Konnte es bester gemacht werde«?
Wenn das Unglück da ist, sucht der eine die Schuld dem anderen zuzuschieben. Bei einem politischen Unglück muh die Regierung herhalten; bei der neuen demokratischen Ordnung bekommt auch die Volksvertretung ihren Teil.
Einige Besserwisser sagen: Wenn schließUch doch unterzeichnet werden sollte, so hätte man im Mai, als der Entwurf bekannt wurde, das Unannehmbar sich sparen müssen. Andere üben ihren Witz an den Zwischenfällen bei der Beratung in Weimar. Das Säubern und Schwanken sei nicht würdig gewesen und habe unserem Ansehen in der Welt geschadet.
Solche und ähnliche Ausstellungen finden mir zu leicht Gehör, da natürlich über das ungünstige Ergebnis große Unzufriedenheit herrscht. Aber die Unzufriedenheit muß sich an die richtige Adresie richten. Die Lasten sind uns ausgebürdet von den feindlichen Machthabern; unsere Regierung und unsere Volks- Vertreter haben zur Milderung getan, was sie konnten, und wenn sie es anders gemacht hätten, so würden sie auch nichts erreicht haben. Eine feste Mauer kann auch von den klügsten Köpfen nicht eingerannt werden.
Die Protestbewegung hn Mai mit ihrem kräftigen Widerspruch war nicht verfehlt und auch nicht erfolglos. Ohne diesen Entrüstungssturm hätte unsere Abordnung in Versailles die nachträglich bewilligten Zugeständnisie nicht erreicht.
Diese Zugeständnisie seien geringfügig, sagen die Kritiker. Leider sind sie nicht groß; aber sie sind doch besier als gar nichts. Die Zulasiung der Volksabstimmung in Oberschlesien und Ostpreußen eröffnet doch die Möglichkeit, daß wir sehr wertvolle Teile des Landes und der Bevölkerung retten. Ebenso geben die Zugeständnisie in der Entschädigungsfrage, in den wirtschaftlichen Beziehungen und in Sachen des Völkerbundes uns Hoffnungen und sogar moralische Ansprüche auf Erleichterungen. Allerdings keine Gewißheit, aber doch eine schätzbare Unterstützung unserer Zukunstspolitik. Wenn wir im Mai sofort das Haupt gebeugt hätten, so ständen wir schlechter da, als setzt.
Was man als Schwanken und Zaudern beflogt, war im Grunde nicht die Schuld einzelner Personen, sondern die unermüdliche Begleiterscheinung des Klärung s p r o z e s s e s, der sich in der ganzen Ration abspielte. In den sechs Wochen wurde sozusagen aus- geprobt, ob das deusiche Volk noch die erforderliche Kraft habe, um den Widerstand bis zum äußersten bei Ablehnung des, Vertrages durchzuhalten. Mehr und mehr stellte sich heraus, daß es über die körperlichen und seelischen Kräfte des Volkes hinausgehrn würde, wenn wir den Vormarsch der Feinde und die inneren Spaltungen und Unruhen überstehen sollten. Dieser Mangel an Eintracht, Mut und Zähigkeit war ja tief zu bedauern; ober es war und bleibt ein Glück, daß die fatale Wirklichkeit noch rechtzeitig erkannt wurde. Sonst läge die deutsche Ration jetzt schon im Todeskampf.
Was sich in Weimar an Ministerkrisis und Partei- frifen abgespielt hat, war nicht durchweg erhebend. Doch liegt es in der Natur der Dinge, daß ein solches Schicksalsdrama sich nicht so einfach und glatt absoielen kann, wie eine minderwertige Familienfrage am Feierabend. In keinem anderen Staatswesen wäre so etwas ohne Krisen abgegangen. Statt über die Späne zu schelten, die beim Holzhauen fliegen mußten, sollte man frati und dankbar sein, daß unjere L^lksr-rtreier in rastlosem Bemühen ein lebensfähiges Ministerium und eine solide parlamentarische Mehrheit zustande brach, ien.
Wir haben erreicht, was überhaupt mögsich war. Das genügt zur Verteidigung der führenden Männer. Das weitere hängt nun von der Tugend des Volkes ab.
Dis deutschen Bevollmächtigten.
Dr. Dell und Hermann Müller.
