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'M 138.

Mittwoch, 18. Juni 1919.

Fuldaer Zeitung

*t* Druck der Fuldaer Actienbrnckerei in F«ld«

Die Nerve» behalten!

Während des Krieges haben wir diese Mahnung eft gehört, und vier Jahre hindurch ist sie auch befolgt wurden. Als ein Teil des Heeres und des Volkes ner­vös wurde, war der Krieg zu unseren Ungunsten ent- fchieden.

Nach dem Waffenstillstand hofften viele auf eine Ruhepause für die strapazierten Nerven. Vergebens. Die Nerven kamen aus dem Regen in die Traufe. Nun- mehr kamen die Aufregungen von zwei Seiten her: hnmer neue Meldungen von Streiks, Unruhen, Lür- gerkämpfen im Innern, und daneben immer neue Ge­fahren und Bedrängnisse von außen her durch lieber« schreitung der Wasfenstillstandsbefugnissc, durch Fort- fetzung der Blockade, durch Androhung von vernichten­den Bedingungen.

Als nun endlich die Friedensverhandlungen began­nen, da wurden erst recht die deutschen Nerven auf die Probe gestellt. Die deutsche Nation befindet sich seit­dem in der Lage eines Verurteilten, der die Hinrich­tung angekündigt erhalten hat, aber nun warten muß, weil der Henker noch an der Guillotine herumflickt.

Die feindlichen Machthaber nahmen sich reichlich !Zeä zu ihren Beratungen und Beschlüssen. Nachdem fie unsere Abordnung zum untätigen Abwarten ge­zwungen und das ganze deuffche Volk mit einer Ge­duldsprobe heimgesucht hat, mutet sie uns das Gegenteil von dem zu, was sic selbst betrieben haben, nämlich die überstürzte Entscheidung in einer so kurzen Frist, daß eine richtige Prüfung nicht möglich ist. Man wirft uns ein Ultimatum auf die erschöpften Nerven.

Das ist der brutal vorgekehrte Wille der Beleidi­gung, der Demütigung des besiegten Feindes. Es ist aber auch taktische Berechnung. Gewiß haben es ja auch die feindlichen Staatsmänner eilig. Die Verzöge­rung ihrer eigenen Entschlüflc erklärt sich aus den Schwierigkeiten, die ihnen die Einigung macht. Sonst möchten sie gern recht schnell eine vollendete Tatsack^ schaffen, um die Unruhe und die Protestbewegung in ihren eigenen Völkern nicht weiter anwachsen zu lasien. Ihre Leute fangen auch an nervös zu werden. Wenn man nun die Verzögerung wieder einbringen will durch die Verkürzung unserer Beratungsfrist, so hat man Offenbar den Gedanken: Deutschland wird wohl die Fassung verlieren, wenn wir mit einem kurzfristigen Ultimatum ihm die Pistole auf die Brust setzen!

Damit stehen in Einklang die häufigen Ankündi­gungen in der feindlichen Presse, daß die Kriegsscharen bereit ständen zum weiteren Vormarsch in Deutschland und Marschall Foch schon den Feldzugsplan für jedes Kontingent entworfen habe. Auch das foll ein Men­tal auf die deutschen Nerven sein. Durch Bangemache­rei möchte man uns zu einer überstürzten Nachgiebig­keit verleiten.

lieber diese unerhörte Nervenprobe zu klagen, kann uns nichts nützen. Wir muffen durchhalten und auch dem rücksichtslosesten Ultimatum gegenüber die Ruhe bewahren. Bei der Regierung und der Natio­nalversammlung setzen wir diese Nervenfestigkeit vor­aus. Wesentlich ist aber, daß die öffentliche Meinung, das Volk selbst, sich nicht aus dem Gleichgewicht brin­gen läßt. Wer Verstand und guten Willen hat, der muß in dieser Schicksalswoche alles andere, aber auch alles ohne Ausnahme zurücktreten lasten, gegen- über dem allein maßgebenden Gebot der Stunde: daß wir samt und sonders wie ein Mann hinter unseren Volksvertretern stehen, wenn sie die folgenschwere Ent­scheidung treffen, ob wir die Forderungen annehmen können oder ablehnen müssen.

