| Samstag r. 3uni 19191 | I 46~3at]rg
Olgas Irrtum
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DaS Ende der Rheinischen Republik.
Die „Rheinische Republik" ist erledigt. Die neuen „Minister" sind nicht dazu gekommen, irgend eine Re- giemngstätigkeit auszuüben.. So weit sie nicht im Krankenhaus liegen, ist ihr Aufenthalt unbekannt. Auch die ftanzösische Besatzungsbehörde, die den ganzen Putsch aktiv unterstützte, hat aus dem Widerstand der Bevölkerung ersehen, daß der Anschlag aussichtslos ist und hat sich vorsichtig zurückgezogen. Mit vollem Recht wird in allen Kreisen die aufrechte Haltung anerkannt, die die Beamtenschaft gegenüber den AÄren- nungsbestrebungen annahm. Das Pflichtgefühl und der Mut, die dazu gehört«!, darf nicht deshalb unterschätzt werden, weil der ganze Putsch heute als eine Lächerlichkett erscheint. Er ist von Anfang an doch eben mehr gewesen, denn er war ganz wesentlich auch eine Aktion der französischen Militärs, die ja die ganze materielle Macht in der Hand haben. Weder das Volk in seiner großen Mehrheit, noch die Beamten- schast haben sich durch das militärische Säbelklirren des Obersten Pineau und in Mainz des Generals Mangin einschüchtern lasten. Besondere Sympathien, so schreibt man der „Franks. Ztg.", hat sich durch sein mannhaftes Auftreten der augenblickliche Chef der Wiesbadener Regierungsbehörde, Oberregierungsrat Springo- r v m, der ftühere Lanhsat von Fulda, erworben, den übrigens der Dr. Dort«.»vor seinem endgültigen Hinauswurf zweimal mit dem Revolver bedroht hat. Wenn das traurige versagen des bisherigen Regierungs-
AuSlandische Blätter melden, daß man sich in Kreil fett der Entente angeblich mit dem Gedanken Friedensschluss Deutschland seinen ostas
Eichbach fand sich pünktlich ein. Die Unterhaltung begann mit einer Liebeserklärung und nachdem ihn Hermine aller finanziellen Hinderniffe zum Trotz ihrer unwandelbaren Lieb« versichert, begann er mit seinen Enthüllungen. Vergebens führte er seine Liebe zu ihr und die Angst um den Verlust ins Treffen, um sein damaliges Vorgehen, das so schlimme Folgen nach sich zog, zu entschuldigen. Hermine brach in Tränen cmS und sagte ihm, nun könne er getrost seine Liebeserklärung wieder mit hetmnchmen, wenn das die Mama er- führe, wie sehr sie sich blamiert und von ihm bereits hinters Licht geführt worden sei, dann habe er heute ihre Schwelle zum letzten Mal« übertreten umd dann — dann — ja dann bräche ihr Herz vor Kummer und Sehnsucht, und man könne sie nur gleich lebendig be- graben. Er hätte am liebsten mit ihr geweint, wenn er nur Tränen gehabt hätte. Er schnitt ein jämmerliches Gesicht und rief Pest, Hungersnot und Seuche als Strafe auf sich herab. — Das Resultat dieser stürmischen Szene war, daß man schweigen wolle wie das Grab und die „Enthüllungen" in das tiefste Meer der Vergeffenhrit versenken wolle. Darauf erwog man den zweiten Punkt. Die sollte sich Eichbach dem seines Le- benSglückcs beraubten Freunde gegenüber verhalten? Hermine war der bessimmten Ansicht, daß Karl zu ihm gehen müsse, um feine Schuld zu bekennen. Eichbach überlief bei« bloßen Gedanken daran schon eine Gänsehaut. Ja, wenn er Wiste, wohin Fräulein Gastrow sich gewendet und er ihm mit dem schauerlichen Geständnis du frohe Nachricht ihres augenblicklichen Aufenthalts Hätte mitteilen können, aber sol Sie habe wohl keine Ahnung davon, westen ein Fritz von Tetten alles fähig wärel Und dann sei zu berücksnbtigen, wie sehr er von Detten abhängig sei, ein halbes Vermögen — sie Kniffe es ja doch früher oder später erfahren — sei bereits an Schuldscheinen geschrieben, und ehe er die nicht bezahlt Habe, getraue er sich nicht, nachdem sein Harmloses Jntriguensviel so schwere Folgen gezeitigt, mit derartigen Enthüllungen zutage zu treten. Her- mine ließ indeffen ihr Herz grausam sein tmb schalt ihn einen Feigling; Eickchach schlug die rührendsten Töne an. Denn er nun zu Detten geh« und klipp und Kar alles so bekennen wolle, wie er «z vor ihr getan. —' W wäre imstande, ihn Vie räes Hund über 6W
Die Beratungen der Feinde.
