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Die seit zwei bis drei Wochen zwischen den Eisen- bohnc.tc!:crn, den u.'.ncn Beamten und der bo^nneiwc'.tung bestehenden Differenzen haben in Berlin rt-.r. zum Ausdruck eines Teilftreiks der Ei'en- bahnarbeiier- und Angestellten geführt. Die bahr.er sind, wie bekannt, in- März d. 3. mit Lohnforderungen an die Regierung herangetreten, die nickt bewilligt werden konnten, weil ihre Erfüllung da» ohnehin in die Milliarden gehende Defizit der Eifcn- bahiiverwottung um weitere 2 Milliarden im Lahre er«
Hr I s?«OntwUrnid)fMl m.»äs I Donnerstag 2b. Juni t9t9. |
Ilr. | für die ÄNlnarn: V n t »e U e t, ttrttda. -
toinn, Ker mir der Bereitwilligkeit, ben rurchckaren N nrle, würde "'urgSwerf 'asien hat.
^rieben ju unterzeichnen, fdttorr erkauft r . serriimen, werl» der Bürgerkrieg da» 8?cr da fortfetzte, loo «S der Völkerkrieg liegen Ter Bürgerkrieg abe^ droht, der Räterepublik ist noch nicht cmsg
die Finger sehen. Bestenfalls würden aber die Klassen 1906 bis 1912 demobilisiert werden. Die übrigen müßten sich noch gedulden. — Frankreich behält also dis aus weiteres ein großes Heer im Kriegszustand.
Die andere Frag« war, ob sich die Nachricht eme» französischen Blattes vom baldigen Rücktritt Eie» menceaus bestätige. Die Antwort war: „SBenn ich derartige Beschlüsse ankünden will, benutze ich keine Zwischenträger". Es scheint also, daß Clemenceau aorläufig nicht an den Rücktritt denkt. Doch sprechen die Pariser Zeitungen von einer baldigen Umbildung de» Kabinett». .
Die anderen haben es auch nicht leicht.
Das ist kein schöner Trost für die Unglücklichen. Aber in der gegenwärtigen politischen Lage müssen wir nicht allein das eigene Elend ins Auge fassen, sondern auch die Verhältnisse in den anderen Staaten, um zu einem richtigen Urteil über die Gegenwart und die Zukunstsoue sichten zu kommen.
Wir smfzen unter den schweren Bedingungen, ine uns die Sieger auserlegen. Die angeblich siegreichen Völker haben zu seufzen unter den schweren Folgen, die der Krieg ihnen auserlegt.
Der italienische Geschichtsschreiber , Ferrero sagt, daß man in Europa gar bald den Sieger nichts mehr vom Besiegten unterscheiden könne; der Krieg sei für -olle Nationen eine Niederlage gewesen.
Das haben schsn manche eingesehen, und diejenigen, 6te noch im Siegesrausch befangen sind, werden zu bet« 'Velden Erkenntnis kommen, wenn die Nachwirkungen des Krieges sich erst allgemein und handgreiflich gel- tend machen.
Nordamerika, das erst in den Schlußakt des Weltkrieges eingetreten ist, nachdem es vorher durch Waffenlieferungen ein „glänzendes Geschäft" gemacht hatte, kommt verhältnismäßig am besten weg.
Frankreich fährt am fchlechteften, da es einen großen und wertvollen Teil feiner ohnehin spärlichen Bevölkerung verloren hat, von den wirtschaftlichen Schäden und von den sozialen Gefahren besonders bedroht wirb, namentlich auch an dem Ausfall von den Milliarden, die es dem zerrütteten Rußland für die Vorbereitung des Krieges geborgt hatte.
Italien befand sich schon vor dem Kriege nicht kvohl und befindet sich jetzt sehr schlecht, was sich nicht Mein in dem neuesten Ministerwechsel zeigt, sondern auch in dem vielfach laut gewordenen Wunsche, den unentbehrlichen Handels- und Personenverkehr mit den Mittelmächten wieder hergestellt zu sehen.
