Deutle; Reich.
Reichskolonialmioister Dr. Dell hat sich nach Versailles begeben.
c DIedrrzusam menkrill ter Nationalversammlung. Der Versassungsauesch'-ih der Nationalversammlung, dei feil einigen Tagen in Berlin tagt, hat seine Arbeit jetzt fo weit gefördert, das; die erste Kommissionsberatung der V e r f ä f s u n g kurz vor ihrem Abschluß steht. Es soll die zweite Lesung sofort vorgenommen werden, um das Derfaffungswerk schnell zustande w drinnen. Mir
Unsere Gefangenen.
Das an das internationale Rote Kreuz gerichtet« Schreiben, auf das un ere Friedensdelegation tn ihrer Note über die Behandlung der deutschen Kriezs- gesangenen hinweist, lautet: <niu
St. Etienne du Rouvtay, den 15. gebt. 1919.
Mein Herr! Die deutjchen Gefangenen, die auf der Eisenbahn beschäftigt sind, werden wie Sträflinge te* handelt. Sic werden wie die Hunde geschlagen und schlecht ernährt. Das bricht uns grauen und -Rut.ern der Einberufenen das Herz. Denn wir sehen, daß diese Männer vor Hunger sterben. Trotzdem es nnS selbst an Brot fehlt, können wir nicht anders, als ihnen von Zeit zu Zeit, wenn der Zufall eS gestattet« Brot znwcrfen. Sie stürzen sich daraus wie ausgehungerte fiere. Die französischen Wächterbehandeln s ie roh, nur wegen eines Bissens Brot. Wir hosten mein Herr, dag Sie in dieser Angelegenheit ein;dornten werden, um ihr Los zu verbessern. Wir haben deswegen schon an mehrere Stellen geschrieben, leider aber ohne jcten Srf°ätr begrüßen (Sie: Eine Gruppe Städterinnen aus St. Etienne du Rouvray bei Rouen (Seincyn» ^'ob^lemenceau auch das klassische Zeugnis für die entsetzliche Lage vieler deutscher (gefangener tu Frantreich mit vetächilicher Hanvbewrgung btt|eue^ schieben wird?
Set Streik in Denrath. Die Streiklage hat insofern eine Verschärfung erfahren, als der Betrieb der Gas-, werte nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte, was die vollständige Einstellung der Gaslieferung Zur Folge hatte. Der Bürgermeister hatte sich bet der britischen Behörde energisch dafür eingescht, die angedrohte Bei:. schickung der Streikenden zum Wiederaufbau m Belgien und Nordfrankreich zu unterlassen. Es ist auch einstweilen von weiteren Verhaftungen abgesehen wordeir.- Doch dürften die Briten beim Verharren der Arbeiter im Streik mit weiteren Zwangsmaßregeln vorgehen.
rNasfenverhaslungen in Koblenz. -m der Nacht nach dent Himmelfahrtstage wurden am Bahnhof 300 Zivilpersonen, die unter dem Gesang des Liedes ^Deutschland. Deutschland über alles" von emem Ausfluge zurückkehrten, von der amerikanischen Milttarpo- lizei verhaftet. ,
* ezu Tessait drangen Demonstranten tn ent Gasthaus, in dem Regi runastruppen unteraebradjt waren, mißhandelten sie schwer und nahmen tonen die Gewehre. Ein Soldat ist an den Verletzungen qeftoiben, zwei Soldaten schweben in Lebensgefahr. Zwei Offiziere wurden auf offener Straße überfallen und mißhandelt.
* Die Leiche Rosa Luxemburgs ist fetzt im Ber- liner Landwehrkanal gefunden worden. Sie war offen- bar durch ein Wehr festgehalten worden sodaß fie bis jetzt vielfacher Nachforschungen durch Taucher nicht halte entdeckt werden können.
Preußische Landesversammlurrg.
Sitzung vom 31. Mai.
