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M 130.

Samstag, 7. Juni ISIS.

Dio Internationale von Pfingsten.

gottesfürchtige Männer aus jeglichem Volk, das unter dem Himmel gibt, waren in Jerusalem an- JLfenö, und die Menge wurde bestürzt, denn ein je- ter hörte den Apostel in seiner Sprache die Großtaten Sötte» verkünden.

So berichtet die Epistel vom Pfingstsonntag. Und Pfingstmontag heißt es: Die Gläubigen aus den , gn staunten, daß auch über die Heiden die Gnade ,"r; hl. Geistes ausgegossen wurde. Dann nahm Petrus Wort:Kann wohl jemand das Wasser versa- «n, daß diese nicht getauft werden, die den hl. Geist Mpfangen haben, gleichwie auch wir?" Und er be­fühl, daß sie getauft wurden im Namen des Herrn 5efu Christi.

Das ist der Geburtsschein der Weltreligion, der allgemeinen Kirche, die über alle sprachlichen und na- tionalm Verschiedenheiten und über alle politischen Grenzpfähle hinweg eine Famüiengemeinschaft der ganzen Menschheit begründen sollte.

Der Befehl des ersten Papstes, auch die bekehrten Heiden zu taufen, war das Todesurteil für den über- spanntm, engherzigen Rationalismus, der sich im Iu- hentum festgesetzt hatte und auch bei manchen bekehr-

Juden noch fortwirkte in der Ansicht, die anderen Völker könnten nur auf dem Wege durch das Juden­tum zum Hell gelangen. Für alle Nationen wurde die Gleichheit der Rechte und der Wichten auf dem religiösen Gebiet proklamiert und durchgeführt. Der zerÜüfteten Menschheit wurde die Internationale be­schert, und zwar eine Internationale, die ohne Waffen cher sonstige materielle Gewalt die Kulturgemeinschast aller Menschenkinder begründen sollte, in der gemein­samen Brüderlichkeit vor dem Thron des gemeinsamen Vaters und Erlösers.

Die politischen Weltreiche, die Alexander der Große und später die römischen Eroberer begründet hatten, konnten keine Menschheitsfamilie schaffen, sondern nur einen Zwangsverein von wenigen Herren und vielen Anechten, der seiner Natur nach weder befriedigend Slb dauernd war. Nach dem Zusammenbruch der alten eltreiche wurde im Mittelalter der Versuch gemacht, im Anschluß an die reügiöse Internationale eine poli- tische Internationale zu begründen unter dem Zepter des vom Papste gesalbten Kaisers. Dieses weltüche Eeitenstück zu der kirchlichen Einheit hatte verhältnis­mäßig langen Bestand und reiche Früchte. Aber es brach auch zusammen unter den Irrungen und Wir- rungen auf dem politischen und sozialen Gebiet, wobei die traurige Kirchenspaltung den verhängnisvollen Ausschlag gab.

Der letzte Weltkrieg war ein grausamer Hohn auf das christliche Ideal der Brüderlichkest. Aber während der Leiden und Lasten des Krieges wurde doch der internationale Gedanke wieder lebendig. Die Sozial­demokratie, die sich ihrerroten Internationale" als einem Allheilmittel brüstet, hat fteilich weder zur Abkürzung des Kampfes noch zur Besserung der Frie­densbedingungen bisher etwas Wirksames beitragen können. Aber die Boffchaften des Präsidenten Wilson von der versöhnlichen Gerechtigkeit und dem Völker­bunde waren doch ein Zeichen, daß auch Poliüker die Notwendigkeit erkannten, den Grundgedanken der christ­lichen Internationale auch im weltlichen Getriebe wie­der Geltung zu verschaffen.

> Wilsons Taten haben leider seinen schönen Wor- tm bisher nicht entsprochen. Infolgedessen muß die Welt noch immer warten und ringen um einen Frie­den, der das brüderliche Zusammenleben der Nationen von neuem ermöglichen könnte.

Je schwerer es ist, das weltliche Seitenstück zu der religiösen Internationale zu begründen, um so tröst­licher ist es, daß nach all den furchtbaren Ereignissen der letzten Jahre die Kirche Gottes auf Erden mierschüttert dasteht. Das Werkzeug, das sich der heilige Geist am ersten Pfingsttage zur Aufklärung und Heilung der Welt auserwählt hat, ist noch unver- sehrt und wirksam. Die Idee der chrsstlichen Inter­nationale gehört nicht zu den Opfern des Schlacht­feldes. Die ungeheure Not der Völker wird ihre wei- lere Ausbreitung nicht hindern, vielmehr fördern; dem Not lehrt beten. Die Hammerschläge des Schicksals werden trotz der augenblicklichen Verblendung mancher Sieger" doch die Völker schließlich zusammen­schweißen.

