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Mt-c, n_ J*“8“ toUTÖe- Ader die Agitation schlagt üentwn den Mehrheitssozialisten den. 9ticr~^» . V ®?tr lind auch durch die Revolution hoch
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Kath. Lshrerverband des deutscher» Sketches, k Hildesheim, 12. Juni 1919.
Generalversammlung kathol. deutscher Lehrerinnen.
Kp, Bochum, 12. Juni.
. Die zweite Drlegiertensitzung beschäftigte sich mit °ergrage deS Aufbau- des Schulwesens, wozu
Unpolitische Zeitläufe.
H. Berlin, 10. Ium 1919. Hinr^chj«« oder ehtftwteti?
.N 135.
Samstag, 14. Juni ISIS.
fette ohne Rücksicht auf die Kosten und die Mühe alle Spürhunde und alle technischen Hilfsmittel zur Ent» deckuna und Verfolgung der Täter in Bewegung. . Es bestand also vielmehr Gefahr gefaxt m werden, und tn dem Falle droht nicht allein die Einsperrung, son- dern die Hinrichtung, und an das Schafott mögen auch DK Stammgäste des Zuchthauses nicht denken.
Unter dem Einfluß deS langen Krieges und noch mehr tn den Revolutionswirren hat sich freilich die Scheu vor dem Blutvergießen und die Angst vor dem Schafott leider sehr vermindert. Jetzt gehört die Schieß. Waffe zur Ausstattung der Psimd«er und Einbrecher. Dte ertappten Verbrecher haben es mit dem Schießen sehr eilig; sie sind waghalsig geworden, und angesichts des vielen Blutvergießens auf den Schlachtfeldern und tn Mn heimischen Putschen kommt es ihnen auf ein Doot Ovfer mehr ober weniger nicht an. Dahinter steckt offenbar die Erwägung: Jetzt fcirb es nicht mehr so genau genommen, tmb wenn wir vor Gericht kommen, so wird doch schwerlich das Todesurteil gegen unS vollstreckt, werden.
Das ist eine Zeitkrankheit. Sie beweist aber durch. Ms nicht, daß die angedrohte Todesstrafe ohne ab- schrechnde Wirkung sei. Ich glaube sogar, wenn die Todesstrafe nicht mehr im Strafgesetzbuch stände, so wirrde die gegenwärtige Hochflut der verbrecherischen Trtebe noch viel mebr Leichen schaffen. Als Abschreckungsmittel gegenüber der schlimmsten Entartung des Verbrechertums ist die, Todesstrafe unentbehrlich, wenigstens solange, bis wieder die Sicherheit, in normale Bahnen» gelangt und die verbrecherischen Triebe erheb- ltch gedämpft sind. Dazu gehört freilich, daß die Polizei mit Hilfe der Bürger die Schwerverbrecher rastlos verfolgt, die Geschworenengerichte sie unentwegt perur- teuen !und die Regierung die Beos-adigung nur in klaren Nusnahmefällen eintreten läßt.
. Auf einem besonderen Blatt stehen nun die v o l i- tischen Bluttaten. Das sollten ste eigentlich nicht, aber es läßt stch zurzeit nicht ändern. Die obtnalten- d<Nt Verbältnissil und die Stimmungen in weiten Volkstretsen machen eine besondere liebt rlegung not- tnendig, wenn hinter der Blutschuld ein sog. Fanätis- M>ß steckt, den manche Leute als „ideal" betrachten. Ob der Revolutionär, der sechst zur Mordwaffe greift ••r ?‘^,ere Leirte dazu aufhetzt, an sittlichem Wert
'wer dem „gemeinen" Mesterbelden und Raubmörder Nfat, ist nicht ohne weiteres allgemein zu behaupten, -wer wenn d-e Politik ins Spiel kommt, so entscheidet vcht bbi-rte Gerechtigkeit, sondern bii Zweck-
eine Reihe von Einzelforderungen erhoben wurden. Gleichzeitig tagten der Bund der Lehramtsbe wer. berinnenim Verband, der Ausschuß für Jugendpflege und der Verband der katholischen Oberlehrerinnen Deutschlands. Der letztere Verband befaßte sich mit der Frage der Reform de? Mädchenschulwesens in der Mittel, und böheren Schule. Die Tagung war sich der besonderen Bedeutung der Mädchenmittelschule bewußt. Je nach den örtlichen Verhältnissen soll sie die Vorbereitung des Mädchen» auf die praktischen Berufe fördern. Die Mädchenmittelschule soll nur eine Erweiterung in einer einklassigen Frauenschule erhalten, da wo die Schülerinnen nicht einer grauenschule des Lyzeum» zugeführt werden können. Der Tagung lagen für die Reform des höheren Mädchenschulwesens Leitsätze zu Grunde, die vornehmlich den Ausbau der betreffenden Schulanstatten, die .fachliche Bildung der Lehrkräfte betreffen.
