu- rück. Das Lächeln auf seinen Ltppcn erstarrte. Dann, als habe er sein Verhängnis geschaut, Ivandte er sich jäh und wollte davon. Frau von Jissem, die hinter ihm stand, fing ihn auf.

„Nun, Junge, Du wirft doch Deine alte Tante nicbt umwersen wollen. Warum fliehst Tu denn? So häßlich ist sie", ein Blick nach Olga, „doch nicht. Komm sieh Dir sie einmal genauer an", und sie schob ihn in das Zimmer. Sie selber verschwand in dem angren. zenden Raum.

Dettcn war in seiner furchtbaren Erregung -nm- Fenster getreten und starrte wortlos hinaus. Tiefe, beängstigende Stille herrschte in dem Gemache. Man hätte das Klopfen b-efer beiden stürmischen Herzen ver. negtnen können. Als Detten nach einer Weile sich in las Zimmer zurückwandte, sah er Olga auf der Chaise­longue sitzen, den Arm auf die Lehne gestützt, die Augen mit der Hand bedeckend.

„Ich möchte Ihnen sagen", begann er mit tiefer, heiserer Stimme, „daß dies Wiedersehen ohne mein Zutun erfolgte, und daß es niemand tiefer bedauern kann, als ich."

„Dasselbe sage ich Ihnen!" Sie war emporgeschnellt und schritt hastig zum Kamin hinüber. Detten stand unbetoeglich auf derselben Stelle.

„Meiner Versicherung bedarf es wohl nicht", be­gann et von neuem, „daß ich diesem ungewünschten Zusammentreffen, sobald es die Pflicht der Höflichkeit gestattet, entgehen werde."

„Ich wünsche das und bäte um tunlichste Beschleu­nigung." Wiederum Stille.

Seine Micke hafteten am Boden und entdeckten unter dem Stuhle, worauf Olga gesessen, ein Papier- stück. Er bückte sich danach, es aufzuheben, und las

leitungen beurlaubt wurde, ist geflüchtet. Wie nertauiet, soll ihm nachmittags ein Zettel zugesteckt werben fein mit der Mitteilung, daß die englische Vesatzungsbehörde im Rheinland seine Auslieferung verlangte, weil er unter den englischen Trnppenbolschew'stischeJbeen verbreiten heg.

Die Annchen.

Die Unruhen in Dortmund mit Plünderungen und Verlvüstungen haben sich wiederholt. Jetzt ist der verschärfte Belagerungszustand verhängt worden. Trup­pen schritten ein, sie mußten mehrsach von der Waffe Gebrauch machen. Tie Zahl der Verhafteten ist groß. Bei den Unruhen handelt es sich um einen überlegten bis ins einzelne vorbereiteten Plan, an dem zum größten Teile auswärtige Elemente beteiligt sind. Bezeichnend ist der Umstand, baß die aus den Laden­geschäften geraubten Waren zum größten Teile, wohl bis zu 90 Prozent, von der Polizei wieder herbeige­schafft werden formten. Die Waren wurden haupt­sächlich in Wohnungen von Polen und russischen Polen vorgefunden. Fast alle Geschäftsleute halten ihre Lä­den geschlossen. Eine große Anzahl hat nur u-enig oder gar keine Ware. Auch die Märkte blieben leer. Im allgemeinen werden Tage vergehen, ehe die Bevölkerung wieder auf ausreichende Versorgung rech­nen kann. — In Essen haben die auf dem Wocken- marfte entstandenen Unruhen ein verhältnismäßig schnelles Ende gefunden, wie sich Essen überhauvt schon bei den bisherigen Unruhen als eine verhältnismäßig ruhige und vernünftige Stadt erwiesen hat. Die städti­schen Schutzmannschaften konnten allein die Ordnung wiederherstellen und der Straßenbahnverkehr wurde bald wieder ausgenommen. Außer einigen umgestürz- ien und geplünderten Obst- und Gemüseverkaufsständcn sind keine Verluste zu beilagen.

Wühlereien sn München.

