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| Montag 16. Zum 1919. | I 46-3ttl>r9-

fr- < i zl I Verantwortlich für den redaktionellen TeÄ: Karl Schütte. I ll. I Ju» | für die Anzei,.en: J Parzeller, Fultza. Rotationsdruck.

BKBB

Aufgedeckte Putschpläne.

Eine Ergänzung zu den Mitteilungen des Reichs­wehrministers Noske auf dem Weimarer Parteitag bildet, wie aus Berlin gemeldet wird, die Tatsache, daß in den letzten Wochen von Unabhängigen sowohl von Kommun st en Waffen in größeren Mengen beschafft wurden, die zum Teil nach den bisher gemach­ten Feststellungen durch Bestechung von Kammer­unteroffizieren in der Truppe, zum Teil durch Dieb- st a h l in den Waffenfabriken, namentlich auch in den Spandauer Bettieben, herbcigeschaftt wurden. Sei­tens der zuständigen Stellen sind nun besondere Beamte betraut worden. Die den militärischen Stellen adge- kausten Waren sind übrigens nicht in Berlin, sondern in der weiteren Umgebung Berlins deponiert worden. Auch aus anderen Anzeichen geht hervor, daß ein be­absichtigter Putsch diesmal den Westen Berlins und die nach Spandau zu gelegenen Vororte treffen sollte. Gleichzeitig mit der Beschaffung von Waffen hat eine starke kommunistische Propaganda unter den Eisen­bahn a r b e i t e r n und den unteren Beamten einge- setzt. Die Eisenbahnbeamten haben an die vorgesetzten Behörden sich gewandt, um bei einem auftretenden Auf­ruhr den Terroristen nicht wehrlos ausgeliefert zu sein. Die Eisenbahnbeamten haben daraufhin, Waffen erhal­ten; auch in anderer Hinsicht sind weitgehende Vor­sichtsmaßregeln für den Bahnschutz, die Kontrolle und Sicherheit der Wachen getroffen worden.

Die Streikbewegung im Aus lande.

Eine Einigung im Streit der französischen Bergarbeiter ist nicht erziell worden, die streik- kötgung soll heute die Form der Generalstreiks an» nrhmen. Das Pariser Gewerkschaftskartell beschloß, daß alle Arbeiter aus Solidarität am Streik teilneh- tan müßten.

Die Streiklage in Italien hat sich weiter ver­schärft. In Turin kam es gestern zu Straßenkäm- Pfen zwischen den Arbeitern und der bewaffneten Rächt, wobei das Gebäude der Arbeitskammer mit Steinen beworfen wurde. DerAvanti" schildert die Sage folgendermaßen: Agitationen und Streiks in sost ganz Italien, Sperren, Konflikte, Tote und Ler- »unbete, das ist das Bild unseres Landes. Die Le­bensmittelpreise steigen zu schwindelnder Höhe, Roh- Moffe fehlen, die Cnverbsmöglichkeit schwindet, das,

Ein Mainzer Erlebnis

wird der »Frkft. Ztg." wie folgt geschildert: Auf dem Marktplatz in Mainz stehen ein Herr und eine Dame am Hellen Tage im Gespräch, ein ftanzösischer Offizier nähert sich dem Paar und besitzt die Frechheit, der Dame den Rock zu öffnen. Der Herr verbietet sich dies in höflicher Art, woraus ihn der Offizier in herausforderndem Ton auf gut deutsch mit ungefähr folgenden Worten anschreit:Wie können Sie sich unterstehen, mich anzureden? Wissen Sie nicht, daß Sie überhaupt nichts mehr zu reden ^haben. Es dürfte Ihnen klar fein, daß wir die Herren sind!" Der Zivilist erwidert, daß er es sich wohl verbitten dürfte, wenn feine Braut beleidigt bezw. belästigt werde, worauf ihm der Offizier in barscher Welle jedes Reden untersagt