In der dritten Delegiertensitzung wurden die Beiträge zur UnterstützungSkafle des BerbandeS mäßig erhöht. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Abg. Oberlehrerin Schmitz-Sachen L, Abg. Frl. Stoffel«» Neuß II. Vorsitzende, Frl. Krautwig-KSln und Hüte» mann-EoeSfeld Schriftführerinnen, Frl. Vollmeck-Dort- mund Kassiererin, Abg. Frl. Dransfeld-Werl Beisitzerin. AlS nächster Tagungsort ist Breslau auSerseheu.
In der Nachmittagssitzung wurden Fragen der Lehrerbildung, der Schulverwaltung und Schulleitung, der Lehrerräre und der Berufsberatung besprochen.
Am Abend sprachen in einer stark besuchten Versammlung des Ausschusses für Jugendpflege Generalsekretär Klanz-Bochum über Jugendpflege, im Ausschuß für Jugendfürsorge Domkapitular Bartels- Paderborn über neue Bahnen auf dem Gebiete der Jugendfürsorge.
bereichern. Das ist eS, daS wir wollen, und wir werden es erreichen. Wir haben in Versailles Verständigung und Versöhnung gesucht, wir waren bereit, dafür jedes mögliche Lpfer zu bringen. Wenn unsere Feinde den Gewaltfrieden dennoch wollen, so rufe ich ihnen zu: Macht beruht, Recht besteht. Das muß unser Grundsatz sein. Deutschland hat das Friedensangebot nicht gemacht, tocil es sich als den schvacheren Teil fühlt, sondern weil es manche Forderung der Feinde als berechtigt empfindet. Dmitschland würde auch, wenn der Feind keine Kugel mehr zu verschießen hätte, den Wie- beraufbau in Frankreich und Belgien übernommen ha- ben. Wir wollen jenen jenseits der Grenzen zurufen: Wir wollen mit Euch eine tvahre Versöhnung suchen und einen dauernden Frieden schließen. Wir rufen ihnen zu: Zurück zur wahren Freiheit und zum Völkerfrieden. Dieser letzter Teil der Scheidemann- schen Ausführungen wird vom Parteitag mit starkem i^eifaC ausgenommen.
Nach Scheid«mann erhält der Genoss« Edward Bernstein das Referat über di« auswärtige Politik. Der Parteitag wird sich jetzt darüber klar sein, welche Dummheit er begangen hat, daß er es sich hat abtrotzen lassen, dieses Referat noch nachträglich auf die Tagesordnung zu setzen. Bernstein sprach zunächst von diesem und jenem, imb man weiß nicht, wo er hinaus will. Bald zeigt sich aber der Pferdefuß. Bernstein, der bekanntlich die sog. KriegSpolistk der Mehrheitssozialisten bekämpst hat und seinerzeit die unabhängige sozialistische Partei mit begründen half, inzwischen aber zur Mehrheitssozialdemokratie zurückgekehrt ist, hat seinen alten Standpunkt nicht Überwunden. Nicht über auswärtige Politik sprach er, sondern er übte Kritik an der Haltung der sozialdemokratischen Fraktion in den ersten Augusttagen des Jahres 1914. Schon damit rief er lebhaften Widerspruch bei dem größeren Teile des Parteitages hervor; nur ein kleiner Teil klatscht ihm Beifall. Zu einer wahren Sturmszene kommt es aber, als Bernstein sich nicht entblödet, die feindlichen Friedensbedingungen als zu neun Zehntel berechtigt zu erklären. Stürmisches, minutenlan- ges Pfuirufen ertönt von allen Seiten. Aber Bernstein scheut auch davor nicht zurück, die veralteten Greuelmärcken vorzulegen, doch auch hier wird ihn? erfreulicherweise eine so unzweideutige Meinungskund- gebu-ng des Parteitages zuteil, daß man alles düs, was er vorgebracht hat, als seine Privatmeinung bezeichnen darf. Wir sind der Meinung, daß der Zwischenruf, der zu seinen Ausführungen gemacht wurde, durchaus berechtigt war; man nannte seine Ausführungen nämlich dummes Geschwätz. Mit diesem Urteil ist auch alles über bie weiteren Ausführungen Bernsteins gesagt.