Für den gewöhnlichen Staatsbürger wäre es schon bei normalen Verhältnissen unter längerer Beratungs­frist sehr schwierig, sich ein eigenes, sachverständiges Ur­teil über alle Einzelheiten des sogen. Friedensvertrages in ihrer politischen unb wirtschaftlichen Wirkung zu bil­den. Bei diesem Ueberrumpelungsverfuch ist es vol­lends unmöglich. Wir müssen die G c s a m t w i r k un g ins Auge fassen und uns dabei an das Gutachten der Sachverständigen halten. Nur die geschulten und er­fahrenen Politiker können zuverlässig abwägen, was fchllmmer sein wird: die Annahme ober bte Ablehnung. Wenn unsere Vertreter ihr Urteil gesprochen haben, bann machen wir keine nervösen Seitensprünge, fonbem schließen die Reihen zum gemeinsamen Wagen unb Dulden. Diese Selbstzucht ist das einzige Mittel zur Rettung der Nation.

Die Hoffnung brauchen wir noch nicht auszugeben. Es gibt aber nur einen Weg, um noch etwas zu er­reichen. Nämlich eine beharrliche, einmütige Entschlos­senheit des deutschen Volkes, die unter allen Umständen bald die Gegner nötigen wird, die Abmilderung ihrer Bedingungen, womit sie schon haben beginnen müssen, soweü fortzufetzen, daß die Sache erträglich und aus­führbar wird.

21.

Schulferien! Auch Olga rüstete sich gum Auf­bruch, und da das Ziel ihrer Reise in betracht kam, stand ihr Lag und Nacht das Dteer vor Augen. Es zog sie mit übermächtiger Sehnsucht dortbin, wo sie ihre glücklichsten, aber auch traurigsten Stunden verlebt. Das teure Ostende blieb ihr verschlossen, sie mutzte be­scheidener wählen. Sie erinnerte sich des nahegelege­nen Badeortes Hebst für mer, das Eldorado des bemit­telten Bürgerstandes. Subalternbeamten, Lehrer und Geistlichen, und ihr Entschluß war gefaßt. M. lag unweit der belgischen Grenze, und so hatte sie alsbald belgisches Gebiet erreicht. Es heimelte sie dort alles en; sie wußte noch die Namen der Stationen und zählte die Reihenfolge auf. Die schweigsamen Kon­dukteure mit ihrer ruhigen Höflichkeit und in ihrer schmucklosem dunklen Uniform, das Käppi durchweg schief auf ixsit Kopfe, waren ihr alte Bekannte. Es war ihr. als reise sie der langentbehrten Heimat zu und vls st,en es nicht erst zweiJahre her, daß sie. fast zu­sammenbrechend unter der Wucht des Schicksalsschlages, Belgien verließ. In der Pension, in welcher Olga sich einlogierte, fühlte sie sich alsbald heimisch.

An der Tadle d'hotc lernte fie zunächst die Men­schen kennen, mit denen sie zusammenleben sollte. Die Familie Histenhuber war sieben Köpfe stark vertreten. Die fünf Töchter boten Olga nacheinander iS re Freund­schaft an, allein Olga tat nach dem alten Spruche: eirit wäge, dann wage! und beschränkte sich zunächst Kufs Beobachten. Die bedeutendsten Persönlichkeiten raren umstreitig Dr. Linus Alpenheim, der chr Nach- Äar zur Linken, und eine bejahrte g-rau, eine etwas -estende Dame von äußerst aristokratischem Aeußeren. «rau von Jissem.

Beim Tin« stellte Dr. von Alpenheim sich vor und Erhielt sich im übrigen schweigsam. Er trug eine »laue Brille, schien nervös und strich sich sortwährend *utö das braune schlichte Haupthaar. Mit Frmr von feffem schien er vertraut zu fein: er schien sehr besorgt. Bon den Damen Histenhuber, erfuhr Olga, daß er be- Srits Witwer und Pater eines Kindes sei. Beim

Olgas Irrtum.