Die Reichsminister Hermann Müller und Dr. Bell haben sich auf einstimmiges Ersuchen der Reichsregierung entschlosien, als Bevollmächtigte in Versailles den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Sie haben geglaubt, unter dem furchtbaren Druck der Volksnot und dem unbedingten Bedürfnis, endlich zum Frieden zu kommen, sich diesem letzten und schwersten persönlichen Opfer nicht entziehen zu können.
Zwei Drohnoten.
Aus Versailles wird gemeldet: Dem Minister Hamel ist gestern von der Entente eine Rote überreicht worden, die sich auf die Versenkung der deutschen Flotte in Scapa-Flow und auf die Verbrennung der französischen Fahne n in Berlin bezieht. Die alliierten Mächte erklären sich darin für berechtigt, die Urheber der Versenkung vor ihre Militärgerichte zu zitieren, um über sie entsprechende Strafen zu verhängen. Der Vorfall gebe aber den alliierten Mächten auch ein Recht auf Wiedergutmachung und damit das Recht, olle Maßnahmen zu diesem Zwecke zu treffen. Die Versenkung der Flotte müsse aber von den alliierten Mächten nicht nur als eine Verletzung des Waffenstillstandes, sondern auch als eine mutwillige vorbedachte Verletzung der Friedenshedingungen betrachtet »er- Sen. Die Verbrennung der französischen Fahne n in Berlin bedeute eine ebensolche Verletzung der Friedensbedingungen. Die alliierten Mächte erfiären wher, daß sie von diesen Taten als Zeichen bösen 83 i I l en s Kenntnis nehmen und daß sie sogleich nach keendsnung der Untersuchung die notwendige Wiedergutmachung fordern werden. Eine Wiederholung solcher Akte müßte eine sehr unglückliche Wir- •ung aus die künftige Ausführung des Friedens- Vertrages haben.
Deutschland werde sich nicht beklagen dürfen, wenn jie alliierten Mächte alle Mittel, die ihnen durch den Vertrag, insbesondere den Artikel 429 zugebilligt sind, in Anwendung bringen. (Artikel 429 bestimmt u. a., daß die Räumuna des linken Rheinufers in drei Zonen von fünf zu fünf Jahren verzögert werden kann, wenn die Garantie geaen einen deutschen Angriff als nicht mehr genügend erscheint.)
Die zweite Rote bezieht sich auf die angebliche deutsche Drohung gegen die Polen. Die alliierten Mächte machen darin die deutsche Regierung darauf aufmerksam, daß die polnischen Behörden im Besitze einer angeblichen amtlichen Depesche sind, welche zeigt, daß die deutsche Regierung beabsichtige, zwar einerseits den Friedensvertrag zu unterzeichnen, andererseits aber
eine offiziöse' Hilfe den örtlichen Behörden gegen die Errichtung der polnischen Herrschaft in den abzutretenden Gebieten angedeihen lasten. Die Entente macht darauf aufmerksam, daß sie die deutsche Regierung in aller Form verantwortlich macht, dafür zu sorgen, daß von dem in dem Vertrage bestimmten Zeitpunkt an alle Truppen und alle deutschen Beamten aus den erwähnten Gebieten zurückgezogen werden, und daß keinerlei Unterstützung etwaigen Aufständischen in diesen Gebieten zuteil werde.
Die aufgefangene Depesche eine Fälschung.
Zu der französischen Meldung von dem angeblich aufgefangenen Funkspruch der deutschen Regierung, wonach sie sich dem Krieg gegen Polen zwar offiziell widersetze, inoffiziell aber ihn mit allen Kräften unierstützen werde, wird von zuständiger Stelle bemerkt:
Es handelt sich hier selbstverständlich um e i ne Erfindung, deren Gründe vollständig durchsichtig sind. Zum Ueberfluß wird mit allem Nachdruck feftgefielt, daß die Neichsregierung ein solches Telegramm niemals abgesandt, eine solche Haltung niemals eingenommen hat. Ihr ist er, nach dem furchtbar schweren Entschluß zur Unterzeichnung deS Frie- denS, unbedingt ernst mit seiner Durchführung. Aller- dnigs konrmt ihr unveränderlicher Entschluß ohi»e ihre Schuld in ein zweifelhaftes Licht, wenn ernzelne, wie z. B. General Hoffmann, der frühere Gene- ralnabSchef vom Oberkommando-Ost und jetzige BefeblS. Haber eines Abschnitts unserer Ostfront, erklären, daß sie auch gegen den Willen der Regierung die Bestimmung^, des FriedenSvertages nicht anerkennen und sich ihm mit Gewalt widersetzen würden. Tie Negierung erblickt in einer solchen Erklärung eine unverantwortliche Durchkreuzung der Reichspolitik, gegen die sie jeoeS nötige Mittel anwenden wird. Gegen General Hoffmann ist deshalb bereits daS nach Ansicht der Regierung Erforderliche veranlaßt worden. Tre Korrespondenz, durch deren Vermiitlung die Erklärung des Generals Hoffmann verbreirct worden ist, ist dafür durch den RerchS- wehrminister SloSke verboten worden.
