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4 aa | Verantwortlich für deu redakttcneLen Leit: Kart Schütte. I rtrt 26. Mai 1919

jir. I für dl« «nzerpen: Y.Parzelier, Fulda. — Rotationsdruck. | IäcUIIIUQ XV

Ein« ;m Himmelschreiend« fordern«-.

Arie-

Ter diese

Zentrum und getstttche Tchulausficht.

Die krklömng. mit der der Äbg. He rold bei der Brratxng der Vorlage zur Aufhebung der Ori». schulinspektionen in der preutz. Landerversammlung am Freitag den Etandvunkt bei Zeniruml b«legte, hat i»lgend-n Wo'tlant:

Gegen die Forderung, daß die Schule ou5sch«i-silech in die Obhut des Staates gelegt werden soll, erheben wir Einspruch. Neben dem Staat habe«. eiter” und Kirche ganz wesentliches Antereffe an der Schule, (2arm bet den Ilmchhängigen.) Zur Vorlage hn'c- ;ch folgende Erklärung abzugeben: Tre Zenttumsfrattcon h« scücn seit langem ihr Einverständnis mit der L e j e - t i. gung der gersklichan O r t s s ch u l a u s s i ch t und mit der Einführung der Fachaufiichi ttHou, ab«

I Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. - Preis mmatl. I 40 95 SUfl - fternjpr. Nr, 9. »elegr..Adresse-. Fuldaer Ze'tm,-. ,

Hn einer großen Protestversammlimg riallenischer Arbeiter in Mailand gegen den VergewaltigungS- und DersklavungSfrieden wurde als gemeinsame Kund­gebung der Sozialisten aller Länder ein 24stündiger Generalstreik ongekündigt, um die Ablehnung des Ver» trageS durch die Sozialisten zu bekunden. — Der Voll­zugsausschuß des englischen Gewerkschafts­kongresses verlangt in einer Entschliehimo des Dreibundes ^Bergarbeiter, Eisenbahn- und Transuort- arbeiters Aufhebimg der Intervention in Rußland und Aufhebung der Mockcü>e gegen Deutschland. ~ Dreibund droht mit dem Generalftreik, wenn Forderungen nicht erfüllt werden.

hen, was sie noch herauspressen können. Vielleicht würden auf diesem Weg die Gewaltpolitiker Eiemen- ceau, Lloyd George und Wilson am raschesten erken­nen, daß die deutschen Politiker, die jetzt Deutschland regieren, ehrlich sind, wenn sie erklären, einen derarti­gen Vertrag können wir nicht unterschreiben, weil wir ihn n i ch t h a l t e n können.

Die deutschen Kriegsgefangenen.

Auf die Note TlemenceauS betreffend die Be­handlung und Freilassung unterer Kriegsgefangenen wnd von deutscher Seite eine Antwort erfolgen. Diese wird besonders darauf Hinweisen, daß die in Deutschland befindlichen Kriegsgefangenen der En- tentemächte sämtlich freigelassen worden sind, besonders auch diejenigen, die sich Straftaten schul­dig semacht haben. Gegenüber dem einen Fall, b« Clemenceau in seiner Note vom 20. Mai an» führt, und der sich mit der Mordtat eine« Gefangenen befaßt, wird auf zahlreiche ähnliche alle hinqewiesen, die sich der Entente angehörige« Kriegs­gefangenen in Deutschland Haden zu Schulden kam» men lasten.

Kardinal von Hartmann über das deutsche MalmedH und Eupen.

