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Sjetla der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda.Preis monatl. I 46. Zahrg. | S5V°a.-Ferns pr. Nr. S. Telegr.-Adresse: Fuldaer Z-'iung. I

Deutscher Reich.

Ter Entwurf eines ReichSkommunalisierungSgesetzes ist im Reichsministerium! des Innern fertig gestellt und einer Anzahl von Organisationen zur Stellung­nahme übersandt worden. In dßm Gesetzentwurf wird den Gemeinden das Recht eingeräumt, im Interesse des öffentlichen Wohles und beim Vorhandensein eines dringenden Bedürfnisses Unternehmungen, die in der Hauptsache lokalen Zwecken dienen, in die Gemein- wirtschaft zu überführen. Es werden u. a. folgende Wirtschaftszweige als zur Ueberführung ge­eignet bezeichnet: Straßenbahn, Wasfer-, Gas- imb Elektrizitäts-Werke, Las Anschlagwesen, , das Bestat­tungswesen, das Abfuhrwesen, Theater, Lichtspiele und Schaustellungen. Der Entwurf macht die Ueberführung in die Gemeinwirtschaft von. der Genehmigung der Lan­deszentralbehörden abhängig.

rr- 1 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte. I 13. 311111 1919

Ur. I w 4* I für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. Rotationsdruck. | V El I9 > j

Ter Bischof aber oder em von ihn: Schule

und dem ^Stund' de?Erziehung in «Kn^er^Wefir

Sitte in Unterricht und Erziehung ist wirksame uvpule fordern, deren Wirksamkeit m der Schule Glaube uno Si%a?aÄliWe Volk Bayerns wird eS den Bischöfen zu danken wissen, daß sie-nut tiefem Ernst und sachlicher Entschiedenheit auf die Gefahren auf merksam gemacht haben, d,e den Kindern auSbem Besuch entchristlichier Schulen drohen und daß sie mit apostolischem Freimut für den unveränderten Fortbestand unserer bayerischen Konfessionsschule eingetreten sind. Das katholitche Bolk hält an bett Grundlagen der religiös-sittlichen Erzwhung uner schütterlich fest und weiß sich dann eins mit fernen Oberhirten, in deren Hande die oberste krrchllch? Gewalt gelegt ist. ______

Polnische Ueberfälle auf deutsches Gebiet.

In der Nacht zum Sonntag wurde das Forsthaus L o w a s ch a u bei Rosenberg an der oberschlesischen Grenze von Polen überfallen. Ein Trupp in Stärke von ungefähr 150 Mann umstellte das Haus. Zehn Mann in deutschen Uniformen mit dem polnischen AÄer an der Mütze, mit Gewehren, Pistolen und Handgranaten aus­gerüstet, drangen in das Forsthaus ein. Fast zu gleicher Zeit wurde auf den von Kattowitz nach Kreuzberg fahren­den P e r s o n e n z u g in der Nähe der Station Schoffchütz (südöstlich Rosenberg) ein Attentat verübt. Die von den Polen angebrachte Sprengladung konnte aber die Brücke, auf die es abgesehen war, nicht vernichten: so wurden nur verhältnismäßig unbedeutende Befchädiaun»

