Einzelbild herunterladen
 

I

in« jer

Die Beratungen in Weimar« Rücktritt -er Kabinetts.

Nr. 139. I I Zrettag 20. Zuni 1919. | %-gI 46~ 3al)r.l'

Oesterreich anerkennen und uns verpflichten, ferne neus Selbständigkeitstrikte zu respektieren". Heber Elsag- Lothringen wird gesagt, Deutschland habe 1871 Elsatz- Lothringen mit Gewalt an sich genommen und als mm- tärisches Glacis behandelt. Die Entente könne daher eins Volksabstimmung nicht zugestehen, die auch von der elsaß- lochringischen Bevölkerung gar nicht verlangt werde. Diese habe 50 Jahre lang gegen die Annexion protestiert, über ihren Willen gebe es keinen Zweifel. Bei den O st f r a g e n ist an den Bestimmungen, die Westpreuhen, Danzig und Ostpreußen angehen, nichts geändert. Nur die Garantien für den Cisenbahndurchgangsverkchr nach Westpreuhen und Lstpreuhen sind verstärkt und präziser gesaht worden. 2m übrigen wird die im ersten Beitrag verlangte .'Brenner- schiekmng in pommersches Gebiet hinein zurückgenommen und zugeftanden, daß die Provinz Pommern unversehrt bleibt. Daß für Oberschlesien Volksabstimmung zu- gelasien wird, ist schon bekannt. Das Land wird aber erst eine Zeitlang von alliierten Truppen besetzt! tfur den Fall, daß die Abstimmung gegen Deutschland ausfallt, sollen Garantien geschaffen werden, daß Deutschland Kohle aus Oberschlesien beziehen kann. Das kleine Zugeständ­nis hinsichtlich Schleswigs besteht darin, daß die Bolls- abstimmungsarenze nach Norden verschoben wird. Auf eine Abstimmung in der dritten schleswigschen Zone wird verzichtet, da diese endgültig bei Deutschland bleiben soll. Diese Milderung ist aber' nicht dem Geiste der Entente ent- fprungen, iondern auf unmittelbares Verlangen von Däne­mark gewährt worden. Weiter erklären sich die alliierten und assoziierten Mächte bereif,die Rechte der deut­schen Minderheiten in bezug auf Unterricht, Re- ligion und Kultur in den Gebieten, die von Deutschland an die durch den Friedensvertrag neu gegründeten Staaten abgetreten werden, zu garantieren. Die Garantien werden unter den Schutz des Völkerbundes gestellt."

Hinsichtlich der ausländrschen Interes­sen Deutschlands sind gar keine Konzessionen gemacht wordan. Ebenso ist nichts geändert an der Grundlage unsrer Schadenersatzpflicht. WaS tn dem neuen Vertrag von einer viermonatigen Frist gesagt ist, innerhalb deren wir Vorschläge für die Entschädigungs­summe machen können, hat keinerlei praktische Bedeu­tung. Die Entente hat sich für jeden Fall das Recht zur einseitigen Festsetzung der Schadener- satzsumme Vorbehalten. Wenn gesagt wird, daß die Wiederherstellungskommission kein Recht zu unmittel- barem Eingriff in die Verwaltung Deutschlands habe, so genügt zur Charakterisierung dieser Behauptung die Feststellung, daß «s der Kommisiion jederzeit unb«. nonnnen bleibt, im Reichshaushaltsplan an den Aus­gaben Abstriche zu machen, um die Forderungen der Entente unbedingt sicherzustellen. Echten Räuüergeist atmet die Bestimmung, daß alle unsre Ablieferungen aus dem furchtbaren Waffenstillstand nicht auf die Entschädigungssummen angerechnet werden. Das rie­sige Verkehrsmaterial, Kriegsflotte, Kanonen und das ungeheure andere HeereSgerät, Handelsflotte, alles haben wir dm Feinden umsonst gegeben. Nur die als Strafe auferlegten Lieferungen landwirtschaftlicher Maschinen sollen uns gutgeschrieben werden.

