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übernationale Garantiemacht die eine Sicherheit gab, daß während der Verhandlungen die Mobilmachungen eingestellt wurden, gab es ja Lan'als noch nicht.

In den Schlußfolgerungen aus diesen Betrachtun­gen betont die Denkschrift, daß Deutschland das Aeußerste getan habe, um das Wiener Kabinett zum Einlenken zu bewegen. Die deutscke Regierung, die mehr als 40 Jahre hindurch nach den eigenen Wor­ten des Kommissionsberichtes als „Vorkämpferin des Friedens" gegolten habe, habe den Weltkrieg nicht gewollt. „Eroberungspläne lagen den Ge­danken der leitenden deutschen Staatsmänner welten­fern." Anders sei es bei den Führern der panNavisti- schen Kreise Rußlands gewesen, die zur Durchsetzung ihrer Absichten den Krieg brauchten und die den Frie­den, als er gesichert erschien, im letzten Augenblick un­möglich machten. Wenn von London und Paris, — so führt die Denkschrift aus —, auf Petersburg ein ebenso starker Druck ausgeübt worden wäre, wie von Berlin auf Wien, so wäre vielleicht die russische Mobili­sation unterblieben, die den Grund zum Kriegsausbruch bildete!

Wie es so weit kam.

Von Prof. Grebe M. d. pr. L.

Man könnte die Ausrufung der „Rheinischen Re­publik" als verspäteten Fastnachtsscherz auffasien, wen» nicht die Drahtzieher sich sofort nach Versailles gewandt und den Schutz der Friedenskonferenz angefleht hätten. Hier haben wir es wirklich mit Hoch- und Landesver­rätern zu tun, aber diese iverden sich durch unsere Em­pörung wenig stören lassen, fühlen sie sich doch im Schatten französischer Waffen wohlgeborgen. Ten Ur­hebern wird unsere Entrüstung kaum weh tun, wohl aber erleben wir es, daß man wieder das Zentrum zum Sündenbock zu machen sucht und noch mehr Unheil an richtet. Deshalb dürfen wir auch jetzt die Frage nicht außer acht lassen, wie es so weit hat kommen können.

Die Sozialdemokratie verstand es mit ihrer Schroff, heit und Unduldsamkeit, in kurzer Zeit Preußen noch viel unbeliebter zu machen, als es jemals gewesen war. Tas „Los von Berlin" zündete selbst in Gegenden, wo man vorher nicht einmal von Tren­nung geträumt hatte. Die Stimmung in weiten Krei­sen der Bevölkerung war namentlich im Westen g e- gen Berlin sehr gereizt. Dazu wurde die Aufteilung Preußens aus innerpolitischen Gesichtspunk­ten vielfach erörtert. Kurz vor Ausbruch der Revolu­tion faßte sogar die offiziöse „Deutsche Allgetn. Ztg." diese Möglichkeit ernstlich ins Auge. Besonders aber sprach der bekannte Oberpräsident von Ostpreußen, Herr von Batocki, dem alten Preußen im neuen Reich die Existenzberechtigung ab und wollte es in seine natür­lichen Bestandteile zerlegen. Der Gedanke eines gänz­lichen Umbaues des Reiches erhielt so immer neue Nahrung. Als dann der Verfassungsentwurf des Herrn Preuße in seiner ersten Gestalt die Auf­teilung Preußens vorsah, mußte man sich mit diesem Plane ernstlich beschäftigen.

Die Frage der Aufteilung Preußen? war und ist also offen; und man kann es daher niemand ver­wehren, die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, darzulegen und für eine Lösung dieser Aufgabe einzu­treten, die ihm am zweckdienlichsten scheint.

Daß aber eine solche Frage in einem Augenblicke, in dem wichtige Teile des Reiches vom Feinde be­setzt sind, recht bedenklich ist, hätte die Regierung be­denken müssen. Die Gefahr, daß der Feind diese Ver- hältnisse ausnutzen würde, lag nahe und ist jetzt Wirk­lichkeit geworden. Falls der Friede nicht unterzeichnet wird, ist, zu befürchten, daß die Franzosen durch Grün­dung einer Anzahl kleiner Freistaaten im Westen Deutschland zu zerstückeln und ohnmächtig zu machen versuchen. Deshalb durste diese Frage gar- nicht angerührt, oder sie mußte schnell erledigt werden. Wenn das Verfassungswerk nicht schnell und einmütig zu erledigen war, mußte man die Frage überhaupt zu­rückstellen, bis die Rechnung mit dem Feinde abgeschlos­sen war. Vielleicht würde dann unter dem Druck der harten Last, die uns aufgeladen wird, eine Verein­fachung unserer verwickelten innerstaatlichen Verhält­nisse .sich von selbst aufgedrängt haben.