Der Unwille des Parteitages, der bereits durch die starken Entrtrstungskundgebungen zum Ausdruck gekommen ist, tritt in der Aussprache noch in verschärftem Maße in die Erscheinung. Unter allen Diskus- sionsrednertn findet sich auch nicht ein einziger, der sich rückhaltlos hinter Bernstein stellt. Fast alle Redner finden Ausdrücke des Protestes von solcher Schärfe, wie sie selbst auf einem sozialdemokratischen Parteitag noch nicht häufig dagewesen sind. Der Minister Braun charakterisiert die Rede Bernsteins unter stürmischem Beifall als unverantwortlich Mn anderer Redner nennt Bernsteins Politik eine rein talmudistische Rechthaberei. Hermann Müller vom Parteivorstand sagt von Bernstein, er habe wie ein alter Hosenhändler gehandelt, mich die weiblichen Telsgierten protestieren auf das energischste gegen Bernstein. C o h e n-Neuß, der sich in manchen Punkten mit Bernstein berührt, wagt es nicht, bei dieser Stimmung des Parteitages rückhaltlos sich zum Verteidiger Bernsteins aufzuwer- fen. Er versucht zwar, das Auftreten Bernsteins als eigentlich harmlos hinzustellen, aber die sofort einsetzen' den ftartdr. Entrüstungskundgekmrigen veranlassen ihn doch, dieses Zugeftändnis cm Bernstein erheblich abzuschwächen, indem er sein Auftreten als sachlich falsch bezeichnet.
Eine Entschließung, in der der Partestag seine Entrüstung ausspricht über die Zumutungen der Entente, und in der die Friedensbedingungen von Versailles als unvereinbar erklärt werden mit den Wilsonschen Grundsätzen, fand einstimmige Annahme. Sie fordert die Einsetzung eines unparteiischen neutralen Gerichtshofes über Ursache, Ausbruch und Führung des Weltkrieges und leimt die Auslieferung deutscher Angehöriger cm »in einseitig von den Alliierten gebildetes Gericht als eine Kränkung des deutschen Volkes ab.
Nebenher ging eine Auseinandersetzung über die Kontinental Politik, die auch von einzelnen Sozialisten vertreten ward. Eduard Bernstein hatte diese auf den Gegensatz der Mächte des Kontinents Europa gegen England eingestellte Politik als ebenso dumm wie verwerflich bezeichnet Gner der bekanntesten Anhänger dieser Politik, der Vorsitzende des Zen- trälrates C o h e n-Neuß, hatte ihm geantwortet und bie Grundsätze der Kontinentalpolitik entwickelt. Gegen Cohen traten Reichsminister Dr. David und Mim- sterpräsident Scheidemann auf, die außerordentlich scharfe persönlich« Angriffe gegen führende Der- tretet dieser Politik richteten.
Zu Beginn der heutigen Sitzung hat die Opposition einen neuen Vorstoß zu unternehmen versucht. Sie hat unmittelbar vor Beginn der Sitzung eine Anfrage ein- gebracht, ob deutsche Truppen mit lettischen und esthrischen im Kampfe ständen. Scheidemann verwahrte sich eneraisch gegen diesen Versuch, im letzten Augenblick die geschäftsordnungsmäßige Behandlung der
In der altehrwürdigen Bischofsstadt Hildesheim, dem nordischen Nürnberg, hält der Kathol. Lehrerverband des Deutschen Reiches gegenwärtig seine erste Tagung nach dem Kriege. Eröffnet wurden die Ver- handlmigen am Mittwoch durch eine Vorstandssitzung im Kathol. Vereinshause. Nach Festsetzung der end- Bsi'geu Tagesordnung für die Vertreterversammlung wurden wichtige Fragen behandelt und einzelnen Ausschüssen zur Bearbeitung überwiesen. Ein interessan» tes Schlaglicht auf die Behandlung katholischer Minderheiten in der Gestaltung der Schulfrage tvarfen die Berichte her Vertreter aus dem . Freistaat Sachsen. Düm hat hort die Frage der Einheitsschule und hie der konfessionellen Schule itn einzelnen Städten in der Weise mit Gewalt gelöst, daß man Satholische Schulen einfach aufhob, ihre Lehrer und Schü. ler in die evangelischen Schulen eingliederte und damit mcht einmal Simultanschulen schuf, sondevn die Zahl der evangelischen Schulklassen entsprechend vermehrte. Außerdem hat der sächsische Landtag, entgegen ben De- Müssen des Verfassungsausschusses der Nationalver» Mmrlung beschlossen, jeglichem Religionsunterricht aus «r Schule zu entfernen.