Der Kardinal - Erzbi'ckol b. Hartmann bat an den Vorsitzenden der deutschen Waffeni'lillstandr-Kom» Mission in Cpaa, General v. Hammerstein, xur Weitergabe an die Verbandimächte ein Schreiben neriÄtet, worin er als Erzbischof von Köln, zu besten Sprengel Eupen und Malmedy gehören, gegen die geplante Abtretung diese, Bezirke den entschieden­sten Einspruch erbebt, ba sie eine durch.nicht« gerechtfertigte Rechtsverletzung darstelle, die für ba« Erzbistum Köln die LoSlrennung einer treuka'holr- scheu Bevölkerung, bie zum Teil schon über 1000 Jahre zu« Kölner Sprengel gehört hat, zur Folge haben würde. Da« Schi eiben b-tont, baß die Bevölkerung beut'ch gesinnt und über die beabsichtigte Trennung von Deutschland empört ist; er empfiehlt eine ge­heime u"d unbeeinflußte Abstimmung der Bevölke­rung. „Nur so," schließt dal Schreiben, »wird eine ungerechte Vergewaltigung der Bevölkerung verhin­dert, gegen die ich al« Erzdilchof von Köln von vornherein feierlich protestiere in der festen lieber» zeugung, daß der allgerechte Gott diesem Ptoteste über kurz oder lang die Sanktion geben tmrb, wenn er nicht berücksichtigt wird."

Dke französischen Umtriebe in der Pfalz.

Gegen die Umtriebe zur Loslösung der Pfalz und bie Gewaltakte der feindlichen Militärbehörden hat Reichsminister Erzberger am 23. Mai angeordnet, in Spaa Protest einzulegen und Aufklärung zu verlangen. Iitzwischen wird die Absetzung des Pfälzer Regierungspräsidenten von W i n t e r st e i n durch die französisch« Besatzungsbehörde gemeldet. Auch hiergegen und das Vorgehen des Generals Ge­rard gegen die Deuffchland treuen Beamten der Pfalz werden energische deuffche Schritte erfolgen.

Für gestern wurde ein neuer Versuch der Aus­rufung der Republik Pfalz erwartet. Sämtliche pfäl­zische Beamte sollten nochmals aufgefordert werden, den Treueid der geplanten neuen Regierung, die aus 21 Herren gewählt wird, zu leisten. Wie bekannt wird, wollen aber sämtliche Beamte, mit Ausnahme des Oberpostdirektors Gräser in Spetter, der bisher schon immer mit der französischen Desatzungcbehörde in französischer Sprache verkehrte, der geplanten Reu- regierung die Eidesleistung verweigern.

Die französischen Behörden haben in Sanbau, Zwei­brücken und Speyer bisher mehr als 20 deuffche Post­beamte, Gerichtspersonen und Polizisten, aber auch einige Einwohner verhaftet, weil sie in angeblich schroffer Weste gegen jene Personen aufgetreten sind, welche für die Ausrufung einer freien Republik Pfalz sich betätigt hatten. Die französischen Ortskomman- banturen in Landau und Zweibrücken haben weitere öffentliche Demonstrationen gegen bie Proklamation einer pfälzischen Republik streng verboten.

Der Kommandeur der Besatzungstrupprn erließ eine Bekanntmachung, in der es heißt:

„Es ist dem General zur Kenntnis gekommen, daß Landauer Einwohner wegen ihrer sympathischen Gesin­nung für Frankreich seitens gewisier deutscher Beamter Ungelegenhesten erfahren hoben. Solche Handlungen bll- den einen Mißbrauch der Amtsgewalt, einen Verstoß gegen den Befehl Marschalls Fach und eine Unkorrektheit gegenüber dem siegreichen und wohlwollenden Frankreich. Doru« sind sofort Maßnahmen gegen jene Beamten er­griffen worden. Die französisch« Militärbehörde hat es stets vermieden, irgendeine politische Propaganda zu ma- chen. Sie sorgt vor allen Dingen für die Förderung des Wohlstandes der Bevölkerung und der Arbeiterfchost. Sie erwartet dagegen, daß diese keinem terroristischen Einfluß ausgesetzt werden und daß sie zum Dohle des Landes ihre Wünsche ungehindert kundgeben können. Der Gene­ral wird alle Reßnahme« treffen, um sie gegen «He die­jenigen zu verteidigen, welche ihr eigene« Intereste dem allgemeinen Interesse des Landes vorziehen."

