Einzelbild herunterladen
 

aer

| Dienste« 17. Zuni 1919. | LS» I 4S. Zadrg.

TTr 117 I verantwortlich für den redaktionellen Teil; Karl Schütte.

* | für die Anzeigen:I.Parzeller, Fulda. Rotationsdruck.

Sie Antmt der stellte.

Dte Aebergabe der Antwort.

Die Antwortnote der Entente wurde dem Grafen Vrockdorff.Rantzau Montag um V.7 Uhr abend­überreicht. Die Ueberreichung hatte eine mehrfache Verzögerung erfahren. Zunächst sollte die Note um 4 Uhr übergeben werden, dann wurde der Termin auf */«6 Uhr verschoben und schließlich Weiler auf */»7 Uhr.

Die Antwort enthält folgende Dokumente: 1. den llebermittelungSbrief, der von Clemenceau unterzeichnet ist; 2. die gedruckte Antwort der Entente in einigen Exemplaren und 3. ein (!) Ex­emplar des geänderten Vertrages, in dem die abgeänderten Artikel mit roter Tinte zwischen die Zeilen des alten Textes hineingeschrieben sind.

Diese nachlässige Form, in'bei die Aenderungen «ns mitgeteilt werden, ist kennzeichnend für die Un­gezogenheit, die die Feinde während der ganzen Ver­handlungen Deutschland gegenüber an den Tag legen. Selbst der Pariser ,Matiiff ist über diese über- -nie gebrochene Antwort sprachlos. Er schreibt:

»Die Mitglieder der Delegation sollen sich also über daS eine Exemplar beugen, oder weitere kostbare 14 Stunden verlieren, um auf die ferneren Exemplare m warten, die erst in Druck gegeben werden?" Diese- verfahren ist würdig der unerhört übermütigen 8tt, mit der die Entente die ganzen Friedensbe» Brechungen durchgeführt hat. Da nach 48 Stunden schon der dritte Tag der Kündigung des Waffenstill» jtanbcs zu laufen beginnt, wird man diese letzte Aktion '«-diplomatischeErpressung bezeichnen müssen.

' Aus dem Inhalt.

wtb Versailles, 16. Juni. Die französischen Bläi» tat veröffentlichen heute nochmals eine kurze Inhalts­angabe der Antwort der Entente sowie einen Auszug aus den deutschen Gegenvorschlägen. DasJournal" stellt den ursprünglichen Vertragsentwurf der Alliierten und einen Auszug aus den deutschen Gegenvorschlägen dem endgültigen Vertragsentwurf gegenüber. Aus der Eegenuverstellung ergibt sich lautJournal": .

Die Volksabstimmung in Südschleswta wurde entsprechend den Wünschen der Dänen aufgegeben, da- gegen werden die Beschlüsse für Ostpreußen (Volksabstimmung im Bezirk Allenstein), für West. Preußen (teilweise Abtretung), für Danzig und Memel (internationalisierte Zonen) vollständig bei­behalten. Die deutschen Vorschläge betreffend El» saß-Lotstringen und die belgischen Be­zirke werden abgelehnt. Tas ursprüngliche Projekt über die deutschen Kolonien bleibt u n ver­ändert. DaS Projekt der Alliierten, dem zufolge Deutschland auf alle Rechte und Interessen Deuisch» lands verzichten soll und wonach aller öffentlichen pri- date Besitz völlig liquidiert werden soll, Deutschland im do,aus alle künftigen Maßnahmen der Alliierten an- reimten, seine Handelsmarine, Teile seiner Uscherei­schiffe und Flußschiffe ausliefern soll und demzufolge »t» Eibe internationalisiert und die Lelegritogikade! konfisziert werden sollen, ist b e i z u b e h a l t e n, \t» »och unter dem Vorbehalt, daß die Zulassung Deutsch­lands zua> Völkerbund eine Revision dieser Ab­machungen bringen würde. Die ursprüngliche Fassung ober die Wiedergutmachungen und bi» f t . nanz e 1! en Fragen ist beibehalten, jedoch wird Deutschland vier Monate Zeit haben, um fest« finan­zielle Vorschläge zu machen, über welches diskutiert vird Die Bedingungen über die Strafmaßnah. ien bleiben unverändert.