In Hande ls pol itischer Beziehung werden unS ebenfalls keinerlei Zugeständnisse gemacht: wir süid im Welthandel rechtlich keiner Ration der Erde gleichgestellt. Dabei hoben die Alliierten die Kühnheit ni sagen, daß sie nicht die Absicht hätten, Deutschland der HandelSerleichterungen zu berauben, ohne die ein Wiedererwachen seiner Industrie unmöglich wäre. Unter bestimmten Bedingungen und in Grenzen, die nicht vorher angegeben werden können, erklären sich die alliierten und «kffoziierten Mächte Bereit, zu diesem Sck und in gemeinsamem Interesse, Deutschland Er­terungen zu gewährest:."

In der Kolonialfrage wird jedes Entgegen, kommen kategorisch abgelehnt, unter Hinweis auf die angeblichen Sünden unserer Kolonialverwaltung. ES bleibt auch bei dem Vertragsentwurf hinsichtlich der deutschen Handelsflotte.

Weitere Punkte der Antwortnote betreffen die be­setzten Gebiete, deren Okkupationsdauer nicht ge­ändert wird. Das Gebiet soll während der Besetzung von einer viergliedrigen Zivilkommission verwaltet werden, an der Frankreich, England, Amerika und Belgien gleichbetei- figt sind. Die Kompetenzen der Kommission bewegen sich im Rahmen der Unterhaltung, der Sicherheit und der Ver­sorgung der.Besatzungstruppen, denen das Requisi- tionsredjt nach kriegsmäßigen Bestimmungen zusteht. 2m übrigen sollen die deutschen Zivilbehörden einschließlich der Gerichte im besetzten Gebiet bestehen bleiben. Die deutschen Behörden unterstehen auch der deutschen Zentral­regierung. Das Personal des Verkehrswesens, der Post, des Telegraphs und der Eisenbahnen, muh den Befehlen der Besatzungsarmee Folge leisten, soweit diese zu mili­tärischen Zwecken erteilt werden.

In den Rechtsfragen sind Zugeständnisie gemacht worden, die zum Teil der Bedeutung nicht entbehren. Die Beschlagnahme des deutschen Privateigentums im Auslande soll nur soweit Platz greifen, als dieses Eigen­tum bei Friedensschluß sich bereits im Auslande befindet. Auch in der Behandlung des gewerblichen Schutzrechtes sind Zugeständnisie gemacht worden.

2n den Derkehrsfragen beschränken sich die Zu­geständnisie darauf, daß Deutschland sich an den Beratun­gen der Kommisiion für die Ausarbeitungen der neuen Donauschiffahrtsakte beteiligen darf, jedoch ohne Stimm­recht. Bei dem Bau eines Rhein-Donau-Schiffahrtsweges soll uns ferner niajt mehr eirfettig vore-rchrieben we dm, was wir bauen sollen. Auch wurde die früher vorges-hene Möallchkest, den Kieler Hasen einer internationalen Kom­mission zu unterstellen, fallen gelasien. Endlich wurde die Verpflichtung Deutschlands zum Bau neuer Eisenbahnen erheblich eingeschränkt.

Die fofortige Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen war schon zugestanden worden, aber unser Verlangen, auch die wegen gewißer Straf­taten in Haft befindlichen Gefangenen steizulasien, wird abaclehnt.

Auf militärischem Gebiete foll-n wir drei Atonale lang 200 000 Mann unter Stoffen halten dürfen, bann soll tie Zahl von drei zu bre; Monaten Ferabgcminbert werden. Die Zabl von 100 060 Mann soll spätestens am 31. März 1920 erreicht sein. Die Herren der ffr.tei tc benfcin nickt daran, durch c*ne entsprechende Abrüstung ibrerfeits den z£<c.tfrt-i u zu tiefern. Sie sind grundsätzlich bereit, verpflichten sich aber ,u nicht?. Auch nach dem endgültigen Vertrag nud wir gehalten, dieSchuldigen" auSuliefern. feine tragikomisch anmutenbe Minderung haben die hoch- moralischen Weltrickter nachträglich infoFer insofern in den Vertrag eingeschmuggelt, als sie uns binnen eines MonatsSie Liste der Schuldigem mitteilen werden. Die Verfolgten mögen also inzwischen tun, was sie nicht lallen können. Vielleicht legen die Vertreter des Erdballs keinen besondern Wert darauf, mit allen Schuldigen" von Angesicht zu Angesicht zu verhandeln.

tEkmenceaw will zurücktrete«.