' Die Umtriebe im Osten.
lieber die in der vorstehenden offiziösen Auslassung verurteilten Absichten des Generals Hoffmann wird in der in alldeutschen Blättern wiedergegebenen Meldung einer Nachrichtenstelle gesagt, General Hoff- mann, der allbekannte frühere Mitarbeiter des Gene- ralseldmarschalls von Hindenburg, werde in dem ihm unterstellten Abschnftt der Ostfront auch gegen den Befehl der Regierung keinen Fußbreit deutschen Bodens Preisgeben, sondern die Grenze mit bewaffneter Hand verteidigen. Man kann die Gefühle' des Generals Hoffmann verstehen. Was die Deutschen im Osten fühlen, das erfüllt die Seele aller Deutschen, u. die Gewißheit, daß die von uns bald getrennten Landsleute sich nach wie vor als Deutsche fühlen und die Hoffnung nicht aufgeben, daß der Tag einer Wiedervereinigung mit Deutschland kommen wird, macht uns froh. Für das deutsche Reich ist es aber unmöglich geworden, den Bewohnern der Geb iete, die von uns losgeristen werden, noch weiter biizustehen. Die Entente würde das sofort als einen Bruch des Friedensvertrages auffasten. Schon liegt 'm der letzten der beiden neueren Roten der Entente der Beweis dafür vor. Sie deutsche Regierung, die den Friedensoertrag zu unterschreiben sich verpflichtet hat, muß ihn auch auszuführen versuchen, soweit das mög- sich ist, sie darf jedenfalls Auflehnung gegen die Ausführung nicht dulden, sie verschlechtert sonst Deutschlands Lage seinen äußeren Feinden gegenüber, die das Knebel- und Marterinstrument des Friedens in Händen haben. Der Ankündigung der Regierung, daß sie das Nötige gegen General Hoffmann veranlastcn werde, ist bereits die Tat gefolgt. Nach einer ®olff» Meldung wurde er zur Disposition gestellt.
Danzig, 26. Juni. Aufsehen erregen forgevbe Mit- Heilungen, Ne vor 1500 aktiven Unterciffivrren der hiesigen Garnison gemacht wurden. Es baud-kt sich um P u t s ck v I 3 n e, die seht vereitelt worden ftnb. Tie Politik der deutschen Volksrnte fei dahin gegangen, eine O st r e p n b l i k zu errichten, die nach dem Unterschreiben deS Friedensvertrag'S einen fetbffänbigen bewaffneten Widerstand gegen die Polen leisten sollte. Reickskornrnillar Winnig-Kö- nigsberg sollte die Leitung haben, die östlichen Oberprä- sidenten v. Batocki, Schnackenbnrg, v. Bül"w sollten die Regierung ans demokratifher Grundlage bilden. Ter Kommandierende Genera! des 17. Kords Otto v. Below sollte d'- militärische Führung erhalten. Tie Ver- pflegimg der Truppen sei auf drei Monate gesichert gewesen. Durch die bekannte Besprechung der Generäle in Weimar, in der die Generäle, an der Spitze Groemer, umgefallen seien, sei der Plan gescheitert. Reickskomnnffar Hörsing-Schlefien habe gefürchtet, daß bte Cfttrucpe^ nicht gegen Polen, sondern gegen Berlin marschieren würden. Man habe anch an eine ostdeutsch Monarchie mit Herzog Albrecht von Mecklenburg gedacht. Jetzt nach dem Berliner llnrfan werde abge. blasen. Tie Reaktionäre verhandelten fetzt aber noch unt den Polen in Posen, um eine beutsch-pol. uische Ost.republik anfaitricfrten. Die Polen hatten abgewinkt. Trotzdem seien heute noch vier Her. ren nach Polen gefahren. General v Delow wurde honte der ab schiedet. Die Danziger Unteroffi» 5>ere beschlossen, die Putsche nickt mitzumacken, sondern sich geschlossen hinter die Berliner Regie- rung zu stellen.