In einer Zusammenfassung erklärt dasJournal": Abgesehen von den Zugeständnissen in Oberschlcsien wurden die territorialen Bestimmungen beibehalten. Die wirtschaftlichen und finanziellen «ousün stehen vor sehr bald erfolgenden gänzlichen Veränderungen. Die Möglichkeit der Zulas. Mg Deutschlands zum Völkerbund bedroht den Ver-

mit völliger Umwälzung.

Debet bett Inhalt der Antwort liegen im Augenblick zuverlässige Meldungen noch nicht vor. Doch geht auS den vorliegenden mit ziemlicher «Aerheit hervor, daß der Bielverband Zuoeständ. «ss« nur in ungenügender Weise an Deutschland Sacht hat. Als Deutschland am 28. und 29. Mai

Feinden seine Gegenvorschläge überreichte, ge- ichah eS in dem festen Glauben, daß das darin ^gesprochene ganz außerordentliche Entgegen, «mmen zu einer Milderung der unS gestellten AkichenSbedingnngen führen würde. Wie immer wn feit den Novembertagen des vorigen Jahre» We8 sich auch diese Zuverstcht deutscher Proteste ® irrig. ES sieht nicht au», al» ob die Zngeständ- "sse den Frickensvertrag erträglich, ausführbar und wntchmbar machen könnten. Hier und da ist ihm freundliches Lichtchen aufgesteckt worden, im stmyen aber hat sich die brutale Fratze diese» Nieder» ^»mpelungSfriedenS kaum verändert. Binnen sieben Dagen soll Deutschland ja oder nein sagen. Damit A die Hoffnung auf Verhandlung erledigt. Dre Feinde wollen nicht verhandeln, sie wollen d i k» Elkren. Es ist eine Schmach und Schande, wenn fote in Pari» oder London oder Washington noch fen Gerechtigkeit und Völkerbund geredet wird, ja fe» man überhaupt daS Wort Frieden in den Mnd nimmt. Jener entsetzliche Entwurf, der am ? Mai nach Berlin geleitet wurde, und den Deuffch- mit einer Landestrauer beantwortete, Lfe noch ein Hort der Hoffnung, denn er for- unsere Gegenäußerung und ließ die Möglichkeit offen, daß diesem Schriftenaustausch »feudliche Verhandlungen folgten. Das ist nun vor« 5 Die feindliche Haß- und Raubpolitik ist noch

überwältigt. Wir müssen uns darauf einrichten, «och weitere Erfahrungen und noch mehr Zeit forderlich werden, um der Vernunft zum genügen«

Du.chbruch zu verhelfen.

j^Ävffchen Ja und Nein gestellt, sehen wir Deut- gfe.ben sieben schlimmsten Tagen unserer ganzen Schichte entgegen. Ehe unsere Regierung gesprochen M, wäre jeder Deutungsoersuch verfrüht und verfehlt. J.e Männer, die eine so furchtbar schwierige Aufgabe

>en tollen, müssen unvoreingenommen durch Rat und vfenung anderer tun, was sie zu tun schuldig find, Sonze Volk jedoch muß wissen, daß es in der

trostlosen Lage des Deutschen Reiches ebenso viel Mut erfordert, ob man sich zum 3a oder zum Nein be­kennen will. 3m ersteren Falle ist bei dem baldigst einsetzenden feindlichen Wettbewerb auf deutschen Märkten ein wirtschaftlicher Zusammensturz ohne- gleichen, im zweiten durch weitere Besetzung und Blockade neuer Verlust an Land und Leuten, Gut und Lebensmöglichkeiten zu erwarten. Und wenn wir noch so fest und sicher glauben dürfen, daß in beiden Fällen das Elend nur von kurzer Dauer wird sein können, es ist grauenhaft, auch nur daran zu denken. Das arme deutsche Volk hat genug und übergenug gelitten.

Der Begleitbrief.