Nach einer Londoner Meldung gab Clemencau Ar­beiterführern gegenüber die Versicherung ab, daß er so­fort nach Unterzeichnung des Friedens zurücktret en werde.

Der alteTiger" hat seine Deute nach seiner An­sicht in Sicherheit gebracht; er glaubt, fein Lebenswerk

1 beendet, indem er dem Todfeind die Revanche bereitet | und ihn zu Boden geschmettert meint für immer. Was

Feinden vorgelegte Schriftstück unterzeichnet werden olle oder nicht, stehen mag, des Glaubens wäre, daß sie an uns gestellten Forderungen restlos erfüllt werden könnten oder daß wir auch nur die Gewahr dafür bieten könnten, daß Deutschland die ihm auserleg­ten, auf einen langen Zeitraum sich erstreckenden Forderungen, ganz erfüllen wolle. Denn das lebende Geschlecht, das das Unglück des Kriegs am eigenen Leibe verspürt, kann nicht die kommenden Geschlechter verpflichten, die gleich uns zu Sklaven werden würden, wenn wir steiwillig unseren Namen unter das Schrift­stück der Entente setzen würden. 3m Gewissen kann ein Vertrag, wie unsere Feinde ihn uns jetzt auszwin- gen wollen, niemals verpflichten, denn unerfüllbare Forderungen find unsittliche Forderungen und unsittltche Verpflichtungen bind en nie. Das auszusprechen hallen wir uns für verpflichtet in dem Augenblicke, wo die Frage zur Entscheidung steht, ob wir uns dem brutalen Zwange, den unsere Feinde auf uns ausüben, um unsere Unterschrift unter ihre Forderungen zu er- halten, fügen muffen oder nicht. Diese Frage ist unseres Erachtens keine Frage des Rechts oder der Moral, son­dern nur eine Frage brutaler Macht und der Möglichkeit eines Widerstandes gegen Vergewaltigung. Regierung und Nationalversammlung mögen darüber befinden, ob sie dem deutschen Volke die Kraft zutrauen, die Opfer auf sich zu nehmen, die es im Falle der Nicht­unterzeichnung zu tragen haben würde. Vielleicht laßt sich von einer gewissen Staatskunst auch noch ein Weg finden, um wenigstens die Entscheidung über gewisse Forderungen der Entente, die Deutschlands Ehre un- mittelbar antasten, hinaus zu schieben und einer ruhi- aen Verhandlung vorzubehalten. Die verantwortlichen Stellen im Reiche tragen heute eine ungeheure Ver­antwortung und wir alle müssen uns bewußt sein, daß Deutschland sich nicht nur in einer überaus schweren äußeren Krisis, sondern auch in einer ersten Krisis im Innern befindet. Nicht dringend genug kann dämm immer wieder in diesen Tagen die Mahnung und War­nung an das deutsche Volk gerichtet werden, daß es jetzt heißt Disziplin zu wahren, wenn nicht das ganze Reich in Trümmer gehen fall.

3m Falle einer Ablehnung

ist, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, mit dem Versuch zu rechnen, einen allgemeinen Aus- st a n d in Deutschland ins Werk zu setzen. Einen Vor- aeschmack davon hat der mißglückte Spartakistenputsch in Weimar bereits gegeben. 3n den Berliner Groß- fabriten werden neue kommunistische Flugblätter oer- teilt, die zu allgemeiner Arbeitseinstellung auffordern, sofern die Weimarer Regierung den Frie- densvertrag nicht unterschreibe. _

Unsere Lage verwickelt sich also dmch die Erwä­gung, daß wir im Falle der Ablehnung nicht nur mit dem Dorrücken der feindlichen Heerscharen, sondern mit Unruhm im Innern und einer neuen Revo­lution zu rechnen haben. _

