Nr <6-1 | Samstag 26. April 1919. | ÄÄ'ÄiÄÄS | 46.3ahrq.
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lüvF^L wn Entente ausgeklügelte Entwurf des irerbundes Ist für uns unannehmbar, denn er ist ^^.rmderer als der Versuch einer Verewigung der «aenteherrschast und der dauernden Unterdrückung ^Umlands. Ein Vergleich diese» deutschen Entwur- «m Pariser Entwurf zeigt die Abweisung jeder ^"vr^ugung oder Benachteiligung irgendeine» Staates ?«r einer Staatengruppe und die genaueste Beachtung e? Grundsatzes voller Eleichbrrechtiaung. Nicht die ^maten als folcke sollen den Völkerbund bilden, fon- **tn die Völker selbst sollen in ihm leben und weben.
Wird nun aber Deutschlands Dölkerbundsentwurf Aussicht auf DerwirNichung haben? Als die Entente
Für die Verwaltung der Kolonien, die nicht ?** Rkcht der Selbstverwaltung besitzen, soll eine in« •«nationale Ordnung geschaffen werden. Ihre Auf« ist der Schutz der Eingeborenen «egen Sklaverei Zwangsarbeit, freie koloniale Betätigung und die Ni , f“r olle Bundesmitglieder. Weitere kolo- Annexionen, die leicht internationale Spannun- r® D^°rrufen könnten, dürfen nur mit Zustimmung 866 Völkerbundes oorgenommen werden.
. Cchlußartikel handelt von der v o l l st r e k - 8- Er sieht eine Zwangsvollstreckung gegen wi- r®ipcnftige Staaten vor, die bestehen kann in dem der diplomatischen Beziehungen mit allen üb« «X?- Staaten, im wirtschaftlichen Boykott und auch in «mnarischeu Maßnahmen, wenn andere Msttel nichts
$<t Dölkerbundsentwurf
der deutschen Regierung.
Nackdrm die Verbündeten Mäck-e in fern Vari er Entwurf vom 14. Februar dieser JahreS die Grund- fragen einer Völkerdunder festgelegt halten, wie er «ach den Anregungen und den Ideen de; Präsiden- ren Wilson in» Leben treten sollie, hat die deutsche Negierung bekanntlib ebenfalls einen Eniwurf für die Errichtung de» Völkerbundes auSgiarbeitet, der jetzt bekannt gegeben wird.
Der deutsche Entwurf legt znm Unterschied von dem Wil onlchen Vorschlag mit das Hauptgewicht auf den Gedanken, daß der Völk.rbuad nicht so sehr ein Organ der Re,ierungen a.8 vielmehr der Völ« ker sei; er vertritt weiter den Grund atz der voll« konmenen Gleichberechtigung oller Teilnehmer des Bö kerbiin^es, dessen Beschlußfassung, in logischem Serfolg des demokratischen Prinzips, durch eine Zweldrutel-Mehrheit erfolgen soll. Als dritter beherrschender Gedanke des deutschen EntwuifS wäre endlich noch zu erwähnen, daß er dem Völkerbund die Schlichtung aller Streitigkeilen obligatorisch zuweist. Gedacht ist er als eine Organisation säm »kicher Kultursraa>e».
