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Samstag, 20. Juni 1919.

«As die Entente aus Wilsons Friedensprogramm gemacht hat.

Daß Clemenceau und Lloyd George sich nicht an hie 14 Punkte des Präsidenten Wilson gekehrt haben, ist allgemein bekannt. Wer noch viel zu wenig be­ichtet ist, daß sie den Inhalt des Wilsonschen Pro­gramms zum guten Teil direkt auf den Kopf gestellt haben, als sie die Bedingungen des Friedensvertrages Wetzten.

1 Die Hauptpunkte waren: Offene Friedens-Diplo- matie, keinerlei wirtschaftliche Schranken, Bürgschaften für allseitige Abrüstungen, unparteiische Schlichtung hxr kolonialen Ansprüche, uneingeschränkte Souveräni­tät aller Nationen, Räumung und Wiederherstellung Belgiens und Nordfrankreichs, Wiedergutmachung des .Unrechts" von Elfaß-Lothringen, Grenzregulierung 'für Italien nach den klar erkennbaren nationalen Gren­zen, freiester Spielraum für die Völker von Oesterreich- Ungom, Polen ein Staat von Gebieten unzweifelhaft aoltiischer Nationalität, und endlich ein allgemeiner Bölkerbund. Das hat Wilson als Grundlage der Frie- hmsbedingungen aufgestellt. Daraufhin hat die heutsche Reichsregierung am 5. Oktober 1918 den Waf­fenstillstand nachgesucht, aber in den Friedensbedin­gungen ist daraus etwas ganz anderes geworden.

Die offene Friedens-Diplomatie war ersetzt durch geheime Verhandlungen hinter oerschlosienen Türen, und die feindlichen Völker, mit Ausnahme der Ameri­kaner, kennen jetzt noch nicht die für Deutschland be­stimmten FriedensbÄingungen. Ihre Urheber fürch­ten die Kritik der eigenen Lander. Statt uns wirt­schaftliche Freiheit zu gewähren, sollen unserm Handel die engstm und demütigsten Beschränkungen gezogen werden, und von Bürgschaften für eine allsellige Ab­rüstung ist erst recht keine Rede. Wir sind auf ein geringes Söldnerheer beschränkt, sonst abec niemand. Heber unsere Kolonien wird eigenmächtig verfügt, und die in Aussicht genommene Wiedergutmachungs-Kom­mission in Paris beseitigt jede deutsche Souveränität. DasUmecht" von Elsaß-Lothringen soll nicht nur wieder gut gemacht werden, Frankreich soll noch durch das Saargebiet vergrößert werden, und es schielt nach dem linken Rheinufer. Italien soll Deutsch-Tirol bis zum Brenner haben, und Deutsch-Oesterreich wird zum Mtlerstaat gemacht. Polen soll ein großes rein­deutsches Gebiet erhalten, und die Aufnahme Deutsch­lands in den Völkerbund als gleichberechtigtes Mitglied soll, wenn sie überhaupt zugestanden wird, mit allerlei Klauseln umgeben werden, die für uns diese ganze Idee wertlos machen. Denn nur als Lakaien, besten­falls, für die übrigen Nationen zu dienen, ist ein Volk von 66 Millionen Seelen denn doch zu gut.

Das haben die gebietenden Herren in Paris aus Wilsons 14 Punkten gemacht. Noch ganz außer acht gelassen ist hierbei die schriftliche Andeutung Wilsons auf einen milden Frieden, wenn die deutsche Staats­form geändert würde. Die Revolution ist erfolgt, aber das Angebot vom milden Frieden ist spurlos ver­schwunden.

In dieser ernsten Stunde, in der man das von den Kriegsnöten zermarterte deutsche Volk zu einem Vorigen unter den Völkern der Erde herabwürdigen will, muß den Staatsmännern unserer Feinde gesagt werden, daß sie Lügner sind. Lügner darum, weil iie ms einen Frieden der Gerechtigkeit versprochen haben, wenn den alten Machthabern in Deutschland das Zep­ter entwunden und unser scharfes Schwert niedergelegt würde, und weil sie, nun die Vorbedingungen erfüllt sind, uns einen Frieden auferlegen wie er seit der Zerstörung Karthagos nicht mehr gesehen worden ist.

