Nr. 128. |
Verantwortlich für den redaktionellen Teil; Kari Schütte, für bie Anzeigen: I. Parzeiier, ftulba. — Rotationsdruck.
| Domnerrkasl Z. Zunl 1919.
Vertag der 95 Pfg. —
ftutdaerActrendruckereiin Fulda. — Preismonatt. I
Fern,pr. «r. S. Lelegr.-Ävresie: Fuldaer Zeitung, j „
Die Aussichten.
Die Zeitungen könnten jeden Tag ihre Spalten Wen mit Aeußerungen der feindlichen Presse über die Aussichten unserer Gegenvorschläge. Es wird da von "en Telegraphenbüros mehr berichtet als die Unkosten 'ohnt. Die Artikel sind hohl und widerspruchsvoll. Die tzitsächlichen Angaben sollen zum Teil der Stirn« mungsmache dienen; zum anderen Teil sind sie von Aeuigkeitskrämcrn aufs Geratewohl erdichtet. Aus dein Gerede kann man nur die eine Schlußfolgerung ziehen: Das kräftige und geschickte Vorgehen unserer Abordnung hat in dem Rat der Gegner eine gewiße Verwirrung hervorgerufen. Die bisherige Eini« gung über den Diktatfrieden ist ins Wanken geraten, «ei dem einen oder anderen Machthaber ist ein Zweifel entstanden, ob sich alle vereinbarten Forderungen aufrecht erhalten lassen, und mindestens spürt man das Bedürfnis, sich über die weitere Taktik aufs neue zu beraten, da die Gegenvorschläge Deutschlands doch in wichtigen Volksteilen einen starken Eindruck gemacht haben.
Damit ist nun noch keineswegs gesagt, daß die En« tente sich zu wesentlichen Milderungen verstehen wird.
Vor allem darf man den zähen Widerstand der Franzosen gegen jede Nachgiebigkeit nicht unterschätzen. Was Clemcnceau und seine Chauvinisten erstreben, zeigt sich ja neuerdings besonders deutlich in der rücksichtslosen Förderung der landesverräterischen Trennungsbestrebungen am Rhein. Die militärische Besetzung, die ihnen der Waffenstillstand gestattete, mißbrauchen sie zielbewußt zur politischen Eroberung des Rheinlandes. Gegen die vertragswid- rigen Handlungen der französischen Behörden hat unsere Waffenstillstandskommission einen scharfen Protest erhoben, aber Clemenceau und seine Leute werden ihn zu den Akten legen. Wirksamer ist der Protest durch die Bevölkerung selbst in so lebhaften und vielseitigen Kundgebungen ihrer treudeutschen Gesinnung.
Darnach dars man den gegenwärtigen Vorstoß der französischen Eroberer wohl als gescheitert betrachten. Aber wie soll es werden, wenn der Friedensvertrag den Franzosen 15 lange Jahre hindurch gestattet, die Bolksversührung mit Gewalt und List fortzusetzen? • •
Die jüngsten Vorgänge in der Westmark lehren uns ein Doppeltes. Erstens, daß ein Friedensverlrag mit so langer Besetzung nicht unterzeichnet werden darf. Zweitens, daß in dem Friedensvertrag auch für eine kürzere Besetzung schärfere Garantien gegen den Mißbrauch zu politischen Zwecken vorgesehen werden müssen. Die Franzosen scheuen vor der Ueberschrei- tung ihrer Befugnisse durchaus nicht zurück; sie behau- dein den Waffenstillstandsvertrag wie einen Fetzen Papier. Was würde uns der Friedensoertrag helfen, wenn er dieser Willkür keine Schranken zieht? Dann käme es bald zu neuen Kämpfen im Rheinland und um das Rheinland.
Die Nachrichten über eine Revision des Friedensvertrages verdichten sich immer mehr. So meldet jetzt mich der Sonderkorrespondent des „Corriere della Eera" in Paris, daß die Revision des Friedensvertra- ges mit Deutschland als grundsätzlich beschloßen anzusehen sei. Die vier Regierungschefs in Paris beschäftigen sich noch immer mit der Prüfung der deutschen Gegenvorschläge. Man glaubt, daß sie am Donnerstag damit zu Ende sein werden. Nach den letzten Pariser Meldungen glaubt man, daß die Verhandlungen bis in den Juli dauern werden.
