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| Mittwoch 11. Juni ,9,4. I I 4S- 3a(irl
scher und diplonrattscher Selbstherrlichkeit. Daß für die Aufrechterhaltung einer folchen Methode Millionen von Menschen ihr Leben lassen, und Millionen anderer zu Krüppeln werden mußten, ist der blutigste Hohn auf die heuchlerischen Redensarten, unter denen auch Frankreich die unerbittliche Fortsetzung des Krieges bis zum Ende trotz vielfacher deutscher Annäherungsversuche und Friedensanerbietungen zu rechtfertigen suchte. Die neue Zeit wird keine Zwangsherrschaft ertragen und die Sklaoenketten, die der französische Imperialismus Deutschland umzuwerfen beabfichiigt, werden wieder zerbrechen. Frankreich wird am eigenen Leibe erfahren müßen, daß die Sklaverei und die Unterjochung ganzer Böller heute nicht mehr möglich sind. Frankreichs Werk wird sich an Frankreich selbst rächen!
Ortungen TextauSzüge eines vollständigen Exemplars, das der Korrespondent der „Chicago Tribüne" in Paris erhalten haben will uni> das den vollständigen englischen und französischen Text enthält. Im Senat legte Senator Borah ein Exemplar des Friedensvertreges von, das von einem Zeitungskorreipandenten nach Amerika gebracht worden ist. Der Senat ordnete mit 47 gegen 24 Stimmen an, daß der Friedensvertrag als öffentliches Dokument gedruckt wird.
Damit ist in einem der Ententeländer das Prinzip der Geheimhaltung jener Mordbedmgungen durchbrochen. zu deren Unterschrift nach dem Willen der Vier Deuischicnd gezwungen werden soll. Da gleichzeitig in der amerikanischen Presse Klagen über Klagen darüber geführt werden, daß dec Roänichtendienst nach Amerika vollkommen zerrüttet märe, daß Stöße über Stöße von Kabelielegramme unbesördert dalögen, so wird die öffentliche Meinung Amerikas jetzt zum ersten Male einigermaßen in die Lage gesetzt, darüber zu urteilen, in welcher Weise Wilson seine berühmten 14 Punkte in dem Friedensennvurf hat auslegen lassen. Es ist vorauszusehen, daß die öffentliche Meinung Amerikas dadurch etwas günstig für uns beeinflußt wird., doch möchten wir warnen, selbst an eine scharfe Opposition gegen Wilson in der Friedensfrage große Hoffnungen zu knüpfen. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat nach der Verfassung dieses „demokratischen" Landes eine so große Machtfülle, daß ihn auch eine Opposition des Kongresses gegen feine Friedenspolitik kaum allzu sehr bchindern dürfte.
Deutsch-Südwestafrika.
Der Pariser Korrespondent der „Daily News" meldet, unter vielen Buren in Südafrika scheine W- Migitng g e g e n bi« Annahme des Mandats über Deutsch-Südwestafrika durch die Südafrikanische Union zu herrschen. Viele Buren seien dafür, daß Deutschland die Kolonie weiter verwalte, jedoch unter der Kontrolle des Völkerbundes. _
17, <17 I Verantwortlich für den redaktionellen Teil; Kart Schütte. II*• I sür dte Anzeigen: I. P arzeller, Fulda.— Rotationsdruck.
Deutsche; Nelch.
Großadmiral von Holtzendorff ist an den Folgen einer Operation in Prenzlmr g e st 0 r b en.— 18ö» -u Berlin geboren, trat er 1869 wt die damalige Norddeutsche Bundesrnarine ein. Nachdem er dann lwnge Jahre hindurch Frontdienst am Bord getan hatte,wurde er 1909 als Vizeadmiral mit der Führung der^Hochseeflotte beauftragt und 1910 zum Chef der Hochseeflotte ernannt. Während des Krieges wurde er al- Na^ folger des Admirals von Pohl zum Chef des Ad- mrr alstab es der Marine ernannt. Ws, er int Juli 1918 zurücktrat, wurde er zum Großadmiral be- fördert. Er war ein Anhänger des U-Bootkrieges und hat bei der Entscheidung für die Erklärung des uneingeschränkten U-Bootkrieges ausschlaggebend mitzewirtt.
