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| Donnerstag 12. Zum 1919. | jffi« -'Amw? M!^Äs^Ad2^uid«r^gE^'.! ^ahrg.

I Be»<n.twvrüich fiir den redaktionelle» Teil: Sari Schütte.

[IT.I fLrdie Anzeigen: AParzeller,Fulda. Rotationsdruck.

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Olgas Irrtum

18)

Der Wert des deutschen Weißbuches besteht in der Mitteilung zahlreicher geheimer Aktenstücke, welche vor allem die vertraulichen Angelegenheiten Rußlands und Serbiens beleuchten und dartun, daß diese beiden Mächte in erster Linie für den Ausbruch des Weltkrie­ges verantwortlich sind, wobei natürlich gegen die Mit­schuld Frankreichs und Englands nichts gesagt ist.

In feierliches Schwarz gekleidet hatten sich die Lehr­personen in der Bibliothek eingefunden. Die Herren standen in einer Gruppe zusammen und tauschten ernste Bemerkungen; Fräulein «Springer fand es -geradezu absurd, wie Bohnenstangen mn den grünen Tisch sich aufzupflanzen, und machte den Vorschlag, daß man sich setze. Diese Idee ward annehmbar gefunden, und so ließ man sich nieder. Da wurden «Stimmen in? Korrdor laut, und wie elekkristert sprang man allseitig wie­der empor. Olga, die bisher etwas aoseits in einer Fensternische gestanden, trat etwas hervor, doch so, daß die dunklen Manilavarhänge sie noch HÄD verdeckten. Die «Schritte im Korridor näherten sich der Tür, die Herren führten ein animiertes Gespräch und lachte« laut und ungeniert. Dann sprach nur ein einzelner Herr, eine männlich klangvolle Stimme. CJag fühlte.

Um die Aufrechterhaltung der Eisenbahnbe triebe zu sichern will die sächsische Regierung bir Kohlenvorräte auf den Werken des Lugaw Oelsnitzer Steinkohlenreviers beschlagnahmen

* Die Berliner Straßenbahner verlangen eine neue EntschuldungSsumme von je 700 Mark, das Bureaupersonal sogar von 1200 Mark. Das «straßen­bahnerpersonal hat gegenwärtig ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 65007000 M., in vielen Fallen von 7200 M. und darüber. Die Einkünfte des Aus- sichtspersonals sind noch um 1200 M. höher. Diese Betrage gehen weit über das hinaus, was die große Mehrzahl der mittleren und sämtliche Unterbeamte in Staat und Gemeinde erhalten. Selbst die Bezüge mancher Gruppen von höheren Beamten bleiben noch hinter den Einkünften der Straßenbahner zuruck. DaS Mißverhältnis ist um so größer, als dir StraßenbahnangesteAen zu den ungelernten Arbeitern zu rechnen sind. Ihre Ausbildungszeit betragt 24 Wochen. . ...

* Die Räumung der Baltischen Provinzen t;t, tote von der Waffenstillstandskommission mitgeteilt wird, im Gange. Bis jetzt sind eine Division, zwei Brigaden und ein Detachement abgefahren und in Deutschland angekommen. Zurzeit fahre» Material, trän sparte. , ,

* Keine Ungültigkeit der Brasilianischen Finanz. Verträge aus der Bor-Kriegszeit. Den Bestimmungen im Friedensvertrag über die zwischen Feinden abge- schloffenen Verträge ist Brasilien, unter Hinweis auf die Verfassung und das geltende Recht nicht beige­treten. Die zwischen Brasilianern und Deutschen abgeschlossenen Verträge find also nach Friedensschluß als qiltig zu betrachten. .

* Berliner Finanzleute suche«, tote die ,Agen«a Americana* meldet, in Argentinien große Kre» dite »ach, um sofort nach Friedensschluß Lebens- mtitel für Deutschland einzukaufen. Die Garantien würden durch eine Genoffenschaft übernommen werden, die die Mithilfe deS deutschen Besitztums in Argentinien beansprucht.

ventsches Reich.