Generalversammlung n kathol. deutscher Lehrerinnen,

Kp Bochum, tO. Juni. Unter außerordentlich star- ker Beteiligung begann heute dre Gsneralver amm hing des Vereins katholischen: deutscher ^hrermne . Tie Tagung steht unter dem Zeichen des Kampfes für die konfessionelle Schule und k^r Mit. arbeit an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes. In ihrer Begrüßungsansprache sprach die Vorsitzende Abg. Schmitz-Aachen herrliche Mahn- und Kernworte über die Stellung des Katholizismus zu den ^agen der Neuzeit, insbesondere zur Jugenderziehung. Die Bekennerworte für die konfessionelle Schule, sur die Beibehaltung des Religionsunterrichtes als Prü­fungsfach in den Lehrerseminaren sanden demomtra- tiven Beifall. Die Rednerrn proklamierte das stecht der Eltern auf die Schule und die Wahrung oesselbeir durch die Lehrerinnen. Auch die kath. Lehrerinnen er­höben entschieden ihre Stimme für die konfessionelle Schule. Der Hochw. Bischof von Paderborn ,prach Worte innigster Dankbarkeit und Anerkennung dem Verband namens des gesamten Episkopates und des kathol. Volkes aus für seine fruchtbare Arbeit m der Erziehung der weiblichen Schule. Trotz der Anfein­dungen und Gefahren möge man Weiterarbeiten mit freudiger Zuversicht im Garten der christlichen Schule. Es werde große Kämpfe kosten, die christliche Schule habe viele Femde. Bezeichnend für -den Geist der herrschenden Partei sei die Tatsache, daß sie all die Mächte des Unglaubens zum Kampf gegen die Veste des Christentums aufrufe, wo die Femde das Vater- land knechten, wo Smpörung im Innern lodert, wo der Volkskörper aus tausend Wunden blutet. Jetzt ist me- ser Partei der geeignete Zeitpunkt gekommen zum An­griffe gegen die christliche Schule. Tie Tagung deut­scher kath. Lehrerinnen bekunde fest, unzweideutig und unabänderlich das Gelöbnis zur konfeffionllen Schule. Wir halten sie um jeden Preis bis zum A-uhersten, bis zum Sieg der hl. Sache für die kath. Fugend, (leb­hafter Beifall.) Abg. Frl. Stoffels verlas dann eine einmütig angenommene Entschließung, worin öte konfessionelle Schule, insbesondere auch die konfepio- nelle Lehrer- und Lehrerinnenbildung gefordert wird. Abg. Frl. Dransfeld-Werl sprach dann in licht­vollen Ausführungen überDie ka t ho l i s ch eL eh­re r i n und die Idee des Weltfriedens. Sie konnte mitteilen, daß für die von kath. Frauen Deutschlands in Frankfurt a. M. zu erbauende Frie­denskirche bereits Vi Million Mark beisammen sind. Die Kosten für die Kinderkapelle der Kirche will der kath Lehrerinnenverein aus Kindersammlungen auf- brmgen. Die Rednerin schlug vor, zur Vertiefung des echten Völkerbundgedankens auch der Frauenwelt einen Ausschuß für Völkerbund. und Weltfrieden rm kath. Lehrerinnenverband zu errichten.

In der ersten Delegiertensitzung un- ter Vorsitz der Abg. Oberlehrerin Schmrtz-Aachen, der auch der Hochw. Herr Bischof von Paderborn bei. wobnte, wurden Vorschläge zur Reform des Mädchen­schulwesens besprochen. Die den Referaten folgende Diskusfion erstreckte sich über die Fragen der Grund­schule und der Differenzierung der Kinder innerhalb der einzelnen Jahrgänge. Als Niederschlag der mehr­stündigen Besprechung wurden eine Reihe Erziehungs- grundsätze und Erziehungsausgaben in Leitsätzen an­genommen. Abends tagte der Ausschuß für I, u g e n d- fürsorge des Verbandes. Dr. Vogtel-Trier svrach über:Neue Bahnen auf dem Gebiet der Jugendfür­sorge und Abg. Frau N e u h a u s-Dortmund über das Verhältnis zwischen Jugendamt und Schule.

Hinter den Mitgliedern der Generalversammlung befanden sich auch mehrere Leiterinnen klösterliche». Schulen. ___________________

Sozialdemokratischer Parteitag.

