nr. 126.1
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Sari Schütte, für die Anzeigen:J. Parzeller, Fulda. — Notationsdruck.
Dienstag 3» Juni 1919.
I Verlag der Fuldaer Actiendruckereiin Fulda. —Preis monatl. I 4(5. ^ClhtQ.
95 Pfg. — Fernfpr. Nr. 8. Lelegr,.Sdr«sse: Fuldaer Zeitung. I
Deutfchland wird einen GewaLtfrieden nicht unterzeichnen.
'Nd Berlin, 2. Juni. Wie wir erfahren, steht 8? na der ReichSregieruna bevor,
Entschluß der Regierung wiederholen und soll, daß die Unterzeichnung der von >s, Entente vorgeschlagenen Friedensvertrages durch ** Regierung nicht vollzogen wird.
J?”8 dieser Wartezeit über jeder Wort ®e^te der Gegner mühsam den Kopf zu Liechen um zu erfahren, welcher Schicksal unsere «eqenvorschlage haben werden, ist es in der Tat J' den Feinden mit aller Bestimmtheit zu Ge- n«. $UtJUi,ten' daß wir den Friedensverirag nicht «nfL tfSte,ben, wenn er nicht wesentlich gemäß SSriT* Vorschläge abgeändert wird. Die deutsche ös. .7^°twn und die deutsche Regierung sind rcrin6^- das nicht zu tun. Hinter die'em ltnn_ ?”*"* offenbar die ganze Nation stehen und Unh n’V. dem vollen Bewußtsein der schweren Lasten ^ciden, die dann über unS dereinbrechen können.
Ern internationaler Generalstreik
, gegen den Gewaltfrieden
,n ^wla"d traten Vertreter der italienischen. Eie th'x unb sranzösischen Lozialisten zu ammen. «bi» ^wen sich für die Ablehnung der Friedens- tlle« ä"9™, E^ente °us und beschlossen, zwichen "Born-t. "swllslenparieien der Welt ein einheitliches tionM«!"™1” ber Form eines L4stünd,gen inlerna- w-nalen Generalstreiks zu verembmen.
Oberschlesien ein französisches Geschäft ber Tag' zuverlässig hört, sind die Annexlons- K ful Oberschlesien nicht nur von polnisches son- £ ~U1k Don sranzösischen Köpfen ousae- vem worden und zwar verbirgt sich hinter ihnen ein Fmanzplan, der die an Rußland seinerzeit Mliehenen französischen Milliarden s"-r vraukreich retten soll. Hierzu ist Obersmlesien mit sei-
Der deutsche Opfermut.
' Ueber die Schweiz wird gemeldet, daß Blätter Ais neutralen Staaten, die bisher für Deutichland keine Sympathie hatten, offen ■ erklären, die deutschen Gegenvorschläge setzten durch ihren Opfermut die Welt in Erstaunen.
In der Tat haben unsere Vertreter in Versailles «wattige Opfer angeboten. Wir empfinden sehr schwer die Lasten und die Demütigungen, die unS demgemäß beschieden sein sollen; aber das deutsche Dock schließt sich doch dem Opfermut seiner Vertreter an, weil wir wissen, daß nur ein Entgegenkommen bis zur äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit und der Geduld uns retten kann vor einem nr h viel schlimmeren Verhängnis.
Dieser Opfermut kann nur diejenigen in Erstaunen setzen, die den Sinn und die Ziele der deutschen Politik noch nicht erfaßt haben. ^Seit dem Zusammenbruch unserer Wehrkraft vom vorigen Herbst streben wir auf einen ehrlichen, dauerhaften Frieden hin, sowohl einen Frieden für uns, als auch für die ganze Welt. Zu diesem Zweck brachten wir schon ein großes Opfer durch die rückhaltlose Unterwerfung unter die vierzehn Punkte Wilsons. Noch schwerer war das Opfer, das wir in der Annahme der überaus harten Bedingungen des Waffenstillstandes brachten. Weitere Opfer wurden noch auferlegt durch die vielfachen Ueberschreitungrn der Waffenstillstandsbedingungen, gegen die unsere Kommission einen Protest nach dem anderen einlegen mußte, wobei jedoch auf gebührenden Widerstand um des lieben Friedens willen verzichtet wurde.