Der Termin der Antwort des Viererrates auf die tzsftfchen Gegenvorschläge wird von der französischen Presse immer wieder hinausgeschoben und Regierungs- Rätter, wie das „Journal" geben zu, daß im Rate der Bier verschiedene Auffaflungen beständen, die erst in Einklang gebracht werden müßten. Es soll sich, wie ond) schon von anderer Sefte gemeldet wurde, insbesondere um die Festsetzung der Entschädigungssumme und um die Ostgretye Deutschlands handeln.
Der Berichterstatter des Mailänder „Corriere" hat nach der letzten Sitzung des Biererrats den Eindruck gewonnen, daß der Verband einwillige, in Ober- schlesien eine Volksabstimmung über die Staats« Zugehörigkeit vorzunehmen, daß er ferner die Dauer unb den Umfang der Besetzung an der Westgrenze sowie endlich die Wartefrist für die Zulassung Deutsch, lands zum Völkerbund erheblich abkürzen wolle.
Haoas gibt eine Darstellung der angeblichen diplomatischen Lage, aus der wir der Vollständigkeit halber -je Hauptpunkte Mitteilen wollen, obwohl es sich in -er Hauptsache bei der Auslassung wohl nur darum handelt, die ablehnende Haltung Clemenceaus zu stützen. Nach dem Bericht sollen die allgemeinen Grenzlinien des Vertrags nicht geändert werden, insbesondere verbliebe es bei den Bestimmungen wegen des Eaarbeckens und der Besetzung des linken Rheinufers. Ueberhaupt werde es sich bei den Aenderungen nicht um Verbesserungen zu Gunsten Deutschlands handeln. Welleicht würde aber wenigstens die Höhe der zu fordernden GesamtentschLdigung wenigstens annähernd festgesetzt. Mit der Antwort solle die Diskussion endgültig geschlossen sein, und es solle nur eine Frist von 3—5 Tagen gewährt werden, innerhalb der die Deutschen sich für Unterzeichnung oder Ablehnung zu entscheiden hätten.
Der Pariser „Temps" meldet, daß es zweifelhaft sei, ob die Antwort auf die deutschen Gegenvorschläge vor Ende der nächsten Woche überreicht werden könne«.
Nirr Deutsch-Ostafrtta?
Nach zwei Jahren!
In der Töchterschule zu M. wird zur FrühstückSpaufi geläutet. Paarweise traten die Mädchen aus dem düsteren, steinernen Gestände in den anliegenden Garten. Frohes Lachen und Plaudern zeigt« alsbald die allgemeine Munterkeit an, die Ionien Zöpfe baumelten und tanzten auf dem Rücken, und manches in de« Schulstunden schweigsam« Mündchen fand hier nicht der unkontrollierten Rede Ende.
Da erschien inmitten der lauten Kinderschar die wohlbekannte Gestalt des Herrn Direktors, ein jovialer alter Herr mit weißem flatterndem Haar, den Rock etwas defekt, aber ein Herz von Gold, ebsvfa echt tote die Einfassung seiner Brillengläser.
rechtes zueignen. Er protestiert energisch gegen ein System, bas die koloniale Bevölkerung als Beute dem Stärkten zuweist. Er ist außerdem der Ansicht, daß es eine große Gefahr für Europa bildet, wenn Deutschland der Rohstoffe aus den Kolonien und kolonialen Märkten beraubt wird. Der Betrag der Entschädi- gungssumme muß sofort festgesetzt werden. Es ist un- zulässig, daß unter dem Vorwand der Schadenvergütung Deutschland einen Blankowechsel unterzeichnen muß. Für Malmedy und Eupen muß die Volksabstimmung ernstlich abgehalten werden. Frankreichs Ent- schädigung durch die Saarkohlen darf nicht ein Vorwand fein, um eine zweifellos rein deutsche Bevölke- rung verkappt zu annektieren oder während einer Zeitdauer von 15 Jahren die ganze Provinz ihrer nasis- naien demokratischen Verwaltung zu berauben.
