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| Samstag U. Zunl 1919. | 1 46. Zahrg

»7r 1 "iS I Berantwortlich für den redatttonelleu Teil; Karl Schütte. Hl. f | für die Anzeigen: I. P arzeller, Fulda. Rotationsdruck.

Olgas Irrtum

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Erst Sonntag oder Montag.

Die französische Havas-Agentur meldet vom 13. Juni: Clemenceau, Wilson, Lloyd George und an Orlandos Srelle Sonnino arbeiteten heute morgen undam Nachmittag die Antwort auf die dentfcheu Gegenvorschläge aus und überreichtem dem Komitee für die Vertragsrevision von 18 Berichten bereits neun. Die Antwort der Entente wird vor­aussichtlich am Sonntag abend oder Montag früh überreicht werden. Die Deutschen erhalten acht Tage Zeit für ihre Antwort.

Nationalversammlung und Fcledensfrage.

Berlin, 13. Sunt Die Nationalversammlung wird tn Weimar nach den bsherigen Dispositionen nicht eher zusammentreten, als bis Graf Brockdorff-Rantzau mit den Mitgliedern der deutschen Delegation aus Ver- failles in Weimar eingetroffen ist und die A n t «o o r t- note der Alliierten der deutschen Regierung in Wei­mar vorlegen wird. Die Regierung wird aller Loraus- ficht nach die Verantwortung für die Annahme oder Ab­lehnung der neuformulierten alliierten Bedingungen nicht auf die eigene Schulter nehmen wollen, sondern bis letzte Entscheidung der Rationalverjamm lung überlassen.

Eintritt Japans in den Viererrat.

Der Rat der Vier hat sich durch den Hinzutritt eines japanischen Delegierten, des Baron M a k i n o, in ei­nen Rat der Fünf umgewandelt. Das bedeutet, daß Japan mit der jetzigen Lage unzufrieden ist und an den Entscheidungen über Deutschlands Schicksal reilzuneh- men wünscht. Die französischen Zeitungen bringen von diesen schwerwiegenden Tatsachen keine Meldung. Die Pariser Ausgabe derChicago Tribüne" wird ziem­lich deutlich, indem sie schreibt, daß durch das Dazu- treten Japans die bereits erzielte Einigung über die An twortnotevölliginFragege stellt sei. Makino habe in letzter Stunde seine Forderungen ge­stellt, wonach jetzt die Erörterungen über den g a n z e n Vertrag neu eröffnet worden seien. Dies sei ein japanischer Sieg. Die Anerkennung Koltschaks sei entgegen den Wünschen zahlreicher Mitglieder der En- tente von Japan durchgesetzt worden. Japan habe ge» droht, daß es den Russen und Deutschen ein Bündnis anbiete, wenn die Entente nicht auf seine Vorschläge eingehe. Auf diese Vorgänge ist es dann wohl auch zurückzuführen, wenn die Ueberreichuna der Antwort- not wieder für einige Tage verschoben ist. Es ist aber davor zu warnen, allzugroße Erwartungen an das Ein­greifen der Japaner zu knüpfen.

Orlandos Abreise. Jtas. Mittisterkrist.

Ohne daß eine Einigung über Fiume erzielt worden wäre, ist der italienische Ministerpräsident Orlando nach Rom abgefahren, wahrscheinlich in dem Augenblick, als er sah, daß durch das Da- zwischentreten Japans neue Beratungen, neue Memunaskämpfe entstehen wüxden. Die italienische Revolution, die üch abzuzeichnen beginnt, ist dem italienischen Premierminister wichtiger als das Reden über. Oberschlesien. Orlando richtete vor seiner Ab­reise an die Mitglieder des Viererrats ein Schreiben, in dem er zum Ausdruck bringt, daß, da die Be- ratungen über daS Adria-Prodlem nicht zum Ziele geführt hätten, er für die strikte Anwendung des Londoner Vertrages eintreten werde. Die Rückkehr Orlandos nach Rom hat ihren Grund auch in der won einige Zeit schwebenden Krtse im italienischen Ministerium. Der Handels- und der Kriegsminister wollen ihre Aemter niederlegen. Der akute Ausbruch der Krise dürfte anläßlich der am nächsten Donners« tag beginnenden Parlamentstagung erfolgen, da eine "tarte von Ministern besondere Erklärungen über dte ihnen nicht zusagende Regierungspolitik abgeben wollen.

