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Em Aufruf der Regiemng.
An das deutsche Volk!
Die Reichsregierung hat mit der Zustimmung der Nationaioersommtung erklärt, den Friedensvertrag zu unterschreiben. schwersten Herzens unter dem Druck der rucksichtstoiesten Gewalt, nur in dem einen Gedanken, unserem wehrlosen Volke neue Kriegsopfer und Hungerqualen zu ersparen.
Der Friede ist geschlossen. Run wahrt und fichert den Frieden.
Das erste Erfordernis ist: Vertragserfüllung! Lede Anstrengung mutz an die Erfüllung die- fes Vertrages gesetzt werden. Soweit er ausführbar ist, mutz e rausgeführt werden. Nimmer »erben wir derer vergessen, denen die Abtretung droht. Sie sind Fleisch von unserem Fleisch. Wir werden für sie eintreten, wo wir können, wie für uns selbst. Aus dem Staatsverbande können sie gerissen werden, aber nicht aus unserem Herzen.
Das zweite Erfordernis ist: A r b e i t! Die Lasten dieses Friedens können wir nur tragen, wenn keine Hand müßig ist. Für jede nichterfüllte Leistung können die Gegner mit Vormarsch, Besetzung oder Blok- kade antworten. Wer arbeitet, verteidigt den heimischen Boden. z
Das dritte Erfordernis heißt: Pflichttreue! Wie wir trotz aller Gewiflensnot auf dem Posten geblieben sind, so muß es jeder einzelne machen: der Soldat, und zwar Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, der Beamte, jeder muß, um des Ganzen willen, feiner Pflicht treu bleiben, auch in diesen bösesten aller bösen Tage.
Man zwingt uns, Deutsche einem fremden Gericht auszuliefern. Wir haben uns bis zum äußersten dagegen gewehrt. Für die Hefe Erbitterung unserer braven Truppen haben wir volles Verständnis, aber wenn Offizier und Mann jetzt nicht noch fester für innere Ordnung eintreten helfen, fo liefern wir nicht nur ein paar Hunderte, sondern Millionen unserer Landsleute aus, und zwar der Okkupation, der Annexion und dem Terror.
Deutschland muß lebensfähig blei- den. Ohne innere Ordnung keine Arbeit, ohne Arbest keine Vertragserfüllung, ohne Vertragserfüllung kein Friede, sondern Wiederaufflammen des Krieges. Wenn wir nicht alle mithelfen, ist die Unterschrift unter dem Vertrag wertlos, dann kann es keine Erleichterung, keine Revision und kein schließliches Abtragen der ungeheuren Lasten geben. Was heute anTagen versäumt wird, kann unsere Kinder Jahre der Knechtschaft kosten. Schon heute mästen Volk und Regierung an die Arbeit gehen. Er darf keine Pause geben und tonet beiseite stehen. Es gibt nur ein Weg aus der Finsternis dieses Vertrages: Erhaltung von Reich und Volk durch Einigkeit und Ar- beit Helft uns dazu Männer und Frauen!
Der Reichspräsident: Ebert.
Die Reichsregierung: Bauer, Erzberger, Hermann Müller, Dr. David, Dr. Mayer, Wiflell, Stob. Schmidt, Noske, Giesderts, Dr. Bell, Schlicke.
DaS Ende.
Die Feinde haben erreicht, was fie wollten, Deutsch- land» bedingungslose Unterzeichnung des Knechtungsvertrages.
Das deutsche Volk ist in dem Kampfe gegen die ganze Weitz den es bei Gott nicht heraufbeschworen hat, mögen seine Feinde tausendmal das Gegenteil behaupten, unterlegen und es spürt auf seinem Nacken den Fuß eines Siegers, den es in hundert Schlachten besiegt und bet es endlich doch niedergezwungen hat, weil das deutsche Polk dem Hunger erlag. Ehrliche Sieger, die ihren Sieg der Ueberlegenheit ihrer Kraft verdankten, haben es sich stets, wie die Geschichte lehrt, zur rttter- lichen Pflicht gemacht, den im offenen Kampfe unterle- Sven Gegner, wenn nicht mit Großmut, so doch mst chnmg vor seiner Tapferkett zu behandeln; ober man muß schon unter den Gebräuchen wilder Völkerschaften Umschau halten, um einen Siegesübermut zu finden, wie Deutschlands Feinde ihn zur Schau tragen, und in der ganzen Weltgeschichte gibt es keinen Friedensvertrag, der an Gehässigkeit, Grausamkett und Stiehr- lichtest auch mit entfernt dem Vertrage ähnüch sähe, unter den Deutschland in bitterer Rot seine Unterschrift setzen muß. Gibt es etwas Schimpflicheres und Erbarm- licheres, als dem Wehrlosen, am Boden liegenden Geg- ner auch noch die Ehre rauben zu wollen, wie es die Feinde zu tun versuchen durch ihre Forderung de» Schuldbekenntnisses und der Auslieferung der Angeklagten?
