Einzelbild herunterladen
 

leibung Danzigsin Polen erklärte und die Rückgabe B. in Dorchester, die gute Behandlung der deutschen Kolonien an Deutschland forderte. 1° kommen doch seit dem 11 «ovem»« aus anderem Bezüglich des S a arge b i e t s verwarf die Konfe- ftlgteirn Darstellung der Einzelheiten

rcnz nicht nur die politische Annexion, sondern auch die. ä6er entsetzliche Zustände in englischen..

I Für Völkerbund und Wilsonfricden.

E-ine internationale sozialistische I Konsereiiz war in diesen Tagen in Amsterdam I versammelt. Ihre Entschließungen sind in mancher Be- I zichung bedeutungsvoll. Den Borsitz führte der I Schwede Branting, der sich im Kriege als Ententcsreund I hervorgetan hat. Vertreten waren auch Frankreich, I England und Deutschland. Unter den deutschen Unab- I hängigen waren Haase und Frau Kautsky anwesend I die Mehrheitssozialisten Wels und Hermann Müller I trafen, da das Telegramm mit der Einreiseerlaubnis I sich irgendwo verirrt hatte, erst am Schlußtage ein.

3m Vordergrund standen natürlich die Friedens- I fragen und der Völkerbund. Die Konferenz trat für I die Unabhängigkeit Livlands, Esthlands und Georgiens I ein und forderte, daß den Deutschs st erreichcrn I das Recht gewährt werde, sich an Deutschland anzu­

wirtschaftliche. Es sei notwendig, daß Deutschland den Schaden vergüte und die Kohlenproduktion des Saar­gebiets für diese Schadenvergütung bestimmt werde, aber das dürfe nicht zur Erwerbung dauernder Rechte durch fremde Mächte in Deutschland benutzt werden. Einige Delegierte sollen sich nach Paris begeben, um mit Wilson zu verhandeln.

Der Adria-Korrflttt.

Paris, 30. April. Die Erklärung, die Wilson über die Fiume-Frage schon am 14. April Orlando über­geben hat. wird jetzt veröffentlicht. Wilson anerkannte darin das Recht Italiens auf die strategische Brenner­grenze, d. h. auf Einverleibung des deutschen Süd- Tirol in Italien und nahm in Aussicht, daß Fiume innerhalb der südslawischen Zollhoheit ein in- ternationaler Hafen werden solle.

Lugano, 1. Mai. Die Diplomatie in Rom arbeitet fieberhaft, um den Adria-Streit zu lösen und der italienischen Delegation die Rückkehr nach Paris zu ermöglichen. Es finden andauernd Konferenzen statt. Die ttalienische Regierung hat, um den Konflikt nicht zu verschärfen, alle weiteren Demonstrationen verboten. DerCorriere della Sera" gibt in einem Leitartikel der Bitterkeit Ausdruck, die Italien darüber empfinde, daß es nach allen von Hm gebrachten Opfern gleich einem bösen Buben von der Schlußfeier des Weltkrie­ges in Versailles ausgeschlossen sei, während sogar die kleineren Republiken, die sich in zwölfter Stunde aus Berechnung der Entente angeschlossen hätten, da­bei vertreten seien.

Vertrauensvotum für die italienische Regierung.

wtb Rom, 30. April. In der gestrigen Sitzung der italienischen Kammer verteidigte Orlando seine Haltung auf der Pariser Friedenskonferenz in der be- kannten Differenz zwischen Italien und Amerika. Er hatte den Mut zu behaupten, Italien habe keine Er­oberungsabsicht. Ein solcher Vorwurf sei eine Belei­digung für Italien; es wolle nicht» anderes als einen .gerechten Frieden». Bemerkenswert ist sein Gestand- niS, daß die Meinungsverschiedenheiten mit den Ver­bündeten tief genug seien, und die feierliche Verwahrung, daß die Entente ohne Italien keinen Sonderfrieden abschlietzen könne. Schlietzlicb wurde eine TageSord- nung, die der Regierung das Vertrauen ausspricht, mit 382 gegen 40 Stimmen angenommen. I« Senat wurde der Regierung ebenfalls eine Vertrauenskund­gebung erteilt. Vorher hatte Titoni den Verbündeten vorgeworfen, alle ihre EroberungSbegieroen befriedigt zu haben, um nun Italien Mäßigkeit zu predigen.