Krawalle irrrd Streiks irr Italien.

Die allgemeine Unzufriedenheit in Italien, die im- deutlicher in Erscheinung tritt, und der zumeist die «vensnnttelknappheit zugrunde liegt, hat zu weiteren

Rach einigen weiteren Fragen und sachgemäßen Er. ^Ürnngen wurden die Lehrpersonen gebeten, sich in Klassenzimmer zu verfügen und die Herren zu er- Glöckner nahm Olga beiseite und schritt plau- mit ihr dem Korridor aus und ab. Zwei Augen- folgten ihnen. Tettens düstere Blicke und Dr. Wturmers eifersüchtig wachsame Augen l Der Mini- ^r^nteftor schien wichtiges mit dem jungen Mädchen Nl besprechen zu haben. Sie waren in eifrigstem Ge- w den Garten hinauSgeschritten und wandel- -wischen den blühenden Bäuman auf und ab. Da s>och am selben Nachmittage weiter reisen mußte, 8h späterhin keine Zeit, mit seinem Schützlinge ^ucksprache zu nehmen, weshalb er die gebotene einzige ««egenheit jetzt benutzte.

^Endlich verabschiedete er sich und gesellte sich zu den rrgen Herren. Olga war um diese Stunde frei und Tr^iirte allein mit sich selber zu sein. So ging sie yl den Gartenvavillon zu und verschwand in dem . einen luftigen Saale. Da hörte sie schnelle Schritte '' Steinstufen der Eingangstreppe emporeilen, die Z^e wurde hastig geöffnet und Fritz von Setten no_ vor ihr, als wollte er mit diesem Blicke das eryangnis ergründen, das zwischen ihnen waltete.

>ann sprach er und die begreifliche Erregung seines »?wcrn vibrierte in seiner Stimme:

.CIga! Ich komme, um Rechenschaft zu fordern, hast Du mir zu erwidern?"

Sie machte eine ablehnende Handbewegung umd °°ndle sich ab.

. "^te sollten mir und Ihnen das Peinliche einer ZZ6" Unterredung ersparen.Ich habe es wenigstens gehofft, aber ich sehe, es ist dies die letzte «Täuschung nicht, die Sie mir bereiten."

Das war kalt und hart gesprochen und verfehlte **9* *' wn aufs tiefste zu empören.

-Das »Iso ist die Erklärung, die mir wird, nach Behandlung, wie sie rücksichtsloser nickt erteilt werden kann! Wenn Du Dein mir gegebenes Set» iprechen nicht halten konntest oder wollten, so gab es ^nen anderen Weg, als den bei feigen Flucht. Eine «rklarung wenigstens warst Du mir schuldig und bist

Störungen geführt. Genua fanden blutige Pro­testkundgebungen statt, bei denen der Sturz des Königs und der Regierung und die Ausrufung einer republi- kcmischen Regierung gefordert wurden. Im Verlaufe der Kundgebungen kam es zu einem Stratzenkamps, bei dem eine Reihe von Lebensmittelgeschäften erstürmt und geplündert wurde. Es gab Tote und Verwundete. In Savona an der Riviera kam es ebenfalls zu Teuerungskrawallen. In Spezia und in Fer­rara setzte infolge der Plünderung von Lebensmittel­geschäften ein Gegenstreik des Bürgertums ein. Eine Versammlung der Post- und Te'.egraphenbeamten in Bologna drohte im Falle der Ablehnung ihrer For­derungen mit dem Streik im ganzen Lande. Der Streik der Lehrerschafit hat sich bereits Wer ganz Italien ausgebreitet Im Justizministerium ha­ben alle Beamten ihre Demission eingereicht.

Die französische Arbeiterbewegung.

Die Streiklage in Frankreich spitzte sich wieder zu. Der Verband der Bergleute beschloß, am 16. Juni in ganz Frankreich den G e n e r a l st r e ik zu Beginnen, weit die Kammer die Vorlage über den Acht­stundentag in den Bergwerken mit Abänderungen an» genommen hat, von denen die Bergleute nichts wissen wollen. Der Verband der Seeleute beschloß gleich­falls am 16. Juni den Generalstreik, falls feine Forde­rungen bis dahin nicht gänzlich bewilligt würden. Die Eisenbahner stellen dasselbe Ultimatum.

