Die Woche von Versailles.
k 5^ren& der rangen Kriegsjahre ist bei uns, wenn ®le Wogen der Erregung und der feindlichen Schmähungen turmhoch gingen, so oft gefagt worden: „(Ein- Äol wird es doch wieder anders fein, wenn die 53er- Deutschlands und seiner Feinde zusammen an .unn demselben Tisch sitzen. Dahin muß es ja
*dEhl>ch kommen!" Jetzt ist es so weit.
Ä Di- begonnene Maiwoche 1919 gehört dem grünen «»nserenztisch in Versailles. Dieser kurze Satz sagt »es,wag tpir umsonst erhofft haben, er enthält alles,was Et ?Föarten. müssen. Wer genötigt ist, in die feindliche F®6t zur Unterzeichnung des Friedensvertrages zu weiß im voraus, daß er sich viel wird bieten
-.süssen. Schien es doch erst so, als ob uns der Ministerpräsident Elemenceau, der sich als tah s ®ieCtr über Deutschland betrachtet, Papier k;n_ oeder hinlegen würde zum beünnungr- und be- , nmmgslosen Unterschreiben, zur unwiderruflichen De- Vt K.nR Deuts-Hlands vor seinen Besiegern. Draußen
V, *• Eermania sollte im grauen Sünderge- ’ ”cflfhcn, weil sie ihrem deutschen Volk seit 1871 ? -n Lusschwung hatte zuteil werden lassen, wie keine f- cre 2ia»ion in der Welt,in der gleichen Frist ihn lo ^lend erlebt hat. Denn das Ist es, was uns nickt
-^*** wird, urch ia Perlaill-s soll v«hioü«t xaa»
den. daß Germania wieder im Festkleid unter den Staaten erscheint.
Der Gcwalrfriede soll aber doch nicht in einem einzigen brutalen Akt erzwungen werden, man will uns noch eine Gaigcnsrist gönnen. Der Tag von Versailles wird zu zwei Wochen ausgedehnt. Die Entente will damit zeigen, daß sie auch menschlich sein kann, indem sie uns Zeit läßt, uns auf den Augenblick oor» zudereiten, in dem wir die Zwangsjacke des Vertrages von Versailles anlegen müssen. Denn tiefe Zwangsjacke soll uns nicht geschenkt werden. Don feindlicher Seite wird jetzt erneut betont, daß keinerlei mündliche Verhandlungen zwischen den Deutschen und der Entente stattfmden sollen. Der Verkehr zwischen den «Verhandelnden" soll mir durch Noten, also lediglich schriftlich, statifinden. Die Deutschen hätten unwiderruflich fünfzehn Tage Bedenkzeit. Für etwa noch notwendige Antworten der Alliierten auf die endgültige Antwort der Deutschen werden noch etwa fünf Tage gerechnet. Am 27. Mai wäre dann alles zu Ende. Das sieht ans wie eine Bestätigung dafür, daß der Dernichlungswille der Feinde Gesetz werden soll. In den 1-t Punkten des Präsidenten Wilson, dem Fundament des Waffenstillstandes, ist zwar von Recht und Versöhnung, von Freiheit und Völkerbund gesprochen worden. Aber das w a r einmal!
Die Gegner sagen zur Entschuldigung für ihr brutales Vorgehen, es muffe heute anders als sonst beim Friedensschluß gehandelt werden, weil ein so furchtbarer Krieg wie der Weltkrieg noch nicht da war. Schlimmer als der Krieg war aber der feindliche Vernichtungswille, denn nur dieser ist es gewesen, der dem Kriea seine Dauer aeoeben hat. Deutschland hatte schon im Dezember 1916 Friedensverhandlunoen angeboten, aber sie sind xlatt abgelehnt worden. Ebenso die späteren erneuten Anträge. Die Schuld für dir Kriegs- ve'.'ängerung lag also ebenso wenig bei uns, wie bei uns die Kriegsurfache gelegen hat. Der frühere Staatssekretär v. Iagow hat soeben über die Kriege- nrsoche ei» Duch veröffentlicht, welches schlafend die Behanntung entkräftet, daß Deutschland das öst-rreichi- scke Ultimatum an Serbien vom 22. Juli 1914 absichtlich in eine unannehmbare Form habe bringen lassen, um den Krieg unvermeidlich zu machen. Im Gegenteil haben die deutschen Staatsmänner (Reichskanzler von Bethmann-Hollweg und Staatssekretär n. Jimow) das österreichische Ultimatum an Serbien für reichlich scharf erklärt und nur abgelehnt, die verbündete Habs- duraische Monarchie einem vorurteilsvollen Schiedsgericht auszufetze».