und noch die Frage an ihn stellt, ob er im Felde gewesen sei und wie lange. Die Antwort, volle vier Jahre, scheint das Maß voll zu machen; denn der Offizier ist im Begriff, von neuem auf den Zivilisten einzudringen, als ein ein­facher französischer Soldat aus der Menge her- oortritl, mit der einen Hand den Offizier packte, mit der andern den Zivilisten, und sie mit den deutschen Worten auseinander treibt:Nun aber Schluß!" Der Offizier will den Soldaten zurechtweisen, worauf der nur das eine in barscher Weise hervorgebrachte Wort hat:Schluß!", das von einer nicht mißzuverstehenden Handbewegung begleitet üff. Hierauf zieht es der Offizier vor, von bannen zu trotteln. Die Menge begrüßte die Handlung des Soldaten mit Beifall und Zurufen. Keiner der Soldaten, die unter der Menge weilten, hatte Partei für den Offizier ergriffen, ich möchte eher das Gegenteil behaupten.

Die deEchen Gefangenen in Frankreich.

Ueber die Behandlung, der unsere Kriegsgefangenen in Frankreich ausgesetzt sind, ist an amtlicher Stelle von neutraler Seite folgender ergreifender Bericht einoeoangen: -

Ich durchwanderte teils zu Fuß, teils auf der ^ahn oder im Automobil vom 17. Januar bis zum 11. April 1919 Nordfrankrcich. Mein Weg führte mich von Brüssel aus nach Paris. Von dort kam ich nach Corn- viöcme, -weiter nach Paris, dann nach «t. Mihiel. Ich kehrte nach. Reims zurück w'd besuchte dann Bapaume und Per-mne, Amiens und Arras. Von Arras kam ich nach Valenciennes und St. Quentm. In dem von mir betuchten Gebiet Nordfrankreichs fand ich unzählige beutfrhe Kriegsgefanaene, insbesondere traf ich sie in Trupps von io bis 20 Mann auf den Straßen. Dort arbeiteten sie, um die in der Erbe versteckten, nicht ent­zündeten Granaten und alles zu beseitigen, was in den Kampfhandlungen in die Erde hineingeraten war. Die Kriegsgefangenen 'waren in den alten Schutzen- graben untergebvacht. Diese Grüben standen viel­fach unter Wasser. Als Lager dienten ihnen- Stroh und alte Lumven, beides durch die Nässe faulig un>d stinkig. ES herrschte ein unglaublicher. Gestank in diesenWobnräurnen". Das alles habe ich selbst gesehen Ms Nahrung wurde dem einzelnen Gefange­nen morgens ein Stückchen Brot gereicht, oaZ nach meiner Schätzung 6070 Gramm betrug. Neben dem Brot gab es nur noch eine Suppe in einer kleinen Konserve und nachmittags dünnen Kaffee, der in'.Wahrheit aus Zichorie bestand, und am Nachmittag 'ein kleines Stückchen Brot, wie morgens. , Darm be- stand die gesamte Tagesration. Die ,Folge dieser Unter­ernährung ist «ine enffetzliche. Die Leute sind zum Skelett ab-gemagert. Ich selbst überzeugte mich in Peronnes wo ich einen Gefangenen wog, da­von, daß sein Gewicht nur etwa 44 Kilogramm betrug. Der MEN war 1,80 Meter groß und von ziemlicher Breite des Knochenbaues. Ich schätze sein natürliches Gewicht bei noistnaler Ernährung auf etwa 85 Kilo­gramm mindestens. Bei Reims herrschte im Februar 1919 unt«r den deutschen Gefangenen der Hunger- t v p h u s.

