Die schwankende Wage.
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Olgas Irrtum.
22)
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(Fortsetzung folgt.)
Warum tragen Sie mit Vorliebe Schwarz? Haben Verluste zu beklagen oder — wißen Sie, daß es die Fülle Ihres blonden Haares die geeignetste lie ist?"
sind auch Tete — machte sie selber zur wandelnden Leiche. In jedem Labetrunk schmeckte sie den Tropfen Wermuth, sie lebte nicht mehr ihre Zeit, sondern das Vergangene und ward von der Welt vergeßen, Frau» lein Olga« Cie find auf dem besten Wege, meine alte Muhme zu werden."
Olga schaute in die Weite.
»Sie verstehen zu überzeugen."
Er warf den Strohhut inS Gras und fuhr sich durch daS gelichtete Haar.
»Die lleöerzeugumg ist nicht immer daS, was ich erstrebe. Widerspruch reizt mich, zieht mich an; er ist mein Lebenselrxier. Darum verließ ich Europas übertünchte Erde. £te Menschen find mir da zu glatt, zu geschwind. Sie bilden eine Ausnahme, wie alle Men- scheu mit mehr Ernst als Gemüt, indeßen Ausnahmen bestärken dü Regel."
»Ist das die Lehre oder schon die Moral?"
Beides zugleich; doch erlauben Sie die Frage:
bis zu einer wieder einmal kommenden besseren Zukunft finden kann. Man konnte für die A b l e h - n u ng sein, solange man annehmen konnte, daß Volk und Regierung ei"'- «... « . ...
Sie für F°-
xic Schwierigkeit der Kabinettsbildung.
Der Rücktritt des Kabinetts Scheidemann war un-
»Was soll'ich tun?" fragte diese belustigt.
»Pflegen Sie Musik, Singen Sie?"
. »Sie sollten Sie hören!" fiel Frau von Jiflem ent- Wasmiert ein.
»Es hätte mich überrascht, daS Gegenteil zu hören." f., »Oh", lachte Olga, »mache ich einen solch musika- "scheu Eindruck?"
. -Wenn Sie sprechen, klingfS schon wie eine Me- wdie."
»Ei", unterbrach ihn Frau von Jissem, „Dr. von "penheim versteigt sich zu Komplimlneten. DaS ist Neu!"
»Wollen Sie nun singen?" wandte er sich an Olga, Histenhuber'sche Kammermusik verdirbt mir dein Schmack. Schauen Sie einmal nach dem Instrument oinüber, die da in den Tasten wühlt und den „Erl» fon’SJ" beschwört."
»Jeder gibt sein bestes Können", verwies ihm Frau *on Jissem die Rede, „und wer es in der lauteren Ab- W tut, die Gesellschaft zu upiderhal-ten, verdient "'^t, von der ätzenden Lauge Ihres Spottes also be- zu werden. — Uebcrdies, lieber Doktor, ich im Konversationszimmer sind Sie ungestört hören nichts von dem musikalischen Tohuwabohu."
»Danke für den Wink, meine Gnädige! Allein ich Identifiziere nrick mit Schiller, der da sagt: „Es ist Achter, die beleidigten Augen zu schließen, als die mißhandelten Ohren Mit Baumwolle zu verstopfen!" Nun .51 ich gehe einmal zu Frau Tolarm hinüber, die ''"St such' und wartet längst darauf, daß man sie auf- tordert.«
»Er ist ein sonderbarer Mensch", sagte Frau von ^>ßem, als er gegangen, aber ein großer Charakter, ^«rn muß ihn kennen um ihn zu verstehen"; sie zog dr- Uhr. »Wie die Zeit vergeht!"
»Ein Viertel auf zehn. Bei vielen ist das erst der .beginn des Abeiids, und Sie wollen ihn schon Be» ^Ben?« fragte Olga.
^»Mr eine alte Frau, meine Liebe, mahnt jede ^unde zum Aissbruch", erwiderte sie bedeutungsvoll, Olga begriff dem Doppelsinn dieser Worte.
Der Weimarer Putsch.