Hervorzuheben ist, daß die Ausstandsbewegung sich während der letzten Tage immer deutlicher und ein» drucksvoller als Berufsstreik entwickelt hat. Es handelt sich nicht um einen politischen Streik. Jr, Paris versammeln sich dieser Tage Vertreter der ^sozialdemo­kratischen Parteiorganisationen und Gewerkschaften der Gntenteiänoer, um das Programm für die beabsichtigte internationale Demonstratiosiskundgebung gegen die Gewaltpolitik der Entente festzusetzen. Es ist möglich, daß diese Kundgebung in Frankreich mit einem allge­meinen Ausstand zusauemenfallen wird. In der Er- Wartung dieser internationalen Kundgebung legen aber die französischen Gewerkschaftsführer absichtlich Gewillt darauf, jede Kundgebung zu verhindern ,die als eine Aufmunterung an Deutschland, den Frieden nicht zu unterzeichnen, ausgedeu^t werden könnte.

Die Polerrdrohung.

Die Transporte der Hallerschen Armee, von der bereits über 70 000 Mann mit etwa 200 Feld- und über 80 schweren Geschützen sowie 150 von französi­schen Mannschaften bedienten Tanks das polnische Ge­biet erreicht hasten, waren von deutscher Seite in diesen Tagen für kurze Zeit unterbrochen worden, weil die vertraglich ausbedungene Rücksendung der Leer­züge ausblieb. Nachdem indessen wieder ein Leerzug dir deutsche Strecke Fraustadt-Lissa erreicht hat, sind die weiteren Transporte zunächst wieder freigegeben worden.

Das Oberkommando der Alliierten hatte an Deutsch- land am 4. Juni das Ersuchen gerichtet, die Transporte, die eigentlich am 15. Juni beendet sein sollten, zu ver­längern. Von unserer Seite waren dagegen zwar die ernstesten Bedenken geltend gemacht, trotzdem aber die Bereitwilligkeit zur Verlängerung bis zum 1. Juli ausgesprochen worden, vorausgesetzt, daß die polnischen Truppen in keiner Form zu Angriffen auf deutsches Gebiet verwendet werden würden. Eine Antwort auf diese Mitteilung ist noch nicht einge­troffen. Die neuesten Nachrichten aus dem Osten las- fen aber keinen Zweifel, daß die Hallerschen Truppen an der deutschen Grenze konzentriert werden und zu einem Angriff auf deutsches Gebiet be­stimmt sind.

Aus Oberschlesien wird gemeldet: Der Psingst- putsch der Polen un Streife Rosenberg und die Versuche, strategisch wichtige' Eisenbahnstrecken zu zerstören ha­ben einen Blick in die ganze Größe der Gefahr tun lassen. Deutsche militärische Verstärkungen sind in Oderfchlesten angekommen. Der Putsch in Rosenberg stellt sich mit Sicherheit als ein Verzweiflungsunterneh­men dortiger Polenführer heraus. Die Hochverräter wollten einfach Rosenberg am Sonntag dem Polcnrsich einverleiben; durch die Nähe der Hallerschen Annee glaubten sie sich genügend im Rücken geschützt. Erst jetzt wird bekannt, daß in der Nacht zum Sonntag auch

die Bahnbrücke bei K o s e l gesprengt werden sollte; 73 Päckchen Sprengmunition wurden noch rechtzeitig un­ter der Brücke entdeckt. Bei der Sprengung der Mala- paner Brücke auf der Strecke Oppeln-Carlsmarkt-Bres- iau entgleiste ein Güterzug; die Lokomotive und fünfzehn Wagen stürzten die Böschung hinab. Mil wetteren Gewaltmaßregeln der Polen ist zu rechnen.

Ungarn und die Entente.