Das Los der deutschen Kriegsgefangenen in Rußland.

In den nächsten Tagen wird den alliierten Regie- rangen in Sp<m eine deutsche Note überreicht wer- den, die sich mit dem Los der deutschen Kriegsgefange­nen «n Rußland beschäftigt.

Der Inhalt dieser Note ist so erschütternd, daß eS als Nötig erscheint, die Aufmerksamkeit der Entente und der Neutralen besonders auf sie zu lenken. Wir hatten in Rußland etwa 1OOOOO Kriegsgefan­gene. Von diesen sind 4 0 0 0 0 in der Gefan­genschaft gestorben und 80000 geflohen. Tie Flüchtlinge haben sich teils freiwillig, teils ge­zwungen der bolschewistischen Armee angeschlossen. Nur verhältnismäßig wenige sind in die Heimat gelangt. In Sibirien befinden sich noch 2 7 0 0 0 deutsche Kriegsgefangene, von denen nur 22 060 in den russischen Registern aufgenommen sind. Das Schicksal dieser 27 000 ist so trauri g, daß _e3 eine Aufgabe der Kulturwelt ist, sie so rasch wie mög­lich aus ibrem Elend zu befreien. Nach Angaben des dänischen Noten Kreuzes sind neunzig Prozent er krankt. Eine Zeitlang starben so viele am Fleck- hphus, daß es unmöglich war, die Lerchen zu beerdigen. Sie wurden vor dem Lager auf- geschichtet und blieben dort, durch die Kälte zu einem furchtbaren Denkmal des Krieges gestaltet, lange Zeit

liegen. Es werden alle Anstrengungen gemacht, die letzten 27 000 vor einem ähnlichen Schicksal zu reiten. Die Absicht und di« Möglichkeit bestehen, sie o rasch- wie es irgend geht, durch amerikanische und englische Hospitalschisse cchtranspornereti zu lasten. Ader, die Entente will in den Abtransport erst dann willigen, wenn ihre eigenen Truppen aus Rußland zurückge- zogen sind So lange können die Unglück! seit ntcft warten. Wenn sie vor dem sibirischen Winter beschützt werden sollen, muß bei der Weite des Weges schon im Au g u st und September mit dem Abtransport begonnen werten. Deshalb toirb in der Neue verlangt, daß eine den sche Vorkommission sich u.wer- zügltck nach S'.b'rien begeben und die notigen Maß- nahmen treffen darf. Es besteht Grund zu der An- nabme, daß Engländer und Amerikaner sick diesem Vorhaben nicht widersehen werden. Hoffentlich wer­den auch die Franzosen der Grausamkeit des Krieges müde fein und diesem Akt der Menschlichkeit nicht Wi­derstand leistem .. .....-.u...

Polens Finanzen-

Auf die bevorstehende Verschuldung Polens wird von berufener Seite in folgenden Bemerkungen hin- gewiescn: Der Friedensoertrag, wie die Entente ihn uns vorgelegt hat, belastet Polen nur mit einem An­teil an der vor dem Kriege vorhandenen Staatsschuld. Trotzdem wird Polen in erheblichem Maße durch die Kriegslasten getroffen. Nach zuverlässigen Mitteilun­gen stellte die französische Regierung an Polen das Ansinnen, 25 Milliarden Franks als Anteil an den französischen Kriegslasten zu übernehmen. Außerdem sollen die Polen dem Vernehmen nach auch einen wesentlichen Teil der russischen Schul­den übernehmen und zwar wird behauptet, daß es sich um 11 Milliarden Rubel handelt. Zu diesen Schul­den kommen die nicht unerheblichen Kosten, die die Polen aus der gegenwärtigen Kriegstätigkeit an allen Fronten zu zahlen haben. Dazu kommen die notwen­digen Anforderungen für die Hebung des kulturellen Tiefstandes Kongreß-Polens. Eisenbahnnetz und Stra­ßennetz stehen auf der ttefsten Stufe. Mit 680 Anal­phabelen auf 1000 Einwohner steht Polen so ziemlich an letzter Stelle in Europa. Auf tausend Einwohner entfallen 36 Volks- und 4 Mittelschüler, gegenüber 201 Volks- und 6 Mittelschülern in der Provinz Po­sen. Lei der Armut Kongreß-Polens ist nicht daran zu denken, daß der Staat die Mittel für diese wirt­schaftlichen und kulturellen Zwecke aufbringen kann. Träger der Last wird im Gegenteil überall der, gegen­über Kongreß-Polen hoch entwickelte, und dem bis­herigen preußischen Gebiet stammende Teil sein. Während bisher die preußischen Provinzen Westpreu­ßen und Posen ganz überwiegend auf Kosten der übrigen preußischen Provinzen lebten, werden sie künf­tig umgekehrt die Steuerquellen für Kongreß-Polen bilden.