* Berlin, 11. Juni. Die Nachricht, daß wesent«' liche Aenderungen in der Ein- und Ausfuhr-Politik beschlossen seien, wird von der Regierung als falsch bezeichnet. Gegenüber der Annahme, daß Volks­schullehrer - Stellen an besonders begabte Militäran- toärter vergeben würden, erklärt das Ministerium für Volksbildung, daß jemand Lehrer nur nach ent­sprechender Vorbildung und Ablegung der vorge­schriebenen Prüfungen werden könne. Das Kriegs­ministerium teilt mit:Die Verleihung des Ordens Pour le merite und anderer Kriegsorden, außer dem Eisernen Kreuz, findet nicht mehr statt." Im Ministerium des Innern ist ein Gesetzentwurf seriiggestellt, der die Auflösung der Provinzial- und Kommunallandkage und rhre Neu­wahlen auf demokratischer Grundlage bis 1. August 1919 vorsiht. Für die besetzten und teilweise be­setzten Provinzen also auch auf Hessen-Nassau hat das Gesetz einstweilen keine Geltung. Das Staats­ministerium erhält aber die Ermächtigung, es auch in dielen Provinzen einzufützren.

Der Gesetzenbvnrf über die Betriebsräte. Die im Reichsarbeitsministerium eingesetzte Kommission, zur Beratung des Vorentwurfes über ein BetricoörcuL- Gesetz hat ihre erste Lesung beendet. Eine Annähe­rung der Auffassungen haben die Beratungen noch nickt gebracht. In der Wahlrechtsfrage derlangten die Ar­beitnehmer eine wesentliche Herabsetzung der Alters-

Vor der Antwort der Entente.

Au zuständiger Stelle m Berlin erwartet man, daß ge Antwortnote der Entente am Donnerstag oder Frei- mg der deutschen Delegation übergeben werden wird. Nus Paris kommt dazu die nicht mehr ungewöhnliche Ankündigung, es werde uns ein Ultimatum gestellt gerben, wonach wir unsere Zustimmung in kürzester Frist zu geben hätten. Der neueste Bericht über die äplomatische Lage sagt, der deutschen Delegation werde keine Gelegenhest zur Aussprache mehr gegeben wer- teH. Die deutsche Delegation werde eine Frist von höchstens acht Tagen erhallen, um nach Berlin zu fahren, sich mit der Regierung zu besprechen und tcbann die Antwort bekannt zu geben. Andere Mel- brnigen sprachen sogar von nur 5 Tagen Frist.

Ws zu Anfang Mai der großeFriedensvertrag" zum Vorschein kam, hieß es auch, Deutschland werde nur eine kurze Zell zm Prüfung und Entscheidung er­hallen, obschon die Entente sich doch reichlich Zeit ge­nommen hatte. Es wurde aber hn Mai die Suppe nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht war. Die Gegner nmßtm sich sogar zu einer Verlängerung der 14tägigen Frist verstehen.

Wenn sie jetzt wieder nur eine ganz kurze Frist geben wollten, so wäre es unhöfüch und ungerecht, aber «schrecken brauchen wir deshalb nicht. Im Gegenteil: das übermäßige Drängen wäre ein Zeichen von Schwäche. Wer sich seiner «Sache sicher fühü, braucht nicht mit jedem Beratungstage zu geizen. Wenn die feindlichen Staatsmänner es jetzt so eilig hak«», so muß chnen jede weitere Verzögerung sehr gesähr- lich erscheinen.

Warum haben sie sich selber nicht mehr beellt feit der Ueberreichung unserer Gegenvorschläge? Von den 14 Tagen hätten sie gewiß mehrere uns sparen können, wenn sie nur schnell einig geworden wären.

Warum sollen wir uns jetzt so beeilen? Weil die Gegner fürchten, bei jeder Verzögerung und weiteren Verhandlung könnte einerseits das geflickte Einverneh- men unter den Staatsmännern und andererseits die Stimmung ihrer Völker in die Brüche gehen.