Die ungarische Räteregierung ließ durch ihren Wie­ner Gesandten dem französischen Gesandten Allize eine Note überreichen, in der es u. a. heißt:

Die Regierung der ungarischen Republik nimmt die Absicht der alliieäen Regierungen, Ungarn zur F r i e- denskonferenz einzuladen, mit Freude zur Kennt­nis. Die ungarische Räterepublik drückte wiederhott ihre Bereitwilligkeit aus, die Feindseligkeiten ciiizustel- len. Zum Zwecke der Einstellung der Operationen, wie auch zur Regelung der wirtschaftlichen Fragen würden wir es für notwendig erachten, daß seitens der interes­sierten Staaten Delegierte entsendet werden und unverzüglich zusammentreten. Die ungarische Räte- regierung ist zu allem bereit, was einen gerechten und billigen Frieden zwischen den Völkern, sowie die gegen­seitige Verständigung erfordert, um dem Blutvergießen ein für allemal ein Ende zu setzen.

Somit steht fest, daß die ungarische Regierung die Clemenceaunote nicht direkt beantwortet und die Feind- seligkeiten noch nicht einstellte.

Neue Putschversuche in Braunschweig.

Vom Earnisonkommando Braunschweig werden Einzelheiten über geplante kommunistische Putsche ver­öffentlicht. Danach beabsichtigt die kommunistische Par­tei mit allen Mitteln und schließlich mit Gewalt die Herrschaft im Lande an sich zu reißen. In den letzten Tagen sind zu diesem Zweck bewaffnete Matrosenabtei­lungen als E'mzelreisende in Braunschweig angekom- men. Diese sollen mit den bereits dort anwesenden fremden Spartakisten eine kommunistische Stoßtruppe für den Sturz der Regierung bilden. Der Landesregierung wurde von der Reichsregierung die nachgesuchte Vollmacht zur erneuten Verhängung des Belagerungszustandes erteilt, wenn die Lage dies erfordere. Da die Braunschweiger Polizei als un­zuverlässig gilt, wird die Polizeigewalt gleichzeitig an die Militärbehörden übergehen. Straßen und Plötze wurden mit Maschinengewehren abgesperrt und in Wirtschaften und auf der Straße zahlreiche Matro­sen und andere Spartakisten verhaftet und ins Gefäng­nis gebracht. Trotz lebhafter Agitation der Kommuk- sten ist es zu einem Proteststreik und zu neuen Ruhe­störungen nicht, gekommen.

* Rosa Luxemburgs Begräbnis verlief gestern in Berlin ohne Zwischenfall. Die von den Unab­hängigen ausgegebene Parole die Arbeit nieder zu legen, hat Wenig Anklang gefunden. Selbst die An- gestellien der Großen Berliner Straßenbahn, die sich noch am Donnerstag bereit erklärt harten, während der Zeit der Trauerfeierlichkcilen die Arbeit nieder­zulegen, haben sich anders besonnen und den Ver­kehr aufrecht erhallen. Auch der Betrieb der Hoch- und Untergrundbahn erlitt keine Unterbrechung.

* Ein französischer Uebtrgriff. Bei einet Uebuna aus dem Griesheimer Schießplatz durch die franzo- silche Besatzung flogen heute morgen um 7 Ubr zwei scharfe Geschosse nach Darmstadt. Etn 7,5 Zentimeter-Schrapnell traf das Dach des 8c. bensmiilelamtes, durchschlug dasselbe, stieg an den Schornstein und explodierte. Die Ladung des Ge- schosies durchschlug die Bodendecke und richtete ziem­lichen Sachschaden an. Personen wurden nicht ae- - < zweite Granate wurde in der Nähe des Golfplatzes gefunden.

* "'nem neuen Umsturz i» Wien? Die ,M. N. N erhalten ein Privattelegramm aus Wien, dort am 15. oder 18. Juni von der Wiener Volkswehr die Räterepublik und die Herrschaft

Du mir noch schuldig. Ich verlange von Dir, waS Tn freiwillig nicht geben willst. Nicht ein Knabe steht vor Dir, der die Hand küßt, die ihn gezüchtigt, ein Mcmn ist's, der sich geschädigt sieht an feiner Liebe, seiner Ehre, feinem Vertrauen, und darum weiche ich nicht von biefer Stelle, bis mir das gegeben wird, WaS Du mit seit Jahren vorenthalten Aufklärung l"