Neben der Lösung wirtschaftlicher Frage, , «r Verband für eine Hamphrufgabe, die wissenschaft- pchen Bestrebungen in erhöhtem Maße zu fördern. Er P2t da§ für notwendig nicht nur der Lehrer, sondern auch des Volkes wegen, denn letzten Endes ist unsere augenblickliche Not auch eine Geistes- und Erziehungs- Hüt
, Die Radikalen tun jetzt sehr gefühlvoll. Aber ich möchte. nickt als Gegenrevolutionär in die Hände von unabhängigen oder kommunistischen Ministern fallen. Die Spartakusleute sind durchaus nicht abgeneigt, ihre Gegner „an die Wand zu stellen". Im Gegenteil: sie verzichten sogar gern auf bi« Formalität eines um. stänblichen Gerichtsverfahrens unb macken den denkbar wrzesten Prozeß. Wahrhaft grausig ist ja die Erschic- ßung von ganz unschuldigen und harmlosen Leuten, die diese Welwerbesserer al? Geiseln aufgegriffen hatten. Solcke unmen schlicken Mordtaten werden vber mit Nachsicht beurteilt; nut wenn ein Radikaler felbft sein kostbares Leben verliert, barm wird im Namen bei Menschlichkeit eine Entrüstungs-Demonstration betrie. ben, wenn auch bie Blutschulb beS Betreffenden noch so klar zutage liegt.
Wer reckts steht, darf ermordet werden. Wer links steht, soll unantastbar sein.
Diese Verirrung ist eine Folge der Revolution. Aber die Revolution ist eine vollendete Tatsache, mit btr man rechnen muß. In Anbetrackt der gegenwärtigen Verhältnisse hätte ick im baveriscken Ministertat gegen die Erschießung deS Lcvine gestimmt. Nicht aus Mitleid ober aus einer grauen Theori?, sondern aus der einfachen Erwägung, daß man in der Politik bon äwei liebeln immer daS kleinere wählen mutz. Nachdem bie Revolution in München bezwungen wat, hätte her gefaßte Führet im Gefängnis weniger Schaden angerrchtet, als von seinem Grabe heraus.
Im letzten Grunde stößt man auf die alte Frage: Ist überbauvt die Todesstrafe ein berechtigtes und zweckmäßiges Ting? Vor mehr als 50 Jahren wurde darüber schon ernMck verlhandelk, als twg deutsch« Strafgesetzbuch geschaffen wurde. Bismarck hielt an, dem Standpunkt fest: Wenn die Todesstrafe ab- geickafit werden fall, fo mögen die Herten Mörder den Anfang macken! Die Anstckt gina butrfi, daß zur heilsamen Abschaffung fron Mordtaten die Todesstrafe mcht entbehrt werden könne
Die absckreckende Wirkung ist nun vielfach bestritten und sogar für läckerli» erklärt worden. Ich glaube dbtt niefrt oah fie voTitmidig versagt hat bebe ich bis in die letzten Jahre hinein das Gefühl ge. habt, daß die Verbrecher vor einer Bluttat dock grö. ßere Sckeu haben. als fror sonstiaen Freveln. Auch her gewerbsmäßige Einbrecher, her sich sonst über allbs hinwegsetzt. war sich wohl bewußt, daß bie Sacke besonders gefährlich wurde, wenn eine Leiche auf her Strecke blieb. Tann erschien die Mordkommission, unb dir
^^^twlutionSführer gefafg und baß Gericht ein -®^e torige Woche tat Münchener Fall LediuL! 25? lieber revolutionär war mitschuldig an dem tret» W?*” Mut von Hunderten von unschuldigen Men» aber sein eigenes Blut von rechtSwegen zur wurde- erhob sich ein Sturm der Ent-
t Regierung fog eß allen recht machen; daS kann EJr“® besten Willen nicht, weil der eine Teil deS 3-7*7c* ?rs Gegenteil Ma dem will, was der andere ^fiwrdert.
die bayerische Regierung dem Manne das v?“ ^schenkt hätte, so würben sich die schwer geschä- IShi r und Bernern bitter beklagt haben, und r“’ freie van den Ordrnmgstruppen, tue tm Kampfe hZ31 hü tolle Revolution ihre Knochen eingesetzt ha» C"'®«£ben enttäuscht gewesen fein. Die Leute ver- ^ssoen Nchne für die Missetat, unter der daS Volk Vas Sanb fo furchtbar gelitten hat, und gelten sich fon Spruch: Wer Blut vergießt, dessen Blut
tfreder vergossen weichen 1
Irte bayerische Regierung der Gerechtigkeit Bene» ?-Enis gelassen, und doch hat sie es mit allen tio» r^v"^>en, die auf das sogen. Recht der Revolu- ta ®aS wäre noch nicht so schlimm, wenn
Sozialdemokratischer Parteitag.