Die Bewohner der Rheinlande standen außerdem unter der Furcht, daß sie vom Reiche getrennt wer­den könnten. Sie glaubten, diese Gefahr zu bannen, wenn sie sich von Preußen loslösten und einen eigenen Bundesstaat bildeten. Deshalb wa­ren an der Bewegung auch Männer aus allen Parteien beteiligt. Eine Trennung vom Reich kam nie in Frage.

Die Regierung hat nichts getan, um diese Bewegung in die Hand zu bekommen. Ebensowenig hat sie etwas getan, um die berechtigten Beschwerden der Rheinlän­der zu beftiedigen. Erst in der Sitzung der preu­ßischen Landesversammlung vom 28. Mai stellte der preußische Ministerpräsident Entgegenkommen auf dem Gebiete der Verwaltung in Aussicht. Tas war natür-

„Also die gnädige Frau kommt mit der blonden' Dame — mein Herr, ich weiß bis zur heutigen Stunde noch nicht, was sie in der äußerst noblen Familie ist!"

„Brauchen Sie auch nicht zu wissen! Weiter!"

„Kommt also zurück und verschwindet im blauen Zimmer, das gesündeste im ganzen Hause. Kommen also und verschwinden; die gnädige Frau voran mit äußerst ungnädiger Miene. Ich komme zufällig an der Tür vorüber; — mein Herr, ich bin zwar nur eine arme Chambriere; aber horchen tue ich nicht; sagte doch schon meine Mutter — Gott habe sie selig — eine kreuzbrave Frau, meine Mutter! Sie nahm die sehr einträgliche Stelle einer Aufwartefrau bei Grafen und Baronen ein, sagte sie doch schon zu mir „Kind", sagte sie, „der Horcher an der —'

„Verschonen Sie mich mit den Aphorismen Ihrer seligen Mutter!" Pikiert zog sie die Schultern empor.

„Viel Respekt vor dem Alter scheinen Sie auch nickst zu haben. Sie wissen wohl nicht, daß der--daß

bei — daß irgendwo geschrieben steht: Ehret das Alter, denn — Ich komme also zufällig vorbei rmd höre den Skandal. Zuerst natürlich gab's so sachte Rede und Gegenrede; dann ging's forte, forte, bis auf einmal das gnädige Fräulein hereingestürzt kam und etwas rief — eS war deutsch, ach! diese Sprache!"

„WaS rief sie?"

„Sie hören ja, ich verstand nicht; aber es muß etwas Entsetzliches gewesen fein: denn die blonde Dame mit der undefinierbaren gesellschaftlichen Stellung schrie auf, daß mir vor Wehnrut die Augen übergingen; und dann lief sie wie wahnsinnig durchs Zimmer und hielt sich mit beiden Hämden den Kons und rief etwas."

„WaS rief sie?"

„CS war wieder deutsch, mein Herr", erklärte sie mit unzweideutigem Lächeln.

Er zog seine Börse und legte ein weiteres Gold'tück auf die Ballustrade. Sie schien den „goldenen" Zwi­schenfall nicht zu bemerken und fuhr fort:

„Ich trete also näher, schaue burdi’S Schlüsselloch - aber in Ehren, mein Herr, und da sehe ich die blonde Dame — connm-cal" Sie griff mit beide, Länden in

i^re weite faltige Haube und rannte wie besessen um­her, indem sie schrie: „Lügemenschl Lügemenschl Nir mrt die Wahrheit!" Nix mit die Wahrheft!" Wäre die Situation nicht so verzweifelt ernst gewesen, Det- ten hätte sich des komischen Eindrucks nickst erwehren können. So aber hörte er nur aus dem Kauderwelsch das eine heraus, daß man einen Vorwurf gegen Olga erhoben, den sie der Verzweiflung nahe zurückwieS. Es hielt ihn nicht mehr länger zurück, ohne Gruß und ohne weiteres Wort eilte er davon, stieß auf Jean, der an der Türe gestanden und gelauscht, und begab sich auf direktem Wege zur Bahn, um Nachforschungen zu halten. Hinter ihm her lächelte die Chambriere und Jean.