Die deutsche Diplomatie hat es schwer, gegen den Llaßianotismus der Gegner aufzukommen. Aber die Gewißheit, daß es sich um die lftukunftsirekheit der ganzen Welt bonMt, wird ihre Kräfte stärken gegen Einseitigkeit und Gewalt.
DaS CFnfce der Münchener Räteherrschaft.
Der Sturz der bayerischen Räterepublik ist vollendet. München ist befreit und zwar unter Mitwirkung der bewaffneten Bürgerschaft, die durch die Ermordung der Geiseln aufs höchste empört und zum Aeußer- sten getrieben war. Die Kämpfe wurden mit größter Erbitterung geführt. Am Sonntag konnte gemeldet werden, daß die Nacht unter geringen Schießereien in der Stadt und den Vororten ruhig verlaufen ist. Die Kämpfe seien im allgemeinen adgeschloffen, die Bese- tzung der Stadt durchgeführt. In den Vororten zeigte sich noch da und dort Widerstand.
Die Meldung von der Ermordung der Münchener zehn Geiseln wird jetzt von der Regierung b e st ä t i g t. Im Luitpold-Gymnasium, wo sie gefangengehaltm wollen waren, wurde ein Teil von ihnen am Mittwoch, der andere Teil am Donnerstag kalten Blutes an die Wand gestellt und mitleidlos erschossen. Den Toten waren die Augen auegestochen, die Zunge und die Hönde abgeschnitten. Bisher sind festgestellt worden: Studienrat Berger, Eiscnbahnsekretär Daumenlang, Fürst c. Thurn und T07'12 und Gräfin Westarp. Weiter befanden sich unter den Ermordeten zwei sächsische Soldaten, deren Namen noch nicht festgestellt werden konnten. Zurzeit der Ermordung befanden sich die Kommunistenführer Nissen-Levin und Dr. Levien im Keller des Luitpold-Gymnasiums. Sie wußten von der Tat, auch die militärischen Führer der Kommunisten waren davon unterrichtet. Den Befehl zum Feuern gab ein Mann der Roten Armee Namens Seidel: da die Soldaten des Leidregiments sich weigerten zu schießen, würben auch die Russen veranlaßt, die Ermordung aussuführen.
Die Ermordung der Geiseln zeigt, mit welcher Art Sittlichkeit und Kultur uns die Kommunisten beglücken würden, wenn es ihnen einmal gelänge, für die Dauer die Herrschaft an sich zu reißen. Nicht Menschen sind es, sondern in Wahrheit Bestien in Menschengestalt. Es ist daher begreiflich, wenn die Regierung Hoffmann erklärt, daß sie nach dem Bibelwort „Auge um Auge, Zahn um Zahn" handeln werde. Es soll keine Gnade geben für die verbrecherischen Mörder und Dolksoer- sührer.
Einige von ihnen hat ihr Schicksal bereits erreicht.