Unsere Regierung Hai es an Versuchen nicht fehlen lassen, aus dem Friedensdiktat diese Bestbnmungen zu entkernen, die darauf berechnet sind, Deusschland zum Unglück die Schmach zu fügen. Die Geheimdiplomaten der Entente sind darauf nicht eingegangen, wiewohl es sich mehr um ihre, als unsere Ehre handelte. DK Schmach bleibt jetzt an ihnen hasten für alle Zeiten, denn immer wird es ©ebot der Selbstachtung sein, feierlich gegebene Versprechungen in Geltung zu lassen einem Gegner gegenüber, der vertrauensvoll sich seiner Wehrhafilgtot entäußert hat. Die Entente hat sich dieser elementarsten Pflicht entschlagen. Statt des .Friedens der Verständigung" hat die Entente ein Instrument der Rache und des Hasses geschmiriret. Mit der Drohung, 60 Millionen Menschen, Männer, Frauen und Kinder, dem Hungertode auszusetzen, und ein Land, oas sich nicht mehr wehrt, aus Luftfahrzeugen zu de- fchietzen, erzwingt die Entente Zugeständnisse und Erklärungen, die wahrheitswidrig und unmoralisch sind.
Wenn die Entente glaubt, mit der erpreßten Unterzeichnung wirklich ein Schuldbekenntnis Deutschland» erzielt zu hoben, so täuscht sie sich über den Wert dieses „Geständnisses" ebenso wie die früheren Hexenrichter über die Aussagen der gefotierten Opfer. Alle West weiß, daß wir nur den Forderungen der Entente uns unterwerfen, aber nicht den Behauptungen, die sie zur Begründung willkürlich aufgestellt haben. Was die Auslieferung der verfolgten Personen betrifft, so ist vor allem der praktische'Gesichtspunkt im Äug« zu hßhalten, daß bei Ablehnung des Vertrages die En
tente die Macht haben würde, sich mst eigener Dewaü dieser Personen doch zu bemächtigen, roenn fie Demsch- land besetzt. Die betreffenben Mitbürger kommen also durch die Unterzeichnung des Friedens in keine schummere Lage, als ihnen bei der Richtunterzeichnnug droben wurde.
Aber du Zumutung allein, die an das deutsche Volk gestellt wito. ist es, gegen die sich unser Ehrgeftihl aufbäumt. Indessen die Ehre kann nicht verloren gehen durch die Gewalt und Lift von Erpressern. Die Ehr ist bas allereigenste t'ebensgut der Menschen und Völker, ihr kann von außen fein Unglück geschehen. Wohl ober trifft diejenigen Schmach und Schande, die oer- suchrv, diese? Lebensaut anderer zu verletzen.
Wir wollen die Perzweifung von uns abschütteln über das Uebermaß von Lasten und Qualen, das der Friedensvertrag uns bringt. Der Gedanke, daß dies alles Gottes Fügung ist, soll uns aufrichten in dieser düsteren Stunde und den Willen in uns stärken, mi allen unseren Kräften dahin zu wirken, daß unser un- glückliche» deutsches Volk doch eine Zukunft haben mutz.
Vorwärts den Blick u. aufwärts! Wenn wir das Joch mit Würde und Kraft tragen, dann kommt einst ein Tag der Erlösung!
Di« Unterzeichnung.