aus dem NaHvaraevlet,

-b Pilgerzell. Am Fronleichnamsfest hatte sich der hiesige kath. Arbeiterverein des Besuches ds St. Io - sephsverelns kath. Arbeiter aus Fulda zu erfreuen. Nach einer Segensandacht auf dem Floren­berg zogen die Fuldaer Gäste nach Pilgerzell, wo sie von dem Druderverein mit Musik empfangen wurden. Im Vereinslokal begrüßte Herr Pfarrer Nüdling di» Gäste aufs herzlichste. Bei Gesangvorträgen und Mu­sik verlebte man schöne Stunden. Man tennte sich mit dem Wunsche: Auf baldiges Wiedersehen.

(t) Hilders. Die Pfarrei Hilders ist auf Vor­schlag des Oberpräsidenten durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof vom 1. Juli ab dem bisherigen Pfarrer in Rotenburg a. d. Fulda, Rudolph Weber übenragen worden. Der neue Pfarrer von HilderS war schon einmal als Kaplan von 19011903 in Hilders tätig. Inzwischen wirkte er in Hanau, Lahrbach, Lettgenbrunn, Kirchhain und zuletzt in Rotenburg.

Bad Orb. In der letzten Stadtverordneten» sitzung wurde der Magistrat ersucht, an maßgeben­der Stelle vorstellig zu werden, damit den hiesigen Einwohnern parzellenweise bebauungsfähiger Gelände des Truppenübungsplatzes über­wiesen würde.

;; Frankfurt a. M. Kavitänleubnani v. Mucke fft, wie wir melderen, nach einem Vortrag hier verhauen worden. Er mußte schließlich in einem Anwmobil nach Hanau gebracht werden. Zum Teil ist er cm seinem Schicksal, das mit Rücksicht auf die Heldentaten des .Kommandanten der Ayessha bedauerlich fft, selbst schuld. Er hat nämlich zum Schluffe seines Vor» traMs mit alldeutschen Redewendungen einen Teil sei­ner Zuhörer unartig gereizt. Er brachte in die er­hebende Stunde einen Mißton, der bei manchem Zu- Hörer Kopfschütteln erregte, zumal man eine Veran­staltung für die Gesamtheit der Bürgerschaft verspro­chen hatte. Selbst das gemeinsam gesungene Lied Deutschland, Deutschland über alles" hatte gerade in diesem Augenblicke einen aufreizenden Charakter und man sollte es doch durch eine unbillige tendenziöse

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Unpolitische Zeitläuse.

N. Berlin, 17. Juni 1919.

p Unter entern so schrecklichen Druck, wie dieses Fahr, ij hat noch niemals unser Fronleichnamsfest ge-

9 wibefe. Auch in den Kriegsjahren nicht, denn damals

hatten wir immer noch die Arme frei, um uns zu weh- jetzt sind wir an Händen und Füßen gefesselt fettchlichen Machthabern ausgeliefert. Gerade in **r Oktav von Fronleichnam soll es sich entfdjeibtn, ob Teutjchland in das Joch eines grausamen Friedens schlüpfen muß oder auf die Folterbank neuer Gewalt- t taten gelegt toirb.