Die Landesversammlung beschäftigte sich mit der Besprechung von Interpellationen, cder wie sie fetzt heißen, förmlichen Anfragen. u
Die Parteien der Rechten verlangten Auskunft, wann die Regierung des Hauses die deutschen G e g e n Vorschläge vorzulegen gedenke. Diese Interpellation wurde zunächst zurückgestellt, und als sie dann nach Erledigung einiger kleinerer Borlagen zur Erörterung kam, war zur Begründung der Interpellation niemand ,m Haufe an- wesend. Trotzdem fand sich die Regierung zu ihrer Beantwortung bereit und lieh durch den Unterstaatssekretar Gdhrc mitteilen, daß die deutschen Gegenvorschläge voraussichtlich spätestens Mittwoch dem Hause zugehen sollen.
Nach eingehender Erörterung der höchst verbesierungs- bedürftigen Lage der Bergarbeiter, in deren Berkaus Handelsminister Fischbeck die Auslösung des Bezirks- - Bergarbeiterrats in Mitteldeutschland mit dessen unerhörter firptn ti» Rrgicrung rechiserligte, kam eine Anfrage der Deutschen Soll spartet über die Zerrüttung des Berreyrswesers zur Beratung.
Abg. Garnlch (D. 23p.) forderte, daß die Eisenbahn- arbeiten um den Wiederaufbau unseres Eisenbahnwesens zu ermöglichen, endlich anfangen müssen, reell, treu und ehrlich zu arbeiten. Trotz der Erhöhung der Zahl der Eisenbahnarbeiter und trotz der Lohnerhöhungen um 190 Prozent, teilweise um 350 Prozent, wurde nicht gearbeitet. Man müsse billigerweise zurzeit hohe Löhne zahlen, aber dann sollte wenigstens gearbeitet werden. Statt dessen fordern die Eisenbahnarbeiter noch weitere Lohnerhöhungen im Gesamtbeträge von zwei Millionen.
Abg. Reumann (Soz.) führt die bedauerlichen Zustande auf der Eisenbschn im wesentlichen auf die Abnutzung des Materials zurück. ... _ v „
Eijenbahnminister Oefet ging m längerer Rede auf alle Beschwerden ein. Er bestätigte die weitgehende Abnutzung des Materials und erklärte die schlechten Arbeltsleistunget» aus der Abnutzung auch der Menschen infolge der schlech. ten Ernährung. Er richtete an die Arbeiterschaft die dringende Aufforderung, mit allen Kräften an der Wiederher- stellung besserer Derhältnisie im Eisenbahnwesen zu arbeite» Während die preußischen Eisenbahnen in früheren Jahre» Jahr fiir Jahr eine der ergiebigsten Einnahmequellen des preußischen Staates waren, werden sie, wenn die imgün. ftige Entwicklung in dem bisherigen Umfange mcht bald aufhört, für das laufende Jahr einen Zuschuß von über . 3 Milliarden erfordern. Mit dem vergangenen Jahr zu- sammen würde das ein Des i z t t von 5 Milliarde» bedeuten. Schuld an diesem traurigen Stand des Verkehrs- wesens trügen ganz zweifellos die fortgesetzten Lohn- ansprüche. Eine Steigerung der Löhne sei bei der fort' gesetzt zunehmenden Teuerung unabweisbar gewesen, auch die Lohnerhöhungen müßten eine Grenze finden, wenn nicht unwiederbringlicher Schaden anoerichtet werden solle. Am Schluß seiner Ausführungen mochte Minister Oeser Mitteilung von ber auf den 1. Juni angesetzten Aufhebung der Reiserlaubnisscheine und der vorgesehenen Zuooerbes. fern »gen. 42 Prozenf aller Züge seien wieder in den Fahrplan eingestellt. Fü? diese Verbesserungen sei aber di« Voraussetzung, daß die Eisenbahnarbeiter und Beamte» autfi wirklich ihre Pflicht tun.
Montag: Fortsetzung der Beratung.
End« bet ungarische» Räterepublik?