England hat die „Genugtuung", daß sein be- heideter und gefürchteter Wettbewerber aus dem Weltmarkt niedergedrückt worden ist. Aber England ist sulcht bloß Industriestaat, sondern in erster Linie Han- sdelsstaat und al» solcher wird es den Ausfall der Ware» „Made in Germany" um so schwerer empfinden, je länger die Lähmung Deutschlands dauert. Der englische Bürger hat schon während des Krieges gewaltig Steuerlasten auf sich nehmen müssen, mehr al» di« deutschen Steuerzahler bisher zu tragen hatten. Die Abrüstung, von der man sich in anderen Staaten eine bedeutende finanzielle Erleichterung versprechen kann, wird das britische Weltreich sich nicht gestatten können, da es bei den bedenklichen Zuständen in Irland und Indien, Aegypten und sonstigen Kolonien sowie bei der gefährlich anwachsenden Seemacht der älmerita« «er und Japaner seine Kriegsflotte und die zugehörige Wehrmacht auf der Höhe halten muß.
Zu den Eeldsoraen gesellen sich überall die politischen und die sozialen Befürchtungen. Die drei „Herren der Welt" feiern augenblicklich einen Triumph als Niederboxer Deutschlands; aber wenn ihre Dölker nüchtern werden und Rechenschaft fordern Über die tatsächlichen Folgen des Krieg«» (nicht bloß über den geschriebenen Vertrag), dann gibt es eine politische Umwälzung, die der gegenwärtigen Herrlichkeit ein Ende macht. Und zwar ein Ende mit Schrecken, wenn die Arbeiterschaft, die bisher niedergehalten worden ist, ihre Ansprüche geltend macht und sich darauf beruft, daß in dem besiegten Deutschland die so- zialen Interessen besser besorgt sind, al» 'm den sogn. Liegerstaaten.
lleberall Teuerung, überall Kohlenmangel und Knappheit an Nahrungsmitteln, überall Begehrlichkeit und Unzufriedenheit, überall Gärung und Krisen. Darunter leiden wir in Deutschland jetzt zuerst und am schäl fsten; ober die anderen Völker werden von den- selben Nachwirkungen des Kriege» heimgesucht werden.
Das soll bei uns keine Schadenfreude erwecken, aber es verstärkt doch unsere Hoffnung, daß der furchtbare Druck, den die gegenwärtigen Machthaber auf uns aus« üben, sich in absehbarer Zeit lockern wird, wenn wir jwr in der gegenwärtigen Uebergangszeit durchhalten.
Der Siegesrausch hat den wahren Völkerfrieden geschändet und verdorben. Die gemeinsamen Leiden und Lasten werden die Nationen wieder einander näher bringen und den Völkerbund begründen, der neues Leben aus den Ruinen sprießen lafleo muß.
