Tfr 137 I Vetcmttooriltd) für den ttialhoneUta teil: Kart Schutte. Hl. | für die Anzeigen: I. Parzellrr, Fulda. — Rotationsdruck.
[en ist noch einiger«
m gestrigen Sonn
Man mutz ter Verkehr hier wieder als Draht-
Zweifellos stehen mich rmadh ä ugige und spartakijtische Elemente ziehet im Hintergründe.
tag iiwr eS fast überall möglich, im Rahmen des gegen ivärtigen Fahrplans die Fernzüge abzulaffen. Aller!>ingS verzögeite sich die Abfahrt mitunter bis zu eilet Stunde. Ter Streikerlaß der Reichswehr luinisterS wurde am Sonntag abend aufge- yoöei i.
Breslau und Görlitz wurde der Eisen-* bahncürstreik beendet.
Strabenbahnerstreik in Sicht»
F tr Berlin droht ein neuer Streik. Die Straßen- bahne mgestellteu haben Reue Forderungen ausgestellt, Non t lenen die wichtigste neben einer Lohnerhöhung
Tie inneren Unruhen.
In Hamburg sind die NegierungStnwvrn, nachdem »ji'ue Bürgschaften für die Aufrechterhaltung der
* Uebergriffe der Polen. Da die Polen andauernd fortfahren, deutsche Männer und neuerdings auch Frauen zu internieren, ist von deutscher Seite ein energischer Protest unter Drohung mit Gegenmaßnahmen an General Dupont gerichtet worden.
Die französischen Verluste im Weltkriege, die jetzt erst bekanntgegeben werden, betragen: 1 285 000 Tote und Vermißte und 2 560 000 Verwundete. Dazu kam- men 76 000 Tote unter den Kolomaltruppen.
Me französischen llrbergriffe im Druckenkops kehl scheinen sich fortzusetzen. Die Franzosen hatten drei richterliche Beamte in Kehl verhaften lassen, die die Verhaftung des Hochverräters Hompa in Legelshorst betrieben. Es sollen neuerdings zwei Gendarmen in Kork ebenfalls von den Franzosen festgenommen worden fein. Offenbar besteht die Absicht, den Treibereien der hochverräterischen Kreise im Kehler Brückenkops dadurch freie Bahn zu schaffen, daß das vom ganzen deutschen Volk geforderte Vorgehen gegen die Hochverräter durch Verhaftung der damit beauftragten Justizpersonen lahmgelegt wird. Die Entrüstung über das völkerrechtswidrige Verhalten der Franzosen ist allgemein.
Die aus Elsatz-Lolhringen ausgewirsenea Deutschen die sich ins Saargebiet begeben hoben, müssen auch die ses Gebiet bei sonstiger Stellung vor ein Kriegsgericht dis 30. Juni verlassen haben.
Der »reik der Aushilfskräfte beim Postscheckamt, beim Postteitungsamt und bei den Fernsprechämtern in Berlin ist beendet. Die Aushilfskräfte nehmen den Dienst wieder auf, ohne daß ihre Forderungen bewilligt wurden.
