| Mittwoch 18. Zuni t9t9. | iFerX“ Stt! L°Lelegr>Ld«sse:
Die
kommen.
Pressestimmen.
so
(lv <10 I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Sckütte. H*. | für die Anzeigen: I. Par »eller, Hulda. — Rotationsdruck.
Bot Wem WWW.
Unser Weimarer Vertreter schreibt:
Sn Weimar rollen die Würfel des Schicksals.
angef felis dui
Die Pariser Presse darf über die unwürdigen Vorgänge nichts veröffentlichen. Eine in den Blättern übereiristimmend wiedergegebene Meldung verschweigt die Vorkommnisse und bemerkt sogar, die Abreise sei ohne Zwischenfall vor sich gegangen. Bon den Blättern in englischer Sprache berichtet als einzige Zeitung die „Newyork Tribüne" kurz über die Vorgänge. Dem Blatte zufolge warteten die Einwohner von' Versailles in dichter Menge auf die Abreise der deutschen Delegierten und gaben diesen auf der Fahrt mit Pfeifen und Schreien das Geleit. Am Bahnhof
* sahen die Deutschen sich von einer feind- enge umgeben, welche, wie eine Radiomel- t, Steine in die Automobile geworfen habe, ... chrere Fensterscheiben eingeworfen wurden. Dies i|; alles. was die „Chicago Tribüne" meldet. Die
von ihr erwähnte Radiomeldung findet sich in keiner Zeitung. ,
Drohungen.
Karlsruhe, 17. Surri. Sn der Pfalz sind umfang, reiche Vorbereitungen zum Einmarsch der Ententetrup* ven in das rechtsrheinische Gebiet getroffen. D>e Ort- Lasten sind oollgetüllt mit französischen Truppen. Eett ,eute morgen befinden sich überall Plakate, wonach amtliche demobilisierten Deutschen sich schleunigst mel. den müssen. Offenbar ist die Absicht bei diesen Maßnahmen, daß man in Deutschland den Glauben gewinnen soll, im Erlistfalle sei an die Sntermerung der deut- ichen Demobilisierten gedacht.
Berlin, 17. Sunt. Der „Vorwärts schreibt. D.s ungeheuren militärischen Vorbereitungen der Entente wirken einfach lädierlich ""Gesichts dn -at ache, daß an einen bewaffneten Widerstand kein Mensch n Deutschland denkt. Deutschlands Widerstand im Falle der Nichtunterzeichnung könne nur moralischer Natur sein und diesem moralischen Widerstand ist auch durch die schönsten französischen Manöver nicht belzu-
Die italienische Krisis.
In keinem der siegreichen Länder hat sich so schnell und so weitgreifend ein Katzenjammer eingestellt wie m Italien, in dem heute nur eine Stimme ist über die Undankbarkeit, die Untreue und die Hinterhältigkeit der Verbündeten: in keinem Lande der Entente ist der Miß- mut der Bevölkerung mit seiner Regierung bereits so weit gediehen wie gleichfalls im siegreichen Italien.
Für den ferner Stehenden bildet das Italien von heute em Rätsel und man muß schon genau in den lärmenden Chor der italienischen Presie hineinhorchen und das Gesamtbild des Krieges ganz Italiens sich voi Augen halten, um zu verstehen, wie gerade der Sieg das stark auf Gefühlsmomenle eingestellte italienische Volk rebellisch gemacht hat. Aus seine militärischen Leistungen darf Italien sich nicht viel zugute halten und schon im Verlaufe des Krieges ist ihm das häufig genug von seinen Verbündeten vorgehalten worden: seine Ansprüche gründen sich ausschließlich auf das Londoner Abkommen, das Sonnino als Lohn für den Eintritt Italiens in den Krieg zustande gebracht hat, aber die in diesem Abkommen den Italienern gemachten Zuge- standnisie bleiben weit hinter dem zurück, was Italien nach diesem opfewollen Kriege benötigt und was es vor allem dazu befähigen könnte, in die Weltwirtschaft, wohin es strebt, hinein zu wachsen.
