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| Mittwoch 21. Mai 1919. | I 46. 3a W
Das Kunqer-Druckmittel.
Aus zuverlässiger nichtschweizerischer Quelle erfährt die Schweiz. Dep.-Ag., daß die alitierten Regierungen an die schweizerische Regierung eine Anfrage gelangen ließen, ob sie geneigt wäre, eine strengere Maßnahme bei einer Verschärfung der Blockade gegen Deutschland zu ergreifen. Es handelt sich darum, ob sich die schweizerische Regierung dazu verstehen würde, die gesamte Ein- und Ausfuhr mit Deutschland zu verbieten.
Die Rote der Entente hat nach einer Meldung der „Basler Nachrichten" aus Bern einen peinlichen Ein. druck hervorgerufen. Diese Zumutung stehe im schroffen Gegensatz zu der Anerkennung der Neutralität der Schweiz im gegenwärtigen K>-.ege.
Das unzufriedene Italien.
Da England und Frankreich ihr Kolonialreich in Afrika stark vergrößern, verlangt auch Italien ein größeres Kolonialreich. Es will zwei von den Vorsprüngen an der tunesiick»tripo!iranischen Grenze, einen Teil von Englisch-Somaliland unb Gebiete nördlich von Dschibuti haben. In Englisch- Ostafrika verlangt es die Provinz Djubala,' de» Hafen von Kilmh und das ganze Tjubala-Tal.
„Die , groud.i, mein Freund," — Pause, bedeutsamer Blick — „und nicht zum wenigsten die hübschen,," — die flache Hand mit energischem Druck auf den Tisch legend — „sind alle über einen Kamm geschorenI"
„Sehr geistreich!" sagte Detten und legte sich wie. der zurück.
„Wenn Du aufrichtig gegen mich sein wolltest, Fritze, — ich meine. Tu solltest nicht schlecht dabei fahren. In Angelegenheiten des Herzeris bin ich eine Autorität, ergo —"
Detten sann nach.
„ES ist eine verflixt kurze Geschichte — nämlich die Einer Liebe — aber die Moral ist desto länger."
Und^er erzählte Eichbach in ungcschrninkten Worten daS Zusammentreffen in den Dünen.
„Du mutzt," begann dieser, nachdem er die traurige Mähr vernommen, „vor allen Dingen mit dem weiblichen Zartgefühle rechnen und nicht wie ein pommer» scher Landjunker freien. Das Frauenherz ist eine Komposition seelischer Konflikte. Tu wirst es nie verstebM, geschweige denn ergründen lernen. Du forschest in seinen Tiesen, glaubst an? Ende Deiner Erfahrungen zu sein und stehst erst am Anfang. Tu liesest, wie die Poeten sagen, in dem Buche des Herzens, nimmst die goldenen Lettern in Dich auf und merkst nicht, daß unter Trinen Augen die Schrift wechselt, der Inhalt und zuletzt das Herz. Es freut sich, wenn Du leidest; denn, wenn Du leidest, liebst Tu, imb lieben heißt bei ihm leben. Es bangt Dich zu verlieren, und verliert alleS, sobald Du unvorsichtig gewesen, zuerst die Geduld, bann bie Einsicht, den guten Willen, die Liebe, zuletzt alles — nur nicht die Herrschaft über Dich. Eib es aus zu überzeugen oder zu Deinen Ansichten zu bekehren. Das Herz hat mit dem Verstände nicht» zu tun; und wo Dri nicht kannst, wie Du magst, da mach« daS Mögen zum Segensspruch« Deine» Hai seS, und im Lbrigon füge Dich in daS llnabändeliche."
„Ilnd wie heißt hier das Unabänderliche,"
„Venn Tu nicht Herr fein kannst, sei Sklave i" \ ' »Nimmermehr l"
tT*. 1 < A I Verantwortlich für öeir redaktionellen Teil: Kart Schütte. Hl. I |V. | für die Anzeigen; I. P e, rzelier, Fulda. — Rotationsdruck.
französische Regierung sich andauernd weigert, die Veröffentlichung des Wortlauts der Bedingungen zu gestalten — schließen, daß die Entente doch ihre Bereitwilligkeit zu Verhandlungen, wenn auch in beschränktem Umfang und nur über bestimmte Fragen, erklären wird. In diesem Falle werden mündliche Aussprachen nicht zu umgehen sein. Dann wird e- aber auch nicht möglich sein, die Verhandlungen zu einem so raschen Abschluß zu bringen, daß mit ber Unterzeichnung des Dorfriedens schon in den ersten Juniwgen zu rechnen wäre.