Die Aachschulaussicht in Preußen. Die gegenwärtigen nebenamllichen Kreisschulinspektoren, Die nicht Fachleute sind, werden vom 1. Oktober ab von ihren Dienstobliegenheiten entbunden. Mit dieser Regelung ist die Fachschulaussicht in Preußen nunmehr durchweg eingeführt. — Ms nebenamtliche Kreisschulinspektoren amtierten nur noch protestantische Geistliche., In den katholischen Bezirken war die Kreisschulmspektion schon längst den katholischen Pfarrern genommen. .
Der sozialistische Parteitag trat am Dienstag in 23et- mar im Sitzungssaal der Nationalversammlung zusammen, Es waren gegen fünfhundert Personen anwesend und daq weibliche Geschlecht war ziemlich stark vertreten. Namens des Parteivorstandes sprach Hermann Müller. E» feiert die Erfolge der Revolution, gibt aber zu, daß me- mand an ihnen so recht Freude habe, da die Zeit der sozialdemokratischen Regierungsübermchme znsammentrefss mit einer Zeit tiefer nationaler Schmach. Scharf rechnet er ab mit den Kreisen, denen er die Schuld an dem deutschen Zusammenbruch zuschiebt. Die Schuld der Unabhängigen an der Patteispaliung und an der Verhinderung einer sozialdemokratischen Mehrheit in der Nationalversammlung wird von dem Redner unter lebhafter Zustimmung hervorgehoben. Dam, vetteidigt er die Frer» willigenkorps und hebt ihre Verdienste um den Begum eines Wiederaufbaues unseres Wirtschaftslebens hervor. In scharfen Protest gegen den drohenden (3erooltfrieben der Entente und die Losreihungsbestrebungen im Westen klingt die Rede aus. Zu Vorsitzenden des Parteitages wurden darauf die Abg. Schulze- Ostpreußen und Löbr-Breslau gewählt. — Abg. Wels erstattete dann einen mehrstündigen Bettcht über die politische Tätigkeit des Patteivorstandes feit dem Würzburger Parteitag. Er stellte die Revolution und ihre über» rafchend großen und schnellen Erfolge in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen Nur schwer finden sich die Masten in den neuen Verhältnissen zurecht. Denn der Heber gang von der reinen Agitations- und Oppositionspartei zur Re- gierungspattei ist ihnen noch nicht so recht zum Bewußtsein gekommen Wels lobt gegenüber heftigen Angriffen, auch aus den eigenen Reihen, die Tätigkeit der sozialdemokratischen Minister und meint unter dem Beifall des Patteitages, daß die Kritiker, wenn sie regieren wurden, der Pattei noch ganz andere Rüste zu knacken geben wurden. Er lehnt daher einen Personenwechsel in der Regierung ab, erst recht aber einen Wechsel des Systems, wohl aber übt auch er an einzelnen Ministern Kritik, so besonders an dem preußischen Minister des Innern Heine, dem er vorwarf, daß er die Demokratisierung der Verwaltung viel zu langsam betreibe. Frische Lust müsse in allen muffigen Landratsstuben ihren Einzug halten.
Am Mittwoch erfolgt die große politische Aussprache.
* „Wir find nicht religtonsseindlich", verkünden seit Jahrzehnten die sozialdemokratische Partei und die sorialdemokratischen Gewerkschaften. Aber sozialdemokratische Theorie und sozialdemokratische Praxis sind nun einmal zwei grundverschiedene Sachen; daS trifft besonders bei dem Gebiet der Religion zu. Ihren Haß gegen alles Kirchliche und Religiöse können die sozialdemokratischen Gewerkschaften nun
Die Rheinische Republik.
Die Ausführung des gegen Dorten erlassenen Haftbefehls, der inzwischen auf alle „Minister" ausgedehnt worden ist, ist bis jetzt nicht genehmigt. Unter französischem Schutz halten sich die Minister wieder in Wiesbaden auf und scheinen auf neue Taten zu sinnen.