Kath. Lehrerverband des deutschen Reiches

K. Hildesheim, 13. Juni 1919.

Die Verhandlungen des dritten Tages werden um 7 Uhr durch ein in der St Bernwardsgruft geleienc-- Seele namt für die verstorbenen Verbandsnnt- glieder eingeleitet. In der darauf folgenden Ver - treierversammlun g wird zuerst bte im Vor­dergründe des Interesses stehende grage: Äirwe und Schule behandelt. Mittelst! Mehrer Dr. Ebert aus Dortmund entwickel, -tunächsi die Be­griffe: Staat und Kirche. Tann gelt er auf b:c _au-3 diesen Begriffen sich ergebenden Folge.uug-n und ^-or- berungen ein, die von der Bersaimr-lung nach em- gehender Aussprache als ?tne geeignete Grundlage tur die Verhandlungen mit den in Frage kommenden kirch­lichen Behörden angesehen werden.

Rektor Ritsche aus Breslau behandelt die ch u V- aufsicht und Schulleitung. Zur Frage der Schulaufsicht nimmt die Versammlung folgende _ Latze an: 1. Der nächste Vorgesetzte des Lehrers rst der Kreisschuliuspektor. 2. Die OrtSschulaussicht in jeber %orttt wird auf gehoben. 3. Die nebenamtlichen Ärets- schstlmspekttonen sind in hauptamtliche umzuwandcln. 4. Für die Besetzung der Schulaufsichtsstellen im, Volks- schwlivefen kommen vor allem Volksschullchrer in Be­tracht. Die Regelung der Schrellcitung wünscht man nach folgenden Gesichtspunkten: 1. Die Leitung der mehrklassigen Schule geschieht durch ihren Lehrkörper unter dem Vorsitz des an ihr tätigen Leiters. 2. Tie Mitverantwortlichkeit fototc die Freiheit der Lehrenden die aber am Wohle der Schule ihre Grenzen findet __ sind durch ein bestimmt abzugren-cndcs Konserenz- recht sicherzusiellcn. 3. DaS Schulleitungsamt ist keine Aufsichtsinstanz. Tas Recht der Beaufsichtigung und Wertung der unterrichtlichen irnb erziehlichen Tätigkeit übt der Kreisschulinspektor ans. 4. Der Schulleiter ist der Vertrauensmann des Kollegiums, -Seine Ernen­nung erfolgt auf Feit durch die Schulbehörde nach dem Vorschläge des Lehrkörpers der Schule. Wiederwahl ist zulässig. 5. Tie Berufung zum Schulleiter hängt nicht vom Bestehen besonderer Prüfungen, sondern von der Persönlichkeit und der Bewahrung im Schuldienste ab. 6. Die Dienstanweisung ist grundlegend so zu ändern, daß dre Leitung der Schule im kollegialen Geiste erfolgt. 7. Am' besten wird dem Wesen der kollegialen Schulleitung durch Verhinderung zu großer Systeme Rechnung getragen. 8. Die bereits im Amte befindlichen Rektoren behalten Titel und Amtszulagen. 9. Für jede Schulleitung ist eine angemessene Entschä­digung zu gewähren.

Lehrer Weidekamp aus Hamm spricht dann in längeren Ausführungen zv den Gehaltsforde­rungen der Lehrerschaft. In der anschließenden Besprechung nimmt die Versammlung n. a. folgende Forderungen an: Die Besoldung der Volksschullehrer ist der der Lehrer an höheren Schulen so weit zu nähern, wie dies traf Rücksicht auf deren längere Aus­bildungszeit und höhere Ausbildungskoften angängig ist.