Erklärung des deutschenKolonialministers. • Versailles, 4. Juni. Kolonialminister Dell, der seit gestern in Versailles weilt, sprach sich heute zu deutschen ^reffevcrtretern über die Lage aus Er erklärte, die so »st gestellte Frage, ob wir zeichnen oder nicht zeichnen, sei verfrüht. Die Antwort darauf hänge seoiglich von der Entente ab. Die Regierung habe die der Utente überreichten Gegenvorschläge gemocht, wohl wissend, daß sie namentlich in finanzieller Hinsicht -Deutschland schier unerträgliche Lasten aufbürde. In emem geringen Teil der deutschen Preße habe sich deshalb ®u.61 Entrüstung gegenüber diesem Entgegenkommen ge- seigt. Die Regierung und die Friebensdelegation hätten
Olgas Irrtum
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Er hatte längst ihre Hände freigegeben. Er hätte m diesem Augenblicke viel darum gegeben, arm tote Job — Da kam ihm Karl Eichbach'S Rat in Erinnerung! J^tzt galt es, toeise und schlau zu Werke zu Tyten. und das fiel dem ehrlichen Detten fast noch Iberer, als artig zu sein. Allein eS galt sein Le- ^sglück, das spornte ihn an. Sie kam seiner Rede zuvor.
... "freilich denkt der Besitzende anders, als der Be- uHwse; darum beurteilen Sie die Sache auch nicht von «vewem^ Standpunkte aus.
oTr,/^tr5uIcin Olga toenn Sie wüßten, welch ein Un- «u-svtlz ich bin!“ brach es von seinen Lippen, und es *5m ehrlich gemeint, toenn er nämlich einen Riick- lck auf die kurz« Geschichte seiner Liebe toarf. Sie sandte sich ihm befremdet zu. Er dankte dem Him- . daß es dunkel toar und sie das schlechte Getoißen 'n seinen Augen las. Sie aber fühlte nach seiner .fröschenden Erklärung ein tiefes Erbarmen mit ihm ihrem Herzen aufsteigen. Wenn er nach ferner DuS- '02 von bet Ma-bt des Geldes so vollständig überzeugt °r' er ihm die Superiorität über alle? Verdienst ltondsios zugestand, dann mußte er der Besitzlose. * Beklagenswerte sein. Eine solche LebenSanschau- mußte aber eine Herbheit und Bitterkeit gebären, e ben Charakter eines Menschen in jene irrenden nnen lenkte, die das beßere Selbst ertötete.
Hieraus glaubte sie sich auch sein absonderliches Ge. des öfteren und seinen so stark ausgeprägten fvrkasmus erklären zu müßen, und daß sie der ®it« feineS Gemütes ihren Stolz entgegensetzt, glaubte nie vergeben zu können. Tas Mitleid sprach rhrem Herzen, der Frühling toar gekommen, der die Ivngen Triebe weckte — sie liebte!
Än»Jr’e seines Wegganges <N!§ dem !Hotel
Ml-md seiner Einlogierung in ein im Range tiefer V7cn*)e3 Hotel und brachte es mit ettoai-en zerrütte- .*? Vermögensverhältnißen < in Verbindung. Dem W^tenen Impulse folgend, reichte sie ihm die schlanke ? „ bin und sagte im sanftesten Wohllaut ihrer klang- "“ten Stimme;
aber sehr sorgfältig abgewogen, wie weit sie gehen könnten, und ohne Popularitätsrücksichten das, was sie vorgeschlagen, angenommen. Sie seien bereit, alles gegenüber dem Volke zu verantworten. Dir übernommenen finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen, sei nur mög- sich, wenn das deutsche Volk sich an spartanische Einfachheit gewöhnt und unter Anspannung seiner ganzen Kraft wieder an die Arbeit geht und neue praktische Arbeitsmethoden sucht. Wenn man zum Frieden gelangen wolle, müße die Entente einsehen, daß ein Weg zur Verständigung nur durch mündliche Verhandlungen gesunden werden könne. Kolonialminister Bell sprach dann über die Kolonialfrage. Unsere Kolonien zurückzuverlangen, sei für uns eine Frage der Ehre, nachdem behauptet worden sei, Deutschland habe sich selbst aus der Reihe der zivilisierten Völker ousgeschloßen Diese An- flapen habe das Reichskolonialamt eingehend geprüft und widerlegt. Es sei jederzeit bereit, die Angelegenheit einer unparteiischen Instanz zur Nachprüfung und Aburteilung zu übergeben. Deutschland werbe mit einem klaren Zukunftsprogramm aufs neue in den Kolonien an die Arbeit gehen Der Kolonialminister hosst, daß auch die für Deutschlands Bestehen wichtige Kolonialfrage auf dem Wege mündlicher Verhandlungen mit den Gegnern geregelt werden tönne.