Die offiziöse französische Agentur teilt auS dem In­halt deS B « g l e i t b r i e f s zu der Note der Alliier» ten auf die deutschen Gegenvorschläge nut: Die alliier­ten Machte hätten die Note der deutschen Delegation und die über die Friedensbedingungen gemachten Be­merkungen Äev ernstesten Erwägung unter­worfen. Die deutschen Vorschläge protestierten vor allem gegen den Fricdensvertrag, wer! er im Wider­spruch stehe mit den Bedingungen, unter denen der Waffenstillstand geschlossen wurde. Ter Pro­test der deuffchen Delegation beweist, daß sie die Lage verkennt, in der Deuffchland sich befindet. Tie deutsche Delegation scheint die Auffassung zu haben, daß Deutschland nur Opfer zu bringen habe, um den Frieden zu erhalten, als ob dieser Friede kurzer Hand oer Abschluß eines Kampfes fet, der um Gewinn an Land und Macht geführt würde. Darum «rachteten es die alliierten Negierungen für notwendig, Ihre Ant­wort mit einer genauen Darlegung des Krieges, wie sie ihn beurteilen, zu beginnen. Dieses Urteil ist zu­gleich das der gesamten zivilisierten Welt.

Nach der Ansicht der alliiertem und assoziierten Mächte ist der Krieg, der im Jahre 1914 ausbrach, taS größte Verbrechen gegen die «Humanität und gegen die Freiheit der Völker, daS je mit Vorbe- dacht von einer Natron, die sich für ziv'liiierr hielt, be­gangen worden ist. Während vieler Jcchrr vervielfil- tigte die deutsche Negierung, getreu der vr-ußischm Tradition, ihre Anstrengungen, um sich in Eurcoa v:e Vorherrschaft zu sichern. Sie begaügte stch acht mehr m:t dem Aufblühen und dem wachsend» n Ttistluß Deutschland», den anzuerkennen die Rat'snen bereit iDü-en, in der Gemeinschaft der freien und gleichbe» rechttgten Völker; sie wollte sich die Fähigkeit erwer­ben, ein unterjochtes Europa zu beherr­schen und zu terrorisieren, gleich wie sie ein unterjochtes Deutschland terrorisierte und beherrscht. Um dieses zu erreichen, hat sie den Geist ihrer Unter­tanen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu der Lehre bekehrt, daß in den internationalen Ange­legenheiten die Gewalt daS Recht sei. Sie hat nie aufgehört, die Rüstungen Deutschlands zu Lande und zu Wasser zu entfalten und die lügenhafte Behautung zu verbreiten, eine solche Politik sei not­wendig, weil die Nachbarn DeuffchlandS auf seine Macht und sein Gedeihen eifersüchttg seien. Sie Ihat ein großes Spionagesystem und ein Netz von Intrigen ein­gerichtet, die ihr erlaubten, Umtriebe und Revolte»! und sogar geheime An griffsvorbereitun. gen auf den Gebieten ihrer Nachbaren einzuleiten, um sie im gegebenen Augenblick mit umso größerer Gewißheit und Leichttgkeit zu Lberwälttgen. Durch diese Drohungen mst Gewalttaten hielt sie ganz' Eu- ropa in einem Zustand von Erregung, und als sie fest» stellte, daß ihre Nachbaren enffchlossen waren, ihren Ab­sichten zu widerstehen, beschlossen sie, ihre Vorherr­schaft mit Gewalt zu begründen. Sobald dies« Vorbereitungen vollendet waren, ermutigten sie einen unterjochten Verbündeten, binnen vierundzwan­zig Stunden Serbien dem Krieg zu erklären. Von diesem Krieg, dessen Einsatz die Kontrolle über den Balkan war, wußte sie genau, daß er nicht örtlich be- grenzt werden konnte, und daß er einen allgemei­nen Krieg entfesseln würde. Um für diesen Krieg dovvelte Sicherheit zu haben, entzog sie sich allen Ver­söhnungsversuchen, bis es zu spät und der Weltke-rg unvermeidbar war, den sie eingefädelt hatte und für den unter allem Nationen einzig Deuffchland vollstan- dig auSgei üftef und vorbereitet war.