Das ..Neue Wiener Tagblatt" erhält aus Budapest die Meldung, die ungarische fRäteregierung habe sich bereit erklärt, zurückzutreten uyd der Negierung Platz zu machen, an deren Spitze Garant stehen soll. Garant gehör? dem rechten Flügel der sozialdemokratischen Partei- an und war Handelsminister im Kabinett Karoly.
Verschärfung -er Polengefahr.
Die mllitärische Sage an der posenschen Front hat sich in den letzten Tagen zu unseren Ungunsten gewendet. Von der Hallerschen Armee sind bis jetzt 60 000 Mann auf deutschem Gebiet eingetroffen. Die Polen befinden sich fetzt aber auch im Besitze schwerer Geschütze, ein Mangel, der uns bisher sehr zustatten kam. Sie haben schweres Geschütz auch von Italien über Wien erhalten. Die Gefahren, die uns von polnischer Seite drohen, sind also wesentlich gestiegen. Die Verwendung der Hallerschen Truppen gegen Deutschland ist allerdings ganz vertragswidrig, denn die Polen sollten diese Truppen ausschließlich gegen die Bolschewisten einsetzen. Eine solche Absicht hat bei den Polen offenbar aber gar nicht bestanden, denn die Bolschewisten in ber 11 traine, gegen die die Polen die Hallersche Armee verwenden wollten, sind militärisch (jar nicht in der Lage, in Galizien einzufallen. Die Ukrainer ind militärisch vielmehr längst erledigt und die Polen verwirklichen mit leichten Kräften dort setzt ihre Erobenmgs- zieke. Sie haben das Petroleumgebiet besetzt, melden di« Einnahme von Tarnopol und Drohobicz und marschieren weiter östlich. Alle Hallerschen Regimenter und auch ander« polnische Verbünde^ die an der Lemberger Front gekämpft haben, befinden sich auf dem Transport nach Deutschland.
An her oberschlesischen und posenschen Front herrscht regste polnische Patrouillentätigkeit, vor allem im Abschnitt von Kempen bis Fraustadt, wo es infolge von Uebergriffen der Polen an mehreren Stellen zu Zusammen- stoßen kam. Bentschen lag in den letzten Tagen unter polnischem Feuer. Die Polen griffen unter dem Schutz von Minenwerfer-Fouer unsere Stellung an der Straße Brom- beri'-Hohensalzo an. wurden aber abgewiesen.
Wie sehr die Vosen ihre eigenen Behauptungen, sie leien immer nur die 2(ngegriffenen, zunichte macken, kann aus einem in deutsche Hände gelangten Befehl ersehen werden, bet anordnet, daß die polnischen Angriffs- vorbereituvgen argen die deutsche Stadt Sissa bis zum 28. Mai abgeschsoflen sein müßten: die Ausführung hänge von der politischen Sage ab: eine Unter» flfltzung durch polnische Einwobner Lillis sei vorgesehen. Bei etwaigem Widerstand der Deutsoten sei kurzer Prozeß zu mrtttert Nur infolae umfassender Maßnahmen ilt dieser hinterfistige und meuchlerische Man nicht zur Ausführung gelangt. Die eiforbHithen militärischen Maßnahmen zum Schutze der Stadt Lissa find getroffen.
Was wir anbieteu.
Nunmehr liegt außer der Mantelnote auch die Denkschrift, die unsere Gegenvorschläge enthält, in ihrem ganzen Umfang vor. Ten Inhalt unserer Gegenvorschläge haben wir bereits mitgeteilt Wir wiederholen ihn hier in kurzem, weil er nun in der ^gültigen Fassung vorliegt.
Dir sind bereit, allen anderen Völkern mit der Ent. wafsmmg voranzugehcn und unser Heer nach und nach gyf 100 000 Mann zu verringern.
23ir verzichten auf die wirklich polnischen Teile Po-
Polennmiriebe In Ostpreußen.