Amerikaner gegen Wilson.
Man bat bi? jetzt wenig von den Aeußerunaen der öffentlichen Meinung Amerikas über die Pariser Friedensvorschläge gehört, denn das Reutetsche Bureau hat sich damit begnügt, einige zustimmende Blätterstimmen aus den ersten Tagen nach der Ver-. öffentlichung der FriedenSbedingungen wiedertugeb en Die jeHt nach Europa gelangte amerikanische Presse zeigt eine ziemlich einmütige Verdammung der Pariser Beschlüsse, wenn auch die Gründe für dieses vernichtende Urteil je nach der Parteirichtung verschiedenen Gesichtspunkten entstammen. Blätter tote die ,Neto-Pork Republik^ die ,Nanow und der »Surrry^, die bte besten Elemente der fortschrittlich-demokratischen Partei der Vereinigten Staaten umfaßen, sind tote aus den Wolken gefallen. Nachdem sie javrelang Wilson durch Dick und Dünn gefolgt waren, wenden sie sich nun mit bitterer Enttäuschung gegen ihn. So schreibt die einflußreiche »New-Dork Nation' unter der Ueberschrtft: „Der Wahnsinn von Versailles:
Tie Stimmung der siegreichen Verbündeten im allgemeinen toar zu ungünstig und bte der Franzosen insbesondere durch die nervöse Furcht auf das äußerste gespannt. Die Welt toar also einigermaßen auf einen sogenannten starken Frieden vorbereitet. Sic toar jedoch nickt auf einen Frieden der schamlosen Rache vorbereitet, auf einen Frieden, der die tiessten Regeln der Vernunft und der Menschlichkeit mißachtet, der den anerkanntesten Grundsätzen der Rechts- und Wirt- sckafislehre ins Gesicht schlägt. %n der ganzen Weltgeschichte gibt es keinen Vertrag, der mit mehr Recht als ein internationales Verbrechen bezeichnet toerben könnte als dieser Vertrag von Versailles. Man «kann die Ungeheuerlichkeit dieser Gescheh, m'ffe nur dann erfaßen, toenn man sich die hochgestimmten Deteuerungem ins Gedächtnis zurückruft, die toäh- rend des Krieges zum Ausdruck kamen und deren salbungsvollster Vertreter der Präsident Wilson selber mar. Wie sind diese großherzigen Versprechungen ansgeführt worden? Der FriebenSvertrag läßt nur eine Antwort zu: Deutschland und das deutsche Volk sollen vernichte: werden.
Die „Nation" schließt: Die ^schickte wird unS vielleicht einmal sagen, tote die Verantwortlichkeit für die Beschlüße von Versailles -m verteilen ist. Keiner, der an den Strähnigen Anteil halte, darf ohne Tadel ousgehen. Wir glauben aber nicht zu irren, daß die Geschichte die Hauptschuld Wilson zuschreiben toird. Der ehemalige Abgott der Demokratie ist heute entthront und die Welt verdanomt seine rbetorischen Phrasen, diese zerfetzten und verwilderten Splitter von Gedanken, von denen man heute nicht? mehr weiß. Die Maske ist gefallen, und die Völler erblicken nicht einen treuen Freund, sondern einen anmaßenden Autokraten und cLen opportunistischen Politiker."
Der Gewaltsrieve für Oesterreich.
Die österreichische Presse ist einig in dem Urteil daß die Friedensbedinpnngen, die Deutsch-Oesterreich vorgeleat wurden, unannehmbar und undurchsührbar sind. Auch der HauptauSschuß der Nationalversarnm- lung Teutsch-Oesterreichs erklärte in seiner Sitzung am Mittwoch di» FriedenSbedtnaungen in dieser
»Schlagen Sie ein, mein Herr, meine Achtung für Sie ist eine größere geworden, seitdem ich weiß, daß Ihr Charakter kein Fehler mehr ist. Ehre dem, der zurückgeht, wenn's vorwärts nicht mehr will!"