Die Italiener haben längst eingesehen, daß der San d< erwerb, der ihnen anfangs alles war, und der ihnen in London auch zugesagt worden ist, doch recht wenig Wert besitzt, zumal setzt auf der andern Seite der Adria nicht mehr das verhaßte D-sterreich-Ungarn sitzt, sondern das nicht minder gehaßte, aber noch anspruchsvollere Süd- slavrnreich. Für diesen Landerwerb, der ihm heute schon herzlich wenig gilt, ist Italien aber in die verhängnisvollste und emvfindlichste finanzielle und wirtschaftliche Abhängigkeit von seinen Verbünde- ten geraten. Von seinen Verbündeten erhält Italien jetzt Lebensmittel, Geld und Rohstesse, und wenn die Verbün- beten ihre Hand schließen wollten, müßte Italien verkommen und verhungern Und es ist nur Gnade, die von der Entente Italien gewährt wird: die italienischen Staatsmänner haben es in ihrer kurzsichtigen Kriegsziel- r-ritif versäumt, auch in wiitschastlicher und finanzieller
Wie die Berliner Blätter der einzelnen Parteien über die Frage denken, ob das geringe Maß der uns zugedachten Demütigungen und Vernichtung durch An- terfchreiben oder durch das Versagen der Unter,chrift herbeigeführt werden kann, läßt sich wegen des Zei» tungsstreiks nicht feststellen. Erschienen sind gestern abend nur der „Vorwärts" und die „Germania . Dis letztere sagt unter anderm:
„Es ist unnötig, sich mit dem Geist dieser Note auseinanderzusetzen. Sie ist das s ch a m l o s e st e M a ch- roert, das man je gewagt hat, einer Nation, die ihrs Bereitwilligkeit zum Frieden mit den unmenschlichsten Opfern erklärt hat, zuzumuten. Diese Mantelnrns sollte in Deutschland öffentlich angeschlagen werden, «le wird jedem Arbeiter oder Bürger die Augen offnen über den Geist, in dem die Entente das Schicksal Deutschlands entscheiden will."
Das Blatt stellt fest, daß die Abänderungen sehr, weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Aber man werde in Weimar und Bersin auch alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen, die bei einer Verweigerung der Unterschrift eintreten werden.
Der „Vorwärts" sagt, die Antwort der Entente wirke wie eine neue Kriegserklärung:
DaS aanze Schriftstück atmet den Geist u rtti er» föhnli cken Hasses und überhebendster Selbstgerech» tiakeit. Alle« was die Deutschen taten, wird als verbrecherisch hinaestellt, was auf der anderen Seite geschah und noch geschieht, eimcktießlich der ©unner» blockade. gilt als ein Akt aerechter Abwehr. Was an Aendrrunaen vorgeschlaaen wurde, ist als Zugeständnis in keiner Weise anzu-prechen. Wohl zum ersten Malin der Geschickte ergibt sich der Fall, daß man em Volk, womit man angeblich Frieden schließen will, in der unerhörtesten Weise beleidigt und be- schimpft. Wenn die Mantelnote der Entente den Krieg als größtes Verdrecken an der Mensch, heit erklärt und für ihn das deutsche Volk allem der- antwortlich macht, so ist es doch gewiß, daß eS noch em größeres Verbrechen an der Menschheit gibt, und das ist dieser soaenannte ,Friede, ^u. den nächsten vier Tagen vollzieht sich die größte Entscheidung der Weltgeschichte, die doch, wie immer sie fallt, keine endgültige sein wird denn das deutsche Volk kann den Kampf um Recht und Leben nicht aufgeben. Möge es sich stark genug erweisen, ihn jetzt schon kraftvoll weiterzusühren, indem es den unerfüllbaren, unannehm. baren und entehrenden Forderungen der Ententekapitalisten sein festes Rein entgegensetzt."
