Einzelbild herunterladen
 

M 146.

Samstag, 28. guni 1919.

--- Fuldaer Leitung

Druck der Fuldaer Actieudruckerei i« Fulda

Was lehren -le Ereignisse -er letzten Tage?

Umsturz in Hamburg, Plünderungen und Stratzen- krawall" tn Berlin, PoftauSüelferstreik, Streik der Eisen­bahnarbeiter in Berlin und auf den schlesischen Stre. den, Drohung tmit allgemeiner Seilleaung des Ver­kehrs, Kampfrufe Ledebmirs im Groß-Berliner Arbei. terrak, daneben noch Ansätze zu Streiks und Unruhen in oitberen Städten. das sind die Zeichen der Zeit seit die Entscheidung gefallen ist für die Unterschrift »um Frieden.

Di« Unabhängigen und Kommunisten sagen, sie hätten die Vetvegung nicht angestiftet, sondern allez ginge aus der Magenfrage, auS der Tcuerrrng der Le­bensrnittel hervor. Aber Tatsache ist, daß überall dort, wo sich eine Unzufriedenheit kund gibt, sofort die po­litischen Hetzer und Umsturzspekulanten zur Stelle sind, um die Erregung für die geplante Ueberrevolution auszunutzen. So kverden wir um den ersehnten Frie- d-n betrogen und in die innere Zerrüttung immer weiter hinerngetrieben.

Da erhebt sich nun die Frage: Wie würde es ge­gangen sein, wenn wir uns schließlich zur Ablehnung deS Friedensvertrages entschlossen hätten?

Dann bälten wir die äußeren Feinde aus den Hals belonnnen, und die inneren Feinde ebenfalls »och dazu.

Was jetzt als Anlaß oder Vorwand für die Streiks und Unruhen drent, sind, wie gesagt, die Lebensmittel- nöte und dre Teuerung. Jzn Falle der NichtuuterzeiÄ- nung würden diese Quellen der Unzufriedenheit erst recht gesprudelt habqn. Tenn als unvermeidliche Folgen cer lkriegSerneueruna hätten sich eingestellt: Vie Aufrechterhaltung und die Verschärfung der Blockade, die Absperrung aller LebensmittÄ vom Auslande und infolgdesscn die weitere Verteuerung der Bedaris- artiksl in Deutschland. Wir wären auf absehbare Zett ausschließlich auf den knappen Vorrat im Jnlandr an. gewiesen gewesen, und das müßte die Nervosität der Verbraucher und die ßWucherneigungcch der gewinn, süchtigen Verkäufer im höchsren Grade steigern.

Wenn nun in der gegenwärtigen m i l d e re n Probe stch schon so viel Schwachheiten und Mißgriffe zeigen, dann ist die Erkenntnis nicht abzuweis.-n: die Maste des Volkes hatte nicht mehr Kraft genug, um die Folgen der Ablehnung der Unterzeichnung zu tragen.

Leider, muß moht mit Kummer und Scham hin- xufehen. Es läßt sich nicht bezweifeln, so gern man es auch möchte, daß die Ablehnung des FriedniSvettra- flcS uns noch größere Uebel beschert hätte, als die Unterzeichnung. Die gegerrwärtigen Zuckungen im VolkSkörver sind schon sehr häßlich und schädlich; aber was nach dem Wiederausbruch deS Krieges uns be* * schieden worden wäre, hätte sich zum wahren TodeS- kämpfe entnäckelt.

Tie Unzufriedenheit infolge der Hungersnot und der Teuerung ist in weiten Kreisen bis zu einem Gräde gesttegcn, daß die Vernunft und das .Rechtlich. leitsgesich: aufhören. Das gibt den zielbewußten Un- ruhen.iftern immer neuen Anhalt für ihre Umsturzver­such:, 'mmer neue Gefolgschaft an Plünderern und Abenteurern. Dagegen kann nur mit g-duldiger Zähigkeit eint feste Regierung helfen, die aber di? not- wend,g>.n pel'zeilrchen und militärischen Kräfte verfügt.