Besondere Zwecke des Völkerbundes sin>: Die Verhütung internationaler Sireitigkeiten, Ab- rü'tung, die Sicherung der Berkebrsfleihcit und der allgemeinen wirtschaftlichen Gleichberechiignn r, der Schutz ter nationalen Minderhei en, die Schaffung eines internaiionalen A beitsrecht«, die Regetunz des Äolonialweiens, die Zu ammensassunq der be- strheneen und künftigen internationalen Einiichtun» gen, die Schaffung einek Weltparlam-nts. Tie Organe des Völkerbundes sollen folgende sein:
1. Der Staatenkongretz, >. h. eine Versamm- fang bet Reaierungsverireter, die mindesten» jeües dritte Stobt zusammentritt. Die Beschlüsse »e» Kangresse» werden mit einer Mehrheit von zwei Drittel der vertretenen Staaten gefaßt. 2. DaS Weltparlament, 6. h. eine Versammlung au» Vertretern der einzelnen SBcrtomente. Die gusarnmensetzun i diese» Parlament» mutz der Entw ckluug Vorbehalten bleiben; auf deutscher Leite denkt man sich diese Entwicklung so, daß namentlich die Beruf,verbände, die Gewerkschaften, Handel», mtd Unternehmerorganisationen ihre Vertreter in daS Bdtparlament ent|caDen werden. 3. Der Ltöndize Internationale Gerichtshof, der vom Staaten- lungrcfc auf die Dauer von neun Jahren in der We.se gewählt wird, baß jeder Staat minvestens eine und höchstens vier Personen voischlägt. Al» Ergänzung trit: neben den Internationalen Gerichtshof, der vornehmlich zur Entscheidung von Rechttstreitigkeiten be- nr'en fein wird, 4. da» Internationale Ber- «ittelungSamt, das, au» indiretten Wahlen her- »orge'an en, die entscheidende Instanz für politische Streitigkeiten sein soll. Sobald in den Beziehungen einzelner Vö kerbundSstaaten eine Spannung emhitt, bleiet dar Vermittlungsamt den beteiligten Staaten feine Vermittlung an, und diese sind verpflichtet, die Angelegenheit vor dem Amt zu erörtern. Bei dem tat rnaiionalen Gerichtshof hat jedes Mitgtied des Völkerbunds ein Recht zur Klage, auf die sich der Gegner emlaffen mutz. Die Entscheidnug dS GerichtshosrS rder der Vermittlungsamtes verpflichtet den betroffenen Staat ihren Inhalt nach Treu und Glauben auSzufuhren.
3m einzelnen sei aus den Bestimmungen noch mit» keicilt, daß die Mitglieder des Völkerbundes ihre R ü» jtungen fo begrenzen sollen, daß von ihnen nur die M Sicherheit des Landes erforderlichen Streitkräfte unterhalten werden. Die Durchführung der Freiheit der Meere ist so gedacht, daß künftighin bewaffnete Schiffe überhaupt nicht mehr das hohe Meer deicchren dürfen . Nur den Kriegsschiffen des Völkerbundes für die Ausübung der Seepolizei wird das noch Usiattet. Die Meerengen und Kanüle stehen den Schiffen aller Völkerbundstaaten gleichmäßig offen. Das fremde Schiff in fremden Häfen soll genau so vchondell werden wie das eigene Schiff. Die Lust M frei sein. Der Kabel- und Funkspruchverkehr darf M beschränkt werden. Die weiteren Artikel sollen «e Beendigung des Wirtschaftskrieges bringen und die Wiederaufnahme neuer Wirtschaftskriege farhindern. Sonderabkommen auf wirtschaftlichem wirf insonderheit Handelsverträge sind gestattet, «ch müssen olle Dölkerbundstaaten als Ziel ihrer Bestrebungen die Schaffung eines Welthandelsvertrages «erkennen.
. 3u den Hauptaufgaben des Völkerbundes gehört «weiter, der Arbeiterschaft aller Staaten ein menschenwürdiges Dasein und die Freude an der De- «fstatigteit zu sichern. Hierüber ist ein b e s o n d e r e s Mbkommen aufgestellt, das eine internationale Re» des Koalitionsrechtes, der Arbeitsbedingungen, ^ Arbeitsvermittlung, der Heimarbeit und der Ar- ^eusaufsicht vorsieht. Für die Ueberwachung und den
hervorgehoben, daß sich auf ihn einmütig alle Vertreter der Völker geeinigt hätten, die sich zur Entente zählen. Die Entente wird also schwerlich geneigt sein, den deut- scheu Vorschlägen zuliebe ihren Entwurf umzustoßen. Wenn die deutsche Regierung sich dennoch entschlossen hat, ihren Entwurf der Welt vorzulegen, dann mag sie bestimmt worden sein durch Erwägungen, die weiter schauen, als die Ententestaatsmänner es heute noch wollen oder auch vermögen. Der Staatenbund, den unsere Gegner der Welt auszwinaen wollen, wird nicht von Dauer fein, weil er die zur Erkenntnis ihrer Bedeutung und Macht erwachten Dolksmaffen nicht richtig einschätzt. Der Ententeentwurf wird niemals im Bewußtsein der Völker sich verankern und vom Willen der Völker getragen werden. Dann aber bleibt er auch nur ein diplomatisches Kunstprodukt, das über kurz oder lang zerfallen wird.