Die Kleidung der Gefangenen war unbeschreib- lich. Die meisten waren ohne Schuhzeug, viele mußten barfuß gehen, weil ihnen selbst die von ande- reit sonst benutzten Lumpen zur Umwicklung ihrer Füße fehlten. Die Beinkleider waren zerlumpt. Der größte Teil Hatte keine Hemden. Sie trugen über der alten Soldatenhose nur ihren altem zerlumpten Rock auf dem bloßen Körper. Da die Rocke meist keine Knöpfe besaßen, waren sie um die Hüften herum mit einem Lumpenband zusammengehalten, das gleichzeitig die Hose mithielt. .. . _ .

In dieser entsetzlichen Lage befanden sich die Kriegs­gefangenen ohne Unterschied der Chargen. Die Of­fiziere werden genau so zmn Arbeiten herange» zogen und behandel: wie die Gemeinen. . Ich selbst habe gerade bei einem Oberleutnant in Peronne alle diese Feststellungen gleichfalls machen können und habe ihm noch ein paar Schuhe geschenkt.

Beaufsichtigt werden die Kriegsgefangenen von ftanzö- sischen K olon i alsold aien. Die Wörter behandeln die Gefangenen außerordentlich roh. Sie prügeln sie mit einem Gummicohr von einer halben Armlänge. Ich habe selbst bei Reims mit angesehen, wie mitten aus dem Lande ein solcher Wächter einen deutschen Gefangenen mit dem Knüppel totschlug. Ich sah, wie der Mann zusammeplnach. und stellte später fest, daß das Herz aufgeböd hatte zu schlagen. Ich konnte solche genauen Feststellungen ungehindert machen, wie ich mich auch un­gehindert mit vielen Gefangenen habe unterhalten können Denn alle Gefangenen bewegen sich, wenn auch bewacht, mitten unter der arbeitenden Bevölkerung auf den Feldern. Ich habe auch beobachtet, daß die Zivilbevölkerung die Ge­fangenen bemitleidet und versucht, ihnen zu helfen, indem sie Nahrungsmittel cu'ev Kleidung ihnen zuzustecken sich bemüht. Sobald das aber von einem Wächter bemerkt wird, erfolgt Anzeige und die Leute werden, wie sie mir glaubhaft erzählten, mit Gefängnis bestraft.

Die Gefangenen erzählten mir übereinstimmend, daß sie feit Monaten keine Nachricht von der Heimat erhalten haben. Sie finb seelisch wie körperlich völlig zu- sammengebrochen. Ich habe wiederholt gesehen, daß, wenn man einen Gefangenen ansprach, dieser zu zittern begann, weil er fürchtete, ausgehorcht zu werden. Manche von ihnen sind geistig derart abgestumpft, daß sie ein deutsch- geführtes Gespräch nicht begreifen können.

Ihre Leiber sind von Ungeziefer zerftesien. Ich habe diesen Zustand selbst nach Entblößung von Ober­körpern mir von Gefangenen zeigen lasten. Die Haut war rissig von Kratzwunde». Ein Schwede, der mich auf einem Teile meines Weges begleitete, hat zwei Abbildun­gen solcher zerkratzten Leiber ausgenommen. Er hat auch den Leichnam eines deutschen Kriegsgefangenen photo­graphiert, der in einem dunklen Graben entkleidet lag und blutige Striemen am Rücken hatte, die offen­bar von Mißhandlungen durch die Wächter herrührten Der Schwede will versuchen, mit diesen Photographien die Oeisentlichkeit in Skandinavien aufzuklären.

Die Gefangenen und ebenso die Zivilbevölkerung erzähl­ten mir glaubhaft, daß sehr viele schon infolge der Miß­handlungen und der Unterernährung gestorben und viele auch dmch die bei den Schachtarbeiten erplobicrten Gra­naten ums Leben gekommen seien. Ich selbst nahm von meiner traurigen Wanderung den Eindruck mit, daß nur sehr wenige dieser armen Leute mit dem Leben dovon- kommen werden und daß die Gesundheit eines jeden so erschüttert ist, daß an eine Genesung niemals wieder gedachi werden kann.

Bor dem Empfang der Antwort.