Um fo weniger werden wir uns zu Ueberstürzung veranlaßt fühlen. Wir können von rechtswegen eben­so viel Zeit zur Prüfung der Antwort verlangen, wie die Gegner zu ihrer Aufftellung gebraucht haben. Wenn sie unsere Gegenvorschläge in der Haupffache einfach angenommen hätten, so wäre ja unsere Entscheidung nn Handumdrehen zu treffen. Aber nach allen bis- hengen Verlautbarungen ist zu befürchten, daß die Zu- gestandmsse hinter unseren Forderungen wesentlich zu- ruckblecken. Dann muß man unseren Delegierten, un- serer Regierung und unserer Nationalversammlung die notige Zeit zum Abwägen und Beraten kaffen, ehe wir nS "FA'dende Wort sprechen und die folgenschwere umerfchnft entweder geben oder verweigern.

Die deutsche Nationalversammlung ist auf alle Fälle vorbereitet. Ne ist auf heute nach Weimar geladen undkann schon am Freitag Beschluß faffen, wenn die umstände das angezeigt erscheinen lassen. Sollte je- oocy die Sache nicht schon vollständig spruchreif sein, oann können wir ruhig uns eine Ueberfchreitung der flte 0Ut,en ®^ner riskieren dabei dann mehr

Es mehren sich nämlich die Anzeichen, daß die Krregsmüdigkeik auf der Gegenseite Tag für °f ^unnnmt. Sowohl in den Truppenkörpern, die und Abrüstung verlangen, und den wei- ^euen, aIs auch in dem Heimatlande, Stre!fs em besseres Bild von der Volksstim- stmmung geben, als die Preffeartikel.

übS!^--die einzelnen Vorgänge nicht nimm* Doch wenn man alles in allem

E doch sichtlich eine Gärung im Gange. Wir fort <£'^ere nuge und zähe Taktik Bresche ge- firf-Lh uC2-D'kiotwillen der Machthaber, und die Un- 22$ die durch die übertriebenen Forderungen her- e" JL die schlummernde Sehnsucht nach

$3enn man uns zur Verweigerung der Unterschrift Sen die Völker sich sehr schnell bewußt

furchtbare Lasten und Leiden ihnen -J) he Wiederaufnahme der Feindseligkeiten beschie-

Verlefung des Hlrtenbne,es zum. Bomfat usiub laum sogar von stanzösifchen Offizieren überwacht. Pfarrer mußten wiederholt ihre Predigt vorzenfieren lassen. Das Hirtenschreiben des Lrmburger Bischofs durste überhaupt nicht verlesen werden.

Die Streikbewegung

in den Ente ntelsnveru.

Die große französische Streckbewegung hat nach einem Bericht derNeuen Zürckwr Zmtmm mich mq Lst"-'ää*'» Ä »airitai in S»»»-». i»

Departement sind au-standig. Tie «Streiks d S leuie und Metallarbeiter dauern aiiHu nmnite" undJournal" melden weiter Streckunricher in den französischen Hafenstädten In f? znsche Industriegebiet tn Sudfrankreich find Maroii ner und andere Kolonialtruppen wegen der Unzuoer. lässicsteit der dortigen französischen Regimenter f-inge. -stickt Man berichtet bo-n Meutereien nickck n^ aus Toulouse, sondern auch aus Rouen und Mar. s e i l l e, wo mehrere Aufrührer verhaftet und de» Kriegsgericht überwiesen wurden.

In Paris konnten die Untergrundbahn-rmd 0mnv busgesellschaften eine Anzahl Untergrunbzuge O-rm» buffe und Straßenbahnen, die von Streikbrechern ge­führt werden, in Betrieb erholtem Mehrere Straßen, bahntvagen, die das Depot verlcysen wollte^ wurde von Streikenden umgeworfen und m Brand Hsteck".

Die «Newerkschaftskommrsston hat in ganz. Frankreick die P r o k l a m a t i ° n -mscklagen laffen tn der V politischen Forderungen bet Arbeiterschaft, sofortige D Mobilisierung der Armee Amnestie für alle ttahttj. Verurteilten einschließlich der wegen Meuterei beiM ten Soldaten und Matrosen sowie Zurückziehung allck fratnzösischen Truppen aus Rußland Ungmm.usw. bet' langt werden. «Sämtliche großen Gewerkschaften aw die Eisenbahner und Grubenarbeiter haben erkiark auf Beschluß der Kommission die Arbeit elnzustellm. Die KonMTission beschloß, , die Wwn enispreckend

fSW« M tsi, 'Ä&V sationen auf den 14. Jun i angesetzt.

e*n Italien nimmt bte «Ärerkbewegung etna immer bedrohlicherem Umfang an. Seit dem 7. ^uns herrscht in Venedig (Stabt) und der Provinz de, Generalstreik aller Berufe. Auch die Backer sowie d^ städtischen Arbeiter der Gas-, Wasser- und El.rtrizi tätswerke streiken. Die Streikbewegung m N t: a »ei nimmt immer größeren Umfang.cm. In den. umba geuden Probinzstädten hat sich die Mehrzahl der ckv beiter dem «Streif augeschloffem .