Qb der Entschluß von Wmmar und die Zusammen- sehung der ll.egierucig dem E'nz-knen gefällt oder nicht, das kann jetzt gar nicht in Betracht kommen Für std"n braven Bürger gilt nur das Gebot, das Hin­denburg lei seinem Eintritt in den wohlverdienten Ruhr stand zum Abschied seinen Soldaten und un8 allen ans Herz legt: Aufopferung für das Wohl des But-r- laud-s und Festigkeit zur Wahrung der inneren Ruhe und der fruchtbringenden Arbeit.

Wichtige Zugeständnisse.

Zu unserem AufsatzKonnte eS besser ge­macht werden"? schreibt man unft von genau unterrichteter Seite:

Die durch den Protest vom Mai >. I. erreichten Zugeständnisse sind so unbedeutend nicht, wie viel­fach behauptet wird, im Gegenteil, sie sind von sehr großer Wichtigkeit. Wir wollen nur drei Punkte anführen:

1) Danzig bleibt selbständiger Freistaat, eS kommt nicht unter polnische Herrschaft,

2) das Saargebiet bleibt deutsch, wenn ei nicht selbst den Anschluß an Frankreich verlangt,

3) Oberschlesien bleibt den tsch, wenn die Mehrheit der Bevölkerung deutsch bleiben will, wie das ja bisher immer als unzweifelhaft behauptet wurde. Selbst wenn aber die Mehrheit der Bevölkerung den Anschluß an Polen verlangt, bleiben die oberschlestschen Kohlen auf 15 Jahre für Deutschland reserviert.

Aehnliche wichtige Aenderungen sind noch tn grö­ßerer Zahl erreicht worden, wie Jeder, der die neuen Bedingungen lesen will, ohne Weiteres finden wird.

Nur völliger Unverstand kann behaupten, es sei Nichts erreicht werden.

Unpolitische deitläufe.

N. ©erlin, 23. Juni 1919.

Nach der Operation.

Vom blutigen Tisch wird ein ohnmächtiges Wesen fortgeschafft. Es ist unser armeS Vaterland.

Die Aerzte waschen sich die Hände und stellen fest: Operation sehr schwierig und zeitraubend; Narkose mehrfach unterbrochen wegen einsetzender Herzkrämpfe; im ganzen planmäßig durchgeführt; Schwäche groß; Erfolg noch unsicher.

Der Patient kommt vom Schneidebrett inS LeidenS- 6ett. Uebelkeit, Erbrechen, Schmerzen bei jeder Be­wegung. Gram und Angst wegen der verlorenen Glied, maßen und der schweren Wunden, dazwischen wie ein Lichtblick daS Gefühl: Vielleicht ist das Schlimmste " überstanden und das bißchen Leben gerettet 1

Bald kommen die Angehörigen und Freunde zum Krankend, ^che Einige reden bernünftig von zäher Lebenskraft, treuer Pflege und Gottes Hilft. Andere aber sagen auf die Klagen des Leidenden:Du hättest doch nicht in die fürchterliche Operation emtetffigen sol­len; du wärest gewiß auch so gesund geworden." Tie Krankenschwester macht dem DiSput ein Ende, und der erschöpfte Kranke denkt: Was Hilst das nachträglich« Gerede? Ich hatte doch schließlich nur die Wahl zwi­schen einem schnellen $ob und einer lebensgefährlichen Operation, Tie Sache ist ^gemacht, und der Krüppel muß sehen, ob er durchkommt. Wenn ich nur ettvaö schlafen könnte l

Ach ja, ba§ gequälte Vaterland braucht Ruhe. Aber wo bleibt sie? In derselben Stunde, wo Deutschland auf dem blutigen Operattonstisch lag, gab eS in Berlin wieder einmal Straßenkrawälle. Den Anlaß gaben die wucherischen Obbpreise. Die sittd freilich angesichts der guten Obsternte sündhaft hoch; die Regierung hätte längst eingreifen muffen. Aber bei aller berechtigten Entrüstung darf man doch wegen der Kirschen und Erdbeeren nicht Revolutton machen, tvährend. zu glei­cher Zeit auf Tod und Leben des ganzen Volke- mit dem äußeren Feinde gerungen wird. Zu den em­pörten Hausfrauen gesellte sich natürlich der Mob und bald wurden die meiften Lebens miltell öden, auch K'ei- dergeschäfte und andere Warenhäuser gestürmt und ge­plündert. Die Sache bekommt sofort auch eine poli­tische Zusvitzw.g. In dem Blatt der Unabhängigen gibt e§ Entrüstungsartikel, aber die richt sich nicht «egen die Plünderer, sondern gegen die Ordnung?-