Die „Franks. Ztg." rät, sich ms Unvermeidliche zu schicken und zu unterschreiben:
Die Wahrheit ist: Deutschland ist außerstande, dem Feind die Unterschrift unter den Vertrags- entwnrs zu rerweigern, wenn sie durch das Ultimatum enwunpen wird. Sind wir uns hierüber klar, so muß diese: tödlich ernste Schritt ohne Schwanken getan werden. Bleibt uns denn eine andere Möglichkeit, als der Gewalt, folanac sie uns zwingt, zu weichen? Wie foUe ein Volk, das moralisch, politisch und militärisch so zerrüttet ist wie das deutsche, die ungeheuer schwere Prüfung einer neuen Leidenszeit bestehen? Wie sollte es sie bestehen, selbst wenn es im Augenblick einig wäre? Und es ist nicht einig, auch nicht in der Friedensfrage. Schicken wir uns in das Unvermeidliche, hoffen wir auf eine bessere Zukunft! Cs find au!e Anzeichen dafür da, daß sie kommen wird. Richt im Slurmgewitter neuer Machtentfaltung, sondern durch den Willen der Völker, die ohne die Mitarbcst des mittleren Europa nicht in Ruhe leben können. ______________
sämtlichen politischen Aemter des Reiches find dort versammelt. Sm L ass«, in welchem die Ministerien Quartier Haden uno in der Nationalversammlung, dem Heim der demfchen Volksvertretung, herrscht Hochbetrieb. Alles steht im Banne des großen und des fiircht- W schweren Augenblicks. Das drückt sich aus in dem bewegten Leben, das sich in den Sälen und Zimmern des Schlosses wie in den Räumen der Nationalversammlung entwickelt. Die Minister, die Staatschefs, die Regiernngstommiffare, die Parteiführer ufw. halten unablässig ihre Besprechungen ab. Alle diese Aus- sprachen haben natürlich zu einem Ergebnis nicht geführt, sondern sind nur als vorläufiger Meinungsaustausch zu betrachten. Erst wenn in der Nacht zum Mittwoch die Delegation aus Versailles angefomnten «st, die den gesamten Wortlaut der feindlichen Antwort, <llso auch das zu dem Begleitbrief gehörige feindliche Memorandum überbringt, ist die Unterlage zu einer sachlichen un’’ kritischen Besprechung gegeben. Der Be- tzleitbries selbst weist in verschiedenen wichtigen Punkten noch eine ziemlich weitgehende Unklarheit auf; nöe beteiligten Stellen hoffen, daß du ich das ergänzende Memorandum eine Klärung herbeigefiihct wild, ohne daß Rückfragen nötig sind.
Die bange Frage: „ja ober nein" steht nunmehr in ißjrer ganzen unnennbaren Gewalt, in ihrer furchtbar 'für Geschlechter hinaus entscheidenden Bedeutung vor .uns. Und jetzt, da wir klipp und klar Antwort geben sollen, da mit der Uhr in der Hand auf den eigenen Lrteilsfpruch von unerbittlichen Gegnern geharrt wird, zetzt auch wird wohl so mancher des Ernstes der Stunde <fo ganz inne werden, der ihm vielleicht in gutgläubigem Optimismus bisher trotz allem noch nicht so recht auf» gehen wollte.
Sn Weimar vollzieht sich eine geschichtliche Entscheidung, von welcher Leben und Existenz von 65 Millionen deutscher Volksgenossen und nicht nur von diesen, sondern auch von den Millionen nachgeborener Generationen abhängt. Solche Ensscheidungen sah noch kein Volk der Erde!
' Es ist nur natürfitf), daß der erste Eindruck der Antwort in den Reihen der Parlamentarier wie der Regienmgsmänner ungemein nieberbriiefenb ist. Man findet den Ton dieses Haßvergifteten Doku- mentes brutal herausfordernd und beleidigend zu- jgleich Besonders der erste Teil, der die Schukdftaae in dem für Deutschland ungünstigsten Sinne zu lösen versucht, ist eine Kette von Anmaßung und Heuchelei. So ist bisher noch nie zwischen Völkern geredet worden, auch nicht zwischen verfeindeten, ge- schweige denen zwischen Völkern, die sich die Hcmd zum Frieden reichen sollen. Der Ton dieser Schmähschrift verdient nur die Kritik: pöbelhaft. Was sachlich zur Darlegung unserer Schuld und unseres Verbrechens gesagt wird, ist eine verwegene bis an die Lächerlichkeit grenzende Geickichtsfälfchuna, berechnet für Kinder oder für Narren. Wir werden als Räuber, als Plünderer und Brandstifter bingestellt, während auf der anderen Seite nur weiße Engel erscheinen. Die Geschichte kennt bei einem Kriege wie bei diesem nicht Schuldige und Unschuldige, sie wird das Maß der Schuld auf beide Setten gerecht vertellen.