Verlängerung der Arbeitszeit trotz 7 Stundenschicht. Aus dem westfälischen Bergbaugebiet wird berichtet, daß von den Arbeitern, die nach Einführung der 7 Stunden schicht in reichem Maße zur Verfügung stehende freie Zeit von den Bergleuten durch Nebenarbeit gewinnbringend ausgenutzt wird. Das hat in der letzten Zeit derart um sich gegriffen, daß die in ihrem Erwerb dadurch schwer geschädigten Arbeiter der anderen Berufe ernstlich sich dagegen zu mehren beginnen. Sn der sozialdemokratischen „Wests. Allg. Volksztg." richten Bauarbeiter an die Berg- , leiste folgenden Klagebrief: „Wir Bauarbeiter wenden uns an euer Ehrgefühl. Könnt ihr dulden, daß Leute Tag für Tag eine Schicht auf bet Zeche arbeiten und daneben 7—8 Stunden im Baugewerbe? 5ft euer Beruf, den doch die Negierung auch als den der Schwerstarbeiter bezeichnet, so leicht, daß ihr täglich 2 Schichten verfahren könnt? Ihr nehmt den Maurern und Erdarbeitern die Arbeit weg, während Taufende in unserem Berufe arbeitslos sind. Seid ihr Bergarbeiter noch Menschen? Rafft euch auf und übt Solidarität!" Der „Bochumer Anzeiger" brachte eine Mitteilung „aus Gewerkschaftskreisen", in der es heißt: In einer Gemeinde südlich der Stadt Bochum werden größere Straßenbauten und Kanalisierungsarbeiten oorgenommen. Diese Arbeiten werden zum größten Teil von Bergarbeitern neben der Schicht zu einem Stundenlohn von 1,80 Mk. verrichtet. Es wird sogar von den Bergleuten angestrebt, zu erreichen, daß die Morgen- und Mittagsschicht verlegt wird, und zwar in die Zeit von morgens 5—12 Uhr und von nachmittags 3—10 Uhr, damit der halbe Tag bester mit Nebenarbeiten ausgenuhi werden könne. Auf diese Weise wird nicht nur die fo bitter notwendige Förderung der Kohle empfindlich beeinträchtigt, sondern auch die Arbeitslosigkeit in vielen Gewerben zu einem dauernden Zustand gemacht. Wir haben in allen Städten des Industriegebiets Taufende von arbeitsfähigen Erwerbslosen, die von den Stadtverwaltungen mit großen Kosten durchgefüttert werden müssen. Bor allen ihnen wird durch die Nebenarbeit der Bergleute die Möglichkeit geraubt, durch eigener Hände Arbeit ihr Brot zu verdienen.
* „U. Z 21" in Dänemark interniert. In Güte- Bora ist der deutsche U-Bootjäzer „II. Z. 21" ein getroffen. Das Fahrzeug, das unter dem Befehl des Kapitän? v. RuchteschelS steht, hat eine Besatzung von 15 Mann. Der Kapitän soll erftärt haben, daß er Kiel in aller Heimlichkeit verkästen bade, daß ihm die Zustande in Deutschland unerträglich seien. Sieben Mann der Besatzung sollen beabsichtigen, wieder vast Kiel rurnckzukehren.
Hebet Loli-Abschlüsse m!l dem feindlichen Ausland machte in der Gewerkenversammlung der Gewerkschaft Rothenburg der Vorsitzende, Berawerksbefitzer Sauer, bemerkenswerte Mitteilungen. Danach bat England mit uns für 30 Millionen. Mark Kal! abgeschlossen, und neuerdings liegen aus Amerika Depeschen vor, wonach die amerikanischen Händler mit uns in Verbindung treten wollen. Der erste Posten, der daraufhin heute abgeschlossen werden würde, hat einen Wert von eirot 10 Millionen Mark.
D'r bekannte englische Liberale Lee-Smilh ist au. der liberalen Partei ausgetreten, um sich der Arbeiter-
bängte Haden sich in aufrichtiger Welse bemüht, einen Um schwung in der Stimmung hervorzurufen. In der Beamtenschaft scheint nach dem heutigen Stand der Dinge der weitaus größte Teil die Heizung zu haben,, der Parole der Organisationen zur unmittelbaren Wiederaufnahme der Arbeit Folge zu leisten Die.'g aliung der Arbeiter bagege maßkm unklar und schwankend. A
eine nochmalige WirtschaftSbeiiage von 700 Mark ist. Nach dem bisherigen Verhandlungs'rgebnts erscheint es fast f iuber, daß es am Dienstag zum Streik kommen wird. Auch d:e Angestellten der Hoch- uvb J1 n 11 r. g t u i.t bb a § u e n schloffen sich ihnen an. also l am't rechnen, daß von Dienstag ab lutebe t still:egt. Zweifellos stehen auch
/ Mit der Unterzeichnung des Friedens ist der Frieden noch nicht geschlossen. Dazu bedarf e« erst let Inkraftsetzung durch die kriegführenden Staaten.
einer Note, die Clemenceau an die deutsche Frie- lenibelegatio« gerichtet hat, wird dem deutschen Anlage zugestimmt, daß nach der Unterzeichnung Ver- andlungen bezüglich bei Abkommens über die lheinlande uns der Regelung anderer Fragen ngeknüpft werden. Hoffentlich wird auch die Frage erRück.endung der deutschen Kriegsgefangenen itibalb in Angriff genommen werden. Der Ge« anbte von Hantel richtete eine Note an Clemenceau, Darin er um baldige Erklärung darüber bittet, wann und wo und in welcher Zusammensetzung der Zusammentritt der Kommissionen zur Heimbeförde- mng der Gefangenen in Aussicht genommen ist.