„Er kommt wieder; und wenn er noch weitere Gold­stücke abwirst, heiraten wir zu Weihnachten, Jean." .

Fritz von Seiten war völlig gebrochen. Er hatte tausend Möglichkeiten erwogen, die sie zu solch unfaß­barem Handeln bewogen haben konnten, und fand kei­nen Grund stichhaltig genug, dasselbe zu rechtfertigen. Was hatte er nicht alles unternommen in den ersten Stunden seiner Verzweiflung, zu welch wllkühnen Schritten sich hinreißen lassen, um Licht in dieses Dun- kel zu bringen. Nun war er so weit zur Ruhe ge­kommen, um einen Halbwegs vernünftigen Gedanken zu fassen und über die weiter zu unternehmenden Schritte nach-udenken. Was blieb ihm weiter übrig zu tun, nach soviel nutzlosem Umherlaufen und Fragen, nach soviel unnütz fortgeworfenem (Selbe? In seiner Ratlosigkeit und dumpfen Verzweiflung eilte er zum Telegraphen und depeschierte an Eichbach: „Karl komme!"

Tie Antwort lief direkt ein. Die Depesche war von der Schwester Eichbachs aufgegeben. „Karl aus Dienst­reisen begriffen."

So faß er denn allein und verlassen, trotz seine? Reichtums, trotz seiner übergroßen Liebe, der gestern noch so glückliche Fritz von Setten! Den fieberheiße Kopf hatte er in die Hand gestützt; er war müde

sich zu 'spät, um noch irgendwie wirken zu können. Sie zweimalige Besprechung der rheinischen Angelegen­heit rn der preußischen Landesversammlung war auch nicht geeignet, Beruhigung zu schaffen. Das Vorgehen atmete ganz den asten Preußengeist, bet es nie verstam- bcn hat, abweichende Meinungen zu gewinnen. Ein Kesseltreiben gegen das Zentrum oder „ein Volksgericht über das Zentrum", wie ein Blatt schrieb, vermag die rheinische Bevölkerung gewiß nicht zu einer anderen Ansicht zu bekehren. Ganz wirkungslos muß der Vor­wurf des Hochverrates verpusten, zumal wenn er von den ürhebern des 9. November ober £*t von den Schü­tzern und Schuldigen der obigen Unruhen und Gewalt­tätigkeiten erhoben wird. Von der Reichsregierung sprach Ebert einem Vertreter der „Deutschen Allgem. Zeitung" gegenüber von „den Plänen und Unterneh- nTungen einiger Abenteurer und moralisch verwahrlo­ster Individuen in der Pfalz und dem Rheinland". Das ist nicht der Ton, um die Leute zu beruhigen. Minister­präsident Scheibemann warf in einem Artikel desselben Blattes den katholischen Geistlichen in Ostpreußen vor, daß sie für den Anschluß an Polen arbeiteten. Er mußte sich eines besseren belehren lassen und seine Aus­führungen berichsigen. Tie Unzufriedenheit, die er an­gerichtet, ist damit aber nicht beseitigt. Die sozialde­mokratischen Minister und ihre Partei müssen erst ler­nen, nicht nur mit den Augen des Parteiarntawrs zu sehen, wenn nicht noch mehr Schaden angerichtet wer­den soll. Mit forschem Treinschlagen kann man wohl noch wertvolles Porzellan entzweischlagen, aber mehr erreicht man auch nicht.

Tie Leute, die heute mit Hilfe der Franzosen eine rheinische Republik zu gründen versuchen, sind Hochver­räter. Man muß aber wohl bedenken, wie e§ so weit gekommen ist, und sich hüten, baß man nicht auch Kreise vor den Kopf stößt, die mit dem hochverräterischen Trei­ben nichts zU tun haben wollen. Tie Stimmung der ganzen Devöflerung muß sorgfältig und klug, berücksich­tigt werden. Das hat die Regierung nicht der- standen. *

c Tie Zentrumsfraktion der deutschen Nationalver­sammlung, die in der Angelegenheit der rheinischen Republik die inzwischen bereits bekannt gegebene Ent­schließung gefaßt hat, war sich in in ihrer Besprechung am Dienstag darin völlig einig, daß alle auf Lostren- nung der Rheinlmnde gerichteten Verhandlungen mit dem Feinde auf das Entschiedenste zu verurteilen sind. Tiefe 'Stellungnahme der Fraktion richtet sich selbstver­ständlich nicht gegen das Bestreben auf g e s e tz l i. di em Wege zu einer selbständigen Republik Rhein­land innerhalb des deutschen Reiches zu kommen.