Er verstand den Sinn dieser Worte nicht; aber er hätte in diesem Augenblick die widersinnigsten Behauptungen ihrerseits mit seiner Unterschrift beglaubigt, toenn das Verlangen an ihn gestellt worden wäre. So günsftg mich der Moment war, so begnügte er sich doch damit, ihre Hand mit sanftem Drucke zu umspanne«. Er, der Sieggewohnte, fühlte sich trotz dv SBetoeife ihrer Zuneigung so wenig sicher, daß er sich scheute, das ent. scheidend» Wort zu sprechen. So standen sie beieinander, seine SLnlter berührte die tüte. Draußen stürmte und plätscherte eS um das HauS, der Himmel hatte sich völlig verfinstert; in? Stübchen drinnen war eS still und verschwiegen. Nur das Gebetsgeflüster der tauben Alten drang wie ein Geisterhauch durch den engen Raum, und auf dem Ofenroste knisterte da? halb- erloschene Feuer und ließ die rotglühenbou Kohlen in kurzen Zwischenräumen in daS Becken niederfallcn.
Der zarte Dust ihres Haares wirkte berauschend auf ihn, und ihre seine, ItbenStcarme Gestalt stand zu nahe seinem Herzen, als daß er dem inneren Anstürme hätte länger widerstehen können. Langsam, fast zag- hast, legte sich sein Arm um ibre Taille: er fühlte sie zusammenzucken; aber sie wehrte ihm nicht. Ein toil- deS Entzücken überfiel ihn, er riß sie an sich und preßte sie fest, test an sein treue9 Herz und bettete daS schöne, stolze ft au p t an die starke, schützende ManneSbrust. Er ftami ölte, berauscht von seinem Glücke, tausend inhaltlose Fragen, sie wußte batauf kein? Antwort und neigte sich wortlos seinem Kuße entgegen.
Ter Sturm brauste um bie arme Fischerhütte, hob bie weißen Wellenkämme ab unb toarf sie gegen bie Scheiben. Die alte Fischermuhme auf dem Schemel am Fenster drückte das run-elige Gesicht toiber bie Scheiben unb starrte in bte Dunkelbeit hinaus. In stillem Ge- flüster betoegte sie bett zahnlosen Munb unb zog bte Perlenreihe durch die toellen, zitternden Hände. Tann horchte sie auf; sie vernahm bas Rollen eine? Wagens und blickte nach der Cfenede hinüber. Sie lächelte und nickte verständnisvoll; denn sie gedachte der Zeit, da ihr Alter, der nun schon lönast b-imaegangen -ur •toi»
Form als für Deutfch-Oesterreich unannehmbar. Es ist in den Ententeblättern viel gefabelt worden von einem Entgegenkommen Oesterreich gegenüber, aber jetzt zeigt sich, daß der Friede, den man ihm anbietet,ganz in demselben Geist atmet, der dem Deutschland auf» erlegten Vertrag innewohnt. Dabei sind bekanntlich die für Oesterreich wahrscheinlich einschneidendsten Bestimmungen, nämlich die Festsetzung seiner Grenzen mit Italien und dem jüdslavtichen Staat, sowie die Bestimmung der KriegSent'chädigungen, noch nicht einmal darin enthalten, sondern sollen erst später durch die alliierten Regierungen sestoesetzt werden. Gerade die Grenzbestimmung gegen Italien bedeutet für Oesterreich eine der wichtigsten Entscheidungen, da man wohl weiß, mit welchen Plänen und Hoffnungen sich die Italiener auf das kerndeutsche Südtirol tragen. ES dürfte wohl einzig in der Geschichte dasteyen, daß man feierlicbft einen Friedensvertrag überreicht, der in Wirklichkeit nur das Bruchstück eines solchen darstellt. Wüßte bte Welt nicht schon auS dem Deutschland überreichten Vertrag, wie sehr den Ententestaatemänner den Siegesrausch zu Kopf gestiegen ist und ihr nüchterne? Denken ausgejchaltet bat, so müßte sie es aus dem Verhalten unserer Feinde gegen Oesterreich erkennen. Sie fühlen sich eben als Sieger und wollen den Triumph ihres Sieges auch bis zur Neige auskosten. Und alle schönen Phrasen und hochtönenden Redensarten, mit denen Wilson sich einen Glorienschein zu schaffen suchte, weiden rücksichtslos über Bord geworfen.
Die Staatsschulden des alten Oesterreich.