Die Verantwortlichkeit Deutschlands beschrankte sich jedoch nicht auf die Taffache, a l l ei n den Krieg ge­wollt und entfesselt zu haben. Deutschland i,t eben- falls oerantworil'ch für die grausame und unmenschliche Art, in ter geführt worden ist. Obwohl Deuffch­land selbst einer der Garanten Belgiens war, haben seine Regierungen die Neutralität eines durchaus fried­lichen Volkes verletzt, nachdem sie feierlich oefforochen hatten, sie zu respektteren. Nicht zufrieden damit, haben sie ungescheut eine Reihe von Hinrichtungen und Einäscherung SM borge nonnn en tir der Absicht, die Bevölkerung zu terrorisieren und sie durch die Scheußlichkeit ihrer Handlungen gefügig zu machen. Tie Deutschen gebrauchten als erste die giftigen G a s e, trotz der entsetzlichen Leiden, die sie v:rur- sqchen. Sie haben mit den Beschießungen durch Flug, zeuge und weittragende Kanonen auf Städte begonnen, ohne militärischen Grund, einzig und allein in der Absicht, die Moral ihrer Gegner zu schwächen, indem sw Frauen und Kinder trafen. Sie haben den U-Boot-Feldzug begonnen, diese Herausfords- rung von Seeräubern gegen das Völkerrecht, indem sie dadurch eine große Anzahl unschuldiger Reisender und Seeleute zum Tode verurteilten, mitten auf dem Meere, fern von jeder Hilfe Wind und Wellen Preisgaben und noch Schlimmerem: der Besatzung ihrer U-Boote Sie sind es, die mit brutaler Gewissenlosigkeit tausende von Frauen und Kindern in fremde Länder in die Skla­verei geführt haben. Sie haben sich hinsichtlich ihrer Kriegsgefangenen eine so barbarische Handlungsweise erlaubt, vor der selbst die unzivilisier­testen Völker zurückschrecken werden. Tie Handlungs- toeife Deutschlands war sozusagen beispiellos in der Geschichte der Menschheit. Die furchtbare Verantwort, lichkett, die auf ihm lastet, wird in der Taffache zrffam- mengefaßt, daß wenigstens sieben Millionen Lebewesen mit ihren Wunden und Leiden bezeugen, daß Deuffch­land durch den Krieg seine Herrschsucht befriedigen wollte.

Die alliierten und assoziierten Mächte glauben, daß sie sich denjenigen gegenüber schuldig machen würden, die zur Erhaltung der Freiheit der Welt alles gegeben 5oben, wenn sie ihre Zustimmung dazu geben, in diesem krieg nicht ein Verbrechen gegen die Menschheit und gegen das Recht zu sehen.

Der Schluß des Begleiffchreibens liegt noch nicht vor. Der außerordentlich schroffe und überhebende Ton der Antwort, die deutlich erkennbare Absicht, zu be­leidigen, sind keine Rechtfertigung für den Wunsch der Entente, Deutschland geknebelt zu seinen Füßen liegen zu sehen. Wer schimpft, bat unreck^

Siebentägige Frist.

wtb Versailles, 16. Sunt. Bei der Ueberreichung der Entente-Antwort auf die deutschen Gegenvorschläge wurde auch eine Abmachung über die Verwaltung der besetzten Gebiete Deutschlands übergeben. General­sekretär Dutasta erklärte bei der Uebergabe, er über­reiche hiermit die endgültigen Bedingungen. Die deutsche Delegation solle in einer Frist von fünf Tagen, vom Zeitpunkt der Ueberreichung an gerech­net, erklären, ob sie gewillt sei, den Friedensvertrag zu unterzeichnen oder nicht. Ministerialdirektor Simon erwiderte, die Frist von fünf Tagen sei zu kurz bemes­sen. Die deutsche Regierung und die deutsche Delega­tion behielten sich vor, eine Verlängerung der Frist zu verlangen. Herr Dutasta erklärte, er werde den alliierten und assoziierten Regierungen von dieser Erklärung Kenntnis geben. Vor 9 Uhr kam Dutasta nochmals nach Versailles und teilte dem Ministerial­direktor Simon mit, die Entente hätte sich bereit erklärt, die Fitst um 48 Stunden zu verlängern Ministerialdirektor Simon antwortete, die Frist einzu- boltMi, jedoch werde erst die deutsche Regierung in der Lage sein, einen endgültigen Entschluß zu fassen und sie werde der Entente nuttetlen, ob die Frist von sieben Tagen eingehalten werden könne.

Es geht nach Stunden!

Versailles, 16. Juni. Wie ,Petit JournaU er­fährt, wird die Empfangsbestätigung, die Graf Brockdorff bei Ueberreichung der Antwort der Alliierten zu unterschreiben hat, die Stunde der Ueberreichung vermerkt erhalten. Die fünf­tägige Frist wird vom Augenblick der offiziell so festgestellten Stunde an laufen.

Rückreise der deutschen Delegation.