Der frühere kommunistische Stadtkommandant E g e l h 0 f e r wurde in einem Anwesen der Maximi- lianstraße verhaftet. Das Haus wurde umstellt und durchsucht. Man fand Egelhofer in einem Badezim- mer hinter der Badewanne versteckt vor. Als er sich zur Wehr setzen wollte — er hotte zwei geladene Revolver bei sich — wurde er durch Kolbenhiebe überwältigt. Er wurde nach der Residenz gebracht und spater erschossen. Levien und Levien-Riffen sollen entkommen fein. Toller und Männer sind jedoch verhaftet. Der Volksbeau strapte für Ver- kchrewesen P a u l u k u m wurde in München feftge- nommen, während der kommunistische Kriegsminister R e i ch a r d t auf seiner Flucht in Petershausen ver- baftet wurde. Volkrbeauftragter Klingelhöfer Ist mit seiner Frau in seiner Wohnung verhaftet worden und soll im Marimüianrkever standrechtlich er« f (b 0 f f e n worden fein. Landauer siel in Pasing den Regierungstruppen in die Hände und wurde siche- *_ Prrneymen nach bei seiner Einlieferung ins Gefängnis von der Menge getötet. Die radikn-
Bruttnführer Sandorf er und Kübl« r wur-
händler darauf gefaßt, daß das Ende darüber herankommen karm. Für unsere Bertreter entsteht dadurch eine peinliche Situation. Unter ihnen sind drei Reichsminister, die große Amtspflichten zu Hanfs haben und nicht wochenlang in Frankreich unnütz die Zeit verstreichen lassen können. Die gegnerische Gesellschaft ist poch immer nicht sich klar und einig geworden über verschiedene kritische Einzelheiten, insbesondere hat die Abreise der Italiener ihre Schwierigkeiten gesteigert. Aber schließlich wird man sich wohl einigen auf unsere Unkosten.
Französisch-italienischer Zusammenstoß bei Fiume.
Ztalieni'che Truppen beabsichtigten von Fiume nach Suffak vorzidringen, welches von amenka- nilchen Bataillonen gehalien wird. Ter französische Kommandant. verständigte die Italiener, daß et jeden Uebeigangsverfuch mit Waffengewalt verhindern werde. Als die Italiener dennoch Vordringen wollten, kam es zu einem Feuergefecht. Tie Jia- hrner mußten sich zurückziehen und ließen 3 Ber- lounüele zurück.
Italienischer Raub denkscher Schisse.
Die Annahme, daß die Meinungsverschiedenheiten Italiens mit den Alliierten in Italien eine freundlichere Stimmung gegenüber Deutschland hervorgerufen hätten, würde ganz irrig sein.
Die italienischen Behörden haben gerade jetzt ein vrisengerichtliches Verfahren über sämtliche noch in Italien liegenden deutschen Schiffe und Ladungen eingeleitet. Dies Verfahren widerspricht sowohl dem Völkerrecht als auch einem besonders hierüber mit Italien vor Abbruch der fctpfonx sichen Beziehungen getroffenen Abkommen. Eingezogen find, soweit in Berlin bekannt, drei Dampfer. Die deutsche Regierung hat durch Vermittlung der Schweizer Negierung und der deutschen Waffenstillstandskommission bei der italienischen Regierung einen sehr entschieden gehaltenen P r 0 t e st erhoben und sich alle Schadenersotzforderungen Vorbehalten. JDas Verhalten der italienischen Regierung ist umso schärfer zu brandmarken, als es in einem Augenblick erfolgt, wo der Vorfriede bevor steht.
Gegen die Wegnahme Tirols.
Die deut ^österreichische Regierung faßte einen Beschluß, der iämtlichen Entente-Negierungen und Wil'on übermittelt werden soll, und in dem gegen Wilson» Absicht, Deutfchtndtiiol an Italien abzutreten, nachdrücklich Ein priich erbosen wird
Der Tiroler Landtag faßte am Samstag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten einen Beschluß, der Pariser Konferenz mitzuteilen, daß Tirol auf dem Wilsonschen Selbstbestimmung-recht verharre und sich zum selbständigen Freistaat ausrufen werde (also sich von Deutsch-Oesterreich lossaget, wenn dadurch Deutsch-Südtirol gerettet werden könne. Wenn aber Südtirol an die Italiener verloren gehe, werde Tirol sich, um (eben? fähig zu bleiben, a n Deutschland anschließen müssen.
Heber öerfaiHeS liegen wieder eine Reihe von ausländischen Nachrichten vor, die ihr Taiein mehr dem Bedürfnis, etwrS zu melden, als einem bestimmten Wissen verdank n. Am meisten geraten und geschrieben wirs noch immer über den Inhalt des Vertrags, der den Deutschen vorgelegt weiden soll.