Aus Weimar schreibt man uns vo» sehr geschätzter Heile: Die Antwort der seindtichen Mächte aus die Deutschen Gegenvorschläge hat sich verzögert; sie wird der Nationalversammlung vielleicht erst am Jron- stichnamstage, Donnerstag den 19. Juni, vorgclegt ©erben können. Die Ursache ist, daß man über das Maß der Deutschland zu gewährenden Erleichterungen poch nicht ganz einig geworden ist. Man darf sich aber daraus keine großen Hoffnungen machen, der Frieden gfird, wenn er überhaupt zustande kommt, schlecht ge­nug ausfallen.

Inzwischen werden die Pläne unserer Feinde für Jen Fall, daß es zur Ablehnung des Vertrages kom- men sollte, allmählich bekannt. Es soll nicht nur eine Trennung Süddeutschlands vom Norden durch Besetzung der Linie Frankfurt, Lichtenfels,. Bayreuth, Eger mit Hllfe der Franzosen und Tschechen erfolgen, sondern auch gleichzeitig der Ein­marsch der Amerikaner in das Ruhrgebiet Men, Dortmund, Bochum) zur Besetzung der Kohlen­bergwerke, gleichzeitig ober auch der Einmarsch der Po­len in Oberschlesien. Die feindlichen Armeen stehen für diesen Zweck bereit, während Deutschland chnen nirgends ausreichende Abwehrtruppen entgegen­stellen kann.

Weiterhin wird die vollständige Blockade und Abschneidung Deutschlands von der Lebens­mittelversorgung eintreten, die Vorkehrungen «ich dafür sind von englischer Seite schon getroffen.

Wenn nun trotz des allgemeinen Wunsches nach Frieden infolge der zu hohen Ansprüche unserer Feinde, vielleicht schon in wenigen Tagen, der Kriegszustand wieder eintritt, so darf man nicht etwa denken, daß bann ähnliche Zustände herrschen würden, wie sie zur Zeit infolge des Waffenstillstandes in den sogenannten besetzten Gebieten bestehen, wo das Eigentum geschützt blieb und die Feinde unsere deutsche Bevölkerung norf) mit Lebensrnitteln versorgten. Dann wird ganz im Gegenteil, soweit der Feind deutsches Gebiet besetzt, überall nur das Kriegsrecht gelten; alle Lebensmittel, der gesamte Viehbestand, Überhaupt alles Eigentum kann der Feind bann ohne weiteres und »hne Bezahlung wegnehmen, er braucht dafür nur einen Reguisitionsfchein zu geben, wenn et die» über­haupt tut, und es ist sehr zweifelhaft, wer diesen Schein nachher einmal bezahlen wird.

Die Feinde werden sich dabei auf das deutsche Bei­spiel in Nordfrankreich berufen, wo auch fast das ge­samte Eigentum der Bevölkerung zerstört oder roeg- genommen wurde. Es wird aber hierbei doch ein Unterschieb sein, denn in Nordfrankreich erfolgte die Zerstörung in der Hauptsache infolge des feindlichen Widerstandes, teils auch durch die Feinde selbst, wäh­rend bei uns dem feindlichen Vordringen doch voraus­sichtlich gar kein Widerstand entgegengesetzt werden dürfte.

Wenn es bann trotz bes deutschen Wunsches nach Frieden aufs Neue zum Kriegszustände kommen sollte, diesmal aber unter unendlich schwereren Umständen, denn das ganze Kriegsvnglück wird sich auf deutschem Boden abspielen, so trägt die Schuld dcwan nur der Haß und Vernichtungswille Frank­reich, welches Unmögliches von uns zu erreichen sucht.