Das diesjährige Pfingstfest ist mm düsteren Wolken beschattet. Wir wollen uns aber doch bewußt bleiben, daß alle guten Ideen, von denen man Rettung er­hoffen kann, in der Doffchast vom ersten Pfingsttage wurzeln, und daß dieser heilige Geist der Weishest und Liebe auch heute noch wirkt und weiter wirken wA m der rellgiösen Internationale, aus der sich schließüch auch eine weltliche Ordnung des friedlichen und brüderlick^n Zusammenlebens aller Nationen und oller Klassen entwickeln wftd.

Don dem richtig« Völkerbund ist wenigstens die Durzel vorhanden«

______________ -TTr

Unpolitische öeitlSuse;

H. Betn*, 8. Juni 1919.

«pnckKch hätte es foetben könne«, das Mnigsien von 1919, wenn nur die Fri^enSschufier von Paris «wollt hätte«. Etwas mehr Vernunft und Menschlichkeit, dann wäre der Mai lang genug ge- Men, nm den Vertrag zum Abschluß zu bring«, dem Feste hätte noch um den ganzen Erdball ge- dachtet und gefunü werden können: Mes geregelt; beide Teile Alfrieden, die einen mit den errungenen dorteile«, Ke amderen mi, den geminderten Lasten; verzeichnet und auSgetausckt; Völkerbund begründet; «n Kampf und keine Feindseligkeit mehr; Dauerfrie- auf Erden! Lei solcher Pfingstbotschaft würde die 9n«mte Menschheit ein Uff der Erleichterung ausge- JWn und gerufen haben; Jetzt ist wirklich daS Fest 2er Freude und der Blüte; ficht ist eS wahrhaft Früh- geworden; der gute Kleist der Brüderlichkeit kehrt b>e zerklüftete (Erbe zurück!

Dieser Pfingsttrost ist uns versagt geblieben. Ist rr uur aufgeschoben oder sogar aufgehoben? Wer kannS Wir müsse-n Pfingsten in bitteren Zweifeln, n oeilemmenben Sorgen begehen. Wie ein Rückfall in r? .grimmigsten Winter »virkte die Bekapntgab der LRNRen Friedensbedingungen. Statt des ersehnten »Muuftchens kam ein Eiswind vom Nordpol, der alle erstarren, alle HoffnungÄlitten abfaven ließ. 2*5 Mick m die Zukunft wurde uns zum Schrecken, 4/7 Mancher seufzt: Hn den schweren KnegSjahren war sj/9 , FeMinrmung noch nicht so tief gesunken, tote in Aierfchreckllchen Zeit, wo man vom Frieden redet und ^warmungslose Vernichtung plant!

Dso bom weltlichen Standpunkt betrachtet, kein Fest öteitbe, sondern der peinlichen Enttäuschung. Wir ton Blütenfeld, sondern eine Trünunerstätte, die Rainn für weitere Massengräber hat. Es sollte

Fuldaer Leitung

Druck der Fuldaer Acttendrnckerel iw Fulda

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Weltkirche unerschüttert dastcht. t ligen Geistes überdauert dre Wirren

Deckscher Reich.

-- Weimar, 5. Juni. Sn der heutigen Landtagssitzung kam der Gemeinschaftsvertrag mit den t hu ringt sch en Staaten zur Abstimmung,.in der 31 für und ®ttm« men gegen die Annahme abgegeben wurden. Daraus wurde eine Vorlage über die Finanzlage des Staates zur Kenntnis genommen, ferner wurde die Regierung eriuchk, einen Gesetzentwurf über Einführung des Notartaw m Sachfen-Weimar-Eisenach einzubringen. Darauf vertagte sich der Landtag bis zum 18. Juni, wahrend die Aus- isckmtzsttzungen bereits am 16. Suni beginnen. Am Schlüsse der Sitzung teilte der Präsident mit, daß der Canbtag zu den in Kürze zusammentretenden Sitzungen der thurin- ischen Staaten zur gemeinsamen Beratung über Grob- thüringen »ter Vertreter der Mehrhettssozialtsten, drei Vertreter der Bürgerlichen und je einen Vertreter der kleineren Parteien entsende.