Sofortige Neuregelung der Besoldung ih einer Höhe, die den fetzigen TenerungsverhWnissen ent­spricht. Bis zum Inkrafttreten der Neuordnung ein­heitliche Teuerungszulagen, mindestens gemäß den zei­tigen Höchstsätzen. Gegenwärtig darf das Dienstein- kommen keines Lehrers unter 4000 Mk. betragen; Ortszulagen tut gesetzlich zulässigen Höchstbetrage für alle Lehrer in Stadt und Land; Gewährung einer AofftandSzulage (Entschuldungssumme) in Höhe von 1500 ML: Pensionsberechtigung der Teuerungszulage; Dovvelrechnung der Kriegsdiensffahre auf das Pensions­dienstalter; Erleichterung der Pensionsmöglichkeit ohne ärztliches Zeugnis; beschLeunigte endgültige Anstellung der jungen Lehrer gemäß Min.-Erlasses vom 22. 8. 1918; weitgehendste Berücksichtigung aller kriegSbeschä- digten Lehrer bei Anstellung und Gestaltung ihres Dienstes, Fortfall der Rentenkürznng: energische Hilse der stellungslosen Lehrern durch Schaffung treuer Stel­len und Ausnutzmtg aller Anstellungsmöglichkeiten; freie Gestaltung des Bildungszwanges für die Kriegs- femtnarDen; ausreichende finanzielle Unterstützung; Maßnahmen, um den kriegsgefangenen Lehrern Ent­schädigung für den GehaltZausfall während der Zeit der Gefangenschaft und baldmögliche Anstellung zu ver­schaffen.

Für die Gestaltung der Lehrer bi ldung stellt die Versammlung als obersten Grundsatz auf, daß fie nach wie vor auf konfessioneller Grundlage erfolgen soll. Im besonderen ist zu fordern: 1. Die künftigen Volksschullehrer erwerben sich ihre Allgemeinbildung auf einer höheren Lehranstalt. Zu den bestehenden höhe­ren Schulen tritt Ostern 1920 als gleichberechtigt eine neu zu errichtende höhere Schule auf ausgesprochen Kutscher Grundlage, die sich auf der Volksschule aufbaut. 2. Die Fachbildung erfolgt auf besonderen pädago­gischen Hochschulen oder auf den behebenden Hochschu­len. An allen Unwersitäteti Md Lehrstühle für Päda­gogik einzntichten. 8. Möglichft vom Herbst dieses Jah­res. spätestens vom 1. April 1920 ab finden keine Auf­nahmen in Präparandenanstaltcn mehr statt. 4. Die bisher auf dem Seminar vorgebildeteti Lehrer sind nach mehrjähriger praktischer Tätigkeit an der Volks- schule zuvi Universiiätsstudimn zuzulassen. Die Zu­lassung zur Doktor-Promotion und zur Staatsprüfung für das höhere Lehramt sind ihnen zu ermöglichen vorstehende Döaßnabmcn beziehen sich auch auf die Ausbildung der Lehrerinnen.

Behandelt werden dann noch die Schul- und Standesforderungcn des Kathol. Lehrerver-

Abendesien wurde Dr. von Alpenheim gesprächiger und erzählte ihr, daß er Deutscher sei, aber in Kairo wohne; indessen bringe er alljährlich einige Zeit der Erholung in Heyst zu. Frmr von Jissc- s Bekanntschaft machte Olga rm Lesezimmer. Ihre Gesellschaftsdame, eine Schweizerin, las der eckten Dame halblaut aus einem der Journale vor, und da dies einige empfindliche Da­men genierte, verfiigten sich beide hinaus aus die Ter­rasse. Da Frau von Jisscmr an großer Schwäche litt und die nreiste Zeit des Tages im Rollstuhl gefahren werden mußte, war sie genötigt, sich auf den Arm ihrer Gesellschaftsdame zu stützen und Olga beeilte sich, dienstbeftiffen und voll befonderer Rücksichtnahme auf die greise Dame die Türe nach der Terrasse zu öffnen. Seitdem hatte Frau von Jisfem ihre Nähe gesucht und sie alsbald ins Herz geschlossen.

Die Gesellschaft verabredete eine sogenannte Esel- parsie nach den Schleusen. '2t. von Alpenheim war bet Arrangeur und versuchte. Olga für den Ansilug zu getirinncn; alle in ihre Sci'cu vor derartigen Ver­gnügungen ließ sie allen Bitten gegenüber uncmpfiitd- lich bleiben.

Das Haus war wie ausgesrorben; die Ausflügler waren, mit entsprechendem Proviant versehen, allesamt ausgezogen. Die Terrasse und grüngestrichenen Bänke des ausgedehnten Gartens waren leer, und die sonst so belebten Räume des Hauses still und einsam.