C. Berlin, 11. Juni 1919.

Den Kern der heutigen Aussprache bildet die Fraga der Wiedervereinigung der foztaldemokrati- fchen Parteien. Tas Drängen nach der Wiederver- einigung, das nicht nur in der großen Zahl der An- träge zum Ausdruck kommt, sondern auch in der zum Teil sehr temperamentvoll geführten Aussprache, zu der nicht weniger als 70 Redner gemeldet sind, ist so stark, daß der Parteivorstand klug genug ist, sich nicht der Forderung der Wiedervereinigung entgegenzustel- len. Er weiß natürlich ganz gut, daß eine Wieder- Vereinigung vor allem mit den Kommunisten ein Ding der Unmöglichkeit ist. Nach der langjährig bewährten Praris ist auch hier ein Vermirtlungsantrag einge­bracht worden, der alle die zahlreichen Anträge gewis­sermassen zusammenfaßt. Es wird darin die Bereit­schaft des Parteitages erklärt, in Verhandlungen zur Einigung mit den Unabhängigen auf der Grundlage des Erfurter Programms einzutret-n, sobald die Un­abhängigen die Grundsätze der Demokratie, rückhaltlos anerkennt und jede Gemeinschaft mit der mit den Mit­teln des Putschismus und unter Verwerfung aller, de­mokratischen Grundsätze wirkenden kommunistischen Partei aufgcaeben haben werden. Jin der Aussvrache platzen die Meinungen zum Teil sck>arf aufeinander. Der Begründer des Vernnttelungsantrages, Genoffe Braun, weist in seinem Referate im Grunde genom­men nach, daß eine Einigung Unmöglich ist. Eine Einigung mit Den Kommunisten lehnt, er von vornher­ein och. eine Einigung mit den Unabhängigen bezeichnet er deshalb als unmöglich, weil diese von den Mehr- heitZsozialdemokraten die Ausgabe ihrer Parteigrund­sätze fordern. Er widersprach also eigentlich sich selbst, wenn er sich für die Einigung einsetzte. Er rechnet dabei aber offenbar auf den rechten Flügel der Unab­hängigen, bei dem die Sehnsucht nach der Wiederver- einigung stark ist. Die Folgen solcher Einigung ver- hehlt er sich aber auch nicht. Denn er erkennt offen an, daß eine solche Einigung nur dazu führen werde, daß der stärkere linke Flügel der Unabhängigen dann zu den Kommunisten übergehen würde. Die Ausführungen Brauns zeigen so recht die ganzen Schwierigkerjen der Einigungsfragen, und es ist so gut wie sicher, daß der Weimarer Parteitag so wenig die Einigung der sozial-

Der bayerische Episkopat

für die christliche Schule.

Die Erzbischöfe und Bischöfe Bayerns haben eine Denkschrift über die gorbelangen des bayerischen Episkopats auf dem Gebiete der Schule erlassen und der bayerischen Regierung unterbreitet. Sie stellen darin jene rechtlichen Mindestforderungen auf, welche die Kirche zur Erhaltung einer wahrhaft christlichen Schule erheben muß. Diese Forderungen sind foiaenbe:

'S*r konfessionellle Charakter unserer Volksschulen, der Hauptschule, wie der Fortbildungs- schule muß bewahrt bleiben. Demgemäß muß 1. Die Lehrerausbildung eine konfessionelle sein, 2. Schul- und Lehrordnung, Schulbücher und Schulbüchereien dürfen nicksts enthalten, tvas dem konfessionellen Charakter der Schule zuwider wäre, 3. der Kirche und den katholi­schen Eltern mutz das Recht zugesianden werden, Pri- vatschulen und Anstalten zu errichten und zu erhalten, 4 die konfessionellen Unterrichts, und Erzwhungs'tif- tungcn lind zu schützen und unverändert zu erhalten.

Ter schulplanmäßige, konfeisionelle Religions­unterricht muß gesetzlich anerkannt bleiben als Haupt- uwd Pflichtfach. Tab« ist grundsätzlich fest­zuhalten, 1. daß der Kirche das Recht der Anordnung der Leitung und Aufsicht zusteht bezüglich des Lehr- planes, der Lehrbücher, der Methode und der religiö­sen Uebungen, 2. daß ohne kirchliche Bevollmächtigung niemand Religionsunterricht erteilen kann und daß es der Kirche allein zukommt, die Religiomslehrer zu appro­bieren und ebenso die erteilte Erlaubnis wieder rück­gängig zu machen.