Der Empfang der neuen Regierung.

Wiesbaden, 4. Juni. Heute abend, da Landes- Hauptmann Krcckel dem Präsidenten Sorten auf dessen wiederholtes Ersuchen die Ueberlassung weiterer Räume für seine Regierungszwecke rundweg abschlug, so zog Dorten mit seinem Regierungskollegium in das Ge­bäude der Staatsregierung über, in dem des freien Mittwoch-Nachmittags wegen keine Beamten anwesend waren. Vor dem Gebäude sammelte sich alsbald eine große Menfck'enmenge an, deren sich eine lebhafte Er­regung bemächtigte. Sie drang in das Innere des Re- gieningsgebäudes ein, Bemächtigte sich der Mitglieder der neuen „Regierung" und verprügelte sie jämmerlich. Nur der Präsident in seinem Arbeitszimmer, der zu­nächst nicht bemerkt wurde, entging diesem Schicksal. Besonders übel zugerichtet wurden Dr. Eckermann und Dr. Klingenschmidt. Sie mußten von einem herbeige- holten Arzt, den ersten Verband empfangen und wurden dann in einem Automobil weggebracht. Die übrigen von ihnen, unter ihnen auch der Präsident, retteten sich durch die Flucht.

Charakteristisch war das Verhalten bet französischen Besatzung. , Im kllegierungsgebäube befand sich eine Wache, die in die schwebenden Unterhandlungen mi# den Regierungsvertretern nicht eingriff, sondern ihre Neu­tralität erflärte. Oberst P i n e a u, der herbeigerufen war, erklärte dem stellvertretenden preußischen ' Regie­rungschef, Oberregierungsrat Springorum, daß er sich in die Auseinandersetzung nicht einmiscken werde, und überließ die Herren von der neuen Regierung ihrem Schicksal. Wegen der Vorgänge werde er nicht ein- fchretten, nur müsse auf der Straße unbedingt Ruhe bewahrt werden. Wie man vernahm, sollen am Abend noch verschiedene der Beteiliaten verhaftet worden fein, doch wurden sie alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt.

Abschiebung der Mainzer Verhafteten.

Mainz, 5. Juni. Von den am Montag Verhafteten sind zehn Personen gestern wieder freigelassen und aus dem besetzten Gebiet a b g e sch o b e n worden. Es be- twdet sich ba runter auch der hessische Kammervräsident Adelung. Einige weitere Verhaftete wurden ohne Aus- wfNung freigelassen. Tie Verhafteten waren sehr schleckt, behandelt worden, besonders die Lehrer tourbeti teilweise mit Faustschlägen und Peitschenhieben träk-

Denken, müde vom Haffen. Die Zähne biß_ er a>-fi n 4 ander, um den seelischen Schmerz zu betäuben

fiert. Mehrere Dutzend Eisenbahner siird, gleickialls festgenommen und werden vor ein Kiegsgerrcht gestellt.

Weitere Proteste.

Köln a. Rh., 5. Juni. Die Stadtverordneten-Ver- fammlung Kölns lehnte einstimmig die 'n Marnz und Wiesbaden proklamierte Rhetmiche Republik mrt aller Entschiedenheit ab. — Oberbürgermeister Adenauer • in Köln, der bekanntlich an der früheren Bewegung für Schaffung einer westdeutschen Republik führend betei­ligt war, läßt öffentlich folgendes Wellen: „Alle Kreise und alle Persönlichkeiten m Köln, welche bis­her mit dem Gedanken einer Selbständigmachumg der Rheinlande oder Westdeutschlands im Rerchsverbande shmpathisiert haben, wollen mit der letzt versuchten Gründung einer rheinischen Republik in Wiesbaden nicht das geringste zu tu Maßen. Weder mit der Art und Weise, wie bei der Gründung verfahren worden ist, noch mit dem Zeitpunkt, in dem sie erfolgt, sind sie irgendwie einverstanden."

Aachen, 5. Juni. Die Aachener ZentrumSpartei erklärt in einer Kundgebung, sie stehe wie bisher auf dem Standpunkte, daß aus politischen, wirtschaft­lichen und kulturellen Gründen die Bildung einer west­deutschen Republik alS Gliedstaat des Deutschen Reiches zu begrüßen sei. Dieses Ziel sei jedoch nur zu erreichen durch Zusammenarbeit aller maßgebenden und verantwortlichen Stellen unter Wahrung des Selbst» bestimmungSrechteS des Volkes.