Ein neuer Umsturz wird in den Versammlungen der Unabhängigen und Kommunisten in München ange­kündigt und den Führern der Mehrh-itssoziali't-n blutige Rache für die Mnovfer geschworen. In der ®es neralberfcnrmlung des Metallarbeiterverbandes, früher die festeste Organisation der Mehrheitler, ist die unab­hängig-kommunistische Liste bei der Neuwahl durchgc- gangen. Die kommunistischen Wühlereien für den ge­planten neuen Umsturz werden jetzt besonders unter den Eisenbahnern betrieben.

* Hindenburg in Hannover. Hindenburg ist in Hannover angekommen. Er wurde von den Ver­tretern der Sradt begrüßt. Von größeren Feierlich­keiten wird auf seinen Wunsch abgesehen. Als Hinden- bürg aus dem Babnhof traf, um brauste ihn eine Be­geisterung, wie man sie kaum uoch erlebt hatte. Vor dem Bahnhofe standen studentische Verbindungen in Wichs, 'n den Straßen bildeten die Schüler der Bolkssch"!-1 und der höheren Lehranstalten Spalier. In der Nähe der Wohnung des General-Feldmar­schalls hatten ein Bataillon des Reichswehr-Jnfan- terie-Regimemes Nr. 19 und eine Ulaneu-Eskadron Aufstellung genommen. Gegen 1 Uhr mittags brachte vir Studentenschaft der Tierärztlichen und der Tech­nischen Hochschule dem Feldmarschall eine besondere Huldigung bar.

* Die Akkordarbeit. Eine Anzahl Düsseldorfer industrieller Großbetriebe hat die Arbeiterschaft vor die Entscheidung gestellt, sich entweder mit der Wie- derrinstellung der Akkordarbeit etnberftanben zu er­klären ober stärkere Bekriebseinstellungen, Kündi- gungen und Lohnkürzungen hinzunehmen.

Schwarzrotgold.

. ,'Fch bin ein Deutscher! Kennt Ihre meine Farben? Die Fahne weht mir schwarzrotgold voran!" So kön­nen wir singen, nachdem in der Nationalversammlung am Donnerstag die Entscheidung in der Farbenfrage gefallen ist.

Allerdings paßt der Vers nicht für die Insassen der Handelsschiffe. Auf denen soll die schwarzweiß- rote Flagge weiter wehen, nur versehen mit einem schwarzrotgoldenen Feld in der linken oberen Ecke. Die Sache ist nämlich auf dem Wege des Kompro­misses geregelt worden, wie das jetzt so üblich ist. Es war weder für Schwarzrotgold noch für Sckiworzweiß- rot als alleinige Reichsflagge eine Mehrheit vorhan­den. So einigte man sich auf das Zentrumskompro­miß, das die bisherige Flagge außer Landes, im Handel nämlich, beibehält und die neue Flagge zu

den Namen Stürmers darauf. Ohne es zu berühren, richtete er sich wieder empor und seine Stimme klang hart und.spöttisch, als er sagte:

„Ihre Geheimnisse fdietnen nicht diskreter Natur zu fein. Ta liegt ein Brief Ihres Herrn Kollegen am Boden."

„Sie wollen fegen", und ihre Augen richteten sich eisig feit auf ihn, „meine Geheimnisse sind nicht sol­cher Natur, daß ich bestrebt wäre, sie zu verbergen."

„Was Ihre Geheinrnisie anbetrifft —", sekunden­lange Pause, er trotzte ihrem Blick, „die spielen sich vor größeren: Publikum auf der Landstraße ab. Ich hätte indessen nicht gedacht, daß Sie solcher Art be­strebt wären, die Oeffentlicb'mt auf sich zu -stehen."

„Ich sagte Ihnen ja schon, — die brauche ich nicht zu furchten!"

„Aus dieser Rechtfertigung höre ich eine Anklage gegen mich. Von ollem, was ich indessen in meinem ganzen Sehen getan und gedacht, bin ich nur eines bestrebt vor der Welt zu verbergen — dein Mißgriff meiner Wahl!"

„Sie besitzen eben biet Aplomb!"

„Und Sie — kein Herz!"

„Dies zu beurteilen, dürfte Ihnen am wenigsten zu stehen."