Die haben sonst unsere Herzen siS gefreut, unsere "ugen gestrahlt, unsere Stimmen gejubelt, wenn wir Italer feem Merheiligften hinauszogen in die ge- schmückten Straßen und durch die blühenden Fluren, taähreud die Sonne vom hohen Himmel als das herr- Altarlicht herabstrahlte l Ach, die Sonne wird ^uch jetzt ihre Licht- und Wärmestrahlen vom Firma- fient herabsenden; aber das Elend, das auf Erden hh verschärft hat, vermag sie nicht sofort zu beseittgen. den Gemütern, auf den Werkstätten, auf den Fa­ssten und Gemeinden lasten dichte Nebel und schwarze Dollen des Unglücks. Die politischen, die wirtschaft- suchen, die sozialen Sorgen und Nöten wollen uns nie» "erdrücken, wenn die Seele den Aufschwung versucht Beten und Hoffen. Das ganze Volk gleicht einem ^chtverkranken, der nicht weiß, welche neue Schmerzen *tab Kämpfe ihm die nächsten Tage bringen werden ln7 ob die Krisis zum Tode oder zu mühseliger Ge- *Himg füjjren toirb.

»Aus der Tiefe", so heißt es in dem Psalm, der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr!" Aus einer tauten Tiefe, wie jetzt haben wir noch nie gerufen. Wird bet Notschrei aus der Tiefe Erhörung finden?

. Wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe am ^whsten. Aber wer kann sagen, ob die Not, die uns schieden ist, schon jetzt ihren Höhepunkt erreicht hat? ««Lei cht liegt in dem Plan der Vorsehung, daß

wir noch weiter geprüft, durch noch mehr Drangsal geläutert werden. Dürfen wir dagegen murren? Kön­nen wir uns dagegen auflehnen? Unser Widerspruch ist zu rechtferttgen, wenn er sich gegen menschliche Zu- mutungen richtet. C6 wir die großen Forderungen unserer Feinde mrterzeübngn oder tätet die Unterschrift verweigern sollen, das haben in erster Linie unsere Führer und Vertreter, in letzter Linie die Gefamtheft deS Volkes zuf entscheiden. Wer unterwerfen muffen wir uns in Demut tittb Geduld dem, was die Weltweisen Schicksal nennen und was der Christ als Fügung der Vorsehung, als den Willen Got. teS anerkennt.

Unsere Prozeffion steht unter dem Zeichen der Er­gebung : Wir Hecken einen Vorbeter, wie et nicht besser gedacht werden kann, nämlich den Erlöser selbst, der in der Nacht der Todesangst flehte: Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vorüber­gehen, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!

So nrüffen alle denken und bekennen, die in der Prozeffion sich als Nachfolger Christi bekunden. Der Kelch wird vorübergehen, wenn eS die göttliche Gerech­tigkeit und Weisheit gestattet. Aber wenn er nicht vcrübergeht, dann wiffen wir, daß zu unserm ewigen Heile nichts anderes übrig bleibt, als den Kelch d-s irdischen Unheils bis auf den Grund zu leeren. Dann lörtnen wir nur noch hoffen, daß uns der Allgütige die Stärke beschert zum pfliöPmäßigen Durchhaften.

Wir sind wehrlos, ganz wehrlos. Tie Gegner dünken sich allmächtig. Doch auch die glänzendste Erden- macht hat tl-te Grenzen. Von dem Wurm in diesem Zepter der Gewalt wollen wir nicht erst reden, sondern nur darauf Hinweisen, daß die Uebermacht nur die äußerlichen Güter zu vernichten vermag im äußersten Falle das Leben des Körpers. Aber an di« Seele reicht lerne fremde Hand, wenn sie sich nickt selber aufgibt Die Seele kann frei und unversehrt bleiben auch in der schlimmsten Drangsal, im ärgsten Joche. Und diese innere Unabhängigkeit kann sich gerade der Christ sichern. Denn er weiß, daß Jem Erlöser lebt und alle Tage bei den ©einigen ist bis an's Ende

Druck der Fuldaer Actteudruckerei in Fulda

Anwendung nicht entweihen. Wir haben unser Vater­land alle lieb, aber mit dem Hinmalen be§, Schreckge­spenstes eines neuennationalen" Krieges ist uns und ihm verzweifelt wenig gedient.

Lokaler.

Fulda, 21. Juni 1919.