Aus Höchst wird uns gemeldet: Oberbürgermeister Dr. Janke und Beigeordneter Dr. Hoog sind den Befehlen des Militäradmintstrators Altmayer nachgekommen und haben die Stadt verlaffen. Alle Versuche der städtischen Behörden auf Rückgängigmachung der Ausweisungsbefehle sind an der Unnachgibiakeit des Administrators gescheitert. Lcmdrai Dr. Klauser harrt nach wke vor auf feinem Posten aus. Er ist nach Mainz gefahren, um hier bei den maßgebenden Stellen des französischen Oberkommandos nochmals Verwahrung gegen den Terror der Höchster Befehlshaber eineinzulegen. Die Erregung der Bevölkerung ist durch die neue Gewaltmaßnahmen in bedenklichster Weise wieder gesteigert wordey. Die Ausweisung war verfügt worden unter dem Vorwand, daß die drei.leitenden Beamten es versäumt hätten, den Generalstreik und den Demonstrattonsumzug in Höchst zu verhindern oder wenigstens im voraus der französischen Militärbehörde anzuzeigen. Beides war naturgemäß unmöglich gewesen, da sie von diesen plötzlichen Abwehraktionen der Bevölkerung vorher selbst nichts gewußt hatten. Die Ausweisung ist in der denkbar schroffsten und rücksichtslosesten Form geschehen.
Ter Spartakistenputsch m Bamberg. Die nächt- Awen Schießereien rn Wamberg, besonders auf die Posten vor dem Mnisterpalais und Am Gesellcnhc^ mit Verkostung von nahezu 22 Personen ge- fütrt. Es stellte sich dabei heraus, daß mehrere L-^- tcckiiten mit falschen Papreren und unter falschem Namen bei der Bamberger Volkswehr Auftmhme Sefunben hatten, darunter ein Leutnant a. D. Rerndl aus Kob- kuz, der bereits bei den Unruhen rnAraunschwerg eine bervcrragende Rolle gespult hat. Man fu^ ber chm sehr belastendes Material, darunter eine 2i[te ait^e- sthener Bamberger Bürger und Offiziere, dre als drm gend verdächtig verhaftet Umrden. '
Die Streiks in Aegypten nehmen M. Das. Personal des Suez-Kanals hat die Attbett noch mcht wieder auf- genommen._____ -M?
Frankreichs Werk.
Klarer als sonst tritt uns in Zetten wie den jetzigen #05 eigentliche Ziel der französischen Politik entgegen.
besteht in nichts anderem, als in dem Streben nach ia unumschränkten Vorherrschaft über Europa.
Dieses Ziel des französischen Imperialismus ist fo M wie Frankreich selbst. Um der Verwirklichung die- m Zieles willen führte Frankreich seine Kriege. Die Geschichte der europäischen Kriege der letzten zwei Jahrhunderte ist immer und immer wieder auf diese fron- Mche Machtpolitik eingestellt gewesen. Fast alle europäischen Völker mußten sich mit der Waffe in der Hand gegen den vermessenen Anspruch der Franzosen «tt Wehr setzen. Infolge der französischen Niederlage im Kriege 1870-71 waren fürs Erste diese Machenschaf- ieo etwas zurückgedrängt. Nach dem Ausgang des jetzigen Krieges sind diese Instinkte wieder so üppig ins -rätst geschosien, wie das jemals in einer Epoche sican- Mcher Geschichte der Fall gewesen ist.
^utschland ist immer ein mächtiges Hindernis für Üe Verwirklichung der europäischen Vorherrschaftspläns ter Franzosen gewesen. In diesem Umstande war zumeist die Ursache des leidenschafllichen und schließlich lir zum Fanattsmus ausartenden Haffes zu suchen, ten das deutsche Volk von französischer Seite bei all Mem Tun und Lasten in außenpolitstchen Beziehun- gen fand. Was man in Frankreich vielfach unter dem Samen eines Kampfes gegen den preußischen und teutschen MUUarlsmus bezeichnete, war letzten Endes M der mit diesem Schlagwort bemäntelte Kampf zum Zwecke der Vernichtung Deutschlands als eines Hernrn- «iffes gegen französische Herrschsucht. Das deutsche Volk hat während seines ganzen Bestandes die Gefahr xefihlt, dis von Frankreichs Vormachts-Absichten für die Selbständigkeit Deutschlands erwuchs. Und Frankreich tat ja auch alles, um diese Befürchtungen zu bestärken. Ein deutsches Reich, gewonnen durch Zusam- menschluß der einzelnen Bestandteile des deuffchen Volkes war ihm unerträglich. Deshalb war seine ganze Arbeit darauf gerichtet, die Einigung der teutschen Volksstämme mit allen Mitteln zu verhindern. Nach dem Verlust des Waffenganges 1870-71 schien diese Arbeit ein Fiasko erlitten zu haben. Aber die damalige Errichtung eines festgeeinten deutschen Reiches ist der französischen Politik Veranlassung gewesen, nun mit um so höher angespannten Kräften ihr politisches Werk nur darauf einzustellen, das einige deutsche Reich wieder zu zerschmettern.