„Tas steht mir am ehesten zu! Ich zahlte Lehr­geld, Sie gaben gratis die Lehre."

„Denn Sie mfasngen, zu behaupten, ist es das Raffarnfie — man schweigt."

„Darin sind Sie groß, Sie schweigen sich sogar über das zweite Opfer Ihrer sonderbaren Gefühle aus."

„Ich setzte bei Ihnen dieselben Gefühle voraus, die ich Ihnen gegenüber wahrte. Mich stört Ihr Schweigen nicht. Ich lasse Sie im ungestörten Besitze Ihres Geheimnisses."

„Tas ist es ja, was mich um alle mühsam errungene Fassung bringt!" rief er erregt. „Fragern Sie, ur­teilen Sie, sprechen Sie, verzeihen Sie ober verdam­men Sie —- — nur dieses verachtende Hinweggehen

Lande, im Reich und auf unseren Gesandtschafts- und Konsulatsgebäuden vorsieht. So hat jeder Teil etwas abbekommen. Die i eurer für Gold haben „grundsätzlich" ihren Willen durchgesetzt, und bte Freunbe von Weiß haben bte alte Farbensymphome wenigstens für den Verkehr auf den Meeren und in den ausländischen Häfen gerettet.

Es geht auch so, sagte s. Z. der alte Praktikus Meyer-Ärnswalde. Das deutsche Volk hat augen­blicklich viel ernstere Sorgen, nämlich um das Le­ben der Nation, so daß es sich um die Farben der nationalen Weste nicht sonderlich aufregt.

Der parteipolitische Charakter der Sache wurde bestritten. Doch wurde die Farbenänderung von den­jenigen betrieben, die durchaus die Verbindungen mit dem „alten Regiment" und womöglich auch die Er­innerungen beseitigen wollen. Es war als Nachtrag zur Revolution gedacht. Von dieser Seite ist es schon ein gewichtiges Zugeständnis, daß man den Handels­schiffen die "alten Flaggenfarben beläßt. Dabet ha- offenbar neben dem Umstand, daß Schwarzrotgolo auf See nicht gut kenntlich ist, die Erwägung den Ausschlag gegeben, daß Deutschland fein Ansehen irr Weltverkehr und seine Interessen auf dem Weltmärkte besser wieder sichern kann, wenn im Auslande die­selbe Fahne wieder erscheint, bte überall bekannt und geschätzt war. '

Eine gewisse hochpolitische Bedeutung hat bte Sache insofern, als wir mit ben Farben schwarz-weiß- golb an die großbeutsche Ueberlieferung wieder anknüpfen. Das bisherige Deutsche Reich war ein Erzeugnis der fogn. kleindeutfchen Politik, die unter Verzicht auf die deutschen Teile in Oesterreich die üb­rigen deutschen Staaten in eine umso festere Eintracht bringen wollte. Da die habsburgische Monarchie in Trümmer gegangen ist, können wir den Deutsch- Oesterreichern die Tore des nationalen Reicys öffnen. Nur das Machteebot der eiferfüchügen Sieger ver­wehrt ihnen vorläufig noch den Eintritt. Wenn dieses äußerliche Hemmnis überwunden sein wird, kommen wir zur Verwirklichung der alten großdeutschen Idee, und dafür paßt die jetzt beschlossene Farbenzusammeu- stellung besser, als das Schwarzweißrot.

In diesem Sinne, als Einladung und Vorzeichen für die Sammlung aller deutschen Staaten und Stäm­me, läßt sich der neuen Fahne eine sympathische Seih’ abgewffmen. _ ,