Nachdem Deutschland feinen guten Willen so opferwillig und geduldig bewährt halle, waren die fürchterlichen „Friedensbedingungen" von Versailles eine grausame Enttäuschung. Um unsere Zukunft zu retten, mußten wir mit aller Kraft und aller Kunst eine M i l- - e r u n g dieser Bedingungen anstreben. Die einfache Ablehnung konnte als letztes Mittel zur Wahrung der Ehre in Betracht kommen: aber es galt, auch das nationale Leben von der drohenden Vernichtung zu retten, und zu dem Zwecke genügte nicht der Protest allein, sondern es mußten Gegenvorschläge gemacht werden, die den gegnerischen Nattonen als annehmbare Grundlage des Ausgleiches erscheinen würden. Dies ist jetzt geschehen, und gerade das opfermutige Entgegenkommen von unserer Seite hat schon sichtlich einen moralischen Erfolg errungen.
Der praktische Erfolg bei den feindsichen Machthabern steht frellich noch aus. Wir dürfen uns beim Abwarten sagen, daß wir redlich das Unsrige getan haben, um die Möglichkeit des Friedens zu erhalten.
3e opferwilliger unser Angebot ist, um so schwerer wrrd es den Gegnern, ihre maßlosen Forderungen auf- recht zu erhalten. Versuchen sie es doch, so ist ihre Po.itik durch unseren Opfermut ernstlich gefährdet. Dcnn^icht hat sich die.Verantwortlichkeit für das Scheitern der Friedensverhandlungen zu ihren Un- gunsten verschoben. Hätte Deutschland von vornherein em glattes Nein ausgesprochen, so wäre das sachlich frellich vollberechtigt gewesen, aber man hätte dann nachgeiagt, wir trügen durch unseren Starrsinn die schuld an den nachfolgenden Uebeln. Wer aber nicht ^,°°rblendet ist, muß jetzt einsehen, daß Deutschland wirklich bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkest ?^en will, um sich und der Welt den Frieden zu retten, 'ietzt ist es an den feindlichen Machthabern, zuerst das verhängnisvolle Nein auszusprechen. Wenn sie unsere we-testgehenden Gegenvorschläge rücksichtslos ablehnen, -W ist es offensichtlich, daß sie uns zu dem schließsichen -^em geradezu g e z w un g e n haben. Die Folgen «won haben sie alsdann zu verantworten, auch vor ^" Eigenen Volkern, die sehr schweren Lasten ausge- wfL® röem ehrend sie doch die von Deutschland an- gebotenen Vorteile ohne weiteres erhalten könnten. mbrf,as !'* keine Spekulation auf die bolschewistffche u S °bcr die Hoffnung auf Wiedererwachen mm» -x Vernunft. Wenn überhaupt die Ver- Ä“ber x,e entfesselten Leidenschaften auch wieder
Oberhand gewinnen kann, so ist offenbar der deut- W Opfermut das beste Hilfsmittel dazu. Versagt ® rfr e n to' d""" sind wir freilich verloren, aber in
neu Kohlen das willkommene Schocherobjekt Polen erhält von Amerika eine auf dieses Gebiet zu begebende Milliardenanleihe und tritt diese dann aus Dankbarkeit für alle den Polen auf deutsche Kosten gewährte Freundschaft ab. Der ftanzösische Sparer hat dann wieder sein schon verloren gehaltene» Geld zurück, und der Bewohner Oberschlesiens erhält dafür das Recht, die Zinsen für dieses Geschäft im Steuerwege aufzubringen. Näher besehen, bedeutet dieser Schacher aber nicht mehr und weniger, als daß Deutschland auf solche Weise außen seinen eigenen unerttäglichen Der- bindlichkellen nun auch die russischen Schulden an Frankreich zahlen soll. Selbst die polnischen Polstiker sollen, wie versichert wird, an diesem frivolen Projekt inzwischen ein Haar gefunden haben und für die Annexion Oberschlesiens nur noch wenig Begeisterung an den Tag legen.
Die Friedensbedingungen für Oesterreich.