# Forstpersonalien ans der Rhön. Versetzt wurde ab 1. Juli Förster Briel von Gersfeld an die Oberförsterei nach Marburg und Förster Eckhard von Gelnhausen nach Gersfeld. Die Staatliche Oberförsterei Gersfeld wird ab 1. Juli Oberförster Aßmann Berlin übertragen. Die während der Kriegswit von der Oberförsterei Gersfeld mitver­waltete Obersörsterei Hilders wird durch Oberförster v. Hammerstein beseht.

(;;) Der Kraftverkehrs-Gesellschaft Hessen-Nassau ist, wie gemeldet, auch der Kreis F u l da beigetreien. Ge­genstand des Unternehmens ist die Uebernahme der bisher von den Heimatkolonnen im Gebiet von Hessen- Nassau, Gießen, Darmstadt und Westfalen gefahrenen Lastkraftwagen, Personenkraftwagen, Aufzug-Maschinen, Anhänger und fahrbaren Werkstät­ten. Linien zur Personen- und Postbeförderung sol­len nur im Benehmen mit der ReichsE'tverwalttmg er' richtet werden. Die Gesellschaft übe Tiimmt die Ange­stellten und Arbeiter der Kraftverkehrsämter und Är- beiterkolonnen. Das Reich erhält das Recht, Niederst- und Höchstgrenzen der Tarife zu bestimmen. Das Stamirckapital ist 900 000 Mk., die Mindesteinlage der Gesellschafter 10 000 Mk. Beteiligt sind u. a. das Reich mit 300 000 M., Frankfurt 300 000 Mk., Be- zncksverband Cassel 100 000 Mk., Stadtgemeinde Cassel 50 000 Mk. Die Verzinsung der vom Reich gewährten Darlehen bleibt bei der Gewinnverteilung unberück­sichtigt. Die Gesellschafter erhalten 4 Prozent auf die Stammeinlage. Bom verbleibenden Ueberschuß erhält das Reich 4 Prozent und 2 Prozent bis zur allmäh­lichen Tilgung.

A Was kostet heutzutage em Hausbau? Diese intereffante Frage wurde von einem Fachmann wie folgt beantwortet:Da? Kubikmeter unbebauten Raumes kostet künftig 35 Mark statt 16 Mark im Frieden. Das Kubikmeter Mauerwerk, das früher 22 bis 24 Mark kostete, erfordert jetzt 66 Mark. Der Preis für Zimmerarbeiten, die man im Frieden mit 54 Mark für den Kubikmeter bezahlte, ist jetzt auf 165170 Mark gestiegen. Bei den Verbrauchs- bölzern für Facharbeiten betrug der Preis früher 50 Mark, jetzt 145 Mark. Das sind die Preise, die festliegen. Bei dem Mangel an Rohstoffen, den schwierigen TranSportverhältniffen und den hohen und stets noch steigenden. Löhnen werde der Bau von Häusern jetzt recht langsam vor sich gehen. Ern HauS, das früher 40000 Mark kostete, werde künftig rund WO 000 Mark kosten.

-i- Der Zwesgverein vom Roten Kreuz hielt gestern nachmittag seine diesjährige Generalversamm­lung ab. Herr Oskar Schmitt legte wegen Arbeits- Überhäufung fein Amt als Kassierer nieder; an seine Stelle tritt Herr Otto Schmitt. Die Iahresrechnung des Zweigvereins vom Roten Kreuz-Fulda für 1918 schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 840,66 Mk. Die Iahresrechnung der Kaiser-Wilhelm-Stiftung für 1918 schließt ab in Einnahme und Aufgabe tri 26'. 2,27 Mark. Die Rechnungen wurden für richtig be -r.de n Man gedachte der segensreichen Tätigkeit des Roten Kreuzes in Verbindung mit dem Vaterländischen Frauenverein während des Weltkrieges. Der Krieger- Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurden für größere Reparaturen an ihrem Krankenautomobil eine Beihilfe von 500 Mark gewährt. Aus der Versammlung wurde um Auffchluß gebeten, warum nicht alle Damen, die sich als Pflegeschwestern dem Roten Kreuz zur Verfü­gung gestellt hatten, einer Auszeichnung teilhaftig ge­worden seien. Der Vorsitzende Herr Landrat Frhr von Doernberg gab Aufklärung dahin, daß die in 1915 noch eingetretenen Pflegeschwestern zur Auszeichnung einge­geben seien. Durch die Revolution ist die Auszeichnung unterblieben, wie überhaupt bis auf Weiteres Aus­zeichnungen nicht verliehen werden.