Sn Versailles werden die letzten Vorbereitungen für die Unterzeichnung des Friedensvertrages getroffen. Der Tag steht noch nicht fest. Der General- fefretär der Friedenskonferenz, Dutasta, hat dem deutschen Vertreter in Versailles den Donnerstag vor- geschlagen. Wer von deutscher Seite unterzeichnet, ist noch völlig ungeklärt. Es war zunächst in Aus- ficht genommen, daß der Gesandte von Haniel die Unterschrift leisten sollte. Dieser hat ober abgelehnt. Es ist noch ungewiß, ob eine besondere Delegation zur Unterzeichnung des Vertrages gebildetz oder ob sie einer einzelnen Person übertragen werden wird. Unrichtig ist jedenfalls die Mitteilung, daß der Minister Erzbergerander Spitze einer Delegation sich nach Versailles begeben werde.
An zuständiger Stelle ist man der Auffassung, daß dieAusführungdesFriedensvertrages erst mit seiner Ratifizierung (Genehmigung) beginnt, was für die Räumung der abzutretenden Gebiete und K> weitere Gestaltung der Verwaltung von großer tung istz___
DaS Zentrum und die bedingungslose Annahme.
Neber die Vorgeschichte der letzten Abstftmmmg in ter Nationalversammlung über die Amnchme der Entente-Bedingungen wird un» <tu5 Berlin geschrieben: Am Sonntag war beklmntlich der Antrag «chnlz-Grö- ber: »Die Stotionafoerfammlimg ist mit bet Unterzeichnung bc» Frieden9otrtroyeS einverstanden", mit 237 gegen nur 138 Stimmen bei. fünf Stimmenthaltungen angenommen worden. Diese Stellungnahme futzte bet einem großen Teil des Zentrum- entsprechend den Er- ffanmgcn des Nbg. GröbSr in der SomitagSsihung auf der der Tntente überreichten Stete, daß Deutschland zu unterzeichnen bereit sei, „ohne jedoch damit anzuerkennen, daß bo8 deutsche Voll Urheber des Krieges sei, und ohne eine Bervflichttmg gut Auslieferung nach Artikel 227 bis 230 deS FrtedenSvertragS zu Wer. nehmen.' Da jedoch die feindlichen Mächte auf die deutsche Klausel nicht eingingen, sahen sich diese Zen- trumSabgeordneten vor eine neue Lage gestellt. Tie RegierungSsozialisten erklärten sich bereit, aedingungS- lo» zu unterzeichnen, während die ZentrumSfraktüm zu dem Ergebnis kam, daß fie unter den gegenwärtigen Umständen den Friedensvertrag nicht entnehmen Brate, und mit 68 gegen 14 Stimmen die Unterzeichnung ab- lehnte. Durch diese Stellungnahme der beiden aus- schlaggebenden Fraktionen der Nationalversammlung mußte eS oußerortenÄich zweifelhaft erscheinen, wie die Entscheidung der Volksvertretung schließlich em», fallen würde. DaS HauS war in zwei fast gleich« Hälften geteilt, so daß niemand mit Sicherheit vormiS- sagen konnte, was kommen werde. In dieser ßberrai» kritischen Loge mußte die Regierung sich um so ernstlicher fragen, ob sie eine Ablehnung des FriedenSver- ftageS mit all ihren unübersehbaren Folgen würde verantworten können. Zu diesen Schevierigkeiten kam noch hinzu, daß eine neue KabinettSkrifi» unvermeidlich gewesen wäre und möglicherweise unübersehbare Bertouflungen ergeben hätte, ja ein Thao», ht dem alles untergegangen wäre. ES kann schließlich nur alS ein Glück bezeichnet werden, daß a»S diesem Dilemma ein Weg gefunden wurde, indem die Regierung sich durch die Abstimmung vom Sonntag nach wie vor ermächtigt ansah, die Unterschrift auch ich ne Vorbehalt unter den Friedensvertrag zu vollziehen. Rach dem Wortlaut de« am Sonntag angenommenen Anträge» hatte die Regierung diese Vollmacht erholtem. Die Regierung wollte aber von dieser Vollmacht nicht @e- brauch machen, ohne be» Einverständnisses her Mehr, heft der Volksvertretung sicher zu sein. Diese» Eiuver- stöndni» wurde nun am Montag von der Natioimlver. sammllmg ausgesprochen und damit He Unterzeichnung de» FriedenSvertrayS gesichert.