Weimar, 20, Juni. Die Untersuchung in Sachen des Weimarer Pusche? bat, wie gemeldet wird, ergeben, daß ei sich um ein planmäßiges Unternehmen der Kommunisten gehandelt bat. Man beabsichtigte, die Weimarer Regierung aufzuheben
Nr.HO. | SÄÄ-ÄÄtÄ I Somstoa 2t. Juni 1919. |
Sn den letzten Tagen war Hunderten von Arbeitern, dir im Hafen beim Ausladen der Lebensmilteidampfer beschäftigt waren, große Mengen von gestohlenem Speck, Schmalz, Mehl usw. abgenommen und auf der Zollstation untergebracht worden. Am Mittwoch stürmte plötzlich eine große Menge die Zoll- fictton und schleppte vor den Augen der viel zu ge-
Feinde erwartet wird. Auf dieser Grundlage sollte die Einigkeit zwischen den drei Mehrheitsparteien gesucht werden. Besonders die demokratische Fraktion wurde vor die Frage gestellt, ob sie einen solchen Weg für gangbar halte. Sn ihrer Fraktionssitzung hat sie sich dahin ausgesprochen, daß ein bloßer Protest nicht genügend wäre. Sie wünscht, daß in den ^mkten, die sich auf den Osten, auf die Frage des Völkerbundes und auf die Auslieferung deutscher Staatsangehörigen zur Aburteilung beziehen, vom Feinde wirklich praktisches Entgegenkommen gezeigt werde. Ferner verlangte sie eine Revision des Frie- densvertrages innerhalb 2 Sahren und Festsetzung der deutschen Schadenersatzverpflichtung durch eine aus Unparteiischen zusammengesetzte Kommission, falls innerhalb 4 Sahren diese Feststellung nicht erfolgt ist. Nur wenn die beiden anderen Mehrheitsparteien sich diesen Fordemngen anschlössen, wollten die Demokraten sich an der Kabinettsbildung beteiligen.
Nach stundenlangen interfraktionellen Besprechungen wärest gestern abend die Parteiführer bereit, die von den Demokraten aufgestellten Bedingungen als Voraussetzung für die Annahme des feindlichen Ultimatums anzunehmen. Noch am Abend sollte an die Alliierten in Paris eine entsprechende Note abgehen, in der die Forderungen enthalten waren. Durch einen Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion ist indes die Absendung dieser Note verhindert worden; ein- stimmig haben sich die Sozialdemokraten aus den Standpunkt gestellt, daß die Bedingungen keinen Weg zu einer Verständigung mit den Feinden eröffneten und von diesen als Ablehnung bewachtet werden würden.
Es ist nun eine sehr schwierige Sage entstanden, denn die Neubildung der verantwortlichen Regierung hängt davon ab, daß nicht nur überhaupt eine Mehrheit für ja oder nein kommt, sondern daß eine taugliche Gruppierung von zusammenpaffenden Parteien vorhanden ist. Die Gefahr scheint groß zu fein, daß bis MM Montag, an dem abends 7 Uhr die Deutschland gestellte Frist abläuft, die gegenwärtig bestehende 23er» wirrung noch nicht überwunden fein wird.
Starke Strömungen gehen dahin, ein reines Ar» beitsministerium nur aus Zentrum und Sozialdemokraten zu bilden. Obwohl hinter diesem Ar- beltsministerium in der Nationalversammlung eine Mehrheit für die Annahme des Friedensvertrages stehen würde, so werden von beiden Fraktionen doch aus innerpolitischen Richtungen die Bestrebungen fortgesetzt, wich eine Brücke für den Eintritt der Demokraten ms Kabinett zu schlagen.
Welkere Frist von 48 Stunden?
tttb Amsterdam, 20. Suni. Nach einem Telegramm oes „Allgemeen Handelsblad" rechnet man mit der Möglichkeit, daß deutscherseits eine nochmalige Frist- verlange r u n g um 48 Stunden verlangt wird.
Der Rücktritt des italienischen Kabinetts.
wtb Rom, 19. Suni. lieber die Vorgänge in der Kammer, die zum Rücktritt des Kabinetts führten, meldet die „Agenzia Stefani": Sn der Kammer waren mehr als 350 Mitglieder anwesend. Die Sozialisten widersetzten sich einer geheimen Beratung. Nitti, der Vertraute und politische Freund Giolittis, des bekannten Deutschfreundes, der dem Eintritt Italiens in den Krieg widerstrebte, wünschte eingeh» d« Besprechung der Lage, verwarf aber die geheime Beratung. Die Regierung stellte die Vertrauensfrage. Der Vorschlag Orlandos wurde mit 279 gegen 78 Stimmen verworfen.