tag wieder aafgenommen worden, hatten jedoch noch zu keinem Ergebyis geführt. Auf dem Görlitzer Bahnhof in Berlin traten daraufhin die Eisenbahner infolge des Terrors einer Minderhell in den Ausstand und Zwangen die Eijenbahnbeamten zur Einstellung des Fern- und Borortsoerkehrs, der Bahnhof wurde geschlossen. Werkstätten Grünewald schlossen sich den Ausständigen an. Der Streik ist als ein durchaus „wilder" zu bezeichnen, da die großen Verbände der deutschen Gisen- bahnei sich ausdrücklich gegen einen Streik ausgesprochen haben. Die Leitung des Allgemeinen Eisenbahner- verbandes erklärt, daß die Streiks lediglich auf bewußter Irreführung der Eisenbahner durch kommunistische Elemente zurückzuführen seien. Es besteht auch kein Zweifel, daß es sich trotz der hohen Lohnforderungen um einen politischen Streik handelt, und daß von kommunistischr Seite au» Anstrengungen gemacht werden, um den Streik über ganz Deutschland auszudehnen. Die unteren und mittleren Eisenbahnbeamten, sowie auch bet größte Teil der Arbeiter in den Haupt- werkftätten stehen dem Streik ablehnend gegenüber, und nur ein kleiner Teil der Arbeiter in den Betriebswerk- ftätitn zeigt sich den kommunistischen Einflüsterungen geneigt. Die politische Richtung der Streikbewegung geht fiar aus den sachlichen Forderungen der Streikenden ^rvor, sie laufen auf volles Mitbeftimmungsrecht der Angestellten und Arbeiter in jedem Zweige der Vermal- hing, Anerkennung des fogn. Zentralrates der Eisen- bahner und überhaupt Einführung des Rötefyjtcms bei bet Lahnverwaltung hinaus; politischen Charakter trägt schließlich bie Forderung, die Arbeitszeit einschl. Ueberstuuden auf 48 Stunden wöchentlich zu beschrän- ken. Ferner wird neben einer einmaligen Lohnzulage von 600 Mark die Erreichung des Höchstlohnes 'chon mtt dem 24. statt dem 27. Lebensjahre verlangt, und eine Erhöhung der Stundenlöhne auf 2,80 bis 3,60 statt bisher 1,60 bis. 2,50 Mark. Das L o h n e i n k o m- menet nesEisenbahners würde bei Erfüllung der neuen Forderungen für den Staatsdurchschnitt von 4200 auf 8000, für Berlin von rund 6200 a u f 9 0 0 0 Morksteigen. Für die Eisenbahnverwaltung eher würbe die Bewilligung dieser Lohnforderungen eine Mehrausgabe von.rund 2)4 Milliarden Mark bedeuten, der jetzt auf etwa 2,4 Milliarden geschätzte Lohnetat würde sich also verdoppeln und das Defizit der preußischen Eisenbahnen von 3,5 Milliarden «ms rund 6 Milliarden steigen. Es liegt aber auf der Hand daß die Eisenbahnen künftig überhaupt kein De- sizit mehr haben dürfen, vielmehr wieder Ueberfchüfse bringen müssen, wenn nicht unser ganzes Wirtfchaftsle- ben rettungslos einem nahen Zusammenbruch entgegen- treiben soll.
Eine Bewilligung dieser neuen Lohnforderungen würde bie gesamte Bevölkerung auf das schwerste treffen. do sie ohne eine geradezu ungeheuerlich weitere Erhöhung der ohnehin fchon fast unerträglich hohen Tarife gar nicht denkbar wäre; sie würbe vor allem ober auch bas ganze Wirtschaftsleben in einer schlechthin unsr- trägücheii Weise belasten, im übrigen schon deshalb ohne weitere unverantwortliche Schuldenwirlschaft gar nicht möglich sein, well eine Erhöhung der Tarife, wie st« zu. Befriedigung der Lohnforderungen rechnerisch nötig wate, einen gewaltigen Rückgang de» Bahnverkehrs zur Folge haben, ben beabsichtigten Zweck bem- nach doch nicht erreichen würde.
Im Lause des gestrigen Tage- ist bei einem Teil der Arbeiter wieder Ernüchierung eingetieten. Der Arbeiter- und Beamienral der Eisenbahndirektion berief eine Versammlung bet Streikenden auf den Görlitzer Bahnhof em und erreichte eS, daß die Mehrzahl der Ausständigen sich bereit erklärte, die Arbeit wieder aufzunehmen. Infolgedessen verkehren bereits wieder die Borortzüge. Heute finden Besprechungen im Ministerium der öffentlichen Arbeiten statt, zu denen ein EisenbahnerauS.chuß hinzuge zogen wirb.
Di« Hamburger Unruhen.