Einspruch der deutschen Delegation.

Dem Pläsidenten Clemeueeau wurde eine Note Brockdorff-Rantzaus überreicht, welche auf die Unter­stützung der Bestrebungen zur Loslösung der Rhein» lande von Deutschland durch die militärischen Be­hörden der Okkupationsmächte hinweist und tue feindlichen Regierungen darauf aufmerksam macht, daß die Duldung und Förderung von Bestrebungen, die zur Ablösung der westlichen Gebiete vom Reiche führen sollen, in hohem Maße geeignet ist, die Ver­handlungen über die Herstellung bei Friedens zu stören. Ein solches Verhallen der Okkupation?- behörden würde überdies in schroffem Widerspruch zu der Bestimmung des Artikels 5 Absatz 2 des WaffenstillstandSabkommenS stehen, die offenbar da­von ausgeht, daß die Zuständigkeit der bisherigen Verwaltungsbehörden dieser Gebiete unangetastet bleibt. Die feindlichen Regierungen werden nach­drücklichst, ersucht dafür Sorge tragen zu wollen, daß die militärischen Behörden der Okkupationsmächte jede Förderung von Loslösungsbestrebungen unter­lassen, andererseits den deutschen Behörden bei der pflichtgemäßen Bekämpfung dieser Bestrebungen kein Hindernis in den Weg legen.

Die Ausstandsbewegung in Frankreich,

Die AusstanbSbewegung in Frankreich nimmt zu. In den Vororten von Paris allein feiern 250 000 Ar­beiter. Die Omnibus- und Straßenbahnaiigeftellten, welche die Arbeit niederlegten, beschlossen in stark be- suchten Versammlungen mit den streikenden Metall­arbeitern un^ den Untergrundbahnangesiellten gemein­same Sacke zu machen und gleichfalls den allgemeinen Ausstand für das ganze Pariser Gebiet auszurufen. In der Reiallbranche schein«» Unterhandlungen zwischen Arbeitern und Arbeitqeb^ bevorzustehen. Blätder- meldungen machen den Eindruck, daß die Ausstandsbe- toegung bisher Wirtschaftlich ist. Maßgebender Gesichtspunkt ist die Verteuerung des Lebens. Tie so­zialistische Humanite dagegen will in der Bewegung An- Zeichen eines revolutionären Zustandes erkennen, by tn Frankreich immer mehr zunehme.

* Die deutschen Universitäten haben eine Kund- gebnna aegen den Gewaltftieden erlassen.

Levins erschossen. Tas Todesurteil an Stbine« Nissen ist in Stadelheim vollstreckt worden. Ein tele- graphisch einberufener Ministerrat, zu dem sich die in Bamberg anwesenden Minister nach München begeben hatten, sprach sich dahin mis, daß Levins die Ursache des Bürgerkrieges in München gewesen sei und somst keine Begnadigung verdiene.

• In Hamburg sind die Arbeiter und Angestell­ten der Werften von Blohm u. Voß in den Ausstand getreten. Daraufhin beschloß die Direktion die Schließung der Werften. Die Antwort der Arbeiter war die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit und nötigenfalls die gewaltsame Erzwingung deS Ein­tritts in den Betrieb.

* Aus den Ariedensbedingungen für Bulgarien, die demnächst vorgelegt werden, wird mitgeteill, Bul­garien solle das ganze Küstengebiet, das es im Tür»

wollte ein Mann sein und ertragen, was ihm grund­los zugefügt.