Frau von Msem ließ sich in ihrem Rollstuhle über den knisterndeii Kies der Gartenpfade fahren, hier und da vor einem Blumenbeete anhaltend, den Dust der Minnen einatmMd und sich an der Farbenpracht der mannigfarbigen Blüten erquickend. Ihre halbgeschlos- senen Augen öffneten sich mit freudigem Erstaunen, als sie Olga Gastrows schlanke Gestalt zwischen den Büschen des Gartens bemerfte. Sofort sandte sie die Schweize.rin hin mit der Bftte, Fräulein Gastrow möge sich auf eine Weile zu ihr bemühen. Olga begrüßte die Dame mit herzlichem Lächeln und überließ ihr gern und willig ihre Hand, die sie liebkosend in der ihren hielt.

Dccheimgeblieben, meine Liebe?* ttrtb es leuchtete tzfie innM PefriHgur^ in den fernen, aristokrattichU

Landes, die Junglehrerfrage und die Schaffung eines großen Verbandsorgans. Tie Veriammlung beichuetzl einstimmig, ein pädagogisches Organ großen Stils zu gründen, das vom 1. Januar 1920 an erfcheinen soll. Damir hatte ine überaus fruchtbringende Tagung ihr Ende erreicht.

Deutsches Reich.

* Gegen die Steuerflucht. Der Reichs - Finanz- Minister hat der Nationalversammlung einen äußerst bedeutsamen Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, durch den das Gesetz gegen die Steuerflucht vom 20. Julr 1918 bedeutend ergänzt werden soll. Danach soll tm wesentlichsten bestimmt werden:

Die nach dem ersten Gesetz zu leistende Sicherheit kann bis auf die Hälfte des Vermögens des Steuer­pflichtigen festgesetzt oder auf diesen Betrag erhöht wer­den. Die Sicherheft ist auch dann zu leisten, wenn Tatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß Vermögenswerte des Steuerpflichtigen dem inlän­dischen Zugriff entzogen werden sollen. Aus Abforde- rung des Lesitzsteueramtes ist eine VermögenSerklarung abzugeben. Dieses Amt kann die Sicherheiten fte,- geben, wenn die Voraussetzungen entfallen, unter welchen die Festsetzung der Sicherheit erfolgt ist.

Am wichtigsten ist § 4, in dem bestimmt wird, daß die Reichsregierung ermächtigt ist, mit aus­wärtigen Negierungen übereinzukommen wegen gegenseitiger internationaler Rechtshilfe bei Festsetzung des im Ausland befindlichen be­weglichen Vermögens der im Inland wohnhaften Personen abzuschließen.

aus -em Naqvargeviet,

Faule fiarfoffeln.

I» Friedberg mußten 25 Eisenbahnwagen Kartoffeln als Ackerdung verkauft werden, da sie völlig verfaull waren. Schuld daran trägt, wie von fach­männischer Seite mitgeteilt wirb, bie Reichskar- toffelstelle. Diese hafte nach Uebereinkunft mit ben feindlichen Länbern zur Deckung bes heimischen Be- barfs sich zur Abnahme auslänbischer Kartoffeln ver­pflichtet. Die fraglichen Kartoffeln stammen aus Eng- lanb unb wurden in Scedampfern nach Rotterdam ge­bracht unb hier in Rheinschiffe verladen und Anfang Mai rheinaufwärts verschifft. Statt nun bte Kartoffeln von Rotterdam oder wenigstens von Duisburg, Köln ober Mülheim sofort mit der Eisenbahn weiter zu be- förbern, gingen bte Rheinschiffe bis Mannheim in Schiffen, beren Lucken fest verschlossen sein mußten. Dazu kam bie große Hitze. Die Senkungen kamen deshalb schon verborben in Mannheim an, würben hier in Waggons überlaben unb bann ben Kommunalver- bänben überwiesen. Die Eisenbahnfahrt bauerte aber wteberum 1015 Tage, bie Wagen waren fest ver­schlossen. So kam bie Ware allerorten total verfault an. Die Friedberger Kartoffeln kamen von der Stadt­verwaltung Frankfurt unb sollten einer Friebberger Trocknerei überwiesen werben, bie aber bie Annahme verweigerte. Die Kartoffeln waren in unoerborbenem Zustanb beste Ware, nur ihre Bewirtschaftung war eine falsche, boher bie furchtbaren Verluste, baher auch bie unsinnig hohen Preise, bie ber Konsument jetzt für ben Ausfall mitbezahlen muß. Der Handel ist an ben Verlusten nicht beteiligt, wohl aber wleber Staat unb Gemeinben. ,

Freiheit, die sie meinen.