W Hamborg, 24. Juni. Im Anschluß cm die gestrige Erstürmung der Konservenfabrik Herl wurden heute zwei weitere Fabriken von einer nach Tausenden zählend, n Menschenmenge gestürmt. Die erregte Menge forderte, daß Arbeiter und Arbeiterinnen in die Alster geworfen oder gehängt werden sollten. Mittags zogen große Trupp» Demonstranten nach bem Kriegs. derscrgungSamt, stürmten dieses, zerschlugen die Büro, etnrüüung und trieben die Angestellten aus den Rau- men Der L-iter bei Amts und die Prokuristen der Fabrik feil wurden unter Mißhandlungen zum Rathausmarkt geschleppt. Zur Aufrechterhaltung der Crb- nung war nachmittag- ein größeres Truppenausgebot notwendig. _
W Hamburg, 25. Juni. Die ©partahften halten sich im Laufe der Nacht in ben Besitz des Haupt, bahnhofk gesetzt, und die dort postierte Bolkswehr entwaffnet. Dadurch find sie in den Besitz von So wehren, Maschinengewehren und SJtunition gekommen. Mit diesen unterhielten die Epartakisren während der ganzen Nacht ein lebhaftes Feuer. — So ist eS den bolschewistischen Hetzern, unter benen sich viele AuS- länder befinden, gelungen, die hn Grunde unpolitische Erregung für ihre politischen Zwecke auSzunutzen.
Hamburg, 25. Juni. Heute vormittag befand sich bie Innenstadt in vollständigem Kriegszustand. FortgeietzteS lebhafte? Gewehrfeuer unterbindet jeden Straßen, und Geschäftsverkehr. Gegen 2 Uhr nach, mittag? wurde daS Hamburger Rathau? von den Aufständischen nach kurzem Kampf besetzt. Hierauf wurde nock eingeleiteten Perlrandlungen der Straßen» kmnps eingestellt und vorläufige Waffenruhe be» schlossen. Auch die Jvftizgehäude hatten die Spartakisten in Besitz genommen und die Befreiung der politischen Gefangenen, der Verbrecher, Räuber «tib Mörder veranlaßt. Die Gerichtsakten wurden auS den Feirftern geworfen und in Brand gestockt. Im -tilge- mefcen ist die Stimmung heute abend ruhig. Dian hört nur noch vereinzeltes Schießen. Bisher wurden an Opfern der Straßenkämpfe 185 Tote und mehrere hundert Verwundete gemeldet. ES sind größere Truppenabteilungen nach Hanckurg ab transportiert worden, um den Aufstand mederzufchlagen und bie Ordnung wieder herzu,«ellen.
Der drohende Vürgerkrfeq.
Der „Vorwärts" reibt: Der kümmerliche Ge-
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S&'mS gneMWen. In in ten Wochen bestimmt eine i to ei1 e. Ji e li& würd^Auch vor" Kampf und Blut werde man n3n SÄ Orte Blankenb urg wurde eine Anzahl Kommu nisten »er haftett und
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Ein Befehl des Reichswehrministers. J Reichswehrminister Noske erläßt folgenden Beseyl: Die Ausstände in Hamburg und an anderen Orten ver» zuschlagen. Rücksichtsloser SSaffenge« brauch ist dabei geboten.
2. Bei Streiks in gemeinnützigen Betrieben, Deren Fortführung für die Allgemeinheit eine Lebensnotwen- bigteit ist, ist der Betrieb mit allen Macht. Mitteln aufrecht zu erhalten. Dte Freiheit zur Arbeit ist überall zu schützen.