Neuerdings traten die belgischen Fragen in den Vordergrund. Es verlautet, daß man es den beiden an Belgien angrenzenden rheinländischen Ktetsen Malmedy und Eupen überlassen will, sich für oder gegen den Anschluß an Belgien zu entscheiden, und daß die Alliierten Belgien bei feinen Verhandlungen mit Holland zwecks günstigerer Schiff- fahrtSbedingungen auf Maas und Schelde unterstützen und ihm seine Kriegsanleihen erlassen wollen. Ob Belgi n, da- in der letzten Zeit äußerst verstimmt war, weil seine weit'eichenden Wünschen nicht be- friedigt wurden, und das sich besonders darüber entrüstete, daß ihm erst gleichzeitig mit der übrigen Welt die von den Entente-Großmächten vereinbarten FrieSensdedtngunoen bekannt gegeben wuden sollen, sich mit diesem Entgegenkommen zufrieden geben wird, bieibt einstweilen adzuwaiten. Jedenfalls Witd Teutchland nicht damit einverstanden sein, daß ihm alte und überwiegend deutsche Grenzgebiete streitig gemacht wetden. Mit der Volksabstimmung würde Belgien sich ganz gewiß eine Abfuhr holen» d. b. wenn die Volksabstimmung ohne Einseifung und Zwang vollzogen wird.
In der Kabel frage soll c8 im Dreierrat zu ernsten Unstimmigkeiten gekommen fein. Man finit darüber, ob die deutschen Unterseekabel an Deutschland zurückgegeben oder als Entschädigung an die Alliierten verteilt werden sollten. Man soll sich dabin geeinigt haben, daß die Kabel im Werts von 100 Millionen Mk. an England übergehen. Durch die Aneignung der deutschen Kabel wird die englische Kontrolle nahezu lückenlos. Sie sichert Englands Vorrechte im politischen, militärischen und wirtschaftlichen Informationsdienst.
Hebet den Norvostsee-Kanal verlautet, daß Deutschland im Besitz des Kanals bleiben soll, aber die Durchfahrt unter internationaler Kontrolle belassen werden.
Wie der Fiume-Streit auslaufen wird, ist noch nicht zu erkennen. Man vernut et, daß die italienische Regierung zu Zugeständmsfen bereit ist, und daß die Italiener Ende bitfer Woche nach Paris zurückkehren. Die Pariser Friedenskonferenz hat beschlossen, einen freundschaftlichen Schritt bei dcr italienischen Regierung zu unternehmen, um sie zu bestimmen, wieder ihre Vertreter jm den Pariser Verhandlungen zu schicken. Man sucht ein Kompromiß zustande zu bringen.
Die Oesterreich er sind nunmehr ebenfalls zur FriedenSkonserenz eingeladen, und zwar zum 12. Mai nach St. Wermain en Laye. ES gehört keine besondere Bosheit dazu, zu vermuten, daß die nahe Berufung der Oesterreicher dazu bestimmt ist, einen Druck auf Italien auszuüdeu, wie Wifton auch die Berufung der Deutschen auf den 25. April festgesetzt haste, um den Abschluß der Konferenzarbeiten zu beschleunigen.
Die Verzögerung der Uebrrgabe.
Die deutsche Abordnung, die vor 14 Taxen so eisig zum 25. April nach Versailles vorgeiaden wurde, Hot dort reichlich Zeil, sich von den Strapazen der Reffe zu erholen. Die Prüfung der Vollmachten wird sehr umständtich betrieben; die Vorlegung der Fr'"d"n:bc- dingungen verschiebt sich um einen Tag nach dem an« tzttsrt» DaterdinM mache, M -rutsche« 1L40?
Deutsches Keich.
" wffi Berlin, 3. Mai. Zu der Melduny, daß be* frühere Kaiser bei der Reihsregierung bte Erlaubnis nachacsucht habe, nach Deutsch! nd auf fern Gut Kabinen zuruck>ukehren, erklärt die ReichSregterung, daß ihr von einem betätigen Anträge nichts bekannt i|t.