Aus dem mittleren und südlichen Ostpreußen häufen sich die Nachrichten, daß die Bolen bei ihren LosreißungS- beftrefcungen die dort zumeist streng katholische 23 e - völkerung für hochverräterische Pläne durch den Hin- weis zu gewinnen suchen, daß künftig die (Stern ihre Kin- ber In konfessionslose Schulen schicken mußten. Um dieser Propaganda der Polen entgegenzutreten, haben verschiedene Gemeindevertretunaen Ostpreußens in telegraphischen (Eingaben von der Regierung die bindende Erklärung verlangt, daß Schulfragen künftig lediglich Gemeindeangelegenheiten sein sollen, daß insbesondere die einzelnen Gemeinden über den konfessionellen Eharakter der Schulen selbständig entscheiden sollen. Demgegenüber wird durch Wolffs Tel.-Düro festgestellt, daß auf Grund des zwischen Mehrhettssozialisten, Zentrum und Demokraten vereinbarten Regierungsprogramms jede Gewähr. dafür geboten ist, daß bei der Neuordnung des preu- bsschon Schulwesens iroenbeine Vergewaltigung re» ligiöser Interessen ausgeschlossen sei. Auch die Rechte ber Gemeinden auf die Gestaltung ihres Schulwesens sollen gewahrt bleiben, soweit es irgendwie mit den Staatsinteresien zu vereinbaren ist. Der Regierung liegt nichts ferner als Einschränkung der Selbstverwaltung, auch auf diesem Gebiete, wenn mich selbstverständlich in allen grundsätzlichen Fragen des Schulwesens an einheitlichen Bestimmungen für das ganze Staatsgebiet festgehalten werden müffe. Ueber Einzelheiten könne nach Lage der Dinge zurzett noch nichts bestimmt werden.
Di« Haltung des katholischen Klerus Ostpreußens.
In einem in der .Deutschen Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Artikel hatte der preußische Ministerpräsident Paul Hirsch die Eindrücke seiner Steife nach Ostpreußen nieberaelegt. Er hat darin aitSge« führt, daß im Gegensatz zu Oberschienen, wo der Klerus auf deutscher Seite stehe, in Ostpreußen die latholische Geistlichkeit nicht au5 Politischen, sondern ans persönlichen Motiven für den Anschluß an Polen agitiere. Dazu veröffentlicht heute die ,®ermanta' eine Erklärring des Dompropstes von Ermlond, in der es beiO:
„Ick. wage zu bezlveifeln, daß der vrcr ßick-- Mnn- sterpräsidcnt wäbrrnd seines Aufenl^l'eZ in Ostpreußen einen einzigen dernschen kackekij.'^ Gkijtli.iCn gesprochen bat und aus dieser Um-" r inn’« die Ueberreu» gung schävfte, daß „btt katholische Geistlichkeit in Oft- Preußen für dem Anschluß cn «tolen agitiere." Diese Ueterzeuoung bcS Mini'tervrä>'tenten kann fick nur auf Informationen stützen, die wiederum von iokt-en Personen berrühren. die wie im alten Regime keinerlei Fiih- lnng weder mit Klerus noch mit Volk Raten, die womöglich n"ch ten~ alten. hoffentlich reckt bald den endgültigen, letzten Schnaufer tuenden Klevrer reiten: Katholisch! Also annnat'cnall Es iff ganz unmöglich — ja es wäre eine bewußte Verleumdung — daß einer, der den Geist rrnd die Wünsck- des beuueten. ostnreußi- sck-n katholischen Klerus kennt, von ihm behauptet, er neige zu Polen ober agitiere gor für dasselbe. Wohl gibt eS im südlicken' (Erirfanb entsprechend der polnisch sprechenden Bevölkerung auch ein? Anzahl Polnisch Ivrc- ckender deutscher Geistlichen, aber in"ihrer übergroßen L’iehrheit flehen diese polnisck-iprecteuden Geistlichen ehrlich und loyal auf d-utschem Standpunkt."