Selten ist wohl ein verlogener» Dokument als amtliche Bekanntmachung erlaßen worden! Sie be­weist auf» deutlichste, daß bk LoslSfungsbestreknmgen bei der höchsten Stelle des französischen Desatzungs- beres in feder Beziehung gefördert und unter­stützt werden.

GeneraMretkbroh«ns»n.

Ländern kapitalisiert und unter Hintansetzung der derck. schen K^easbrschädigten- und ÄnegShmterblcebenen. Renten vom Deutschen Reich a lB Ä r t « 6 ® ° 1 '

entschödigung die 800 S»arf au«

macht, gezahlt werden sollten. DaS toutbc beöeu««, zum Himmel. Wir erwarten bsn der deutschen Re- aierunn daß sie nimmermehr 511 einem Frieden «r diese Forderung aufstellt, die Hand ^ret u^te^ ef>er ihre Unterschrift verweigert, als in der vom beabsichtigten Weise die Kriegsbeschäb»gten und -orruer- bliebenen dem Elend auSliefern wird.

„Glückliches deutsches Bolt."

Der preist uns denn glücklich in unserem Elend? «Tu; feindlicher Blatt der schärfsten Tonart, der Pariser Motin", in dem jetzt der Neid sich regt. Leider kann ' yus kein anderes Glück nachsagen, als daß wir die ^fiedensbedingungen in ihrem vollen Wortlaut ken- „en. Wir würden ein stärkeres Glücksgesühl haben, —gnn wir auch schon die angestrebten Verbesserungen »rs Friedensvertrages vor Augen hätten. Inzwischen ist es aber schon ein hübscher Beitrag zur Zeitgeschichte, hg6 bie Franzosen uns beneiben wegen ber größeren Oeffentlichkeit und Klarheit, bie in Deutschland herrscht, während da drüben die Geheimbiplomatie in her rücksichtslosesten Weise betrieben wirb.

Zu ben Dielen „Grundsätzen", die Wilson pathetisch gerfiinbet unb kläglich preisgegeben hat, gehört auch die Verurteilung ber Geheimdiplomatie und die Selbst- beftimmung der Völker. Die verbündeten Staats» männer haben aber entgegen diesen „Grundsätzen" den ganzen Winter hindurch in der tiefsten Heimlichkeit be­raten und befchloffen.

Sie haben nicht einmal nach der Vollendung ihres „Vertrages" den Schleier richtig gelüftet. Der dästfchen (Gegenpartei mußten sie natürlich ihre Bcr- binpungen Mitteilen-, aber vor ben eigenen Landsleute» unnden sie nach Möglichkeit geheim gehalten, und diese Verschleierung wird noch fortgesetzt. Man läßt d<rr öffentlichen Meinung nur auszugsweise und in Bruch­stücken zukommen, was die Drahtzieher für die Stim­mungsmache günstig erachten, unb sogar ben Abgeord- netcn, bie doch schließlich über die Genehmigung bes gWebensoertrages entscheiden sollen, wird der volle Wortlaut vorenthalten. Nicht nur in Frankreich durch ben Diktator Clemenceau, sondern auch in Amerika durch ben angeblichen Vorkämpfer ber Demokratie unb ber Selbstbestimmung.

Sn Deutschland geht es wirklich demokratischer zu, «Is in den alten Republiken, die sich so gern als Muster der Freiheit und der Volksaufklärung auffpieleii. Wenn z. B. Herr Clemenceau sogar dem französischen Budget- auffchuß die Friedensbedingungen verweigert, obschon derselbe sie als Grundlage für feine Haushaltsnusschüsse braucht, fo ist das ein Verfahren, das man sich in Deutschland nimmermehr gefallen lasten mürbe. Auch unter bem alten monarchistischen Regiment würbe un­sere Volksvertretung gegen solche VorenthMung des Materials sich bis zum Streik gewehrt habe».