Wie sehr Frankreich sich jetzt wieder am Ziele seiner Künsche glaubt, lehren uns ja sie Vorgänge in den linksrheinischen Gebieten. Dort wird unter amtlicher französischer Obhut die Zerstückelung des Reiches fyste- matjfch betrieben. Bon dort aus werden jetzt auch smon die Minen gelegt, um insbesondere die süddeutschen Bestandteile des deutschen Reiches reif für den Abfall vom einheitllchen Deutschland zu machen. Deutchland soll wieder in die alte Zerristenheit zurückgeworfen werden. Damit will man erreichen, daß Deutschland dem nach der europäischen Vorherrschaft jetzt offener und unbehelligter als je strebenden Frankreich nie wieder in feinem Machtbegehren gefährlich werden könnte.
Frankreichs Politik wird auf diese Weste zu einer Gefahr nicht nur für den Frieden aus dem europäischen "vnlinent, sondern für den Frieden der ganzen Welt. Dos wird nicht nur in Deutschland und in Europa, sondern über Europas Grenzen schon erkannt. Das ftanzö- fische Machtstreben züchtet Keime, die eine für die Ruhe und Sicherheit der Menschheit gefährliche Wirkung ouslosen muffen. An der Niederkämpftmg der Macht- wsvrüche Frankreichs, die nur verwirklicht werden fön» u? lPtfet Vergewaltigung eines 65-Millionen-Volkes, w nicht trat dieses, sondern die ganze Welt ein Inte- ttsse, und es kommt der Tag, an dem Frankreichs Der- Midete, die das Land, das sich jetzt in einem förmlichen ^oufch befindet, gegenwärtig nicbk auf den Weg der Vernunft zunickführen können, es kommt der Tag, an Ei sie selbst sich zur Wahrung ihrer durch französische ^achtbeaierde gefährdeten Interessen werden zur Wehr fttzen muffen.
Das Frankreich hack unternimmt, ist nichts anöe- Rückfall in die barbarischen Zellen militäri-
Ein großer Voske iprozeß. Wie die Berliner „Freiheit", dos Organ der Unabhängigen, mitteilt, hat Reichswehrminister Noske gegen den Redakteur und gegen den Drucker der „Freiheu" Strafantrag wegen Beleidigung der Noske-Truopen gestellt, wegen zwei am 8. Mai erschienener Artikel. Die „Freiheit" berichtet ferner, daß Noske bei dcr Reichsleitung beantragt habe, für den Prozeß ein eigenes Gebäude sowie eine größere Zahl von Staatsanwälten, Richtern und Beamten zur Verfügung zu stellen, da Tausende von Zeu- gen zu nenehmen seien. Die „Freiheit" erklärt, der eme Ai'ikel „Noske-Garden als Landplage", stütze sich Mif Berichte des rechtssozialistischen „Halberstadter Tageblattes". Der zweite Artikel ist überschrieben „Der Terror der Demokratte".
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Die Friedensfrage.
Nach einer Pariser Meldung des Mailänder „Corriere della Sera" zeigt sich bei der Beratung der deuffchen Gegenvorschläge immer mehr, wie verschieden die Kriegsziele der einzelnen Derbandsmächte, und aye schwer eine Einigung in den wichtigsten Fragen zwischen ihnen zu erreichen Ist. So kommt es, daß die Fragen, die an einem Tag schon gelost zu sein scheinen, am nächsten Tage abermals als ungelöst austauchen, und so erklären sich auch die Schwankungen in den wichtigsten Beschlüsten.
Nach einer Reutermeldung empfahlen Clemenceau, Lord Robert Cecil und Oberst House als Ergebnis ihrer gemeinsamen Beratungen, Deutschland in den Völkerbund aufzunehmen, wenn es den Friedensvertrag unterzeichne und loyal durchführe und eine feste Regierung einfetze. Es wurde beschlossen, daß die Antwort der Alliierten auf die deuffchen Gegenvorschläge nicht vor dem 13. Juni übergeben werden solle, und daß die Deutschen fünf Tage Zeit zur Erwiderung bekommen fallen.