E» waren außerordentlich erregte Tage, die dieser endgültigen Entschließung vorauSgingan. Die größte Schuld an der Verwicklung tragen hie Demokraten, weil sie sich der Verantwortung entziehen wollten und aus der Regierung au-traten. Manche werden für die letzte KrisiS das Zentrum verantwortlich machen. Da» wäre sehr ungerecht. Da» Zentrum hatte gehofft, daß die geringen Vorbehalte Deutschland» von der Entente angenommen würden, und al» nun doch eine andere Antwort au» Berfaille» eintraf, war die Partei im höchsten Grade enttäuscht und mußte sich fragen, wie sie sich zu einem ausdrücklichen Verzicht auf das, wa» man die Ehrenpunkte der AriedeivSbetingunoen nennen kann, stellen müsse. Aber diese Frage ist zu» Mück nicht mehr angeschnitten worden. Im übrigen ist der moralische Erfolg der letzten deutschen Rote genau derselbe, al» wenn die Entente auf sie etngegangen wäre, freilich wird Her vSlkeroechMche Erfolg auSbleiden, aber da» war nie da» wichtigste Moment und fit e» heute ganz besonders nicht, das Recht und GerechtigDeft weltfremde Begriffe geworden sind.
Hierzu schreibt die EPE au» Weimar noch: ®» fd ausdrücklich festgestellt, baß da, Votum der Zentrum», gartet der Deutschen Nationalversammlung, die sich am Montag morgen m der Fraftionssitzung nut 68 gegen 14 Stimmen gegen die bedingungslose Unterzeichnung «us- sprach, darmfiz urückzMihren war, dab sämtliche kommandierenden Generäle der Reichswehr- mb Uwilllgenverbände erklärten, fie würben chre Kommando» niederlegen, wenn der Frieden bebte- mmgslos unterzeichnet werde. Durch diese Erklärung wurde die ganze Lage außerordentlich krittsch. E» mußte damit gerechnet werden, daß große Telle der Truppen dem Beispiel ihrer Führer folgen würden, und daß geruhe die zuverlässigsten Elemente den Dienst versagen würden. Da immerhin mit der Möglichkeit innerer Unruhen zu rechnen war, so würde dadurch die Ruhe ,.nd Ordnung im
Lande schwer gefährdet worden sein. Unter dem Eindruck dieser Tatsache hat ein großer Teil der Fraktion es nicht verantworten zu können geglaubt, ihre Zustimmung zu eben. Die Lage änderte sich aber dann im Laufe des vormittags dadurch, daß von einem hochstehenden General ein Telegramm an den Reichspräsidenten Ebert gerichtet wurde, worin er der Zuversicht Ausdruck gibt, daß die Teeröle schließlich auch weiterhin ihre Pflicht tun würden, wenn ihnen beruhigende Erklärungen gegeben würden. Durch diese Erklärung wurde die Lage entspannt.
Besprechungen im Reich»wehrmi»isterium.
In der Reichswehr hatte es stark zu gären begonnen. Nicht nur Offiziere, sondern auch Mannschaften, Freiwillige, drohten mit der Verweigerung des Dienstes, weil sie durch die Auslieferungsklausel des Friedensvertrags ihre eigenen Führer preisgeben sollen. Al» Gegner der bedingungslosen Unterzeichnung hatten bekanntlich auch Reichswehrminister Noske und der kommandierende General des Reichswehrgruppenkom- mandotz o. Lüttwitz ihr Rücktrittsgesuch eingereicht, haben sich jebod) in Rücksicht auf die schwere Sage Deutschlands entschlossen, zu bleiben.
3m Reichswehrministerium fand nun gestern eine Besprechung statt, an der Minister Noske und General v. L ü 11 w i tz mit den Offizieren seines Stabes teilnahw.en. Die Besprechung hatte das Ergebnis, daß sich Reichrwehrminister und Reichsgruppenkommando einig sind in dem Bestreben, mit allen Kräften zu verhindern, daß Offiziere und Mannschaften in diesen kritischen Tagen der Reichswehr den Rücken kehren. Angesichts der schweren Zeit,, der wir entgegengehen, wurde völlige Einigkeit als unbedingt notwendig erachtet.
Der Friedensfchlutz und die Ottmarken.