Montag mittag wurde im Schlosse von St. Germain der Teil des Friedensvertrages mit Oesterreich, der bisher fertiggestellt werden konnte, überreicht. Wichtige Bestimmungen, wie die über die Grenze gegen Stalie nund Siidslavien fehlen noch. In seinen allgemeinen Bestimmungen ist der Vertrag dem deutschen nachgebildet. ____________
Der Putsch am Rhein.
Die in Köln, so ist in Mainz und Wiesbaden der Versuch, unter der feindlichen Besetzung eine rheinische Republik zu begründen, mit einer Demonstration der DolkSmassen beantwortet worden, die zeigt, daß daS Gefühl der nationalen Einheir mit erfreulicher Stärke vorhanden ist und aufs schärfste gegen jeden Versuch sich wendet, augenblickliche Vorteile einzuhandeln gegen den Verlust der deutschen Einheit. Wie das „Franks. Vollsbl." aus privaten Quellen erfährt, hat die Pro- testbewegung im Rheinland ganz erheblichen Umfang angenommen, ebenso wie in der Pfalz und in Rheinhessen Auch die Bevölkerung des Maingaues ist nicht gesonnen, den Franzosen Schergerrdienste gegenüber den deutschen Brüdern zu leisten. Die Erbitterung im Maingau macht sich überall öffentlich Lust In dem stark besetzten Höchst können die Plakate, der Ausrufung nur da hängen bleiben, wo ein ftanösisches Bajonett daneben in Bereiffchafi gehalten wird, tn den Ortschaften des Kreises werden fit kaum an den Rathäusern angeschlagen wieder heruntergerisien.
Das Volk in dem besetzten Gebiet will seine politische Zukunft nicht aus den Händen der Franzosen empfangen, eS will die Not des gemeinsamen Vaterlandes durch solche Extratouren nicht noch vergrößern, es will auch in diesen schweren Zeiten den Zusammenhang mit den deutschen Brüdern nicht verlieren und sich nicht viwch das heuchlerische Liebeswerben betrügen lassen.
Der „Präsident".
Zum Präsidenten der am Sonntag ausgerufenen Rheinischen Republik nennt sich der Staatsanwalt Dr. Dorten; seit einiger Zeit in Wiesbaden wohnhaft, früher in Berlin. Wer hat ihn zum Präsidenten ernannt? Anscheinend der französische Kommandant Pinot. Denn sonst ist niemand da, der ihn hätte ernennen können. Pinot hat den Behörden mitgeteilt, daß er Dorten als Präsidenten anerkannt habe und daß feinen Beschien Gehorsam zu leisten sei. Daraufhin hat Herr v. Meister, der preußische Regierungspräsident von Wiesbaden, — seinen A b- schied genommen.
Der Rücktritt des Regierungspräsidenten foKte wohl ein Protest sein. Männlicher erscheint aber der Protest des Regierungspräsidenten von Speyer, der nicht zurücktrat und sich lieber noch dem besetzten Gebiet ab- schiebn ließ.
„Präsident" Dr. Dorten hatte die Unverfrorenheit, an den Reichspräsidenten Ebert und den Ministerpräsidenten Scheidemann ein Telegramm zu senden. Er meldet darin die Ausrufung der neuen Republik, stellt sich als deren provisorisches Haupt vor und macht Mitteilung von seinem Telegramm an dm englischen General in Köln und durch diesen an die Entente. Er spricht schließlich das Ersuchen aus, seinen Delegierten zu gestatten, mit den Delegierten des Reiches in Versailles zu verhandeln.
Die Erwiderung der Reichsregierung auf das Telegramm Dortens 'besteht in folgender Erklärung:
„Sta Wiesbaden hat sich eine sogenannte Regierung der Rheinischen Republik gebildet. Landstemde haben stch unter dem Schutz der Okkupation zu der Führung des Abenteuers gedrängt. Ihr Aufruf hat keinen Widerhall gefunden. Ihre Maueransckläg« hat die Bevölkerung der betreffenden Gebiete abgerissen. Tie Reichsregierung hat auf diese reichszerstörenden Bestrebungen nur eine Antwort: S'e hat den obersten Reichsanwalt angewiesen, gegen den Herrn Torten und die übrigen Mitglieder der fege nannten Regierung der Rheinijchen Republik das Verfahren wegen Hochverrats zu eröffnen. Alle Amtshandlungen der sogenannten Regierung des Herrn Torten sind null und nichtig. Tie Bevölkerung hat ihre Anordnungen nicht zu beachten. Die bisherige Landesregierung und Landesbehörden sind nach wie vor die Träger der rechtmäßigen Gewalt."