Das ist kein Schreckenstrmnn angstsicher Gemüter, sondern eine ernste Gefahr. Denn hinter der Parole der Unabhängigen steckt die Hoffnung, bei ^-ser Ge­legenheit die Macht an sich zu reißen. Die Parole ist die wohlbedachte Vorbereitung eines neuen Umsturzes: Entweder unterzeichnet die Regierung; dann sucht man sie zu erdrückm unter der Verantwortlichkeit für bie Lasten, die uns der Gewaltftitde auferlegt Ober sie lehnt bie Unterzeichnung ab; bann »erben bte Hetzer sagen: bie Okkupation und bie Hungersnot verdanken wir dieser elenden Regierung, die unserem Rat zuwider die Unterzeichnung abgelehnt und dadurch das ganze Volk in heilloses Verderben gestürzt hat.

Diese Spekulasion darf man nicht übersehm. Wir haben ja leider in bett letzten Monaten sattsam erfahren, wie groß unb wie blindwütig der Anhang ist, den die radikalen Schreier bei den Massen finden.

Der bedächtige Politiker, der sich seiner Verantwort- lichkeit bewußt ist, mutz also auch in Betracht ziehen, daß im Falle bet Ablehnung sowohl der äußere Femd als auch bie innere Revolution uns bedroht.

So hat bie Entente einen unschätzbaren Helfet in unferen Unabhängigen und Kommunisten gefunden. Ob alle, die an diesem vethängnisvollm Strange ziehen, sich der landesverräterischen Wirkung bewußt find, ist Nebensache. 3n der Politik entscheidet nicht die Ab­sicht, sondern die tatsächliche Wirkung.

Eine Schwenkung desVorwärts".

DerVorwärts", das sozialdemokratische Zentral­organ, das sich bisher und noch in den letzten Tagen mit aller Kraft für die Ablehnung eingesetzt hatte, schreibt:

Falls bte Entente da» Begehren, die FrtedenSent- schewung durch daS deutsche Volk selbst fällen zu lassen, ablehnt und mit Gewalt die sofortige Entschetdung der Regierung verlangt, so kann eS in Anbetracht der gro­ßen Gefahren, die »nfer Volk bedrohen, der fchtveren Gesund^ iSschädigungen, die daraus für Millionen fol­gen müßren, der ungeheuren Kräftezerstörung, dte da. durck auSgcivirkt toürbe, nur die fein, den Frieden zu unterzeichnen.

S5ie deutsche griebenäbelegatian hat einstimmig ßkschlossen, den Friedens »ertrag abzuleh- 8t n, und hat diesen Standpunkt in einer Denkschrift jem Kabinett unterbreitet. Ter Auffassung der $ele« «stton haben sich auch die Sachverständigen angeschlos- fcii. In den Kabineftssitzungen, die Mittwoch vormit­tag begannen, erstattete die Delegation ihren Bericht jnb begründete die Ablehnung. Im Gegensatz zu der Delegation ist das Kabinett in seiner Meinung ge­teilt. 68 »erhandelte -dein ganzen Mittwoch über, Zerbrochen durch eine interfraktionelle Konferenz, bis nun Donnerstag früh 4 Uhr. Es kam zu lebhaften züiseinanderfetzungen. Daß man nicht so schnell zu einem Entschluß kommt, ist begreiflich Die Entschei­dung ist zu folgenschwer. Es geht um die Zukunft und das Schicksal eines ganzen Volkes: persönliche Rücksich- ien, gefühlsmäßige Stimmungen dürfen dabei nicht Mitfprechen. Ebenso verfehlt wäre eine Uebereilung. £ie Frist, die uns gestellt ist, ist kurz genug und drängt cn uni für sich zu einem raschen Entschlüsse, über sie soll und muß avSgenutzt werden zu einer ruhigen tzeberlegung.