3. Bei Streifs auf Eisenbahnen ist bie Durchführung notwendiger Transporte mit äßaffengeroalUu erzwingen.
* B-rhaftung einer deutschen Pressevertreters. , Dar Mitglied der ?ß-elf-Vertretung bei bet deutschen Delegation in Versailles, Scheuermann, der dl«! .Deutsche Tage4»mtnnq' vertritt, wurde steuern vofl Agenten der Sicherheitspolizei, die angeblich iM Auftrage be« Mtli'ärgeiichts in Paris handelte^ ohne Angabe von Gründen verhaftet und nach Pan« ab-esührt. Ein durch den Botschaftsrat Frecherrn v. 2 t rin er alsbald bei dem Obersten Henry erhobener Protest konnte bie Verhaftung nicht hindern. Di« hier anwesenden Presseverireter haben einstimmig be chlossen, da ihnen da« zugesagte freie Geleit nutzt gewährleistet erscheint, Versailles heule aoend « verlassen, um so gegen dieses allen Gebrauchen bet Anstande« hohn sprechende Verfahren zu protestierens
* Deutschfeindliche Demonstrationen in «Pa. N»h SMannttoerben der deutschen Einwilligung rrt bie Entenlebedingungen kam es vor dem von der deutschen Wafienstillstandskommission tn Spa bewohnten Hotel zu lärmenden Kundgebungen der Bevölkerung, an denen belgische und franzostich« Soldaten teilnahmen. Das JohlenundP ferse« dauerte stundenlang an. , i
♦ Wegen versuchter Grenzirberschreitung wurden von den Engländern innerhalb von 8 Tagen in ber; Nähe der Grenze bet Elberfeld nicht weniger al8 8 Personen erschossen; außerdem forderte bie, Beietzung von Solingen zwei weitere Todesopfer.^ Ein 30jähr.ger Arbeiter wurde von einem schotten im Streite erschossen, während ein l8jährigesMädchen, einer verirrten Kugel zum Opfer fiel. Die snm-! rnung der Bevölkerung ist durch die losen Schietze-- reien der Gäste ziemlich erregt.
♦ Erpressungen. Um bie Auszahlung einer Teue- ungsjulage durchzudrucken, haben die städtischen Ardet» ter in Barmen gewaltsam die Stillegung des Elek» trizitätswerkes erzwungen, verhinderten die Abfuhr desf Mehles, der Kartoffeln, ja, sogar die Wärter der Krankenhäuser stellten die Arbeit ein. Auch bie Kranken- küche wurde stillgelegt, wodurch 1500 Kranke ohne Milchsuppe blieben. In der Erkenntnis der Ohnmacht, gegen die brutalen Willkürakte der Arbeiter in anderer Weife einfchreiten zu können, beschloß die Stadtverord- netenversammlung, um Schlimmeres zu verhüten, di< Arbeiterforderungen zu erfüllen.
Die Preußische Laitdesversammlirng
über bie Unterzeichnung des Friedens.
Sitzung vom 25. Juni.
Auf her Tagesordnung steht die förmliche Anfrage1 tzlbolf Hoffmanns (llnaWj.) über die Stellung der preußischem Regierung und der Landesversaminlung zur Unterzeichnung de? Friedensvertrages.
tog. Adolf Hofsmann (Unabh.): Rach Zeitungsnachrichten bat die preußische Regierung im Staaten- ausschutz gegen die Unterzeichnung des Friedens Stellung genommen. Wie kommt sie dazu, ohne fuh vorher über die Stellung bet Lamdesversammjung unterrichtet zu haben? Daß der Fried« jedem Rechtsgefühl Hohn spricht, darüber sind, wir uns alle einig. Di« Zustände im Innern haben mit dazu beigetragen, daß uni ein solcher Vertrag Angelegt wurde. Tie Verhaftung von zahllosen Arbeitern, bk, Ermordung von FoeiheitLlämpfern, der Belagerungszustand, die Knebelung der Bresse und des Versammlungsrechts zeigt, was von der Freiheit bei uns zu halten ist. In nächster Zeit wird sich der Groll gegen Sie entladen, der sich im Voll angesammelt hat, Ferner muß ich die Regierung fragen, ob sie wirklich das genügende Ver» amwortlichkeitsaefühl hat für die Gefahren, die sich im Osten anspinnen. Im Osten bereitet sich der Bruch de« FriedenSvertrages mit allen seinen furchtet- heben Folgen vor. Es