Wie bie nach jahrzehntelangem Ringen erlangte Koalitionsfreiheit aussieht unb von sozialdemokratischer Seite terroristisch ausgenutzt wirb, zeigt ein Flugblatt bes sozialdemokratischenVerbandes ber Fa­brikarbeiter Deutschlanbs, Zahlstelle Frankfurt a. M. unb Umgebung", bas kürzlich in ben Betrieben ver­breitet wurde und welches lautet:

Am nächsten Mittwoch, den 11. Juni 1919, findet in unserem Betriebe Bücherkontrolle statt. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen des Betriebes, einerlei welcher Organisation sie angehören, sind verpflichtet, ihr Verbandshuch bezw. Karte am Mitwoch mitzubringen und beut Vertrauensmann des Betriebe? bezw. der Ab» leiluna, der von ber Verbandsleitung als solcher durch eine Karte legitimiert ist, vorzuzeigen. Vertrauens­leuten ohne LegitimarionSkarte ist keine Folge zu leisten.

Mitglieder anderer Verbände sind ange­balten, sofern sie länger als ein viertel Jahr im Be­triebe beschäftigt sind, zum Fabrikarb eiter.Ver­band üoerzutreten. Arbeiter unb Arbeiterinnen, die noch keinem Verbände angehören, haben unverzüg­lich beizutreten. Verweigern sie den Beitritt, so haben sie bie Folgen zu tragen.

Und das nennen die Herren GenossenFreiheit" undfreiheitlich organisierte Arbeiterorganisation"!

(!) Bad Orb. Die hiesige Polizei beschlagnahmte bas Fleisch von 18 Hammeln, bas von bisher Zügen der Matrone auf,mutterseelenallein? Dan« darf ich wohl eine Bitte wagen. Wollen Sie einer einsamen, alten Frau ein Stündchen Ihrer Mutze widmen?"

Olga beugte sich über die Weiße, durchsichtige Hand und küßte sie.

Ich bin immer zu Ihren Diensten, gnädige Frau."

Zu meinen Diensten nicht," tvehrte lächelnd die Dame,Sie bringen mir ein Opfer und ich bin so egoistisch, cs anzmiehmeu. Wollen wir nicht hin­über nach der Jasminlaube fahren, hier suche ich ver­gebens nach Schatten."

Olga kam der Dienerin zuvor unb schob selbst den Rollstuhl nach der bezeichneten Stelle. In Frau von Jissems Augen standen Tränen. Sie sagte nichts, aber ibr Herz schlug dem schönen Mädchen in mütterlicher Liebe entgegen. Nachdem die Terme die Schweizer tu verabschiedet, holte Olga das Buch hervor, aus dem sie bis jetzt gelesen, und fragte:

--Was darf ich Jjhnen, gnädige Frau, vorlesen?"

Tiefe legte mit energischem Proteste die schlanken Finger auf die Blätter.

(Sonnen Sie mir einen Einblick in Ihre Seele. Reden Sie mit mir; aber nicht mit den Worten eines anderen, mit Ihren eigenen. Die Jugend erzählt fo gern, aber mir scheint, als stände in diesen ernsten Augen", bezeichnende .Handbewegung,das Gegenteil geschrieben."

Meine Jugend und mein Glück waren nur ein Traum. Ich bin längst erwacht", entgegnete Olga ruhig und benimmt. Mit warmem Händedruck sprach Frau von Jissem ihre Teilnahme aus.