Ebenso unentschieden wie die Haltung der Reichs- xgierung ist im Augenblick noch dir der Parteien. 2n allen Parteien gibt es Anhänger und Gegner der Unter­zeichnung. Auch die Fraktionsberatungen, die den ganzen Donnerstag über stattfanden, haben ein endgültiges Er­gebnis noch nicht gezestigt. Doch kann man seststellen, daß die Mehrhest für die Annahme des Friedens- jertrag« dauernd wächst. 2n der sozialdemo­kratischen Fraktion ergab eine probeweise vorgenom- mene Abstimmung, daß sich 75 Abgeordnete für die An- mchine aussprachen und nur 35 dagegen. Zu dieser Minderheit gehört auch der Ministerpräsident Scheidemann. Lus sachlichen und politischen Gründen ist er neben einigen ünberen Parteigenossen im Kabinett, zu denen auch Landsberg gehört, für die Ablehnung des Friedensvertrags, gn der demokratischen Fraktion ergab sich eine Mehr­heit für die Ablehnung des Vertrags. Einstimmig be­schlossen die Deutsche Volkspartei und die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei, den Vertrag abzulehnen. Zn der Zentrumssraktion hält man nach Zei- hmgsmeldungen an der Hoffnung fest, eine bedingte Un­terzeichnung durchsetzen zu können; die Unterzeichnung des Friedensvertrags an die Bedingung zu knüpfen, daß die Entente die drei Punkte des Friedensvertrags fallen läßt, die das Zentrum als ehrenrührig für Deutschland empfin­det. Hierher rechnet das Eingeständnis der alleinigen Schuld am Kriege, das man von uns verlangt, außerdem die Auslieferung des Kaisers und der Heer- und Flotten- Lhrer und endlich die Aberkennung der kolonisatorischen Befähigung und Erklärung der Unwürdigkest Deutschlands, kolonisatorisch zu arbeiten.

3m Anschluß an diese Fraktionssitzungen trat im Schloß der interfraktionelle Ausschuß zusammen, in dem die Vertreter der drei Mehrheitsfraktionen über das Ergebnis ihrer Beratungen Bericht erstatteten. Es ist in der Konferenz versucht worden, eine breitere Grundlage p, finden, auf die sich die drei Mehrheitsparteien unter Einschluß der verschiedenen Gruppierungen in ihnen einig Kirnten. So ist der Vorschlag gemacht worden, die j stimmung zu dem Friedensvertrag zu geben, wenn au, den vom Zentrum vertretenen Forderungen Deutschland einen Landkorridor nach Ostpreußen erhält; Westpreußen unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt wird, Danzig bei Deutschland bleibt und Deutschland selbst sofort in den Völkerbund ausgenommen wird. Um halb 11 Uhr abends begaben sich die Parteiführer zu ihren Fraktionen zurück, um Bericht zu erstatten über den Gang der Ver- Handlungen in der interfraktionellen Konferenz und sich mit neuen Instruktionen ausstatten zu lassen. Um 12 Uhr

Die Antwortnote.

Das Begleitschreiben, das die Alliierten ihrer Ant- wortnote auf die deutschen Gegenvorschläge beigegeben hatten, ist von uns bereits mitgeteilt worden, lieber die Erundzüge der Antwortnote selbst ist fol­gendes zu bemerken.

In einer allgemeinen Einleitung fetzt sich der Dierer- rat mit dem Nachweis der Deutschen Delegation ausein­ander, . daß die Friedensbedingungen nicht im Einklang mit den vom Präsidenten Wilson in den 14 Punkten und anderen Kundgebungen proklamierten und von den alliierten Mächten angenommenen Grundsätzen stehen Nach längeren Ausführungen und vielen Zitaten aus Noten inb Reden aus den Jahren 1917 und 1918 kommt der iiererrat zu dem Schluß, daß keiner der Grundsätze der mit dem Waffenstillstand angenommenen Friedensgrundlage aus dem Auge gelassen worden sei.