♦ Ter Wiederzusammcntritt der Nationalversammlung. Tie Nationalversammlung joll nach einer Meldung des „Berl. Tagebl." nun doch in Berlin vo> aussichtlich am Donnerstag zu ainnien- ireten. Als Tagungeoit in die alte Bibliothek neben dem Palats Kai er Wilhelms I. auseisehcn. Es soll sich nur um einige wenige Vollsitzungen handeln, in denen nur die Ftiedcnsfragen erledigt wet> den. Tann soll die Nationalversammlung nach e wa 14 Tagen bis drei Wochen wieder nach Wet- mar znrückkehren. Dte Ausschüsse sollen tu der Zivi chenzeit in Berlin ihre Arbeiten erleoigen. ~
□ Die Änderung des Ientrumsparleilages. Zuber Forderung des Augustinusvereins nach alrba.dtger Einberufung eines Zentrumsparteitages wird uns aus Berlin geschrieben: Der gegenwärtige äußere Ausbau der Zentrumspartei ist etwas veraltet und will einer politischen Dolkspartei von heute nicht mehr recht zu Gesicht stehen. Eine Neuorganisation tut not, sie darf nicht mehr hinausgeschoben werden. Darüber sollte keine Meinungsverschiedenheit bestehen. Doch nur einem allgemeinen aus dem ganzen Reiche beschickten Parteitag stebt die Beschlußfassung über d-e Frage der Neuorganisation zu. Die schlechten «erkehrsverhält- nisse können kein ausschlaggebende« Moment für eine etwaige Hinausschiebung bis zum Herbst oder gar auf einen noch späteren Termin sein. Die Entschließung des Augusltimsvereinr ist daher, zumal sie gleich eine «Reibe beachtlicher Anregungen gibt, durchaus zu begrüßen. Es isl selbstverständlich, daß die gegenwärtig leitenden Partesirstanzen dem Wunsch nach Zusammentritt des Parteitages ihre Förderung angedeihen lassen. Er wird auf das Leben und Wirken in der Partei nur anregend und befruchtend wirken und es gibt kein Mittel, um die ganze Partei m einer g-fcklossenen Front zusammen zu führen und sie mit dem Geiste zu beseelen, der in den kommenden Jahren des Kampfes in ihr lebendig fein muß, trenn sie bleiben soll, was sie bisher war: das politische Sammellager für alle.positiv schaffenden christlichen Kräfte in unserem Daierlande.
(*) Dir katholischen Fachabteilnnzen der Arbeitervereine Beiliner Richtung haben sich «uf.ielB't. Damit ist ein Hindernis für eine einheitliche katholische, Arbeiterbewegung in Wegfall gekommen. In den christlichen Gewerk chaften finden die ehemaligen Mitglieder der FachMeuunaen den iaaea dm Platz. ™ £----'D
Ale veutsche Gesandtschaft am Vatikan.
Es wird gemeldet, daß ein Vertreter des beut« Men Reiches beim Heiligen Stuhl ernannt werden soll.
Tiefe Rückkehr zu dem alten Stand der diplo- »atiicken Beziehungen wäre mit Freuden zu begrüßen • $i8 zu Anfang der siebziger Arhre war das Deutsche Exjch durch einen B 0 tschafter am Vatikan venre- „ Ter BiSmarck-Falk'sche Kulturkampf brachte auch taif bleiern Gebiete das gedeihliche Verhältnis zwischen Ltaar und flirdje in Verwirrung. Als danrals die Neubesetzung dieses BotschaftcrposienS in Frage kam, «aite Fürst BiSmarck den sonderbaren Dchachzug, den Kardinal Hohenlohe, den Bruder des spä.eren KeichkkanzlerS Chlodwig Hohenlohe, als Botschafter deS Deutschen Reiches vorzuschlagen. Dieser Kardinal stand Iffet dem Stufe einer sog. staatskatholischen Gesiiruung, »i, ju der Auffassung und Haltung des Hl. Stuhles, der deutschen Bischöfe und Geistlichen sowie des katho- Aschen Volkes einen scharfen Gegensatz bildet. Fürst Gismarck hätte, ehe er einen so ungewöhnlichen Vor- zchiaa machte, zuerst unter der Hand anfragen müssen, es dem Papste recht sei, kenn ein Mitglied des Hl. Kollegiums eine solche staatliche Funktion übernähme, •iber weder BiSmarck noch der kardinal hatte diese Vorfrage gestellt. Antonelli, der Staatssekretär Pius des Neunten, ließ sich auf eire Prüfung der Person- f i ch c n Geeignetheit des Kandidaten nicht ein, sondern Mtivoriete mit der grundsätzlichen Erklärung, daß der Hl. Vater cinim Mitglied seines Kardinal- MegiumS nicht die Erlaubnis zur Annahme einer solchen Postens geben könne. Das wurde von Bismarck Hsib feinen Kulturkampfgenosten als Unfreundlichkeit M hl. Stuhles ausgelegt, während es doch selbstver» SSüdlich war, daß dieser brüske Eingriff in den Fa» liiienfrieben des Vatikans keinen Erfolg haben konnte. F ffet deutsche Botschafterposten beim Heiligen Stuhle Llieb nun in den Kampf jähren unbesetzt und wurde im Äat gestrichen. Als der kirchenpolitische AuSg'eich in Mong kam, lenkte Bismarck ein. Aber nur 6a.b. Er schickte keinen deutschen Botschafter, sondern einen preußischen Gesandten. So war das deut, fcke Reich als solches nicht beim Hl. Stuhl vertreten, aber zwei Gliedstaaten, Preußen und Bayern, durch Gesandte. Tatsächlich fielen die Funktionen des früheren ReichSbotschasters dem preußischen Gesandten zu; -S blieb ihm aber der gebührende gleiche Rang mit den anderen Botschaftern versagt.