>7- I Verantwortlich für den redaktionellen Teil; Karl Schütte.

,rllU | für die Anzeigen: I. P arzell er, Fulda. Rotationsdruck.

chen Meinung entzogen sind.

Die Rückgabe

der deutschen Gefangenen vefchlossen.

wtb Paris, 30. April. (HavaS.) Clemenceau, Lloht» George und Wilson hielten Dienstag eine Sitzung ab, in der die Frage der deutschen Gefangenen bespräche« wurde. Die damit beschäftigte Kommission hat die Heimbeförderung der 600700000 Gefangene« beschlossen, da der Wiederaufbau durch gelernte Arbeite« vor sich gehen müsse. Auch der .Temps» erfährt, e# sei grundsätzlich beschlossen worden, daß die nach de» Waffenstillstand in Frankreich zurückgehaltenen Kriegs» gefangenen durch den Borfriedensvertrag zurückge- geben werden. Deutschland verpflichte sich dagegen eine gewisse Anzahl Handwerker und gelernt« Arbeiter nach Frankreich zu schicken, um bU Wiederi-'^ellung der verwüsteten Gebiete zu sörder«

über entsetzliche Zustände in englischen», französischen und belgischen Gefanganenlazern, wo un-> fere unglücklichen Landsleute nicht nur in menschenun- würdiger Weise untergebracht sind, sondern auch titel«< fach von der Wachmannschaft auf da» brutalste mrz», handelt werden. DaS Schreiben schließt: In Deutschland erwartet man v»n bem Borfrieden die De-j fteiung djer gefangenen sDeutschen; darüber hin aus f habe ich die große Hoffnung, daß Sie inzwischen Mrt-^ tel und Wege finden werden, um der schlimmsten scot. und der Menschenonälerei Einhalt jw tun. Es würde für Millionen deutscher Familien eine; Beruhigung fein, wenn die englischen Organisationen; werktätiger Menschenliebe, die sich während des firie«. ges unserer Gefangenen wirksam angenommen^ haben,! und ihre Schwesterorganisationen in Frankreich unü Belgien den sofortigen Zutritt zu allen Gefangenen, lagern erhielten, auch zu jenen Leidensstätten i« zer­störten Gebiet, die offenbar der Kontrolle der öffentli-i

Zur Auflösung der Obersten Heeresleitung.

Hindenburg und Ebert.

wtb Berlin, 1. Mai. Anläßlich der bevorstehenden Friedensverbandlungen richtete Generalfeldmarschall v. Hindenburg an Reichspräsident Ebert folgendes Schreiben:

.Herr Präsident! Der Beginn der FriedenSverhand. lungen veranlaßt mich, schon jetzt der Reichsregierung folgende» zur Kenntnis zu bringen: Ich blreb im Wechsel der Zeiten an der Spitze der Obersten Heeresleitung, wert ich meine Pflicht darin sah, dem «aterlande in seiner höchsten Rot weiter ,u dienen. Mei* Wunsch, tnidj ins Privatleben zurückzuzishen, wird der meinem hohen Alter allgemein verstanden werden, nm fo mehr, als es ja bekannt ist, wie schwer es mir meinen Anschauungen, meiner ganzen Persönlichkeit und Ver- ganzenheit nach wurde, in der jetzigen Zeit mein Amt weiter auSzuüben. Hindenburg.»

Reichspräsident Ebert antwortete hierauf:

»Herr Generalfeldmarschall! Bon Ihrem Entschluß, nach der Unterzeichnung des Vorfriedens von ihrer Stellung an der Spitze der Obersten Heeresleitung zuruckzutreten, um sich in das Privatleben zurückzu­ziehen, nahm ich Kenntnis. Indem ich mein Eiuver- tändniS hiermit erkläre, benutze ich diese Gelegenheit, um Ihnen für Ihre dem Vaterlande während des Krieges und in der jetzigen Zeit unter großer Aufopfe­rung geleisteten Dienste den un auslösch l ich en Dank deS deutschen Volkes auszusprechen. Daß sie auch in den Zeiten schwerer Not auf Ihrem Posten ausge­harrt haben und dem Vaterlande Ihre Persönlichkeit zur Verfügung stellten, wird Ihnen daS deutsche Volk niemals vergessen. Ebert."