„Ach, und Detten hat sich wohl auch von ihr zurückgezogen?" rief Karl froh, endlich Tettens Benehmen zu verstehen; indessen Fräulein Hermine zog die Mundwinkel in unendlicher Verachtung herab, und ihre sittliche Enwüstung ward in lauten Worten kund.
„Dieser Detten — sprechen wir nicht von ihm! Mr begegneten diesem Manne von Anfang mit Vorsicht, ja Mrßtrauen. Olga zeigte weniger Zurückhaltung, ganz natürlich bei einem mittellosen Mädchen mit soviel unangebrachtem Stolz. Eine reiche Heirat. wäre ihre Rettung gewesen; ich hätte sie indessen nicht für so niedrig gehalten, mit einem Manne — allem Anstands- gefühle Hohn sprechend — Stelldichein zu treffen und stundenlang in einer Fischerhütte zusammen zu sitzen. Aber wir haben der Sache ein Ende gemacht. Mama ist resolut vorgegangen. Schließlich wird unsereins von der Schande mitgetroffen. Man wohnt doch immer unter einem Dache, Sie verstehen l"
Nein, Eichbach verstand nicht, er fragte ganz naiv: „Warum denn ein Ende machen, wenn et ehrlicheAb- sichten hegt? — Ich glaube daS konstatieren zu können."
Nun war eS an Fräulein Hermine, ihn mit strafendem Blick zu messen.
„Wenn er ehrliche Absichten hegt?! — Ja, haben Sie denn vergeffen, was Sie mir gesagt?"
„Um aller Heiligen willen! WaS habe ich Ihnen gesagt?" rief Karl mit wahrem Entsetzen, denn all- gemach schien ihm daS Verständnis der Sachlage zu kommen. Hermine blieb sprachlos. Eichbach umfaßte ihre beiden Hände mit krampfhaftem Truck.
„Das habe ich Ihnen gesagt?" wiederholte er verstört „Ich Unglücksmensch! Ich Undankbarer! Ich — ich! O — ich könnte mich selber prügeln!"
Er schlug sich wider die Stirne und geberdete sich im nötige», daß Hermine sich besorgt nach der Droschke mnscch, die denn auch in langsamem Trcche angefcchren kam. Mit kühlem Gruße wollte sie an ihm vorüber, er ober hielt sie zurück.
„Ich muß Ihnen Aufilämmg geben, Hermine, ein unseliger Irrtum waltet hier, Hch muß Sie allein sprechen. Wann treffe ich Sie? Heute noch?"
Sie nickte.
„Rach fünf Uhr erwarte ich Sie zu ^aufe.* *
rollte die Droschke weg.
Der Getvattfriede für Oesterreich.
Die Protestbewegung gegen den Gewaltfrieden wurde in Wien mit einem großen Straßenumzug eingeleitet, an dem etwa zwanzigtausend Menschen teilnahmen. Bor der Uniberfität hielten die Rektoren der Hochschulen Ansprachen gegen den Ber- nichtungsfrieden. In der Tiroler Landerversammlung wurde beantragt, einemehrtägigeLandestrauer als Protestkundgebung gegen den Gewaltfri'eden zu beschließen mit schwarzer Beflaggung der großen Städte, Trauerkundgebungen in den Schulen, Trauer» geläute und Verhüllung der vaterländischen Denk- mäler. Wie die ,Reichspost' erfährt, wandte sich Fürstbischof Pif f l-Wien namens des deutsch-österreichischen Episkopats in einer Eingabe au den Papst, in der dessen Intervention gegen den Friedensentwurf von St. Germain anaerufen wird.
Was den weiteren Verlauf der Dinge in St. Germain anlangt, so wird die deutsch-österreichische Frie- densdelegation genau so wie die deutsche Delegation mit aller Geduld Gegenvorschläge ausarbeiten.