In England sprachen sich, wie aus Manchen« gemeldet wird, 287 000 Arbeiter der Baumwollmbu strie durch Abstimmung dafür aus, am 21. Juni tn de, Streik zu treten. Nur 6000 waren gegen den Streck Verlangt wird u. a. eine Lohnerhöhung und Herab setzung der Arbeitszeit auf 46 % «Stunden.

Deutsch-OesterreichS Antwort.

Der österreichische Staatskanzler Renner hat am Dienstag dem Ministerpräsidenten Clemeneeau eine Note überreichen lassen, in der er den Mächten der Entente vorstellt, daß das deutsch-österreichische Volk durch die Bedingungen der u n e n t b eh rlt ch- st en Mittel» zur Erhaltung seines wirffchaftlicken Lebens und zur Aufrechterhaltung der Ordnung be­raubt werde. Gegen ihren Willen würden mehr als vier Million en Deuffch-Oesterreicher einer feind­seligen Fremdherrs chaft unterworfen. Der neue «Staat Knute nur ein Viertel der für seine Bevölkerung notwendigen Nahrungsmittels und anderen Erzeugnisse hervorbringen. (St müßte jährlich 12 Millionen Ton­nen Kohlen kaufen. «Sr könnte die notwendige Einfuhr nicht durch Ausfuhr decken, weil ihm mit den deuffchen Gebieten Böhmens, Mährens und «Schlesiens fast alle Exportindustrien entriss en würden Gleich- zeitig würde sein Transportwesen finanziell imd" betriebstechnisch ruiniert. Die Einfuhren würden nicht zu bezahlen fein.

Die Note weist ferner darauf hin, daß der Umrech- nungsschlüffel für die «Schulden der deutsch-österreichi­schen «Staatsangehörigen so festgelegt werde, daß sie un* gefähr zweimal soviel bezahlen müßten, als sie tatsächlich schulden. Die Entziehung deS im Gebiete der früheren Monarchie bestndlichen, fast des ganzen Vermögens der deutsch-öjterreichi- schen Staatsbürger wäre eine Unmöglichkeit. Damit würde der vollständige finanzielle Zusam­menbruch des «Staates berbeigeführi werden.

Aus den angeführten Gründen müßten die Frie- denÄeditMMgen sehr wes-ckitlicke und grundsätz­liche Aenderungen erfahren, lieber die Rege­lung der territorialen Fragen würden schon in den nächsten Tagen von deutsch-österreichischer «Seite Vor­schläge gemacht werden. Zur Entwirrung der wirt­schaftlichen Beziehungen der auf dem Boden Oester- reich-Ungarns entstandenen «Staaten schlägt die Nvte die Schaffung eines besonderen Ausschusses vor, in dem auch Deutsch-Oesterreich Mitwirken würde. Der Friedenssckluß könnte erfolgen, ohne den Abschluß der Arbeiten dieses Ansschuffes abzuwarten. Die Zerstücke­lung und wirtschaftliche Vernichtung Deutsch-Oestat- reichs würde sich in ihren Folgen nicht auf Deuffch- Oesterteich beschränken. Es würde ein politisches und soziales Ehaos bewirkt werden, in das unvermeidlich die nächsten Nachbarn verstrickt werden wür­den und deffen finanzielle Auswirkungen u n ab f e tz- bar seien. ___________

Aus dem besetzten Gebiet.

Der stellvertretende Regierungspräsident 6er olden- burgi schert Provinz Birkenfeld, Oberregierungsrat Pralle, wurde auf Befehl des Generals Mangm sei­nes Amtes enthoben und aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen. Es liegt Shstem in diesen Aus­weisungen. Tie Franzosen wollen sich aller Stützen und Führer der deutschen Bevölkerung entledigen, um dann für ihre Machenschaften, die es doch nie zu einem dauernden Frieden kommen lassen werden, freies Spiel zu haben.