Die demokratische Partei in Frankfurt a. M. hat gestern ihren Abgeordneten ein schar- fes Tadelsogtum wegen ihrer Haltung in der Frirdens- frage, wegen ihres Mißerfolge» und Austrrtens aus dem Reichsministerium ausgesprochen, das ist wohl der beste Beweis dafür, daß man es so, wie es die demokratischen Abgeordneten gemacht haben, nicht ma- chen durste. _________

Aus Geisa vrrd Umgrb»«g.

)( Geisa. Zahlreiche Arbei'er des Oberlandes, die in der Kaliindustrie beschäfttgt sind, hatten sich on die Eiftnbahndireflion gewandt und um Ein- lessung eine- Abendpersonrnzuger auf der Felda« bahn gebeten, der gegen 10 Uhr Dorndorf verläßt. Wie die .Dermbacher Tage-ztg' hört, ist diesem An­suchen entsprochen worden. Dieser Abendzug wird voraussichtlich ab 1. Juli verkehren.

vermischter.

* Verstadtlichung der Großen Berliner Slraßen- baha. »«.rianblungen zwischen den Vertreten» des Ver­bandes Groß-Berlin und der Großen Berliner Straßenbahn haben zu folgender Verständigung ge­führt: Der Verband Groß-Berlin erwirbt das Unter­nehmen gegen eine in vierprozentigen Landesobligatio­nen zu zahlenden Preis von 100 Prozent des Aktien­kapitals (rund 100 Millionen). Daneben wird mit Rücksicht auf den von der Gesellschaft angesammelten Tilgungsfonds ein weiterer Betrag von 37% Prozent des Aktienkapitals in Obsigationen gleicher Art bezahlt. Die Obligationen sollen bis zum 31. Dezember 1949 ge­tilgt werden. __________________________

Märkte.

mFulda. Der heutige Schweinemarkt wie? einen Auftrieb von 135 Ferkeln und 3 Läufern auf. In kleineren Ferkeln war ein erheblicher Preisrück­gang zu verzeichnen. E? kosteten: Ferkel 100, 175 und 250 Mark, Läufer 400 Mark das Stück. Der Handel war ziemlich flott.

Gstterdienftokdnurrg.

Katholischer

Sonntag, 29. Juni. (Fest der Apostelfürsten Petrus n. Paulus.) Do». (Kollekte f. d. hl. Vater.) V.fi, 6, l/»7 u. 7 M., 8 Pfarramt m. AuSf. u. Pr.,/»10 Bifchöfl. Hochamt, 11 Ehr., >/.12 M. m. Pr., V.2 «., S Ehr , 4 Bischöfl. VeSper, 7 A. i. d. Marien!. (Montag u Donnerstag abend» ",8 «.)Slodtpfarrkirchs. (Kollekte f. d. hl. Vater.) 5V, Äomv S-/. u. 6'/. M., 8 M. u Pr. (1. Schulgd.), SV, Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. vchulzd.), SV, Ehr. f. d. JLngl. i. d. «everik., 1'a Ehr. f. d. Jungfr., 2V, sakramentale A. Pfarrkirche zu« hl. «elfte. '/«7 Kom., 7 Frühm., 8 Pr , Amt m. Kom. u. Kollekte,. V,S Ehr., 6 B. vrrerikirche Sonntag» l/,T M, Werktag» 6 M. Nonnen-, kirche. Vormittag» ä1/« Terz, feierliche» Hochamt m. Pr. u. hl. Segen, nachm. 3 Vesper m. bl. Segen. An Werktagen vormitt. 9 Hochamt, nachmitt. 3 Ve»per. (Am Dienstag, Fest c. kostbaren Blute» und Mittwoch, Fest Mariä Heimsuchung, ist nach d. Vesper hl. Segen.) Freitag, Herz-Jesu-Freitag, vormittags 57, hl. Messe mit dl. Segen, nachmittag» 4 Her,-Jesu-Andacht. Heri-Jrsa-Het«. 6 Kom -Au»t., 8 Hochamt m. AuSs. u. Pr., 2 Herz-Jesu-«., 8 Bitt-A Mittwoch abend 8 A. Freitag, 4. Juli. Herz-Jesu-Frettag. Morgen» 6 Sochamt mit Aussetzung, abend» 8 Herz-Jesu-And. lichaelSktrche. 2 Brudersch -A. v. Jesu», Maria u. Joseph. Fraaenbera. 6T M., 8 Rosenkr. m. Pr., 9 Leviten- amt m. Pr. Nachmitt. 2 Kreuzweg-A. m. Pr. auf dem Kalvarienberge: abend» V,8 Herz-Jesu-And. mit Pred. Montag, 30. Juni Abends ft,8Schlußd.Herz-Jesu-A. m. Pr. u. Te Drum.