Wird nun der symbolische Wert des Farbenwech sels die wirtschaftlichen Schwierigkeiten aufwiegen? Die Beschaffung von neuen Fahnen, Wappen usw. ist leicht beschlossen, aber nur mit Lasten und Kosten buränuführen. Woher soll in unserer stoffarmen Zn! die Masse von Goldsarbc kommen und der gelbe Zeug- stoss, da es goldenes Fahnentuch nicht gibt? Die Behörden können die Kosten aus den öffentlichen Sa* seu nehmen, obschon diese zur Zeit von wichtigen Be­dürfnissen schon übermäßig in Anspruch genommen werben. Die Steuerzahler aber haben mit der Deckung ihres Tagesbedarfs und mit her Beschaffung der alten und de- drohenden neuen Abgaben so mc! zu tun, daß sie mit der Anschaffung neuer Fahnen sich nicht beeilen können. So werden wir in abseh­barer Zeit bei festlichen Anlässen doch die schwarz- weißroten Fahnen wieder in den Straßen wehen sehen. Das schadet auch nicht. Wenn wir nur bald wieder Anlaß hätten, die Freubensohnen her­auszustecken. Vorläufig sieht es nicht danach aus.

Die Farbe macht es nicht, sondern die Gesin­nung. Der äußere Zierrat hat nur Wert, wem: die innere Kraft ihm entspricht. Wenn schon das Gold in die Fabnen muß, so möge es das Gold der Treue fein und das Symbol des Arbeits­fleißes, der allein unfern Mangel an Metallgold wieder heben kann. _________________

Dtutsche NKLionarversarnmiirna.

Im weiteren Verlauf der Sitzung vom Donnerstag entfpcmn üch zum Artikel 17 eine Debatte über einen An­trag der Deutschen Votkspartei. der eine Streichung des Erfordernisses der republikanischen V erfas- tu na der Einzelstaaten sordert. Die Rechte wandte sich durch" den Aba. 8-thl ID. Vptd daoeoen daß ,edes Land eine republikanische Verfassung haben solle, man mus mit dem Auskommen von monarchischen Bewegungen, die eine oeschMliche Notwendigkeit darstellen konnten.

über den Kern der Sache geben Sie auf! Es märte11 mich!" „

„Sie vergessen", unter dem Blick ihrer Augen habe dem irarmhlütigftcn Menschen das Frösteln ankomme - können, „daß dieses ohne Interesse für mich ist. Wir sind zu Ende, Herr von D-tien!"

Seine finsteren Backen ruhten auf ihr.

„Wissen Sie auch", stieß er heiser hervor, „daß Sie einen Mann zum Rakbn bringen können!

Da bewegte sich die Portiere. Frau von Jissem trat ernst, fast zürnend ein.

„Das geht zu Iveit!" ref sie, „das ist töricht, kin- ■ bisch, unverzeihlich' Merkt Ihr denn gar nicht, Ihr großen, trotzigen Kinder, daß hier ein Irrtum waltet — walten muß ein unseliger Irrtum —?"

„Gib Dir keine Mühe!" fiel ihr Detten bitter und zornig ins Wort, „Du überzeugst sie nicht, nnd spra­chest Du mit einer Legion Engels-üinoen! Mache Dir die Situation klar, Tante! Ich will sie zum Parabrew führen, wir stehen auf der Schwelle — da strauch.it sie über den goldenen Sonnenstrahl — nimmt Anstoß, fliefit, klieht ohne Worte, ohne Gruß, verbirot sich in: einsamsten Winkel, als hab- ich ihr das Brandm^' der Schar-d- artfgebrägt. Und welches ist meine Schuld ? — — Ein einziges schuldloses Verschweigen! lind daraufhin nimmt sie Veranlassung, mich ?« fliehen, demütigen, zu hassen, zu verabscheuen. Pfui di-scr

Prüderie!"

„San, mich reden. Fritz —"

„E? ist unnütz, Tante. Ich Habe längst Verzicht:!, ich erbebe keinen AnsvinS mehr auf ein Wesen, da? solch- Grillen kultiviert. Eine Frau mit solchen Pha.i- tasnnn — ich danke!"

Er griff nach feinem Hute Frau von Jiffem hti'h ihn eneroisch zurück.

„Nun schweigst Du, Junge. So lasse ich mir meine stolze Olga nicht beleidigen. Tn weißt nicht, wie sehr Du fehlst. Sie ist die Ed-lsf-, die Reinste, — so gnt Tu bist — Tw verdienst sie nicht! Erwirb sie Dir anstatt hier tote unsinnig zu toben.“

(Fortsetzung folgt.)