Das Entgegenkommen wegen der Aufnahme in den Völkerbund im Falle der loyalen Durchführung des Friedensvertrages betrachtet man in politischen Kreisen als einen Koder, um Deutschland zur Unterzeichnung zu veranlassen. Der Begriff der loyalen Durchführung des Vertrags hängt allein von der Ententebeurteilung ab. Wenn man im Ententelager die jetzige deutsche Regierung nicht als feft ansieht, so würde man jeder anderen Regierung dieselbe Bezeichnung ebenso wenig zuerkennen können. In parlamentarischen Kreisen wird erneut daraus hingewiesen, daß die von der Entente ausgestellten Friedens- bedingungen für uns einfach unausführbar sind und daß es sich nur um die Formel „annehmen oder ablehnen" handeln könne. Die Regierung werde jeden Vertrag unterschreiben, der annehmbar, d. h. ausfür- bar sei. Positive Meldungen über irgendwelche Zu- geständniste der Entente liegen im Augenbück an den Berliner zuständigen Stellen nicht vor. ;/x
Die ««lSSbare Fiumefrage.
Dis Verhandlungen über Finme sind, wie der Sonder - Berichterstatter des ,Secolo' Berietet, kurz vor dem Abschluß gescheitert. Präsident Wilson hat neue Bedingungen gestellt, die von den italienischen Delegierten als unannehmbar bezeichnet wmden.
Konflikt zwischen Dikson und Senat
Heber die Frage, ob der Friedensentwurf als ein Dokument der Geheimdiplomatie der Oeffentlichkeit vor- zuenthalten fei, wie Wilfon dies wünschte, enfftand zwischen dem Präsidenten und dem amerikanischen Senat ein Meinungsstreit, wobei der Senat sich im Gegensatz zu Wilfon dafür entschied, daß es sich nm ein durchaus öffentliches Dokument handele. Der Vorfall zeigt, daß Wilfon- Ansehen in Amerika durch seine Mitwirkung an dem Eewaltsrieden und sein ganzes Verhalten in Paris einen empfindlichen Stoß erlitten hat. Im einzelnen wird dazu gemeldet:
Präsident Wilson telegraphierte an den Senat, es sei höchst rmertoünscht, den Text des Friedensvertrages, über den -noch verhandelt werde und der noch der Abänderung unterworfen fei, zu veröffentlichen. Er forderte den Senat dringend auf, eine gründliche Untersuchung darüber anzustellen, wie Exemplare des Vertrages in die Hand von Privatpersonen gelangt find. Inzwischen veröffentlichen bereits viele amerikanische
Olgas Irrtum.
etrw Zett, noch nicht gar lange war es her, ter, « Sonne ungetrübten Glückes auch Aer ihrem Le- S? strahlte, wo sie, die einzige Tochter und Erbin des ^HMeßLch reiche BechwerWbefitzerS Camille Ga- . „ ' ^ch keine Ahstmng davon hatte, wie grausam das Dichterwort fd* konntet Wer nie fern Brot «Snen aß — —.
—^ein das Unglück käm toet SkaO, überraschend, ~®ttiuatet, aber desto fürchterlicher und suchte sie mtt »Mower Strenge heim. DeS Schicksals Tücke machte kL?’’ Waise und zur Bettlerin, und derjenige, der Dunst ihres Later» seine Existenz sicherte, der 7*7 Untergebene deS Hauses Gastrvw, wurde ihr Rek- Er, Hr Beschützer, ihr Wohltäter.
Aber war es denn eine Wohltat, daß er sie in jene ?AMcklichen VethälLnisse eiriführte, für die sie, die »Mbbildete Weltdame, kein Verständnis hatte? In gj/VL Desellchaft konnte sie sich nicht heimisch fühlen.