Ädauzetischor Tottesdieust.

Sonntag, 29. Juni. Vormittag» 8 Uhr: Pft. Weber, 9'/, Uhr: Sup. Ruhl. 11 Uhr: Kindergottesdienst.

Mitteilungen der städtischen RahrungrmittelpeSe. _______j.........

28 3«ni 1919.

Ausgabe von Krankenmehl in der Städtischen Ver- kaufsstelle:

Dienstag an die Karten Nr. 4001 bis 4250, Freitag an die Karten Nr. 4251 bi, 4500.

truppen, die wieder einmal den Amhagel nttht mit den gebührenden Samthandschuhen gestteichelt haben sollen.

Und in dreien Schicksalsschlägeu wird auch frisch und froh toeiter gestreikt. Sogar von Leuten, die Beamten, dienste leisten. Die Aushelftr im Berliner Postscheck- amt fingen an; die anderen Hilfskräfte im Post- und Drahttiienste tun zur Unterstützung mit. Luch au» Schlesien werden Streik» im Vcchnbetriebe gemeldet; in Thüringen desgleichen.

In den östlichen Landeilteilen fst jette Streikbe­wegung um so schärfer zu verurteilen, als dort die Zu. sammenstöß« mit den äußeren Feinden noch viel be­drohlicher sind, wie im Westen. Weich' ungeheure Wichtigkeit die Erhaltung von Oberschlesien hat, sollte doch der Mensch wißen, der sich deutsch nennt.

einen Augenblick schien es sogar, als ob unsere neuen Freiwivigenkorp» streiken wollten, natürlich au» Entrüstung über btt Unterzeichnung des Friedenstier- trage». Glücksicherweift scheint diese Aufwallung sich gelegt zu haben. Da» wäre in der Tat da» Ende aller Ordnung, wenn bte Offiziere und Soldaten der ge- setzmäßigen Regierung und Volksvertretung das Kon­zept korrigieren sollten. Ruhe ist die erste Bürger­pflicht, Gehorsam die erste Soldatenpflicht.

Eher zu begreifen ist es noch, toe.nn unsere See­leute die deutsche Kriegsflotte, die sie hatten nach England bringen muffen, vor Abschluß des Ftte- denSvertrageS noch schnell versenkt haben. Das bringt unS freilich keinen Nutzen und den beteiligten Männern wahrscheinlich empfindlichen Schaden, war alfo vositisch nicht klug und nicht rirMig. Aber da» militärische Ehrgefühl fordett doch Respekt, sogar bei den Engländein. Die Franzosen sind dagegen sehr entrüstet", weil sie auf den Löwenanteil der fl'raubten Flotte svkkiisieit haben; doch brauchen wir uns deshalb nicht anfzur-gen.