Aus Versailles wird der „Frkst. Ztg." gemeldet:
Die verschiedenen Fachkommissionon der deutschen Delegation haben in den letzten Tagen aufs Nachdrücklichste gearbeitet, um wenigstens für die wichtigsten Teile des Entwurfes der Entente eine deutsch; Erwiderung rechtzeitig fcriigzustellen. Doch zeigt sich, daß die Frist für eine vollständige Beantwortung nicht ausreichend gewesen ist. Die Schwierigkeiten der Verbindung mit der Heimat, die durch die ungenügende telegraphische Einrichtung noch sehr vergröszert wurde, hatte vielfach Verzögerungen zur Folge. So sind in den bisherigen Noten der deutschen Delegation gerade die schwierigsten Probleme noch nicht behandelt. Für die ungeheuer wichtigen Fragen des O st c n s, wie für Elsaß-Lothringen, für das furchrbar schwere Problem der Schadenersatzpflicht, wie für die geplante Besetzung des linken Rheinufers, für die wirtschaftlichen Probleme und eine Reihe von Streitsragen soll der Entente eine deutsche Antwortnote übergeben werden. Man wird versuchen, möglichst viel von diesen Dokumenten abgabereif zu machen, doch wird dies nicht für alle gelingen und für diese wird die Entente eine Nachfrist bewilligen müssen. Darum ist diese heute bereits ersucht worden.
in polnische Ukuullur gestoßen werden dürfe, der unabhängigen Sozialdemokratie bis zu den Verrretern der Großindustrie gab es nur eine Meinung: er
schienen mutz ber Deutschland bleiben. Ganz besonders hcrvcrsrehend waren dre Aeuherungeni der p o l nt» scheu Arbeiter, daß sie ber £eutf*lanb b.euen wollen, drohe ihnen doch bei einem An,chlutz an Polen ein schwerer kultureller und wirtscyaftlicher Nuckganz. Die utitzgl ulkte Gründung
Der Republik Pfalz.
Ein srairzosrnsreunblicher Putschversuch ist am Sonntag tatsächlich in der Pfalz verfucht worben. 21 Landauer Kriegsgewinnler erschienen am Sonntag in Speyer beim Regierungspräsidenten und verlangten bie Ausrusung ber seibstänbigen Republik Pfalz, um für diese einen günstigen Sonderfrieden zu erlangen. Der Regierungspräsident wies jedoch bas lanbesver- rätcrifche Ansinnen ab und berief nach Spsiyer eine Versammlung ber Pfälzer Mitglieder ber beut- schcn Nationalversammlung, des Lanbtages unb Lanb- rates, ber Führer ber politischen Parteien usw., in ber einstimmig eine Entschließung gefaßt würbe, in ber es u. a. heißt: . m ,
„Mit großer Entschiedenheit betont die Versammlung die unlösliche Zugehörigkeit der Pfalz z u D e u t s ch l a n d. Die Patz wird ■ erade letzt tn die. fer schweren Stunde der deutschen Ge, - te iqrem ge- liebten deutschen Vaterland unlösbare Treu» bewahren.
DiL Bürgerschaft ber pfälzischen Städte Kaiserslautern, Pirmasens, Sanbau, Zweibrüaen, Speyer und Ludwigshafen brachten am Samstag abend und Sonntag in öffentlichen Kundgebungen zum Ausdruck, baß sie in aller Zukunft ein treues Glieb des Deutschen Reiches bleiben wollen und bie Abtrennung von Teilen pfälzischen Gebietes, entschieden ablehnen. Die Kundgebungen haben anscheinend bei den französischen Behörden ihre Wirkung nicht- verfehlt.
Die Ostfragen.
Am Montag vormittag fand in Königsberg zwischen dem preußischen Ministerpräsidenten Hirsch, den Ministern Braun unb Heine einerseits unb ben Mitgliedern des ostpreußischen Provinzialrats sowie dem Oberpräsidenten von Datocki andererseits eine wichtige Konferenz statt, in der u. a. bie allgemeine Volksstimmung ber Provinz über bie unmenschlichen Friedens- bedingungen ber Entente besprochen wurde. Es kam zum Ausdruck, daß ber größte Teil ber Arbeiterschaft Ostpreußens geschloffen hinter bem Rein bet Reichsregierung steht.