DaS Werk des Hei- ten der fetzigen Zeit

ebenso, wie die zahlreichem Katastrophen der früheren Jahrhunderte.' Daraus schöpfen wir die Zuversicht, daß trotz aller Rückschläge, die der irrende Menschengeist her­beiführt, doch der himmlische Geist durch daS Walten der Kirche sich mehr und mehr durchsetzen wird auf Erden, zu« Drost in der Not, zur Stärkung hr Durchhalten, zur Heilung in der Krankheit, zur An- leitung nn Wiederaufbau.

DaS Prachtschiff der weltlichen Kultur hat klägli- chen Schiffbruch gelitten. Das Schifflein Petri schwinrmt unversehrt auf den sinkenden Wogen.

Mag der Erdball sich winden und drehen, daS Kreuz bleibt fest bestehen, unb unser Herz fühlt nach den irdischen Stürmen des himmlischen Gei st es beruhigendes Ache«.

gegen uns Frauen und unsere Kinder noch nicht erloschen ist Wie ein Schlaglicht zeigen uns inese Frtedensvor chläge, daß der Haß noch nicht getilgt ist. Mhaupt- Schlich war es eine Verordnung, die auch erschüttert hat bis in das Innerste. Das war die Verordnung, daß wu 140 000 Milchkühe abgeben sollen Die Femde wisien ganz genau, daß mit diesen 140 000 Milchkühen, lne wir abgeben müssen, nicht 100 000, nein, viele Hunderttausende von Kindern dem sicheren Tod überliefert sind. (Sehr richtig!) Ist es nicht das Empörendste von allem, feinen Haß an unschuldigen Kindern °uszulasfen? (Sehr gut-) Wenn auch bei unseren Feinden große Not herrschte, wenn man auch dort die Kinder nicht ernähren konnte, so wäre diese Forderung menschlich verständlich Das ist aber nicht der Fall Rur der Haß allem, nur der Wille Zur Bei nicktung, der selbst nicht vor dem Leben der unschuldigen Kinder halt macht, hat diese Forderung dlttiett. (Sehr gut.! Wir stehen vor der Größe eines solchen Hasses erschüttert da, und doch muß ich sagen: Es glbtnoch 'iwasGroßeres als diesen Haß, und das Größere ist die Siebe der deutschen Rrau su ihrer deutschen Heimat. (Bravo!) Das we.den Zr jetzt bEisen in diestn Zeiten. (Lebhaftes Bravo.) Wir baden in diesen Ichren viel gelernt,. das kommt uns heute zustatten. Der Feind hat uns m eine barte ©4t1« genommen. Wir rufen heute den Fr°uen im feindlichen Ausland zu: Wollt ihr euch wirklich mitschuldig machen an dem ungehemen Frevel? Wollt ihr wirklich, bafe euer Name für alle Zeiten damit befleckt sei, daß man unfchuk- feige Kinder in einer Weise hinmordet, wie es noch kein Jahrhundert gesehen hat? Wollt ,hr das schweigend zu­geben? Wir können es nicht ändern, wir können euch nur zur Menschlichkeit auffordern. Hort ihr unseren Ruf aber nicht, ihr feindlichen Frauen, dann wollen wir deut- sch« Frauen der Welt beweisen, was uns dieser Krieg ge­kört hat. Wir wollen die deuffche Frau in ihrer ganzen Größe und Opferwilligkeit zeigen. Wir wollen weiter dar- ben wie wir seither gedarbt haben, wir wollen weiter ar betten wte wir facher gearbeitet en Mr wollen em starkes, stolzes Geschlecht heran;,ehen mit emer tiefen Liebe zur deutschen Heimat. (Bravo!) Wir wollen innerlich starke Männer erziehen, unb wenn sie herangewachsen sind, bann wollen wir deutsche Frauen gern unsere Auqmschsie. ßen, well Deutschlands Zukunft gesichert ist. (Lebhaftes Bravo im Zentnmk.)

losen finanziellen Gesamtlage nur beschrankte Mittel zur Verfügung stehen. Das neue Ministerium für Bolkswohlfahrt zerfällt in drei Abteilungen:

1. Abteilung für Volksgesundheit, 2. Abteilung für Wohmmgs- unb Siedlungswesen, 3. Abteilung für Sugmo- pflege unb allgemeine Fürsorge.