(::) Gewerbe-Verein. Man schreibt uns: In der letzten General-Versammlung wurde beschlossen, die Veremstättgeit neu zu beleben. Der Gewerbeverein hat zwar einen großen Teil seiner früherem Aufgaben an das Handwerksamt Fulda zur Bearbeitung abge­treten. Aber damit ist der Gewerbeverein nicht über» flüssig geworden. Wohl ist eine Statutenänderung be- schlossen worden, indem der Verein dem belehrenden und unterhaltenden Teil übernommen hat. Für den kommenden Winter sind eine Reihe von wissenschaft- lichen Vorträgen, zum Teil mit Lichtbildern borge- sehen. Besichtigungen und Vereinsabende mit Diskus. Honen sollen anregen und auch die Geselligkeit soll zu ihrem Recht kommen. Der Vorstand wurde teilweise neugeivählt. Er setzt sich aus folgenden Herren zu- sammen: Gewerbelehrer Feldmann, 1. Vorsitzender, Klasermeister Traut, 2. Bors., Bankvorstand Weins­pach, Kahlerer und Glai-rmerster Wagner, Schriftfüh­rer, ferner: F. Fuchs, O. Schneemann, R. Schnarr, der Welt, auch in den trübsben Tagen UosVnd 'tn bet Stunde des Todes. Wer das irdische Verderben als Uebergang zum ewigen Glück betrachtet, der hebt in aller Bedrängnis zuversichtlich sein Herz und sein Auge empor zu dem Altar des Heils.

Mancher hat sich wohl bisher die Fronleichnams, prozeffion gedacht cis eine fröhlich« Teilnahme am Triumphzug des Auferstandenen. Denken wir heute daran, daß auch der Erlöser den bitteren Kreuzweg gegangen fft und daß auch dabei die getreuem Jünger ihre Gefolgschaft leisten muffen.

Als PetruS in der Nacht zum Karfreitag in Be­drängnis geriet, verlor er den Kopf und sagte, er kenne den Menschen nicht. DaS hat Petrus bereut und wie­der gut gemacht. Als er während der Christenverfol- gung Rom verlaßen wollte, erschien ihm auf der Av- pischen Landsttaße der Herr als Pilger. Ouo vadis, wohin gehst du, o Herr, fragte Petrus.Nach Rom, um mich von neuem kreuzigen zu lasten!" Auf diese Antwort kehrte Petrus sofort um. Er ging mutig in den Bereich der Verfolgung zurück; er erlitt das Aäu­ßerste, was ihm ein Mackthaber zufügcn konnte, den Martertod. Mer was wie Niederlage und Verderben miSsah, war sein Ruhm und wurde das Heil für die Kirche, die ihm anverttaut war. Was die damaligen Herren der Welt in unerbittlicher Grausamkeit ver­rückten wollten, wuchs unter Kreuz und Leid zu einer sittlichen Macht heran, die das Antlitz der Erde er­neuerte und nach Jahrtausenden noch in Jzrgendkrast dasteht, während der Staub der damaligen Machthaber längst w alle Winde verstreut ist.

Aus den MiffionÄreuzen steht das kurze, kräfttge Mahnwort: Rette deine Seele! Das muß heutzutage erst recht gelten, auch in erweitertem Sinne. Es gilt nicht bloß, die sündigen Missetaten zu vermeiden, son­dern auch die Verzagtheit der Seele mutz ver­hütet werden. Die Seele muß sich retten vor der Ver­strickung und Erdrückung durch den Gang der ftdischen Dinge. Auch der Mensch, der in Ketten liegt, kann seine Wurde und seine Freiheit bewabren, wenn seine Seele sich ihrer Unsterblichkeit und ihrer Erhabenheit