Die Abgeorbneten beiber Parlamente aus ben Ostprovinzen einschließlich Schlesien werben am Donnerstag in Berlin zusammentreten, um zu ben aus ben Friebensbebingungen sich ergebenben besonderen Ostfragen Stellung zu nehmen.
Oberschlesien will deutsch bleiben.
Mehr als hunderttausend Oberschle- s i e r deutscher und polnischer Zunge aus K a t t o- to i tz, Stadt und Land, toaen am Sonntag in Katto- kvitz unter freiem Himmel versammelt. Sie erklären: „Keine Gewalt der Erde darf unsere oberschlesische Heimat vom deutschen Vaterlande a6trennen, keine deutsche Grenzmark in Ost und West darf preisgegeben werden. Unsere Arbi'it muß frei bleiben vom Frohndienste für gewissenlose Mächte. Wir stehen treu zur Regierung in ihrem Entschluß, sich einem Schmachfrieden nicht zu beugen."
In den anderen größeren Jndustriemittekpunkten fanden am Sonntag trotz des ungünstigen und regne» ischen Wetters gewaltige Demonstrationsum- - ü g « gegen den Gewaltfrieden statt. Im Regierungsbezirk Oppeln gibt es kein noch so entlegenes Certdjert, wo die Einwohnerschaft sich nicht zum Demonstrationszuge sammelte. Nach den beim Staatskommiffariat für Oberschlesien etngelaufeneh Berichten kann man an- nehmen, daß von den in Frage kommenden 1 200 000 Einwohnern gut eine Million ihren W i!- len bekundet hat, auf alle Fälle bet Deutschland zu bleiben. Außerdem laufen fortgesetzt beim Staatskommiffariat für Oberschlesien aus allen Bevöllerungskreisen stürmisch gehaltene Drahtungen ein. Tie steigernde Erregung ber Massen stnegelt sich lebhaft in dem Tone der Drahtungen. Aus den Kreisen der polnisch sprechenden Arbeiterschaft ertönt geradezu am lautesten der Ruf, nicht vom Deut- scheu Reiche losgetrennt zu werden. So kommen aus den sogenannten stockpolnischen Kreisen Kreuzburg und Rosenberg die eindringlichsten Notschreie.
Anläßlich der Amvesenheit von amerikanischen und englifd:cn Pressevertretern fand in Kattowitz am Mon. tag unter dem Vorsitz des StaatSkommiffars für Ober» schienen eine Konferenz mit diesen Pressevertretern emer ergibt gen Aussprache stellte man sich utig auf den Standpunkt, daß Oberschlesien nicht
drüben allmählich durchsickert, wird es für unsere Erlösung gewiß zu spät sein. Die Irreführung ber Völker wirb so eifrig unb so andauernd durchgeführt, daß wir keine Hilfe von a u ß e n zu erwarten haben. Wir müssen, so gut oder so schlecht es geht, uns selbst abfinden mit der Schicksalsfrage, ob wir das Ergebnis der Versailler Verhandlungen unterschreiben können oder auf die Gefahr weiterer Gewalttaten sie ablehnen müssen. _________________________
Die deutschen Gegenvorschläge.