Polnische Gewaltakte.
wtb. Berlin, 20 Suni. Sn der Nacht zum 19. Suni griffen starke polnische Kräfte, etwa 600 Mann, mit Panzerkrciitwagen die in vorderster Linie liegende 2 Kompanie des aus Eisenbahnern bestehenden Bata i l- lons Bromberg bei Netzwalde an. Der Angriff wurde durch die wachsamen Verteidiger unter großen Verlusten der Polen an Toten und Verwundeten restlos abgeschlagen. Beute und Gefangene sielen in unsere Hand. Die Verluste der tapferen Eisenbahner, die die deutsche Stadt Bromberg zum zweiten Male vor einem polnischen Angriff bewahrt haben, betragen drei Tote und sechs Verwundete.
wtb. Birnbaum, 20. Suni. DiePolen haben gestern im Kreise Birnbaum dis 20 Km. östlich der Demarkationslinie alle deutschen Männer über 17 Sahre interniert und weggeführt.
rNoffendiebstöhle von Lebensmitteln in Hamburg.
anstrebt.
Es zeigt sich in dieser Schicksalsstunde wieder einmal, daß Die extremen Parteien auf der Rechten und der Linken mit ihrer Entscheidung am schnellsten fertig sind Tie Rechtsparteien sprechen sich für die untTebingte Ablehnung aus; die Unabhängigen halten fest an ihrer Parole der unbedingten Unterzeichnrmg. Ob sämtliche Abgeordnete der Konservativen und der nationalliberalen Partei ihren Neinzettel .in.die Urne werfen werden, wenn sie wissen, daß ihre Stimme ausschlaggebend ist, wäre noch abzuwarten. Immerhin rst es begreiflich, daß die Mitglieder der Mehrheitsparteien ein stärkeres Empfinden haben für die Verantwortlichkeit, die angesichts der furchtbaren Folgen auf ihre Schultern fällt.
Wollten wir dem elementaren Drange unserer Empfindungen folgen, würden wir unseren Feinden dies schmählichste Machwerk, das je den Namen eines Friedensvertrags getragen hat, wortlos vor die Füße werfen, aber so leicht können wir der Verantwortung nicht ledig werden. Wir müssen wählen zwischen Ja und Nein. Das Isa ist fürchterlich, und das Nein ist es auch. Und von diesen beiden elendsvollen Wegen müssen wir uns für denjenigen entscheiden, auf dem unser Volk wenigstens noch eine Möglichkeit des Weiterlebens
dem preußischen SerpräsLenten Hirsch und dem Reichswehrminister Nosle m Anwesenheit des Generals ' Grüner statrzifunden haben, durften unter Ge- Währung wertgehender Zugeständnisse zu ernem Übereinkommen geführt haben. Tie Verhandlungen wer» den fortgesetzt. um eine sofortige, vollständige und lückenlose Aufnahme des Verkehrs zu ermöglichen.
Dieser Teilstreik ist nicht zu verwechseln mrt der Gefahr ernes allgemeinen Streiks der Eisenbahner tn ganz Deutschland. Tie Verwände der Eisenbahnangestellten haben gestern rn Berlrn ihre Lohnforderungen überreicht. Das preuhriche Kabinett dürste sich am Tienelag mit diesen Forderungen beschäftigen, sodaß tot Mittwoch keine Entscherdung erfolgen dürfte. ____________
aber. Sie flattern wie ein gefangenes Vöglein von einem Käfig zum anderen. Haben Sie keine Sehnsucht nach dem kühnen Flug in die unbemessene Weite?"
»Ich hätte nie geglaubt", erwiderte sie ernst Md ruhig, »daß das, für was ich einst so sehr mich begeisterte, in veränderten Verhältnissen sich so schmerz, los entbehren läßt."
„Aber die Sehnsucht blieb?" die blieb."
„Warum reisen Sie nicht?" Um ihren 3)tunib spielte ein Lächeln.
„Ich glaube, Sie wollen mir schon die Mittel vorstrecken."