Die Delegierten Chinas nahmen an der Sitzung der Friedensunterzeichnung teil, unterschrieben den Friedensvertrag aber nicht, weil die Konferenz die Vorbehalte China» in Bezug auf die Schantungfrage nicht berücksichtigt hatte.
Der Zugang zum Frieden.
Diesen Ausdruck hat Papst Leo XIII. geprägt, als es sich um die Beilegung des preußischen Kulturkampfes handelte. Er sah in dem ersten Vertrag zwischen Staat und Kirche nicht schon die Vollendung des Friedenswerkes, sondern die Anbahnung.
Auf das, was am Samstag in Versailles unterzeichnet worden ist, trifft eine solche Unterscheidung erst recht zu. Die Welt ist, nicht in den hellen, frischen, freien Wlkersriedcn einMreten, sondern in einen engen dumpfen Korridor genötigt worben, der vielleicht «och zum Frieden führen tarnt.
Die drei Männer, die durch das Waffenglück zu zeitweiligen Herren der Welt geworden waren, hätten dieMacht gehabt, der Menschheit alsbald einen richtigen, soliden Friedenszustand zu bescheren. Das wäre auch ihre Pflicht gewesen, vor allem bte- Ehren» ebcs früher so beredten Friedenspredigers Wilson.
in ihrem Siegesrausch fabrizierten sie einen „Der trag", der aller Gerechtigkeit und Versöhnlichkeit Hohn spricht und das Zeichen der Unhaltbarkeft an seiner breiten Stirn trägt.
Die einzige „gute Sette", die man an dem Frie- bensoertrage entdecken kann, ist die Einstellung der blusigen Kämpfe. Auch das ist nur erreicht worden durch bie Nachgieoigkeit von deutscher Seite. Angesichts der ttaufamen Zumutungen hätten wir mit Fug und Recht die Unterzeichnung ablehnen können. Wir haben es nicht getan, wett rott die Erneuerung des Blut- und yungerkrieges verhüten wollten. Dieses Opfer war zunächst durch die verzweifelte Lage unseres zermürbten Mterlandes geboten, aber wir haben damit der ganzen Welt, auch den feindlichen Völkern, einen großen Dienst vwiesen. Denn durch unsere Nachgiebigkeit ist die Möglichkeit gerettet, daß dir Menschheit aus diesem vtadium des falschen Friedens sich zu einem wirk- buten Frieden der DölkenMfföhmmg durchringt.
Unsere Vertreter haben den Zugang zum Welt- stieden beschritten, obschon sie ihre Häupter sehr tief Augen mußten. Das deutsche Volk wird in diesem Korridor den Weg zum Siete weiter suchen, obschon bte feindlichen Machthaber eine Unmasse von Steinen •*» Anstoßes angehäuft haben. Wir müssen uns durchwinden, so schlecht es auch gehen mag. Don un- fner Erduld und Ausdauer hängt es ab, ob der Der» Nichtungsptan zur Durchführung gelangt oder der Welt- Kieden schließlich doch erreicht trsird.
Wer da gehofft hatte, daß der Volkswirte ht den Meten Staaten den Gewalt- und Raubfrieden schon seiner Geburt ersticken würde, sieht sich leider ent- huscht. Ein wirksamer Widerstand gegen die Misse- «rt der Machthaber ist noch nicht zu Tage getreten. Die Beibenfrhaften, die Vorurteile und der kurzsichtige Ei- Annutz beherrschen noch das Feld. Die Ernüchterung ” freilich zu erwarten, da die Menschen doch auch heutzutage noch zu den Wesen gehören, die mit Vernunft be- Abt sind. Aber die Genesung vom Kriegs- und Sie- Aswahnsinn erfordert Zeit, und die Last dieser Ge» -uldprobe füllt mit voller Wucht auf unsere Schultern, 6q wir die Bedingungen des vorläufigen „Friedens" iu erfüllen haben, fo lange er bestehen bleibt.