Alle Verpflichtungen, die das alte Oesterreich aus der Kriegführung und den Wassenstillftandsbedingun- gen auf sich nehmen sollte, werben durch die überreichten FriedenSbedingungen r2;'- t Deutsch-
Oesterreich aufgebürdet. Die übrigen neuen Staaten des ehemaligen Oesterreich gehen frei aus. Deuisch- Oesterreich aber lehnt es nach der Amputation an Haupt und Gliedern, die man in Versailles mit ihm vorzunehmen für angebracht hält, ab, den gesamten Schuldendienst für den altösterreichischen Staat allein fortzuführen und die deutsch-österreichische Finanzver- waliung läßt bekannt geben, daß sie die Einlösung von Fülligkeiten der alten Staatsschuld im Inland ein st eilen wirb, jedoch zunächst die Waisälliokeilen, soroeit bei deren Bezahlung ein beutsch-österreicknsches Interesse gegeben ist, zum vollen Einlösungsbetrage im Snlanbe ankauft.
Die „rheinische Republik".
Rrues aus Wiesbaden.
Wiesbaden, 3. Juni. Heule sollte die feierliche Einführung des Pröfidenten der netten Republik stattfinden; englische und amerikanische Reporter waren im Auto erschienen, um dem denkwürdigen Vorgang beizuwohnen, aber — das Landeshaus konnte ihnen weder den neuen Präsidenten noch die als feine Leibwache erwarteten französischen Offiziere aufweisen unb so mußten sie sich damit begnügen, sich die für den feierlichen Akt vorgesehenen Räume vorzeigen zu (affen. Sehr enttäuscht fuhren sie darauf zum militärischen Oberbefehlshabxr des Bezirkes Wiesbaden, Pineau. der aber zu seinem lebhaften Bedauern so stark beschäftigt war, daß er sie nicht empfangen konnte! Sie fuhren deshalb zum Latcheshaus zurück und hinterließen die Bitte, ihnen nach Mainz zu televhonieren, wenn die Feier wirklich noch stattfiitde. Aber es wird wohl nicht dazu kommen, denn die Franzosen selbst scheinen Herrn Dorten fallen gelaßen zu haben. Heute morgen schon wurde einer sozialdemokratischen Abordnung gesagt, an Herrn Dorten liege den Franzosen garnichts; sie, bte Sozialdemokraten, könnten sich ruhig an seine Stelle fetzen und die Regierung der Rheinischen Republik übernehmen. Wie es heißt, soll Dorten, dem es in Wiesbaden zu unsicher geworden ist, in Biebrich wohnen; bei feinen Ausfahrten be» Meilen, ihn zwei französische Offiziere zu seinem Schutzs.
W.esboden. 4. Juni. Dorten hat nunmehr eine Re Pf erung gebildet. Die sieht fo aus: Dr. Dorten (Dorsttz) Eckermann (Justiz), Dr. Klinaelfchmitt (Kunst uub^Wtsienschast)^ Klaus Kraemer (Schulwesen), Adolf gen Rübe, auf demselben Platze hinter dem Brennen« den Herbfeuer neben ihr, ber schmucksten Dirn' im Dorfe gesessen, ihre Hanb in ber feinen hielt unb sie auf seine Frage, ob sie seine Armut mit ihm teilen wolle, dieselbe Antwort gab, bie vielleicht in diesem Augenblicke auch von ben Lippen jener stolzen Dame in dem einfachen Trauergetoanbe kam — bas süße, verheißungsvolle: „Ja!"
Was tourbe nicht alles klargelegt stoischen ihnen in jener kurzen Stunbe touttfdtlofen Glücke? I Ach, unb tote gern ließ er ihr ben Glauben an ein Herz unb eine Hütte: War sie bodj tote umgetauscht, die kalte, stolze, unnahbare Olga von ehedem!
„Ich fühle mich eins mit Dir," sagte sie, „seit bie letzte Schranke zwischen unS gefallen, darüber hiniveg selbst meine große Liebe zu Dir mir nicht geholfen hätte. Wer Bettie mir, dem mittellosen, in Abhängigkeit nach Freibeit des Denkens, be? Handelns dürstenden, Heimat« unb elternlosen Mädchen geglaubt, daß eS dem reichen, hübschen — unb ein wenig schnurrigen Fritz von Detten auS purer Liebe genommen? O, und 'ch wäre in dem Gedanken an ben häßlichen Verdacht, den ich nickst einmal ai'Ssprecken mag, nicht glücklich ge. loorbcn und dieser Kuß hätte nicht den zehnten Teil de» Liebe geirare«, die ich dir letzt -u bieten vermag. Komm, mein Fritz" und sie küßte ihn.