Sn den Friedensbedingungen bedeutet den schwersten Schlag gegen Oesterreich die Vorschrift, daß deutsch-österreichisches Vermögen in den übrigen Staaten, die auf dem Boden Oesterreich-Ungarns entstanden find. Äs feindliches Vermögen behandelt, also konfisziert werden würde. — Das ist der finanzielle Ruin Deutsch-Oesterreichs. Wien ist der Sitz großer Kapitalisten und Kapitals.organisationen, deren Besitz in Böhmen, Südflawien und Gaüzien liegt. Es handelt sich dabei um Werte von vielen Milliarden. Die Liquidierung der alten Monarchie soll demnach den Deutsch-Oesterreichern nur die Schulden lassen, aber allen Besitz den Slawen zuteilen.
Karl Eichbach trat in das Zimmer seiner Schwester, «e bei ihm ein einfaches, aber trautes Heim gefunden. . »Höre, Lenchen, sollte ein Brief auS St. für mich *®treffen, schicke ihn mir unverweilt aufs Bureau." „Tein Freund scheint ein sonderbarer Kauz zu mehrte Lenchen, „erst setzt er den Draht in Be- T*8ung, um Dich zu rufen, dann läßt er trotz Deiner Wtonjten Briefe nichts mehr von sich hören." ^»Es ist da irgwid etwas nicht in Ordnung," er» Eichbach darauf. „Fritz hatte von jeher feine •“Wnutten. Nun, da er verliebt ist, wixd er fie doppelt g*n:. Ich denke, ich schiebe die nächsten Feiertage nach ^hinüber, vielleicht sitzt der arme fierl wieder in einer auS der ihm nur Karl Eichbach heraushelfen
-Das wird das Klügste sein."
" der Ture wandte sich Eichbach noch einmal um. Sn- Leuchen. Lege mir meinen braunen
*a Ku ?^ech*' Wie ich höre sind die Jähnekes zurück;
nicht verfehlen, ohne Verzug vorzufpre- tourbe Eschbachs Interesse stets fier cpfaJsTri reiche Ausstattung der Schaufen.
fanensr . ®ne Neuheit entging seinem aufmerk, "scht. So auch heute. Er blieb vor einer -A^elscheiben stehen und prüfte lange und genau, gen cLte f1 ^nier sich eine Dame sprechen: „Desor- üeoenr,2Danb^. sich um und stand Hermine Jähneke ^in^k.rx? 8ieube 1x5 Wiedersehens strahlte bei- Während Jette ging, dem Befehle «Ärt D“menterte Eichbach mit Fräulein «ch'N^mune, Sie allein zu treff«,/ äußerte Dich, in ^3 ®eforad}eg, „übrigens wäre für mich
Jh" Gesellschafterin der Stern htmu A bedeutungsvollem Lächeln
3 cr Armine faßte den Scherz weniger lustig auf. fananb k nicht mehr bei uns," versetzte sie, tote ^^richtet Hat, Wt M-cht-
präfidenten mA die weittragenden Folgen gehabt hat, die es sehr leicht hätte haben können, so ist das der Festigkeit unb Pflichttreue feines vorläufigen Nachfolgers zu danken, der sich nicht von feinem Posten verdrängen ließ, und damit der ganzen Beamtenschaft das rechte Beispiel gab.
Die Ablehnung der Dortenfchen Republik von Frankreichs Gnaden ist aber, was man wohl beachten muß, durchaus nicht die Abweisung der Beftrebungen auf Errichtung eines west deutschen Bundesstaates im Rahmen einer schiedlich-friedlichen Entwicklung. Die Neigung, sich von der preußischen Oberhoheit zu lösen und ein eigener Bundesstaat innerhalb des Deutschen Reiches zu werden, ist in weiten Kreisen des Rheinischen Lander vorhanden. Die Revolution hat diese Steigung in starker Weise geweckt; einmal, well die Rheinländer sagen, nur das Haus der Hohenzollern habe den preußischen Staat zusammengehalten und da es nicht mehr bestehe, fei auch das Interesse für Preußen im Rheinland erkaltet. Sodann aber haben ja, wie bekannt, die Ankündigungen im revolutionären preuhifchen Kultusministerium über die Pläne bezüglich Staat und Kirche und Schule und Kirche im Westen speziell bei den religiös gesinnten Bewohnern wie Sprengpulver gewirkt, und feit der Zeit fpuken die die Versuche einer Lostrennung. Zugegeben werden muß auch, daß die Rheinlande eine ganz andere wirtschaftliche soziale und kulturelle Schlichtung haben als der Osten des preußischen Staates, was zwar eine Trennung durchaus nicht notwendig, für das übrige Preußen auch gar nicht wünschenswert, aber das Verlangen darnach im Rheinland erklärlich macht. Das Rheinland wurde im preußischen. Staatsverband nicht so behandev, wie es feiner Bedeutung und Eigenheft entsprochen hätte.