Uet>er den Inhalt der deutschen Vorschläge, die am Donnerstag in Versailles der feindlichen Delegation überreicht werden dürsten, erfährt die Telegraphenkom- pagnie von unterrichteter Seite: Ein allgemeiner Teil der Antwortnoten wird sich zunächst mit dem Prinzip der Alliierten vuseinandersetzen, Deutschland von bem Range eines Mitverhanbelnden auf ben Bang einer völligen Ausschaltung des beutschen Willens herabzufetzen. Es wirb hierbei auf bie Zusicherung Wilsons, baß wirkliche Verhanblungen ftattsinben sollen, Bezug genommen. Die deutsche Regierung macht weiter ben Vorschlag, in allen Fragen, die unlösbar erscheinen, neutrale Persönlichkeiten als ua-iedsnchter zu bei Verhandlungen hinzuzuziehen. Dor allem aber muß Deutschland die willkürlichen und bedenklich einseitigen Festsetzungen der Wiederherstellungskommission zurückweisen und an ihre Stelle die Einsetzung von g e m i sch- ten Kommissionen unter Hinzuziehung von Sachverständigen verlangen. Die wirtschaftlichen Grundsätze, die von Seiten der Wieberherstellungskom- mission aufgestellt seien, könnten von Deutschland auf keinen Fall angenommen werben. Die einseitige Festsetzung von Zahlen für bie Entschädigung bei ben Zerstörungen in Belgien unb Nordfrankreich wirb mit bem Hinweis auf enorme beutsche Gegenrechnungen abgelehnt. Es werben grundsätzlich Schiebsinstanzen geforbert, bie sich aus beutschen, gegnerischen unb neutralen Personen zusammensetzen unb bie sowohl über bie wirtschaftlichen Streitfragen als über bie Entschäbi- gung Belgiens unb Norbfrankreichs zu beraten haben. Weiter wird grundsätzlich Protest gegen die a l l e i - n l g e H a f t b a r m a ch u ng des deutschen Reiches für Ansprüche erhoben, die gegen Oesterreich-Ungar vorliegen. Die deutsche Antwort streift ferner das Verhältnis zu Oesterrelch-Ungarn und weist darauf hin, daß die früheren Verbündeten Deutschlands sich von bem beutschen Reich getrennt haben, baß also eine einheitliche Belastung bes Reiches mit Ansprüchen, bie gegen Oesterreich-Ungarn vorliegen, unmöglich ist. Beträchtlichen Raum in ber Antwortnote nimmt bie Be- hanblung bet ßanbesabtretungen ein. Hier erklärt Deutschland, daß es vorn Standpunkt des Wilsons- Programmes nicht abgehen könne. Ein Vermittlungsvorschlag in der Landeszugehörigkeit der allerdings von unwesentlicher Bedeutung ist, wirb für bie Westgrenze gemacht, dagegen ergibt sich die Rege- lung für den Osten ganz unzweideutig nach den Gesichtspunkten der nationalen Mehrheiten.
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Man rechnet In Berlin immerhin mit der Möglich- test, daß die Alliierten die deutschen Gegenvorschläge a b l e h n e n und eine bestimmte Frist stellen, innerhalb der die deutsche Delegation erklären müsse, ob sie den Vertragsentwurf der Alliierten annehme oder nicht. Das Reichskabinett hat sich in feiner letzten Sitzung darauf geeinigt, daß in diesem Falle die Unterzeichnung der Friedensbedingungen verweigert werden soll. Halbamtlich wird gemeldet:
Bei ben am Sonntag erfolgten Besprechungen zwischen ben Reichsministern Dernburg, Brockdorff. Kontzau und Wissell, sowie dem preußischen Finanz. Minister S u d e k u m und den aus Berlin und D «rsail- les eingetroffenen Wirtschasts- und Finanzsachverstän. digen wurd: eine vollkommene Uebereinftim» mung dahin festgestellt, daß der Friedensentwurf der Entente in ber vorgelegten Form unannehm- 6Bei dem in der ganzen Welt herrschenden Wunsch nach Herbeiführung eines bauernden Friedens soll jedoch von deutscher Seite nichts unversucht gclaffen werden, eine brauchbare Erundlage für den Frieden zu finden, der den berechtigten Forderungen der G-mner Rechnung trägt und Ur m.serträglich und erfüllbar ist.
Bwlleicht darf man aus gewissen Anzeichen — und zu denen würde auch die Tatsache gehören, daß die
Fritz von Detten durchwachte diese Nacht mit dem Stachel der Bitternis, des Zornes in? Herzen. Er tooDte sich abwenden van ihr, bie ihn kalt unb grausam ton ft<$ wies, unb sah immer wieder seine Gedanken zu ihr zurückkehren, wie baS lose Heer der Eisenteilden zum Magnet. Wie sehr auch sein innerstes Gefühl sich dagegen sträubte, er sah immer wieder das Bild sieg. Hafter Schönheit vor seinem geistigen Auge, sah ihr Lächeln, ihren Blick, ihr ovrnehmeS Aeußere; sie toat «ur Herrscherin geboren, als feines HauseS Herrin, feine» Herzens Gebieterin geschaffen, warum nur erntete er Harle unb Stolz, wo er Liebe heischte? __
1 er fe’n Anrecht nicht ein, er wußte
NN selber nicht zu helfen, das mußte Karl Eichbach be.