Der erste Abschnitt handelt vom Völkerbund. . Hier wird nichts geändert; unsre Vorschläge sind, völlig unbeachtet geblieben. Es besteht nicht die Absicht, irgend­eine Macht von diesem Bund auszuschließen, nur Deutsch- land soll erst eine Probezeit durchmachen und durch prompte Erfüllung der Friedensbedingungen feineWürdigkeit bartun

In den territorialen Fragen bleibt alles denn Diktat des alten Vertrags, soweit es sich um Belgien (Eupen und Malmedy), das Saargebiet, Elsaß-Lothringen und Deutsch-Oesterreich handelt. Damit soll die Bereinigung der Deutschen Mitteleuropas gewaltsam und allen Grundsätzen de» Selbstbestimmungsrechts zum Hohn

| unterbunden werden. Wir lallen die Grenzen von Deutsch­

nachkommt, ist ihm gleich mit seinem Namm ist jeden­falls der Abschluß desFriedens Werks verknüpft, er zat seine Lebensrache und wird die letzten Lahre, dte er zu leben hat, im Gefühle ferner genossenen Rache verbringen wenn nicht die Entwicklung der mrerna- tionalen Verhältnisse ihm einen Strich durch dte Rech­nung machen und ihm sein Werk zertrümmern wird.

Die Pöbelausschreitungen in Versailles.

Die Pariser Blätter vom Mittwoch geben lange Schilderungen über die Z w i s ch e n f a lle bei der Ab­reise der deutschen Delegation. So berichten siedaff namentlich auf der Fahrt durch Chesnay. Roquenmurt und Railln die Automobile mit einem Hagel von Steinen, leeren Flaschen und andren Wurfgegen- ständekl überschüttet worden feien. Graf Brockdor ft Rantzau, dessen Automobil einen anderen Weg fuhr, s« diesen Kundgebungen entgangen. Nach demPetit Parisien" sind außer den deutschen Verletzten zwei französische Kraftwagenführer durch Steinwurfe ziem- , sich schwer verwundet worden. Am allerfchlimmsten waren die Vorfälle an der Steigung von Cheoreloup. Man legte dort Steine und Balkenque ruber bte Straffe, um die Automobile zum Jongfamen Fahren zu zwingen. Soldaten, die zur Militarmissron Henry gehören, mufften zur Aufrechterhaltung der Ord- nung herangezogen werden. Sie konnten die Mani­festanten zerstreuen, welche im Dunkel der Nacht ent- l0m@s bestätigt sich, baff bei bet deutschen Delegation eine Note von Clemenceau eingetroffen ist, in der das Bedauern über die Pöbelausschreitungen ausgesprochen wird. Der Präfekt des Seine-Departements, Chaleil, ist beauftragt, eine mündliche Entschuldigung bei bem , Gesandten Hamel vorzubringen. Chaleil und ber Polt-1 zeikommiffar Quabaille, die nicht genügende Vorkehrun­gen getroffen haben, sollen beide von ihren Posten abbe­rufen ®erben. *

DaS Schicksal des Kaifers.

Amsterdam, 18. Juni. DasAllgemeen delsblad" meldet aus Paris, es bestehe kein Zweifel mehr, daß die Alliierten, fowie der Friedeilsvertrag UNterzeichnet fei, von den Niederlanden die Aus- lieser u ng des deutschen Kaisers verlangen werden, um ihn den Friedensbedingungen gemäß vor ein Gericht zu stellen.________

Rücktritt Ves italienischen Kabinetts.

wtb Rom, 20. Juni. (Tel.) Infolge eines Miß­trauensvotums der Kammer ist das K a b i n e 11 zurück- getreten. _________

Vereitelter Putsch in Weimar.

* Weimar, 18. Juni. Vor dem Weimar^c Schloß, iit dem die Reichsregierung untergebracht worden ist, kam es Mittwoch nacht gegen 2 IM »u einem kleinen Putsch. 200 Arrestanten des Milttärgefängnisfes waren ausgebrochen, und em kleiner Trupp von etwa 50 unter Führung erneS Feldwebels Schwarz begab sich zum Schloß, ent­waffnete dort die Wache sowie einige andere Posten unb versuchten einzudringen. Durch bte Geistesge­genwart eines Wachtposten würben sofort bte Tore geschlossen und Hilfe herbeigeholt. Von den Putscht, sten würbe bereits der größte Tetl verhaftet. T>te Ruhe ist völlig wiederhergestellt.