Auch unter der neuen Regierung ist bas nicht besser geworden. Darüber ist hier schon manches gesagt worden. Die Besetzung des linken Rheinufers durch die Feinde und die Aussichten im Falle des Richtunter- fchreibens des Friedensvertrags haben noch weitere Gründe geschaffen, um die Selbständigkeitsneigungen zu ver^ößern. In den Rheinlanden klagt man, daß die Reichsregierung nichts für die besetzten Gebiete tue; weil sie infolge der feindlichen Zenfur nichts von dem weiß, was für sie geschieht. In den Aachener Zeitungen durfte noch nicht einmal der Teil der Mantelnote abgedruckt werden, der die Forderungen wegen Eupen und MÄmedy enthält. Auch wurde der Abdruck des Protestes, den Kardinal von Hartman in Sachen Eupen-Malmedy an die Wafsenstillstandskommisfion gerichtet hat. So setzte sich die Meinung fest, daß Malmedy, Eupen und das Saargebiet bloß deshalb verloren gehe, weil keine Rheinische Republik bestehe, da andernfalls diese Gebiete erhallen bleiben könnten. Dafür sei die Gründung einer eigenen Republik notwendig. Es ist uns zwar recht zweifelhaft, ob die Rechnung wegen des Saargebiets, Malmedy und Eupen stimmt'. Vielmehr ist zu erwarten, daß bte Franzosen auf so etwas nur eingehen wollten, wenn die Rheinische Republik sich vom deutschen Reich loslöste.
Das ist gerade das, was kein Deutscher zugebeil kann. Und letzteres erklärt es auch, warum man überall im deutschen Land gegen die Bestrebungen im Rhein- land protestierte, die glaubte, die Vermeidung ihrer Wünsche mit Hilfe des Feindes erzwingen zu können. Rur in diesem Sinn kann auch von Hochverrat gesprochen werden.
Haftbefehl gegen Dr. Dorten.
Das preußische Ministerium des Innern hat oegen den „Präsidenten" der Rheinischen Republik Dr. Dorten einen Haftbefehl erlassen.
erflaruug der Frankfurter Zeutrumspartei.
Die Frankfurter Zentrumspartei faßte in ihrer Borstanbssitzunq am 2>onner8tae, ö.Juui, einstimmig folgenden Beschluß:
„Die Frankfurter Zentrumspartei verwabrt sich mit aller Sutichiebeuheit reeen bie Versuche der gegnerischen Presse, für die LoslöfungSbestrevangen int Rheinland« und in Nassau bi« Zentrumspartei verautvoortlich zu machen. Si« steht vollständig auf dem Standpunkt der Zentrumsfraktionen der Station alter»
scheu Besitz zurückzugeben. Um allen Mißverständnissen vorznbengen, wird demgegenüber halbamtlich betont, daß die Rückgabe Deutsch-Ostafrikas a 11 e in noch nicht die „freie, unvoreingenommene und absolut unparteiische Regelung" unserer kolonialen An» svrüche bedeuten würde, Vie uns beim Abschluß des Waffenstillstandes von der Entente durch Annahme der Wilsonschen Grundsätze zugesichert wurde.