Gerade weil wir auf eine Wendung zum Bessern Wen, müssen wir jede Störung, jeden Zwist und nach Möglichkeit auch jeden Zweifel an unserem guten W!l- !en zu vermeiden suchen. Denn die unerbittlichen Has- Ier und Vernichtungepolltiker lauern nur darauf, daß Fflcnb ein Zwischenfall ihnen Anlaß oder Vorwand
- 8ur weiteren Verhinderung des wirklichen Welt- W SHf $£r Verständigung und Versöhnung unter L Fünf Jahre sind jetzt eben verflossen, seitdem die Mastrophe mit der Mordtat von Serafewo am 28. «tni 1914 ausgelöst wurde. Was in den fünf Jahren Ader sichtbaren Welt und in den Gemütern der Men- Aen angerichtet worden ist, läßt sich nicht in kurzer wjt wieder in Ordnung bringen. Der Krieg hat lange Neuert; die Wiederherstellung des Friedens wird auch F^er lange währen. Wir haben nach reiflicher Erwö, wttfl die Taktik der Verzweiflung' aufgegeben; alte
Ruhe gegeben worden sind, noch nicht wieder ctngerückt. —Jjn Angöebutg durchsogen am Samstag Trupps ntnger 'Leute, darunter auch Frauen, die S'traßem, schlugen Schaufenster ein und versuchten Lebensmittel zu plündern. Reichswehrtruppen traten rauen ent- gegen. Turch verirrte Kugeln erhielten zwei unbeteiligte Passanten Beinschüße. — In Vieles e l d ftiiunt-n auf dem Wochcnmarkt Notstandsarberter me Berkcmsssiändc »und verkaufte die Lebensmittel zu herabgesetzten Preisen und zwangen die Ladeninhaber, zur Herabsetzung der Preise für Lebensmittel. Pott, zei und De Hürd en waren machtlos. — J,n B r e s lau, tvo der B-lagerungszustand erklärt ist, rottete sich am Samstag abend eine größere schimpfende rind sohlende Menschenmeitge zusammen. Nach der achten Aufforderring ariSeinanderzrigehen und mehreren Warliungs- schüfstn wurde zu feuern befohlen. Zehn teils ^rchwer- vertvimdete blieben auf dem Platze. Aehnlnhe Zwi» fchenfälle wiederholten sich. — In Bromberg wurden halbwüchsige Jungen, die in herausfordernder Weise volnische Abzeichen trugen, gegen Militärperso- nen tätlich. Verschiedenen Soldaten wurden Waisen ab genommen. Eijn Offizier der Sicherheitswehr wurde von der Elcttrischen gerissen, der Achselstücke beraubt und geschlagen. Auch ein Polizeibeamter wurde arg mißhandelt. ES gelang, den Putsch im Keime zu ersticken und die Ordnung wieder herzustellen.
Ein Ueberrumprtanftö. Versuch bei den Osttruppe«.
• AuS kkowuo, 27. Juni, wird gemeldet: „Etwa 50—60 Spartakisten kamen auf unaufgeklärte Weise von Hamburg nach Schauten. Von den Truppen der Brigade Schärften schlossen sich ihnen ettoa 24 Mann an. Die Spartakisten stürmten das Gefängnis in Schauten, wo sie die deutschen und litauischen Gefangenen befreiten, sich des Munition?» und Gerätedepots bemächtigten und die deutschen Posten des Depots er» schossen. Ferner wurde ein Angriff auf die litauische Kaserne gemacht, wobei die Litauer 8 Tote und etwa 30 Verwundete hatten. Hierauf zerstreuten sie sich. Bei einem Angriff auf den Brigadestab wurden Die Spartakisten von den Truppen zurückgeschlagen. Maßnahmen zu ihrer Ergreifung sind im Gange. Die Verluste der Spartakisten betrugen 5 Tote und mehrere Verwundete.
muffen wir auch einmütig und getreu uns der Taktik des Duldens und Arbeitens hingeben.