3n Wiesbaden und Mainz.
Der am Samstag in verschiedenen rheinischen Städten verbreitete Aufruf für die Rheinische Republik ist auf sranzösischen Befehl in der Druckerei des Wies- badener Zentrumsblattes gedruckt worden. Er wurde dort um 2 Uhr nachts von französischem Militär abgeholt. Die Polizei erhiett fowohl in Wiesbaden und Mainz wie in anderen Orten den Befehl, die Plakate gegen jederlei Beschädigung zu schützen. In Wies- baden wurden trotzdem sämtliche Plakate von der empörten Bevölkerung sofort abgerissen, schon um 10 Uhr morgens war nur noch ein einziger Aufruf zu bemerken und der hing am Palasthotel, wo sich das stanzösische Offizierskasino befindet. In Mainz blieb ein großer Teil der Plakate hängen, weil die Polizei mit großer Strenge gegen jeden Versuch der Beseitigung einschritt.
Sonnlag morgen um 7 Uhr wurde in Wiesbaden der Nassauische Ausschuß gegen die Rheinische Re- pubi'k zu dem französischen Kommandanten gerufen, de'' 'berft Pinot. Dieser Ausschuß hatte eine Eingabe ar e ftanzösische Militärbehörde gerichtet, sie möge st i Sachen der Rheinischen Republik nicht einseitig unmridjten lassen. Oberst Pinot fragte die Herren nach dem Zweck ihrer Eingabe. Es wurde ihm dargelegt, daß die ganze Bevölkerung geschlossen gegen jede Sonderbündelei sei. Es wurde verlangt, daß die ftan- zösssche Behörde sich von der wirklichen Meinung des Volkes ubeneuaen solle sei es durch Erlaubnis öst-nt-
Deutsches Reich.
** Berlin, 1. Juni. Die Abgg. Äaftert und Kn ckhoff haben ihre Mandate zur Preußischen LandeSversammluiw niedergelegt in her Erwägung, daß über allen per önlichen Fragen die Einheit und Eelchlossenheit der Zentrum-Parler stehen muß.
* TaS neue deutsch - schweizerische Wirtschaftsabkommen. Tie Ver inbarung ist auf die Dauer von sechs Monaten abaeichlossen und kann jederzeit auf einen Monat gekündigt woiden. Deutschland hat der Schweiz u. o. monatlich 50 000 bis 60 000 Tonnen Ruh,kohle, 250 Wo en Kali aste unb 125 Wagen T. omasmehl zu liefern. Die Gegenlieferungen der Schweiz bestehen in der Hauptsache in Lebens» m fein.
Ter Allgemeine Eisenbahncrverband forderte auf feiner Tagung in Elberfeld tn einer Entschließung mit dem Vorbehalt einer gesetzlichen Regelung schleunigste Durchführung einheUliclrer Bestimmungen für die Ar. htiferräfe entsvreck'end dem Reichsgesetz rotn Dezember 1918. Bis dahin wählte die Vertreterversammlung ein« stimmig einen fünfgliedrigen Zentralrat. Tie Ver' treterversammlung und die auf dem Boden des Verbandes stehenden Arbciterräte forderten unbedingt volle Berücksichtigung der Eisenbahner tn dem Gesetzentwürfe über die Betriebsräte; der neugewäblte Zentralrat ar.
solche in keiner Weise davon betroffen wurden. Um sowohl dem Verlage als auch der Redaktion der .Kölnischen Volkszeitung weitere unberechtigte An» griffe zu ersparen und zur Beruhigung der Bevölkerung^ seinerseits beizutragen, scheide er einstweilen aus eigenem Antrieb aus dem Redaktcotrsverbandö der .Kölnischen Volkszeitung aus.
licher Versammlungen, fei es durch eine Volksabstimmung. Oberst Pinot meinte, für alles das fei es jetzt zu spät. Auf die Beschwerde des Amtsgerichtsrats von Stein, es werde offenbar Hochverrat gegen das Deutsche Reich unterstützt, erwiderte Pinot, er werde den Städten, die sich mit der neuen Gründung nicht abfinden wollten, die Zufuhr der Lebensmittelsperren. Die Frage Steins: „Ist das nun die französische Zivilisation?" hatte zur Folge, daß der Oberst ihn aufforderte, sich nach Haus zu begeben und seinen Paß dort zu erwarten; er werde innerhalb 24 Stunden ausgewiesen werden.