In den Ostmarken hat sich eine lebhafte Bewegung dafür cingefetzl, daß diese Gebiete, die sich n i di t von den Polen vergewaltigen lassen wollen, auf eigene Faust sich zur Wehr fetzen und den verhaßten Nachbar, der sie in Besitz nehmen will, fernhalten. Die Reichsregierung müßte natürlich für solche Unterneh- mungen die Verantwortung ablehnen, die sie ja auch tatsächlich und wirklich nicht trögt, und die sie nicht einmal zu verhindern in der Lage ist. Bei dieser Bewegung handelt es sich um einen Akt äußerster Verzweiflung, handelt es sich darum, sich selbst zu schützen, da das Reich nicht mehr Schutz gewähren kann und da bas einst so gewaltige Deutschland gezwungen war, alle Bedingungen anzunehmen, darunter auch die, daß San« bestelle, in denen viele Hunderttausende von Deutschen wohnen, den Polen überliefert werden.
Es wäre zweifellos ein heroischer Entschluß, wenn die Dftmatfen und ObeHchlesien dazu schreiten würden, sich bis zum Aeußersten zu verteidigen, um sich die Heimat zu erhalten, bewundernswert wäre diese lat, erinnernd on ein Heldentum, das lieber sterben als sich der Gewalt und dem Unrecht beugen will. Der Erfolg dieses Widerstandes aber muß mehr als zweifelhaft erscheinen. Denn auf die Dauer wird es kaum möglich fein, daß diese für ihre Heimat begeisterten und zum Aeußersten entschlossenen Deutschen sich hatten können. Man vergesse nicht, daß e» sich keineswegs nut um die Polen, als die Feinde handelt, sondern, daß diese von der gesamten Entente Unterstützung erfahren und dadurch eine Uebergewalt erhalten werden, die schließlich zum Zusammenbruch der Bewegung führen dürfte.
Än» Danzig wird gemeldet: Die nun handgreiflich geworbene Gefahr der Abtrennung vom Reiche veranlaßte einen Ansturm auf die Sparkasse. Sämtlichen Beamten wirb bas Gehalt bis zum Oktober diese, Jahres ausbezohlt werden. Die Arbeiter in den Staatsbetrieben haben ihren Lohn bi» einschließlich Ende Juli ausbezahlt erhalten. Die von der Front bei Kreuz eingetroffene Meldung, daß dort unmittelbar starke polnische Angriffe bevor- stehen, fragt zur Steigerung der Erregung bei. Der Danziger Magistrat ermahnte die Bevölkerung zur Ruhe und warnt vor vorelllgen Schritten, da die Herausgabe der Stadt Danzig an den Völkerbund durch das Deutsche Reich ordnungsmäßig vobzogev werden müsse.
Wie her Oderpräfldent von Westgreußen hat auch der ostpreußssch- Oberprästdent v. Batotfi um feine (Enthebung vom Amte nachgesucht.
„Djiennif Beriinstr meldet, daß die Polen durchaus mst der Möglichkeit eine, Krieges gegen Deutschland rechnen Alle Br len von 18 bis 45 Jahren seien eingezogen worben.
In Weimar haben die Abgeordneten der Ostmark Telegramme aus ihrer Heimat erhalten, wonach an der Demarkationslinie Kreuz-Bromberg im Netzcdistrikt die ersten irregulären Kämpfe zwischen Deutschen und Polen au,gebrochen seien.
Zwei Jahre Besetzung Oberschlefien».
Polnische Blätter melden, daß Oberschlesien bi» zur Dolkrabstimmung zwei Jahre lang von polnischen Truppen besetzt sein soll. Eine feindliche Kommission wird die Provinz verwalten, sie hat da» Recht, die Provinz von nicht ansäsfiaen Deutschen zu „reinigen" und eine Propaganda nicht zu dulden. Die Soll»- abstimmuna werde erst bann erfolgen, wenn die Koalition»kommtssion die Ni-berzeugung gewonnen habe, daß Oderschlesien von Einflüssen der preußischen Regierung befreit ist.
Da« würde heißen, daß die Volksabstimmung in Oberfchlefien erst dann stattfinden soll, wenn man sich d« Mehrheit künstlich geschaffen hat. Auch da« ist kennzeichnend für die Väter de» Frieden»vertrag».
wenn Joch marschiert wäre!