Die deuischen Gegenoorschläg-c kommen un­seren Feinden wahrlich weit genug entgegen, <m ihnen liegt es also nicht, wenn es zum Aeußersten kommt.

den Unruhen im Februar beteiligt waren, zum Tode verurteilt. Die sozialistischen.Bergarbeiter- sichrer wandten sich an den Reichspra,identen Ebert und beantragten, daß er die Genehmigung zur Voll streckunq des Urterls nicht geben möge. Darauf hat der Reichspräsident geantwortet: Habe ivsort das Erforderliche im Sinne Eures Antrages veranlaßt

* 8900 Sack Mehl sind in Lagerräumen der Westfälischen Transport-Aktiengeiellschaft am Dort-

S'M JTe- zu aab die schlechte Versorgung mit Lebensrnitteln, -re «eine dringen in die Wohnungen ein unö suchen nach Lebensrnitteln Tabei kamen w-ederholi Dwbpahw v Wertsachen vor. Em großer Teil to j&eute tourbe den Plünderern von organisierten A^ocirern wie er abgemommen und nach einer Samiweift-ll- gebracht. Die Sicherheitswehr Ijatte sich geweigert, ernKMMen.

* Emen Streik um das Recht auf Diebstahl führen die Hamburger Hafenarbeiter, haben die Arbeit niedergelegt, weil %XSSe i großer Menge von ihnen gestoqlenen Lebensuntteln wieder herausqeaeben werden mugten. Der Strmr soll solange sortdancin, bis die Ueberwachungmaß« nahmen im Hasen wieder rückgängig gemacht werden.

* Deutsche Ferrenkmdrr in Fmland. Zur cee trafen in Helsingsors 99 deutsche tzertenkmder, dw die Sommermvnate in Umland zubringen follen, eia- Eine zweite kleinere Gruppe w>rd noch "warte.

Britische Grausamkeil. Dte »Daily News vom H. Sunt veröffentlicht den Bericht, den die b'sch-amerikanyche Kommission über ihren Besuch in

xip Beschreibung der unerhört grausamen Beyanotung der irischen politischen Gefangenen, die die Greuelschtlderun- gen aus russischen Gefängnissen womöglich noch ubertnsi.. DSon besonderem Intereste. Der Kommt sion war mcht oeftattet worden, mit den Gefangenen zu sprechen. Teil derselben war in Stahlkaftgen, rote fie sonst w Hoo Tnmtrben Gärten verwendet werden, tm Hof des Gesang nistet eingeschlosten; andere befanden sich in untertrdtschen Dunkelzellen ohne Betten oder Decken ohne Ventilation, Licht ober Heizgelegenheit. Vorsichtshalber hatte man, als der Besuch der Kommission angemeldet wurde, etn»n Teil hiefer unterirdischen Zellen geräumt. Andere Gchangene lann ta SSmit auf dem Rücken gefesselten Han- den. Viele von ihnen waren monatelang gesangen gehak- ten ohne daß man ihnen irgendeine Mitteilung über den Grund ihrer Haft gemacht ober ein Verfahren gegen sie einaelcitet worden war. Allen ohne Ausnahme wurde die Verhandlung ihrer Sache vor einem ^s^^orenengench verweigert. Zahlreiche Gefangene smd wahrend chrer Haft schwer erkrankt, und es sind viele Fälle von Geisteskrank- heit vorgekommen. Tagelang wurden die Gefangenen ohne Nahrung gelaßen. Die Prügelstrafe schetni wieder m bru- talster Form angewandt zu werden.

Inzwischen sollen nun boch, wenn bis meisten frarzösischen Blätter vom Sonntag recht haben, bie Antwort auf bie beutschen Gegenvorschläge fertig- Sestellt sein u. am Montag, also heute, oem Gra­sen Brockborff übergeben werben. Die Ver­änderungen bes Vertrages, welche bie Presie als wahr- fchcmlich hinstellt, finb schon bekannt. Neu ist, bah man Deutschlanbs Armee auf 200 000 Mann festsetzen, bk Aufnahme in ben Völkerbund in den nächsten Mo- Wrten vorsehen, unb sich zu gleichzeitigen Abrüstungen »«pflichten wolle. Endlich werben bie Anbeutungen über bie Schadenersatzsumme dahin erweitert, daß diese innerhalb 4 bis 6 Monaten nach der Unterzeichnung durch Verhandlungen Deutschland festgesetzt toerben solle. Bemerkenswert ist eine Mitteilung bes Echo be Paris", Deutschlanb habe unter biefen Um* ständen nicht mehr nötig» seine Unterschrift zu Der- Weigern; beim erst in sechs Monaten könne der flrtcbensvertrag als abgeschlossen betrachtet werben. Solange könne Deutschlanb seine zersetzenden Derhand- tagen gegen die Entente fortsetzen.