In die Abteilung für Volksgesundheit werden übernommen die Geschäfte der Mebizinalabte, rmg, des Prestttutionswesens, die ärzlliche unb zahnärztliche Vor­prüfung, die gesundheitspolizeiliche Aufsicht, die Aus- und Fortbildung des Schularztes, Fragen der Gewerbehygiene, der foziachygienffchen Fürsorge für Arbeiter, die Zentta - stelle für Dolkswohffahrt. 3m übrigen wirkt die Abtei­lung für Volksgesundheit mit in Fragen der Dolksernah. rung, m Fragen der Hygiene des Schulhauses unb »es Unterrichtes, in Fragen ber Vetermarpolizei, der Hyg'ene des Bergbaues unb ber Verkehrshygiene.

Die Abteilung 2 für Wohnungs- unb Sieb- lungswesen übernimmt ber dem Staatsminffter jur bas Wohnungswefen durch Staatsministerialbefchlutz vom 31. Mai 1918 überwiesenen Aufgabenkreis.

Auf Die Abteilung 3 für Jugendtzflege und all­gemeine Fürsorge gehen über: die ländliche Wohl- fahrtspflege, die Berufsberatung der schulentlassenen Ju» S die Rechtsauskimststellen die Arbeiter- »i» Ange- stelltenverffcherung, ferner die Ktemkinber- und Schulkm berfürforge, die Jugendpflege an der schulentlassenen Ju­gend, der Säuglings- und Mütterschutz bas Zieh- und Haltekinberwefen, bie Fürsorge für die gefährdete unb ver­wahrloste 3ugenb, Kindervolksküchen, Ferienkolonien, Landaufenthalt von Stadtkindern, Kreiswohlfahrtsamtern, soziale Frauenschulen, Kriegsbeschädigten- unb Kriegshm- tttbliebenenfürsorse, Armenpslege, Dmsenpslege, Berufs- Vormundschaft und Erwerbslosenimterstutzung.

Der Überblick zeigt, daß Aufgaben von größter Bedeutung der Lösung entgegengeführt werden sollen. Es gilt, die tiefen Wunden, die der Krieg geschlagen Hai, zu heilen. Die Zentrumspartei kann stolz daraus sein, daß einer der Ihrigen an der Spitze des neuen Ministeriums steht. Minister Stegerwald ist aus dem Volke hervorgrgangen, hat Jahrzehnte lang an führen­der Stelle in der Arbeiterbewegung gestanden und kennt die Nöte der Zeit und des Volkes. Innerhalb des Ministeriums werden Frauen als Dezernentinnen zur Mitarbeit hineingezogen werden. Sie sind ja für v'-ele Aufgaben dieses .reuen Ministeriums besonders geeignet. 'Daß zu all dm staatlichen Maßnahmen er­gänzend hinzutreten muh die caritative Tätigkeit, welche gerade im katholischen Deutschland zu hoher Blute ge­langt ist. bedarf keiner Hervorhebung. Dafür wird der neue Wohlfahrtsminister Stegerroold volles 23er« ständnis haben. Den freien Organisationen soll, das hat der Minister bei Bearbeitung seines Etats aus- drücklich hervorgehoben möglichst weiter Spielraum zu ungehinderter (Entfaltung gelassen werden.

Auf diese Wesse werden auch die religiösen Ideen und Gedankm zur Geltung fommen, welche wir nie­mals entbehren können, soll unser Volk sich aus der Niederung wieder erheben und die Volksseele wieder gesunden ,

Die deutsche Ara«

u#t> die Friedensbedlngnrrgen.

Die sehr beifällig aufgutornntenen Warte, welche die Abgeordnete der verfassunggebenden preußischen Landerversammlung, Frau Geheimrat Heßberger, in der 21. Sitzung am 13. Mai ds. IS. gesprochen hak, konnten von der ,FuÜ>. Ztg/ nur auszugsweise gebracht werden. Sicherlich dürfte ess aber vielen Leser und Leserinnen von großem Interesse sein, auch den vollen, unzerstückelten Wortlaut deS ein­drucksvollen Vortrags einer Tochter Fulda's kennen zu lernen. Wir geben ihn deshalb hier nach dem stenographischen Bericht wieder:

Verehrte Damen unb Herren, gestatten Sie auch mir, em Wort als Frau unb Mutter hier zu reden, als Frau imb Mutter, die vier lange Kriegsjahre alles Leid mit­getragen hat, in ber Familie viel durchkämpft, viel gelitten unb viel gearbeitet hat Wenn heute in diesen schweren Tagen immer wieder die Frage aufgeworfen wird: Wer ist schütt» an diesem Krieg, wer hat am meisten schuld? bann kann sie wohl restlos niemand beantworten. (Sehr richtig!) Aber uns ist sicher, unb bas wirb niemand be­streiten können: keine einzige deutsche Frau ist schuld an diesem Kriege. Wir haben ihn nicht gewollt, wir Haden ihn angenommen als eine schwere Prüfung, und deshalb tft es für uns umso schwerer, daß der tiefste Haß unserer Feinde uns Frauen unb unseren Kindern gilt. Es wirb niemand bestreiten, daß die herzloseste Kriegsmahnahme doch bie Hungerblockabe war. Sie zwang uns Sorgen auf, wie sie keine andere Frau in diesen furchtbaren Jah­ren tragen muhte. Wohl haben alle anderen Frauen auch leiden müssen. Wohl haben auch sie gezittert um ihre Liebsten Tag und Nacht unb -ihre Söhne und Väter da draußen mußten sie verlieren in dem mörderischen Kampf. Aber wir deutsche Frauen hatten noch eine andere quälende Sorge. Wir haben dabei gezittert und gebangt um die Kinder daheim. Wir mußten blutenden Herzens sehen, daß ihre Kräfte dahin schwanden durch den uns aufgezwungenen Hunger. Wenn einmal davon gesprochen wird, wer am meisten gelitten hat, bann dürfen wir sagen: . Es waren die deutschen Frauen. (Sehr richtig!) Unb wer am meisten gedarbt hat, bas waren auch bie deutschen Frauen, die ihr karges Stücklein Brot gern noch geteilt haben mtt den Kindern, um ihren hungrigen, flehenden Blick nicht mehr zu sehen. Um so schwerer trifft es uns in dieser furchtbaren Stunde, daß dieser BernichtimgswNle

nicht alle. chrisÄich find, die einem Taufschein besitzen, und daß auch zahlreiche Christen sich von Haß und Habsucht blenden lassen, muß man in Betracht ziehen, daß weder der Krieg noch ber sogen. Friedensvertrag aus den Selbstbestimmungen der Nattomen hervorge- gangen find. In den altenDemokratien" geht es noch viel undemvkratifcher M als in dem neuen Deutschland. Die Parteiführer, die dort auf die Ministersessel oder den Präfidentenstuhl gelangt flnb, führen ibr Bock an der Hase herum. Sie fälschen ober unterdrücken bie öffentliche Meinung; fie treiben in den Parlamenten ihre Räntefviele und ihre Muffs; fie schaffen im hohen Rat vollemdete Tatsachen, an denen sich nicht mehr rüt­teln läßt, unb so führen fie bas angeblich souveräne Bott wie eine Hammelherbe in einen überflüssigen Krieg oder in einen Irrgarten von heillosen FriedenS- bebingungen wie es ihnen gerade paßt.

Tas Machwerk von Versailles ist von vier Männern fabriziert worden, bie augenblicklich die Macht habeti unb sich einbilden, daß fa auch Verstand genug zur Neugestaltmig der Welt besitzen. Wilson hatte früher in seinen Grundsätzen unb schönen Reden manchen Hauch von christlichem Geiste verspüren lassen; aber im hoben Rat ber Machthaber hat man ihn den letzten Rest von solchemIdealismus" gründlich ausgetrieben. Tonangebend waren bie Realpolitiker, die nur an den eigenen Verstand und an ben greifbaren Vorteil glau­ben. Was wir da mit Entsetzen vor uns feben, ist ein Probestück ber vielgepriesenen menschlichen Kultur, die in voller Freiheit von allen chsistlichen Einflüssen zeugen sollte, baß sie auS eigener Weisheit unb Kunst feaS An- gesicht der Erde zn erneuern vermöge.

Die alten Babylonier wollten dem Httmnel zum Trotz einen Riesenturm aus Ziegeln bauen. Die Macht- Haber von beute denken mit einem riesenhaften Aufbau von Paragraphen die himmlische Weisheit auszuftechen. Dieser Trutzbau vom 20. Jahrhundert geht auch zu­schanden. Hat ber liebe Gott vielleicht deshalb ben Verwegenen so viel Spielraum o-lassen, damit offen- sichtlich unb handgreiflich bie Unzulänglichkeit des rein menschlichen, heidnischem Geistes zutage trete ? Wer weiß, was er -etoMl JetzewfiW tatfSchttch?

aus dem kksqdargeviet.