*w Hause des Kommerzienrates eine Fremde.
u glücklichen „Einst" blieb ihr nur ihr Stolz ©ter kmr vielleicht ein Unglück für sie! Dieser 1L.TaJL°n Hielt sie auch zurück, daS Haus Jähneke £?aiien und an anderen Türen anzuklopfen, devot lem vor jenen, die einst in verschwundenen glückli- kg^Aten vielleicht das HauS Gastrow für sich ter» taniien, — nein, nein, das konnte Olga Ga- hat «» rLdarum blieb sie. Aber Gnadenbrot ifo-J“»"d gegessen, sie gab von dem reiche» Schatze des .und suchte in ba3 Wesen der Tochter
^^EmmliugS jene wahre Herzensbildung hin» ismegen, dre f0 schwer an erzogen wird. Wer sie Sliter erft^en- Der direkte Einfluß der
^^.ckte?re Keime im Entstehen. Auch an je- recht ^«rd^en Abende in Ostende zeigte sich so Sh6a5rrLtein verdecken fern: das
der ungelauterten Menschennatur.
ihrem jungen Glücke beschäftigt, mcht in den Mienen der Kommerzierrräftn US.3“. lesen, das über sie kommen jollte mit
Sobald die Tür sich hinter ihnen geschlossen, war das Schweigen der Kammerzienrättn gebrochen, da sprudelte es über die wulsttgem Lippen wie der Meßbach Aer's Gestein, wie sehr ihr unkorrektes Benehmen die Grenze des gesellschaftlich Unerlaubten streifte, wie man lange genug gesHviegen 8» diesem geradezu skandalösen Benehmen und man endlich gezwungen sei, sich in die undelikate Angelegenheit einzmuischen. Sie fei eben nicht nur die bezahlte Gesellschaftsdame ihrer Tochter, sondern -nehme gleichsam den Rang eines Fa- miliengjliedes der durchaus noblen' junbi ehrenhaften Familie Jähneke ein. Wäre sie in den Grenzen deS Schicklichen geblieben, sie, die Kcmmierzienrätin, hätte ihr die kleine Freude wohl gegönnt. Du lieber Himmel, sie habe ja weiter nichts vom Leben, «As das Zrffchauen — fo aber--schließlich, sie wolle sich
nicht ereifern! Gelaffen, als hätten jene bitterbösen Worte nicht einmal ihre Fußspitze erreicht, hob Olga den Kopf und schaute geradewegs in das zornige Gesicht.
-.Sie habön mir noch immer nicht gesagt, weffen Sie mich beschuldigen.'*
'Die gnädige Mama Jähneke brachte diese Ruhe und Sicherheit aus aller Faffung. Wie alle kleinlichen, schwachköpfigen Naturen reizte Ueberlegenheit und stolze Ruhe, zwei Fähigkeiten, die jenen abgehen, sie bis zur Maßlosigkeit.
„HeuchlerinI" schrie sie im höchsten Affekt, „soll ich Dur die freche Maske abreitzen? Ein Wort von mir genügt. Dich zu zerschmettern. O, mir spielt man so leicht nicht die Naive vor!"
„Wenn Sie beleidigen," sagte Olga kalt und wandte sich zum Gehen, „dalnn habe ich nur ein Gefühl .— das Mitleid!"
Weich einer gereizten Tigerin sprang da die Kom» merzienräftn auf das Mädchen los, es am Arme zurückhaltend, berett, bis zur Tätlichkett auszuarten.
„Hier geblieben!" rief sie und machte Anstalten, fte mit Gewalt zurückzuhalten.
„Geben Sie meinen Arm frei und inkommodieren Sie mich in keiner Weise, dann bin ich bereit, die Veranlaffung zu dieser häßliches Szene zu hören —, an- dMnkalls läute ick."'
Die ruhige Bestimmtheit ihrer Rede, der unglaublich beracktende Blick ihrer Augen übten eine Wirkung aus, der selbst die wütende Frau vor ihr nicht Wider- stand zu leisten vermochte. Sie ließ von ihr ab, warf die Arme beschwörend empor und lief quer durch'I Zimmer der gegenAerliegendeu Türe zu.
, Diese öffnete sich in demselben Augenblicke und Hermine trat mtt sichtlich zur Schau getragener Gelaffen, heft ein.
Regt Euch doch nicht auf," sagte sie überaus wegwerfend. „Du lieber Himmel! Wenn Olga die Ahnungslofe spielen will, so ist das eben eine Undank, bare Rolle. Wir wissen —*
„Hermine, um eines bitte ich Dich," Olga? Hand lag schwer auf des Mädchens Arm, „sprich klar und offen, wessen befchuldigt Ihr mich?"