Weniger rmposant ist daS Verbrennen der alten französischen Fahnen tton 1870, die von heißblütigen Offizieren und Etubenten au» dem B-r- litt er Zeughauft entführt wurden. Man wollt: die vereinbarte Rückgabe an die Franzosen unmöglich ma­chen. Da wir so viele reelle Wette ausliefern müssen, wäre es auf die Fahnen auch nicht angekommen: die haben ja nur 'nmbolischen Wert. Viel wichtiger ist es, daß toir selbst allzumal treu zur deutsche:t Fahne stehen, und dazu gehört der Verzicht auf eigenmäch­tige 6eite"f m finge.

Ausgabe von Zwieback und Seck» in den Kondito­reien von Rottler und Thiele:

Dienstag an die Sorten Nr. 501 bis 750, Freitag an die Karten Nr. 751 bis 1000.

Ausgabe von gepökeltem Pferdefleisch ohne Knochen kartenfrei. Bestellungen an die bekannten Metz­ger bis zum Dienstag. Anmeldung der bestellten Menge durch die Metzger bei der Kartenkontrollstelle: Donnerstag. Abgabe an die Verbraucher: Samstag. Ausgabe an die Metzger: Freitag Nachmittag.

Die Nachzügler in Jucker vom Monat Juni muffen die noch in ihren Händen befindlichen Iunikarten im IRonlag bei der Kartenkontrollstelle vorlegen. Sie erholten dort bann Bescheid, wann und wo der Zucker abzuholen ist. Montag Abend sind die Karten verfallen und werden dann nicht mehr bedient.

Sonderverteilung von Oel, Kakao und Schokolade an stillende und werdende Mütter. Die Karten hier­für werden gegen Nachweis der Bezugsberechtigung am vlenskag bei der Kartenausgabestelle ausgegeben. Geliefert werden auf eine Karte: 200 Gr. Oel zum Pr. von <M, 3,25 das Pfund, abzuholen am Dienstag oder Mittwoch in dem Geschäft von B. I. Ruppel. Der Tag der Ausgabe für Kakao und Schokolade, sowie die auszugebende Menge wird am nächsten Samstag be- kaimtgemacht. Preise wie unten angegeben.

Sondrrverteilnng von Kakao und Schokolade an Kinder bis zu 3 Jahren und Kranke laut Attest. Die Karten hierfür werden gegen Nachweis der Bezugsbe­rechtigung (Geburtsnachweis, Krankenberechtigungs- karte ufro.) wie folgt ausgegeben: Am Mittwoch an die St-cißen, beginnend mit den Buchstaben A bis N. Abtstor bis Nonnengasie Am Freitag an die Stra­ßen, beginnend mit den Buchstaben O bis Z. Ohm bis Zieherserweg. Die auszugebende Menge richtet sich noch der noch nicht feststehenden Zahl der Bezugs­berechtigten und wird, ebenso wie der Tag der Ausgabe, am nächsten Samstag bekanntgemacht. Ladenpreis für Kakao voraussichtlich M 10,50, für Schokolade M 9,25 das Pfund.

Das haushallungomehl für die letzten 5 Wochen ist durch Abgabe der Mehlkartenabfchnitte Nr. 22 bis 26 sofort bei den Geschäften anzumelden. Gegeben wer- den auf den Abschnitt: 125 Gr. Aboabeschlnß: Diens­tag Mittag 12 Uhr. Ablieferungsschluß für die Ge­schäfte bei der Kartenkontrollskelle Mittwoch Mittag 12 Uhr.

Aleisch- und Fettkarten pünktlich einreicheut Die Fleischkarten spätestens Samstags den Metzgern, die Fettkarten spätestens Montags den Geschäften überge­ben. Auch die Kranken-Zniahkarken müssen rechtzeitig durch die Geschäfte eingereichl werden; für die Bedie­nung von Nachzüglerkarten wird keine Gewähr über­nommen.