Der wirkliche Weltfrieden wird kommen, wenn die Völker im Denken und Handeln wieder vernünftig werden. Er wird um so eher kommen, je schneller von Deutschland aus das Vorbild der Besonnenheit und Selbstzucht gegeben wird. Wenn wir freilich svrtfahren in ewigen Streiks und Puttchen, dann roivtt die Erlösung erst in weiter, weiter Ferne.
Der Weg, der vor uns liegt, ist schmal, steil, voll Hindernissen und Dornen, aber es kann em Zugang zum rechten, erlösenden Frieden werden, wenn wir uns wacker durcharbeiten. Wenn aber in Deutschland die Unvernunft so weiter tobt, wie es in der letzten Zeit üblich war, dann ist es ein Zugang zum Verderben der Nation.
Don dem Verhalten des deutschen Volkes hängt es ab, ob das, was in Versailles unterzeichnet ist, als bitteres Rezept zur Genesung oder als Totenschein gelten wird.
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ES ist eine merkwürdige Fügung, daß an d-mselben Tag im Jahr der furchtbare Krieg ff 11 Ende ge- funben hat, an dem zum ersten Mal ferne Feuer» «eidjen auflohten, dem 2 8. Juni, an dem vor fünf Jahren serbische Mordbubem den Erzherzog Franz Fer. dinand und seine Gemahlin erschossen. Diese Fügung löst in unS Gedanken aus, die bestrebt sind, das gewaltige Schicksal, das wir mit erlebt haben, von höherer Warte zu betrachten, als es der Lärm des Alltags rms gemeiniglich ermöglicht. Wenn Gottes Wille in der Weltkatastrophe, bie über unS hereingebrochen, ist, sich auSgeirnrkt bat, trenn seine Hand bie Zügel deS Weltgeschehens führte, das Menschenhände zu gestalten Eebtcn, dann kann dieser Friede, unter den Deuisch- nd sich jetzt beugen muß, nicht der letzte Ausklang des Weltkriegs sein, dann wird Cortes Wille weiter walten, bis Der Gerechtigkeit zum Siege verhalfen ist, die «auch Ibn Weltgeschehenen ihre verborgenem umb stillen Wege wandelt.
Unsere Feinde haben das Dokument, das sie Friedens- Vertrag genannt haben, ganz aufgebaut auf der Behauptung, daß Deutschland die Schuld an diesem Kriege trage. Empört Hai sich das deutsche Volk gegen diese Verleumdung aufgelehnt, aber feine Feinde haben es mit brutaler Macht gezwungen, seinen Namen unter das Bekenntnis der Schuld zu fetzen. Denken wir zurück in die Zelt vor 5 Jahren, als die Würfel rollten, bie über den Ausbruch des Weltbrandcs entscheiden sollten. Dachte damals unser deutsches Volk an die Erweiterung feiner Macht, lebte ht ihm Begehrlichkeit nach fremdem Hab und Gut, flammte in ihm Haß gegen eine andere Nation, nagte an ihm der Neid um den Wohlstand und das Glück eines anderen Volkes? Für das Volk war damals nur die Frage, ob die Mörder von Serajewo und ihre Hintermänner in der serbischen Regierung ungestraft bleiben sollten ober ob Oesterreich-Ungarn, unser Verbündeter, das Recht haben sollte, die Schuldigen am Blute seiner Fürsten zur Rechenschaft zu ziehen und sich der seinen Bestand gefährdenden Verschwörung zu erwehren. Gewiß lag das ganze Problem, um dessen Entscheidung es sich damals handelte, nicht so einfach und klar, und die Regierungen haben zweifellos tiefer und weiter getehen, aber das verschlägt nichts gegen bie Tatsache, daß für das deutsche Volk in seiner Gesamtheit die Entscheidung übe rden Krieg in der Frage lag, ob Gesetz und Recht ober verbrecherische Willkür für das Nebeneinander der Völker entscheidend sein sollten. An dieser Frage haben sich, vor 5 Jahren bie Geister in bett Völkerfamilien geschieden u. über den Zwiespalt in dieser Entscheidung find bie Völker in ben Krieg gezogen, Deutschland ge» Mvimgen durch den von allen Seiten drohenden lieber fall. Wenn dics-> Erinnerung heute vor unserer Trete steht, bann steigt in uns bie Gewißheit auf, daß der AuSgang, ben das gewaltige Völkerringen genommen hat, nicht ba$ letzte Wort in der Geschichte und bie letzte Entscheidung deS obersten Lenkers her Völker sein kann.