Detien war von ber Wirkung seines Armutszeugnisses über di? Maßen entzückt unb um sich einer weiteren Zuwendung solcher Art zu versichern, brachte er e5 zu dem reumütigen Geständnis, daß er nebst ber poesievollen Hütte unb seiner unvergänglichen Liebe auch eine erkleckliche Anzahl — Echulben in bie Ehe bringe.
Ta ging die Tür auf unb ber Fischer melbele, daß der Wagen vor ber Türr Balte. Die Mabarne sei auch mitgekommen. Olga swtzte, allein Terten meinte: -Daun können wir sie gleich mit ber vollendeten Tatsache bekannt machen."
Olga sand sich nickt so leicht in diese Auffassung hinein. Sie kannte die Absichten ber Frau Kommerzienrat unb vußte, baß nun ter Kampf beginnen würbe. — Der eisige (Empfang ber würdigen Darr ,räi4' fH* d--" bj alsbald oitf unb Detten,
Krämer (Volkswohlfahrt), Dr Liebinx! (Finanz^). Mönikes (Inneres), Salm (Landwirtschaft). Die -ft gierung stellt sich ihrem Bolle mit sagender „Kundgr- ^""Nachdem die Unterzeichneten von ben Ausschüßen mit der Wahrung ber Regierungsgeschaste betraut sind, Wer nehmen sie hiermit die Regierungsgewalt Di « Horden haben von d-n preußischen baye rischen, hessischen u. °ldenburg.jchen Zen- tratregierungen keine Befehle mehr a zunehmen. Sie empfangen ihre Weisungen von der vorläufigen Regierung, die ihren S'tz'm Landeshaus m Wiesbaden genommen hat. D,e amtlichen Bekanntmachun gen der vorläufigen Regieruna sind bis auf weiteres von sämtlichen Zeitungen zu veröffentlichen. . H
Man darf wohl annehmen, baß bis Deamtenswafl dieser Weisung der Dortenschen „Regierung nicht nachkommen wird. Cie würde sich dadurch in der jchwersten Weise strafbar machen. Anderersefts werden Reichsreaierung und Landesregierung selbstverständlich ihre' Ehre darein setzen, die Beamten gegenüber etwaigen Gewaltmaßnahmen des französischen Militärs moralisch und finanziell in jeder Weise zu stutzen. Die Franzosen können ja unmöglich die gesamte Beamtenschaft Naffaus und Rheinhessens, wenn diese ge- schloßen bei ihrer Pflicht beharrt, gefangen setzen und, wie gedroht worden ist. kriegsgerichtlich bestrafen. In dem orößten Teil der rheinischen Lande wird man sich um die Dortensche „Republik" überhaupt nicht tum» mern. .
Ausweisungen aus Mainz.
Wie die ,Frkf. Ztg.' stört, ist dem hessischen Land« tagSabgeordnelen Reiber von derfranzösischen Militär- Behörde be'ohlen worden, das besetzte Gebiet sofort zu verlassen. Das gleiche Schicksal traf mehrere Dutzend Schullehrer, die sich an dem Abwehrjtrer! letzten Montav beteiligt batten.
Bei der Verhaftung des hessischen Landtagsprasi- denten und Mainzer Beigeordneten Adelung im Stadthaus kam es zu erregten Szenen. Als der fron- zösische Major, der die Festnahme bewirkte, Adelung zum Kastwaoen brachte, brach die anss höchste erregte Menge in Pfui-Rufe unb Fluchen auf die Franzosen aus. Es hätte nicht viel gefehlt, fo wäre cs zu Tätlich- teilen gekommen.
Die Hoffnungen der Oranzofen.