In ben materiellen Machtmitteln sink» die Gegner stark unb Deutschland sehr schwach» Auf dem moralischen Gebiet liegt es offenbar umgekehrt.. da sie die Oeffentlichkeit scheuen und Deutschland die „Flucht in die Oeffentlichkeit" gern und mit Erfolg betreibt

Für bas gute Gewissen unserer Regierung ist es ferner ein erfreuliches Zeichen, baß wir die Gründ- lrchkeit der Verhandlungen aus allen Kräften an­streben, während auf der Gegenseite fortwährend auf Beschränkungen in der Form unb in ber Zeit ^gear­beitet wirb. Das schriftliche Verfahren ist vorgeschoben worden, weil ben feindlichen Machthabern die münd­lich- Kritik in freier Rede und Gegenrede bedenklich er,cyeint. Die Fristverlängerung um. acht Tage hat wa.-i bewilligen müssen, weil sonst der drohende Ld- bmch ber Verhandlungen dem Bierrat eine gar zu groß- und unbestreitbare Verantwortlichkeit aufguaben Wir. Jetzt aber wird in der französischen und en gib sthen Presse schon wieder ein „unwiderruflich letzter" Termin angefetzt. Clemenceau läßt durch sein Telegraphenbüro verkünden, über den 12. Sunt hinaus solle durchaus nicht verhandelt werden, und ein englisches Blatt versichert, Lloyd George unb Ge- jwflen würben unbedingt am 16. Juni abreifen, und ter Vertrag mH Deutschland müsse „unter allen Um* pönden" am 14. oder 15. Juni unterzeichnet werden. _3um Unterzeichnen gehören zwei Parteien. Die «egner können an einem bestimmten Tage die Ver­handlungen abbrechen, aber ob Deutschland bis dahin unterzeichnet, hängt von unseren Enffchlüsten ab. 'M» unser letzter Enffchluß wird wiederum bestimmt wttdm durch bas Maß von Entgegenkommen und Der- «sterungen, bas notwenbig ist, um ben Friedensver- "og erträglich, erfüllbar unb annehmbar zu machen.

Wir lasten uns nicht bange machen, auch «cht burch bie Ankünbigung in ber ftanzös. Kammer, Million Sotbaten zum Einmarsch in Deutschlanb gehalten werben müßten, was für bie Franzosen ivbst «ine schlimmere Ueberraschung fein wirb, als für

Wir brauchen uns auch nicht überrumpeln Klaffen, beim jeder Versuch, bie Derhanblungen vor» »Mg abzuschneiden, würbe bie gegnerische Politik mehr schädigen, als bie deutsche Politik.

Mtt ruhigem Blut unb zähem Beharren auf dem ^geschlagenen richtigen Weg können wir trotz aller Schwierigkeiten ber Lage immerhin noch etwas errei­chen. Entweder wesentliche Milbemngen ober buch ei-

Ausgang bet Verhandlungen, der die deuffche Ab- jchnung als vollberechtigt erkennen läßt und demzu- k^ge bie innere Einigkeit als auch bie Achtung bes Sius» "Uches bei unserem passiven Widerstande uns sichert.

Unser« Gegenvorschläge werden in diesen Tagen den SMerischen Machthabern unb zugleich ber Oeffenffich- rugehen. Don ber Antwort wirb es abhSngen, ob v üJa sagen können ober Stein sagen

Die deutsche« Gegenvorschläge.