So tief unser Fall auch ist, so hilflos und schwach und innerlich zerrissen und äußerlich gedemütigt wir auch sind, lutt vertrauen auf unseren Gott und mit seiner Hilfe werden wir au5 unserer Bedrängnis wieder aufsteigen und dahin wirken, daß nicht die Gewalt die Welt regiert, sondern das Recht und dir Gerech-
Bethmarm Hollweg stellt sich der Entente,
Der ehemalige Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg Hai, nachdem er bereits am 25. Mai d. I. einen deichen Schritt auf ausdrücklichen Wunsch der Reicksregierung hat fallen lassen müssen, am 25. Juni an den Ministerpräsident Clemenceau ein Schreiben gerichtet, in dem er diesen bittet, das nachstehende Schriftstück zur Kenntnis der gegen Deutschland alliierten Mächte zu bringen:
„%n Artikel 227 der Friedensbedingimgen haben die alliierten und assoziierten Mächte Seine Majestät Wilhelm II. von Hohenzollern, früheren deutschen Kaiser. wegen schwerster Verletzuttg des internationalen SittengeietzeS und b«r geheiligten Macht der Verträge unter öffentliche Anklage gestellt. Sie haben gleich- zeittS ihren Entschluß fimbgetim, an die Regierung «r Niederlande ein Ersuchen zu richten, worin sie bitten, ben elitmaftgen Kaiser zum Zwecke seiner Ü’crur- teiliOtg au6#uliefern. Mit Bezug hierauf erlaube ich mir, on die «Merten tmb assoziierten Mächte die Bitte zu richten, dar gegen Seine Majestät den Kaiser beabsichtigte Verfahren gegen mich stattfinden zu lassen. Zu diesem Zwecke stelle ich mich hierdurch zur Verfügung der alliierten urib assoziierten Mächte. NlS ehemaliger beutscher Reichskanzler trage i ch für meine Amtszeit bie int deutschen Staatsrecht geregelte alleinige Verantwor tnng für bie politischen Handlungen des Kaisers. Ich glaube hieraus den Anspruch berletten zu dürfen, baß die ffied-en- schäft, welche bie alliierten unb assoziierten Brächte für diese Handlungen fordern wollen, ausschließlich v o n mir gefordert wird. In der Ueberzeugring. daß die alliierten unb assoziierten Mächte einem durch öffentliches StaatSreftst normierten Rechtszustand auch internattenal« Beachtung nicht versagen wollen, darf ich der Hofsmmg Ausdruck geben, daß sie mt'ner dringenden Litte stattzugeben geneigt sein toerden.
Gegen die Aburte >nnq des fte \«r6.
Bern, 27. Juni. Der Direktor des „Offecvatore Romano", des bekchinten väpstlichen Organs, spricht sich gegen ritte Bestrafung Wilhelms II. auS. Das Blatt deS Vatikans zählt zunächst alle die Schwierigkri. ttn auf, die sich einem solchen Prozeß enige^enstellen würben. Em solcher Prozeß würbe nur em neneS unüberwinblicheS Hinb-rniZ gegen bie von der ganzen Welt gewünschte Völkerversöhnuirg sein.
Amsterdam, 29. Juni. Der „Cbioago Tribun«" zufolge bat Wilson feinen Widerspruch gegen ein formelles AuStieferungsverlangen an Holland n?ch nicht aufoegeben. Er soll die Auffassung bertreten, daß Holland nach den Grundsätzen des Völkerrechts nicht zur ArrNieserrmg gezwungen werden könne und baß tnsolae,dessen die stvafrechtlid« Versolgung deutscher Offiziere, die nur Werkzeuge der Kaisers waren, wicht xerechifertigt sei, wenn der Hauptschuldige der Verartt-
w: rtttng entzogen fei. Auch Frankreich und Belgien fo [(en sich zu dem amerikantschen Standpunkt bekannt htiden.