Man hätte schon längst die richtige Ordnung Herstellen sollen, indem wieher ein Botschafter beim Hl. Stuhl ernannt und diesem Reichsvertretcr zugleich die Erledigung der kirchenpolitischen Angelegenheiten Preu- ßens überlassen würde. Wenn das bisher Versäumte jetzt nachgeholt wirb, dann darf das auf allgemeine Befriedigung rechnen, abgesehen von zwei extremen Gruppen. Einerseits werden wohl die Erben der alten Kulturkämpfer, die Anhänger des Evangelischen Bundes und sonstige konfessionelle Fanatiker die Auf- beflerung der Beziehungen zum Oberhaupt der katholischen Kirche schelten und bekämpfen, und andererseits werben die radikalen Vorkämpfer der T r e atm n g von Kirche und Staat von links her Widerspruch erheben.
Den früheren Einwand, daß das Deutsche Reich üls solches überhaupt keine Kirchenpolitik treibe, kann trän jetzt nicht mehr geltend machen. In der neuen Reichsverfassung werden kirchen- und schulpolitische Grundsätze und Richtlinien ausgestellt, deren Wirksamkeit einen fortlaufenden Meimingsuastausch zwischen den Spitzen der beiden Gewalten bedingt. Ueberhaupt Regt es ja In der Natur der Dinge, daß auch das Reich auf kulturpolitischem Gebiete sich betätigt und dabei auf das Zusammenwirken mit der Kirche angewiesen ist.
Da sOberhaupk der katholischen Weltkirche ist auch «och der Beschränkung auf den Vatikan eine Großmacht Md muß als solche auch in diplomatischer Hinsicht behandelt werden. Das haben nach und nach auch solche Staaten eingesehen, die sich bisher im Vatikan nicht vertreten ließen. Das Deutsche Reich hat in dieser Hinsicht noch einen besonderen Antrieb. Denn alle Deutschen ohne Unterschied des Bekenntnisses sind dem Heil. Vater Dank und Verehrung schuldig für die m u st e rh a s t e Neutralität, die er im Kriege kotz aller Verlockungen von der Gegenseite bewahrt Hot. und für die großen Liebesdienste, die er den hilfsbedürftigen Deutschen durch seine stets wachsam und geschickt eingreifende väterliche Vermittlung erwiesen hat.
Unter den veränderten politischen Verhältnissen ist « wohl nicht mehr wesentlich, ob der neue Vertreter des Reiches beim hl. Stuhl den Titel Botschafter ober Sefonbter führt. Es muß und wird doch ein diplomatischer Posten ersten Ranges fein, da die Weitste!- Wng des Papsttums in diesen Schicksalsjahren nicht ■«fünfen ist, sondern sichtlich sich gehoben hat.