der an? Morgen zu ihm hereintrat imb ihn auf ber Chaiselongue liegend fand. Die angekündigte Er» kaliung war nit ausgeblieben. Eicbbach zog sein Ge» sicht in ernste Falten, fühlte den Puls des Freundes und gab seine Prognose in folgendem an:
„Nervöse Unruhe, ausgesprochene Neigung zu Solo- Promenaden, hermetis.he Verschlossenheit selbst seinem besten Freunde gegenüber, nächtliche Wandelgänge bi» zur Geisterstunde, biffige Angriffe selbst gegen Harm, lose Leute — alle» Symptome beginnenden Herzeleides! — Da kommt e? nun zunächst darauf an, ben Bazillus Seiner Krankheit ausfindig zu machen. Fräulein Olga —“
„Wenn Du nicht» besseres zu meldein weißt — dann schweige!" warf Detten unwirsch ein.
„Nanu, lieber Bar, wissen möchte ich doch einmal —"
-Wie eS um mein liebendes Innere bestellt ist? — Miserabel schlecht, kannst'S glauben."
Eichbach schaut« ihn pfiffig von der Seite an.
„Fritzchen will mit Nippsachen spielen, weiß nicht einmal, wie man sie anfaßt. He?"
„So lehre mich," unb Detten richtete sich empor, als dürfe ihm kein Wort von dem, tvai ihm gesagt werde, entgehen. Eichbach zündete sich eine Zigarette an, unb da er sich genügend in Tampfwolken gehüllt hatte, lehnte er sich mit viel Prestige in den ArmLuhl jurM
Olgas Irrtum.
ES toat eine dunkle, naßkalte Herbstnachtk Ta« «utr Treiben des Tages hatte die stille Mitternacht zur gebracht. In tiefem Dunkel lag da» Kurhaus, ““ geputzten Menschen, die tagsüber den Strand bevöl» ncn, hatte der Gott de» Schlafs mit Schlimunerkör» rn überstreut. Der Strand lag menschenleer und ‘ auSgestprben unb all die vergnügungssüchtigen «tnhc f.nt’n&er' die da in ben prächtigen Villen, Hotels Lustbautcn in ben weichen Kiffen ruhten und süßen cuir-en nachh^ngen, gedachten nicht der schlichten ben*11?1!.-0118 armen Fischervolke, die tagSüber an ^ Sabinen unb Badckarren auf jedwedes herrische et . 3U Diensten stehen und dann um bie neunte n nun de zum beschwerlichen Fischfang auSziehen erft, wenn einzelne Frühlinge unter den "mi wis erquickendem Schlafe sich erhoben, von Arbeit heimkehren.
Still, s „ere8 gewaltige Stimme dröhnte durch die «u. , "acht. Bald hörte man nur ein träumerisches otdr.-r 0 uni) Murmeln und Klingeln — ein Riesen, tob rni, ’m J.onftelt<n Dolce. Dann wieder klatschten benno. -r , die schaumgekrönten Wellen ans Land mit 6inPBf«.mllao^m ®*,rad*- daß es ringsum bie Luft m ienüirio . buvchdröhnte. Tann wieder To» touse ' (r ,n°^ i>em Schlachtendonnir die FriedenS» ein ür.. tMo Rauschen und Raunen, wie wenn Widv™ , Zephir durch den Eichenwald streicht, ein schkl- , v Kosen loser Wellen, ein warnendes Ra» Kon*»? - tauschen tot dem tobenden Ansturm, eht toeer!», "emloscr Stille — ba8 tiefe Atemholen de» tod BT»«jr$:Onn hne^r em dumpfes Rollen Poltern laufe serstiebe vor dem vernietenden An»
VJ$ ^8etooIt'9m Dreeresslut das Weltall in Atome Denken toie «schaffen zum erhabenen
« ^schaffen da-u, das Klein'iche Selbstsöch. ■ktfitaL- 1d;tn 3U vernichten unb sein Gemüt bem ‘se<aew Natur gugäuglich zu machen.
Die Geheimniskrämerei»
- Za den vielen schönen Dingen, die Wilson ver- «tzrochen und nicht verwirklicht hat, gefj'&rt auch die Abschaffung der Eeheimdiplomatie. Die stttht zur Zeit in der üppigsten Blüte, nicht bei uns, fonibern auf der Gegenseite.