Msenbahurepubttk Erfurt:

Aus Erfurt wird gemeldet: Eine vom Eifenbahn- beamtenverband und dem Deutschen Eisenbahnerverband einberufene Versammlung, die von ungefähr 10 000 Be­amten und Arbeitern besucht war, nahm mehrere Ent- ichlietzungen an, in denen die sofortige Demokratisierung des Eifenbahndirektionsbezirks Erfurt, die Absetzung des Eifenbahndirektionsprafidenten und mehrerer mißliebiger höherer Beamten beschloßen wurde. Die Demonstranten zogen bann zum Pmstbtalgebaube, überrumpelten dort die 25 Mann starke Wache der Regie- runastruppen und riefen den in der Versammlung gewähl­ten Rechnungsrevisor Schütze zum Eisenbchnprasidenten aus Der neue Präsident hielt vom Balkon des Gebäudes eine Ansprache, die angeblich mit einem Hoch auf die Rate- republif und das Rätesystem geendet haben soll.

Dieser merkwürdige Eisenbahn-Freistaat Erfurt ist immerhin eine etwas neuartige Errungenschaft der Rmo- lution. Die Regierung hat sofort Maßnahmen getroffen, der Selbstherrlichkeit der Erfurter Eisenbahner baldigst em Ende zu machen.

Das Eisenbahndirektionsgebäude Erfurt wurde wegen des Vorgehens der Eisenbahner durch Truppen des Land- jäoerkorps unter General Märker auf Befehl der Reichs- regierung besetzt. Die Truppen waren beauftragt, bie alten Beamten wieder einzusetzen. Am Mittwoch sanden Ver­handlungen mit den Beamten- unb Arbeiterverbanden statt, in bereu Verlauf die Absetzung des neu eingesetzten und bie Wiebereinsetzung bes alten Eisenbahnprasibenten aus­gesprochen würbe. 2m Laufe des Nachmittags kam es zu großen M e n s ch e n a n f a m m I un g e n auf dem Bahn- Hofvorplatz. Dte Menge nahm eine feindliche Haltung gegen die Posten der Regierungstruppen ein. Da diese angegriffen wurden, muhte Befehl gegeben werden, gegen die Meng» mit ber blanken Waffe vorzugehen und den Vabnbolsvlatz Mi säubern. Da der Aufforderung Nicht Folge gleistet wurde, gaben die Regierungstruppen Schreck­schüsse ab. Es wurde ber Belagerungszustand verhängt. H Die Regierung hat einen Aufruf an alle Beamten unb Arbeiter erlaßen, in bem barauf hingewiesen wirb, 2 ch ber Stunde ernstester Gefahren, in ber sich die gesammelte Kraft des Volkes gegen bas von außen her drohende Unheil zu richten hat alle inneren Streitpunkte zurücktreten müßten. In dieser Zeit furchtbarster Not dürfe nicht an lebenswichtige Betriebe bte Haube gelegt werben Alle Beschwerden würben geprüft unb allen berechtigten Klagen Abhilfe geschafft werben, doch sei es nctroenbia, gegen Willkürakte, wie in Erfurt, entschlossen eiuzuschretteu. Zum Schlüsse werben bie Arbeiter auf« gefordert, sich durch Redensarten weniger Drahtzieher nicht irreführen zu lassen und bereit Anschläge zuschanden zu machen. _______________ *___

Preußische LandesversamrrrLrmg.

Sitzung vom 18. Juni.

Die Besprechung der förmlichen Anfragen über bte Kleider- und LchenSinittelpreise und über Dtotznahmen zur Gesundung unseres Wirtschaftslebens . wird fort­gesetzt.

