| Donnerstag S. Mai 1919. | I 46.3ahrq
ft 4 AK I DerantwortliLfür den redaktionellen Teil: Karl SLütte. |ll. I I für die Anzeigen: I. P a rze 11 e r, Fulda.— Rotationsdruck.
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Die Triedcnsbcdingimgen.
Unannehmbare Forderungen.
SU ULberrelchttNst
der FriedensSedingungen.
wtb Versailles, 7. Mai. Genau um 3 Uhr begaben sich die deutschen Delegierten mit den Sekretären von dem Hotel des Reservoirs nach dem Trianon-Palast. Dort erwartete ein großer Vortritt die deutsche Delegation und geleitete die Herren nach dem großen Saale -es Hotels, wo die Mitglieder des Kongresses der feindlichen Regierungen, an der Spitze Clemenceau, zu scinr Rechten Wilson, zu seiner Linken Lloyd George, sich beim Eintritt der deutschen Delegierten erhoben. Unter den Teilnehmern an der Sitzung befanden sich außer Marschall Fach nur wenige Offiziere, die dienstlich mit der Veranstaltung im Zusammenhangs standen. Hingegen waren alle politischen Berühmtheiten der feindlichen Staaten zur Stelle. Graf Brockdorff- Jiantzau nahm mit den übrigen Herren an einem kurzen Tische in der Mitte des Saales Platz.
Wenige Minuten nach drei Uhr eröffnete C l e - menceau die Versammlung mit einer kurzen Er- llörung, in der er hervorhob, die Stunde zur Regelung der durch den so grausam aufgezwungenen Krieg entstandenen Abrechnung sei gekommen. Sie verlangen den Frieden. Wir sind bereit, ihn zu gewähren. Da? Luch, das Ihnen überreicht wird, enthält seine Bedingungen. Wir werden Ihnen die nötige Zeit lassen, die die internationale Höflichkeit gebietet, um sie zu prüfen. Wir werden aber für die notwendigen Borkehrungen und Sickerungen sorgen, damit auf diesen zweiten Versailler Frieden, der einen so schrecklichen Krieg abschließt, kein weiterer folge. Hierauf gab Clemeneau den Inhalt der Fragen bekannt, über die von den deutschen Delegierten innerhalb von 14 Tagen schriftliche Antwort gegeben werden solle. Ergehe von deutscker Seite schon früher Be- icheid, so werde auch die Entente eine schleunige Gegenantwort erteilen, um binnen einer weiteren noch ?u bestimmenden Frist die entgiltige schriftliche Entsckließung von deutscker Seite zu erwarten.
Inzwischen überreichte der Generalsekretär des Friedenskongresses der alliierten und assoziierten Möchte, Dutasta, dem Grafen Brockdorff-Rantzau dos Buch mit dem Entwurf der von der Entente vorgeschlaaenen Präliminarien. Nachdem Dolmetscher in englischer und deutscher Sprache diese Erklärung Elemenccaus der ganzen Versammlung zur Kenntnis gebracht hat- len, erhob sich Clemenceau zu der Anfrage, ob jemand eine Bemerkung zu machen wünsche. Hierauf gab Graf Brockdorff-R antzau zu erkennen, daß er das Wort wünsche. Er verlas sodann sstzend eine längere Erklärung in deutscher Sprache, wobei die einzelnen Sätze von den Dolmetschern, Iustizrat Schauer und Dr. Michaelis in das Französische und Englische übersetzt wurden. Graf Drockdorss-Rantzau «klärte:
Wir sind tief durchdrungen von der erhabenen Aufgabe, die uns mit Ihnen zusam ncngeführt hat, der Welt rasch einen dauernden Frieden zu geben. Wir täuschen uns nicht über den Umfang unserer Niederlage, ein Grad unserer Ohnmacht. Wir wissen, daß die Gewakt der deutschen Waffen gebrochen ift. Wir kennen die Wucht des Hasses, Die uns hier entg-g-mtritt nnd wir haben die leidcnschafllichen Forderimgen gehört, daß die Sieger uns Zugleich als Ueberwundcne zahlen (affen und a(3 Schuldige bestrafen (assen.