C. Berlin, 12. Juni 1919.
Heule steht zunächst auf der Tagesordnung das Referat Scheidemanns über die Aufgaben der sozialdemokratischen Partei in der Republik. Wie sich Herr Scheide- mann, dessen Rede zum Teil mit hochgespannten Erwartungen entgegen gesehen wurde, die Aufgaben seiner Partei in der neuen Republik denkt, darüber hat er herzlich wenig gesagt. Seine Rede ist eigentlich nut eine Abwehr, bezw. Rechtfertigung gegen die Angriffe und Vorwürfe, die nicht nur von der äußersten Linken, sondern auch aus der eigenen Partei heraus gegen die sozialdemokratischen Mitglieder dtzr Reichsregierung erhoben worden sind. Er weist zunächst den Vorwurf von sich, als wenn er oder ein anderer seiner Kollegen an den Aemtern klebe. Jeder Minister wird mit einem Seufzer der Erleichterung seinen Posten verlassen, wenn er das ohne Pflichtverletzung tun kann. Als Aufgabe der sozialdemokraiischen Partei in der neuen Republik bezeichnet er die Erfüllung und den Ausbau der Demokratie. Diese grundsätzliche Forderung bietet ihm die nötige Handhabe, um dem Parteitag nachzuweisen, wie alle Maßnahmen, besonders auch die auf militärischem Gebiete, hervorgerusen sind durch den von den Unabhängigen und den Kommunisten entfesselten und geschärften Bruderkampf, der das Proletariat Deutschlands in mehrere Teile zerrissen habe. Mit beißendem Spott geißelt er die Forderung der äußersten Linken nach der politischen R ä t e» regierung. Er weist nach, daß das eine unmögliche und unerfüllbare Forderung ist, die zudem letzten Endes sich in nichts von dem alten, verfehlten Parlamentarismus unterscheidet und nur ein Privilegienwahlrecht schaffen werde. Recht ausführlich behandelt er auch das Thema der militärischen Maßnahmen der Regierung; vor allem die Aufstellung der freiwilligen Korps. Auch bemüht er sich, dem Parteitag die Ueberzeugung beizubringen, daß die Errichtung der Freikorps und alle miss- tärijchen Maßnahmen ausschließlich hervorgerufen sind durch die Gewaltmaßnahmen bei äußersten Linken. Er vergißt in feiner Abwehr gegen die äußerste Linke auch nicht der „Reaktion" eine drohende Geste zu machen, wenn er auch selbst zugesteht, daß die Gefahr einer Gegenrevolution von rechts im Grunde genommen recht gering ist.
Scheidemann schildert dem Parteitag weiter die außer- ordentlichen Schwierigkeiten der neuen Regierung, wobei er vor allem darauf hinweift, wie der Friede das neue Deutfchland vor bie schwierigsten wirtschaftlichen Probleme stellen wird. Mit Recht betont er, daß der tiefste Sinn her feindlichen Friedensbedingungen der fei, Deutschland dem feindlichen Kapitalismus auszuliefern und das deutsche Volk zum Lohnsklaven des internationalen Kapitalismus zu machen. Der Kampf der Entente gelte heute nicht mehr dem deutschen „Kaiserismus", sondern dem deutschen Sozialismus.
Daun kommt Scheidemcrnn zum Sckluß seiner AuS- 5ntngen auf die augenblicklich« politisch« Lage und bevorstehenden Friedenssckluß Er führt aus, die ganz« Welt schreie henke nach Frieden unb bie ganze Menschheit fei sich darüber klar, daß er nicht in ben Bedingungen des Viererrates enthalten fei. Aber, so fügt. Scheibe mann hinzu, nichts aus der Welt wird ben Sozialismus hindern können, solang« für hie Durchsetzung seiner Weltideale zu kämpfen, bis sic? erreicht sind Durch Gewalt werde sich das niemals auf die Dauer verhindern lassen. Das deutsche Volk werde sich durchsetzen durck die Mackt her Selbsterhaltung. Unser Volk, fährt Sckeidemann fort, wird nicht untergeben, und es wird, wenn es für seine Selbsterhaltung sorgt, andere Völker nickt schwächen, sondern sich stärken und
Verrmhrrrigett des Papstes
für die deutschen Missionen.