Der Kirche kommt das Mitaufsrchtsr e ch t zu über die gesamte religiös-sittliche Erziehung in der Schule. Daraus ergeben sich als Folgerungen, 1. daz der Religionslehrer vollberechiig es Mitglied des Lehrer­kollegiums, der Pfarrer gesetz" ? Mitglied der Orts­schulbehörde sein muß. (In . Landgemeinden dürste wohl auch die Uebertragung des Borsitzes in der Orts-

Die nahende Entscheidung.

Die Agence Havas veröffentlicht folgenden diplo- «atifchen Situationsbericht vom 12. Juni.

Der gestrige Tag war durch zufriedenstellende Fort­schritte gekennzeichnet. Die Regierungen haben die Eisten wichtigen Punkte zu einer Lösung gebracht. Ean denkt, daß die Antwort der Alliierten auf die deutschen Gegenvorschläge Freitag nachmittag überreicht werden kann, spätestens aber Samstag. Was

Entschädigungen betrifft, hat der Vierer­rat beschlossen, in deti ursprünglichen Bedingungen keine grundlegende Aenderung eintreten -u laffen. Tie Höhe der von den Deutschen zu zahlen­den Entschädigungen wird nicht sofort festge- setzt werden. Die Deutschen werden nur die Mög­lichkeit haben, ihre Vorschläge über die Höhe der Ent­schädigungen, die sie jährlich zahlen können, zu machen. Was Oberschlesien betrifft, wurde die Vornahme einer Abstimmung trotz der Opposition Clemen- eeaus angenommen. Es werden aber für die festge- schte Frist für die Abstimmung Ausführungsgarantien erlassen. Tie Modalitäten der Zulassung Deutschlands in den Völkerbund wurden nicht bestimmt. Die französischen Delegierten werden Einwürfe Vorbringen, die sich einem unverzüglichen oder befrflteten Eintreten «k^utschlands in den Völkerbund widersetzen. Ter Ver­trag siebt keine Etappen vor. Sobald Deutschland Mit. glich des Bundes sein wird, wird es die gleichen wirt- schaftlichen Vorteile bezüglich der Rohstoffe usw. genie­ßen wie die anderen Mitglieder. Deutschland wird eine Frist von 6 b i § 8 Tagen erhalten, um sei­nen endgültigen Entschluß bekannt zu geben. In dieser ftrift sind die für die Kündigung des Wasfeustillstan- des nötigen drei Tage enthalten. Wenn die deutsch« Regierung die Unterzeichnung des Vertrages verweigern tourbe, würden die Truppen Fachs am Tage nach Ablauf der Frist ihren Vormarsch beginnen.

Nach einer Meldung derDaily News" aus Paris, sollen die hauptsächlichen Aenderungen im Friedensvertraq folgende fein:

1. Saarbecken: Wenn Deutschsland es ver­säumt, am Ende der 15 Jahre die Bergwerke in Gold zurückzukaufen, behalten die Einwohner dennoch das Recht, unter die deutsche Staatsobrigkeit zurückzukehren» wenn dies durch Volksabstimmung beschlosien wird.

2. O b r r s ch l es i e n: Es soll eine Volksabsiim- umng unter der Aufsicht der Alliierten abgehalten wer- den. Zugleich erhält Deutschland das Recht, genügend Kohle zu angemessenen Preisen aus diesen Gebieten zu beziehen.

3. Linkes Rheinufer: Der Zeitraum der Besetzung wird wahrscheinlich verkürzt werden. Das Gebiet wird so gut wie sicher einer bürgerlichen und nicht einer militärischen Verwaltung unterstellt werden.