!! Aus der Rhön. An ber Grenze zwischen der bayerischen und preußischen Rhou acht es zurzeit anregend zu. Die eine« suchen zu schmuggeln, Lebensmittel und Dich, und die andeven suchen die Schmuggler adzufanaen und thmm die Schmugglerntare zu entreißen. Dte Bayern gaben ihre Grenze jetzt dicht mit Wehrorganen besetzt. Unter den vielen Schmugglern, die nicht erwtscht werden, find doch zuweilen auch solche, die den Grenzjägern zum Opfer fallen. In Bischoss^im wurden dieser Tage 2 Rinder und 1 Kalbbeschlag­nahmt". Einem Schmuggler, der Schweine in Bayern gekauft hatte und diese über bie Grenze bringen wollte, setzten bayerische Gendarmen auS Bischofsheim scharf nach; der Schmuggler brachte sich und seine Ware jedoch noch glücklich über die Grenze, im Lausen aber verlor er unvermutet seine Geldtasche mit 6000 Mark' Das macht die geretteten Schweinchen teurer.

-c- Aschaffenburg. Das Volksgericht verurteilte 12 Bewohner des bekannten Spessartdorfes Weibersbrunn wegen Auftuhrs zu Gefängnisstrafen von 6 brs 8 Mo­naten. Bei einigen Leuten hatten, da sie tm verdacht des Wildern» standen, Haussuchungen stattgefunden. Die Angeklagten rotteten sich zufammen und zo­gen vor die Wohnungen einiger Forstbeamten, um unter Drohungen deren Rücktritt zu erzwingen.

(*) Limburg. Seither sind im ganzen aus 71 Pfarreien und Pfarrbikarien hier die Petitionen um Erhaltung der christlichen Schulen ein- gegangen, die über 44000 Unterschriften zahlen. Sehr anerkennenswert sind die Ergebnisse ans Dia- sporagemeinden und fieinen Seelsorgsbezirken. Obenan inbezug auf Zahl der Unterschriften steht bis jetzt Limburg mit 4256 Unterschriften.

t Hambach bei Diez. Eine Wagenladung von 3400 Paar Schuhen, die ins unbesetzte Gebiet verschoben werden sollte, wurde hier beschlag­nahmt und sodann hn Orte an die Devölkerung ver­kauft. Der Preis nxa recht niedrig.

Beweis geführt, boß Menfthenwih imfc Menichenkmfft für sich allein nicht auSreichen zur Erlösung bet Wett unb zur Begründung einer wahren Kultur.

Es geht nicht ohne bie Mitwirkung des Heiligen Geistes, der von beut Schöpfer unb dem Erlöser der Welt ouSgefonbt ist, um bet Menschheit ben rechten Weg zum Heil zu weifen. SS oeht nicht ohne ben Geist bet Weisheit unb Geechtigkeit, ber Pflichttreue und Gottesfurcht, bei Siebe unb Brüderlichkeit. Die mensch- lichen Leibe rsschafien stürzen uns immer in neues Elend, wann fie nicht burch ben christlichen Geist be­zähmt imb ausgeglichen werben. Ein haltbarer und wirksamer Völkerbund ist nur möglich, wenn er sich auf berfeiben Grundlage anfbaut wie der geistliche Völker- bunb, der am Pfingstfest nach bei Auffabrt Christi be­grüntet wurde. In ber Geineinfamkeit beS christlichen Glaubens unb ber zehn Gebote muß sich bie weltliche Ordnung ber Meuschheitsfamilie entwickeln, wenn der Friede dauerhaft und beglückend sein soll.

Am Geburtsta« der Kirche Gotter auf Erben wollen wir uns dankbar bewußt Metten, daß in den Stürmen ber letzten Jahre zwar Throne umgefoCen unb Völker überwältigt worden find, aber ber erhabene Bau ber

trägt.