Die richtige Ergänzung würde nun eine päpstsiche FltinHatur In Berlin fein. Darüber kann ja ,n°ch gesprochen und beschlossen werden, wenn der .erste Schritt von Seiten des Reiches geschehen ist. j D Berlin, 4. Mai. In diplomatischen Kreisen >Vll als wahrscheinlich, daß der bisherioe Dirigent der 'politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, v. Der- <««. zum Gesandten beim Vatikan ernannt wirb.
den auf Anordnung der Regierung verhaftet, weil sie für die Räteregirrung und gegen die Regikrungsirup. pen agitiert haben. Die beiden waren als die schlimmsten Lauernverhetzer bekannt. ...... > '
Der angebliche polnische Großangriff.
Tie Note, die der Dorsitze-r.de der «SaffenftinftanMti tommifiion im Auftrage der Regierung M^chaT Fock wegen der Vorbereitungen Polens zu » » ■ griff auf Deutschland gerichtet harte hat französischen Miutärmisiwn Berlin, General D upont, zu einem Schreiben an den vttnn.er E £8 ger vera-üaßt, in toel^m et die Öfchen B^urch», tungen als durchaus grundlos etl.ärt «« e.artt, der polnischen Truppen an der Grenze PosenS haoe sich, nicht geändert. Tie Gerüchte von einem AemarM polnischer Truppen seien dadurch entiranden, daß d-e Truppen der Armee Haller von Lodz aus nach Osten, in Marsch gesetzt feien; eS fei aber kein einziger Erup- penkörper auf Cer Fahrt "nsgeladen wori .
6 e r a e r hat in seiner Antwort feine GenagtuunK über die Aufklärungen. des Schreibens ausgesprochen, Tie Symptome für Angriffsabsichien der Pown sewn, so führte er aus, sehr ernsihaft gewesen, die Erregung der deutschen Bevölkerung fei infolgedessen groß unk macke eine Klärung der Situation unbedingt erforderlich. __________EM___________
250 Kohlenschächte ersoffen.
In Rbeinlanb und Westfalen sind 230 Kohle»- schächte ersofseu. Der Reichskohlenkommisiar hat ange- ordnet, daß alle geförderten Kohlen ?.ur. Jnbetrieb- nähme der Pumpen an die Zechen zu liefern sind, welch» unter Wasser stehen. Es besteht daher zunächst keine Aussicht, daß die K 0 h l e n k n a p p h e 11 suj- hört. _____________ _ __________
* Tie erste Sitzung deS Völkerbundes foll «ach amerikanischen Blättern unter dem Vorsitz vo« Wilson im Herbst im Weißen Haufe in Washtng- ton ftati findm. _ . ....
* Anläßlich be8 polnischen Rat onslfeiertage» (3. Mai) waren 40 v. H. der oderschlefifchen Grubrv in den Streik getreten.
* Eine «bo-dnung von französischen Kaufleute» traf in Wien ein, um die Wiederaufnahme der Han delsbeziehungen zwischen Frankreich und Deus^- Oefferreich vorzubereiten.
♦ Tie Einführung von neuen schwarzen Liste» in der Schweiz ist von Frankreich geplant. Tte Schweizerischen Blatter weifen ein derartiges Ansinnen als Eingriff in die schweizerische Unabhängigkeit entschieden zurück. _ , _ K
♦ Bei den Pariser Krawallen am 1. Mat «nd nach den jetzt vo> liegenden Meldungen 430 i'o <> ijften verwundet worden. Die Opfer der Gegen eite werden vom Polizeibeiickt üerRbWiegen» Die sozialistische Presse tührt eine lehr scharfe Sprache. ,yout. nal du Penple« sagt: „Neue Zeiten beginnen. Cle- m ncean muß zurückireien. Auch bie ,s)uman_te richtet einen ungemein scharfen Angriff gegen Ele- menceait, fern sie vorwirst, et habe durch einen Sieg über d>e Arbeiter das Vertrauen wieder Herstellen wollen, das er durch seine Veipfuschung der Friedenslonferenz verloren habe. ,
* Deutsche Käufe in Argentinien. Bei der deut- scheu Finanz-llommi sion in Versailles ist die A-el- bu-nr einielaufcn, daß Deutschland in Argentinien 135,000 Tonnen Weizen uni) 20,000 Tonnen Leinsaat gekauft bat. Die Emeitte winde h ervon veiständigt und schickt 250,000 Tonnen Schiffsraum nach La Plata, sodaß noch für weitere 100,000 Tonnen argentinischer Einkäufe Schiffsraum gesichelt ist.
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