Die künftig« Verwaltung de» besetzten Gebietes.

Nach einer Pariser Meldung deS .Torriere della Sera" hat bit Pariser Konferenz auf englisch-amrri- tatsche« Antrag bestimmt, das sofort nach Frieden-- schloß die jetzig« Militärverwaltung im besetzten Nheinland durch «ine Zidilverwaltung abge- Ktoirb, an deren Spitz« «in Ausschuß von fünf

tgliebern steht. SlSbann wird auch sofort da« grwöhnltche Gesetz an Stelle de» KriegSrechtS treten.

Set Völkerbund im amerikanischen Senat.

Nachrichten aus Washington zufolge wird ein ««Herst erbitterter Kampf über ben Antrag des Se- »awr» Knox, in dem bie Abtrennung des Friedens- dertrages vo« Völkerbund-Vertrag gefordert wird, «battet

* Tie Berliner Zeitungen können bis auf ver­einzelte Ausnahmen noch nicht wieder er cheinen, öa der Streik der Buchdruckereitzilsrarbeiter anhält. Sie beanspruchen eine monatliche Teuerungszulage von 100 Mark. Da sie sich auf Verhandlungen nicht einlassen und schroff auf ihren Forderungen bestehen, beschlosien bie Bilchdruckereibesitzer, sämtliche Hilfs­arbeiter zu entlaffen. Das übrige Druckereipersonal wird vorläufig in vierstündiger Arbeitszeit weiter befchäfnat.

* Begnadigt. Das Schwurgericht in Bochum hatte die Bergleute Utgenannt und Jlfing, die an

Elend wachst in Italien überall, jede Berussklaffe be­findet sich in furchtbarster Gärung. Orlando sitzt in Paris, ihn kann nichts mehr retten. Das Schicksal wird feinen Laus nehmen. Was jetzt geschieht, sind bie er­sten Stromwirbel.________

Das ostpreußische Zentrum gegen die Vergewaltigung Ostpreußens.

Auf dem Parteitage der ostpreußischen Zentrums- Partei in Braunsberg wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen.

Die Delegiertenversammlung der Ostpreuß. Zen- ttumspartei lehnt mit brr Reichsregierung j e de Abtretung ostpreußischer Gebietsteile als im Wi­derspruche zu ben Wtlsonschen Grundsätzen stehend ab. Mit diesen Prinzipien ist auch eine Abstimmung im südlichen Teile Ostpreußens unvereinbar. Tie Bevölkerung dieser Gebiete swht in ihrer überwältigen- den Mehrheit treu zum Reiche und verurteilt bie von außen in sie hineingetragene, auf die Loslösung von Ostpreußen abzielende Agitation aufs schärfste.

Sollte aber der siegreiche Feind trotz der Gegenvor­schläge der Reichsregierung auf der Abstirmnung im südlichen Ostpreußen beharren, so fordert die Telegier- tenversamrnlung, daß alle Bürgschaften für eine freie, unbeeinflußte Stimmabgabe gegeben werden. Die De- legiertenversammlung fordert die Regierung auf, alles anfznbstten, daß die über Westprenßen führende Drücke zwischen dem Preußischen Staate und Ostpreußen un- bedingt erhalten bleibt, da sonst unsere isolierte Her- matprovinz in der Umflammerung des neuen polnischen Staates endgültig verloren ginge. Die delegierten» Versammlung erklärt sich bereit, in dieser Zeit höchster Not mit den anderen Parteien zufarnrnenzutvirken, ba­nnt die Abwehr der uns drohenden Gefahren überall von einem einheitlich geschloffenen, zielklaren und ent­schlossenen Volkswillen getragen wird. Unsere Feinde sollen wissen, daß wir uns brutaler Vergewaltigung niemals freiwillig fügen werden und gewillt sind, jeden Angriff mit dem Aufgebot aller Kraft zurückzuweisen."