Die Erklärung schließt mir Der Versicherung, daß die Gesinnung de- kathostschen Älerul tu Ostpreußen
rein und ehrlich deutsch sei. <Hn dieser Wahrheit ändere es nichts, daß einjeU ich von der gtofc» Politischen Agitation haben einfangen lassen.
Die Haltung der Oberfieu Heeresleitung.
(Eine von der Obersten Heereslettung eröffnete Rundfrage, wie die Bevölkerung zu einer etwaigen Wiederaufnahme des Krieges stehe, ist von der Reichs- rrgierung nicht gebilligt und gemäß deren Anordnung wieder eingestellt worden. Als Zweck dieser Umfrage hat die Oberste Heeresleitung bezeichnet: 1. Für alle Fülle Note und sichere Unterlagen für Entschlüße zu schassen, vor die sie von der Reichsregierung gestellt werden könnte; 2. aber ist Hindenburg nach Bekanntwerden ber Friedensbedingungen mit Ratschlägen, Protesten und Kundgebungen aller Art überschüttet worden, die den Eindruck machten, als ob Volk und Heer zum Kampfe gegen den Willen der Reichsregierung fest enischlosien seien. Der Obersten Heeresleitung ist sogar Mangel an Entschloflenheit und nationale Lauheit vorgeworfen worden. Daher mußte sie ein richtiges Bild der Lage zu gewinnen suchen, um einerseits Hitzköpfe zu beruhigen und anderseits die in kurzem sicher zu erwartenden Angriffe der öffentlichen Meinung mit schlagenden Beweisen abwehren zu können. Die Oberste Heeresleitung wollte also ebensowenig wie die Reichrregie- rung die friedliche Reichspolitik durch Hitzköpfe stören lassen. Die Reichsregierung baut auf den inneren Rechtswert rmd die Ucberzeugungskraft ihrer Gegenvorschläge, nicht auf eine Erneuerung des Waffen» k a m p f e s von unserer Seite, wird sich aber dauernd bemühen, die Sicherungsaufgabe in den Ostprovinzen in keiner Weise vernachlässigen zu kaffen.
täte ab.
Aus H ö ch st wird uns gemeldet, daß dort gestern früh aus Wiesbaden ein Automobil erschien, befien Insassen in angeblich amtlichem Auftrag des französischen Kommalidanten von Wiesbaden eine große Anzahl von Plakaten brachten, auf denen die erfolgte Ausru- hmg der Alinas säuischen Republik in Wiesbaden, ber Rheinischen Republik in Koblenz und der Pfälzischen Republik in Speyer a.raekündigt wurde. Die Plakate sollten öffentlich an« g.'flebt werden. Da die deutsche Behörde die Nachricht bezweifelte und da die Plakate weder Unterschrift noch den Druckart trugen, wie dies gesetzlich vorgeschrieben ist. so untersagte sie die Anbringung der Plakate. Auch aus anderen Orten des besetzten Gebietes werden gleiche Versuche gemeldet.
Ein Notschrei der Pfälzer.
Die völkerrechtswidrigen Wühlereien der Franzosen in der Pfalz und die Not der Bevölkrung beleuchtet ein Notschrei, der von angesehenen Pfälzern aller Parteien de: ..Frankfurter Zeitung" zugesandt wurde. Er lautet:
i-ranzösiscke 3timtrolloffixiere bereisen die Pfalz, be* arbeiten die Oberbürgermeister, berufenVersatmulungen ein und teerten offen für eine neutrale selbständige Republik. Sie bedrohen die Beamten mit dem Kriegsgericht, falls diese dem neuen Staat ihre Dienstleistungen versagen sollten. Hochverräterische Plakate werben augefcklapvn und verkauft. Ter Verkehr nach dem rechtsrheinischen Gebiel ist gesperrt. Regle- r i! n g und Presse sind geknebelt, so das; keine SSerivurnung und Aufklärung möglich ist. Tie Deam- ten erklären, daß sie der neuen Republik jeden Dienst verweigern. Das ganze pfälzische Volk liebt Hirn er ihnen. Tie Pfälzer erbitten von unserem Valer'and fdrörfiten Protest und richten einen Avpell an das Gewissen ber neutralen Nationen und ihre Preise."