Der Geist, der aus der Antwort uns entoeaenwehk, Ist nicht der Geist der Friedfertigkeit, der Verföhnlich- ^feit und des Entgegenkommens, der allein imstande 'wäre, den Bau der neuen Welt zu sichern.
Der Begleitbrief.
In dem Begkeiibrief zu der Note iw Alliierten auf <lte deutschen Gegenvorsckläge heißt es weiter:
Die Alliierten dringen darauf, daß die Personen, di: am offensichtlickkten die verantwortlichsten für den Angriff Deutscklands vnb für die Akte Her Barbarei und Nnmenicklichkeit sind, we'cke die geg- .neriscke Partei in der Kriegführung entehrt haben, •6er Gerechtigkeit übercrotwottet werden, der sie bisher 'in ihrem Lande nickt rmkerzogen worden sind. Des- chalb auch muß sich Deutschland während einiger Fahre gewissen Einschränkungen und Sonderbe- 'stimmungen unterwerfen. Deutschland hat die Industrien zu Grunde gerichtet und die Fabriken der benachbarten Länder zerstört. Deutschland bat seine NackBarn alles dessen beraubt, was eS benutzen und ckortfübren konnte. ES zerstörte Schiffe aller Nationen «auf offener See. Es ist mir gerecht, daß die Wieder- Igutma^'rna erfolgt, und daß die fo Mißhandelten Vol» llcr für wisse Zeit gegen die Konkurrenz einer Nation ktfcfrüyi werden, deren Industrien intakt sind und so- Mr durch entwendetes Material aus besetzten Gebieten gestärkt wurden.
Wer soll leiden? Deutsckland ober* bloß die Volker denen Deutsckland Schaden zugefügt hat? Wenn das deiitscke Volk selbst ober irgend eine andere Nation davon gkpehal'ln werden soll, den Spuren Preußens zu folgen, wenn die Nationen wie die In- dwiduen sich unter die Herrschaft des ReckttS stellen Mnnen, wenn in naher Zukunft die Versöhnung und Beruhigung in Frage kommen fall, dann lumd «.tests geschehen, weil diejenigen, die die Verantwortung des Friedensschlusses tragen, den Mut aebabt baben, dar- L>er zu Wacken, daß die Gerecktinkeit nickt verdreht werde, int- des bloßen Vorteils ein-S Bequemen Friedens willen.
Die deuticke Denlsckrist behauptet, daß b-r deut- sitzen Revolution Recknung getragen färben müsse und daß da? deirtsck« Volk nickt verantwortlick sei für die Polittt feiner Reme-una, da eS sie von der Macht iaestürzt habe. Die alliierten und a^oziierten Regierungen erkennen her. ein getretenen Wechsel an und freuen sich dessen. Diese Aenderimg stellt ein- große Hoffnung entf Frieden und Ordnung in Eiirova dar. über sie kann die Begleickuna de? Friedens an und für fick nickt berühren. Während deS Krieges und vorher hat das deutsche Volk imb seine Vertreter, die diesem Krieg günstig gefinnt waren. Kredite bewilligt imb K° leakanleiben ge-eicknet, eS hat assen Befehlen feiner Regierung geh-rckt, so grausam Pe sein mochten. die Vertreter teilten die Verantwortlichkeit der Pol-ttk ihrer Regierung: denn sie hätten in jedem Augenblick, fcenn sie gewollt hätten, diese stürzen können.