Der kommende Völkerbund muß wahrhaft ein Bund der Völker sein, und wenn ihn die Staatsmänner von heute nicht zu schaffen vermögen, dann werden die Völker selbst Hand ans Werk legen.
Der Krach im Entente-Lager.
Orlandos Avrelfe.
Berlin, 25. April. Der italienische Ministerpräsident ist am Donnerstag abend mit den Delegierten Barziloi und Diaz nach Rom abgereist. Der italienische Botschafter bleibt auf seinem Posten. Die amtliche Mitteilung übqr die Abreise lautet: Vor seiner Abreise nach Nom hat Orlando und Sonnino eine neue Zusammenkunft mit Lloyd George, Wil- f o n und Pichon. Lloyd George und Wilson sprachen die Hoffnung aus, daß das italienische Parlament dazu beitragen werde, eine Lösung der Schwierigkeiten zu finden. Orlando verließ darauf Paris. Nach einer Neutermeldung erklärte Orlando ausdrücklich: Ich verlasse Paris nicht, um mit unseren Alliierten zu brechen, sondern wir werden sie nun ersuchen, die Wahrung unserer Interessen zu übernehmen.
Die entrüsteten Italiener.
wtb Rom, 25. April. Offiziös wird erklärt: Wilson s B o t s ch a f t hat überall in Italien lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Der Entschluß der italienischen Abordnung, nach Italien heimzukehren, wird allseitig gebilligt. Die Bevölkerung vertraut auf das Gerechtigkeitsgefühl des amerikanischen Volkes. — In allen großen Stödten haben Umzüge mit Hochrufen auf Italien, Dalmatien, Fiume, Orlando und Sonnino stottgefunden. Meldungen aus allen Städten Italiens berichten von großer Erregung. Niemand glaubt, daß die Zugehörigkeit von Fiume und Dalmatien zu Italien ernsthaft bedroht werden könnte.
Eine Antwort Wilsons an Orlando.
• Genf 25. April. Präsident Wilson bitt oeK-rn der Presse seine Antwort cti Orlando niitgeteilt, fn der er u. a. sagt: „Ter Präsident empfindet ein tiefes Bedauern, baß die Vertreter Italiens eS für nötig erachten, so zu handeln; er hofft jedockr daß es möglich fein wird, die Tinge wieder einzurenken. Ter Präsident hat sich klare Rechenschaft abgelegt über die folgen seiner Erklärung, er hat aber kein anderes Mittel gesehen, au» der Sackgasse herausznkommen. Tie Lage der italienischen Abgesandten war sehr peinlich g-wor- den durch die ungemein heftige imverialistische wfJ a- tion. die di- gesamte öffemlicke Ade in ung in Italien in Bezug auf den Besitz von ^tume in Aufregung gebracht hat, von dem btt italienischen Zeitungen tm-ner wieder nicht ohne einseitige Übertreibung erklären, Aatz die nationale Ehre Italiens davon abhänge. Der Präsident glaubt nicht an einen Konflikt zwischen Italien und den Sübssawen; wenn es nnglück!ickerwei|e dennoch zu einem solchen kommen sollte, so würden b e Vereinigten Staaten in keiner Weise e i ngr e t» f e n. Schließlich möchte der Präsident in Erinnerung bringen, um eine Aussicht ajif die Zukunft zn eröffnen, daß Italiens Politik von feinen Alliierten unb betreffs seiner Lebensmittelversorgung unb das Gleichgewicht seiner Finanzen befonbers von Amerika abhängt. — Das ist benAich!
Der Anspruch auf Alume.