Die deutsche Delegation ist gestern abend von Versailles mit Sonderzug abgereift. Auf der zwanzig- stündigen Fahrt nach Weimar wird die Uebersetzung des Dokuments ausgeführt werden. Einige Kom­missare bleiben in Versailles.

Die Ankunft der Delegation in Weimar erfolgt Dienstag mitternacht. Am Mittwoch wird in aller Frühe das Kabinett zusammentreten. Im Laufe deS Mittwoch werden dann Verhandlungen zwischen den Sachverständigen, die in die Friedensstelle des Auswärtigen Amtes berufen worden sind, statifinden Und am Donnerstag wird die Nationalversammlung zur Antwort der Entente Stellung nehmen.

Häßliche Szenen.

wtb Versailles, 16. Juni. Auf der Fahrt vom Hotel des Reservoirs zum Bahnhof von Noissy-le-Rei, von wo der Sonde, zug der deutschen Frieden sdele« gation nach Weimar abfuhr, wurden aus der Menge he rau »nach einzeln en AutosSteine geworfen. ES wurden infolgedessen mehr oder weniger leicht verletzt daS Mitglied der Delegation Dr. Melchior, Oberstleutnant v. Tylander, Assessor Dr. Meyer und Frau Dornblüht, die an der Seite de» RrichSpostminister» GiesberiS saß. Die Kund­gebungen der Menge dauerten den ganzen Abend fort und verstärkten sich zum stärksten Johlen, Rufen und Schreien, als sich die Mitglieder der Delegation auf der Straße zwischen den Hotels de» Reservoirs und den Hotels Suisse und Vatel zeigten.

Die militärische Drohung.

Basel, 16. Juni. Wie dieAgence Centrale" meldet, sind von de» Generälen Foch und Sir Douglas H a i g für brn Fall der Nichtunterzeichnung des Vertrags inner­halb der gestellten Frist folgende Maßnahmen beschlossen worden: Strenge Blockade und allgemeiner V o r - marsck aus Berlin. Ine Belgier, die zunächst Diff- seldort, Essen und Münster i eschen würden, würden über Westfalen, die Amerikaner über Wetzlar und Frankfurt, die Franzofen über Hanau, Wurzburg und Ulm mar- schirren; die britische Armee würde mit den Belgiern verrücken.

Meuternde englische Truppen.

wtb Amsterdam, 15. 3uni. DemDaily herald" wird aus Dover gemeldet, daß das dritte Bataillon des Eliteregiments Black Watch, das nach Konstan­tinopel eingeschifft werden sollte, meuterte. Ein Teil der Leute drängte sich im letzten Augenblick vor der Abreise des Schiffes über den Landungssteg ans Ufer zurück. Die Unzufriedenen wurden in ein Ruhe­lager bei Dover gebracht und aufgefordert, die Ursache ihrer Unzufriedenheit bekannt zu geben. Die Hälfte der Mannschaften des Bataillons war in Deutschland gefangen gewesen. Die meisten haben schweren Kriegsdienst hinter sich. Man erwartet nach diesem Vorfall, daß keiner von den früheren Kriegsgefangenen ins Ausland geschickt wird.

Haag, 12. 3uni.Daily Herald" bringt einen Bericht aus Plymouth, wonach aus Aeypten zurückgekehrte Soldaten sich geweigert haben, den Be- fehlen zu gehorchen, als sie in ein Zeltlager gebracht wurden. Sie verlangten, nach Haufe entlassen zu werden und setzten ihren Willen durch. Aus Aegypten berichten die Soldaten, daß die dort ungeduldig aus ihre Entlassung wartenden Leute den Gehorsam ver­weigerten und Protestversammlungen auf offener Straße obhaffen.

DieInternationale" oerfagl.

DasAllgemeen Handelsblad" meldet aus Paris: Die internationalen gewerkschaftlichen und sozialisti­schen Konferenzen, die für Samstag, 14. 3uni, festge­setzt waren, sind mißglückt, da nur die Italie­ner erschienen waren. Die Belgier und Engländer waren weggeblieben. Man beschloß, sofort eine fron» ,zösssck>-sial!?-sis-c, rtufi En-stond zu senden,

um sich über die Auffassung der englischen Arbeiter- r'rganifcJionen zu unterichten. Die Franzosen und 3toffener erklärten sich zu einem 24 stündigen all­gemeinen Demonstrationsstreik bereit, der mit den bereits stattfindenden Lohnstreiks in keinem Zusammenhang stehen soll.