Die alliierten Mäckte halten deshalb dafür, daß der /friebe, ten sie vorgefcklagen haben, ein Friedc der ^Gerechtigkeit und deS Reckt? ist, gemäß der beim Abschlüsse deS WaffenfttllstandeS angewandten «k-undfätzr.. May Icrnu nickt an der Absicht der WKntrttn Mächte "Muffln, als Basis bei europäischen Neuordnung die Grundsätze angenommen zu haben.
macht wurde, um sie als Basis zu gebrauchen, von wo aus man sich auf den Welthandel stürzen könne, machen es den Alliierten unmöglich, diese Kolonien Deutschland zurückzugcben, noch ihm die Verantwortung zuzutrauen, ihre Bewohner zu erziehen und zu bilden. Aus diesem Grunde sind die alliierten Mächte nickt gewillt, diese Vorschläge abzuändern, außer in den angegebenen Punkten. — Die Vorschläge, betreffend das
iülermrtioaale Regime der Flüsse bilden eine Ergän- zung zum territorialen Reglement und entsprechen den Grundsätzen des Friedens, wie sie angenommen wurden sowie mit dem in Europa in Kraft befindlichen öffentlichen Recht, daß Binnenstaaten auf den in ihrem Gebiet fließenden schiffbaren Flüssen Zugang zum Meere erhalten Die alliierten Mächte erachten deshalb die von ihnen vorgeschlagenen Anordnungen als von grundlegender Bedeutung für die freie Emsaltmig der neuen Kontinental- ftaaten. In den Ausführungen der Bestimmungen sind iekoch einige Aenderungen an den ursprünglichen Vorschlägen zugebllligt worden. — Es hat den Anschein, daß die deutsche Delegation den Sinn der
wirtschaftlichen und jinanzi-klcn Bedingungen in er- heblichcm Maße nicht beuten kann. Es besteht bei den alliierten und assoziierten Mächten in keiner Weise dir Absicht, Deutschland zu erdrosseln und es zu verhindern, im internationalen Handel die Stellung ein« zunehmen, die ihm zukommt, vorausgesetzt, daß es die Beengungen des Friedensvertrags erfüllt und vorausgesetzt ebenfalls, daß es feine Methode des Angreifens und des Ansichretßens aufgtbt, die seine Geschästsmethode wie seine politische Methode charakterisiert. Es ist die Absicht der alliierten Mächte, daß Deutschland eine glelchmäßlgk Behandlung genießt inbezug auf den Einkauf von Roh- matcridien und den Verkauf von Waren unter Vorbehalt der bereits angeführten Maßnahmen, die im Interesse der durch Deutschlands Taten zerstörten und geschwächten Na- Honen aufg, stellt worden sind. Die alliierten Mächte wünschen. daß dir durch den Kiffe oufgepeitschten Lei- denfchaften soba.d als möglich verlassen und daß olle Rationen an dem Wohlergehen teilnehmen, das aus einem Austausch hervorgeht, wo jeder ehrlich den Forderungen der andern oachkommt. Sie wünschen, daß Deutschland mit allen anderen Nationen sich dieser Wohlfahrt erfreue; aber auf viele Jahre hinaus wird noch ein großer Teil dieser Wohlfahrt dazu dienen müssen, bei den Nachbarn öic Schäden wieder auszudessern, die Deutschland verlchuldete. Um ihre Ansicht klarer zu gestalten, haben die alliierten Mächte eine gern.fit Anzahl finanzieller und wirtschaftlicher Klauseln des Vertrags abgeandert; aber die Giimdsätze, auf denen der Vertrag beruht, find imaniajtbar. Der Vorschlag der alliierten Mächte über