Der deutsche Episkopat hat unter dem 25. März . Js. in einer eingehenden Denkschrift den Schutz
Heiligen Vaters für die vertriebenen deutschen Missionare angerufen. Darauf ist das nachstehende Achrecben des Herrn KardinalstaaissekretärS Gasparri
Herrn Kardinal von Hartmann eingegangen: Aus dem Vatikan, bat 20. Mat 1919.
Eminenz I
Hochwürdigster Herr Kardinal!
Der Heilige Vater hat mit liebevollstem Interesse tyn dem Briefe, ben Ew. Eminenz am 25. Marz d. I.
ihn gerichtet haben, Kenntnis genommen unb nimmt nfltigften Anteil am dem Schmerze Ew. Eminenz unb *rr« Katholiken Deutschlands über den schweren Scha» >en, der ihre Mission bedroht.
@8 ist in der Tat überaus schmerzlich, zu sehen, wie diese armen Ordensmawner gezwungen wer- Le, bie Orte zu verlassen, wo sie ihre edelsten Kräfte geopfert und unter Anstrengungen aller Art chre bestem -»ihre verbraucht haben. , Sie, die beseelt vom erhabensten christlichem Jbeckle ihrem Geburtslande Lebewohl aesagt und auf die heiligsten Gefühle der Anhänglich- fett an ihre Familien verzichtet haben, um rohen und yilben Völkerschaften ben Weg zur Zivilisation zu bah- neu, hätten doch mit Reckt erwarten dürfen, ihre Augen schließen zu können in den Ländern, die sie sich zur weiten Heimat gewählt, und inmitten der Christen, gemeinden, die fie tun den Preis so großer Opfer ge» gründet haben.
Der Heilige Vater begreift sehr Wohl die tiefe Be» fcäbniS dieser Missionare sowie der deutschen Katho»- likcn, fich ausgeschlossen zu sehen von einem weiten Selbe oes Apostolates unter Völkern, bie noch in die Finsternis des Aberglaubens und der Abgötterei ver- stükt find, und von dem Augenblicke, wo sich diese Ge- fahr zeigte, hat er tatkräftig fich bemüht, sie zu be- toirc:.:-
Sie Ew. Eminenz fron Msgr. Pacelli, dem Apo- Mischen Nuntius zu München, werden erfahren haben ,hat der Heilige Stuhl seinerzeit dringende Vvrftvllnngen gerichtet an Ihre Eminenzen bie Erzbischöfe von Paris unb Westminster, an den engüscben GeschäftSttäger beim Heiligen Stuhl, an den Geschäftsttäger der chinesischen Republik in Rom, an ben japanischen Marine-Attack!« Damamoto und an Ad- mrai Benson, Befehlshaber der amerikanischen Flotte.
Aus Anlaß des Briefes Ew. Eminenz ljat ©eine Heiligkeit angeoiitat, daß ein erneuter ein« dringlicher Appell an die Kardinale Amette mb Bourne und an ben englischen Geschäftsträger beim Heiligen Stuhle gerichtet würde, mit einer klaren Dar, ksslwg der Gründe der Menschlichkeit unb Gerechtigkeit, die Ew. Eminenz in Ihrem Schreiben auSeinan- teigesetzt haben.
Der Heilige Stuhl erwartet jetzt eine Antwort auf seine Bemühungen, und, falls dieselben nnglückseliger- weise ohne Erfolg bleiben solle, behält er sich vor, zu prüfen, wie am besten für das Los fo vieler ihres Arbeitsfeldes beraubter Missionare gesorgt werden könne.
Indem ich mir Vorbehalte, Ew. Eminenz seinerzeit grvon zu benachrichtigen, benutze ich diese Gelegen.
i usw. ।
gez. P. Card. Gasparri.
Andere sagen sich: Der Mann war ein 4Ü doch fern Raubmörder; man hätte ihn
ab« nicht wie einen Verbrecher toten sollen.
fen Khiespalt bet Gefühle und Ansichten wis- tt£ hinterlistigen Hehn raffiniert auszunutzen, Mtw^/G 5?« ^Gerung aufzupittschen. Rei' a?.?,5 9cßtn die bayerische, sondern auch gegen die ■ShTÄ Mere sich tatscMch bL
hat, das Leben des Lefrtne zu retten.