Oftofrifa ist noch nicht die Hälfte deS bisherigen deutsch-afrikanischem Kolonialbesitzes, und es hat nur zu einem kleinen Teil die Rohstoffe, deren Deutschland unbedingt bedarf. Dabei sind noch garnicht die Südseegebiete in Betracht gezogen, die namentlich durch die Kopra-Einfuhr von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung für Deutschland geworden find. Kamerun Äs $!aitfagengebiet und Lieferant für die wichtigsten und unentbehrlichsten Rohprodukte. Siidweftafrika Äs Sied, lungsland sind ebenfalls ein wichtiger Faktor der deutschen Wirtschaft geworden, und für die Fortführung einer wirklich ergiebigen Kolomalwirtschaft bedürfen wir aller dieser Gebiete. Ohnedies hat Dewfchland im Vergleich zu feiner Größe und seiner Bevölkerung viel toeniger Kolonialbesitz gehabt als die erberen Völker. Um so ungerechter wäre cS, ihm diesen Besitz auf einen winzigen Bruchteil herabzuschrcmben. Es
braucht ausreichenden Kolonialbesitz, um sich wenigstens einigermaßen mit eigenen Rohstoffen versehen zu können und, um überseeische Wirtschaft auch unabhängig von anderen Ländern treiben zu können. Es hat in der Entwicklung dieses Besitzes wichtige unb erfolgreiche Kulturarbeit geleistet. Ihm seinen kolonialen Anspruch versagen ober zu verkümmern, hieße die von Wilson feftgelogtsn Völkerrechtsgrundsätze völlig Preisgaben.
Die belgischen Arbeiter gegen den Friedensverlrag.
Der Vorstand der belgischen Arbeiterpartei sagt in einem Protest gegen den Friedensvertrag mit Deutschland: Der zukünftige Friede wird durch die Tatsache ^droht, daß zahlreiche deutsche, ukrainische und lettische Bevölkerungsteile im Gegensatz zu dem Selbstbestim- wungsrecht der Völker an Großpolen verkuppelt wer- dm. Der Vorstand mißbilligt, daß die Großmächte sich dw deutschen Kolonien nur auf Grund des Eroberungs
TTr 1 1A I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte. 1 ll. V» I für die Anzeigen: I. Parzeller.Fulba.— Rotationsdruck.
iammlung unb her LanbeSversammlung, bte a^fdruckltch erklärt haben, bah sie derartige Bestrebungen «b lehnen Sie berurteilt das Borgehen von «nzehorrgen vtr,chle bener Parteien, die in so schwerer Zdtt mit Htije -P» Feindes Son.erhestrebungen verfolgen.
Die 5r«tqofctt in Höchst.
Höchst, 6 Juni. Infolge des Abwehrstreiks gegen die „Rheinische Republik" haben die Fran» kosen hier drei Arbeiter verhaftet, bte, fie offenbar aI5 Anstifter des Streiks ansehen. Emer, der drei ist gestern abend wieder entlassen worden, er ist am ganzen Körper blau geschlagen. Dre bet- den anderen, Stadler und Schwttzinaer, sitzen noch. Sie werden derart mit Gummifchlauche« uno Reitpeitschen mißhandelt, daß man ihr Schreien mehrmals bis auf bte Straße horte. Die Bevölkerung ist im höchsten Maße enftwrt.
Die unterbliebene Proklamation in Aachen.
Aschen, 6. Juni. Am HimmelfahrtStage war eS hier drauf und 6ran, baß die Ausrufung der Rheinischen Repuhlik erfolgt wäre. Der Stadtkommandant voh Aachen, ein französischer Oberst, fuhr »t 4 Uhr morgens vor dem Polizeipräsidium Vox und erheh folgende Verordnung: „Werden im Laufe deS Ta-qes m Sachen Plakate mit der Proklamation der RhetmicheNi Republik angeschlagen und es wird auch nur eins dufter Plakate von Ktndeshand abgerissen, bann werden jam't- tiche vierzig Beamte des Polizeipraitdtum». verhaftet, ebenso wenn auch nur irgend etne einzige Protest-Erklärun, angeschlagen wird." Trotzdem ist es zu dem Akte der Proftamatton, für den der Kaisersaal des Rathauses vorgeschlagen war, nicht gekommen. Warum, das weiß niemand.
Dor neuen Putschversuchen in der Pfalz.