Der italienische Ministerpräsident Orlando ist vor seiner Abreise von Paris mit einer Antwort auf die Note Wilsons an die Oeffentlichkeit getreten. Eie verbreitet mehr Lickt über die sachllchen Unterlagen des Streitfalls. Die Dinge liegen so, daß Italien für Fiume das Recht der Selbstbestimmung fordert, in der Ueberzeugum, daß ihm dadurch der Besitz der Stadt verbürgt ist. Man steht hier nun allerdings vor einem jener Fälle, in denen das Selbstbestimmungsrecht auf einen sehr kleinen Bezirk angewendet wird und dadurch seinen wahren Sinn und namentlich seine Bedeutung für die Festigung des Weltfriedens verlieren kann. Läßt man nämlich *die Bevölkerung des nächsten Hinterlandes an der Abstimmung teilnehmen, dann fällt dos Ergebnis zu Gunsten der Slawen aus. Wo der Duckstabe de» Gesetzes zum Widersinn führt, muß die Absicht des Gesetzgebers gesucht werden. Wilson legt seine eigenen Grundsätze ihrem Geiste nach aus und kommt so dazu, die Lebensinteressen des neuen Slawen st oates als entscheidend anzusehen.
Mit diesem Streit um Fiume hat sich die italienische Politik in ihren eioenen zu fein.gesponnenen Fäden verwickelt. Die rusiifche Revolutionsrepierung hat Ende 1917 den Wortlaut des Londoner Bündnisvertrags von 1915 nach den Akten des Petersburoer Arckiv» veröffentlicht. Danach sollte Italien für seine Deteili- oung am Kriege Istrien und die äußeren der vor dem Eingänge von Fiume liegenden Inseln erhalten. AI» jener Vertrag geschlossen wurde, fochten die österreichisch-ungarischen Südslawen noch gegen Italien. Man bemühte sich, sie zum Abfall von den Mittelmächten zu bewegen und durfte sie daher nicht mit einer Forderung auf Fiume abschrecken. Offenbar hoffte aber Italien, die Stadt trotz allem zu gewinnen. Iebens lls ist der Wunsch nach dem Besitz viel lebhafter geworben, als das Reich der Habsburger völlia iiisommengebro- chen und in dem unabhängigen Südslawenstaat ein anderer Gegner entstanden war.
Deutsche- Lau» gegen ffiume.
Der Kernpunkt be» augenblicklichen Streite», näm- Itii die Zukunft von Fiume und den balmettiscken fyt« friit. berührt uns nicht, unb bte künftige Landgrenze tm Alvengebiei greift auch nicht in den Besitzstand des beut» fchen Reiche» ein. Sie berührt un» freilich mittel» bat, da dort Ortschaften mit deutsch« ffiewUeiuna
unter bem Dorwanbe bet militärischen Sickerung bet strategischen Grenzen an Jta.ie« auSgeliefert werben sollen.
Man muß baS aus folgenbem Satz Wilsons hcraus- lesen,Längs oeö ganzen Zuges ber Alven werden Italien feine natürlichen Grenzen vollständig wiedergegeben, die alle großen Wasserscheiden einschließen. Seine Grenzlinien erstrecken sich wi.ber bis zu ben Dänbcn, die setz e natürliche Verteidigung bilden." Gegen eine diktatorische Einverleibung von Teutschtirol, der rein deutschen Teile an der oberen Etsch, ber rein deutschen Städte Bozen unb Veiten muß energisch protestiert werben so gut wie gegen eine Einverleibung beS deutschen Danzig an Polen. Auf solche Weise kann kein Friede zustande kommen. Es gibt keine Entscheidung, die über das Selbstbestimmiinzsrecht deutscher Devölke- tungSteile einfach hinweggeht.
Tas Bekenntnis Wilsons zu feinen 14 Punkten ist erfreulich. Wenn eS nur nickt so einseitig träte. Er stellt feine 14 Punkte als maßgebend hin zugunsten bet Sübslawrn. Von bet nAwendung des Selbstbestim- imingsrechts zugunsten ber beuifcben Gemeinden an der Alpengrenze ist keine Rede. Daß die Wilson- schen Grundsätze in der Saatfrage, in der Nheinfrage, in bet Danziger Frage nsw. zur Geltung kommen werden, darauf braucht man sich also noch keineswegs zu freuen. Nam allen bisherigen Ankündigungen und Vorzeichen sieht's so aus, als ob die schönen Punkte nut für die Talmatier unb Kroaten gelten sollen, aber nicht für uns vogelfreie Deutsche.
Auch Japan?
Streik um Kiautscho«.