In der nächsten Woche entfallen auf jede Fettkarte 50 Gramm Auslandsbutter

zum Preise von M. 7,20 das Pfund. Die Kranken­karten werden mit hiesiger Butter bedient. Abgabe an die Verbraucher: Freitag und Samstag. Ausgabe an die Geschäfte: Donnerstag Vormittag bei der Nah­rungsmittelstelle, Donnerstag Nachmittag in der

Die Besteller von Auslandsfelt, die mit dem Buch, staben I beginnen, können am Montag die Ware im Geschäft von F. W. Höfling,Zum schwarzen Baren", Buttermarkt, abholen. Ladenpreis J*. 16, d. Pfund.

Eine weitere größere Sendung Auslandsfett steht in Aussicht und wird hoffentlich in den nächsten Tagen eintreffen. Der Aufruf aller Besteller wird voraussicht­lich bann möglich sein, näheres hierüber wird noch be­kanntgemacht.

AK Karkoflelersatz oder zur Sarkosselstreckung wird empfohlen: Trockengemüse (getr. Kohlrüben, Dörr- mifchgemiise, getr. Mohrrüben) schöne Helle Speiseware, in jeder Menge zum Preise von 60 Pfg. das Pfund in der städtischen Verkaufsstelle zu haben.

Eingemachke grüne Söhnen und Deißkohlsauer- kraul in hiesigen Geschäften erhältlich. Bestellungen von Geschafftn an die Nahrungsmittelstelle erbeten.'

In der städtischen Verkaufsstelle erhältlich: aekr. Zmfttzelu (schöne Mare) da, Pfund <M. 3,70.

den Krankheiten der Zeit gehört auch di- Sucht nachTfmoo'riiotwneet". Früher war das kentfche Volk durchaus nicht fo schauspielerisch veranlagt frie btc Franzosen ober Italiener. J/etzt ist auch das De- nwinstvieren bei uns in Schwung gekommen. Aber e» bringt nichts ein. Wie wir gesehen haben, lassen unsere Feinde sich durch die schönsten Demonstrationen nicht beirren. Sie wissen nur zu genau, was an wirklicher Kraft dahinter steckt. Was ihnen imponieren und uns retten kawn, ist einzig und allein die ruhige, würdige, einträchtige, zäbe Festigkeit.

Daher imiß man immer wiederholen: Ob dir und mir oer gefaßte Entschluß gefällt ober nicht gefällt, ist ganz gleichgültig; wir müssen die Reihen schließen und in strammem Schritt mitmarschieren auf dem Wege, der nun einmal eingeschlagen worden ist.

*

Darum eS so kommen mußte, darüber ist schon sehr viel geredet worden und wird noch ungeheuer viel geschrieben trerben. Ich möchte nur auf zwei Umstände Hinweisen, die vielleicht etwas beruhigend auf erregte Gemüter ivirken. Erstens war es der Hunger, der dak deutsche Volk an Leib und Seele zermürbt hat, und zweitens war es die kunstvolle Spionage, die unsere Gegner über den Zerfall der deutschen Kraft stets aus dem Laufenden hielt vom Anfang des Krieges an bi» zum heutigen Tage.

Wir haben in pattiotischem Eifer die Ernährumgs- schwterlgle'ttn möglichst lange auf die leichte Schulter genommen. Auf die volle Sättigung kann man auch bei gesundem Körper und gutem Willen eine geraume Zeit verzichten. Aber wenn die Vahruugsf.rgen mbr-- lang dauern und die Unterernährung imm-r w'iter fortfdireitet, dann verliert der Körv-r seine Spann­kraft die Nerven ihre Festigkeit, d'e Seele ihr Gleich­gewicht. Der eine wird fieberhaft erregt, der andere sinkt in matte Verdrossenheit. Da» gilt für eie Bürger wie für die Soldaten. Als nach unserer letzten großen Offensive vor einem Jahr gemeldet wurde, daß unsere tiordriugenden Truppen reich besetzte Tafeln und voll gefüllt-» Soeicher mit den besten Eßwaren bei den überraschten Fei" den borge firnben hätten, da muhte man sich gleich sagen; Jetzt werden unsere Truppen erst rocht bitter bett Unterschied empfinden zwischen der Verpflegung von drüben und hüben. In der Tat hat das wesentlich dazu beigetragen, daß bei unseren Truppen die SteaessicherLeit ins Wanken kam. Ms sie

An die Lebensmittelgeschäfte:

Es steht eine größere Menge Marmelade in Fässer.» zur Verfügung. Bestellungen sind sofort an die Nah- rungsmittelstelle zu richten.