„Ehebreckerin!" kreischte die Kommerzienrätin unfähig, sich länger zu beherrschen, dazwischen.
Olga stand erst tote erstarrt; ihr erster Gedanke war, daß die Frau da vor ihr rvahnflnnig geworden sei, dann aber kam ihr die absurde Beschuldigung erst so recht zum Betoußisein, und sie konnte sich nicht helfen — sie mußte laut auftacken. Dieses Gebahren schlug, tote man zu sagen pflegt, dem Faß den Boden ein. Was beide Frauen in ihrer maßlosen Erregung alles gegen sie geschleudert, dessen wußte sie sich nicht mehr zu erinnern; nur das eine stand in schrecklicher Klarheit vor ihr, das eine, an dem sie nun sckon zwei volle Jahre gleich einer schweren Bürde trug, die furchtbare Erkenntnis, daß sie das Opfer eines Betrügers, eines Verräters geworden!
Was konnte sie angesichts dieser Taffache noch sagen? Die einzige Klage, die sie mit Recht führen durfte, war die, warum man so lange ihr gegenüber geschwiegen und erst redete, als dies eine Beleidigung für sie war. Aber da wußten Mutter und Tochter eine Reihe schwerwiegender Gründe anzuführen, die alle klar und deuftich betoetfen sollten, daß sie mtt Fug und Recht ihre Hände in Unschuld wascken durften. Man kenne eben ihren hochfahrenden Sinn und habe sich gehütet, mit wohlgemeinten Raffchlägen sich ihr zu "Sen; ein solcher Charakter, tote sie, Olga, ihn be»
sitze, könne eben nur in Extremen untergehen. Nun aber, da ein Skandal schlimmster Art bevorstände, Habs man sich befugt gesehen, da-wischen zu treten und ihr nur die Wahl zu lassen, entweder gebe sie „den Menschen" ganz und gar auf, ober sie verlasse ihr unbescholtenes, ehrenhaftes Haus. 1
Sie hatte beides getan. Kommerzienrats, denen nach dem Borgefallenen die Luft in Ostende zu schwul geworden sein mochte, auch „Belästigungen bet schlimmsten Art" von „jenem Merffchen" befürchteten, suchten sie einen stilleren Badeott in Deutschland auf. während die einst so stolze, nun so schwer gebeugte Olga Gastrow mit stummer Verzweiflung der bitteren Notwendigkeit gegenüberftanb, den Kampf ums Dasein zu beginnen. Nun zeigte sich ■ erst, wie geboten es scheint, in Zeiten des Glückes, eingedenk des Unbestan». des und der Wandelbarkeit desselben, auch für beit eventuellen Rückschlag vvrzusorgen. >
Camille Gastrow hatte seiner Tochter eine vortreffliche Bildung zuteil werden lassen und trotz be3 Kvpf- schüttelns seiner Freunbe darauf bestanden, daß Olga sich dem Examen unterzog und ihr Diplom als Lehrerin höherer Schulen erhielt, somit die Befähigung erlangte, für sich selbst zu sorgen, auch wenn der Glanz des Reichtums verblaßte.
Olga wäre wohl wegen ihres vornehmen Auftretens und ihrer hohen Bildmig in jeder Familie als Grziehe- rin oder Gesellschaftsdame mit offenen Armen ausgenommen worden — „vielleicht auch nicht", hatte ihr damals zwar der Mnisterial Glöckner gesagt, ihres Vaters früherer Freund und bet einzige, bei dem sie Zuflucht gesucht und gefunden.
Zlvei Iahte waren über ihr schwerstes Leid hinweg- gezogen, und schon glaubte sie, ein stilles Glück wiedergefunden zu haben, da tauchte jener Mann wieder auf, der ihr den grausamsten Schliß versetzt, bet ihre Seele getötet! Sollte ihr Leben denn ein ewiger Kampf sein, sollte sie nie zur Ruhe kommen,
Ihr ganzes Innere geriet in Aufruhr, trenn sie daran dachte, dcch sie ihm morgen gegenüber stehe« sollte, nach zwei fangen Jahren, nach dem, was vor» gefallen. IFoxtsetzuya folgte