Generell Mangin hatte an Bürgermeister Dr. KM in Mainz ein Telegramm gerichtet, daß die fran­zösische Armee in Sachen der rheinischen Republik ge­genüber bereu Anhängern und Gegnern absolute Neu­tralität einhalten wird. Trotzdem verbot ManMn die Veröffentlichung einer Entschließung bet städtischen Körperschaften in Mainz, worin sie dem General Man­gin erklärten, daß sie die Rheinrepublik nicht m neu werden. Z8e Tagesordnung einer «stabil_____

netenbersammlung. in bet zu dieser Frage Stellung ge­nommen werden sollte, wurde nicht genehmigt. Fran­zösische Mlitänantomobile durchfuhren am Freitag und «Samstag Rheinhessen und warfen in einzelnen «Orten Flugblätter ab, in welchen Dorten seine Staatsgrün­dung schmackhaft zu machen suchte.

fa, fH wieder an jene Frage, die et einst

6ie "a8ti5 würden Sie tun, wenn ein Mann

äntaim4rat^t- Sie erinnerte sich auch ihrer

was sie damals mit tmfceriiSt $t.

E Torheit. Vergeben konntesie Sb "icht verzechen! Rur verachten!

kEdes ferner Worte, die er bei jener gesprochen, ins Gedächtnis zurück und fand Stöfcte Schuld. Wenn er damals schon toitrhta^h^ ."V1 ,^rem H«sen jenes grausame, ent- fo aU teiBen' bann war er nicht mehr

toar 2. 'J^er Verachtung anheim zu sichen. Dann

SJ ^effter «Seele schlecht.

^^rMlem, es ist fo bunlri hier, darf ich die Lampe Mn frisches, rotwangiges Mädchen streckte den Kopf Ls Ed stellte die Frage. Olga sprang

Fenst-r Sinnen empotgeschreckt auf und schritt zum beso^^ ^Ehen; ich werde mir die Lampe selber

stch wieder, und Tuschen schlich auf der / bavon. «Tuschen hatte Olga täglich auf Meierei gesehen, wohin sie Älsommerlich ihre fortte fi Darauf, als sie eine Waise wurde,

lut»») tp6 r sich geraunnten und gedacht, daß, wenn L, Erlassene beisammen wären, das Leben sich leich- r ^fcagen lasse. Die Abende waren für Suseben 4^; J^aMoten Stunden. Dann saß sie mit ihrem es L^^^ El Kamin auch zur Sonunerszeft ftÄrSLnun Enal ihr Platz, und erzählt« in ihrer ^En Weife die Erlebnisse des Tages und was ihr r^ryund Drolliges beim Kochen passiert und freute tocnn unschickdsfrohes Lachen auch ^« Abglanz der Heiterkeit auf dem Marmorantlitz nT1®wncn Herrin hervorzauberie. Sie hing näm- ^Ettffcher Siebean ihrem Fräulein", das ZT pur kalk und herzlos hielt doch sie kannten alle nicht nicht wie SuSchen st« kannte: Lin »cenfch wollte es ihr glauben­

den wären. Uns ginge es freilich dabei auch schlecht; aber wir hätten doch die Zuversicht, daß diese letzte Heimsuchung nicht lange dauern könnte. Und überdies würde uns das Bewußffein stärken, daß wir um un­seres Lebens willen nicht anders handeln konnten, während auf der Gegenseite die Erkenntnis durch­bräche, daß man unvenneffener Weise die angebotenen Vortelle abgelchnt habe, um sich wegen trügerischer Mehrhosfnungen in schwere Röte zu stürzen .

Wir können gefaßt die Entwicklung abwarten, wenn wir unkererseits mit einig und fest bleiben, während die Einigkeit und Fcstigkeft auf der Gegenseite abnimmt.

Verwirrung im Friedensrat.