Tie Preise für alle Bedarfsgegenstände find hoch und darum werden auch hohe Löhne verlangt; die höheren Löhne bebingen aber wieder höhere Gesteh­ungskosten aller Erzeugnisse und da diese im Verhält­nis meist höher find als bie Lohnsteigerungen, so haben sie wieder neue Lohnforderungen im Gefolge, die er­neut gesteigerten Löhne wieder Preiserhöhungen usw. ins nnbegvenzte, die bekannte Schraube ohne Ende.

nachts wurden die interstaktionellen Besprechungen wieder ausgenommen. Das Ergebnis ist, daß die Mitglieder des Kabinetts bem Reichspräsidenten ihren Rücktritt erklärten. Das Kabinett hatte Re Parteiführer wissen lassen, daß es in feiner gegen­wärtigen Zusammensetzung nur bestehen bleiben könne, »erat sich tat Parlament eine Mehrheit für Nichtunterzeich- nung finden würde. Die Anhänger ber Unterzeichnung »erben ihre ganze Kraft einer neuen Regierung weiter zur Verfügung stellen. Dis zur Bilbnng eines neuen Kabmetts führt auf Wunsch des Reichspräsidenten die seitherige Re- gterunq die Geschäfte weiter. Reichspräsident Ebert wird voraussichtlich bereits heute einen Ministerpräsidenten berufen, ber mit ber Neubildung bes Kabinetts betraut Wirb. In politischen Kreisen nimmt man an, daß vielleicht die bisherigen Minister Noske ober Dr. David mit der Neubildung des Kabinetts betraut werben. Man bars wohl aus bem Rücktritt bes bisherigen Kabinetts schließen, daß das neu zu bildende Kabinett sich unter aerotffen Dor- Aussetzungen mit ber Anna hm e bes Friedens- «erträges einverstanden erklären dürste.

Der Rücktritt des Kabinetts wird kerne Veränderung Ser Parteigruppierung zur Folge haben, da bte Unab­hängigen nach wie vor die Teilnahme cm ber Regie­rung ablehnen. Es wird sich vielmehr nur inn einen Monentoetffel handeln, t>. st die Mitglieder, d-e durch ihr bisheriges Nein sich festgelegt haben, toerben den Männern in ihrer Partei Platz mach»,, ,die tn bte. ser Lebensfrage unseres Volke? anderer Meinung sind Bei den Beratungen zwischen der Regierung imv den tetiettben Ministern der Einzelstaaten wurde be- sonders von den süddeutschen Regierungen der Stand- Punkt der Unterzeicknung vertreten Dte Munster schilderten die VolkSstimmung tat Süden unseres Rei­ches und befürchteten von einem Wiederaufleben des Kriegszustandes die schlimmsten Folgen.

Weimar. Eine amtliche Mitteilung, dte am Schluffe ber gestrigen ersten Kabinettssitzung ausgegeben worden fit, tautet, daß die jetzigen FriedenSbebiugungenum- erfüllbar unb unerträglich sind. Die Regierung svr'ckr also nicht von einemUnannehmbar". Die äugen- blicklicke Sage wird hiermit am deutlichsten gekenu-reich- net. Me maßgebenden Stellen halten in der Tat die $ertran?beltimmunaen für unerfüllbar, aber sie werden stck schließlich vielleicht dock für die Unterzeichnung ent- scheiben. Es kann sogar gefagt werden, daß die Mehr- £fit für die Unterzeichnung ziemlich groß fein tmrb. Vichtunterzcicknung des Vertrags wäre nur denkbar, bertn unser Volk das Matz van Nervenstarke und mo- ealischer Widerstandskraft aufbringen könnte, daS in diesem Fall von ihm verlangt werden müßte. Die Ke Mehrheit der verantwortlichen Stellen steht au- Standvunkt, daß ein solcher moralischer Wider­stand unseres Volkes jetzt nicht möglich ist.

Der Friedensausschuß

Nationalversammlung, der gestern zusammentreten sollte, ist abgesagt worden. Damit wird sich auch die ?ollfitzung der Nationalversammlung, die ihre Stimme 'cker die Unterschrift oder die Ablehnung abgeben soll, voraussichtlich noch weiter hinausschieben.

Menn wir unterschreiben.

Aus Berlin schreibt man,uns:

3m deutschen Volke g'bt es wohl niemanden, der, to» immer er auch zu der Frage, ob das uns von den