4. Entschädigungen: Man ist noch zu kei­ner Emscheidung gelangt. Wahrscheinlich wird eine Abschätzung der Entschädigungssumme in den verschie­denen HauptteilSn zusammengefaßt und Deutschland Gelegenheit geboten werden, entweder eine eigene Ab. schätzung vorzulegen oder in jedem Falle Bemerkungen zur Berechnung der alliierten Kommissionen zu ma- cken. Dieses Verfahren soll bis, Ende dieses Jahres erledigt sein statt sich bis 1921 hinzuziehen.

5. Völkerbund. Frankreich sträubt sich einer- gisch gegen die Aufnahme in den Völkerbund. Die Neigung, Deutschland in den Völkerbund aufzunehmen, nimmt jedoch ständig zu.

lieber den Standpunkt der deutschen Re« gierung bringen die Berliner Blätter auf Grund einer Information eine Mitteilung, daß die Reichsregierung nach wie vor einen Friedens­vertrag in der jetzt angebotenen Form ab« lehne, daß endgültige Beschlüsse aber erst zefaßt werden dürsten, wenn die 'endgültigen Be­dingungen der Gegner vorlägen.

Das Reichskabinett traf gestern abend in Weimar ein, um in enger Fühlung mit der Nationalversammlung die Stellung zu der Antwort der Alliierten zu beraten. Die deutsche Abordnung wird sich ebenfalls sofort nach Empfang der Antwort nach Weimar begeben.

Die Presse Frankreichs rechnet nicht mit der Un­terschrift. Ihre Hoffnung ist der Sturz der deutschen Regierung und ihr Ersatz durch ein neues Kabinett, das zur Unterschrift bereit wäre. Diese Wendung wäre, soweit der Friede in Frage kommt, ein schweres Unglück für Deutschland, denn es ist sehr wahrscheinlich, daß die englischen und amerikanischen Einwände, die Mm großen Teil auch von Italien unterstützt werden, tad) kurzer Zeit auch von dem allein starrköpfigen Frankreich anerkannt werden würden, falls nur Re­gierung und Volk in Deutschland fest und einig bleiben. Da- deutsche Weißbuch über die Schu ldfrage. .Die feindllchen Machthaber suchen ihre maßlosen Friedensbedingungen zubegrimben" durch die Be­hauptung, daß Deutschland die Schuld an dem Aus- hwch« des Weltkrieges trage, und zwar die allei­nige Schuld. Dieser willkürlichen Anschuldigung tritt «e deutsche «Regierung in dem gestern schon besproche- *n Weißbuch über die Derantwortlichkeit der Kriegs« ®f)tber entgegen. Es geschieht das durch die Ver- "ffenttichung von Aktenstücken, die einerseits das Ver­alten Deutschlands verettdigen und andererseits den Rachweis liefern von der Krigsschuld der Gegenseite.

,5n letzterer Hinsicht werden vorläufig serbische «esandtschästsberichte aus den Jahren 1911, 1913 und 1914 beigebracht, aus denen Nar hervorgeht, wie von ^erbten und feinen Gönnern der Krieg planmäßig vorbereitet und mit kaüblüttger Berechnung auf denrichtigen" Termin festgesetzt wurde. Mit dem russ. Minister Sassonow und dem Zaren selbst wird da »ttabrebet, wieviel serbokroatische Stücke von Oesterreich­ungarn für Serbien zu erobern wären. Wenn der ser-, «siche Gesandte eine halbe Million gut bewaffneter Sol» »oten verspricht, so sagt der Zar Nikolaus:Das ist »vürgend: das ist keine Kleinigkeit; damit kann man uwl ausrichten; für Serbien werden wir alles tun."

3n der Tat, nach dem einleitenden Attentat von ~*r°fetDo hat Rußland all/s getan, und viel ousge» "chtrt, nämlich den Weltkrieg.