Ein Proteststreik gegen den Puffchversuch ist in Wiesbaden schon nach zweistündiger Dauer gescheitert, da sich die Arbeiter den Zwangsmaßregeln der Besatzungsbehörde fügen mußten. Die Straßenbahnen verkehren roteöer und das Geschäftsleben geht seinen Gang. Zu dem Proteststreik war durch Handzettel aufgerufen worden mit der Ueberschrist: „Gegen die Pfaffenrepublik". Durch solchen groben Unfug fordert man keineswegs die jetzt so notwendige Einigkeit. Man stößt einem großen Teil der Bevölkerung direkt vor den Kopf, zumal in diesen Gebieten mit einem erheblichen Prozentsatz Katholiken. Für den Vorwurf, daß es sich um „Pfaffenmache" handle, besteht auch nicht der geringste Anlaß. Die kirchlichen Behörden stehen der Sache völlig fern. Es fft ja bekannt, daß auch z. B. demokratische Persönlichkeiten an dem Treiben beteiligt waren. Welcher Partei der provisorische Präsident von Franzosei'-"-'>>en der ehemalige Berliner Staatsanwalt Dr. ' n ift her in Wiesbaden unter dem Schutz der Feinde residiert, wissen wir nicht. Ein Zentrumsmann ist er vermutlich nicht, sonst hätte die „Frkft. Ztg.", die seine Vergangenheit sehr genau zu kennen scheint, ihn sicher als solchen an den Pranger gestellt.
In Mainz war gestern der Streik vollkommen. Es verkehrte keine Trambahn mehr. Zwischen 8 und 9 Uhr hatten die Arbeiter ihre Fabriken, die Angestellten ihre Geschäfte verlassen, und alles steht still. Auch die Angestellten der öffentlichen Betriebe nahmen an dem Abwehrstreik gegen den Puffchversuch teil. Wo französische Posten waren, versuchten diese die Arbeiter mit Waffengewalt am Verlassen der Schriebe zu hindern aber sie konnten sie nicht zum Arbeiten und auch nicht zum Dableiben zwingen. Die Schulen haben den Unterricht und wie mir hören haben auch die Gerichte ihre Tätigkeit eingestellt. Die ganze Bevölkerung schien sich während der Vormittagsstunden durch die Straßen zu bewegen. Es herrschte eine Stimmung von unverkennbarer Erregung. Dienstag vormittag wird die Arbeit wieder ausgenommen, da es sich bei diesem Streik lediglich um eine Kundgebung des geschloffenen Willens der Bevölkerung handelt. Die Franzofen haben einige Verhaftungen vargenommen. In erster Linie wurde der Abg. unb Mainzer Beigeordnete Adeluns Präsiden» der Hessischen Kammer, ins Gefängnis gebracht. Des weiteren der Redakteur Schildbach von der sozialdemokratischen „Dolksztg.". Die ftanzösische Militärbehörde ließ nachmittags einen Anschlag in der Stadt befestigen, durch den die Bevölkerung gewarnt wird: man habe erfahren, gegen die Urheber der Proklamation der Rheinischen Republik seien feindseüge Machenschaften nn Gange. Diese Männer ständen jedoch unter dem Schutze der Besatzungsbehörden. Die französischen Offiziere machen nirgends ein Hehl daraus, daß sie den Putsch als ihr Werk ansehen.
Protestkundgebung in Koblenz.
Koblenz, 2. Juni. Eine von mehreren taufend Teilnehmern besuchte, unter freiem Himmel abgehobene Vofksversam mlung erhob Einspruch oeaen die Gründung einer Rheinischen Republik. Die EisenbabnverkehrSbcamten unb -Arbeiter traten, um dadurch öffentlich Ein pruch gegen die Errichtung euer rheinischen Republik zu erheben, für einige Stunden in den Auestcind. In der Stob» mürbe hon Angestellten unb Arbeitern ebenfalls vielfach vorübergrh nd die Arbeit eingestellt.