Das Verlangen der Entente, den Kaiser persönlich zur lltechenschaft zu ziehen, kann auf keinerlei polttische Tat­sachen begründet werden. Die Behauptung von der Kriegs- schuld des Kaisers ist bie größte Lüge ber an Lügen so reichen Propaganda der Entente. Wie denken denn die Deffasfer der Friedensbedingungen über die russische Kriegsschuld, um von ihrer eigenen nicht zu reden? Sie Haven ja einen der Männer, die die russische Mobisisierung veranlaßt hatten, ganz zu ihrer Verfügung. Herr S a s- sonow halt sich in Pans auf. Wir haben -ber nicht gehört, daß man ihn zur Rechenschaft ziehen will, sondern erst jüngst aus der französischen Presse erfahren, daß Herr Sassonow auserfehen ist, dem Kabinett anzugehören, mtt dem die Westmächte in Rußland verhandeln wollen. Sind denn die Enthüllungen des Suchomlinow-Pro- z ess es in Paris unbekannt geblieben? Oder glaubt man sie dadurch aus der Grichichte entfernen zu können, daß man sie nicht sehen mag? Dadurch, daß man uns im Friedensoertrag zwingen will, eine deutsche. Kriegsschuld anzuerkennen, kann man auf bie Dauer bie Geschichte nicht fälschen. Sie wird ihren Utteilsspruch auf gründ des Gesamtergebnisses der Foffchungen m allen Archiven fällen. Die Unterhändler eines besiegten Volkes kann man schließlich vergewaltigen, die Tatsachen aber blei­ben und werden immer Heller ins Licht treten, je mehr man mtt Gewaltmitteln sucht, sie niederzuhalten.

In diesem Sinne wird bie Zeit nicht nur bie deutsche Rechtfertigung, sondern die zerschmetternde Anklage für unsere Gegner bringen.

Das neue Wohlfahrisminifierrmn.

Don Abg. Rechtsanwalt Dr. Reinecke, Münster i. W.

Schon vor dem Kriege bestand der Plan, ein be­sonderes Wohlfahrtsmimsterium einzurichten. Aber erst der Krieg und die Folgen des Krieges ließen die­sen gesunden Gedanken zur Reife kommen. Jetzt gilt es angesichts der Schäden, die entstanden fmb, und der furchtbaren Lasten, die das deutsche Volk auf sich neh­men muß, die Dolkskrast zu stärken und allen Miß- Miden, wo immer sie sich zeigen, und welch« die Bolksgesundung hemmen, entgegenzutteten.

Dis Persönlichkeit des neuen Wohlfahrtsministers Stegerwald, der aus den Reihen der Zenttums- fraktion hervorgegangen ist, bietet Gewähr für tatkräf­tige Arbeit auf dem neuen Gebiete. Es ist vielfach Neuland, das wir beschreiten, wir werden unsere Er­wartungen und Hoffnungen nicht sogleich zu hoch fal­ten dürfen, zumal dem Minister angesichts der trost- «m eine menschliche Kultur. Wahl bent, ber noch einen Halt hat an seinem christlichen Glauben unb seinen Trost firnbet hn Gottvertrauen. Er sagt sich: Der Hellige Geist fft bock herniedergestiegen auf bie Erbe, unb er wird sich geltend machen zum Heil bet Menschheit, wenn auch ber Tag und bie Stunde Ms verborgen bleiben l Son unserem uberrrbrschen Stcmbpunkt aus kann Pfingsten doch ein Fest des Tro- fies unb ber Stärkung fein, wenn es auch zurzeit tm rr- dsschen Jammertal wirklich jämmerlich auMteht.

Die Spötter rufen m3 zu:Wo bleibt denn bie Hilfe von oben, «ff bie ihr immer vergebens wartet? Stein, unfer Hoffen ist nicht vergeblich, wenn es auch gebulbig fein muß. Vor bent Ewigen find .tausend Fahre wie ein Tag Sein Weltplan läßt fick nicht nut bem winzigen Maßstab ber kurzlebigen Menschen aus­messen.Unb Gott hat es gelitten; wer weiß, was er gewollt?" An biefen Vers muß man immer wieder denken in dieser Zeit ber grausamen Rätsel.

»»her rührt das Elend? Weil ber heibnische Sefa in der Welt wieder bie Oberhand gewonnen hatte. Der Krieg war schon ein Frevel gegen ben christli­chen Geist; erlaubt war nur bie Verteidigung, ver­werflich der Angriff. Ms es nun zu ben Friebens- verhanolungeu kam, da hätte man doch dem Hl. Geiste bie Tore öffnen sollen. Wer nein. Wie bas Ober- Haupt bter Kirche verabrrbetermaßen fern gehalten würbe, so blieb auch von ben Verhandlungen ber sieg­le ichen Machthaber bei christliche Gedanke unb das christ­liche Gefühl ausgeschlossen. Tie Herren wollt«! ihren eigenen Geist sich hemmungslos austoirken lassen, oaS Mrchwerk würbe auch banach! Sie nannten es Frie­densvertrag, und in Wirklichkit brachten sie eine neue, verschlimmerte Auflage beS Vöflerkarnpfes ans Tages­licht. Wenn bas durchgeht, wirb bas Elend ber Welt noch gesteigert Werbern, unb zwar für alle Glieder ber Menschheit, auch für die Völker, bie sich des Sieges rühmen.