Beweisen nun diese Aktenstücke nur die Schuld der suchen Gegner? Nein. Nein. Die Mitschuld der W e st m ä ch t e braucht man nicht erst aus ihrem Dünd- nisverhältnis zu folgern; es liegt ein klares Bekennt- "w der Kriegsschuld vor in den Äußerungen des fron» Mstschen Botschafters Cambon in London, über die der (erb. Gesandte Gruitsch im Sept. 1911 berichtet. Damals wurde bekanntlich von unserer Seite der Ver­such gemacht, über die Marokkofrage mit Frankreich endlich zu einer beruhigenden Verständigung zu gelan­gen. Paul Cambon, der ftanzösische Votschafter, sagte nun:

,Sas Resultat dieser Verständigung wird nur ein Nusschub, des Krieges um drei bis vier

gen angerichtet. Zur selben Zeit wurde versucht, auch bei dem Bahnhof K r e u z b u r g Brücken und Gleise zu spren­gen. Alle diese Unternehmungen waren gut vorbereitet. Die Telegraphen- und Telephonleitungen rings um Rosen- berg waren zerschnitten. Anscheinend war ein größeres Unternehmen geplant. _

Die Tätigkeit der polnischen Agenten m Oberschlesien ist überhaupt in den letzten Tagen sehr rege geworden. Einige derselben wurden verhaftet. Man sand bet ihnen sehr belastende Schriftstücke und Karten.

Nach einer Meldung aus Oppeln stellt sich letzt mit völliger Sicherheit heraus, daß der Ueberfall auf das Forsthaus Lowofchau und das Attentat gegen die Eisen­bahnstrecke bei Schoffchütz Glieder eines großangelegten Ausstandsplanes bet Polen waren. Am Pfingstsonntag sollte die deutsche Herrschaft im Kreise Rosenberg beseitigt werden. Bon dort sollte der Aufstand sich weiter fortpflanzen. Durch verschiedene Haussuchungen in Dörfern ist man zu schlüssigen Beweisen gekommen. In Großborek waren am ersten Feiertage Plakate angeschla­gen, die den Uebergang des Landes an Polen proklamier­ten. Die Putschversuche gehen von einer kleinen Minder- heit aus, die, da sie eine Volksabstimmung fürchtet, vol­lendete Tatsachen schassen wollte.

Im dicht an der Demarkationslinie gelegenen Dorfe Liepe, nordwestlich von Samotschin, wurden vier Deutsche, darunter der Lehrer, von Polen erschlagen und schrecklich verstümmelt.

Bei Subowa an der Bahn SuwalkiMargrabowo wurden 17 Stellen von den Polen gesprengt. Ein pol- ckscher Anschlag auf die Rospuda-Brücke bei Raczki wurde durch die Brückenwache vereitelt.

Polen verlangt Kriegsgerät.

wtb Danzig, 12. Juni. In einem Funkfpruch aus Warschau'an die polnische Militärmission in Paris werden per Sonderzua 10 000 Gasmaken, so­wie Mauser- und Mannlicherpatronen verlangt. Ferner wird die Absendung von Artillerie verlangt. An bett Staatspräsidenten der Polin chen Republik, Paderewski, in Paris, erging die Weisung, den alli­ierten Regierungen und Foch die Bitte des Kriegs­ministeriums zu übermitteln, daß Rumänien den Auftrag erhält, eine bestimmte Anzahl russischer vollzähliger Dreizoll-Batterien sowie wenigstens 3000 Schuß pro Geschütz an Polen abzutreten.

Kommunistischer Generalstreikwahnsinn.