Die nächsten Tage brachten ihm Enttäuschung auf Enttäuschung. Tie JähnekeS waren, wie vorauszu- sehen, noch nicht in ihre Stadtwohnung zurückgekehrt. Der Portier vermochte ebenfalls keine näheren Aus­künfte zu geben. Die Fremdenlisten verschiedener grö­ßerer Badeorte wiesen den Namen JähneL nicht auf. Zudem war Dellens Urlaub abgelauftn. Er mutzt» auf seinen Posten zur Regierung zurück und tat die» im Bewußtsein, daß sein Ehrgeiz, fein Hoffen und Streben mir ihr dahingegangeu. Nur feine große, treue Liebe zu ihr war geblieben und überdauerte den Groll und die Verbftterung feines Herzens. — Und bann kam ein Rückschlag in seinem Empfinden. Er sah die Tags und Wochen vergehen; die letzte Hoffnung, van Olga selber wenigstens einige Zecken der Aufklärung zu er­halten, schwand dahin. In der Tiefe seines Herzen» verletzt und empört, fragte er sich, ob sie der Liebe wert gewesen, bte er ihr blinb zu Füßen gelegt. Er kehrte heim, nicht mehr als her freie Mann mit dem herrschenden Geist und dem frohen Gemüt, seine Seele lag in Banden, sein Denken und Fühlen war mit einem Wesen verknüpft, von dem er nicht einmal wußte, ob er e§ liebt n oder hassen mußte. Zerfallen mit der Welt und sich selber — da gab eS nur einen Trost, die Ar­beit! Sie mußte ihn retten, er wollte nickt untergehen mn eines Weibes willen. Vergessene Zukunftsbilder tauchten wieder empor, das lockende Ziel eines tätigen Geistes! Wollte er es erringen, durfte er nicht müßig sein, und er wollte es erringen!

Langsam stieg er die Treppe zu seiner Wohnung . empor und steckte den Schlüssel ins Schloß. ES stand fest, er mußte arbeiten, um zu vergessen. DaS kurze Liebesspiel war auSgelläumt» der nüchterne Morgen brachte das Erwachen. Nun lautete wie einst die Pa­role; Streben — ringen! immer voran, — — wie einst?--Wer das nagende Weh feines HerzenS!

Er drehte den Schlüssel im Schloß.

' ^Fortsetzung folgt.!

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Die Beratungen der Feinde.

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>y Olgas Irrtum.

to .Himmel! Schreien Sie doch nicht so laut;

Jean schon um die Ecke und meint —" „ ^Worten Sie — ohne Umschweife!" tzjj. . ■°°rn brach aus den funkelnden Augen; er kchnabulrerende Ding da vor sich zermalmen »Di Gebe Zeit!" bebte sie erschrocken zurück, „sie £j®eg, total weg! Heute beim frühesten, ehe ich «öht "uS den Federn war, fuhr die ganze Fa- lchon zur Bahn, mft Koffern und Kisten unh tn-* 1 Du liebe Zeit! Die müssen die ganze Nacht geunkt haben. Ich hätte sie doch für nobler ge» gnädige Herr schien böse zu sein; doch der Ste « ,g! Jolo ging auch mit, der häßliche Racker! ^itttuj 8ucker, Zwieback usw. belief sich

^-Höven Sie mal! Haben Sie daS nicht alles diese geträumt?"

sein .Ä* ihn ihrerseits für wahnsinnig; allein Webleiches Gesicht und sein krampfhaftes Fest- afee- den letzten Rest einer Hoffnung, dann et®«?, bte weitere Aussicht auf einen „Goldfuchs" pssch. Erbarmen; indessen entgegnet sie schnip» ige'^enn ich dies alles geträumt haben soll, mein ei, dies sehr lebhaft gewesen sein. Merken

ttttirm ’ m?tn Herr- ich will Ihnen meinen lebhaften ^5 ausführlich erzählen." •«utgl*

len'A' doch nicht kürzer, als er ist! Bitte tte-

bort ““f bie Terrasse. Der Jean, der sich

uiA. ’S*®’ um das Treppengeländer drückt, braucht Falles zu verstehen."

Tür? ,_Vne?e ungestüm die zur Terrasse führende M er lrat hinaus. Auf der Marmorballusttade ^».?,nch meder, während die Stubenfee in unoer- Pose und mit vress -Mimik ihren „Traum"

-tie „ Deutsche Mg. Zia." gibt einen Auszug aus »er Denkschrift wieder, in der die der Friedensbelega­beigegebenen Sachverstänbigen Prof. Delbrück, - Max Weber, Mendelssohn-Bartholdy unb Graf Montgelas ihre Bemerkungen zum Bericht der Kommis- IM der Entente-Regierungen über bie Urheberschaft Kriege niebergelegt haben.