Das Mederwald-Denkmal in Gefahr.
wtb. Paris, 26. Juni. (Hoves.) Mehrere Deputierte hoben in der Kammer eine Resolution eingebracht, in der fofort ersucht wird, die möglichst rasche Zerstörung oes auf den Höhen des Niederwaldes errichteten Denkmals zu fordern. Es solle dies eine „Züchti'mmg Deutschlands" für die Versenkung bet Flotte und die Verbrennung der französischen Fahnen sein.
Der Gisenbahnerstrefk.
Line Strelfoerorbtinng Hostes.
Der Eisenbahnerstreik st, Berlin hat gestern an Ausdehnung gewonnen. 3m Lauf« des Vormittags haben die kommunistischen Elemente in allen Eifenbahnwerkstätten eine starke Propaganda entfaltet mit dem Erfolge, daß jetzt 20 000 Arbeiter strei- k e n, u. a. die Arbeiter in den Werkstätten zu Tempelhof und Weftend. Es ist sogar die Parole ousqegeben worden, im Streik zu verharren, selbst wenn die Regierung, mit der im Beisein des Ministervrösidenten verhandelt wird, alle Forderungen bewilligen sollte. Die Regierung bemüht sich, mH Hilfe der Beamten und arbeitswilligen Arbeiter den Betrieb, so gut es geht, auftechtzuerhasten. SM« der Streik noch längere Lest
andauern, so roäre eine Einstellung des Fernverkehrs unser weidlich.
In den Streikversammlungen wurde gefordert, sämtliche Arbeiter, Handwerker und Beamten der Eisenbahn, der Hochbahn und der Straßenbahn sofort zum Generalstreik aufzufordern, der noch am Freitag beginnen fall. Wenn bi« dahin keine Einigung erzielt wird, erscheint der Generalstreik unvermeidlich. Um diesen In letzter Stunde zu oermei- den, erläßt Reichswehrminister Noske folgend« Betört)» nung:
Zur Sicherung des Eisenbahnbetriebes auf Grund des 8 S les Gesetzes über den Belagerungszustand ordne ich an:
§ 1. Sämtliche innerhalb meines Befehlsbereichs bei Eisenbahnbetrieben beschäftigten Personen ist es bis auf weiteres verboten, wenn sie nicht den Nachweis der Arbeitsunfähigkeit erbringen, a) die Arbeit niederzulegen, 6) von der Arbeit fern- a u Bleiben, c) d i e Arbeit zu verweigern, o) ohne Zustimmung ihrer Vorgesetzten die ArbeitS- stelle zu wechseln.
§ 2 Personen, welche die Arbeit bereits nieder» gelegt haben, haben die Arbeitam 28. Juni wie- oer aufzunehmen.
§ 3. Die im § 1 angeführten, sowie sämtlichen anderen in meinem Befehlsbereich befindlichen Pertonen ist verboten, im Eisenbahnbetrieb Beschäftigte mündlick oder schriftlich oder durch Verteilung Den Drucksachen zum Niederlegen bet Arbeit, zum Fernbleiben von ter Arbeit, zu bereit Verweigerung und Wtm Wechsel bet Arbeitsstelle ohne Zustimmung der Vo^esetzten aufzufordetn oder anzuregen.
8 4. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der 88 1, 2 und 3 werden, sofern nach den befttRenten Gesetzen keine höhere Strafe verwirkt ist, gemäß 8 0 des Gesetzes Über den Belagerungszustand mit Gefängnis bts zu einem Jahr bestraft.
Im Bezirk Görlitz und BreSlau preist der Streik weiter um sich. In einer Versammlung der Eisenbahner von Görlitz wurde einstimmig beschlossen, iofott in den Streik zu treten. Der Verkehr auf den preußischen Bahnen ist daher eingestellt. In Oberschlesien wird der Betrieb oufrechterhalten. Die güjc verkehren von und bis Stieg.
Warnung vor dem Generalstteikwahnsinn.