Die Mlchverknufsstellen haben die Milchkarten vom Juli, soweit noch nicht geschehen, heule noch bei der Aarlenkonlrollstelle einzuliefern.

Für den Umtausch der Reifebrotmarken gilt als letzter Tag, Montag, 30. Juni.

MllteilWen tzrs SMesMltS-

Veflettverkettvng.

Am ZRonfag den 30. Juni für folgende Straßen: Am Landkrankenhaus, Rangstr., Schildeckstr., Feldstr., Fischfeld, Frankfurterstr., Gartenstr., Wallweg.

' irarT i'iawifwin »w.Maowri aw j au

Berordrrrmg

über Pferdefleisch und Grsatzwurft.

(Dom 22. Mai 1919. R. G. Bl. S- 467.)

Auf Grund der Derordnung über Kriegsmahnahmen zur Sicherung der Dolksernährung vom 22. Mai 1916 (R. ®. Bl. S. 401) bezw. 18. August 1917 (R. ®. Bl. S. 823) wird verordnet:

§ 1. Der Ankauf von Pferden zur Schlachtung, der ^Betrieb des Pferdeschlächtergewerbes und der Handel mit Pferdefleisch ist nur den Kommunalverbänden gestattet. Zur Schlachtung bestimmte Pferde dürfen nur an Kom­munalverbände abgegeben werden.

§ 2. Als Richtpreise für den Verkauf von Schlacht­pferden werden für je 50 Kilogramm Lebendgewicht fest­gesetzt: 1. bei gutgenährten Pferden 70 bis 80 Mk., 2. bei mittelgenährten Pferden 56 bis 65 Mk., 3. bei gering- genährten Pferden 50 bis 55 Mk. Die Preise gelten ab Stall des Verkäufers.

§ 4. Die Verwendung von Pferdefleisch zur Herstellung von Dauerwurst, sonstigen Dauerwaren sowie von Kon­serven aller Art ist verboten.

Die Verwendung von Pferdefleisch zur Herstellung von Frischwurst ist nur den Kommunalverbänden und den­jenigen Gemeinden gestattet, denen gemäß § 1 Abs. 3 die Befugnisse der Kommunalverbände übertragen sind. Sie können stch mit Genehmigung der Landeszentral­behörde oder der von dieser bestimmten Behörde hierzu die Mitwirkung der gewerblichen Betriebe bedienen.

§ 5. Die Vorschriften im § Abs. 1 und 2 gelten entsprechend für Dauerwurst und Frischwurst aus son­stigem Fleisch, das nicht der Verordnung über die Rege­lung des Fleischverbrauchs und den Handel mit Schwei­nen vom 19. Okt. 1917 (R. G. Bl. S. 949) unterliegt, insbesondere aus dem Fleische von Kaninchen, Ziegen und Rennlleren, ferner aus dem Fleische von Geflügel aller Art einschließlich dem der Hühner und von Wild aller Art.

Wurst, die aus solchem Fleisch hergestellt ist, darf zu höherem als dem für Pferdefleischwurst festgesetzten Preise nur In den von dem Kommunalverband oder der Ge­meinde bestimmten Verkaufsstellen abgegeben werden.

8 9. Wer den Vorschriften in §§ 1, 4, 5, 7 oder den auf Grund des § 3 erlassenen Bestimmungen zuwider­handelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft.

Neben der Strafe kann auf Einziehung der Gegen­stände erkannt werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied, ob sie dem Täter gehören oder nicht, soweit sie nicht gemäß § 6 für verfallen erklärt worden sind.

§ 10. Diese Verordnung tritt mit dem 1. Juli 1919 in Kraft.