lichen Völker bevorzugt und Deutschland vorläufig noch nicht aufnehmen will. Noch wichtiger fast ist eine zweite Entschließung, die zugleich mit dieser Völker­bundsresolution angenommen worden ist. Die Konfe­renz erklärt, daß die Arbeiterschaft von 26 Nationen mit aller Kraft für einen Frieden kämpfen werde, der nicht im Widers pruch mit den 14 Punk­te n W i l s o n s steh t", und daß ein solcher Friede die einzige Grundlage für ein dauerndes Einvernehmen zwischen den friedliebenden Demokratien sei. Da dir Befürchtung begründet ist, daß in Versailles ein anderer Friede erzwungen werden solle, werden der Vollzugs­ausschuß und der Aktionsausschuß bis zur Unterzeich­nung der Friedensprällminarien versammelt bleiben. Diese Delegierten sollen eine Unterredung mit den lei­tenden Männern der Ententeregierungen nachsuchen und ihnen erklären, daß die Arbeiterschaft der ganzen Wett einen gerechten und dauerhaften Frieden wolle, und daß man ihnenbie Verant­wortung für alle aus einer etwaigen Weigerung sich ergebenden Folgen überlassen" müsse. Diese Willens­kundgebung des Kongresses wird wahrscheinlich die starren Racheideen Clemenceaus nicht wandeln, aber es wird in den Ententeländern doch vielleicht Leute geben, die weniger blind gegen die Bedeutung des Vorganges sind. Don den weiteren Beschlüssen ist noch bemerkenswert« drch her Kongreß Kck gegen äje Einvxr-

Für unsere Kriegsgefangenen.

-i E'n Brief des Prinzen Max von Boden.

wtb Karlsruhe, 30. April Prinz Max von Baden wendet sich in nachfolgendem Schreiben an den Vor­sitzenden des britischen Roten Kreuzes:

Durch Vermittelung des Internat wnaftn Komitees des Roten Kreuzes in Genf traten Sie im November 1918 an mich heran, ich sollte mich der englischen Zitiilistvn und Soldaten in deutscher Kriegsgefangen- ichmt mmehmen. Inzwischen sind alle Ihre Lands- kyte in ihre Heimat gurückgekehrt, aber noch befinden sich über eine Million Deutscher in englischer, französischer und belgischer Gefangenschaft, »chur hatten sich den Tag der Freiheit nahe geglaubt, als der Waffenstillstand bevorstand; wohl niemand un- ter ihnen hatte damit gerechnet, daß die menschliche und gerechte P.lftik des Austausches, die sich während

-e®e5 ßeeen große militärische Widerstände durch- letzt«, tn dem Augenblick zusammenbrechen würde, da der Krieg der Soldaten aufhörte. So wäre das $e$ k .gefangenen Deutschen hart, selbst bei guter Be- canoiung. EZ sich aber herausgestellt. daß, seit- d«n Deutschland über keine Machtmittel verfügt. Ver- selttmz zu üben, die Zustände in französischen into belgischem Gefangenenlagern sich verschlechtere fr. *9 teils unerträglich wurden. Wenn- Sketch m einer .Anzahl englischer Gefaugenenlaüer^

Die Folgen des Streiks iw Ruhrgebiet.