Es wird von uns verlangt, daß wir uns als die «lleinschuldigen am Kriege bekennen. Ein koßbes Bekenntnis wäre in meinem Munde eine Lüge. Wir sind fern davon, jede Verantwortung dafür, daß es zu diesem Weltkriege kam und daß er w geführt wurde, von Deutschland abzuwälzen. Die valtumg der früheren deutschen Regierung. auf den Mager Friedenskonferenzen und Unterlassungen an den tragischen Weltjulitagen mögen zu dem Unheil bei- tragen haben, aber wir bestreiten nachdrücklich, daß Deutschland, dessen Volk überzeugt war, einen Ver- tridigungskrieg zu führen, allein mit der d ch u I d b e l a st e t i st. Keiner von uns wird be- haupten wollen, daß das Unheil seinen Lauf, erst in den verhängnisvollen Augenblicken begann, als der Thron- wlger von Oesierreich-Ungarn den Mörderhänden zum pffer fiel. In den lebten 50 Jahren hat der Im- ver-alismuS aller europäischen Staaten Die internatio- Lage chronisch vergiftet. Tie Politik der Ver- fiiltrung. Die Politik Der Expansion und Die Nichtach» ™’’0 Des SelbstbestimmungSrechteS Der Völker hat zu Krankheit Europas beigetragen, Die im Weltkriege pre Krisis erlebte. Die russische Mobilmachung nahm «en Staatsmännern Die Möglichkeit Der Klärung und g® Die Entscheidung in Die Hände Der militärischen «ewalten.
Tie öffentliche Meinung in allen Ländern unserer Gegner ballt wieder von Den »Verbrechen", die Teutsch- wnd im Kriege Begangen habe. Auch hier sind wir be- ’ getanes Unrecht einzugestehcn. Wir sind nicht «serber gekommen, die Verantwortlichkeit der Männer, "w den Krieg politisch und militärisch geführt haben, ® ttrllcincrn und begangene Frevel wider das Völker- slfht zu leugnen. Wir wiederholen die Erklärung, die A Beginn des Krieges im deutschen Reichstag abge- «rom wurde: Belgien ist Unrecht geschehen, und wollen eS wieder gut machen. Aber auch in der " der Kriegführung hat nicht Deutschland gefehlt. Jede europäische Nation kennt Taten no Personen, Deren sich die besten Volksgenossen un- erinnern.
Ich will nicht Vorwürfe mit Vorwürfen erwidern, wein man gerade von uns Buße der angt, so e , tonn Den Waffenstillstand nicht vergessen, ^chs Wochen dauerte es. bis wir ihn erhielten, sechs -vwnate bis wir Ihre Friedensbedingungen erfuhren. ?/">rechen im Krieg mögen nicht zu entschuldigen sein, °er fte geschehen im Ringen um den Sieg, in der Tsorge um das nationale Dasein, in einer Leidenschaft,
™9 Gewissen der Völker stumpf macht. Tie Hun- «?' en^e von Nichtkämpfern, die seit dem November am der Blockade zu Grunde gingen rj10 toit kalter Ueberlegung getötet wur- "en, nachdem für unsere Gegner der Sieg errun- eV verbürgt war, daran denken Sie, wenn Cie «m EchuLl Ufib Kühne sprechenl AaS Matz der Schultz
affet Beteiligten kann irut eine unparteiische Untersuchung feststellen, eine neutrale Kommission, vor der alle Hauptpersonen der Tragödie zu Worte kommen, der alle Archive geöffnet werden. Wir haben eine solche Untersuchung gefordert und wir wieder- holen die Forderung.