Tie Wiedergutmachung umschließt keineswegs seitens der Ko.-iimiffion für Wiederherstellung eine Einmischung in das innere Leben Deutschlands, wie die bculfdieu Gegenvorschläge beho >'en. Sie bezwecken tebigriä), beiden Varwien die Bezahlung der Wieder- gutmacknng möglichst zu erleicktern. So müssen sie ausaelegt werden. Infolgedessen sind die alliierten Mäckte gewillt, nicht? abzuändern. Aber gleich der deutschen Delegation erkennen sie die Vorteile an, die daraus erlvüchsen, wenn man fo schnell wie möglich den Betrag Tennen lernte, den Deutschland zahlen muß und die Alliierten annehmen können. Dieser Betrag kann nicht sofort festgestevt werden, da die Höhe deS Schadens imb die Kosten der Wiederherstellung noch nicht festgestellt werden kann- > ten. Infolgedessen willigen die alliierten Niäckte ein. *
Deutschland alle notwendigen vernünftigen Erleichterungen zu gewähren, um ihm zu gestatten, sich ein Gesamtbild der Verheerungen und Schä- den zu macken und in der Frist von vier Mo- nuten von der Vertragsunterzeichnung an Vorsclchäge für die Regelung des von ihm verschuldeten Sck-adens zu niackeu. Falls man im Lauf« von zwei Mona- t e n, die der Inkraftsetzung des Vertrages folgen, zu einer Einigung gelangen kann, wird die genaue pekuniäre Verantwortlichkeit Deutschlands so festgelegt werden Falls in dieser Frist eine Einigung nicht Platz gegriffen hat, wird das rot Vertrag vorgesehene Arrangement ausgeführt werden. Die alliierten und assoziierten Mächte können der Forderung der beut» scher, Delegation auf sofortige Zulassung Deutschlands zum
Völkerbund nicht nachkommen. Die deutsche Revolution wurde bis zum letzten Augenblick des Krieges verzögert, und bisher haben die Alliierten imd Assoziierten keinerlei Garantien, daß die Nerolution eine dauerhafte Aenderung darstellt. Beim augenblicklichen Zupanb des internationalen öffentlichen Gefühls kann man von den freien Nationen der Welt nicht erlnarten, daß sie sich unverzüglich auf den Fuß der Gleichheit mit denen verbünden, die ihnen so großes Unrecht zugefügt haben. Aber die alliierten Mächte glauben, daß. wenn das deutfcke Volk durch Handlungen seine Absicht, die Fnedensbediugungen zu erfüllen, seine endgiltige Verzichbleistung auf Angriffspolitik und seine Umwandlung in ein Volk bekundet, mit dem man auf freundschaftlichem Fuße und in guter Nach- baisckaft leben kann, die Erinnerungen an die letzten Jahre so schnell verwischen, daß es möglich sein wird, in nicht ferner Zukunft die Gcfevsshaft der Nationen zu vervollsiäudigen, indem man Deutschland zuläßt. Es wird hauptsächlich von der .Haltung des deutschen Volkes selbst abhängen, den Zeitpunkt seines Eintritts in die Gesellschaft der Nationen näher, zu bringen. — Tie alliierten Mächte erklären, daß die
Blockade Deutschlands eine gesetzliche Kriegsmatz- nahme ist und nur infolge des verbrecherischen Charakters des von Deutschland unternommenen Krieges und der von Deutschland verfolgten barbarischen Kriegsmethode, jeiwch. stets gemäß den internationalen Rechten, verschärft werden mußte. Schließlich erklären die alliierten und assoziierten Pdächte, daß ihre heute übermittelten Bedingungen
ihr letztes Wort sind. Sie haben auf Grund der Prüfung der deusschen Gegenvorschläge wesentliche prak- ttsche Z u g e st ä n d n i s s e für die Durchführung gemacht, sich jedoch in den Grundlinien an den Vertrag gehalten. Ter Vertrag, wie er heute aufgestellt ist, repräsentiert den aufrichtigen Versuch, eine Herrschaft des Rechts zu errichten. Ms solche muß er im Wortlaut, wie er heute vorliegt, angenommen oder verworfen werben.
Sitzung des Friedensausschuffes.
Weimar, 17. Juni. Der Fried en sauSschuß bet Nationalversammlung trat heute nachmittag unter dem Vorsitz des Präsidenten Fehrenbach zu einer kurzen Sitzung zusammen, die außerorbeutlich stark besucht war.