Der Vorstand de» Besirkiverbande« Großberlin der sozialdemokratischen Partei Deutschland« richtet im .Vorwärt»' eine Mahnung an die Arbeiter und Partei- oenossen, in der es heißt: Gegenwärtig wird von den Kommunisten und Unabhängigen wieder eifrig Stimmung für einen neuen Generalstreik gemacht. Man könnte dem deutschen Volke und damit dem Proletariat int Augenblick kein größere» Unglück jufü en, al? wenn jetzt gerade nach Artedensschluß das Wirtschaftsleben durch einen politischen Streik auf» allerschwerste erschüttert würde. Ein solcher Streik würde geradezu ein Verbrechen an bet deutschen Volkswirtschaft und an bet Arbeiterschaft von Bcr in fein. Alle uniete Parteigenossen und alle de- fonnenen Arbeiter warnen wir dringend, sich für einen sollen Generalstreik einfangen zu lasten.
Der Hamburger Aufruhr.
Die Unruhen in Hamburg stellen sich, nach Ansicht der leitenden Stellen als ein Teil groß angelegter po- sittfcher Ausstandsversuche dar, di« über ganz Deutschland verbreitet waren. Sn Hamburg ist jedoch die Bevölkerung den Führern zu früh aus den Händen geglitten. Di« eigentliche Leitung hält sich im Hintergrund. So ist Hamburg das Opfer eines polfti» schen Planes geworden.
Aus Berlin, 26. Juni wird dazu noch gemeldet: Iw Verlaufe der letzten Nacht wurde festgestellt, daß zwischen den Leitern des Hamburger Aufruhrs und den Mitgliedern des Berliner Vollzugsrates die telegraphische Verbindung hergestellt worden war. Von Hamburg aus glangte nach Berlin die Mitteilung, daß gehofft werde, jetzt von Hamburg au« die zweite Revolution über da« ganze Reich heute einzuleiten. Darauf wurde von Bersin au« dem Hause des Vollzugsrates geantwortet: „föraDo!* und enreffinbiot. man werde sehen, noch heute abend Vertreter obzu senden. Es steht weiter fest, daß von Hamburg nach Bersin die Mitteilung gegeben wurde, und zwar wieder nach dem Amtslokal des Dollzugsrates, daß In Hamburg eine großzügige Bewaffnung des Proletariats durchgeführt werden solle, um Hamburg in Verteidigungszustand zu setzen, der es ermögliche, einen großzügigen Kampf gegen die Truppen zu führen, die von der Regierung gegen Hamburg einaefetzt stnd. Es war die felbswerständliche Pflicht der zuständigen Stellen, derartiae Bestrebungen, die zur Folge haben könnten, daß unabfehbare Unheil über die Stadt bftehtbrW, im Keime zu ersticken. Deswegen ist der Befehl gegeben worden, bei den kommunistischen und unabhängigen Mitgliedern de« Vollzugsrote« eine Hausfuchuno zu halten. Da festgestellt wurde, daß keiner der Sistierten do« fragsikhe Tele- pbvngespräch mH Hornburg geführt hat, wurden alle Sistierten vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt. — Der Ausstand in Hamburg muß schon darum schnell und eneraisch beendet werden, well die L e« bensmitteloersorgung Deutschlands in der Hauvtsacke über f>amburg erfolgt.
Inzwischen sind gegen Hamburg etwa tausend Mann Regierungstruppen unter dem General Lettaw-Borbeck in Anmarsch oefeht worden. Sie stehen in Wandsbeck. Eine Kommission des Senats. der Betriebsräte, des Arbeiterrats und der 3 soffgllststcken Parteien benäh sich dorthin, um mit dem Kommandeur tu verhandeln. Unter der Bedingung sowrsiner^instellimg aller Felnbseffgkeften, Heraus» rohe der im Rathaus aemockf»n Gesonnenen. Rückgabe her widerrechtlich geraubten Waffen, Rückstihrung der befreiten Gefangenen wurde umefoat, daß zunächst nicht in das Hamburger Stadtgebiet e i n marsch i e r t werde.
Wie der Kommandant Grv^-Hamburg«, 9amt>T, mitteilt, wird nacki dem n-troffenen Abkommen bft politische Gewalt nach wie vor vom Senat unb die vollziehende Gewalt gemäß de« BeToaeruno«iuHanbe8 bnrck ibn au«oe"tbt. AfS bal MittagSblatt de« ,<*orre fhonbent' bi» Bekanntmachung deS Komuinnbnnten, baff er bie G-^ckäft- toeiterführe und haft Ne Volks« weht nickt entwaffnet werden ^ärte, veröffentlichte, dränge n bewaffne'e Leute in die Druckerei ein, um unter Drobun»»v mit dem Revolver da? Redak- tionSperfonal v '-ierhoffen. Die anwesenden Redake teure wurden .um Rathaufe vor die dort toaenb- 6« Kommifsion ««führt, dort aber wieder entlaßen.