ist höchste Zeit, die Truppen aus den außerdeutschen östlichen Slandstaaten, in denen wir nichts verloren haben, zurückzuziehen. Wir haben da« allergrößte Mißtrauen gegen diese Regierung. Sie können 'ich nickt wundern, wenn daS Proletariat selbst die Gewalt in die Hand nimmt, um endlich erst einmal Ordnung zu fdxrffen. (Lachen.) Sie werdchn die Diktatur des Vol-keS erleben früher, als Ihnen lieb ist. Man versucht, den neuen Krieg, der sich im Osten vorbereitet, damit zu erklären, daß die Bevölkerung des OstenS sich gegen die Erfüllung de» FrirLenSvetttogcS mit bewaffneter Hand wenden wolle. DaS stimmt aber nicht! Tie Arbeiter denken nicht daratl, sich in einen neuen Krieg zu stürzen. Jede Militärdiitatur würde mit einem Generalstreik beantwortet werden. Jeder Zusammenstoß im Osten mit den Feinden hätte ja zur Folge, daß die Entente den Vertrag für verletzt erklären und zugleich neueS Unheil .über uns verhängen würde. Tie Regierung muß jetzt ' Sicherheit geben gegen den geplanten Militärputsch. Nach der Unterzeichnung des Friedens kann unS im Innern nut noch retten die konsequente Sozialisierung. Tas internationale Proletariat muß sehen, daß daS deutsch« Volk durch die Tat beweist, daß es ehrlich den Weg deS Friedens gehen will, daß ihm Freiheit der Menschheit das hockte Ziel ist. Ties ist nur zu er- reichen durch die Förderung der Weltrevolution.
Ministerpräfident Hirsch: Tie Vertreter der preu- ßischren Regierung haben sich, wenn auch nickst im Stag- renäusscknch, so doch im Reichskabinett gegen die Unterzeichnung des Frieden» erklärt. (Lebhaftes Hört, hört! bei den Unabhängigen.) Sie haben daS nicht nur getan aus innerer Ucbe---euguag, sondern au/ ür
Wann wird unterzeichnet?
Zur Stunde ist noch nicht bekannt, teemt in BeriailleS unterzeichnet werden soll und wer He kmische Umerschtift leisten wird. Den dafür geeignete Mann zu finden ist schwierig. Man fpiicht v»n mehreren, b:e abgelehnt haben. In Frankreich glaubt man, daß di« Unterzeichnung am ©am«tag nachmittag 2 Uhr fteittfindet.
Llemencearts Triumph.
Aus Paris wirb gemeldet: Als Clemencem in feinem Kabinett telegraphisch hörte, daß bie Deutschen den Frledensvertrag annehmen, brückte er ben Ministern unb Mitarbeitern bie Hand unb sagte: „Meine Herten! Auf diesen Augenblick habe ich 49 Jahre gewartet". — Clemencau gibt also bamit zu, daß Frankreich auf diesen Krieg sich 49 Jahre hindurch vorbereitet hat und daß es in Wirklichkeit ein A n g r t > 12 k r i e g der Franzosen gewesen ist. Die ganze Heuchelei des Friedensverttags kommt bamit zum Vorschein, in»- befonbere die Vertragbbestimmung, in der gesagt wirb, daß der Krieg ben Alliierten durch ben Angrifs Deutsch- tonbs aufgezwungen worben fei. Der deutsche Standpunkt ist durch (Tlemenceau also noch vor der Unterzeichnung gerechtfertigt worben.
Arankrelch rüstet nicht ab.
Ministerpräsident Clemenceau, der versprochen hotte, vor der Kammer über die FriebensverHandlungen |H sprechen, Hai sich begnügt, nach seiner Rückkehr au» Versailles in den Dandelgängen der Kammer zu erscheinen und hort ben Slbgeqjbneten einige Auskünfte zu geben. Diese erste Frage war bie nach der Abrüstung. Clemenceau erwiderte, baß ein« vollständige Te- Mobilisation vorläufig nicht möglich sei. Die Truppen am Rhein könnten nicht demobilisiert werden. Di« Friedensftagen mit Oesterreich, Bulgarien unb der Tür- fei’ würben sich wohl noch zehn Monate hinziehen. Dann Hieben noch anbere ungelöste Ostprobleme. End- vch müsse man Deutschland noch sehr mißtrauisch auf
tltua, oer Fuwoec -.cnendruckereiin,;wda.-Prei-m°natl. I Zahkg.