Putsch im Rheinland.
Am Sonntag wurde in Wiesbaden und M a i n z die R h e i n i s ch e R e p u b l i k ausgerufen. An den Straßenecken waren Plakate angeklebt, die die Aufforderung an die Bevölkerung richtete, sich der Rheinischen Republik im Verbände des Deutschen Reiches anzuschließen und trotz der Gegenwart zahlreicher französischer Offiziere riß das Pilblikum die P l a -
Wir verlangen Volksabstimmung in allen abzutre» totbeti Gebieten.
Wir verlangen Sclbfttestimnrungsrecht für Oester» reich.
Wrr wollen nufere Kolonien dem Völkerbund unter» Men und als dessen Beauftragter verwalten.
Wir wollen 100 Milliarden Mark Gold zahlen unter Emrechmmg ber Leistungen an Belgien.
Wir wollen unsere ganze wirtschaftlrche Kraft dem Wiederaufbau Belgiens und Nordfrankreichs widmen.
Wir wollen Frankreich mit Kohlen versorgen.
Wir wollen Misere Handelsschiff« in einen Welkerem der Handelsschiffahrt einbringen. Wir wollen Handelsschiffe für die Alliierten bauen.
Wir wollen die Arbeiter in allen Sandern frei und ^eickberechtlFt sehen.
Wir finb gegen die Auslieferung des ehemaligen' Kaisers und verlangen ein unparteiisches Gericht für alle Schuldfragen.
Diese Anerbietungen stellen daS Höchstmaß bar, das mit Aufbietung aller Kräfte erreicht werden könnte, sind also nicht auf das Abhandeln eingerichtet. Die Aussichten unserer Gegenvorschläge.
Was werden die Gegner jetzt tun? Das ist die Wfelfrage in dieser schicksalschweren Woche. Eie bleibt dunkel, da die feindlichen Machthaber offenbar unter sich noch nicht einig und schlüssig sind. Aus den sich ost widersprechenden feindlichen Presseäußerungen ist auch kein zuverlässiger Anhalt zu gewinnen. Es hat aber den Anschein, daß die deutsche Denkschrift einen starken moralischen Eindruck bei den feindlichen Staatsmännern erzielt hat und daß bei xinem Teil unserer Feinde die Geneigtheit zu Abänderungen der Friedens- bediiigungen bis zu einem gewissen Grad bestehen mag, wie dies englische und amerikanische Stimmen erkennen lassen. Man darf auf solche Geneigtheit auch daraus schließen, daß in Frankreich wie auf Kommando ein in heftiger Sprache geführter Zeitüngsfeldzug gegen die deutschen Vorschläge eingesetzt hat, der offenbar bezwecken soll, auf die Verbündeten einzuwirken. Mit auffallender Mühe wird da versucht, Wilson klarzu- machen, daß eigentlich er der Beleidigte sei, weil die Deutschen sagten, sein Friedensvorschlag stimme nicht mit seinen vierzehn Punkten überein. Diese Bemer- fangen lassen darauf schließen, daß man trotz der Heftigkeit des Tones dock: die Möglichkeit einer Meinungs- vcrschiedenheil mit. Amerika fürchtet. Der in Paris herausgegebene „diplomatische Situationsbericht", der übrigens mir bemerkt werden muß, nicht von der Frie» densdelegation, sondern von den Sekretären der französischen Friedensdelegation versaßt wird,, sucht e» fo hinznstellcn, als ob man sich bei den leitenden Stellen 'm der Hauvtsache in der grundsätzlichen Ablehnung einig sei, doch ist es bemerkenswert, daß sich diese ofsi- zim'e Auslastung in Nebereinstimmung mit der französischen Presse gedrungen fühlt, sich scharf polemisch gegen Strömungen von amerikanischer Seite zu wenden, die sich für eine Revision der Friedensbedingungen E>fctzm. Bermutlich liegt hier die Befürchtung zu Grunde, daß namentlich Wilson durch diese in der öffentlichen Meinung Amerikas hervortrelenden An- ßhauungen beeinflußt werden könnte. Auch andere Meldungen, so ejne allerdings unkontrolllierbare Nachricht über einen anaeblich aescheitsrten Plan Elemen- ceau». »in kurzfristiges Ultimatum an Deutschland ourchzudrücken, deuten darauf hin, daß in Paris nicht alles stimmt.