Ministerpräsident Scheibe mann gab einen Neberblick über die feindliche Mantelnote, indem er einleitend aus die bevorstehende folgenschwere Entscheidung und auf die Beleidigungen hinwies, die unsere .nkireisende Delegation ausgesetzt waren. Er bedauerte den Mangel eines ausreichenden Schuhes und teilte mit, daß sofort Protest eingelegt worden sei und daß sich die Reichsregieruug ihre Stellungnahme dazu bis zum Eintreffem eines amtlichen Berichts Vorbehalte. Jur Mantelnote selbst erklärte er, daß sie ein abschließendes Urteil noch nicht erlaube, ein voreiliges Urteil aber verfehlt sei. In den allgemeinen gegen das deutsche Volk erhobenen Beschuldigungen |et Neues nicht enthalten; aber er müsse dazu mit Vedauern feststellen, daß die Entente unseren Vorschlag zur Schaffung eines neutralen Schiedsgerichts ab gelehnt habe, das allein diese Beschuldigungen objektiv hätte prüfen können. Bedauerlich sei weuer, daß das ganze Volk mit den angeführten Vergehen und Verbrechen belastet werden soll. Diese Belastung solle aber die Berechtigung schassen zu den schweren Beoingnugen, die im zweiten Teil der feindlichen Monti lnote dem ganzen deutschen Volke auffr- legt werden sollen. Die Begründung, die der vorgesehenen Regelung der V e r hä l t n i s se im Osten beigegeben werd'', lasse wenig Hoffnung aufkonnnen, daß in dem ausführlicheren Memorandum ein wesentliches Enigegeniommen enthalten fein Werbe. Tas gelte auch für die übugin Fragen über die Landes- abttetiiuge>i, bei denen ebenso wie bei den wirtschaftlichen und finanziellen Fragen in der Mantelnote noch mancherlei Punkte völl'g unklar feien. Angesichts diese Unklarheiten und angesichts der Tatsache, daß das gesan'.te S-ater toi zur Zeit noch nicht vnrliege, köo.ir heute erne Entscheidung noch nicht getroffen werden. Nur der enogüfftige und vollständige Text der seindlichen Antwort könne die Grundlage für eine gemeinsame Beratung zwischen Reichsregierung und FeiedensauSschuß abgebsn. DaS deutsche Volk, die Nationalversammlung und die Reichsregierung seien vor d'e schwerste Entscheidung gestellt und deshaw sei es Pflicht, gleichviel tote der Einzelne zur Friedensfrage stehen möge, mit vollster Objektivität an diese Entscheidung heranzutreten. Niemand dürfe im Ztoeifel sein, daß unser Volk den schtoerften Zeiten entgegen gehe.
Präsident Fehrenbach schloß sich der Auffassung an. koß eine materielle Beratung erst möglich sei, trenn das gesamte Material vorliege und der FriedensauS- schuß erklärte sich damit einverstanden, daß die n ä ch- ste Sitzung am Donnerstag nachmittag abgehalten tocrden soll. Bis dahin wird die Reichsregie- rung nach den Mitteilungen des Ministerpräsidenten ©d^ibemar.n die Srglid &it haben, mit tuet heute Nacht hier emtreffenben deutschen Friedensdelegation zu beraten.
Die Zwischenfalle in Versailles.
Gegen die Zwischenfalle bei der Abfahrt der Mitglieder der deutschen Friedensdelegation aus Versailles legte der Minister des Aeußern Graf Brockdorff- Rantzau fchärfstenProtest ein.