Mißglückter Putsch irr der Pfalz.
Am Sonntag sollte in Speyer die n e u t r a l e R e- publik Pfalz endgültig gegründet werden. Zur Vorbereitung hatten die Franzosen den Regierungspräsidenten v. Winterstein im Auto über den Rhein gebracht. Die Bürgermeister waren landauf, landab zu einer Besprechung nach der Hauptstadt Speyer eingeladen, d. h. eigentlich kommandiert worden, denn die Einladung wurde messt durch französische Offiziere überbracht und war vielfach von sehr energischen Einwirkungen dieser Herren begleitet. Die meisten Geladenen blieben jedoch der Tagung fern und die kleine Schar derer, die gekommen waren, machte schließlich 'den Ginbetufern auch wenig Freude. Zur Füllung des Saales hatten die bekannten Sanbauer Verschwörer, die zu dem Tage nach Speyer herübergekommen waren, einige „freiwillige" Deputationen aus den umliegenden Landgemeinden herbeigebracht. Die Zufam- menfunft fand tn der Wirtschaft „Zum Gambrinus" statt, und der Wein, der von unbekannter Seite gestiftet war, floß in Strömen. Ms es aber schließlich zur Proklamation der neuen Republik kommen sollte, da erhob sich ein Riesenskandal, und vergebens suchte der selbsterkorene neue Präsident Dr. H a a ß die Versammlung zu beruhigen. Im Laufe des Vormittags versuchten dann die Verschwörer einen Z u g zu formieren und sich mit diesem zum Reoierungsgebäude zu begeben. Bevor sie dieses jedoch betreten konnten, wurden sie von der Volksmenge ergriffen und jämmerlich verprügelt. Als die Landauer ab- zichen wollten, wurden sie nochmals mißhandelt, teilweise so schwer, daß sie von den französischen Behörden im Auto weggefchafft werden mußten. Dr. Haaß liegt im Krankenhaus.
Der Putsch in Speyer ist vollständig mißlungen und man glaubt nunmehr mit Bestimmtheit, daß sich von Seiten der Landauer keiner mehr findet, der Verlangen nach einer ähnlichen Züchtigung trägt
Rücktritt Dr. FrobergerS.
wtb Köln, 2. Juni. Redakteur Dr. Froberger erklärt in einer Zuschrift an die ,Kölnische Volkszeitung/, bas für die Reise nach Macnz unb bie borkige Besprechung er die Verantwortung aus- jchüeßlich allein zu tragen habe und der Verlag und die Redaktion der Kölnilchev »15
• 20 Milliarde« Goldmark. In der Denkschrift welche die deutschen Delegierten al$ ^twort aus dre FriedenS.Bedingungcn der AUrierten uberreickt haben, erklärt sich Deutschland bereit, 20 Milliarden ®o.bmart bi, zum Jahre 1920 zu bezahlen. Unter dem Ausdruck „Gotdmort" ist zu verstehen, daß die Zahlung.unter Zugrundelegung der Währung d.r @ol6toahr.m(18lanoer (also auch derjenigen Deutschlands vor dem Kriege) zu erfolgen hat. Deutschland muss sich, solange die deut- sch« Mark seinen Wert nicht wieder erhalten hat, aus- ländische Vaiutru von Goldwaqrungstandern durch Ex- Port und Ankäufe erwerben und sie an die Alliierten abliefern. Der Nominal - Betrag der,er an-lanbychen Werte ist maßgebend. Dies- Werte werden dann auf- gerechnet, bis der Betrag von 20 Milliarden, erreicht ist. Nach dem heutige« der deutschen Papiermark wurden diese 20 Milliarden etwa 65 Milliarden bedeuten.
* Rückkehr Wilhelms IL nach Deutschland? Dre New-Bork Times' meldet aus dem Haag aus angeblich sicherer Quelle, daß Personen aus der Umgebung Wilhelms H. nach Deutichland abgerelst seien, um dort für ihn Quartier zu machen. Seine Rückkehr nach Deutschland sei also sicher. — Ueber derartige Vorbereitungen ist an amtlichen ©teilen nichts bekannt. . «>,■,«,*
* Der Hochverratsprozeß gegen Lev'.ne-Nisfen. Vor dem Münchener Standgericht fand am Montag drr Hochverratsprozeß gegen den rusnschen Büliche- wisten Levinö-Nissen, den Führer der Münchener Räterepublik statt. Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt unter Ausschaltung milbernöer Umstände die Todesstrafe. .