Kommunistische Unruhen in Wien.

Die Regierung in Wien hatte Kenntnis davon er­halten, baß am gestrigen Sonntag ein ernster Versuch gemacht werben sollte, die Diktatur bes Proletariats auszurufen. Am Samstag spät abends nahm darauf­hin bie Polizei bie Verhaftung von etwa 160 Führern unb Agitatoren vor. Die Verhaftungen schei­nen sich ohne befonberen Widerstand abgespielt zu ha­ben. Im Auftrage der Mehrheitssozialisten wurden alle Plakate heruntergerisfen, auf denen die Kommuni­sten für Sonntag zum Besuche ihrer Kundgebung vor dem Rathause ausgefordert hatten. In zehntausenden von Flugblättern liefe die sozialistische Parteileitung in den Arbest-rbezirken feierlich vor dem Besuch der kom­munistischen Straßenkundgebungen warnen. Gleich­zeitig veröffentlichte dieArbeiterzeitung" eine Reihe sehr interessante Dokumente, aus denen sich ergibt, daß die kommunistische Agitation in Wien und Deutsch- Oesterreich von der ungarischen Regierung mit Millio- nenbeträgen unterstützt worden ist. Am Sonntag vor­mittag fanden sich nun vor dem Rathause etwa 40 000 Menschen zusammen, von denen aber kaum mehr als die Hälfte der kommunistischen Parte, zugeschrieben wer­den können. Es sprachen gleichzeitig mehrere Redner, die teils offen zur sofortigen Ausrufung der Rätedikta- tur anfeuerten. Doch blieb die Stimmung ruhig, dis ein Redner Mitteilung von der V e r h a f t u n g der Führer machte und die Menge aufforderte, zu deren gewaltsamer Befreiung zu schreiten. Eine große Menge zog darauf zum Polizeigebäude. An den Zugängen ttaten den Delegierten starke Wachabtellungcn mit Ge­wehren ausgerüstet, entgegen. Der erste Ansturm wurde von der Polzei abgewiesen, dann aber begann ein Steinbombardement. Es fielen Revolverschüffe und gleich darauf hotte man auch das Krachender ersten Salve, welche die Polizei abgegeben hatte. Zahlreiche Personen wurden getroffen, von denen s e chs auf der Stelle tot waren. Die Polizei wurde für einen Augenblick zurückgedrängt, erhielt aber bald Unterstützung, und das Schießen von beiden Seiten bauerte mehrere Stunden fort und forderte rote- derviele Opfer. Als die Menge erfuhr, daß in­zwischen die meisten der verhafteten Führer wieder freigelassen worden feien, ging sie schließlich auseinan­der.

Deutsches Mich.

* Der Vorsitzende der Preußischen Abteilung deS Kath. Lehrerverbander Lehrer Reitz (Berlrn-St^tttz) wurde als Hilfsarbeiter in das Unterrichls' Ministerium berufen und hat fein Amt am 1. cruni angetreten. ,