Wer noch daran gezweifelt hätte, daß die Grii»- bung ber sog. „Rheiniscke« Republik" in keinen an- deren Zusammenhang als ben der französischen Absichten auf die Zerstückelung Deutsch- T a n b § gestellt werden kann, der würde durch den Ton, den die Pariser Preße angesichts der WieSbade- ner unb Mainzer Vorgänge anscklägt, vollkommen Belehrt. Maurice Darres, der Führer der französische« Chauvinisten, traf pünktlich in Mainz ein. um bie, wie er schreibt, „von allen herbeigesehnte große Neuigkeit" auS erster Hailb genießen und mit dankenswerter Offenherzigkeit seststelle« zu können, baß Die französischen Soldaten ausgezeichnete Tivlomateu ftnb; die es verstanden hätten, „die ihnen schon in be« erste« Tagen ber Besetzung von ben (Merctlcn Faholle und Mmain in unvergeßlichsn Ausdrücke« gegebene Anweisung glänzend in btt Wirklichkeit umzusetzen". Nicht weniger entzückt ftnb die übrigen Organe der bösartigste« Deutschfeinblickkeit, unter denen der „TenevS" bereit* mich bie Verbündeten auffordert, bie Deutschen, bte sich ber Machenschaft zur Verfügung gestellt haben, vor allem liebe! zu BetoaBrrn. Im „Journal" verrat der ?!Bg. Emanuel Brousie den Hintergedanken noch deutlicher, indem er schreibt, man solle sich be? Ereignisses nach Gebühr freuen, doch seine Bedeutung zunächst nicht übertreibe«, denn: „Die Nheiuländer trennen sich von Preußen aber sie Bleiben Deutsche. Das ist ein erster Schritt. Andere, vielleicht noch enischeideudere tmb vollkommener befriedigende werden folgen. Hoffen und handel« toir!"
Protcstknnd-ebunccn.
Koblenz, 4. I.nrn Tie Leitungen sämtlicher politischen Parteien hier veröffentlichen eine« Aufruf, in dem es heißt: Wir erhebe« hierdurch schärfsten Einspruch dagegen, daß in dieser schiversten Stunde deS deutschen Vaterlandes von Unberufenen durch Ausrufen der Rheinischen Republik die Fackel der Zwietracht in bie Reihen ber Rheinlänber geworfen wirb. Wir richten den Aufruf an alle rheinischen Landsleute, in den bevorstehude« Entscheidungsstunden treu zu unserem gelibbten deutsche« Vaterlande zu stehen unb sich n-cht durch Versprechungen oder Drohungen irgend welcher Art beirren zu laßen.
der anfänglich entschloßtn war, mit ben Damen nach Hause zu fahren, fatib es, da bie Kommerzienrätln betonte, daß ber Wagen von ihr gemietet sei unb ber von bem Fischer bestellte später anlange, geraten, im Jzt- tereffe Olgas keine Szene heraufbeschwören unb zurück- zubleiben.
Jnbesien ließ er sich nicht zurückhalten, die leise toiberftrebenbe Olga mit zärtlicher Sorgfalt in btn Wagon zu heben und vor ben Augen ber völlig bestürzten Madame Jähneke zu küßen.
„Sie wirb nämlich heute in einem Monat meine Frau", erklärte er mit belustigtem Blicke auf die empörte Dame.
Tann fuhr ber Wagen ab. Er kämpfte sich lustig burch ba? Waßer, bas bereits im Sinken begriffen unb Testen fchaute lächelnd der schnell bahinrollenben Equipage nach.
„Gluck auf! Frau RegierungSaßeßor in spei" lachte er fröhlich auf.
Glücklicher, ahnungsloser Fritz von Detten! Wüß« test du, welch unseligen Irrtum bu heraufdeschworenl
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„Parbleu! Sind Sie irahnsinnig geworben? Nehmen Sie bie Münze hier unb bann heraus mit de» Sprache!"
„Ich kann boch nur immer die Wahrheit sagen, sie finb fort mein Herr, ganz unb gar fort!" hurte bie uns wohlbekannte Ebambriere be? Hotels Ro!;al beige vor dem in Besuckstoiletie vor ihr stehenden RegierungSaßeßor von Detten.
„Warum sind Sie auch von unS gegangen?" fügte sie vorwurfsvoll hinzu. „Unsere Preise sind reell und über ■ bte Bebienung hatten Sie boch wahrhaftig auch nicht zu klagen. Wären Sie bei uns geblieben, da oben in dem schönen, luftige« unb angenehmen Valkonziin- merchen — ?s ist noch immer nicht bewohnt; für ben Fall also —“ k
„Hören Sie doch auf mit ihrem inhaltlosen Gewäsch," brauste er auf, „ich frage Sie kurz unb bündig unb zum letztenmale: Wv sind bie Kommerzienrats geblieben?"
[f^grtieJi wa feit*1)