Auf dieser Konferenz, wo wir allein ohne Bundes- genossen der großen Zahl unserer Geoner gegenüber- stehen, sind wir nicht schutzlos. Sie selbst haben uns einen Bundesaenossen zugeführt: das Recht, das uns durch den 93 e r tra a über d i e Friedensarund- sätze gewährleistet ist. Die alliierten und avouierten gieaicrungen,bähen in der Zeit zwischen dem 5 Oktober und dem 5. November 1918 auf d-n Machtfrieden verzichtet und den Frieden der Gerechtiokeit auf ihr Panier geschrieben. Am 5. Oktober 1918 hat die deutsche Regierung die Grundsätze des Präsidenten der Vereiiiiaten Staaten von Amerika als Friedensarun^- laae vorgeschlagen. Am 5. November bat ihr der Staatssekretär Lansing erklärt, daß die alliierten und assoziierten Mackste mit dieser Grundlage unter zwei be. stimmten Abmachungen einverstanden seien. Die Grundsätze des Präsidenten Wilson sind alfe für beide Kiiegspa>teien, für Sie wie für unS und auch für unsere früheren Bundesgenossen bindend gew otd en. Die einzelnen Grun'sätze fordern von uns schwere nationale und wirtschaftliche Opfer, aber die heiligen Grundrechte aller Völker sind durch diesen Vertrag geschützt. Das Gewissen der Welt steht hinter ihm; keine Nation wird ihn unaeftraff verletzen dürfen Sie werden unS bereit finden, auf dieser Grundlage den Vorfrieden, den Sie uns vorlegen, in der festen Absicht zu prüfen, in gemeinsamer Arbeit mit Ihnen „Zerstörtes wieder aufzubauen, geschehenes Unrecht, in erster Linie das Unrecht an Belgien, wieder gutzumachen und der Menschheit neue Ziele politischen und sozialen Fortschritts zu zeigen.
Bei der verwirrenden Fülle von Problemen, die der gemeinsame Zweck aufwirft, feilten wir möglichst bald die einzelnen Hauptaufgaben durch besondere Kommissionen von Sachverständigen auf der Grundlage des von ihnen borrcleaten Entwurfs erörtern lassen. Dabei wird es uns Hauptaufgabe sein, die verwüstete Menschenkrast der beteiligten Völker durch einen internationalen Schutz von Leben, Gesundheit und Freiheit der arbeit-"den Ki"ssen wieder aufzurichten. Als nächstes Ziel betratte ich den Wiederaufbau der von unS besetzt gewesenen und durch den Krieg zcr-. störten Gebiete Belgiens und Nord frankreichö Die Veipsiichluna hierzu haben toir feierlid) übernommen und wir sind entschlossen, sie in dem Umfange auszu- führen, der zwilchen uns vereinbart ist. Dabei sind wir auf die Mitwirkung unserer bisheri. en Gegner angewiesen. Wir können das Werk ni tit ohne die technische und finanzielle Beteiligung der Sieger vollenden. Sie lönnen es nur mit uns durchfuhren. Das verarmte Europa mutz wünschen, datz der Wiederaufbau mit so profeem Erfolge und so wenig Kosten wie möglich durch- gefübrt wird. Der Wunsch kann nur durch eine klare geschäftliche Verständigung über die beste Methode er- füllt werden. Die schlechteste Methode wäre, die Arbeit weiter durch deutsche Kriegsgefangene besorgen zu lassen. Gewife, diese Arbeit ist billig, ober sie käme der Welt teuer zu stehen, wenn Hafe und Verzweiflung das deutsche Volk darüber ergreifen würde, dafe seine gefangenen Söhne, Brüder und Väter über den Vorfrieden hinaus in der bisherioen Fron weiterschmachten. Ohne eine sofortige Lösung dieser allzu lange verschleppten Frage können wir nicht zu einem dauernden Frieden gelangen.
Untere beiöeileitigen Sachverständigen werden zu prüfen haben, wie das deutsche Volk seiner finanziellen Entschädigungkpflicht Genüge leisten kann, ohne unter ber schweren Last zusammen gu brechrn. Ein Zusammenbruch würde die Ersatzbereckstigten um • die Vorteile bringen, auf die sie Anspruch haben und eine unheilbare Verwirrung des ganzen europäischen Wirtschaftslebens nach sich ziehen. Gegen diese drohende Gefahr mit ihren unabsehbaren Folgen müssen Sieger wie Besiegte" auf der Hut sein. Es gibt nur ein Mittel, sie zu bannen, das rückyaltlose Bekenntnis zu der wirtschaftlichen und sozialen Solidarität der Völker zu einem freien und umfassenden Völkerbund.