Wie man in Frankreich sich den ehrsamen Wiederaufbau der Industrie denkt, beweist „Journal des Debet»*, ktbem es dieser Tage schrieb, daß die Armee, die in den Rheinlanden zum Vormarsch bereitstehe, Io zusammengesetzt sei, daß sie den methodischen A b • da« der deutschen Industrie in btn besetzten Gebieten in raschester Zeit vollziehen könne. Die Ar- ttllerie besitze genügend Mannschaften, um die deutsche Industrie in kürzester Zeit abmontieren zu können. Man dars dem Blatt für Meies Geständnis danken; man erkennt aus ihm, wie heuchlerisch unsere Gegner find, wenn fie die Requirierung von Maschinen, die Deutschland im besetzten Bt.xien vornahm, als die barbarisch sie Tat de» Kriege» bezeichnen. Sie selbst wollen nun mitten hn Frieden eine blühende Industrie Niederreißen. Dir dagegen waren im Kriege infolge der Blockade gezwungen, Maschinen zu requirieren.
Die Versenkung der deutschen Schiffe.
In hen Berliner Marinefteisen wird wiederholt versichert, daß in Berlin von der Versenkung der beut- scheu Scapa Flow nicht» bekannt gewesen
sei. Tie Versenkung ist weder auf euren kommunistischen Putsch zurückzuführen, noch ist sie eine ter Verzweiflung. Sie konnte nur durchgcsuhrt !«rc>en nach längerer genauerer Vorbereitung und der völligem Einvernehmen zwischen Mannschaften und Offizreren, da gleichzeitig mit der VersenkungSarbmt die Boot, zur Rettung der Besatzungen klar gemacht werden mußten. ES muß also ein vollständiger Plwi vorgelegen Haden ES handelt sich offenbar um «ne Tat cm» dem Gefühl narionaler Wurde und milltansck^n Ehrgefühls her- aus. Wenn sich unter den Mannschaften frühere Meuterer befunden hoben, so ist ihr Einverständnis mtt der Tat wohl daraus zu erklären, daß sie darüber en.« täuscht gewesen sind, daß von einer gehofften Vervru- derunz mit der englischen Flotte usw. nrrbtS zu spuren war. Ein rechtlicher Grund für die Engländer, ihe Besatzung zu bestrafen, liegt nicht vor.
AuS Versailles 24. Junr wird gemewet: Der Viererrat hat sich gestern mit der Versenkung der deutschen Flotte befaßt. Die britischen Marmebehor- ten haben festgestellt, daß Admiral Reut e rl er- neu Betehl aus Deutschland hatte Er bat sich als allein verantwortlich bezeichnet. Erne neue Geldbuße wird von Deutschland nicht gefordert werden, aber eine moralische Genugtuung.
Die Budgetkommission der franzvsftchen Kammer hat beschlossen, zum Ministervräsidenten eine Kommission abimordnen und anzufrayen, ob 1. die Regierung in der Lane sei, augenblicklich Auskunft zu geben unter welchen Umständen die deutsche Flotte verseift worden ist und 2., welche Maßnahmen die Regierung zu treffen gedenkt, um Frankreich vor dem Schaden z« schützen, der ihm durch die Zerstörung der Schüfe, wovon ein Ter. Frankreich zufallen sollte, verursacht wurde. . . '
Der Pariser „Jntransigeant" veröffentlicht eine Depesche, wonach da? deutsche Linienschiff „Baden 18 Stunden nach der Versenkung der übrigen Schiff». indieLuftgeflogensei. .
Ein» politische Aussprache
des Kardinal-StaatssekretärS.
Die,Epoca' gibt einen Anspruch wieder, den der Korrespondent der amerikanischen international New Service' mit dem Kardinal - Staatssekretär Gaspari gehabt hat. Diese Aussprache wirft in mehrfacher Hinsicht ein interessantes Licht auf die NeutralitätS - Politik de§ hl. Stuhles und verdient grade deswegen in Deutschland die stärkste Beachtung.