Wien, 31. Mai. Ein Shoner Fnnkspruck, ter um wttag nach Amerika attfgegeten wurde, lautet: Ameri- Kreise teilen mit, daß Präsident Wilion tatsäck- .. . Vermittlerrolle zwistten Deutschland swo ten Alliierten ii6ernomtntn und sich für eine A b- f.n n n g des Friedensvertrages eingesetzt hat, da me Alliiertem tezweifelten, ob die deutsche Delegation «en Uneben unterzeichnen würde . Es sollen große Zu» Ouanteuffe gemacht werden, um die Unterschrift der putschen Delegation zu erhalten, ohne zu einer Be» ,.,„y,’r”re^en ,u müssen. Wilson will folgende Punkte .^testeten: Volksabstimmung in Oberscklefien, Danzig A^'hafen, Aufnahme Deirftcklands in den Völkerbund, «’ne Erörterung ter Schuldfrage.
t 1. Juni. Tine überraschende Meldung
»Dailti Maik". Der Pariser Konferenz-Be. ^ckderstatter dieses Hetzblattes teklärt. auS den höchsten gl’siben Konferenzkreisen erfahren zu hoben, daß " etn-u Zeitraum von ungefähr 14 Tagen für die der einzelnen Punkte der deutschen Gegen- fZ1 i-te- ’N Anrechnung bringen müffe. Die Deut»
•r.r,^n öavn bis zum 1. IM unterzeichnen. Dem i, efe Nackricht unangenehm und cs fügt bei* «w drohend bttyu: Sollten die Deutschen bi? zum unterzeichnen wollen, so würde man ihnen di- m .^rntnum stellen Jiedensalls ilt fetzt nickt mehr bnn schneller Antwort der. Entente und
‘tn ■STn owong nur U'ster?eicknung di? emn 15. Juni.
unteren Stelle zeigt »Dmkn Mail" an, daß Herbert F'fber imd antecc Personen der *en ^’rstckaft nnck Paris kommen, um nrit Llovd ennr;21.J^raten- Ts scheint überbauet. ba6 c8 die tei- ^’vtlchafis'reise find d'e eine Wandlung in 9?efn£» P’obb G-oraeS tewirkt baden. „Daily cP'e täglich Zuschriften grober englischer
c?’"'®"!5*11 für V-rirarsänderungen ver» «um swa einen Brief der S-Nsdoirne-Slruvpe
lock der ankündigt, daß tb - Sekretär Hearst
um dort ihre Politik mit größtem der ’u Zertreten Mit alledem stimmt die Haltung
Morqenblatter vom Sonntag überein. Die '.^1 ”r fl” »erbanbbmgen eingetreten ’e W m,t größter S>ckrrheit. e 8 werde vJ,9a IIPe11 werden, allem Gefckrei ter .Hetzer mm 3?« Amerikaner bestünden darauf Die Tte- ^.ear'-Plärter find dagegen fieinW Sorten «m ^t am Är auf
metiSCf ^■'auteixteS btt Paris am Grabe ine '’a"lf*5? Soldaten eine Rede gehalten, in der er «b Auffaffunb der Zukunft vertrat Er
- öu, vatz .hier und dort* die nationalistische» Be
ergaben die Abstrmmungszifsern 50 Prozent resp. 25 Proz. für Belgien, was auf den persönlichen Einfluß der dortigen Pfarrer zurückzuführen ist, die belgisch gesinnt sind und von denen einer sogar ein Schwager eines bekannten belgischen Agitators ist. Auf jeden Fall beweist dieser private Derfuch, daß unter allen Umständen eine geheime Abstimmung veranstaltet werden muß, durch die ganz allein das Sclbstbestimmungsrecht der Bewohner des Kreises Malmedy gewahrt wird.