* Die Leitung der schwedischen Sozialdemokratie bat unter Vorsitz Branttngs einen großen Protest gegen die Versailler FriedensbebrngungeL beschlossen. _
Preußische Landesversammlung.
Sitzung am 2. Juni.
Die Besprechung der förmlichen Anfragen über vis Zerrüttung bc_8 Eisenbahnverkehrs» wefens wird fortgesetzt.
Abg. Kvp sch (Demokrat) fordert u. er. Scrm^j» rung der Schnellzüge. _ ,
Abg. Kähler (D. ntl.) ftrdert Verbesserungen im Personen-.und Güterverkehr unter besonderer rücksichiigung der Bedürfnisse der Landwirtschaft.,
Abg. Schmedding (Ztr.) hont, baß gemäss ErNärungen des Ministers alles geschehen werde, um wieder zu besseren VerkehrSverhältniss-n zu kommen.
Abg. Mebehof (Uncchh.) meint, im Zeichen der ^e- mokratie stände es, wenn nur eine Wagenklape 'n de» Perfonenzügen geführt würde.
Minister Defcr; Die vorgebrachten Wünsche werden forgfältig ' geprüft werden. Die Fährte r - laubnisscheine werden lediglich inner Harb Preußens zur Aushebung kommen. Be, der For- nmlierunq der WaffenstillstcmdSbedingungen war letOcr Sein Sachverständigenbeirat unseres Äteswris zugezo- gen, sonst wären die Bedingungen für die^Aoiiahm- des zu liefernden Eisenbahnmaterials wohl genauer präzisiert worden. In der französischen Presse ffr mit. geteilt worden, daß ein Teil der Lok c> m otive n, sobald die Frage der Bezahlung akut wird, z u ruckgegeben werden soll. Es handelt sich nach einer Meldung um 1000, nach einer anderen um 2000 Lokomotiven. Natürlich wird uns die Rückgabe sehr erwünscht sein, aber wir iverden die Lokomotiven nur je zurücknebmen, wie sie bergegeben worden sind. (Beif.)
ES folgt eine förmliche Anfrage der Leuhchen Volkspartei, ob die Zeitungsnachricht sich bewahrheite, daß ein Schulbüchermonopol eingeführt werden solle.
Abg. Dr. Bölid (D. Vpt.): Ti- Dnrchsuhrunv eines solchen Monovols würde auch die Buchbinder und andere Kewerbetteibende schädigen. Vor allem sprechen iwissenichafttiche Bedenken gegen da? Mei ovol. Nirgends sind die Schulbücher schlechter als in Oesterreich, wo man ja das Monopol hat. In elterlichen Kreisen befürchtet man von dem Monogol eine Erschüt- t-rnrig der sittlich-religiösen Gruinblagen des Unter» richt?s.
linier richtZmiu ister Hönisch: Der Gedanke der Schulbückermonopollsierung i'k ernster Erwägung wert. Seiner Verwirklichimg steht aber gegenwärtig noch manche grosse Hemrrnmg entgegen. _ Wir werden eine« freien Ausschuß hervorragender Pädagogen aller Richtungen einberufen, der alle Schulbücher gründlich nachprüfen wird. t '
Abg. Wilderman« (Ztt.) hat dre größten Beden- ken gegen ein Schulbüchermonopol, wohl aber könnte die Regierung gegen überflüssige. Aenderungen von Schulbüchern einschreiten. (Sehr richtig.) j
Abg Rippe! (D. natl.s: Tie Schusbücherftechett' ist ein Teil der Geistesfreiheit, die sich jede? Volk be- wahren muss, wenn es sich nicht selbst aufgeben will.
Ak>g. Schröder-Halle (Den?.) lehnt ein Schulbücher- Monopol ab.
TienStag: Kleine Anfragen, Vorlagen betreffend Staffelung «r Einkommensteuer.