85 Pfg. - Ferner. Nr. 8. Tetegr.-Ädreste: Fuldaer Zeitunz. >
-stlan. sie Tcfrrrl frrm einzuführen, noch, nicht
. —,------------„ —------- ---------------- —— Eine Eruvpe auf der äußersten Linker-
| höht hätte. Die Verhandlungen warm am letzten Mon- l Zett zum LoSschlagen fei gekommen.
HindenvurgS Abschied.
Generalfeldmarscholl 0. Hindenburg hat an bas Reichspräsidium folgende Drahtung gerichtet:
Herr Prösidentl Huf mein Schreiben vorn 1. Mai 1918 haben Sie mir die Zustimmung dazu erteilt, daß ich mich nach Unterzeichnung der Frieden» in das Privatleben ju- rück-iehe Ich lege daher nunmebr b|n Ober- befehl nieder. Dem preußischen Herrn Sygsmintfter habe ich eine Abschrift diese» Telegramms zugehen lasten gez ». Hindenburg.
An bie Truppen richtete Generalfeldmarschall von Hindenburg folgende Abschiebskundgebung:
Soldaten; Ich habe mich seinerzeit der Regierung gegenüber dahin au»gesprochen, daß ich als Soldat den ehrenvollen Untergang einem schmählichen vorziehen muß. Diese Erklärung bin ich Euch schuldig. Nachdem ich schon srüher meine Absicht kundgetan hatte, nach erfolgter Frie- densentfcheidung wieder in den Ruhestand zurückzutreten, lege ich nunmehr den Oberbefehl nieder. Ich gedenke bei meinem Scheiden vor allem bewegten Herzens der langen Jahre, h denen ich drei königlichen und kaiserlichen Kriegsherren dienen durste. Zeiten stiller, unermüdlicher Frie- densordeit und stolzen Aufstiegs, großer Siege und zähen Ausharren» stehen mir dabei vor Augen. Ich gedenke aber bann auch mit tiefem Schmerze der traurigen Tage des Zusammenbruchs unferes Vaterlandes. Die hingebende Treue und da» Vertrauen, mit denen Offiziere, Unterastiziere und Mannschaften neben mir standen, waren mir ein Lichtblick in dieser namenlos schweren Zeit. Dafür gebührt Euch allen, darunter nicht zuletzt den Frei- «illigen-Verbönden, die unentwegt die Wacht an der Ost- ftont hielten, mein unauslöschlicher Dank. Mit diesem Danke oetbir.be ich aber noch eine Bitte für die Zukunft Wie bet einzelne bei sich über bie Ereignisse der letzten Tage bentt, ist seine Sache. Für seine Handlungen darf es aber nur eine Richtschnur geben: das Wohl des =<»terlanbe». Noch steht unser Volksstamm in schwerer Sefahr. Die Möglichkest, dte innere Ruhe zu wahren und zu fruchtbringeni^r Arbeit zu gelangen, hängt r»e* sentllch von der Festigkeit unserer Wehrmacht ab. Diese Festigkeit zu erhalten, ist daher unsere erste Pflicht. Die persänttchen Anschauungen, so schwer es auch fallen mag, müssen zurückgestellt werden. Nur durch solche ernmüttge «rbeit kann es mit Gottes Hilfe gelingen, unser armes deutsches Vaterland aus ttefster Erniedrigung wieder belferen Zeiten entgegenzuflihren. Lebt wohl, ich werde Euch nie vergessen!
6t* Erlaß be« Kriee««inisterinms.