Hauptteil der Denkschrift ist den Bemühungen chlands gewidmet, auf Oesterreich-Ungarn im Kon- jntt Serbien mäßigend zu wirken. Ein Kronrat M o Juli in Potsdam, bei dem der Krieg gegen Ser- ken beschlossen sein sollte, habe nicht 'ftattgefunben. ~ totb dann auf bie brei deutschen Noten nach Wien MN End- Juni 1914 verwiesen.' Die erste vom 28. ?utu forderte Oesterreich zum Entgegenkommen auf, zweite, am 29. Juni erklärt mit aller Schärfe, wir «u seien zwar bereit, unsere Bündnispflicht zu er- CxT Eßien es aber ablehnen, uns von Wien leicht» m"9, un£ ohne Beachtung unferer Ratschläge ' «eubrano hmeinziehen zu lassen; während die dritte . 'S derselben Nacht in nachdrücklichster Form vor | h‘r V~€n™ttgung Serbiens warnte und zur Annahme n-iiungsvorschläge dringend riet. Berlin habe tn f° scharfer Weise auf die Annahme dieses ^ricklages gedrängt, „wie wohl noch nie in ernster fei«6Bundesgenosse zum andern gesprochen hat. wahrlich nicht die Schuld der deutschen Regie- 3 toenn bte der glücklichen Lösung so nahen diplo- feSJS®! Verhandlungen durch militärische Maßnahmen Gegenseite jäh unterbrochen wurden."

^ffifcfje Mobilmachung bedeutete für Deutsch- SXr und zwar den Krieg nach zwei Fronten. $J, otoetfronfenfneg konnte mit Aussicht auf eine bewifi? Deutschlands nur offensiv geführt werden. Die . ssaßer der Denkschrift stehen auf dem Standpunkt, Mr,c^tne deutfche Siaatsleittmg, die eine Gegenmo- die K;. gegenüber der russischem unterlassen hätte, gegenüber dem eigenen Volk entstehende Ver­

asch einer französischen halbamtlichen Meldung die Antwort der Entente auf die deutsche ^schrist nicht vor Dienstag nach Pfingsten erfolgen. "§er Kampf, der innerhalb des Viererrats zwischen »gnenceau auf der einen, und Wilson und Lloyd Ltge auf der anderen Seite geführt wird, hat seine Lfte Entscheidung gefunden. Das Losungswort der Mösischen Presse ist zwar: „Die Grundbedingungen

7. Mai dürfen nicht geändert werden". Aber das gjjo de Paris" gibt bereits zu, daß gewisse neue gorftfjläge Lloyd Georges zu verhandeln zu erörtern sind, die wahrscheinlich angenommen dürften und die Dftfragen und die oberschlesi- Grenze betreffen. Nach einem Pariser Telegramm Mailänder „(Sortiere della Sera" werden sich da- Ljefl die Abänderungen, die der Verband bei den Frie- Ensbefcingungen zugesteht, auf alle Teile des 23er» iniges erstrecken. Auch England sei nicht abgeneigt, grf eine minder wichtige Kolonie zu verzichten, « Deutschland mit der Verwaltung zu betrauen. Der habe zur Prüfung der Abänderungen beson­ne Ausschüsse eingesetzt, von denen der finanzwirt- Müche besonders große, auch auf polftische Dinge sich ^streckende Bedeutung hat. 3m Wesentlichen seien w Verbündeten namentlich der deutschen Foiderung geneigt, die Gesamtentschädigung auf eine feste Summe Wuschen, wenn sie auch mehr als 100 Milliarden hsausschlagen möchten. England bereite eine Note tut, um seinen Standpunkt in der Revisionsfrage dar-

3falten tritt das Bestreben hervor, die Abän- 8 des Vertrags zu benutzen, um das Veto gegen den Anschluß Deutsch-Oesterreichs auszuschalten und lamtt die Bildung des befürchteten Donaubundes zu «hindern.

Die Mehrheitsparteien.

Berlin, 5. Juni. Heute mittag waren bie Führer ter Zentrumspartei, der bemokrattscheit und der rnehr- ieitZsozialisttschen Abgeorbneten ber Nationalverscrmm- tag zusammengekommen, um eine gemeinsame Stel- tagnahme zu vereinbaren für ben Fall, baß die Ant- toti der Entente auf unsere Gegenvorschläge unan- sei und ber Friebem nicht zustanbe kommen tonnte. Die Beratungen der Frakttonen sind noch »ickt zum Abschluß gelangt unb werben morgen vormit­tag fortgesetzt. Gegenüber anberslautenden Meldun- gen wurde bekannt, baß die Regierung nach wie vor dem ;,Nein" bestche.

Die deutsche Denkschrift

über die Schuld am Kriege.