die urrterdrückten Völker zu befreien mW bte nattona» Un Grenzen soviel als möglich entsprecheuü den- Sinn der n.ieiessierten Völker zu ziehen, intern leben: Dell all: Erle.chterungen geboten toerb-.n, nuttonal und wirtschaftlich ein unabhängiges Leben zu ,uhren Br- tteff? Auwlnbung biefer Grundsätze haben die alluer- ten Rächte Bestimmungen getroffen, un»
Pole» M unabhängigen Staat toiederherzustellen mit einem freien und sicheren AuSgang zum Meere. Alle „von nnzweifelbast deutscher Bevölkerung bewohn» un Gebiete" mit Ausnahme einzelner isolierter Städte und kürzlich gewaltsam expropriierter und inmitten unzweifelhaft polnischer Gebiete errichteter Kolonien wurden Deutsckland belassen. Uebetall, wo der Wille der Bevölkerung zweifelhaft »sttz wird eine. VolkSab- fttmmung vorgenommen werden. Die
Stadt Danzig wird die Verfassung einey freien Stabt erhalten. Ihre Einwohner werden als autonom unerkannt werden. Sie werden nicht tndie Herr- schäft Polens übergehen und werden nicht einen Tetl des polnischen Staates bilden. Polen wird ge- wisse wirtschaftliche Rechte in Danzig erhalten. Die Stadt selbst wurde von Teusschland losgelöst, weil kein anderes Mittel möglich war, um einen freien und sicheren Zugang zum Meere zu bewirken, den Deutschland ernzuräumen versprochen hat. Die deutschen Frieden?. Vorschläge sdehen in vollkommenem Widerspruch zu der für den FriedensscUuß angenommenen Basis. Sie sehen vor, daß große Mehrheiten unzweifelhafi polnischer Bevölkerung unter deutscher Herrschaft bleiben würden. Sie verweigern einer Nation von über 20 Millionen den Zugang zum Meere, deren nationale Angehörige längs des ganzen zur Küste führenden Weges in der Mehrheit sind, deren Handel immer haupt- säcklich mir See erfolgte. Tie Gegenvorfchtäge können daher von den Mächten nicht angenommen werden. Die deusscke Note hat indessen die Berichtigung begründet, die bergenommefn werden wird betreffs der Behauptung, daß
Oberschlefirn, obwohl von einer polnischen Mehrheit in der Proportion von 2 : 1, d. h. 1 250 000 gegen 650 000 gemäß der deutschen Volkszählung bom 1910 bewohnt, deutsch zu bleiben toünsckt. Die Mäckte willigen darum ein, daß die Frage, ob Oberscklesien einen Bestandkul Polens ober Deutschlands bilden soll, durch Abstimmung der Bewohner selbst entschieden wird. — Das ben den alliierten und assoziierten Mächten voroeschlagene Regime für das
Gebiet des Saarbeckens soll 15 Jahre dauern. Diese Anordnung wurde als notwendig erachtet zugleich als Teil des allgemeinen Wiedergutmachuugsplans und alS sofortige sichere Kompensation, die Frankreich für die systematische Zerstörung seiner Kolstenindusirie zuer- tannt wurde. Dieses Gebiet gelangt nicht unter französisch Herrschaft, sondern unter die Kontrolle des Vblkerbunbes. Diese Lösung hat den Vorteil, keinerlei Annexion in sich zu schließen, trotzdem Frankreich das Eigentumsrecht an den Gruben zuerkannt wird. Nach Ablauf von fünfzehn Jahren wird die Bevölkerung volle Freiheit besitzen, um zu entscheiden, ob die Dereniigung mit Deutschland, Vereinigung mit Frankreich oder Fortsetzung des im Vertrage vorgesehenen Regimes wünscht. — Die Gebiete, die man von Deutschland
ar Dänemark und an Belgien zu übertragen beabsichtigt, wurden teilweise gew-illsam von Preußen genommen und keinerlei Uebertragung wirb erfolgen, bie nicht Ergebnis eines Entfchlufies der Einwohner fein wird. Dieser Entschluß wird mit solchen Vorsichtsmaßnahmen gesoßt werben, daß die Freiheit bet Abstimmung vollständig lein wird. Endlich sind die alluericr. Mächte der Ansicht, daß die Eingeborenen der
deutschen ftolenira sich lebhaft dem Gedanken roiber- setzen, unter deutsche Oberherrschaft zurückzufallen. Die Tradition deutscher Verwaltung, deutscher Regierungsmethoden sowie der Gebrauch der von den Kolonien ge-