Streikunruhen in Italien.

Die in Italien herrschende Teurung führte zu neuen Arbeitseinstellungen. In Pilo haben die Gewerkschaften als Protest gegen die blutigen Vor- gänge in Spezia den Generalstreik beschlossen. lieber die Durchführung eines Generalstreis in Rom schweben noch Verhandlungen. In Bologna zogen Anarchisten mit einer schwarzen Fahne durch die

Stadl und verlangten die Entfernung der »alient* schen Landesfahnen. Es kam zu Zusammenstößen' wobei geschossen wurde. Schließlich mußte Kavallerie etngretfen und die Ruhe wieder herstellen.

Die wiener Unruhen.

Wien, 16. Juni. Die Nacht ist in Ruhe verlaufen. Die Zahl der Todesopfer der gestrigen Vorgänge be­trägt zwölf. Unter den mehr als achtzig Schwerver- mundeten sind bereits einige ihren Verwundungen er­legen. Unter den Verwundeten befinden sich zwölf Polizisten. Aus den amtlichen Berichten geht hervor, daß die Hauptagitatoren, welche gestern die Menge ,o lanae reizten, bis es zu den blutigen Zusammenstößen kam, Ungarn und Russen waren. Auch ute Samstag nachts erfolgte Verhaftung von Kommunisten geschah hauptsächlich zu dem Zwecke, sich der auslandi- schen Agitatoren zu versichern.

* Dir Kommunisten an der Arbeit. Gerüchte in Berlin wollen vom bevorstehenden Ausbruch neuer Unruhen wissen. Seit mehreren Tagen, hauptsächlich .seit der Beerdigung der Rosa Luxem- barg, halten sich fremde Kommunisten wieder in großer Anzahl in Beilin auf. Es besteht offenbar die Absicht, in den nächsten Tagen einen neuen Generalstreik zu interneren; dieser soll im Fall­einer Verurteilung Ledebours erfoben.

Spartakus ruht nicht. Zum Sturze der Regie- tung ist, tote die Bergarbeiterzeitung meldet, auch int Ruhrrevier ein neuer Spartakusputsch geplant. Das Ziel soll aber zunächst verschwiegen werden. Nur wirtschaftliche Forderungen sollen erhoben werden. Die Bergarbeiterzeituug, das Organ des alten Bergarbeiterverbandes, warnt die Bergleute, den bolschetoistischen Agitatoren wieder ins Garn zu gehen, denn bisher hätten sie nur Not und Elend über die Arbeiter gebracht. Es sind Maßnahmen getroffen worden, um die neuen Putsche sofort iw Keime ersticken zu können.

Kath. Lehrerverdand des deutschen Reiches.

K. Hildesheim, 15. Juni 1919.

Am Donnerstag morgen wurde die 17. Vertreter- Versammlung durch den Verbandsvorsitzenden Rektor Kamp aus Bochum eröffnet mit einer Ansprache, tx der er folgende Forderungen in den Vordergrund stellte: Erhaltung der konfessionellen Volksschule nach dem Willen der Eltern, Sicherung der Freiheit der Erzieh, ung und deS Unterrichtes, Erhaltung des Religions- Unterrichtes in allen Schulen einschl. der Lehrerbil­dungsanstalten als ordentliches Lehrfach im Rahmen des planmäßigen Unterricht», erteilt im Auftrage der Kirche nach deren Lehren und Satzungen. (Starker Beifall.) In lebhafter Begeisterung wurde eine Ent- schließung angenommen demzufolge der Verband an der konfessionellen Gestaltung des öffentlichen Schul­wesens festhält und alle Maßnahmen entschieden ver- urteilt, die auf Entchrfftlichung des Schulwesens hin­zielen. Er verlangt die Erhaltung des christlichen Gerste» in der Lehrerbildung, die darum auf tonfessio- netter Grundlage zu gestalten sei. In allen Schulen fet der Religionsunterricht im Auftrage und nach den Lehren und Satzungen der betreffenden Rettgionsge- meinschaft zu erteilen. Die Freiheit der Erziehung und des Unterricht», sowie das Recht der Eltern, über Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder selbst zu be- sttmmen, müsse durch gesetzlich festgelegtes Recht auf Errichtung von privaten Schulen voll und ganz ge­wahrt bleiben. E x

ES folgten Begrützungkansprachen. Nach Entgegen- nähme verschiedener Berichte wurde beschlossen, etne hauptamtliche Geschäftsführung einzurichten. Den Iah. resbeitrag fetzte man auf 3 Mark fest. Bei den folgen­den Wahlen wird der bisherige Vorsitzende Abg. Rektor Kamp-Bochum fast einstimmig wicderzewählt. Die nächstjährige Vertrettrversammlung findet tn Ham­burg statt. .