Der Kreis E u p e n ist so ausschließlich deutsch, daß es beinahe ftkvol wäre, dieses Bedürfnis noch besonders zu betonen.
ftrevuugen der Vergangenheit sich zu behaupten suchten und daß der Kampf gegen diesen Nationalismus noch nicht beendet sei. Die Amerikaner seien mcht über da- Meer gekommen, um Deutschland zu besiegen, sondern fie seien gekommen, um den Krieg ein für allemal tot« zuschlagen. Bei aller Unflat beit der allgemeinen Redewendungen läßt sich auS diesen Seugerungen doch erkennen, daß Wilson an den Versailler Ereignissen kein rechte« Wohlgefallen hat und die gewalttätige Durchführung deS Gewaltfriedens vermeiden möchte.
Revolke der fikinffaalen im Friedensrat.
Am Samstag ist den kleinen Mächten, die Oesterreich- Ungarn den Krieg erklärt hatten, in Paris der Vertragsentwurf für Oesterreich oorgetegt werben. Die geheime Beratung übet ihn betraf hauptsächlich die Maßnahme zum Schutze der fremd st ämmigen Minderheiten in Polen, in der Tschecho-Slovakei, Südslaoien und Rumänien. Im Namen dieser vier Staaten erklärte Statt o n u, daß die Großmächte sich mit diesen Bestimmungen in die innere Gesetzgebung der Kleinstaaten einmftchten. Falls Maßnahmen über Minderheiten völkerrechtlich sestgelegt werden sollten, müßten sie unterschiedslos auf alle Mächte angewendet werden. (Elementen« erklärte in kräftigem Tone, die im Vertrag vorgesehenen Maßnahmen müßten beibehalten werden. Daraufhin erhob sich Paderewski für Polen, Kramarcz für die Tschecho-Slovaken und Trombitfch für Südflavicn, und schloffen sich den Aeußerungen Bratianus an. In langet Rede rechtfertigte bann Wilson bie zur Erörterung stehenben Bestimmungen und erklärte, daß die Großmächte die ganze Verantwortung für diesen Frieden trügen und dafür bürgten, daß alle Bürger ber jetzt entstandenen neuen Staaten gerecht behandelt würden, doch sei er bereit, In Fassungsänderungen des fraglichen Abschnitts zu willigen, damit er nicht mehr als Ausnahmebestimmungen ober als Zwang gegenüber gewissen Ländern erscheine. Ein Vorschlag von Venizelos, die Großmächte müßten zusammen mit den kleinen Staaten den ftaglichen Abschnitt imocrzügllch abönbern, würbe angenommen und eine Einigung erreicht.
Reu« belgische Sebieteforberuug.
Die von ter belgischen Regierung nach (Enger, und Malmedy entsandte parlamentarische Aborbnung fordert in ihrem Bericht, daß nimueehr aud) ter zwischen teu Kreisen Eupen und Malmeby verbleioeiide deutsche Gcbietsvorsprung an Belgien komme. Es handelt sich hier um loesentliche Teile deS Kreises Montjoie, vor allem um die Eisenbahnlinie und den Bahnbof bcS Städtchens Montjoie. Man siebt fetzt, tearttm Die Belgier auf ihre ursprüngliche Forderung auf Monuoie verzichtet haben. Sie glauben, auf Umwegen zmn Ziel zu lammen, indem sie Notwendigkeiten teS Verkehrs vorschützen. __________________________
Probe-Abstimmung Malmedys gegen Belgien.
Bei einer Probe-Abstimmung in den beiden Bezirken von Malmedy sprach sich die Bevölkerung bis auf ganz geringe Ausnahmen für das V e r b l e t b c n ' bet Deutschland aus Rur in zwei Ortschaften<
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