Berlin, 29. Juni. Die .Kreuzzeitung" bringt an bes Spitz? ihrer heutigen Nummer die Aufforderung eitel Nnimeisiers v. ViettnHoff zur Bildung einer V c ksliga großen Stils, bie sich bie Verhindetung der A udliefrrung deutscher Staatsangehöriger, vor allem des deutschen Kaisers, zum Ziel setzen soll. Darüber, ans welchem Wege bie Auslieferung verh,;ndett werben soll, äußert er sich nicht.
Die Volksabstimmung in Oberschlesien.
Die Bestimmungen über bie kommende Volksab- fiimmuna 'n Lberschlesien liegen jetzt vor. Sie der- otbnert, daß spätestens 15 Tage nach Inkrafttreten be3 F kiedeitsvertrages bie deutschen Truppen unb gewisse de titsche Behörden das Absttmmungsgebiet zu räumen h« ben. Zugleich werden bie A.- und 2.-Räte cr.ifge- lö ft; solche ihrer Mitglieder, die in einer anderen G egend gebürtig sind, werden ausgewiesen, alle tnili- tä rischen unb halbmilitärisäM Verbände müssen ab- zf eben. Dos Gebiet wird einer Viererkommission un- te rstellt, bie aus einem Franzosen, einem Engländer, et nem Amerikaner und einem Italiener besteht und vo n seinkttchen Truppen besetzt. Die Kommission hat crli je Rechte der deutschen Regierung, ausgenommen Ge- sei-gebnng unb Steuererhebung. Sie trifft Maßnahme für eine freie unb geheime Abstimmung und farm in ebcfo:tb"re Bestechungs- oder Einschüchierungsver. su che durch Ausweisung bestrafen. Die Abstimmung fii:det frühestens in sechs, spätestens in achtzehn Moneten nach Amtsantritt der Kommission stattt Stimm- be cechtigt ist jeder Bewohner, auch bie Frauen, nach V- «llendung des 20. Lebenswahres, der im Abstim- M' tngsgebiet geboren ist oder eine bestimmte Zeit dort ttn ihnte, ferner die von deutschen Behörden Ausgewie- fcnen unb bie politischen Verbrecher.
Der Friede unterzeichnet.
L' Der Friedensoertrag ist, wie vorgesehen, Samstag »achmittag im Schlöffe zu Versailler unterzeichnet i porden.
Die Zeremonie der Unterzeichnung begann um 5 Uhr. Nachdem sämtliche Delegierte der feindlichen Mächte ihre Plätze eingenommen hatten, wurden die deutschen Delegierten in den Saal geleitet und zu den für sie bestimmten Plätzen geführt. Clemenceau erhob sich unb erklärte, nachdem die Beding ngen von den Deutschen angenommen seien, ersuche er die deutschen Bevollmächtigten, das Friedensdokument K unterzeichnen. Er hob hervor, die Unterzeichnung beute, daß die Bedingungen in loyaler Weise ein- gkhalten werden müßten. Um 3.12 Uhr unterschrieben Sermann 'Müller und Dr. Bell al« erste den rriedenSvertrag. Hierauf unterschrieben die feindliche t Delegierten. Kurz vor 4 Uhr war bet Akt beendet, Eltmtnceau hob die Sitzung mit der Erklärung auf, der Friede fei geschlossen. Er ersuchte die Delegierten der feindlichen Mächte zu warten, bis iie deutschen Bevollmächtigten sich entfernt hätten. Die deutschen Bevollmächtigten verließen darauf als erste den Saal und begaben sich in das Hotel deS Reservoirs zurück.
■ < 'rnn-rrif vr-•--wrieT'.
**eee*t 1Q1CI I Vertag der FuldaerActrendruckeretrn Fulda. onatt.
lUEOIliag Jtilini | 85 Pfg. „ geroßt. 3tr.9.$elegt.-8bitjfe: Fuldas Geltung.