In der Nachmittagssitzung wurde eingehend darüber verhandelt, ob im Verbände Politik getrieben werden soll. Die Mehrheit sprach sich für Streichung der bis­herigen Satzungsbestimmungen aus: Politische Be« ftrebungen sind ausgeschlossen Lehrer Gottwald- Berlin sprach über wissenschaftliche Bestrebungen tat Verbände. Für die Ehrenstiftung des Verbandes wurde ein jährlicher Beitrag von 5 Mark für das Mitglied festgesetzt. Die Stiftung hat den Zweck, kriegs- verlehten Mitgliedern und Hinterbliebenen der auf dem Felde der Ehre Gefallenen auf Antrag eine ein­malige oder fortlaufende Geldhilfe $u gewähren. Rektor Valentin-Essen wies empfehlend auf die Jugend­spende für Krtegerwaisen hin. Zur Unterbringung von Lehrerkindern auS Städten auf dem Lande wurde eine Vermittlungsstelle eingerichtet und dem Lehrer «chmitz- Haspe übertragen.

Der Vorstand soll beim Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung dahin vorstellig werden, eine durchgreifende Vereinfachung unserer Recht­schrei b u n g in die Wege zu leiten. Zum Schulbücher» Monopol verlangte die Versammlung, daß die Monopol­stellung einzelner großer Verleger beseitigt wird und daß bei der Neubearbeitung der VolkSschulbucher dte Lehrervereine in weitgehendem Matze zur Mitarbeit herangezogen werden. Lehrer Lingemann-Gelsen­kirchen forderte zum Kampfe gegen die Schund, und S ch m u tz l i t e r a t u r auf. Er empfahl die Einrichtung von Lesesälen, auch für di« Kinder. Zur Bekämpfung der Kino aus wüchse soll die sofortige Wiederein- führung der Vorzensur beantragt werden. Weiter wünscht man die Einrichtung von Schulktnos und sprach sich für die Kommunalisierung der Kinos aus.

Zu einer hochbedeutsamen Kundgebung für die kon­fessionelle Schule gestaltete lich die öffentliche Volksver­sammlung, die am Abend im großen Saale des Kathol. Vereinshauses unter sehr starker Beteiligung der katholi­schen Bürgerschast statssonb Rettor G o t t w a l ü-Berlin, Mitglied bet Preußischen Lauoesversainrnlung, sprach über die Frage:Katholische Lehrerschaft und katholisches Volk im Kampfe um die konfessionelle Schule." Als Lehrer steht mir, so führte er aus, die irdische Aufgabe der Schul- Hoch. Unsere katholischen Schulen müssen mit jeder an­deren Schule in Wettbewerb treten können. Wir wollen auf allen Gebieten des Lebens unseren Mann stellen. Aber höher steht uns die Crziehungsaufgabe der Schule. Die Kräfte, welche die Schule weckt, dürfen nicht in Eigeu- nuh und Eigensucht verbraucht werden; sie müssen unseren Schülern den Weg nach oben bahnen, und der ist nur auf religiöiei Grundlage möglich Die Schule, wie man sie einführen will, kann dieser Erziehungsaufoabe nicht gerecht werden. Sie führt zum Zwiespalt in der Schule, zum Kamps zwischen Schule und Haus, zum Schaden brr Kinder.. Eltern und Lehrer müssen zusammenwirken, sr enger sie sich zusammenschliehen, desto besser ist der (Erfolg der Erziehung gewährleistet. Katholisches Volk und ka­tholische Lehrerschaft wissen, daß sie ihren Glauben nur im Verein mit der Kirche bewahren können. So soll die Verbindung zwischen Kirche und Schule auch in Zukunft bestehen bleiben, bamit unsere Schule nicht bloß dem