Essen, 80. April. Der sitzt bende'te Bergarbeiterstreik ist der größte Ausstand gewesen, den der Ruhrkohlen« berabau je erlebt hat. Gar nicht zu vergleichen mit früheren Ausständen ist dieser Streik in bezug auf bie Höhe des angerichteten Schadens. Die Bergarbeiter, die zum Teil annähernd vier Wochen «uSständisch waren, werden in erster Linie unter den Lohnautfäkleu schwer zu leiden haben. Die Gesamtzahl der auSge» | fallenen Schichten beläuft sich auf 5 159 000. Unter Zugrundelegung eines geschätzten SchichtverüiensteS von 14,25 Mark im Monat April ergibt sich nach den vor­läufigen Feststellungen des Bergbauvereins ein Lohn- ausfall von insgesamt 737« Millionen Mark, während der große Ausstand im Jahre 1905 einen LohmmSfall von rund 19 Millionen und der streit von 1912 einen solchen von 7,8 Millionen im Gefolge hatte. Seit We­st nin der Revolution ist den Bergarbeitern infolge ber fast ununterbrochenen Streikbewegung ein Lohnan S- fall von rund 101 Millionen Mark entstanden- Die Verluste der Werke auch nur annährend feftwe« bellen, ist unmöglich. Jedenfalls sind die Verluste durch das Zubruchgehen vieler Grubenbaue daS Er- saufen tiefgelegener Sohlen und durch die Stillegung an den Tagesanlagen, wie Koksöfen, Gaswerken unb' chemischen Betrieben so groß, daß die Er istenzfähia« kett vieler Zechen ernstlich bedroht ift. »ega kommt der AusM an nicht geförderter Kohle, der neben ben Werken auch der Allgemeinheit große Verluste zu- ^^k>t Hot. Die Minderbefoiderung belief sich im Monat «pnl auf etwa 3 350 000 Tonnen. Diese Stenge stellt bei einem Durchschnittswert von 42 Mark für die tonne einen Betrag von 140,7 Millionen Mart bar, uin den uni ere Volkswirtschaft nutzlos geschädigt worden ist. Die Veiluste an Löhnen und Förderungen find aber dte umve,entließen. Die schlimmsten Ber- lune, die durch den Streit entstanden find, lassen sich zay.eninaßig gar nicht erfassen. Es sei nur hingewie» sen auf die Mindereinnahme der Eisenbahn durch ent­gangene Tarifgebühren, die Stillegung zahlreicher tn» dustri^ller Werke und Fabriken wegen Kohlenmangels, me dadurch hervorgerufene Erhöhung der Arbeitslosen» Unterstützung, die Entwertung unserer Zahlungsmittel

Der Kampf um München.

Bamberg, 1. Mai. Das Borgehen gegen bie» I spartakistischen Machthaber in Südbatzern hat bereits große Erfolge gezeitigt. Sämtliche von den Spxrta- kisten bisher besetzt gehaltenen Ortschaften int bähe» rischen Hochland, darunter auch daS stark zur Ver­teidigung hergerichtete Rosenheim, sind in den Häm- den derRegierungstruPpen. Zu heftigen Kämpfen warj eS in Dachau gekommen. München ist eng um­schlossen, der O st bahn Hof der Stadt ift bereit t gefallen. Die eigenen Verluste sind außerordent^ lich gering. Das Verzweifelte der Lage hat den! Aktionsausschuß in München bewogen, in mehreren! Funkjprüchen an die Bamberger Regierung die Bitt« zu richten, den Angriff auf die Stadt einzustellen,i damit nicht unnötiges Blut fließe. Die Regierung^ ließ sich jedoch auf keine weiteren Verband­ln n g e n ein und fordert bebinguxgsloseUnter- werfung.

(§) Berlin, 1.Mai. Um München spielten sich' . Kämpfe mit ungeheurer Erbitterung ab. I« den Vororten wurde Straße auf Straße von dem vereinigten bayerischen, preußischen und tourttem« bergischen Truppen mit der in den Leuten steckende« berechtigten Wut und Erbitterung gesäubert. Heutet abend wurde hauptsächlich in den Vororten Thal- ktrchen, Münzenberg und Schwabing gekämpft.

Einmarsch in München.

Stuttgart, 1. Mai. Bei der StaatSregierung ist folgender Funkspruch aus München eingegangen: Heute abend ist als erste Regierungstruppe die Volks» Wehrkompagnie Regensburg unter Führung von Leutnant Sägmüller unter Kampf in München" ein gerückt. Tie Residenz ist besetzt.

wtb Wien, 1. Mai. In Kufstein ging vom österreichischen Handels - Museum ix München tele­phonisch folgende Meldung eix:Heule vormittag marschierten die Truppen der Regierung Hoffmann ix München unter heftigen Kämpfen ein. Die Siratzeukämpfe dauern noch an. ES ist aber anzunehmen, daß sie bis abends beendet sein werden. > Die bewaffneten Arbeiter legten die Waffen und die roten Armbinden ab. Die Truppen sind unter un­beschreiblichem Jubel eingezogen.

Die Maifeier

ßheint nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen in Deutschland überall ruhig unb ohne Störung verlaufen ti: fein.