Dem ,,.R Rott. Tom." zufolge meldet der Paristr Korrespondent des ,^>ally Telegraph" vom Dienstag: Die Lage ist heute beunruhigend, was auf Unsicher­heit und Mißverständnisse zurückzuführen zu fern scheint. Die Hauptursache der augenblicklichen Serroimmg liegt nicht so schr bei den Meinungsverschiedenhetten im Fricdensvertrao wie in der allgemeinen Erbitterung und Müdigkeit. Die ClosttzUSt der Franzosen scheint schließlich einer oLgemeinen Unsicherheit Platz zu machen. Clemeneeau hat eine schlechte Presse. Ich glaube aber keinen Augenblick, daß. stlbst diejenigen, die die schärffte Kritik an ihm üben, kn diesem ernsten Moment den Führer wechseln möchten. Ein anderes Mitglied des Dierererates, deffen Frechett bisher unbeschränkt war, Wilson, wird jetzt durch das Sustreten seiner poütischen Gegner ebenfalls behindert. In mancher Beziehung ähnelt die Lage, in der Wüson sich befindet, jetzt der Elemen- ceaus. WUson ist, wenn er auch nicht imstande ist, ferne eigene Polittk aufzudrängen, doch mächtig genug, jeder anderen Politik einen Riegel vorzuschieben.

Der amerikanische Senat

gegen die Unterzeichnnng.

wtb Washington, 11. Juni. Der republikanische Senator Knox brachte einen Antrag ein, in dem erklärt wird, der Senat könne sich den Bestimmungen be8 Do lkerbundv ertrag es nicht anschließen nnb schlage für die Unterzeichnung eine Trennnng deS BAkerbundvertrageS vom Friedensvertrag vor. MeS würde jedem Volk gestatten, sich seine Ent- schesttung über den Völkerbund ohne Nachteil vorzu- behalten. Der Antrag wurde dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten zur weiteren Erwägung überwiest«. Dem Vernehmen nach wird eine Ent­schließung als offizielle Mitteilung an die Friedens­konferenz beabsichtigt, wonach der Senat sich der Unterzeichnung deS Friedensvertrages in seiner gegenwärtigen Fassung widersetzen werde.

Alle Senatoren haben jetzt ei» Exemplar des Friedensvertrag es erhalten, das als Kon­greßbericht veröffentlicht und den Zeitungen zu­gestellt wird.

wtb Washington, 11. Juni. Der Präsident des amerikanischen Kongresses ist gegen den Vorschlag, daß England und Ine Vereinigten Staaten im Falle eines deutschen Angriffes helfen solle». Er erklärt, daß der VAkerbund den Weltfrieden sicher» solle, bann sei ein englisch-französisch-amerikanisches Neben­bündnis unnütz, da eS nur das Mißtrauen ht die Wirksamkeit des Völkerbundes beweisen würde. Wenn diese drei Länder ein besonderes Bündnis schließen, warum soll dann Deutschland, Rußland und Japan nicht auch ein gleiches tun?!

Die Verantwortlichkeit der Kriegsnrheber.

Me deuffche Regierung hat über die Verantwort­lichkeit der Urheber am Krieg soeben ein Weißbuch erscheinen lassen, dos auf 187 Seiten neben manchen be­kannten auch noch nicht veröffenttichte Dokumente bringt. Es enthält nicht das gesamte Material über die dem Krieg vorausgehenden diplomottfchen Vorgänge, wo­rüber eine besondere Denkschrift vorbereitet wird, son­dern es soll im wesentlichen nut die tatsächlichen Be­hauptungen belegen, die in der in Versailles über die Schuldfrage zusammengestellten deuffchen Denkschrift gemacht worden sind. Das Weißbuch dient so zur Ent­kräftung der Ententedenkschrist, die die alleinige Schul­der Mittelmächte am Weltkrieg hatte feststellen wollen, um daraus die ungeheueren Friedensforderungen z« begründen. Diese Ententedenkschrist hatte sich im we- senttiihen auf die Denkschrift des Fürstm Lichnowsky und die Veröffentlichungen von Kurt Eisner gestützt.

Auch cm dem in Rebe stehenden Abende sich sie auf dem kleinen «Schreibttfche die bekannten blauen Hefte und über dieselbe» das Fäule in ungewöhnlich ernst und schweigsam gebeugt.Haben die Mädel mal wie- der an jedem Wortnen Fehler fitzen," dachte sie miß. stimmig, als fiele ihr bte harrende Arbeit des Bessern zu, und langte nach ihrem Strickstrumpf, es war doch heutePlauderabend", und daß sie um denselben kom­men sollte, wollte ihr gar nicht in den Sinn.