Wie in einer Kommunistenversammlung in Tegel bei Berlin am Dienstag bekannt gemacht wurde, soll Anfang Juli zum ersten Mal der Versuch eines P r o - teststreiks im ganzen Deutschen Reich unternommen werden. Sie Proteststreiks wurden in dieser Versammlung ausdrücklich als taktische Vorbe­reitungen für den nächsten Umsturz be­zeichnet. _________________ _ ______________

* Proteststreikunsinn. In Berlin war in der Sitzung des Vollzugsrats der von den Kommunisten gestellte Antrag, aus Anlaß der Beisetzung Rosa Luxemburgs am heutigen Freitag die Arbeit einzu« stellen, von den Unabhängigen unter Berufung auf einen Parteibeschluß abgelehnt worden. Trotzdem veröffentlicht die Zentralleitung der unabhängigen sozialistischen Partei in der ,Freiheit' einen Aufruf, in dem sie aller Orten den Gen offen empfiehlt, bie Arbeit einzustellen. Demgemäß haben bie Arbeiter und Angestellten der Berliner Straßenbahn beschlossen, von mittags 12 bis 4 Uhr den gesamten Straßen- bähnverkehr in Großberlin ruhen zu laffen. Im übrigen findet der Gen eralstreik diesmal in Arbeiter­kreisen wenig Gegenliebe.

* In Peking wurden an 1000 chinesische Studen­ten, bte den Boykott japanischer Waren predigten, verhaslet. Zum Protest .wurden alle chinesischen Geschäfte und Banken in Tientsin und Shanghai geschlossen.

Jahre sein. . . . Frankreich sowohl als seine Ver­bündeten sind der Ansicht, daß selbst um den Preis grö­ßerer Opfer der Krieg aus einen entfernteren Zeitraum verschoben werden müsse, d. h. auf 1914 bis 1915. Da die Rüstungen nicht vor 1914 vollendet sein würden, so sei man gezwungen, den unvermeidlich gewor- denen Krieg bis zu diesem Termin aufzuschieben. Bon der Bereitwilligkeit Englands, in diesem Kriege tritt Frankreich zusammenzugehen, berichtet derselbe Gruitsch bereits am 9. Noiember 1911 an seine Regierung.'

Sa haben wir das Kriegsprogramm, wie es drei Jahre später wirklich durchgeführt worden ist.

Siefe Aktenstücke sind ebenso durchschlagende Schuld­beweise wie die Zeugenaussagen im Prozeß Suchorn- linow. Sie feindlchen Machthaber lassen sich aber durch die klarsten Tatsachen nicht stören in ihrer will­kürlichen Behauptung, daß Deutschland den Krieg gewollt und geplant habe. Sie brauchen diese Ver­leumdung, um ihre grausamen Bedingungen zu "recht- fertigen". Jetzt muß sich zeigen, ob die neuen Ent­hüllungen wenigstens auf den besseren Teil der geg­nerischen Völker noch Eindruck machen. Etwas Hvfs- nung in dieser Hinsicht ist vielleicht zulässig, weil über­haupt schon eine Gärung in der öffentlichen Mei­nung im Gange ist.

Auf jeden Fall ist von unseren Wortführern das geeignete geschehen, um die Milderung der Friedens­bedingungen zu fördern. Sie Arbeit wird nicht ver- gebesis sein, auch dann nicht, wenn in der nächsten Woche ein Krach in den gegenwärtigen Verhandlungen eintreten sollte.

Unser Recht ans Kolonien.

Von zuständiger Stelle wird dem Wölfischen Tele- graphen-Bmo mitg-tetü: Ausländische Blätter beschäf­tigen sich neuerdings wieder lebhaft mit der von Ker Entente geplanten Regelung der Kolonialfrage. 11 a. wird behauptet, die Entente beabsichtige zwar, Deutsch- land den gesamten Kolonialbesitz zu nehmen,, seinen Wert aber bei der Festsetzung der Entschädigungs­summe irgendwie zu berücksichtigen. Semgegenüber kann nur immer wieder der feste Entschluß ber deutschen Regierung betont werden, auf den bereits des öfteren bargelegten Stanbpunkt, ber bem Punkt 5 der Wilsonschen Ianuarkundgebung entspricht, zu beharren. Sanach kann Seutschland auf seine K o- lonien weder verzichten noch sie verschachern. In bezug auf die Kolonien verlangt es nichts weiter als fein gutes Recht. Kolonien sind für das deutsche Volk eine Existenzbedingung, da es ohne Ko­lonien nicht möglich ist, bem überschüssigen Bevölke­rungsanteil Arbeits- unb Ansicdlungsgelegenheit zu bieten und andererseits die Kräfte dieses Bevölkemngs- überschusses der deutschen Wirtschaft nutzbar zu machen. Sie Regierung kann auch dem deutschen Volke nicht zumuten, einen Friedensvertrag anzuerken- nen, ber es als nicht würdig unb nicht fähig behandelt, weiterhin an der Kulturarbeit ber weißen Rasse in Afrika und ber Sübsee teilzunehmen.