, Die deuffchen Gegenvorschläge, bei deren Beratung ?..^^f<nlleS zwischen den Mitgliedern beB Kabinetts Friedensdelegation etn völliges Ein- prntanöniÄ erzielt wurde, stnd nunmehr endgültig vE8efte111. Es ist damit zu rechnen, daß ihre =uetg(ti>e an die Entente in den ersten Tagen dieser wahrscheinlich am DienStag erfolgen wird, $tr^C^-r^3to'^n die Uebersetzung ins Englische und ^P^onfche und die techn. Herstellung vovgenonTme«

Meichzeitig mit der Uebergabe werden die

"^ichlage auch der Oeffentlichkeit bekannt zege- D ' , j 5. Hanpffragen find in einer umfangreichen Gen* ; V1- der das Wrlsonprogramm zu Grunde wirk' «ofammenhange behandelt. Die Denkfchrist

d«, Anerkennung der beiderseitigen Bedürfnisse den .^fpalt desorcders deutlich Hervvrheben, der in Eafff Ergebenen Ententebedingimgeu insofern

?et einen gegnerischen Sette versucht

W<rS bedeuten die ^kiedensbedinqunge« für den deutschen Arbeiter?

Obwohl in ben breiten Massen de« deutschen Bolle« daS rechte Gefühl dafür herrjcht, roa« bteier Friede bedeutet, so denkt der Mann au« dem Volke wohl vielfach, für ihn mache r« feinen gror-eu Unterschied, ob der Friede ein wenig mehr oder weniger hart ansfalle. Er werde wohl das bab.it, wo» er unbedingt nötig habe, um zu leben, und das übrige gebt nur die reichen Leute an. Wie saffch diese Vorstellung ist, braucht man kaum jemanden klarzumachen, der au» nur einigermaßen eine Vor­stellung von dem wahien Egarakter ber FriedenSbr- dingungen hat. Tatsächlich fliegen bie Dinge w: Kommt der Friede auch nur annähernd ?o zunande, wie er nach dem Willen unserer Feinde werden soll, dann besteht auch nicht die windelte Wahrscheinlichkeit, daß der notwendigste SebewSbtberfde« deutschen Arbeiter« ge- wLhrl,ist«t werden kann. Im Gegenteil «« ist anrunehmen, daß wir Zuüände bekommen werde^ wie wir sie in den schlimmsten Zelten deS Kriege« gehabt haben, und dann nicht ttroa nur vorüber, gehend, sondern für die Dauer. ES ist bann mehl -u erwarten, daß wir unserer großen Induftrted«. völkerung die natürlichen Bedürfn'ste an Nahrungs­mitteln, «leidung«!iücken unb ähnlichen LebenSnot- wendigkeilen -«währen können, von ihren irgend­welchen Kulturbedürfnisten ganz zu schweigen. Deutschland wird ein zweites Indien werden, Io wie dort »erden wir nesenhafre dauernde Hungerinöce und ein Maffenabsterben der tsevölkeruna erleben. .

Tiefer Friede ist unannehmbar. Gerade tm Iniereste bet weitesten «reffe uns«,er Bevölkerung. Natmlich kann die Entente un-ere Unterwerfung erzwingen. Darüber sind wir uv« natürlich klar. Aber dann oll sie auch die Berantwortun g für btt unerträglichen Zustände üvernehmen, wie si« sich au« einem so chen Fr.eben heraukbilden weiden. Die Enrenie mag bann sehen, Wie sie ihre Fo<de- rungen in die Wirklihkeu umsetzr. «ie möge dann bie Konkursmasse DeutschlaniS jelbst ver- walttn und sie möge letze«, ob sie etwa mit täten Künsten im-tande ist, au« der Zitrone wehr heran«- zupteffe«, al« wirklich darin ist. Eie mötze «S bann vor sich unb ihren Völker« verantworten, in Deutsch­land die Rolle de« FionvogteS über ein verhungerte« zugrundegetzendeS Sol! zu spielen.