„Nein, aber das Ziel der Reise bestimmen!"
„Ich bin neugierig. Wie heißt es?"
„Kairo." ,
"" „Die Idee ist nicht übel. Eine Vergnügungsreise nach Kairo!"
„Es braucht nicht gerade eine solche zu sein. ES liegen noch andere im Bereich der Möglichkeit."
„Zum Beispiel?"
„Ueberstedlungsreisen!"
„Ah, vielleicht haben Sie gar eine vakante Stelle für mich an einen Tressuranstalt für Braune und Schwarze?"
„Auch das nicht; indessen weiß ich eine äußerst einträgliche Stelle in einem behaglichen, wenn auch nicht lururiösen Heim. Direktor, Vorgesetzter,^ nur einer, und der ist nickt viel von Kompetenz. Zögling — auch nur einer! Erziehungsmethode mutterlieb und gut! Reise franko und frei! Für Ihre Bequemlichkeit opfere ich mich, Ihr Wunsch —'
„Sie sprechen ja, als verstände es sich von selbe" daß Sie- mit dabei wären!" rief Olga belustigt.
„Tas ist auch ganz selbstverstämdlick, denn wenn Sie einmal „Ja" sagen, bin ich mit dabei, unb kämt meine kleine Lina auf den Einfall — aber Sränleiti Olga, was haben Sie denn?" Diese begriff effblidj, wo er hinaus wollte, und war erschrocken mifgesprun-
nung in den Kreisen der französischen Sozialisten finden werde. Man rechnet in diesen Kreisen ganz sest mit der Revolution in den llenteländern. Vor solchem Optimismus muß nachdrüuuchst gewarnt werden. Das Nichteintreten dieser Hoffnungen könnte fönst zu einer fürchterlichen Enttäuschung führen. Vorerst ist die Wahr- scheinlichkeit noch größer, daß der Nationalismus unserer Gegner im Falle der Ablehnung neu belebt würde. Die Gegner stehen marschbereit am Rheine und selbst die fran- zbsischen Sozialisten lassen offiziell erklären, daß von ihrer Seite keine Einwendungen gegen einen -twaigen Vormarsch erhoben würden. Es liegen zudem Anzeichen genug vor, daß den Franzosen die Nichtunterzeichnung iurch Deutschlarb gar nicht so unwillkommen wäre, um Deutschland bis zur Vernichtung zu treffen. Ob man dem kriegsmüden deutschen Volke noch eine lange Prüfungszeit zumuten dürfte, das möchten wir bei dem so weitgehenden Mangel an Idealismus, der sich während der vergangenen Monate gezeigt hat, stark bezweifeln.
Wenn die Bewegung zur Umänderung des Gewalt- ftiedens in den Ententeländern so groß ist, wie sie uns von sozialistischer Seite geschildert wird, dann muß diese doch auch noch fortbestehen, wenn der Friede von uns unter dem Zwang des Ultimatums unterzeichnet worden ist, und eine Revision des Vertrages hat dann um so bessere Aussicht.
Widersprüche im Vertrag.
wtb Versailles, 20. Juni. Heute vormittag wurde in Versailles eine an Clemenceau gerichtete Note des Vorsitzenden der deut'chen Friedensdele- gation überreicht, in der auf zahlreiche Wider- > prü che in den am 16. Juni der deutschen Frte- densdelegation übergebenen Urkunden hingewieien und um so ortige schriftliche Auf k lärung über die strittigen Punkte gebeten wird.