Unsere Regierung hat das Sefanntaerben ber sriedensbebingungen in keiner Weise behin» bett, vielmehr mit allen Mitteln beschleunigt unb gefördert, fobaß die öffentliche Meinung trt Deutschland -ch ein wohlfundiertes Urteil bilden konnte. Aber wie fiefjt es drüben aus? Fast zwei Wochen sind nach bei Ueberreichung des sog. Friedensoertra^s verflossen, und jetzt meldet der Pariser „Matin":
^Der Mererrat hat beschloffen, den Vertrdgsentwurf im Wortlaut nicht zu veröffentlichen und der fron» Mchen Presse zu verbieten, die A»-tzüge aus der deutschen Presse zu bringen."
Der „Matin" glaubt, Lloyd George Hube seine drei Kollegen zu dieser Heimlichkeit beredet. Ein amerikanisches Blatt aber behauptet, die französische Presse hätte siir Samstag die Erlaubnis zur VeriPfisitlichung des Wortlautes erhalten gehabt, und am Freitag abend fei die Erlaubnis widerrufen worden, weil Wilson die Veröffentlichung untersagt habe. Warum gerade Btlfon und Lloyd George vorgeschoben werben, ist nicht recht klar. Wahrscheinlich hat C l e m e n c e a u bas lebhafteste Verlangen nach weiterer' Verbunkelung. Przeichnenb ist ber Zusatz bes amerikanischen Blattes: „Es fleht fest, daß bie Deutschen mehr über den wirtlichen Wortlaut erfahren haben, ol(6 die alliierten Mker. Man glaubt, Wilson fürchte ein« neuen Sturm per Entrüstung in der französischen utfct amerikanischen ßtffentndjfeit, wenn der Wortlaut genüget Paragraphen betreffend die Entschädigungen, die noch nicht bekannt sind, «rösientlichl werden."
In ber Tat ist bas beutsche Volk bcksser unterrichtet. Wiederum ein Zeichen, daß es in Dttutschland demokratischer zugeht, als in jenen Ländern, wo man mit der Demokratie prahlt und hinter d iesem Aushängeschild bie schärfste Bevormunbung ebnes Volkes, eine wahre Diktatur, betreibt.
Das war übrigens schon während bes Krieges so. Sn Deutschlanb würben in ben Kriegssidhren, auch unter dem vielgeschmähten „alten Regiment", bie Blätter aus den feindlichen Ländern zugelassen und vielfach gelesen sowie in der deutschen Presse verwerket. Die deutsche Zensur war außerordentlich milde im, Vergleich zu der scharfen Zensur in den feindlichen Ländern. Wenn die gegnerischen Gewalthaber sich auf die „Sfriegsnotwenbig* feiten" beriefen, so konnte man bd-ch wenigstens erwarten, baß sie nach Einstellung bis Waffenkampfes der Presse wiebet Freiheit gäbe unb. die Bildung eines eigenen Urteils ermöglichte. Aber m:in; sie fahren fort, imDunkelnzu munkeln.
Sn Frankreich haben bie fozialisisffchen A b g e o r d» oeten einen befonberen Antrag vom Stapel lassen müssen, um ben Friebensvertrag kennen lernen zu können, aber es hat ihnen nichts Zenützt. Welch ein Sturm der Entrüstung wäre durch die deutschen sozialistischen Fraktionen und in des Dolkskreisen selbst entftanben. wenn die Berliner Regierung auch nur den Versuch gemacht hätte, irgend ein Stück der Friedens» Beringungen der Oefföntlichkeit ookrzuenthalten, ja sogar ben berufenen Volksvertretern zp verheimlichen!
Die Furcht vor ber Oeffentlichkeit, sagt man, sei ein Beweis für bas s ch l e ch t e G e ro l s f e n ber gegnerischen Machthaber.