Streben dahin geht, möglichst viel aus Deuffchsand herauSzupressen, kurz'jener Zwiespalt, den ein engü- schez Blatt treffend mit den Worten charakteriperte, man wolle Deutschland a^ichzeitig zmn Suppenhuhn und zum Legehuhn maä Demgegonüber bringt di« deuffche Denkschrift zmn V^brudi, erstens, waS Deutsch­land leisten kann und IdaS nicht, zweitens, daß gcwiste Leistnnaen, z. D. die Regelung der Daarkohlen- Frage, nur möglich find bei gemeinfamer Izian- grissnahm« seitens DemfchlandS imb feiner Gegner. Die deutsche Abordnung ist der Ucberzeugung, daß, wenn unser- Gegner überhaupt zu verhandeln bereit find, durch die jetzigen deutschen Vorschläge ein Instru­ment geschaffen worden ist, daS aufs bette geeignet ist, die Grundlage für solche Verhandlungen zu bilden.

Wie uns weiter mitgeteilt wird, sind in Spaa ins- befcndere auch die kolonialen Fragen ein­gehend besprochen worden. Kolonialminijter Dr. Bell, der an den Verhandlungen teilnahm, Hai gemeinsam mit dem Vertreter des ReichSkolonialamteZ Gouverneur Ha- ber den Wortlaut der deuffchen Gegenvorschläge fest, gefetzt. Sie bringen nochmals die deuffchen berechtig­ten Ansprüche auf koloniale Betätigung eingehend zur Darlegung.

Die deutsche« Noten über dal Privateigen­tum und daS Arbeiterrecht.

Die «ngekündigten Noten Drockdorff-RantzlNtS über die^ internationale Arbeitcrgesehgebung und über das Privateigentttm der DuSlanoSdeutschen liegen unS jetzt im Wortlaut vor.

Die Note über daS Arbeiterrecht und die Mitwir­kung der Arbeiterorganisationen bei den Friedensver- hanolungen beschäftigt sich ausführlich und erneut mit der internationalen Arbeitergesetzgebuna und verlangt abermals die sofortige Einberufung einer Konferenz der Vertreter der Arbeitergewerkskaf- ten aller Säitber noch während der FriedenSserhand- lungen, da die von der Entente eingeleitete Konferenz in Washington nicht geeignet erscheint, die Jniereffen der Arbeiter gegenüber dem internationalen Kapitalis­mus ausreichend zu vertreten. Sollte dieser Antrag wiederum abgelehnt werden, so sei mindestens eine Aeußerung der Führer der Gewerkschaf­ten aller Länder erforderlich. Indem die deutsche Telegattan dies in zweiter Linie beantragt, will sie herbeiführen, daß die Bcstimmungem bei FriedenSver- träges, welche auf die. Arbeiter Bezug haben, auch die Billigung der gestmÄen GewerkschaftSorganisationen besitzen.

Die Rate über da« Privateigenimn wendet sich ge­gen die Forderung deS FriedenSvertrageS, das gesamte im feindlichem Machtbereich befindliche deutsche Privat» vermögen als eine einheitliche TeilungSmasse zu be­handeln, aus der in einem konkursähnlichen Verfah­ren sowohl die feindlrcheii Privatforderungen als auch die staatlichen Ansprüche auf KriegSvnffcbädigung be­friedigt werden sollen Tie deuffche Friedensdelegation erklärt eine solch« Regelung für grundsätzlich unan­nehmbar, da sie mit den elementarsten Gedanken eines RechtSfriedenS im Widerspruch steht. Die deuffche Frie- densdelegati n ist überzeugt, daß sich zwischen den bei- derscitigen Auffasinngm ein Ausgleich finden ließe. Eine Reihe der hervorgehobenen Bedenken würde schön dadurch aufgeräumt werden, daß der Grundsatz der Gegenseitigkeit Anwendung fände.

Die Antwort »uf unsere W krisch aftSnote.