^rmcidlich, weil es nicht zu einer Einigung über die Schicksalsfrage, die wir bis Montag abend mit Sa oter Nein beantwortet haben müssen, kommen konnte. $ie man jetzt erfährt, ist die in der Kabinettssitzung drt Mittwoch gestellte Frage, ob Annahme oder Ablehnung des feindlichen Ultimatums, mit 7 zu 7 Stirn» pen beantwortet morden. Auf der einen Seite der Ministerpräsident Scheidemann, fein Parteigenosse Landsberg, der Zentrumsmimster Giesberts und die demokratischen Minister Brockdorff-Rantzau, Gothein, Preuß und Dernburg, auf der Gegenseite unter Jung von Erzberger und Dr. David die Minister ell, Bell, Schmidt, Noske und Bauer. Ein in zwei Weiche Teile zerfallendes Kabinett war natürlich nicht fr der Lage, die Führung in den Fiktionen und vor ia Nationalversammlung zu Übe.nehmen und deshalb mürbe die Entscheidung über das Friedenswerk in die Fraktion en selbst verlegt. Zen rum und Sozialdemokraten sind in ihrer Mehrheit für die Annahme, die Demokraten halten dagegen mit Mehrheit an der Ablehmig fest. Don dem Minister gtjberger war der Vorschlag ausgegangen, in einem formulierten Protest bestimmte Punkte zu bezeichnen, jie für das deutsche Volk besonders verletzend sind und bei denen eine baldige Abänderung durch die
Die Wirtschaftliche Sachverständigen.
Die finanziellen und wirtschaftlichen Sachverständigen, die auch an den Beratungen in Versailles teilnahmen, Benkenburg, Hagen, Hilger, v. Strauß, Warburg Cuno Heinecken, Luebsen, Urbig, Wiedfeldt und Witthoff, sind einstimmig der Ueberzeugung, daß vrese Bedingungen un er füllbar sind und den vollständigen wirtschaftlichen Ruin Deutschlands herbeiführen müssen. Sre empfehlen daher dem Kabinett, die Frie- densbedingungcn abzulehnen.
Die Solonialgesellschafi.
Die koloniale Gruppe der von der Reichsregierung berufenen Sachverständigen erklärte einstimmig die kolonialen Friedensbedingungen der Entente als unannehmbar. Daß die Feinde in den deutschen Schutz-' gebieten jede Spur deutscher Tätigkeit vernichten und die deutschen Staatsangehörigen aller Früchte ihrer jahrelangen, mühevollen Arbeit durch die Liquidation ihres gesamten Privateigentums berauben wollen, wurde als eine der unerhörtesten Bestimmungen des feindlichen Entwurfes angesehen.
Die deutsche Kolonialgesellschaft hat ein Pro- testtelegramm an die Reichsregierung gesandt, worin sie schärfften Einspruch erhebt gegen die verleumderischen und ur.wahren Behauptungen, mit denen die gegnerischen Möchte die Annexion des deutschen Kolonialbesitzes bemänteln. Nach wie vor hält sie an der Forderung fest, daß Deutschland auf Grund seiner dreißigjährigen, auch von gegnerischer Seite anerkannten Leistungen berechtigten Anspruch auf Kolonialbesitz hat.
Aus SLddeutschland.
Weimar, 20. Ium Die bayerische Regierung hat heute vosckli ssen, daß sie nur einer bedingten Bejahung des feindlichen Friedensvertrages zusrimmen könnte.
Karlsruhe, 20. Ium. Die badische Arbeiterschaft ist mit weiten Kreisen des badischen Volkes der Auffassung, daß aus zwingenden Gründen eine Unterzeichnung des Fri arnsverträges nunmehr notwendig geworden ist. Auch die amtliche „Karlsruher Zeitung" gibt der Meinung Ausdruck, daß die Mehrheit der badischen Bevölkerung für die Unterzeichnung des Friedensvertrages A.
ng einig Md geschlossen die Unterschrift
-rden. Aber diese Einigkeit ist eben nicht vorhanden, ein uneiniges Volk kann keinen
und nach Gotha zu bGingen,_ worauf eine. tom munrstische Regierung M das Reich in Wei mar eingesetzt werden sollte. Die Gothaer Re gierungskreise seien in oen Hochverrat verwickelt, Verhaftungen sollen bevorstehen.
Neue Putschvordereitungen.
Die Behörden sind einem großen Waffen- schmuggel zwischen Hamburg, Berlin und Braunschweig auf die Sur gekommen. Der Schmuggel ist komlnunrst'schen Ur s p r u n g s und dient .ter Vorbereitung von Putschen. Die Zeunale tzt Hamburg. Besondere Kuriere verkehren zwilchen Hamburg, Der lin und Braunschweig, dem Aufenthaltsort Eschhorns Die Boten sind vielfach Eise n v a y n a n g e p el l te, unter denen eine starke kommunistiiche Propaganda getrieben wird. Ter Verkehr zwischen Berlin und Hmn- bürg geht zumeist auf dem Wagerweg. Waffen, Mu nition usw. werden in Kähnen, unter anderen -Baien versteckt, unauffällig befördert. Aus diesem Grunde werden jetzt die in Hamburg und Berlrn ernlaufenden Schisse sorgfältig revidiert Es rp ferner ^gestellt worden, daß dre zahlreichen kommunistischen Flugblat- ter, mit denen jetzt di- Jndustrievezirte uberschoemurt lverden, in einer auf einem Dampfer besrndlrchen Truckerei hergestellt werden.