„Erzberger auf der Aluchl."
Es war unschwer vorauszusehen, daß der Ent- sck >luß, den Frieden zu unterzeichnen, wieder einmal zu einer wüsten Hetze gegen den Minister Erzberger Ai ilaß geben würde. Einmal sind es nicht nur die Bsiätler alldeutscher Färbung, die Erzberger durch ih:en Dreck zu ziehen suchen, auch die demokratischen sind eifrigst bestrebt, es den alldeutschen Schreiern glnichzutun. Die Demokraten verbergen allerdings nur schlecht den wahren Grund ihrer Hetze gegen Erzber- ge::, denn Erzberger ist jetzt Reichsfinanzminister und w ird wohl anders eis die Herren Schiffer und Dern- bi rrg an die Lösung der Finanzprobleme Herangehen, iei wnfalls gründlicher, als es den demokratischen Geld- sw lintereffen lieb ist. Die Alldeutschen verfluchen Erz- berget aus alter Gewohnheit: es verlohnt sich wirklich nicht, von ihren schäbigen Anrempelungen Rotiz zu ne fernen. Zur Beruhigung der chauvinistischen Krakelei mi schien wir nur betonen, daß Minister Erzberger ga micht daran denkt, in die Schweiz zu flüchten, wie sie die Welt glauben machen wollen, wenn es auch sti mmen mag, daß Erzberger einen Paß für die Schweiz urch vielleicht auch noch für andere Länder besitzt. Herr Ei äberger hat auch in den schlimmsten Sturmragen der Revolution auf seinem Posten ausgeharrt, während führende Herren aus dem alldeutschen Lager nach dem 9. November spurlos verschwanden und erst wieder auf« zut auchen wagten, als sich die Revolutionäres gegen sie nii ht so blutdürstig erwiesen, wie es vor wenigen Tagen ne, h die Landsknechte waren, die im Weimarer Schloß- Hos erschienen, um Erzberger aufzuknüpfen.
Britische Arbeiter gen« oc» Gewastfrieben.
Laut „Times" vorn 23. b. M. sagte Arthur $ en- bet f o n, bet Generalsekretär der britischen Arbeitee- pai-iei, tn einer Diebe vor den Bergleuten von Black- poidr Der FrrcbenSvertrag ist nicht unser De ttteg, rr.b wir werden ihn niemals anneh - men, Dir werben niemals zufriedau sein, bis baß er von Grund auf neu a u ftge baut worben ist. Wir glauben, daß jetzt, wo die Nachricht zu uns ael angt, daß Teutschlarrd zur Unterzeichnung entschlos- seri tft, der Arbeiterschaft unseres Landes die Gelegen. Ifci t gegeben worden ist, einen teilten demokratischen Fri:eden schaffen, der auf Eterechtigkeit und Anstand m jeder Bezielung beruht. (Beifall.)
AuS Sontbvorth lutrb gemeldet: Tie hier tagende soz lalfftische Arbeitcrkonfercnz unter dem Vorsitz Ram- sah Macdonalds hat eine Enffchließrmg angenommen, in der gesagt wird, daß bie Konferenz der Ansicht sei, bas; bie mmelle Zulassung Deutschlands zum Völker- birnb unb die sosortige Revision ber Bestirn- nxinften d-S FriebenSvertrageS notwendig fei. Weiter hat die Konferenz eine Resolution gutgeheiß-.n, in der sie ihre Bestrgnts über die Wirkung der Blockade auf Mitteleurova auSspricht unb bagegeu protestiert, baß der Friedensvertrag es unterlassen hat, Maßjnah- m:: i für die Wiederheestellung ber Jgrbusrrie in ganz Dm 'opa und für eint gerechte internatioiia’.c Arffncht fibf.-t Verteilung der Rohmaterialien und Lebens iilel zu treffen. ____________
Dk« Eisenvahner«Bewegung.
Man hofft, daß trotz der andauernden fommuni. stifcheu Hetze ber Streik bet Eisenbahner in Groß- Berlm beute beendet wird. Die Eisenbahnervet-