Mit dem gleichen Zeitpunkt treten die Verordnungen über Pferdefleisch vom 13. Dez. 1916 (R. G. Bl. S. 1357) bezw. 14. Juni 1918 (R. G. Bl. S. 655) und die Ve-r ordnung über den Verkehr mit Esel-, Maultier- und Maul- eselfleisch vom 2. Januar 1919 (R. G. Bl. S. 6) außer Straft.

Berlin, den 22. Mal 1919.

Der Reichsernilhruagsmlnlsker.

gez. Schmidt.

Wird veröffentlicht.

Pferdebesther, die Schlachtpferde abgeben wollen, oder die Pferde besitzen, die nur noch als Schlachttiere Ver- wendung finden können, haben mir schriftlich, mündlich oder telephonisch (Fernruf Fulda Nr. 146) Mitteilung zu machen.

Schlachtpferde und Dferdefleisch, die entgegen der vor­stehenden Verordnung ober auf Grund derselben erlassenen Veiftmmungen veräußert sind, sowie Flessch- und Wurst- waren, die entgegen den genannten Bestimmungen her- bestellt sind, werden zu Gunsten des Kommunalverbandes ohne Zahlung einer Entschädigung für verfallen erklärt.

Fulda, den 27. Juni 1919.

Im Einvernehmen mit dem Arbeiterrat Der Cflnbref: Frhr. ». Doeraberg.

III HUHU Sill ........I

wieder auf ihre dürftige Rattan angewiesen waren, hörten sie nur zu leicht auf die Zuflüsterungen' Tie Feinde haben alles in Hülle und Fülle; wir Hatzen lauter Mangel, wir lärmen nicht siegen, wir opfern un» vergebens." Unsere Hand ist erst schwach gewor­den, al» der Magen schwach wurde.

Nach dem Waffenstillstand erhielten wir große Ver­heißungen, aber nur ganz geringe Lieferungen von Leben»mttteln. Der Apvetit wurde gereizt, und ni.cht gefttllt. Di; Hungerkur dauerte fort. Das war ein wefentliches Hilfsmittel für die Streikhetzer und Tu> multmacher. Sv schmolz auch die Widerstandskraft gegen die grausamen Friedensbebingungen dahin.

Deshalb ließen sich auch die feindlichen Machthaber zu keinen erheblichen Mlderungen herbei. Sie wuß­ten ganz genau, wie um die körperliche und seelisch^ Verfassung der Deutschen ftaiib. Während des stcregeS schon waren sie ganz genau unterrichtet über alle Zu- stänke und Vorgänge in Deutschland, bis in die sogen. Militär- »nid Flottengeheimnisse hinauf. Nach ktem Waffensttllstamd konnten sie zu den alten geheimen Spionen noch zahllose weitere Spürer gesellen, amt- liche und private Personen, Männer und Frauen, mit richtigen und mit falschen Pässen. Für die Spionage ist riesig titel (Selb auSaegeben worden; aber eS hat lich gelohnt. . Tre ftindlichen Regierungen wa-en über lie Verhältnisse und Stimmungen in Deutschland ge­nauer unterrichtet, als wir Turcksschnittbürger und so. gar genauer, als manche von unseren Volksvertretern und Ministern.. Sie wußten bestimmt, daß wir er­schöpft waren an Leib und Seele, und daß wir deshalb schließlich rsses imbebingt an nehmen müßten.

Sie buben sich leider nirbt geirrt. Der Hunger hatte uns mürbe gemacht und die Gegner haben dar­aus ihren Verteil gezogen. Das Dümmste, was wir tun formten, träte nun die Selbstzerfleischung durch aeneusettige Vorwürfe. Meder der eine noch der andere von uns at das Verhängnis abwreuden können, wa» mit natt.-rgesetzlicher Getvalt das hungernde Volk betroffen bat.

Deutschland im^ie sich auf den Operationstisch legen und sich die Amputattonen gefallen lassen. Jetzt fragt sich mit. ob wir den Rest von Lebenskraft her» nünftig zusammenhalten und miSttutzen werden, um doch noch unser Dasein zu retten.

Deutschland ist im Kranke-'ause, a' c. i bet Lei­chenhalle noch nicht.