Warum duDen daS die BMer, bie sich doch christ­lich nennen? Fp, bie Völker! Hoben denn bie u6cr» Haupt das entscheidende Loc»? Hflgesehen tzaven, Hatz

Der Kaiser und der Welttrieg.

General von Bernharbi beleuchtet tmTag" dte »rage der Schuld des Kaisers in einer neuen m® eigentümlichen Weise. Selbstverständlich lehnt auch der General etne Schuld deS Kaisers, wie fie ton itt Entente behauptet wirb, rundweg ab. Wer er metm, bah man in bem Sinne vielleicht von einer giften Schuld des Kaisers sprechen konnte, als er stets Gedanken des Ab toehr krieg es «bgele hnt habe unb infolgedessen nicht rechtzeitig znm S.hlagen gegen unsere Feinde gelangt wäre. . Die.Ahnte oes Ktesers wäre nach bieser Argumentation nicht, tote bte Entente behauptet, feine Kriegslast, sonbern umgekehrt, feine übertriebene Friedensliebe.

Im Rahmen bet Bernhardt ichen Ideen, lne sich ja im wesentlichen in ber rnmhtpolitischen Betrachtung er« schöpfen, lassen sich biefe Ausführungen wohl Horen unb entbehren nicht bet Konsequenz. Aber nur tn diesermachtpolitischen", b h unchristlichen unb un« sittlichen Auffassung, bie « soeben von bet ®ntente ge­gen uns angewandt tottb. Der Vorwurf, day _ ber Kaiser die Gelegenheit zur rechtzeitigen Shebettoerriing unserer Feinde hat vorübergehen lassen, ist auch W neu. In bet alldeutschen Presse ist 3-.J8- bte erfte MarokkokrisiS als betjenige Moment bezeichnet worben, wo wir hätten zum Schwerte greifen müssen, unb tn diesen Kreisen hat man es bem Kaiser schwer verdacht, daß et damals ganz persönlich Jemen Einfluß auf b« Erhaltung des Friedens geltend gemacht hat Es ist ganz richtig, daß unS damals eine Nieberwerfung bet Franzosen leitet gefallen Ware, Rußland war nicht chtionssähig, die Engländer in ihren Rüstungen für ben Landkrieg noch in keiner Weise bereit. Erst nach der Marokkokrisis hat ja die Reform bet englischen Arn«« nach bem Haldane'schen Programm eingesetzt, ^n jenem Moment hätte Englanb den Franzossn nur sehr beschränkte Hilfe leisten können. Die Franzosen wissen auch sehr wohl, baß der Kaiser in jener Krisis bie friedliche Löfung gewünscht hat, baß er es über Marokko nicht zum Kriege kommen lassen wollte: Don Anhängern des Ab- wehrkriegs ist auch noch bas Jahr der ersten Balkankrise als ein günstiges Kriegsjahr betrachtet worben. Es ist richtig, baß auch bamals der Kaiser keinen Krieg gewollt hat. Die Lage war in jenem Jahr allerdings schon eine andere. England hatte sich beretts mit dem Zweibunb gefunden, aber der Gefamfftanb der Rüstungen hatte uns auch damals einen Krieg mit Aussicht auf Erfolg zu führen wohl erlaubt. Der Kaffer hat auch in jenem Jahr vom Krieg nichts wissen wollen, und die friedliche Politik des damaligen Reichskanzlers entsprach ebenso seinen Auf- sassungen, wie die Verhütung des Weltkrieges bei der zweiten Marokkokrise und bei dem Balkankrieg 1912-13. Unzweifelhaft richtig ist auch, baß er bis zuletzt seinen ganzen persönlichen Einfluß baran gesetzt hat, um den Weltkrieg zu verhüten. Wenn vom Standpunkt berjenigen, die einen Abwehrkrieg für statthaft halten, in dieser Fneb- lichkeit des Kaisers eine gewisse Schuld gesehen wirb, fo mssen jedenfalls diejenigen, bie mit bem Kaiser den Ab­wehrkrieg oerurteiit haben, aus biefen Tatsachen entnehmen, daß an ber machtpolttischen Entwicklung, bie zum Kriege geführt Hai, bei Kaiser keine persönliche Verantwortung