In ihren Augen flammte es auf, sie war bis zu den Lippen erbleicht; die Nasenflügel bewegten sich in der Erregung ihres Innern, ©ie war dicht zu ihm heran­getreten und stteß mit fast erstickter (Stimme hervor: Aufklärung fordern Sie? Bedarf eS der Auf- klärung, wenn ein vertrauendes Herz getäuscht wird, wenn ein stolzes Herz gedemütigt, verraten, betrogen wird, wenn eS da Schiffbruch gelitten, wo eS geliebt, gehofft, vertraut hat, und nun zettlebenS krank wird an bet unseligen Gewißheit, baß der Einzige, dem ihr Herz unterlegen, nicht befler war, wie alle anderen. Oh!" hohnlachte sie,vielleicht ist eS nicht einmal so schlimm in Ihren Augen, für Ihren unternehmungs- lustigen Charakter, vielmehr ein neuer Sporn, auch da zu siegen, wo die Liebe nicht wie reife Pflaumen von dem Aste fällt auch um den Preis einer Lüge!"

Mit unendlicher Verachtung in Wort und Blick wandte sie sich ab. Hätte sie ihn angeschaut in jenem Momente, es wäre bester gewesen für beide; die Be­stürzung und Ueberraschung, die sich in seinen Zügen ausmalte, waren beredte Zeugen für seine Unschuld Ihre Worte riefen in ihm nur baß eine Verständnis wach für die falsche Vorspiegelung seiner Unbemit- teltheit, die er ihr gegenüber mtt so viel Affront m jener unvergeßlichen Stunde in der Fischerhütte ge- macht. Daß ihre plötzliche Abreise unmittelbar nach jener Stunde erfolgte, erschien ihm als weiterer Be­leg. Wohl kam ihm in den Jahren schon öftere bet Gedanke an jene Möglichkeit, doch schlug er, in dem Bestreben, die traurige LiebeSepisode seines LebenS zu dergesten, jede Erinnerung an sie, so oft sie ihm kam, hartnäckig aus dem Sinn. Nun erst lernte er, seinem Urteile nach, die Große ihres Stolzes verstehen. Zu stolz und unabhängig, um durch eine reiche Heirat auch nur den Schein eines unlauteren Motive» auf sich zu laben, insbesondere, wenn Leute vom Schlage der JähnekeS die Krittk führen, zu sehr durch feine Un­aufrichtigkeit und unwahre Vorspiegelung verletzt, er­griff iie die Flucht. Sowie ihm diese Erkenntnis kam.

stieg ihm bet Groll, der in den folgenden Worten zum Ausdruck kam.

r. d'°ser Chimäre opferst Du unser Lebcns- gluck!

sich ab. Ihre Verachtung fand leine SBorte. Er aber nahte sich ihr mit beschwörender In­nigkeit in Wort und Blick.

Wenn eS ein Vergehen war, daß ,ch Dein Ver­trauen getäuscht, st, vergiß nicht, daß ich aus großer Liebe zu Dir gefehlt. Wer viel liebt, verzeiht viel, vergib auch Du, meine Olga! Sprich das verzeihende Wort, und was uns trennt, soll heute noch beseitigt werden; und sollte ich freiwillig zum Bettler werden, wenn nur Du mein Los teilen willst. Olga! Ist bann nithts mehr von der alten Stäbe in Deinem Herzen vorhanden, fpricht kern wärmeres Gefühl mehr für Deinen Fritz, Zwei Jahre sind verbüßt! Was habe tch um Deinetwillen gelitten! Laß es mit biefer Sühne semrg fein, vergib! unb fei mein!"

Er breitete die Arme aus; sie wich, von Abscheu erfüllt, zurück.

Hüten Sie sich," rief sie flammenben Anges,and) nur den Saum meines Kleides zu berühren"

Olga! Wie kannst Du so grausam sein! Bei un­serer Siebe"

Po ' en Sie auf diese Liebe nicht," unterbrach sie ihn tair,die Sie sich durch Lüge, Betrug und ein Paar törichte Worte errungen! Wenn Sie denn abso- lttt noch ein Gefühl für Sie in mir voraussetzen, so toiK ich Ihnen dasselbe nicht vorentbalten. Ja, mein Herr, noch eins lebt für Sie in meinem Herzen, das ist goenzenlofe Verachtung!"

»Nicht weiter!"