Der 1. Mai war bisher ber Feiertag bes Soziasis- Inus. Sn den vergangenen Jahrzehnten hat bie Sozial- tanofratie immer wieber die heftigsten Anklagen gegen die katholische Kirche erhoben, baß sie burch ihre Feier­tage bem Arbeite: ben unbedingt notwendigen Lohn oorenthalte. Die Kirche kümmere sich nicht um bie Be- türfnine bes werktätigen Volkes, das Tag unb Nacht unaufhörlich schaffen müsse unb schaffen wolle. Ins­besondere ber Sozialismus könne sich mit biefen Feier­tagen nicht befreunden, wett ja der Sozialismus das Evangelium der Arbeit fei.

Das Evangelium der Arbeit hat bie Sozialdemo- frafie ober nicht abgehalten, selbst einen sozialistischen Feiertag zu schaffen. Der 1. Mai sollte bie Macht der Sozialdemokratie zeigen, unb darum sollten an diesem Tagealle Ri ?t stillstehen". So war es in ben ver- gMgenen Jahrzehnten. Nach ber Revolution hat man jetzt ben Feiertag umzubeuten versucht. Er soll nach dem 'Verlegenheitsbefchluß der Nationalversammlung ,eine Kundgebung sein für den Weltfrieden, den Völker- tanb und den internationalen Arbeiterschutz. Im Bewußtsein des Volkes ist er aber ber Parteifeiertag der Sozialdemokratie geblieben, wenn er auch von je­dermanngesetzlich gefeiert" werden mußte.

, Nicht die wenigsten werben in der Stimmung ge- wesen sein, ben Tag eher als Bußtag, benn als »Feiertag zu begehen. In der Reichshauptstadt ist er Nach dem wtb-Bericht über die Feier des 1. Mai zu urtei­len, auch äußerlich fast als solcher begangen worden. Unb das hatten die Straßenbahner, Kellner, Musiker ufw. verschuldet. Die Straßenbahn-, Omnibus-, Hoch- und Untergrunbbatinfinien hatten, weit ihre Angestellten unb Arbeiter auch feiern wollten, ihren Betrieb einge- stellt. Die Regierung hatte die Arbeiter ber Verkehrs- anfioöen vorher beschworen, ihren Dienst doch wie sonst cn Feiertagen auszuführen, weil sonst ber Bürgerschaft der Genuß des freien Tages unmöglich gemacht werde. Es war vergeblich gewesen. Auch die Theater und Kinos spielten nicht infolge der Arbeitsruhe ihrer An- geftMen und die großen Gastwirtschaften hatten kein Bedienungspersonal, sodaß viele Tausende von Berli­nern am Tage berMaifeier" um ihre Verpflegung qe- fommen sind.

Unsere Friedensabordnurrg.

Graf Drockdorff-Rantzau faib jrt« Mttgsieder ber deutschen Delegation 10 Uhr Je wurden gestern abend gegen

ttefic« £ Eintreffen auf dem Bahnhof Vau- menf "(T^,-?rafe?cn Saine- et Oise-Departe- «450161111 empfangen.

mitteilt, ist ber Tag, an bem

Grafen n>r «edensbedingungen dem vicht befHm^°t^9la-n^au überreicht werben soll, noch Ntäitte Zunächst nimmt eine btfonbere diplo- 6c«s bL «Ä unter dem Vorsitz Jules Carn- farhöndler8 der Vollmochten der deutschen Un« ^sbEbinaunn»« ?"terbessen hat der Druck der Frie- Men ein0»9*1 begonnen. Die Friedensbedingungen

350 Seiten dar. Man falb unb Äm Vorarbeiten bis Montag ertebigt gen am m> ?et Stiebensbebingun-

terpShS ° " L?9 uachmitag durch den Mini- . ^fiaitoenten Clemenceau erfolgen kann.

Die deutsche« Kolonie«.