^■*"0 Druck bet Fuldaer Actirndruckerei in Fulda,
g——■—■m—n—ggeg-. -ir -rua
Tagesordnung zu stören. Sachsich erklärte Scheidemann, daß er darüber nicht unterrichtet fei und daher nicht in der Lage, Auskunft zu geben. Bor Eintritt der Millags- paufe gab der Reichswehrminister eine Erklärung ab, daß es sich n i ch t u m deutsche, sondern um baltische Truppen handele.
Die Nachmittagssitzung behandelte das Ergebnis ber Dormittagsaussprache. Wesentlich neue Gesichtspunkte zeitigte sie nicht. Hervorgehobcn zu werden verdient aus einer scharfen Polemik Scheidemanns gegen den Genossen Cohen-Reuß die innerpositifche bedeutsame Feststellung, daß die Regierung sich z. Zt. des Streites um das gleiche Wahlrecht sozialdemokratischen Führern gegenüber daraus berufen konnte, daß ihre eigene Partei ja nicht einig sei in dem Verlangen nach dem Reichstagswahlrecht, daß aus der eigenen Partei heraus der Vorschlag eines Mehrstimmenwahlrechtes für Preußen gemacht worben fei, so von Cohen-Reuß.
dem rrachvaraevw.
r(!) Aus der Rhön. Infolge der Gewitter der leih« ton Tage hat cs in der Rhön reichlich geregnet. Ein Blitzstrahl äsckerte die Sckeune neben her alten Schule in Rommers bei Gersfeld ein.
0 Aus Thüringen. Ter Panzerzug des Landesjä- gerkorps, der bisher in Eisenach stationiert war, ift jiadj Salzungen abgefahren und wird dort vorläufig bleiben. Ter Grund für die Abfahrt des Panzerzuges fron Eisenach ist ber, daß die vorüberfahrenden Polen» transporte sich gegen die Fnsassün des Panzerzuges mehrfach herausfordernd benahmen und man weiter« Konflikte vermeiden wollte. — Bei dem Gewitter am 2. Pfingstseiertage wurde der Bergmann Daube aus Wölfershausen vom Blitz töolich getroffen und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Taub« ist verheiratet ipnb Vater von 11 Kindern.
Einstellung aller Schlachtungen.
Fi Hanau. Pfn einer Sitzung der Lebensmittel« kommisfion des Landkreises Hanau wurde die Not» Wendigkeit einer zeitweiligen Einstellung aller Schlachtungen im Kreise besprochen und anerkannt. Die Schlachtviehbestände des Kreises sind nahezu erschöpft. Die Viehaufbringung in den letzten Wochen reichte bei weitem nicht aus, um den Bedarf des Kreises auch nur einigermaßen gleichmäßig zu decken. Weitere Eingriffe würden zur Zeit nur durch eine schwere Beeinträchtigung der Nachzucht und besonders auch der Milchversorgung der Industriegemeinden des KreiseS und der Städte Frankfurt und Hanau zu erkaufen fein. Mit Rücksicht hierauf sprach sich die Kommission trotz schwerwiegender Bedenken einhellig für eine Ersetz ung der Frischfleischlieferungen durch Fleischkonserven und andere Lebensmittel auf bie Dauer von 6 Wochen aus.
Aus Oberheffen und den Hess. Aemtern.
L Marburg. In die hiesige Klinik wurde ein junges Mädchen aus Dautphe eingeliefert, das von seinem Bräutigam, der ihm einen Revolver erklärte, in die Brust geschossen worden war Auch der Bräutigam ist vor Schrecken schwer erkrankt»
Märkte.
~ Fulda, 14. Juni. Der heutige Schweinemarkt hatte einen Auftrieb von 119 Ferkeln aufzuweisen, die mit 180, 230 und 280 Mark das Stück bezahlt wurden. Es verblieb ein ziemlich großer Ueberstand.
Gottesdien'stordnung.
Katholttchcr Gottesdieust.