Die Zornesader auf seiner Stirne schwoll; sie aber fuhr mit kaltem Spotte fort:

Un& da Sie voraussichtlich auf jene? keinen An­spruch machen, so erlauben Sie wohl, daß ich dieser unerquicklichen Szene ein Ende mache." Sir lvollte atz ihm btrr"-r,VI. er ober bertrat ihr den Weg.

«Wage es nicht, nach diesen Worten von mir zu gehen! Tu weißt nicht, westen ein erzürnter Mann in seiner Liebe fähig ist!"

Wenn ich gehen will," versetzte sie mit Nachdruck, so wäre dieses letztere Argument am wenigsten ge­eignet, mich zurückzuhalten."

Seine Hand lag schwer auf ihrem Arme.

des Kommunismus ausgerufen werden soll. Angeblich kennt man bereits die Namen der 4,olL>« ^Kriegszustand zwischen Finland und Rußland. Ter finische Minister des Auswärtigen bat «tn LMt- scherin eine scharfe Note gerichtet, ^re finische 3^ g » rung halte sich angesichts der von den bolsch^vtst-schen Horden verübten bestialischen Grausamkeiten berechtigt, ohne vorherige Ankündigung die notigen Maßnahmen zu ergreifen, um die russische Räteregierung zur Ver­nunft zu bringen. An der sinischen Ostgrenze herrscht tatsächlich Kriegszustand. Die Bolschewisten graben Schützengräben, ziehen immer mehr Truppen zu, am- men, fallen in Finland ein und Brennen Dörfer nie

* Untergang eines englischen U-Pootrs tn d« Ostsee. Von einem der englischen Unterseeboote, dts. in der Ostsee operieren, ist seit dem 4. Juni nichts mehr gehört worden. Man muß annehmen, daß es mit der gesamten Besatzung rmtergegangen ist.

* Bei der Untersuchung der Bombenverschwörung in den Vereinigten Staaten hat sich ergeben, daß über 130 Stabte in West-Virginia von den Terro* riften Bombenattentate in Aussicht genommen waren.

Zum sozialdemokratischen Parteitag.

Die sogialistftchen Führer müssen eine tragische Schuld büßen; jahrzehntelang haben sie den Masten den sozialistischen Zukunftsstaat in den grellsten und be» törendsten Farben geschildert, haben sie die Verip rechen für die Zeit ihrer Herrschaft nicht groß und verlockens genug machen können. Jetzt sind sie im Besitz aller Ge. walt und nun sehen sie sich außer Stande, die gemach tetr Versprechungen einzulösen; die Revolution tneo das Volk vielmehr in noch größeres Unglück unb mit wachsender Ve 1 terung glaubten beträchtliche Strafe1 der sozialistische. Anhängerschaft, sich von ihren ehe- maligen Führern hintergangen und betrogen.

Was die Unabhängigen unb zum Teil auch die Spar­takisten verlangten und predigten, war ja im Grunde dasselbe, was "die Ebert- und SSeidernann so viele Jahre hindurch verkündet unb als ihre Forderungen hingestevt hatten. Wie leicht wurde es darum den Hetzern um Haase und Liebknecht in den von höherer politischer Einsicht ungetrübten Massen Stimmung ge­gen die Mshrheitssozialdemokratte zu machen, zumal in jenen Kreisen, die erst nach dem 9. November ihr sozialistisches Herz entdeckt hatten unb nicht wußten, in welches Lager der Sozialdemokratie sie sich schlagen sollten. Diese politisch unreifen Maöen der Mitläufer,, denen die Revolution hauptsächlich darum gefiel, weil sie in ihr eine Erfolg verheißende Lohnbewegung et* blickten, sind heute das schwerste Kreuz der alten,, ge­faulten Sozialisten, vor allen? auch der sozialistische« GewersSaitler, die sich in die Minderheit _ gedrängt und, ihre bessere Einsicht ton politischer Einsichtslosigkeit verkümmern sehen.