. Das stimmt schon. Aber stauen wir darauf nur feine voreiligen Hoffnungen. An der zähen Abwehr bei Oeffentlichkeit liegt zugleich der Beweis, daß die Machthaber ihren Völkern ungeheuer vielzumuten mrfen. Auch den Sozialisten sn ihren Ländern, die doch nach unseren Begriffen entschieden für Selbst» vchimmung eintreten müßten. Solche demokratischen •Regungen sind dort matt; sie perpuffen wirkungslos, und das Gros des Volkes steht Offenbar auf dem Stand- Wnft: Wir kennen die Absichten unserer Diktatoren mcht, ober wir billigen m weil vermutlich Er- «ver»«gen und wirtschaftliche Vorteile tobei herauskommen werben.
n der "Weltrevolution", die nach Ansicht unserer unabhängigen uns retten soll, Ht bei der bisherigen Hal» wng der öffentlichen Meinung in den feindlichen Län- ?ern kein Ansatz zu entdecket. Wenn schließlich die Wahrheit über die grausigen Friedensbedmgungen da
Abreise Wilsons.
Aus Antwerpen wird von Reuter gemeldet; ^Man erwartet binnen kurzem bie Ankunft beS „George Wa hingion", mit bem sich ber Präsident Wilson am 1. Juni nach Amerika begeben Wirb.*
Neue Kämpfe in den vsiseegebiekeu.
Mit dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit setzte die erwartete Offensive ber Sowjettruppen gegen bas BaUikuw ein. Seit Sonntag abenb sinb heftige Kämpfe an ber ganzen Front von Schlack bi? Baustil t;r Gtanm.
Die „Deutsche Allg. Zeitung" meßet aus Kopew Hagen: Lettische unb finnische Truppen sinb im Hafen von Riga pe(anbet. Der größte Teil ber Führer ber Bolschewisten soll erschossen worben sein.
Politischer Streik in Königsberg.
In verschiebenen großen Betrieben Königsberg wird gestreikt, weil einige Unabhängigen-Führer, bie in Ostpreußen schon seit Monaten gefährliche Wühlereien betrieben hatten, verhaftet worben waren. Elektrizitätswerk unb Wasserwerk sinb außer Betrieb gesetzt.
„Lieber ein Sklave mit Ehren, als ein Herr mit Wehren I Wenn zwei harte Steine zusammen trcff-n. gibt's Funken. Deine Dame ist stolz, ganz unbegreiflich stolz, über die weitgehendste Lizenz einer Gesell- schaftsdame hinaus stolz! Da darfst Du Deine Liebe nicht anbieten, wie dem Hunde das Stück Brot; vielmehr lege ihr Dein Herz zu Füßen, küsse den Saum ihres Kleides und stelle es ihr anheim. Dich zum Glücklichsten oder Unglücklichsten unter der Sonne zu rnaden. Sie weiß Dich reich und begütert, nimm ihr diesen Glauben, sei arm wie Job! Sie wird eS als eine Ehrenschuld betrachten. Deine Arnntt mit Dir zu teilen. Der Stolze liebt mir, wenn e gibt. Wo er danken muß, gefriert in ihm die Seele. Wenn er erst zum ,,$a ' und „Amen" gekommen ist und Tu ihr baS Ringe lein an ben Finger gesteckt hast, wird sie sich woh- über Deine Reichtümer zu trösten wissen."
„Karl, Sari, Tu lösest mir der Rätsel viele!" rief Detten und man sah es ihm an, welche Erlösung es für ihn ivar, nun den Grund ihres ablehnenden Verhaltens zu wissen, „gleich morgen schon will ich mit dem jämmerlichsten Gesiebte von der Welt vor sie treten und ihr meine finanziellen Schwierigkeiten klarlegen. Ha, Karl, wie herzerfrischend, um seiner selbst willen, frei von spekulativen Wünsthen geliebt zu werden' Freund Karl, Tein weiser Rai gibt mir das Leben wie der. Geh, hole uns einen guten Tropfen, das edle Rast in Ehren!"
Tie Gläser klangen auf gute Freundschaft zusammen, das Zimmer, das Zimmer war mit Rauchwolke: angcfnllt. Als Eid-badi fick svöt am Mittag erhob, schob Teilen ihm einige Hundertmarkscheine zu.
„Bon Wreisen ist nun keine Rede mehr. Du bleibst und damit basta!"
Am Spätnachmittag« stand Fräulein Termine Iäh- nelc vor dem Toilettetisch ihres Schlafzimmers und polierte sich die Fingernägel. Nahe bei der Türe stand bi« Ehambriöre, die f-anb mit dem Staubwedel in bir Hüfte gestützt, die andere auf die Klinke der Tür qeiest.
ctSorifetzmig folgt.)