F. Hermann und Jos. Fleischmann. Ter Gewerbever­ein ist korporativ an das Hairdwerksamt Fulda ange­schlossen. Die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Handwerker wird Wohl von keinem Angehörigen des Handwerkerstandes mehr angezweifelt. Haben doch ge­rade hier in Fulda diese Zusammenschlüsse schon Be­achtenswertes geleistet und berechtigen auch weiterhin zu den sckönsten Hoffnungen. Aber noch immer gibt es eine große Zahl von Handwerkern, die keiner Innung oder dergleichen angehören. Für diese ist der Ge- toerbeberein die reckte Interessenvertretung. Die Not im Handwerk ist ohne Zweifel groß. Aber es hilft kein Schimpfen am Biertisch, sondern tatkräftige Mtt- arbeit in den Handwerkervereinigungen. Nur auf diese Weise kann zur Gesundung der Verhältnisse bei» getragen werden. i

Ob* Neue Telegraphenlinie. Der Plan über die Einrichtung einer oberirdischen Tele­graphenlinie an dem Feldwege von Ober- bimbach nach dem Schnepfendof liegt bei dem Postamt in Großenlüder vom 19. Juni 1919 ab vier Wochen aus.

Eirrqesandt.

Musikpavillon auf der Orangerie-Terrasse. Mit Recht bemängelt der Konzert-Kritiker derFuld. Ztg." in Nr. 139 das Fehlen einer Schall mu s chel auf der Orangerie-Terrasse, wodurch die Klangwirkung bei In. strmnental-Konzerten sehr beeinträchtigt toirb. Auch in Sängerkreisen hat man über das Fehlen einer geeigneten Schallmuschel auf der Terrasse schon vielfach Klage geführt. Selbst einem großen Chor ist es auf dem weiten Raum der Terrasse kaum möglich, voll zur Geltung zu kommen. Erst kürzlich haben wir dies beim Vortrag einiger Männerchöre auf der Orangerie-Ter- % raffe emvfinden müssen. Es wäre darum nur zu be­grüßen, wenn unsere kunstsinnigen Stadtväter sich ent­schließen könnten, eine nach fachmännischen Angaben gebaute Schallmuschel auf der Orangerie-Terrasse Her­stellen zu lassen. Einem langgehegten Wunsche, na­mentlich auch mts Sängerkreisen, wäre damit entspro­chen. Wünschen nwchten wir dann aber mich, die Schall­muschel möge so ausfallen, daß sie auch den größeren Fuldaer Gesangvereinen ausreichend Raum gewährt. Ser Musikpavillon aus dem Bellevuegarten könnte wohl nur als Notbehelf in Frage kommen, als dauernde Einrichtung möchten wir ihn nickt empfehlen, da er zu klein ist. M e h r e r e S ä n g e r.

Husjug aus dem Standesamts-Register

des Standesamtes Fulda.

Sterbefälle in der Zeit vom 13. bis 20. Juni 1919.

16, Juni. Minna Rudoph aus Burghaun 8 1.5 M. 20 T. 15. Juni. Maurer Johannes Krack 41 I. 3 T. 15. Juni. Köchin Paula Jerke 43 I. 7 M. 13 T. 16. Juni. Schlosser Karl Kircher aus Kirchhasel 21 I. 4 M. 26 T. 17. Juni. Ehefrau Anna Büttner geb. Herbert aus Hünfeld 27 I. 3 M. 8 T. 18. Juni. Handelsmann Salomon Halperin 58 I. 9 M. 4 T.

Märkte.

= Fulda, 21. Juni. StufbemheutigenS d) to c i n e< markt standen 90 Ferkel und 8 Läufer zum Ver­kauf. Für Ferkel wurden 200, 225 und 250 Mark, für Läufer 280 und 300 Mark das Stück bezahlt. Der Handel in Ferkeln war schleppend, die Läufer wurden sämtlich abgesetzt.

Gottesdienstordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 22. Juni. Dom. (Diözesanmonats, kollekte.) V.6, 6, */,7 u. 7 M., i. d. 6 M. Kom. d. christl Müttervereins, 8 Pfarramt m. Pr., */i!0 Kathedralautt m. Pr., 11 Ehr., */«12 M. m. Pr., */i2 Michaels.Bruder- schäft, 2 Ehr., ff«3 Vers. d. christl. Müttervereins, Pr u. A., 4 Pr. u. A., 7 A. i. d. Marienk. (Montag, Dienstag, Mittwochu Donnerstag abends ff,8 Fronleichnams-A.) Stadtpsaeekirche. 5*/, Kom., 5ff« M, 6ff« M. u. Korn, d. Müttervereins, 8 M. u. Pr. (1. Schulgd.), 0'/, Pfarr­amt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.), 91/. Ehr. f. d. Jüngl. i. d. Severik., Iff, Ehr. f. d. Jungfr., 2Vi MichaelS-Bruderschaft, 8/« Mütterverein, 8 sakrament. A, Pfarrkirche,um hl. Geiste, ff.7 Kom., 7 Frühm., 8 Pr, Amr m. Kom., V,5 Ehr., 5 8. Sodalsiiit. ff,10. Seveetktrche. Sonntags >/,7 M, werttagS6 M. Normen, kirche. Kirchweihfest der Abteikirche. Vorm. 91« feiert. Hoch­amt m. Pr. u. hl. Segen, nachm. 3 feierl.Vesper m hl.Segen An Werktagen vorm. 9 Hochamt, nachm. 3 Vesper. MichaelSlirch». 2Bruderschafts-A.v.d,7schmerzenMariaS. Herz-Jesn-Heim. (Tag deS ewigen Gebetes.) 6 Aus. setzuug des Allerheiftgsten und hl. Messe, 8 Levitenamt und Predigt, danach Betstunden, 2 Herz-Jesu-Andacht, 6 Schluhanoacht mit .Tedeum". Frauenberg. 5T M., 8 Rosenkr. m. Pr., 9 Pr. u. Levitenamt m. AuSs. (wegen d. Oktav). Nachmitt. 2 Kreuzweg m. Pr. auf dem Kalvarienberg; abend» ff-8 Herz»Jesu»A. m. Pr.

Evangelischer VotteSdieaft.

Sonntag, 22. Juni. Vormittags 8 llhr: Sup. Ruhl, 91'» Uhr: Pfr. Weder. 11 Uhr:'Kindergottesdienst, über alle materielle Macht bewußt bleibt. Mag es um den äußeren Frieden noch so schlecht bestellt sein, den inneren Frieden kann niemand einem braven Christenmenschen rauben.

In diesem Sinne haben wir teilgenommen an der Friedensprozession bedrückt, aber nicht geknickt. Ist; die Welt ringsum voll Klagen, wir wollen doch nicht verzagen, denn der alte Gott lebt noch und die wunder­bare Quelle der Gnade sprudelt noch in dem erhabenen Geheimnis des Festes.

Der Segen wird auSgeteilt nach Nord und Süd» nach Ost und West über den ganzen Erdball hin. lieber die Menschen und Wer ihr Getriebe, über die häus­lichen Herde und Wer die Werkstätten, über die dunk­len Bergwerke und über die Früchte der Erde, die im Sonnenschein reifen. Der Segen des Höchsten wird sich bewähren, aber wir dürfen die Form unb das Maß und bat Zeitpunkt nicht nach unserm) kurzsichttgen Eigensinn fesffetzen wollen, sondern müssen es dem Etoigqn Werlassen. . Zur Beschleunigung des nahen Weltfriedens und des rechten Völkerbundes im christ­lichen Geiste kann fteilich jeder fein Scherflein bei­tragen, indem et wacker und treu seine Pflichte tut als Christenmensch, sowohl im privaten wie im öffent­lichen Leben.

Die höchste Lebensweisheit gibt sich oft kund in einem einfachen Satze, der manche» als abgegriffen Vorkommen will. Je schlechter die Zeiten find, desto tiefer empfinde ich in Wahrheit den Spruch: Laßt unS besser werden, dann wird es beffer fein 1

Besser werden, das mußte auch der Vorsatz jedes Teilnehmers an der wehmütigen Festfeier sein. Wer redlich strebt tziach seinen besten Kräften,' der wird erlöst auch aus der schwersten Not. Und sollte der Kreuzweg auf Erden zum T^de führen, so winkt doch die Auferstehung und das ewige Leben. Wird bei der Prozeffion auf Erden in Tränen gefäet, so wird bei der Prozession im Jenseits in Freuden geerntet.

Sollte es zum Scklimmsten kommen, so mag man aus unfern Sei dien nein schreiben: Hier erdrückt und dort beglückt!