Der erhabene Gedanke, aus dem furchtbarsten Unheil der Weltgeschichte durch den Völkerbund den pröfeten Fortschritt der Menschheitsentwickelung herzuleiten, ist ausgesprochen und wird sich durchsetzen. Nur wenn sich die Tür zum Völkerbund allen Nationen öffnet, die guten Willens sind, wird das Ziel erreicht werden. — Nur dann sind die Toten dieses Krieges nicht umsonst gestorben. Das deutsche Volk ist innerlich bereit, sich mit seinem schweren Los abzufinden, wenn an den vereinbarten Grundlagen nicht gerüttelt wird. Ein Friede, der nicht int Namen des Rechts vor der Welt verteidigt werden kann, würde immer neue Widerstände gegen sich aufrufen. Niemand wäre in der Lug,e ihn mit gutem Gewiffen zu unterzeichnen, denn er wäre unerfüllbar. Niemand könnte für seine Ausführung die Gewähr, die in der Unter] ebri t liegen soll, übernehmen. Wir werden das uns übergebene Dokument mit gutem Willen und in der Hoffnung prüfen, dafe das Endergebnis unserer Zusammenkunft von uns allen gezeichnet werden kann.
Der Vortrag des Grafen Brockdoiff war scbc ruhig. Die Versammlung folgte seiner Rede nut größiem Intel esse.
Nach Beendigung der Erklärung stellte Clemenceau nochmals die Frage, ob weitere Bemeikungen gewünicht würden. Er schloß hierauf die Sitzung. Ter Akt bauetie von 3.05 Uhr bis 3,50 Uhr. Die deutschen Delegierten kehrten sofort nach dem Hotel des Rttervo-rS zuiück, wo Rcichsimuister Graf Brockdoiff der fanden deuischeu Delegation einen eingehenden Bericht über den Verlauf der Sitzung erstattete. _____________ _____________
Die Gliederung des Vertrags.
wtb. Paris. 7. Mai. Der Friedensvertrag zerfällt in 15 Abschnitte.
Der erste enthält den Dölkerbundsoertrag.
Der 2. umjchreibt die Grenzen Deutsch- ----- ---- " —
Der 3. verpflichtet Deutschland, die durch den Frieden in Europa herbeigeführten politischen Veränderungen anzunehmen, errichtet die Tsckecho- Slowakei und Polen, revidiert die Grundlagen der belgischen Souveränität und ändert die Grenzen Belgiens ,errichtet neue Regierungssyfteme in Luxemburg und im Saarbecken, gibt Elsaß-Lothringen an Frankreich zurück, stellt die Grundsätze für Die Regelung der schleswigschen Frage aus und verpflichtet Deutschland, die Unabhängigkeit Deutsch-Oesterreichs anzuerkennen.
Der 4. Abschnitt enthält einen allgemeinen Verzicht Deutschlands aus seine überseeischen Besitzungen und Rechte, stellt die internationale Anerkennung Des britischen Protektorats in Aegypten fest und annulliert die Algecirarakte.
Der 5. Abschnitt beschränkt den Umfang der deutschen Armee und' Flotte und schafft die Dienstpflicht in Deulschland ab als ersten Schritt zur allgemeinen Abrüstung.
Der 6. regelt die Rückkehr der Kriegsgefan- g e n e n.
Der 7. handelt von den Berantwortlichkeiten und der Bestrafung und sieht ein gerichtliches Verfahren gegen Kaiser Wilhelm vor.
Der 8. handelt von der Schadenvergütung und Wiedergutmachung und enthält besondere Verfügungen über die Rückgabe der Trophäen aus früheren Kriegen.
Der 9. enthält finanzielle Ausfuhrungsbestimmun-
Der 10. die wirtschaftlichen B e st i m - m u n g e n und setzt die nichtpolitischen internationalen Verträge und Konventionen wieder in Kraft.
Der 11. Abschnitt befaßt sich mit der Luftschifffahrt. , „ , „
Dev 12. reoelt die internationale Kontrolle von Häsen, Flüff en und Eisenbahnen mit be- sonderen Verfügungen für den Kieler 5k anal.
Der 13. enthält bas A r b e i t s a b k o m me n.
Der 14. bestimmt bie G a r a n t i e n für bie Durch- fühnmg, namentlich die Fortdauer der militärischen Besetzung deutschen Gebiets.