Die Beantwortung der deuffchen Note über die wirt­schaftlichen Bestimmungen zeigt dieselbe Methode wie die der anderen Antworten der Entente. Sie besteht darin, alle Einwendungen, die die deuffche Delegation gegen die nnechörten Bedingungen der Entente macht, mit hoch­mütiger Ueberlegenfjeit zurückzuweifen und zu be­haupten, daß alle strittigen Fragen m dem Clemenceau» schen Entwurf ht der direkten und einfachsten Weise ge- löst feien. Was die deutsche Note über die Zukunft ber deutschen Industrie sage, seien Uebertreibungen. Den Angaben über die künftige Not der deutschen Bevölkerung könne man keinen Glauben schenken. Auf die Mutmaßung über die Notwendigkeit einer Mos- fenausmanberung sei nicht viel Gewicht zu legen. Die Behauptung, daß die Friedensbedingungen den Tod von Millionen von Menschen herbeiführen würde, außer denen, die im Kriege gestorben find oder als Opfer der Blockade hingestellt würden, sei leichtfertig. Die Zahlen der Verluste insolge der Blockade seien Hypo­thesen. Natürlich fehlt auch der ständige Hinweis auf Deuffchlands angebliche Schuld am Kriege nicht. Auch nicht der ironische und boshafte Ion, wenn Cle­menceau z. B. feststellt, die deuffche Behauptung, wir könnten nicht 67 Millionen Einwohner ernähren, wenn der Beitrag in Kraft trete, sei falsch, denn man werde ihm ja 6 Millionen Einwohner abnehmen, ober wenn er sagt, Deuffchland vergesie bei seiner Klage über den Raub der Handelsflotte, daß ihm ja der Schiffsraum mit kleiner Tonnage (100 000 Tonnen) bliebe. Oder wenn er ver­sichert, kein Paragraph des Vertrages verbietet Deutsch­land, seine Kartoffeln und fein (Betreibe nach wie vor aus Oft- und Westprmßen zu beziehen. Er vergißt hier- bei nur, daß wir diese wichtigsten Lebensmittel dann an das Ausland bezahlen muffen, ohne daß uns dafür Geld übrig Meibt. Auf die Bedenken, die gegen die Wegnahme ber Kohlen und der Kohlengrub«« erhoben worden sind, wird geantwortet, daß man uns ja große Industrie- gebiete abnehmen werde, in denen ein Viertel des Kohlen­oerbrauchs stattfand. Den 9ipfd_ ber Niedertracht er- klimmt Clemenceau, wenn er uns höhnisch zum Dank auf« fordert für die „großen Erleichterungen", die uns unsere Feinde dadurch schaffen, daß sie unsere Nüstung zwangs- «effe einschränken und uns dadurch völlig ohnmächtig und abhängig für ewige Zeiten machen wollen. „Rein anderes Ergebnis könnte," sagt er, „bem deutschen Volke mehr Genugtuung veffchaffen."

Di« Antwortnote ist nicht von dem Ernste getragen, den man erwarten muß bei Beurteilung einer Frage, an deren Lösung das Schicksal von Millionen sich knüpft, sie ist ein Dokument niederträchtigen Haffes. Die Antwort auf die fachlichen Darlegungen der deut- sehen Note, daß die feindlichen Wirffchaftsbedingungen Druffchlands völlige Vernichtung zur Folge haben wür­den, ist ekles Rachegefchrei und unwürdiger Hohn. Mst einem Gegner, der fo verfahrt, ist wirklich schwer zu dis­kutieren und es zeigt sich, daß diese schwierigen Prob­leme auf dem Wege bes Austausches von Noten nicht geregelt werden können. Wenn die Gr’ noch entschließt, Verhandlungen von Perfon zu Person zuzulaffen, muß man jede Hoffnung auf Lösung der Trie- densfrage schwinden lasten und sich allmählich mit dem Gedanken abfinden, daß bie brutsche Regierung nichts anderes tun ton«, als den vertrag ablehnen, der dem deuffchen Volk« solche Lasten «mfbürdrt. Wenn die En­tente heute mit geradezu kbidlnber Geschwätzigkeit ver- fircht, an dem, was die Unabhängigen in öffentlichen Volksversammlungen in Berlin erklärten, die Notwen­digkeit der Unterzeichnung des Friedensvertrages zu beweisen, sollte man beinahe annehmen, d i e Leute hat­ten Recht, die da glauben, es fei am besten, den Fein­den zu erklären, f« feilten das ganze Deutsche Reich als Konkursmasse betrachten, um zu se­