Tie Gefahr eines Eisenbahnerstreiks.
Die Lage im Eisenbahndirektionsbezirk Erfurt hat sich wieder verschärft. In Gotha, Mernrngen, Gena und Gera streiken die Eisenbahnbeamten und Arbeiter. Der Verkehr nach Westen stockt vollkommen. Ter Zugverkehr nach Berlin rst un- rom-Imäfeia Drc Verhandlungen, die tn Weimar mrt
Eine Klärung ist noch nicht eingetreten.
Die Vrelseitigkcrt und Gründlichkeit der Beratungen entspricht bet ungeheuren Bedeutung des bevorstehenden Beschlusses. Main darf also nicht daran mäkeln, S das letzte Wort sich hinausschiebt, nur mutz man
lich zu einem Entschluß kommen.
In der Nationalversammlung scheint eine Mehrheit für die Annahme des Vertrags aus dem größten Teil der Mehrheitssozialisten und des Zentrums, den getarnten Unabhängigen und aus Splittern anderer Parteien vorhanden zu fein. Die Stimmung für eine unbedingte Ablehnung nimmt an Umfang und Kraft ab. Das werden alle diejenigen, die aus ihren persönlichen Gefühlen und Erwägungen heraus ein entschlossenes Nein wünschen, nicht gern hören; aber man darf die tatsächlichen Verhältnisse nicht verschleiern. Die Spaltung der Ansichten ist da. Nicht in der Beurteilung des Friedensvertrages selbst, der allseitig als ein unhaltbares Ergebnis der gröbsten Rachsucht umb Habgier als „unerträglich und unerfüllbar" verurteilt wird; aber hinsichtlich der Taktik, die wir gegenüber diesen entsetzlichen Zumutungen einzuschlagen haben. Unter den Neicksministern, unter den Regierungen der Eftizel- staaten, innerhalb der Parteien, die zur Zeit für die Politik verantwortlich sind, gibt es Anhänger der entschlossenen Ablehnung und Anhänger der Nachgiebigkeit zur Vermeidung schlimmerer Üebel, daneben auch eine dritte Gruppe, die eine Form sucht für eine b e - dingte Unterzeichnung, also eine, Art f L
Olga wendete sich leicht errötend ab.
„Sie sind wirklich garstig heute, Doktor." Er ließ sich nun ebenfalls auf der Bank nieder.
»Ein zweiter Punkt! Wie kommen Sie hierher in dieses Eldorado kleinstädftscher Pedanterie und trotziger Großstadtphilister. wo Rentner und Gourmands vom Schlage Hirstenhubers die Gesellschgst bilden, wo man für 75 Cents per Person badet und das noch teuer findet, wo man bürgerlich denkt und ißt und aristokratisch sich langweilt, wo die Welt sicher mit Brettern zugenagelt wäre, wenn Nackbar Holländer sich die Aussicht versperren lassen wollte, wo an jedem Sonntag Hehst nach Ostende und Ostettde nach Heyst pilgert, die einem, um sich am Großen zu laben,- die anderen, um sich am Klemen zu ergäben, jedes nach seiner Art? Nun wohl, was anttvorten Sie mir?"
»Ich lege Ihnen die gleiche Frage vor!"