Der 15. Abschnitt bringt noch eine Reihe von Klauseln über die Anerkennung anderer in ber Folge abzu- schließenden Verträge unb bie Bestätigung ber Pilsen- gerichtlichen Entscheidungen^
Elnzel.hetten aus derr Bevingungen.
wtb Paris, 7. Mai. Der von Reuter veröfsentlichte Auszug aus den Friedensbebingungen enthält u. a. sol- genbe Angaben:
Deutschlanb tritt an Polen den größten Teil von Ob ersch lest en, Posen und der Provinz West- preußen auf dem linken Weichselufer ab. Die süd- liche unb östliche Grenze Ostpreußens gegenüber Polen wirb durch Volksabstimmung bestimmt. Danzig wirb mit feiner unmittelbaren Umgebung Freistadt.
Belgien erhält das strittige Gebiet von Mores- net unb einen Teil von Preußisch - Moresnet. Dewfchlanb verzichtet auf alle Rechte über Eupen unb Malmeby, bereu Einwohner bas Recht haben füllen, binnen 6 Monaten gegen biefe Aendernug im ganzen ober teilweise zu protestieren, worauf ber Völkerbund endgültig entscheidet.
In einer 50 Kilometer-Zone östlichdesRheins darf Deutschland keine Befestigungen ober Sireitkräsle halten.
Das Saarbecken, auf bas sich die bereits bekannte Regelung bezieht, erstreckt sich von ber Grenze Lothringens nach Norden bis St. Wendel, schließt im Westen bas Saargebiet bis Saarhölzbach, im Osten die Stadt Homburg ein.
Die L a l k s a b st i m m u n g e n im O st en sollen stattfinden: im Regierungsbezirk Allenstein, zuzüglich ber Kreise Angerburg und Olotzko, ferner in einem Teil Westpreußens, bestehend aus den Kreisen stuhr unb Rosenberg sowie aus Teilen bes Kreises Marienburg unb Martenwerber. Ost preußen soll freien Zugang zur Weichsel und die volle Benutzung des Stromes erhalten. Die Nordostecke von Ost - p r c u ß c n soll an die assoziierten Mächte a b g e t r e- r c n werden.
Don ber hollänbischen Regierung wird die 2!us- licfrrung Kaiser Wilhelms verlangt.
Grundsätzlich soll Deutschlanb zur Vergütung aller Schöben, bie durch den Krieg entstanden sind, vcrrfifchtct sein, soll aber jedenfalls die Vergütung aller den Zivilpersonen zugefügten Schäden übernehmen. Die Gesamtsumme der Schadenvergütungen wirb fpäteftens bis Mai 1921 festgesetzt. Innerhalb ter nächstenzweiIahre soll Deutschland 20 Ml- (farben Mark in Gold, in Waren, Schissen unb bergt bezahlen.
Bezüglich der Handelsschiffe soll Deutschland Ersatz- pflicht Tonne für Tonne unb Klasse für Klasse anerkennen unb den Alliierten alle deutschen Handels- schiffe von 1600 Tonnen und Darüber, die Hälfte seiner Schiffe zwischen 1000 und 1600 Tonnen und ein Vier- tel seiner Fischdampfer und anderer Fischereifahrzeuge ausliefern, sowie für Rechnung der Alliierten während ber nächsten fünf Jahre jährst-*' Handelsschiffe , pyi 20000Q To Wien bauen-
Zur Sicherung der Durchführung des Friedensver- träges soll bas brutsche Gebiet westlich des Rheins und die DrüSenkSpse 15 Jahre lang be- setzt werben. Bei getreuer Ausführung ber Brdin- jungen sollen bestimmte Gebietsteile, Darunter auch ber Brückenkopf von Köln, nach fünf Jahren geräumt werben. Anbere Gebietsteile, Darunter ber Brückenkopf von Koblenz, nach 10 Jahren, wieder andere, darunter der Brückenkopf von Mainz, nach 15 Jahren.