Die „Neue Badische LcmdeSzeikMg" erfährt aus zuverlässiger Quelle: Die Pfalz scheint nicht zur Ruhe kommen zu dürfen. Kaum HÄ man etwas aufgeatmet, nachdem der Putschversuch am Sonntag so gründlich mißglückt ist und die Proteswersammlungen, cnn SMn- tag so glänzend verlaufen waren, fo schwirren schon wieder Gerüchte von einem neuen Putschv er- such in der allernächsten Zeit — man sagt zu Pfingsten — mnher. Diesmal soll es etwas schlauer atme- fangen werden als am 1. Juni. Das franzosrsche Wit. tär soll nicht wieder so zurückhaltend sein. Man mun. feit, daß diesmal viele Elsässer — man spricht van einigen Sonderzügen — kommen sollen, vielleicht auch französische Soldaten, jedenfalls aber Propagan- da-Offiz iere in Zivil, die schon bisher aß „deutsche Patrioten" an Versammlungen, beispielsweise im „Gambrinus" in Speyer teil nahmen. Die An- Wesenheit dieser „sicheren" Person« genügt natürlich nicht, deshalb soll am Tage vor dem nächsten, Putsch- versuch der ganze Zugverkehr nach Speyer eingestellt werden, damit ja keine Pfälzer nach Speyer kommen können. Wer auch bte Speyerer selbst sind übenlupig: damit sie nicht in die Versuchung kommen, zu dem großen Ereignis zu eilen, jagt man sie vorher mittels Alarm in ihre Häuser. Auf die Alarmvorschriften tst deshalb dieser Ätge erneut in den Zeitungen hinge- triefen worden.
Rheinländer in Versailles.
Am Freitag sind in Versailles die Vertreter des Rheinlandes, nämlich Regierungspräsident v Starck, Oberbürgermeister Adenauer von Köln, Kommerzienrat Louis Hagen, der soz. kölnische Arbeiterführer Söllmann, der Zentrumsabg. Lennartz-Koblenz und der Pros^sor Claas aus dem Priesterseminar in Trier eingetroffen, um mit dem Grafen Brockdorff-Rantzau die rheinische Frage zu beraten. Graf Brock- dorff-Rantzau reiste noch am Abend auf einen Tag nach Köln, um anderem auch mit Kardinal Hartmann die schwebenden Fragen zu besprechen.
Die LoslSiungSbestrebungen im Berlassungsausschutz.
Eine längere Erörterung entstand im Vefaffunas- ausfchuß der Nationalversammlung bei Art 15, der die Gliederung des Reiches in Länder regelt. Die Neubildung von Ländern oder Gebietsver- änberungen setzt danach die Zustimmung der beteiligten Länder voraus. Ohne diese Zustimmung kann eine Neitoildung oder Gebietsänderung nur durch ein der- fas ungsänderndes Reichsgesetz (ix h. mit Ztoeidrittel-Mebrheit) erfolgen, wenn oie Bevölkerung sie fördert oder ein überwiegendes Allgemeininter«fstz. sie erheischt.
Abg. Brauns (Ztr.) beantragt, daS Wort „#er- fÄsungsänderndes" zu streichen. Wir l eh n e n jede Haufen zu schießen, und dann — ja dann lebte er eben nicht mehr, und mit dem Heiraten wäre es vorbei. DaS sah Hermine auch ein, unb so setzte man als zweiten Punkt fest: Tiefstes Schweigen auch Detten gegenüber! Eichbach würde ihm mitteilen, daß Olga im Zanke von den Jähnekes gegangen, madt wisse nicht wohin. Man habe ihr VorhÄtungen über ihr toenig konvenableS Benehmen gemacht, ihr Stolz habe sich dagegen aufgelehnt, und da sei sie spurlos verschtounben. — Habe Detten erst den ersten Schmerz überwunden, so brauche man sich weiterhin keine Gewissensbisse mehr zu machen. Soviel er ihn kenne, gehe der an ein bischen HerzenStoeh nicht zugrunde. Wie anders hingegen, wenn zwischen ihrer Verbindung die rächende Hand der Mama stände! Hermine klagte, baß sie alsdann bas Liebesleid verzehre, unb mich, dachte Eichbach — bte Schulden.
So war es alfo jedenfalls besser, wenn Detten ein wenig Herzgrimmen hatte, der konnte es besser ertragen. Wer weiß überhaupt, ob er mit solch einer et» scherjungfrau glücklich geworden! Jedenfalls gab es MA>chen genug, die ihn gern glücklich gemacht hätten, zum Beispiel Lenchen!
Man trug Lauchen bett Plan vor, und sje fand ihn gut.