»Hm, verschiedene Personen ergeben ungleiche Resultate. Ich komme ans ungemessenen Fernen und juche engeres Zusammenleben ifib Einsamkeit; Sie
neuen Kneg ertragen, auch keinen Krieg, in dem es nur wehrloses Opfer ist. Lehnen wir ab, bafrin gehen wir zu Grunde; dann kann die Entente hier und da lebenswichtige Teile vom deutschen Gesamtkörper losreißen und den Rest blockieren, ihre Lebensrnittel und Kohle vorzuenthalten, bis er sich in der Unmöglichkeit, daS bloße Dasein zu fristen, umkomnst. Maßgebend für diejenigen Mitglieder der Regierung und des Parlaments, die für ein Unterschreiben eintreten, dürfte fein, daß nicht nur furchtbare Revressalien des Verbandes für die nächste Zeit zu gewärtigen sind, sondern auch die Besorgnis, daß die süddeutschen Staaten von Nordderstschland abgefrennt em Druck der Entente auf die Dauer nicht standhalten können und einen Sonderfrieden schließen müßten. Preußen stände dann gänzlich teienifamt da und um die Einheit des Reiches wäre es geschehen. Nehmen wir cm, dann steht uns ein grausam hartes Leben bevor. Aber unser Volk bleibt am Leben, und mit ihm die Hoffnung. Derj Vertrag, den man uns aufArtingt, wird sich als u n d ur ch f ü 5 r 6 a r erweisen. Er wird revidiert und wieder revidiert werden müssen, llnb die Zeit wird kommen, wo die Völker selbst, alle Völ- ker, den Geist nackter Gewalt und brutal materialistischen Eigennutzes nicht mehr ertragen werden, bem dieser Vertrag der ganzen Menschheit anfzwingen will. Unsere einzige Ausgabe aber muß eS heute sein, dafür zu sorgen, daß das deutsche Volk dann noch da sei, um ihn mit zu gestalten.
Die Leute, die so rasch mit ihrer Meinung fertig sind, daß der Friede von uns nicht unterzeichnet werden könne, hm dies vor allem in der Hoffnung auf die Un- kerstützung, die Deutschland ?m Falle der Nichtunterzeich-
Als die alte Tome sich erhob, folgte Olga ihrem Beispiel, aber Frau von Jissem wehrte ihr: »Ich darf Sie der Gesellschaft nicht entführen, meine Liebe, blei- 6en Sie, ich bitte darum."
„Es enffprickt meiner eigensten Neigung, daß ich Ihnen folge. ES ist kein Opfer für mich."
»Und was wird Dr. von Alpenheim dazu sagen?" fragte sie mit lächelnd forschendem Blick. Olga kam diese Andeutung unerwartet. Sie errötete unwillig. Frau von Jissem klopfte ihr sanft auf die Wange und meintet
»Ick, möchte auf diesem schönen Frauenantlitz so gern den Widerschein höchsten HerzenSglückez finden, allein ich fünfte — dies kleine stolze Herz verlangt fo viel und gibt so wenig." Schweigend reichte Olga der Dame den Arm und geräuschlos verließen beide den Saal.---
„So helle Fenster und doch so finster!" Doktor von Alpenhrim stand vor Olga, die auf der Bank im SLat. ten einer Ulme saß, und schaute ihr ftagend in die ernsten Augen.
„Ich halte Totenschau", sagte sie bitter, auf diesem Gang» begleitet un? der Frohsinn nicht." Sre hielt inne, als reue es sie, sc diel von ihrem inneren Empfinden preiSgegeben zu haben.
»Ich Bette ein“ alte Muhme", nahm Dr. von, Al» penheim nach einer Pause daS Wort, „die hatte für jeden Taz im Kalender ein Erinnerungszeichen vermerkt. Hier ein Mißgeschick, da eine Enttäuschung, dort ein Verlust, etn Todesfall, oder ein Unfall usw. Beim Jahresschluss, wenn alle Welt dem kommenden Jahre entgegenjubelte, verschloß sie sich fcr ihr Kämmerlein und zog Bilanz. Sie ging der Reihe nach die Kalender-Tage durch, wanderte von Zeichen zu Zeichen, erneuerte den jedesmaligen Söbmeri, seufzte und zerfloß in Tränen und konstatierte zum soundsovielten Male, daß ihr nichts anderes übrig bleibe, als am gebrochenen Herzen zu stechen; und alles dies, während von Haus zu Haus der Jubel des neuen Jahres sich fortvflanzte, bk Gläser klangen und frohe Menschen sich zusammenfanden. Wollen Sie nun auch wissen, was aus meinet Muhme geworden? — Si&re immer» während^ Tcten-Bsschwöruns — vergangene Leiden