Drohender Spariaklsteupnffch la Berlin.
Berlin, 26. Juni. Im Anschluß an bie kommunisti- scheu Unruhen in Hamburg wird auch für Berlin ernstlich mit der Möglichkeit eines neuen k o m m u n l st l s ch e n Vutsches gerechnet. Die militärischen Sicherungsmah- nahmen für die in erster Linie bedrohten öffentlichen Ge- bäude sind verschärft worden. Die Reichswehr und die übrigen Regierungstrupppen stehen m erhöhter Alarm» bereitfehaft. Die revolutionären Obleute in den groben Fabriken halten seit Tagen Sitzung um Sitzung ab. Auch der angeblich aufgelöste „Rote Soldatenbund hat unter der neuen Bezeichnung „Roter Dolksbund" ferne aufhetzend« Tätigkeit in den bekannten Unruhezentren der Renhs- hauptftabt wieder aufgenommen, wie auf Schritt und Intt im Straßenbilde sestzustellen ist. Man glaubt, daß bei der Stärke der Regierungstruppen in Berlin auch diesmal em etwa wiederkommender kommunistischer Putsch schon im voraus zum Scheitern verurteilt ist.
Ausschreitungen i« Landsberg a. d. W
In der Nackt zum Donnerstag kam eS in Lands- Berg zu schweren UnruhSn. Nachdem sich große Mensckenmassen auf bem Markt angefammelt hatten, hauptsächlich Jugendliche hn Alter von 18 bU 20 Jahren, wurde zur Plünderung des Pro- viantamteS aufgcbetzt. Tie Menge zog daraus zu bem Proviantamt und begann eS zu plündern, geuertreiy und Polizei waren macbtlo«. Der Schaden betragt weit über eine halbe Million. Am Vormittag war biet Plünderung des Proviantamts noch in vollem Gange, Die Hafervorräte wurden wagonweise fortgrfahren. Militärische Hilfe konnte bisher nicht herangeholt wer» den Die Bäckereien wurden von der Menge gestürmt, sodaß Landkberg mittags ohne Brot war. Für Nachmittag sind weitere schwere Unruhen zu erwarte«.
Die Afsäre Scheuermann. Der Einspruch der deutschen Delegation an die sranzösisch« Regierung gegen bie Verhaftung des Mitgliedes der Presiegruppe der deutschen Friedensdelegation hat Ersolg gehabt. Die französische Regierung hat mitteilen lassen, daß sie zwar die Unverletzlichkeit der deutschen Pressevertreter in Versailles nicht anerkenne, daß aber, um weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden, Scheuermann freigegebenwerde. Die Gründe für seine Verhaftung sind noch immer nicht angegeben worden. Auch die Zeitungen enthalten keine Mitteilung darüber. Rur das „Journal" bringt eine kurze Notiz, in der das Wort „verhaftet" von der Zenfur mehrfach gestrichen ist. Dagegen ist aus der Notiz zu ersehen, daß die Verhaftung unter der Beschuldigung von Diebstahl und Plünderung im besetzten Gebiet erfolgt ist. Die Angelegenheit scheint gut ausgedacht zu fein, um den Eindruck von Scapa Flow dadurch zu vernichten, daß man erzählt, es gäbe bei der deutfcken Delegation Diebe und Plünderer. Wie die übrigen Mitglieder der Presiegruppe erfiären, haben sie Sckeuermann nur als einen tadellosen Mann kennen gelernt und weigern sich, eine solche Beschuldigung zu glauben. Scheuermanns (ämtfietje Verwandten sind aus dem Elsaß von der fronzöstichen Regierung auf die härteste Art aus gewiesen roorben wegen feiner Tätigkeit ols Friebensbe- richterstatter. Die deufscken Prellevertreter werden nun bis auf weiteres in Versailles bleiben, wollen sich aber mit bem Besckeid nicht 3ufrieben»ehen. Sie halten sich für einen ebenso integrierenden Bestandteil der Delegation, wie alle übrigen Sochnerstöndlgen und Beamten. — Die Behandlung, die Scheuermann im Gefängnis zu feil wurde, war schlecht. Es wurde ihm eröffnet, daß er wegen Diebstahls im Jahre 1916 im House des Kapitäns Diot in Chorlevllle m Host genommen sei. Tat- fächsich haben in H-rnse vor und nach Scheuer-
Scharfschietze« belgischer Soldat««
auf friedliche Deutsch«!