Coslrennungsbeftrebungen in Vaden.

Seiber haben sich auch im Sanbe Baben Personen gefunden, die bie jetzige Zeit für geeignet halten, mit ihrer wahren Gesinnung gegenüber ber badischen Hei­mat unb dem deutschen Vaterlande hevorzutreten. Am 29. Mai wurde in der Gemeinde Legelshurch im Brük- kenkopfgediet Kehl eine Bekanntmachung am Rathause angeschlagen, die folgenden Wortlaut hack:

Das Exerul,v-Koml!«e juc Ue Annexion beS Ge- BieteS des Brückenkopfes Kehl beschließt: 1) Von heute ab existiert die deutsche Autorität und Verwaltung nicht mehr. 2) Wir erkennen alS rechtmäßige Autorität nur noch die französische Zivil- und Milnär » Behörde an, deren Anordnung allem wir Folge leisten werden. DaS Exekutiv-Komitee für Legelshur t."

Gleichzeitig wurde im sog. badischen Hanauerland ein Gesuch an die französische Regierung herausgegeben, in dem der Anschluß des Gebietes an Frankeich ausge­sprochen wird. Sen Landesverrätern ist es bis jetzt gelungen, etwa ein halbes Hundert Unterschriften zu gewinnen. Sie Agitation der Franzosenfreunde hat aber in ben letzten Tagen in allen Gemeinden des Ge­bietes mächtig eingesetzt unb erfreut sich natürlich ber Unterstützung der Franzosen. Sos Lockmittel ist das alte:Wenn ihr euch los macht vom deutschen Vater­lande, dann habt ihr nicht teilzunehmen an ber Zahlung ber gewaltigen Kriegslasten, die die Feinde Seutsch­land auferlegen werden. Für eure landwirtschaftlichen Produkte werdet ihr im Elsaß wesentlich mehr erlösen als in Seutschland. Also macht euch frei von euerem bisherigen, jetzt unglücklichen Vaterlande."

Wie man hört, wird von Seiten der Regierung mit aller Schärfe eingeschritten werden gegen dieses landes- verräterifche Treiben. Vielleicht interessiert es ange­sichts gewisser Verdächtigungen, bk in ber letzten Zeit da und dort gegen Zentrum und katholische Kirche ausgesprochen worden sind, daß die Leute, die im ba­dischen Hanauerlande die Abfallbewegung betreiben und fördern, weder Katholiken noch Zentrumsleute sind. Es handelt sich vielmehr um eine rein protestan­tische Gegend, bie stets geschlossen und einstimmig n a - tionalliberal gewählt hat.

3m Osten Preußens.

Ser parlamentarische Aktionsausschuß Nord hat ben Bischof von Ermlanb um Auskunft ersucht über eine Meldung, baß unter der Präsidentschaft des Bi­schofs eine selbständige Republik aus den Provin­zen O st- und W e st p r e u ß e n erstehen solle. Der Bischof antwortete, er habe von den albernen Nach­richten erst durch die Presse Kenntnis erhalten. Der Plan stamme von dem Pfarrer Meyska, ber auf eigene Faust gehandelt habe. Er, der Bischof, stehe bem Plan vollständig fern, und der gesamte Klerus der Diözese Ermlanb lehne das Projekt entschieden ab.