München, 15. Juni. Heute sanden m Bayern d-e Gem rind ew ah len auf Grund der neiun Gemeindeverfassung statt. Gleichzeitig war für Mun- eben der neue Oberbürgermeister unb zwar zum ersten­mal durch sämtliche Wahlberechtigten zu wählen. D-e Wahl brachte eine große Ueberraschung. Die früher n der Gemeindeverwaltung ausschlaggebenden Sozial- demokraien und Demokraten haben eine schwereNiede^lage erlitten. Das Ze n < rum, da? in München bisher eine untergeordnete Roste spielte, ist in Verbindung mit den Mittelstandlern und den Ueberreften der Altlisteralen an dir er ft e Stelle yerückt Die vorher bedeutungslosen Unabhängigen nehmen nunmehr die zweite Stelle ein und m weitem Abstande folgen bie Archrheltssozialisten und Demo- traten. Das Ergebnis der Oberburgermeisterwayl steht noch nicht enbgültig fest.

Sozialdemokratischer Parteitag.

C. Weimar, 14. Juni.

Tie Frcitagssitzuug des Parteitages bringt mit bet Wtiriirmuna über die zu der allgemeinen potttlschen Aussprache vorliegenden Anträge der Abstblutz der po­litischen Vcrbandlrtngem. Hatte schon ter Verlauf der Aussprache erkennen lassen, daß d'L Op- Position eine glatte Niederlage erleben wurde, fo brachte die Abstimmung die Bestatigung basu^ WS Auftakt ber Abstimmung wird em ^ag, der der Vartcilettuna daS Vertrauen des Partei t a a c s ausspricht, mit erdrückender Mehrheit ange­nommen. Damir ist das Schicksal oPPositioneLn Anträge, so bie zur Eirngungsirage gestellten, wie auch die Anträge gegen die Freiwill,genkorts und b

SRerfon Noskes, von vornherein entschieben. jo« *->P* vofltion sieht ihre völlig« Niederlage vorauS^ sucht aber noch im letzten Augenblick die Abstimmung mti Ge­schäftsordnungsmitteln zu H'utertreibm, °der doch hm anS zu zögern. Es entwickelt sich eme tthr «rregre GesckäfWordnungsdebatte, die außerordentuch fhtr« miscke Formen entnimmt. Mer er nutzt dte Opp°' sition alles nickst?. Tie ge,chukte Regte der Part.t- leituna triumphiert. In der E 1 n t gu n 9 3 f r a 9? klangt bereits erioähnte VermittlungSantrag mit großer Mehrheit zur Annahme, und damit finden alle mtdercn Anträge zur EmtgungSsrage ihre glatte Er- ledianna In diesem VermittlungSantrag wtrd eine Eintanna mit ben Kommunisten rundweg abgelehnt; zu einer Einigung mit den Unabhängigen erflart der zum Beschlüsse erhobene Antrag deS Parteitages, bes- tat oirrcittoilligkeit hierzu, aber im Grunde genommen kbcutet dieser Beschluß ebenfalls eine Ablehnung der Cintanng. da die Dereittvilligkeit an Dedingungen ge- knüxft wird, die von den Unabhängigen sicher nicht er­füllt werden Er verlangt rückhaltlose Anerkennung deS Grundsatzes der Demokratie und Aufgabe lept «e- nieinsckaft mit den Kommunisten. Tiefer Beschluß deS Parteitages ist ein glatter Sieg der Parteileitung, uno damit der sozialdemokratischen^ Mtglieder der Rei^s- regiertmg Tas gleiche Scksicksal widerfährt auch o<n Anträgen, die die Auflösung der FreiwilligenkorpS ver­langen ober sich überhaupt irgendwie gegen dte #reu Willigenkorps wenden. Auch hier ffndet em Vermitt­lungsantrag Annahme, der einer Ablehnung der oppo- sitionellen Anträge gleich kommt, und ausdrücklich fest- stellt, daß auf militärische Mache, d. h. m diesem Falle auf bie FreiwiltigenkorpS, nicht verzichtet wer, en kann, iremn nicht Regierung und Verfassung ipbem willkür­lichen Einfluß unterlegen sein sollen, ^it gegen bie Person des ReichswehrministerS Noske gerichteten Anträge werden mit erdrückender Mehrheit Gleichfalls