Dei früherer Erfüllung sämtlicher Friedensvedin- gungcn werden die Besatzungsheere sofort zurück g e n o m m c m
wtb Amsterdam. 7. Mai. Aus dem Auszuge, den die Londoner Times aus den Friedensbedingungen bringt. Ist noch folgendes zur Ergänzung zu entnehmen:
Die deutschen Landstreilkräske müssen bis zwei Monate nach Unterzeichnung des Vertrages auf nicht mehr als 70000Mann Infanterie und 30000Mann Kavallerie eingeschränkt werben. Die Gesamtzahl ber Offiziere barf nicht mehr als 4000 betragen. Es wird nur freiwilliges Militär gestattet werben. Auch die deutschen Rüstungen sollen aufs äußerste einge- schränkt werben. Alle Befestigungen 50 Meilen östlich des Rheins werden abgerüstet Werbern
Die beutschen SeeffteHfräfle dürfen zwei Monate nach der Unterzeichnung des Friedensvertrage keine Uboote mehr enthalten unb werden bann nunmehr aus sechs Schlachtschiffen, sechs leichten Kreuzern. zwölf Torpedojägern und zwölf Torpedobooten bestehen. Alle anderen Kriegsschiffe müssen entweder in die Reserve versetzt ober als Handelsschiffe umgebaut werden. Die Besatzung darf nicht mehr als zusammen 15 000 Mann, Darunter 1500 Offiziere und Drckoffi- ziere, zählen. Alle militärischen unb maritimen An- lagen aufHelgoland müssen geschleift werden.
Der Kieler Hafen muß den Handelsschiffen aller Länder, die mit Deutschland im Frieden leben, auf der Grundlage vollständiger Gleichheit offen stehen. Es wirb Deutschlanb gestattet werben, bis zum 1. Oktober 100 Wasserflugzeuge zur Aufspürung von Minen zu haben. Nach biesem Datum darf Deutschlanb keine militärischen ober maritimen Luftstreitkräfte behalten unb innerhalb eines Abstandes von 150 Kilometer von der deutschen Grenze auch keine Flugzeuglager.
Die Alliierten beschuldigen den früheren Kaiser offen nicht eines Vergehens gegen die Strafgesetze, sondern der ernstesten Verletzung ber internationalen Moral und ber Heiligkeit der Verträge. Es wirb ein besonderer Gerichtshof eingesetzt werben, um gegen ihn zu verfahren. Die Personen, die der Verletzung der Kriegsgesetze unb Kricgsgebräuche beschulbigt wer- den, werden vor alliierte Kriegsgerichte gebracht werden.
Elsaß-Lothringen mutz an Frankreich zurückgegeben werben. Die Verwaltung bes Laarbislrikls wird von einer vom Völkerbund ernannten aus fünf Personen bestehenden Kommission ausgeübt. Nach 15 Lahre» wirb die Bevölkerung entscheiden, ob sie vom Völkerbund, von Frankreich ober von Deutschland regiert $tt werben wünscht. Wenn Deutschlanb gewählt wirb, wird es die Kohlenbergwerke zu einem noch, näher zu vereinbarenden Preise von Frankreich kaufen müssen. In Schleswig wirb eine Dolksabstimmunzs abgehalten werben.
Von Deutschland wird gefordert, daß es zugunsten der Entente auf alle Rechte unb Titel, die es bezüglich, feiner überseeischen Beziehungen hat, verzichtet. Die wichtigsten dieser Besitzungen werben kraft eines Man- dats bes Dölkerbunbes von einer ber großen Kolonialmächte verwaltet werden. Deutschland verzichtet aufi alle Rechte unb Privilegien, die sich aus ber Alge- tirasafte von 1906 und aus ben französisch-deutschen Betträgen von 1900 und 1911 ergeben. 15- deutsche kabel werden ben Regierungen der Alliierte» unb Assoziierten zur Verfügung gestellt.
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Das ist kein Frieden ber Versöhnung, kein „Wil- sonfricden", kein Frieden, ber sich auf ben ewigen Grunbsätzen des Rechts ausbaut. Das ist überhaupt kein Frieden, bas ist bie Erbrosselung Deulsch- lanbs, bie Versklavung bes ganzen beut» sch en Volkes.
Daß bie Bedingungen hart werden würden, Darauf* waren wir voi bereitet, aber solche schimpfliche, vom blinden Haß, vom unverhüllten Vermchtungswillen diktierten Bedingungen übertreffen bie schlimmsten Befürchtungen. Glaubt bie Entente wirklich, bas brutsche Volk werbe burdi bie Annahme tiefer unerträglichen Zumutungen selbst seine Ehre unb seine Zukunft preis- geben? Sollten wir zur Unterzeichnung gezwungen werden, für die Entente wirb kein Segen daraus ber« vorgehen. iDefer Friede bes Unrechts •'lürbe einen brennenden Sckmerz im beutlmen Volke bullerlassrn