30. April. Die französische offiziöse hält meldet: Der Vorfriedensvertrag ent« k bwNchilich der Frage einer etwaigen V'886c der dÄLen Kotieren. Die erste Klausel ent-

hält den reinen unb glatten Verzicht Deutsch­lands auf alle Rechte und Titel aus seinen überseei­schen Besitzungen zu Gunsten ber Vereinigten Staaten, Frankreichs, Italiens u. Japans. Eine weitere Klause! sieht vor, daß jene Regierungen, welche bie Herrschaft über bie einzelnen früheren deutschen Gebiete überneh­men werden, alle ihr notwendig erscheinenden Maß­nahmen treffen können, um entweder die deutschen Staatsangehörigen Heimzusenden ober um den deutschen Prioatbesitz zu liquidieren. Es geht aus diesem Text hervor, daß die endgütlige Gebietszuteilung im Dor­frieden noch nicht geregelt wird. Bis zur Einführung des endgültigen Regimes könnten die Mächte, die ge­genwärtig die deutschen Kolonien im Besitz haben, nichtsdestoweniger sofort die nötigen Maßnahmen tref­fen, um diese Kolonien von ollen Spuren des deutschen Einflusses ssu befreien. (Deutschland yürd diesen Er­oberungspolitikern nicht ben Gefallen tun, bie Grund­lage der 14 Punkte Wilsons zu verlassen.)

Kiautschau für Japan.

wtb Paris, 30. April. (Reuter). Der Rat der Drei beschloß, daß im Friedensvertrag Kiautschau Japan zugesprochen werben soll. Japan wirb vor­aussichtlich Kiautschau an China zurückgeben. Es wirb ber chinesischen unb japanischen Regierung über» lassen, sich über die Einzelheiten zu verständigen.

Die Polengefahr.

Seit dem Durchtransport polnischer Truppen durch Deutschland sind bedeutende polnische $erftäi| kungen gegen die oberschlesische Grenze und gegen Posen festaestellt worden. Beunruhigend wirken auch sehr bedrohlich klingende Aeußerungen deS polnischen Generals Haller über die Ansprüche Polens auf Danzig. Reichsminister Erzberger hat nunmehr dem Vorsitzenden der deutschen Kommission in Spaa, General v. Hammer st ein, telegraphisch mitgeteilt: Ich ersuche Sie, folgende Note dem Marschall Fach zu überreichen:

Der deutsch«! Negierung find zuverlässige Meldun­gen darüber zugegangen, daß die poln. Armee beab­sichtige, einen militärischen Vorstoß mit größe­ren Truppenmengen gegen Vosen und Ober sch lesien zu unternehmen. Die Zusammen- ziehung polnischer Truppen an der deutschen Grenze bekräftigt die Richtigkeit dieser Meldungen. Angesichts des Umstandes, daß die alliierten Machte gegenüber Deutschland die bindende Verpflichtung über- nommen haben, daß die Polen keinerlei krie­gerischen Handlungen gegen Deutschland unternehmen werden, halte ich mich verpflichtet, dem Oberkommandierenden der alliierten Armee, Fach, hier, von in Kenntnis zu setzen. Der deutschen Regierung ist es unmöglich, irgendeine Garantie dafür zu über­nehmen, daß der Waffenstillstand aufrecht erhalten wird, wenn die polnische Armee zu einem Angriffe ge­gen deutsches Gebiet übergehen sollte. Die deutsche Re­gierung könnte nach einem solchen Angriff selbstver- stündlich auch nicht mehr einen weiteren DurchtranS- Port von Truppen der Armee Haller zulassen.

Auch der französische General Dupont in Berlin ist von dem Tatbestände in Kenntnis gesetzt und gebeten worden, sofort der interalliierten Kommission in Warschau davon Mitteilung zu machen.

Südslawischer Einbruch i« Kärnten.

wtb Wien, 29. April. Wie das Wiener Korre- fPondenz-Bureau meldet, überschritte» südslawische Truppen die Demarkationslinie in Kärnten und überrumpelten die kärntnerischen Sicherungs- trupven. Die Demarkationslinie war unter Mit­wirkung der amerikanischen Kommiision festgelegt worden. Dieser ganz unerwartete Bruch der unter Vermittlung Amerikas getroffenen Vereinbarungen hat das Land Kärnten äußerst beunruhigt. Auf dec ganzen Linie von Vöikermarkt bis zum Villacher Becken tourbe_ von btn südslawischen Truppen ber Kampf eröffnet. Die kärnlnerische Landes- regierung erhielt vom Wiener Kabinett Vollmacht, Truppen aufoubieten unb beauftragte die Heeres­leitung das Grenzgebiet zu schützen. Dem Feinde gelang eS zwar, die Bahnstation Rosenbach zu nehmen und die Sicherungstruppen westlich von Bölker- markt zurückzudrängen. An allen übrigen Teilen der Front wurden die Angriffe aber unter starken Verlusten für den Gegner abgewiesen.