Rühren wir nicht daran, was vergangen ist, soll auch vergessen fein. Ein jeder trägt fein Golgatha in der Brust, und jeder meint, das schwerste Kreuz tragen «u müssen. Es gab eine Zeit, da glaubte auch ich unter der Last meines Kummers zufammsnbrechen zu muf­fen. Nun lebe ich immer noch, lebe vielleicht noch ein Jahrzehnt und mehr, obschon es für mich bie schwerste Prüfung wäre, die Gott mir schicken könnte. Erst heute fange ich an, zu begreifen, daß Gott mir für das Ende meiner Tage vielleicht noch ein Gluch aufbewahrt hat,

unbekannten Schwarzschlächtern bem früheren Kanti­nenwirt vom Truppenübungsplatz Dillbach-Lettgen. bruim, Ebuarb Eckermann, jetzt in Frankfurt, zuge- sandt werden sollte. -

Ordnung

der zronlelchnamrprozejfion zu Zulda

Donnerstag, den 19. Juni 1919.

(Sott, wir loben Dich".

Das Domkapitel,

A. Reihenfolge der Prozession.

1. Volksschulen. Musikkapelle.

2. Lyzeum und Oberlyzeum.

3. Kongregation der Tnalische» Fräulein.

4. Katholischer JünglingSverein der Dompfarrei.

5. Katholischer Jugendverein der Stadtpfarrei.

8. Musikkapelle.

7. Katholischer Gesellen-Verein.

8. St. JosephS-Berein.

9. Winfridia.

10. Meister- unb Männer-Verein.

11. Katholischer Kaufmärmtscher Verein.

12. Lehrer-Seminar.

13. Oberrealschnle.

14. Gymnasium; in dessen Mitte

15. Musikkapelle (zur Begleitung der latemischen Gesänge).

16. Weißgekleidete Mädchen.

17. Barmherzige Schwestern.

18. Barmherzige Brüder.

19. Konvent der PP. Franziskaner.

20. Das Priester-Seminar und der übrige Klerus.

21. Der Hochw. Herr Bischof mit dem Sank- tisfimum.

22. Die stäbtischen Körperschaften.

23. Die Marianische Männersodalität mit Fahne nur daran anschließend die übrigen Bürger.

24. Marianische Jungftanen-Kongregationen mit ihren Marienvereinen in deren Mitte

25. Musikkapelle.

26. Dienstmädchen-Kongregation.

27. Arbeiterinnen-Kongregation.

28. Jungfrauen und Frauen.

B. Bemerkungen.

1. Nach dem Pater noster des Bischöflichen Hoch, amte? stellen sich auf dreimaligen Anschlag mit der Osanna und auf die gleichzeitige Aufforderung b«, Ordner die einzelnen Gruppen in der unter A. ve- zeichneten Reihenfolge auf und fetzen filh fofort in; Bewegung. MU" Sämtliche Gruppen, Ordensleute und Klerus ausgenommen, werden ersucht, nicht zwer und zwei, sondern vier and vier z» gehe», damft die Länge der Prozession vermindert und, namentlich auch tm Interesse beS Gesanges, ein besserer Zusammen- Hang erziell werde. t

2. Das Zeichen zum Stillstehen an den 4 Altären sowie das Zeichen zum Wettergeheu wird mft dem; Meßglöckchen der Stadtpfarrkirche gegeben. Mau bittet dringend, dieses Zeichen sofort zu beachten.

3. Bei Rückkehr zum Dom ziehen nur bte Grupp«! von Nr. 15 an (Lehrerseminar usw.) in de» Dom. Die Fahnenträger der Vereine mit ihren Begleitern mögen am Schluffe der Prozession vor dem Lehrerseminar tu beit Dom mit einziehen und rechts und links vor ber Kommllnionbauk Aufstellung nehmen. Die übrigen Gruppen (Nr. 114) bilben Spalier auf dem Domplatz unb warten dort ben letzten Segen mit dem Aller­heiligsten ab. Die Erteilung bei SegenS wird durch ein Zeichen bet Angelusglocke des Domes gegeben. Dan« erst löst sich die Versammlung auf.

0. Reihenfolge der deutschen Gesänge.

1. Bom Dom zum erst« Altar: Nr. 91:Auf, Zion, preise beuten König". _ , 1

2. Bom ersten zum zweiten Altar: 9h. 92;Deinem Heiland, Deinem Lehrer". _ _

8. Bom zweiten zmn brüten Mar: 9h. 99:Kommt unb lobet ohne End'".

4. Bom brüten zum vierten Mar: 9h. 103:O Gottes ew'ger Sohn". ,

5. Bom vierten Mar zum Dom: 9h. 85:Großer

Sotter-lenftor-mrng.