T»s Kriegsvckniftertmn veröffentlicht einen Erlaß, wonach die für ba5 deutsche Heer besonder« schmachvollen Dediugungen des Friedensvertrags von den Soldaten mit ihrer Ehre nicht in Einklang gebracht werden könnten. ®» müßAr aber persönliche Bedenken zurückgestellt werden, tv«l He dringlichste Pflicht gegen be« Vaterland die Aufrechterhaltung der Ordnung und Ruhe und die Weiterivh. rurtg beS laufenden Dienstes erfordere. Um da« beschleunigte Aurscheiden von Offizieren auS dem Dienste zu erleichtern, wird bestimmt: 1. Sämtliche preußischen Generale können vom heutigen Tag« ab ihre Stellung gut LiSposMon ohne tteitere Formalitäten beantragen. Dies« ftetW .läuft am 23. Juli ab. Die Entscheid^«« tter die Gemehmigung hängt von der Aköglichkett des Ersahts ab. 2. Ta dieser Weg für die Gesamtheit der Offiziere,, Sanitätsoffiziere, Belerinäroffizirre imb Beamte nicht durchführbar ist, muß es für diese ebenso wie bie Ünteroffizier« und Freiwilligen bei bem bisherigen Tienstwep verbleiben, jebudi können die Besuche um Verabschiedung in allereinfocksiter Form eingereicht werden. 8. Alle Ver- sorgungsansprüche bleiben unberührt bestehen.
Die Lage im Oste«.
Der Reich»» und Staatskommiflar für Oberschlesien und Westpolen forbert in einem Aufruf die Bevölkerung auf, sich ben angenommenen Friedensbedingungen zu fügen, ja berechtigt auch die Empörung darüber gerade in den östlichen Landern ist. In D a n, i g gab Oberbürgermeister Sahm eine öffentliche Erklärung ab: Xrauemb fügen wir uns der Entscheidung. Wir wollen aber unoetminbed bas Deutschtum dieser Stadt erhalten.
Die drei Oberpräsidenten der preußischen Oft- Provinzen haben an die Bevölkerung Ostpreußens, Westpreußens imb Posen» eine Kundgebung gerichtet, in der Re dem Hefen Schmerz über die Annahme der feindlichen Bedingungen Ausdruck geben. Es heißt bann weiter: Stände die Ostmark allein, so wäre es der gegebene Weg, mit ben Dafsen Selbstbestimmungsrecht und Ehre zu wahren. Wir Dürfen aber bie Regierung an ber Einlösung der einmal gegebenen Wortes nicht hindern. Die Rücksicht aus unser« Dolksgenosien hn Reiche, welche bie Folgen solchen Dorgehens zu tragen hätten, legt uns bie schwere Pflicht auf, bem Kamps zu entsagen und uns dem getroffenen Entscheib zu beugen.
Manche Entschließungen großer Volksversammlungen in den östlichen ßanbesteilen, bie an Polen abgetreten werben sollen, könnten auch jetzt noch den Eindruck erwecken, daß unsere Lantzsleute dott in degreislicher Erregung an bewaffneten Wi 0 erstanü denken. Die „Deutsche Allg. Ztg." meint mbefien, daß Nachrichten, die an leitenden Berliner Stellen cerliegen, erwarten lassen, daß bie Bevölkerung ber hn Osten abzutretenden Gebiete in ruhiger Fassung bas Unvermeidliche erwarte unb daß es unwahrscheinlich geworden sei, daß es m ben östlichen Provinzen zu einer Volkserhebung in größerem Maßstäbe unb ju größeren Kämpfen mit den Polen kommen werde. Kleine ^harmützel seien nicht avsgeschlosien.
Di« gestrig« polnische Alarmmeldung von einer angeblich aufgefangenen deutschen Depesche über Krieg»- pläne gegen die östlichen Nachbarn ist durchaus n n- glaubwürdig. Es sind nirgend» Anzeichen dafür zu erblicken, daß von deutscher Seite auf einen gewaltsamen Konflikt im Osten hingedrängt würde.
Leilstrett der Gisendahner.