Sonntag, 15. Juni. (Fest d. hl. Dreifaltigkeit.) Dom. Vi6, 6, Vi7 u. 7 M., Vi7 M. u. Kom. d. Jüngl.» Sob. u. b. christenlehrpfl. Jüngl. i. d. Marienk., 8 Pfarramt m. Umg., Vr.' u. Segen, VilO Kathedralamt m. Pr^ 11 Chr., V,12 M. m. Pr., >/,2 Quatember-A., 2 Chr., 4 Sakraments-Bruderschaft u. Pr., 7 A. i. b. Marienk, (Montag abends *,i8 21.)— Stadtpfarrkirche. 5V* Kom., 5'/. M, 6'/. M. u. Kom. f. d. Jüngst, 8 M. u. Pr. '1. Schulgd.), 9*/i Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.), 9l/i A. f. d. Jüngst.Sod. i. d. Severtk., ll/i Chr. f. d. Jungfr., 2V- Quatember-A., 8 Bitt-A. — Pfarrkirche zum Hst Geiste. '/.7 Kom., 7 Frühm., 8 Pr., Amt m. Kom., Vi5 Chr., 5 A. — Srvrrikirche. Sonntags >/,7 M, werktags 6 M. — Nonnenkirche.' Vorm. 93/« Terz, Hochamt m. Pr., nachm. 2 Herz-Jefu-Bruderfchaft m. Pr., 3Vi Vesper m. hl. Segen. An Werktagen vorm. 9 Hochamt,nachm.3 Vesper. — Herz-Jesu-Helm. 6 Kom., 8 Hochamt u. Pr, 2 Herz-Jesn-A., 8 Bttt-A. — Frauenberg. 5—7 M., 8 Bruderschastsm., 9 Hochamt m. Pr. Die 81. f. d. Tertiären nachm. 2 fällt aus. Um 5 Anfang d. Exerzitien f. d Tertiären, Pr. u. A. Abends *A8 Herz« Jesu-A. m. Pr. Montag, Dienstag u. Mittwoch sind die Predigten morgen» 5, nachmittags 3 und abends 8.
@6aogelif<6et Gottesdienst.
Sonntag, 15. Juni. Vorm. 8 Uhr: Psr. Weber, 9Vt Uhr: Snp Ruhl. .
Mäßigkeit spricht ein gewichtiges Wort. Wohl oder übel muß bie Regierung berücksichtigen: Was ist für das allgemeine Wohl besser: die Hinrichtung ober die. Einschließung? |
Dabei darf man nicht übersehen, daß di« Todesstrafe gegenwärtig ihre abschreckende Wirkung fast ganz eingebüßt hat, sobald bie p olitis chen Leibenschaf- ten ins Spiel kommen. Liebknecht und Rosa Luxemburg smb einer Lynchjustiz zum Opfer gefallen. Tas Lynchchi hat sich in Amerika gegen Pferberäuber, Schäm bung usw. beträchtlich abschreckend erwiesen. Unter ben gegenwärtigen Verhältnissen bei unS zu Laube haben bie Ansätze zur politischen Lynchjustiz nur verbitternd, aufreizend, vergiftend gewirkt. Wir leben im Zeitalter von höchsigesvannter Agitation. Alles, was bie Leibvnschafien weiter cnrfpeitscht und Air Volksverführung miSgebeutet werden kann, muß sorgfältig vermieden werden, so weit es nur geht. Daher halte ick es vorläufig für besser, baß man bie gefangenen Umsturz- führer im Zuchthause ober unter Umständen im Irrenhaus aufbewahrt, statt sie hinzurichten, wenn sie auch den Tob richtig verdient haben sollten.
. Das gehört zu den Wirren und Wehen her Uebcr* gangszeit, in her wir uns jetzt befmben. Wir stehen nicht mehr im Kriege, aber auck nicht im Frieden. Wir ringen um Ruhe unb Ordnung nach der großen Revolution unb können noch nicht hinwegkom- men über die nachträglichen kleineren Revolutionen, Putsche, Streiks, Demonstrationen. Wenn nur alle Putsche so erheiternd verlaufen wollten, wie das Possenspiel von Wiesbaden, das der wunderliche Dr. Dor- t e n unter französischer Regie in Wiesbaden auf geführt bat! Anderswo gebt es leider nickt so gemütlich ab, wie in diesem Kasperletheater ber Plcckatnwoliition In ber llebergangsznt müssen wir jebeh; Aiwenblick auf innere Krawalle aefaßt sein, unb überdies hängt das DwiwkleSschwert des Versailler „Friedens" noch über unteren schutzlosen Häupten. Wenn doK wenigstens so lange, bis über bie Zukunft des Vaterlandes bie Würfel gefallen sind, die häusliche Ruhe gewaihrt bliebe l
Es ist eine ivahre Sckicksalswoche zwischen Pfingsten und Fronle im von 1919. Wer Mich jetzt noch nicht die Verofli ug zur Ruhe unb Einigkeit versteht, ber ist wahrlich fein richtiger Deutscher. Mehr als je gilt das Gebot: Laß dick' nicht verführen, laß dich nicht herbeben; lvarie gefaßt die Entscheidung ab, unb inzwischen bete unb arbeite!