Freitag 2. Mai 1919. s I 4S. Zahrg.

Das war in der Tat eher ein Bußtag als ein Na­tionalfeiertag. Auf manchem, der nach altem Brauch nuidemonstriert hat, wird sich unter diesen Umständen ber Eindruck der traurigen Zeitverhältnisse verstärkt haben. Wer nicht ganz verblendet unb verstockt ist, ber muß bitter außer ber Sorge um die Zukunft auch Sen Gram empfinden wegen der Fehler und Sünden, nie uns m das Unglück gestürzt haben. Mancher will nrs -oortBuße" überhaupt nicht hören, weil ihm Sos zu christlich, zu religiös klingt. Aber bie Buße ist aiiih un weltlichen Sinn eine feine Zucht. Buße unb wachsen aus derselben Seelenstimmung. Der swMick aus die begangenen Fehler soll uns lehren, wir künftig zu vermeiden haben, unb uns antret» ten, es fortan besser zu machen.

Dieser Prozeß der Läuterung unb Besserung kann muh nicht zum Ziel führen, wenn man beim Rückblick mir emen ober mehrere Sündenböcke aufzuspüren sucht, H sich falber ins Gericht zu gehen. So ist es r»- ^e auf bie wirklichen ober angeblichen Sünder <>es eiten Regiments hinmweisen, dagegen die Misse- Zeit mit Stillschweigen zu übernehm.

-ber A?S°jahre soll arg geirrt unb gesünbigt worben sein Aber ist nach berglorreichen" Revolu- °ut und schön verlaufen? Die Parteirebner ^rdngeftern überall eifrig dieErrungenschasten" S b,e &5 Volk seit bem November be-

b«w n5fallen. Wir wollen des Friebens halber Sßlattrr?! Anmerkung machen, baß man auch in bie 3/ rm-(e9en muß' was wir seitdem verloren Sten M ?'«man auch sonst über die Vorzeit urteilen ntnVX nQt fast, baß damals im Lande mehr

Ordnung und im Volk mehr Arbeits- die Rfirerrrateiy A" Freiheiten unb Rechten haben inmmn 9«L®eS nn 3U buchen: aber dieser buchmäßige macht uns nicht zahlungsfähig, ftfiofffirh»» rmtene fann Dor bem politischen unb wirb bas fehlt uns gerade jetzt, wo den qLt, bnn-c"0, gebrauchen, wie bie Schiffbrüchigeu , -

hob»« s0S0Urtc^ ®*r müssen ben inneren Frieden I schließen. Gegen eine Angliederung von Tirol an fanhp or11!5 muffen mit allen vereinten Kräften schaf- I Stalien protestierte sogar ein italienischer Vertreter. Zur der V. e 'eisten, um uns vor der Versklavung, vor I Frage des Völkerbundes wurden nach Ableh- r°CD,n0 und vor dem Derhungem zu bewahren. I nung eine? englischen Antrages, der als zu schwächlich diese rr» .lllloifeier wenigstens dazu biente, uni I befunden wurde, eine Entschließung angenommen, die

mürbe *n. utle Volksteile zu tragen, dann I besagt, baß ber Völkerbundvon Anfang an auf der

nert 9 wenigstens zur Besserung beitragen kön- I Grundlage gleicherPflichtenundRechtealle diese ober iman. °,e Schuld an dem Kriegsunglück auf I unabhängigen Völker in sich vereinigen müsse, deren Schuld n» snc bervvrragende Schulter abschieben, bie I Delegationen von ihren Volksvertretungen gewählt den [»Hon m?>eren 2l^perniffen unb Schäden in I sind." Damit ist ausgesprochen, daß Deutschland Gesamtheit s °,TY,.fen ?us das Volk in feiner I sofortmit gleichen Pflichten unb Rechten", bem Bol- p ."'M zum mindesten auf diejenigen I fcrbuub angehören soll. Darin liegt eine Ablehnung ' >rtzt ber Herrschaft rühmen. I der Entente im Völkerbund, der bekanntlich die feind-