Bezüglich der Teilnahme des Hl. Stuhles an der F,ieden»konfer en,, die ja von den Ententemächten gar nicht in Betracht gezogen wurde, sagt der Leiter der vatikanischen Politik:. Der Hl. Stuhl hatte, wenn er eingeladen worden wäre, nur an einer Konferenz teilgenommen, die im Zeichen des Verstau- drgungSfriedenS getagt hätte. Auf einer solchen! Konferenz wäre der Hl. Stuhl eine moralische Macht gewesen, die ausgleichend hätte wirken können. Dagegen« hätte sich der Vatikan niemals bereit gefunden, an einer. Konferenz teilzunehmen, die den Frieden diktiert: auf der er nicht» zu sagen gehabt hätte. Der Kar- ; dinal fügte bei, der Hl. Stuhl habe nicht» verloren, dadurch, daß er nicht in Versailles vertreten fei.
Sehr entschieden äußerte sich der Kardinalstaats, sekretär zu den 14 Punkten Wilson». Die Senfe« renz habe auf sie praktisch t eine Rücksicht genommen. Da» einzige, wa» er über die 14 Punkte feststellerr könne, sei die Tatsache, daß von ihnen recht wenig übrig geblieben sei. ,, „ v
Zum Schlüsse kam der Kardinal sehr wohlwollend aus Deutschland zu sprechen und gab feiner lieber- zeugunz Ausdruck, daß der jetzige Zustand dort vor. übergehend sei und daß die Deutschen, befonders tm Süden de» Reiche», sich baldigst wieder den Werke» de» Frieden» und der Bildung widmen werden.
DaS Schicksal -er deutschen Missionen.
Wie der ,Eorriere della Sera' meldet, blieben die Verhandlungen, die der Vatikan durch Ceretti über die Missionen in den deutschen Kolonien führen ließ, trotz de« ursprünglichen Widerstandes Frankreichs, nicht ganz ohne Erfolg. Die alliierten Regierungen willigten in eine Aenderung de» Artikels 438 ein. Für die einzelnen Missionen sollen gemischte Kommissionen der gleichen Konfession einge etzt werten. Die Alliierten behalten sich das Rech', vor, die persönliche Arbeit der Missionare ,u überwachen. Hinsichtlich der katholischen Misfwnen sei dafür der Vatikan bezw. die Kongregation »de propagande fide* zuständig. Von dieser Anwendung fei allerdings nur in den Ausführung»beirimmungen zum Vertrag die Rede. Ein besonderer Erfolg liegt in der erst, malig in einem völkerrechtlichen Abkommen erfolgten Anerkennung des Papste» als höchste, Autorität der Katholiken.
Die Griechen müssen Smyrna räumen.
Au» Konstantinopel wird gemeldet : Auf Drängen der türkischen Regierung haben die Alliierten Griechenland gebeten, feine Truppen aus Smyrna zuruckzu» ziehen. Die griechischen Truppen werden durch Truppen der Entente ersetzt werden.
Die llmsturzgefahr in Men.
Die Dorbereitungen für eine Wiederholung des kommunistischen Putsche» in Wien zur Herbeiführung der Räterepublik dauern an. Der kommunistische Teil der Bolkswehr soll sich ganz der llmsturzpartei angeschlos- fen haben. Neuerdings ist es der ungarischen Propa- ganda gelungen, 70 Millionen Agitationsgelder nach Deutsch-Oesterreich zu bringen. Das kommunistische Dolkswehrbataillon hat sich in seiner Kaserne in den Verteidigungszustano gesetzt und in den nächstliegenden Häusern Maschinengewehre untergebracht. Trotz aller dieser Vorbereitungen wird als sicherstes Mittel gegen dis Ausrufung einer Räterepublik in Wien die Tatsache angesehen, daß eine solche Räterepublik in wenigen Tagen mit einer Hungerkatastrophe enden würde. Denn nicht nur hat die Entente ofsiziell erklärt, in diesem Fall alle Lebensmitteleinfuhren einzustellen, sondern Wien würde auch vom Lande vollständig abgeschlossen sein. ____________________ ____________________
Ein beabsichtigter Putsch gegen Erzberger. Der „Dosiischen Zeitung" wird aus Weimar berichtet: Vorgestern nacht sei eine Anzahl von Soldaten aus der Umgebung von Weimar vor dem Schloß erschienen, um Erzberger aufzuheben. Die Leute hätten sich viele Stunden vergeblich vor dem Schlosse aufgehalten, um Erzberger abzufangen.
Um die Angehörigen her Reichsweh r gegen Bohkotibestrebungen und Be chimpfung durch Presse und Flnablatter zu beschützen, wurde eine Verordnung vom Reichrwehrminister erlassen.