Um acht Uhr begonnen, und mm stand der Zeiger schon wahrhaftig auf Viertel vor neun. Mußte das ober ein verworrenes Geschreibsel sein; ei, in dersel­ben Zeit hätte sie ja den Fuß ihres «Strumpfes fertig bringen können! 9hm, da schlug es schon neun! SuSchen kam ein böser Verdacht, «sollteihr Fräu­lein" etwa eingeschlafem sein? Und um sich bald, möglichst zu überzeugen, duckte sie sich Nieder, schaute zwischen dem Arme durch, in dessen Handfläche baS Fräulein den Kopf stützte und war nicht wenig bestürzt! Ihres Fräuleins Augen ruhten beileibe nicht auf den zierlichen Buchstaben des Heftes; aber ein darin noch nie gesehenes Etwas lag darin, ein feuch­ter Glanz, ein sonderbares Flimmern! Ja gewiß, es waren Tränen!

Die Zensur auf der Kanzel.

mp 21lain3, 11. Juni. Die französische Zensur ist fest einigen Tagen außerordenillch verschärft und er­streckt sich sogar jetzt auf die bischöflichen Hirten- b r i e f e. Von diesen darf in den Kirchen nur das verlesen werden, was der französische Rofftift nicht beanstandet hat. In verschiedenen Kirchen wurde die wie alles Blut ihr zu Herzen drang, als müsse sie er- ftiefen, sie fühlte auch befft forschenden Blick Dr. Stür- mers, und doppelt schwer wurde es ihr, vor so vielen Auge» ihre Fassung zu bewahren. Da ging die Türe auf, ein kleines, hageres, straomws Männchen, die klugen Augen m der Runde schweifen lassend, trat ein. Olga erkannte eS mit freudigem Schreck; es war Minifkrialdirektor Glöckner, ihr Freund und Be­schützer! Wie kam er hierher? Ihm folgten die übrigen HerrÄi, freundlich nach allen Seiten grüßend. Olgas Blick hing an der Türe, in deren Rahme» die gebietende Gestalt Tettens erschien. Das war derselbe schöne, trotzige Mann, dasselbe sarkastische Lächeln in seinen MNndtvinkeln, derselbe kühne, selbstbewußte Blick. Da war auch nicht ein sichtbares Zeichen der- borgene»t Kummers, quälender Gewissensbisse z» fin- den. Er fühlte nichts! Er lttt nicht! Und sie--

Noch konnte er sie nicht bemerft haben, Ministerial­direktor Glöckner teilte mit, daß sein Kollege erkrcmft und er deshcüb an seiner Stelle die Jnspekttomsreise unternommen habe. Darauf bat der Herr Direktor um bie Ehre, den hohen Herren bas Kollegium vor- stcllen zu dürfen, und begann mit den Damen.

Da will ich schon bin Anfang machen," sagte Mini- ffertalbirtittor Glöckner launig und ging mit ausge­streckten Händen auf bte ihm entgezerteilende Olga zu.

Fräülein Olga Gastrow, meine Herren! EÄt Vermächtnis meines verstorbenen Freundes und mein spezieller Schützling!"

Die Herren kamen nicht aus dem Neigen heraus, selbst der Herr Direftor Ernst knickte bei dieser Er- öffmmg wie ein ABC-Buch zusammen. Nur einer stand regungslos wie erstarrt, und seine Blicke hingen mit erschreckender Starrheit auf Olga, die mit bin Herren plauderte, «sie fühlte seine Blicke auf ihr hasten und wanbte langsam das blonbe Haupt nach ihm. Ein frettdiges Leuchten zuckte aus seinen Augen, er schien auf sie zueilen zu wollen da streiften ihn die kalten, stolzen Augen und ließen ihn noch rechtzeitig erkennen, daß hier ein Irrtum obwalte, der vor so vielen fragen« den Augen nicht gelöst werden durfte, daß er sie wieber- habe, um sie wieder zu verlieren. j(F. f.)>