Die Politisierung der Masten, die , sich ihr nach deut 9. November zugewandt haben, ist eins der schwierig­sten Probleme, vor die sich heute die deutsche Sozial­demokratie gestellt sieht; dornenvoller aber ist das an­dere; die Einigung der während des Krieges auseinan­dergefallenen Partei. Die Mehrheitsfozialiuen. haben im Verlause des Krieges und noch häufiger seit bart 9. November die Notwendigkeit der sozialistischen Ein- vereiniaung mit den Unabhängigen bekundet., Jede Verständigung der feindlichen 23n>berrarteten ist, bis­lang aber an dem gehässigen Widerstand der Unab­hängigen gescheitert und auch die kürzlich geschaffene Zentrale für Einigung der Sozialdemokratie hat big aufgeregten Gemüter noch nicht zu beruhigen und die Wiedervereinigung in die Wege zu leiten vermocht.

Auch innerhalb der mehrheitssozialistischen Partei steht die vielgepriesene Einigkeit nur auf dem Papier. Ein «woher Teil der Genosten ist auf dem Wege nach links. Das beweist am besten die Fülle der radikalen Forderun­gen, die fast an das grenzen, was die Unabhängigen ver­langen. mit denen sie sich auch noch in der Kritiklust an den Maßnahmen der Regierung zu überbieten versuchen. Schon eine ganz flüchtige Durchsicht der auf dem 'Partei# tag vorliegenden Anträge beweist, wie vielerlei die Sitob mung ist. Man möchte fast sagen:Soviel Kopfe, soviel Simie." Oder sollte mon es vielleicht auf das Schuldkonto der unzureichenden politischen Schulung oder aar dem Mangel an Einsicht und selbständiger Urteilsbildung zu­shreiben. wenn Genossen ihren Kollegen stürmische Ovatio­nen bereiten, weil sie bodenlose Kritik an den Partei, führern üben und dadurch zu erkennen geben, daß st«

-I- l «-CI...,

Du bleibst und hörst meine Rechtfertigung!" Unerschütterliche Entschlossenheit sprech ans ihm. In welcher Eigenschaft stehen Sie mir gegenüber, als Landrat des Kreises M. ober"

Als Mitglied bet Jnsvektwnskommis'ion, als Deiw Vorgesetzter!" rief er, außer sich gebracht durch ihrem verletzenden Spott.

Befehlen Sie über mich, Herr Rat!" Sie traf in den Saal zurück.

Er aber stand finster blickend vor ihr und begann langsam und mit Nachdruck zu sprechen.

Leugne es nicht, auch Du leidest! Du müßtest nicht menschlich fühlen und denken, wenn eS anders wäre. Ich habe Dich imgeadtet aller gegenteiligen Bestrebungen geliebt und mn Dich geworben. Ich habe Dich in meinen Armen gehalten. Du gabst mir da­hin dende Wort, Deine Lippen find geweiht durch den Kuß der Liebe, des ewig bindenden Gelöbnisses. In jener Stunde sprach Dein Herz, Dein Schwur galt mi- alles, ich vertrante blind auf Dich und Deine Liebe und wie vergaltst Du mir! Ich komme, um bei jenen um Dich zu werben, die Dir eine Heimstätte gegeben, ich will, was ich in übergroßer Liebe zu Dir mich schuldig gemacht, klarlegen, ich wollte Dir alles sagen, in der Gewißheit Deiner Liebe durste ich cs, ich hätte alles von mir geworfen, was unserem Glücke hinder- lich gewesen, und fand das Haus leer! Du flohest von mir, schlimmer, als wäre ich ein Ausgestoßener, Entehrter! Nicht eine Zeile aufklärenden Inhaltes, ich tappte im Dunklen unb rannte dem ?lb gründe zu. Du hättest mich wahnsinnig werden lassen um einer Chimäre willen! Nun finde ich Dich wieder, nachdem der beste Teil unserer Liebe davon; ich Bitte Dich, laß auf den Trümmern unseres kurzen Liebestraumes un­ser Glück neu erstehen,!lose nur ein Atom von Deinem stolzen Herzen,' es reicht hin. Dich und mich glücklich zu machen unb Du stehst abseits und knickst mit kal­tem Spotte das bischen Leben unserer Liebe! Olga, Olga, frevle nicht an unserem Glücke! Noch einmal sichst Du mich als Werber vor Dir nicht wieder! Noch einmal leg ich unser Lebensglück in Deine Hand entscheide, aber triff nicht vorschncSt den Entscheid. Es braucht fo wenig, um ein Herz zu brechen. Sprich baS verzeihende Wort sei mein!"

'.(Fortsetzung folgt)