Donnerstag, 19. Juni. (Fronleichnamsfest.) Dom./«6, 6 u. Vi7 M., 7 Pfarramt m. AuSs. u. Segen, 8 Bischöfl. Hochamt, danach FronleichnamSprozesftou, V.12 M. ni. Pr., V»2 SakramentS-A., 4 Bischöfl. VeSper. Stadtpfarrkirche. 5»/«, 6V«, 7 (f. b. Schüler) u. 8 M., Hochamt u. 11M. fallen wegen b. Fronleichnamsprozession au», 21/» Bruderschaft vom hochw. Gut, 8 sakramentale A. Mittwoch abend 8 beginnt die neuntägige A. z. hl. Sakrament. Pfarrkirche zum hl. Geiste. V»7 Frühm., Vi8 Amt in. Som., SA. Ronnenkirch». Vormitt. 8 Terz, feiert. .Hochamt m. AuSt. d. hl. Korn. u. hl. Segen, nachmittags 3'Vesper m. hl. Segen. Herz-Jesu-Hetm. 6 Kom., */»8 Hochamt m. AuSs., 2 FronleichncnnS-A., 8Herz-Jesu-A. Freitag 8Herz-Jesu-A. Frauenberg. M. v. 56.|i7 Levitenamt m. AuSs.; 8, 9 u. 10 M., nachm. 3 Schlußvortrag b. Exerzitien f. b. Tertiären u. A.; abends '/,8 Herz-Jesu-A. m. Pr. General absolutio« f. b. Terttaren. (In b. FronIeichnamSoktav ist während b. KonventSm. um 6V« AuSs. b. Sllerhl., nachher toegtn.)

indem er mich Sie, meine Liebe, finden ließ, die Sie; das getreueste Ebenbild meiner armen Elli sind, die ber Tod mitten aus ber Lebenslust herausgerissen. Freilich. Ihre Schönheit befaß sie nicht, aber Ihre formvollendete Gestalt unb die Anmut Ihrer Beweg­ung, die Fülle blonden Haares, die waren ihr eigen. Und wie Sie nun so unvermutet in meinen LebenS- kreis traten, daerneuerte Ihr Anblick wieder alle schon einmal überwundenen Qualen. Nun ist auch die­ser Schmerz überstanden. Uh fühle mich glücklich und getröstet in Ihrer Nähe. Gibt kein Mittel, Sie

ganz zu gewinnet?"

Die flehenden Augen schnitten Olga ins Herz.

Vor zwei Jahren hätte ich auf diese Frage eine Antwort gewußt: Nehmen Sie mich hin als Ihre Tochter aber*

Sind Sie in Amt und Stellung und wollen eine sichere Stellung nicht mehr aufs Spiel setzen. Ich Weitz und ehre Ihre Gründe und will Gott das weitere anheimstellen--darf ich Sie mm Olga heißen?

Es klingt so viel inniger. Nennen Sie mich immerhin, wie Sie wollen; -# nur diegnädige grau" könnte ich Ihnen übelnehmen."

Am Abend war Soiree im Musiksaale. Die fünf. Töchter Histenhubers umlagerten das Klavier unb ber» stiegen sich im feligw Selbstvergessen bis zu den uner-- gründlichen Tiefen ihres Revertofts. Nachdem Min- chen HistenhuberDie Träne" unter tosendem Beifall wenn Papa und Mama, Sttnchen, Phinchen, Lin- chen und Trinchen fie endigten alle aufinchen"> Histenhuber die Hände rührten, gab es schon ein an­nehmbares Getöse zu Ende geführt, erschienen nach, einander die Schatten längst Verblichener, wie z. B. Das Gebet einer Jungfrau",Die Klosterglocken",- Heimliche Liebe", .Husarenritt" usw.

Dr. von Alpenheim erhob sich und schritt zu der' Ecke hinüber, wo Olga mit grau on J.issem saß.

Sie sollten sich unserer erbarmen und bas fünf-! strcchlige Medusenhaupt von bem Wimmerkasten, der-! tilgen", wandte er sich am Olga.

*' ",v<vw^ ((SacffetzMg folgt.))