* Ae Spontaner heereriverkstiillev stnd letzt »leb« auf neuer Grundlage eröffnet worben. Der Betrieb löst sich vollkommen von ber bürokratischen Leitung eox« «letzter Behörden los unb arbeitet selbständig lediglich nach den Prinzipien der Wirtschaftlichkeit. Um den Ar, beitem klar zu machen, baß unsinnige Lahnforderunge« das Gedeihen der Werke in Frage stellen unb auf bw Dauer untergraben müßten, ist ihnen nicht nur eine Ein­sicht in die Produktion ermöglicht, sondern ihre Mitarbeit bei der Leitung ermöglicht worden. Er wird lediglich Akkordarbeit geleistet. Im Augenblick haben die Sp«n- bauer Werke die Herstellung von Eisenbahnma'enm, Schrauben, Armaturen, künstlichen Gliedern usw. über­nommen.

* Der Führer i« mitteldeutschen Eisenbahner- streik, Mechan^r Hennig, der En»e Februar den gesamten ttijenbahnverkedr Mitteldeutschland« durch ,»angrmeise Entfernnng der ArdeitSwillige«, i««el der Beamten, von ihren Dienststellen stillegt« und dadurch die Regierung zur Entsendung der M«ercker» chen Landesjäger nach Halle veranlaßte, wurde von der Stra'kammer wegen Nötigung zu sechs Mo­naten Gefängnis verurteilt

♦ Eine nene Art von Streik versuchten die Kölner Straßenbahner. Da ste Wege» der britischen Besetzung die Arbeit nicht einstellen dürfen, beförderte« sie bfe Jahrgäste oh«e Bezahlung, um die Direktion dadurch tut Erfüllung ihrer Forderung z« gtoleeen. Darauf sperrte die Direktion den Sttom ab, so daß der Betrieb lahmgelegt wurde. Der britische Gou­verneur erließ darauf den Befehl ax die Straßen- batznangestküten, ihren Dienst sofort wieder aufzx« nedmen.

Dir österreichis^ Ariedensgrfcmdffchaft ist zum 12. Mai nach St Germain bei Versailles eingeladen wor­den, um die FriedensbÄiingungen entgegenzunehmen. Bis heute wartet sie nun aber vergebens darauf, daß ihr die Bedingungen überreicht werden. Die Herren m Paris find eben immer noch nicht einig, wie sie es auch nicht waren, als die deutsche Gefandschast nach Derfall- les berufen wurde. In einer N 0 t e, die die österreichi- fche Gesandtschaft nunmehr überreicht hat, ersucht sie um Eröffnung der Unterhandlungen in kürzester Frist.

Amerika im Orient Die amerikanische Handels­korporation in Newyork wird mit einem Kapital von 20 Millionen Dollar den Handelsverkehr im Orient organifteren. MittelMikt des Verkehrs soll Konstanti- nopel werden mit Zweigstellen in Smyrna, Syrien und am Schwarzen Meer.

I« einet Protestverfammlung ber deuffchen gervereine in Berlin wurde folgende Entschließung ein. stimmig angenommen: Die Kriegsbeschädig­ten unb Kriegshinterbliebenen erheben schärfsten Widerspruch gegen die jeder Menschlichkeit und Vernunft hohnsprechenden Deftcmmungen ber Ar­tikel 231, 232 und 344 (Anlage 1) der FriedenSur- bmd«, tooncuf) die Renten der Kriegsbeschä­digten und SriegShin'e-bliebMttn in den feindliche»