I. Am 8. Mai abend« wurde der 25 Iah« alte Johanne» Meinten auf der Büdericher Insel, auf dem Nachhausewege noch 70 bis 80 Meter Helfet« der Brücke auf neutralem Boden von einem belgische» Posten angeschoffen und erlitt eine schwere Unterleib». Verletzung. Anstatt ihm gleich an Ort und Stelle die notwendige ärztlich« Hilft anqedeihen zu lassen, oder ihn wenigsten« sofort in ein Weseler Lazarett zu trän», portieren, wurde er trotz de» Proteste» der inzwischen herbeigeeilten Eltern von den Belgiern mittel» «uw nach dem ungefähr 15 Kilometer entfernten Rheinberg in ein Lazarett gebracht, wo er am 9. d. M. abend» seiner Verletzung erlegen ist.
2. Am 29. Mai machten Angehörige de» Düffel, dorfer .Allgemeinen Turnvereins» mit Frauen und Kindern — etwa 20 Personen — eine Wanderung nach Kaiserswerth. Gegen 10 Uhr wurde am Rhein bet Lohausen eine Rast gemacht. Rach etwa */« Stunde fiel plötzlich von der linken Rheinseite von entern belgi. schen Posten ein einzelner Schuß, der den vierzehn, jährigen Knaben Hoppen au» Düsieldorf In» Herz traf.
8. Am 1. Juni befanden sich auf der dem Hafen in Düffeldorf vorgelagerten Halbinsel Lau»ward mehrere Männer, Frauen und Kinder beim Baden. Kurz »ach 5 Uhr nachmittag» begann eine belgische Feldwache vom Unken Rheinufer di« Leute zu beschießen. Di« Leut« begannen darauf sich zu entfernen. Si« mußte» al» Rückweg einen schmalen Pfad unmittelbar am Strom entlang benutzen, wo sie nur einzeln hinter» einander gehen konnten. Die Belgier mußten die» wahrnehmen. Trotzdem setzten sie ihr Schießen fort, al» auch die Leute fich flach auf den Boden warfen. Der Kassenbeamte Goura wurde von einer Kugel ge» troffen, die zum Gesäß hinein und zum Bauch wieder hetauSdrang. Kurze Zeit darauf starb et. Er hinter- läßt seine Krau und 4 unerwachsene Kinder. Während einer kurzen Feuerpause versuchten die anderen Leute sich in Sicherheit zu bringen; sofort begann da» Schießen auf« neue. Sie konnten einem gleichen Schicksal wie Goura nur dadurch entgehen, daß fie einzeln, z» verschiedenen Zeiten davonliefen und über den Damm sprangen, wobei jeder einzelne von den Belgier« be. schaffen wurde. Der Damm ist etwa 100 Meter vom Wasser entfernt.
Diese» find nur tret Fälle, in denen durch «nbe- rechtigtes Schießen belgischer Posten deutsche Untertanen auf neutralem Boden um» Leben gekommen find. Mehrfache schärfste Proteste sind von den deutschen Behörden beim belgischen Oberkommando eingelegt worden ohne jeden Erfolg. Wird wirklich eine Untersuchung eingeleitet, bann schenkt man den Aussagen der belgischen Posten Glauben, während die Aussagen von deutschen Augenzeugen gar nicht gehört werden.
Jeder weiß, mit welcher Lungenkraft die angeblichen Schandtaten der Deutschen in Belgien in alle Welt posaunt wurden, al» in den durch die bewaffnete belgische Zivilbevölkerung hervorgerufenen Ortskämpfen auch Unbeteiligte Opfer der umherfliegenden Äugeln wurden. Daß aber mitten im Waffenstillstände barm» lose Badende, Spaziergänger und spielende Knaben al« Uebunglziele benutzt und zur Belustigung Ott belgischen Soldateska vom anderen Rheinufer her ab- geschaffen »erben,b avonschweigtEntent e-E uro pa.