Genf. 25. April. Dem Lyoner „Progres" wird aus Paris gemeldet: Die Japaner zeigen sich genau so starrköpfig in der Frage von Kiautschou, wie es die Italiener in der Frage von Fiume tun. Auch ihre Vertreter treffen bereits Borbereitun- genzurAbreife. Sie erklären, daß die Japaner nach dem Rechte der Eroberer in Kiautschou säßen und dort bleiben würden, solange niemand tonn, e, um sie zu vertreiben.
wtb. patis, 23. April. Die „Havasagentur" meldet: Wilson, Lloyd George und Elemenceau versammelten sich, um di« Frage von Kiautschou zu prüfen, wegen welcher die chinesisch-japanische Meinungsverschiedenheit besteht. Japan sordert, daß die Frage vor Ankunft der deutschen Delegierten gelöst werde, da der Dorsriedensvertrag, wie sie sagen, alle Deutschland betreffenden Fragen lösen müsse. Ein Beschluß wurde noch nicht gefaßt.
Die Sachlage ist folgende: China fordert das Recht der Wiederbesetzung Kiautschous und des Ha- fens von Tsingtau ohne Vergütung als direkte Rückgabe von Deutschland und als Kriegsbeute. Kiautschou und der Hafen von Tsingtau warm laut Pachtvertrag für die Dauer von 99 Jahren deutsches Gebiet pewor- den. Japan bemächtigte sich Tsingtaus, kerkerte alle Dmtschen ein, besetzte Stadt und Gebiet und nahm Besitz von allem, was die Dsutscknm früher befessen hatten. China fordert nun bas deutsche Gebiet von Kiautschou und dm Hafen von Tsingtau mit der Begründung, daß die Kriegserklärung alle Verträge zwi- schm China und Deutschland nichtig gemacht habe. Japan fordert dagegen das Recht, diese Gebiete als Kriegsbeute zu behandeln und verpflichtet sich, sie später an China zuruckzupeben.
Rotterdam, 24. April. In diplomatischen Kreisen im Haag war man gestern abend noch der Ansicht, daß die j a p a n I s ch e Haltung eine größere Gefahr für die Friedenskonferenz bedeute als d>e der Italimer. Mit Wilfons Auffassung, daß die Chinesen auf Knind des Selbstbeftimmungsreckts Anspruch auf Rückgabe von Kiautschou haben, will Ja van sich auf keinen Fall einverstanden erklären. Es besteht auf seinen Abmachungen mit England und Frankreick. Die Beziehungen zwischen dm japanischen und ameri« konischen Delegierten "sind ziemlich gespannt.
Amerikanische MobMfatton.
Genf, 25. April. .Europapreß" meldet indirekt aus Neuyork: Infolge der jüngsten Scharmützel und offenen Feindseligkeiten zwischen ameri Eanlfchen und japanischen Truppen inChina und Korea hat das amerikanische Krieasdepartement die Mobilisation einer Armee von 10 000 Mann besohlen, um mm Schutze der amerikanischen Interessen unb Bürger die amerikanischen Garnisonen auf 8m Philippinen, in China, auf Havai und im Abschnitt des Panamakanals zu verstärken._____________
Die deutsche Friedensdelegatlon.
wtb Berlin, 25. April. Die Liste bet Mitglieder der voraussichtlich am 27. und 28. April von Berlin nach BersailleS abreiienben deutschen Frieden«dele- gaiion ist nunmehr fertiggestellt unb b t französi chen Regierung angemeldet worden Außer den eigentlichen sechs Frieden Sdel eg ierten, nämlich Graf v. Brockborff-Rantzan. Dr. 2anb#betg, SieSbertS, Seiner!, Prof, kchücking rrnd Melchior, umfaßt die Liste der Minister'albirektmm v. Stockhammer und SimonS als Generalkommisiare rotoie Mitglieder bei Auswärtigen Amt« imb Vertreter ber übrigen Reichsministerien «IS bestö«bliche Kommiflara. Ferner gehören ihr Finanzsachverständige, mirticbof'» liehe Sachverständige unb Mitalieder ber Waffenstill- stanbSkoiimisfion an. Die Deleaation wirb von dem erforderticken techni chen unb Kanzleiper onal begleitet. Mit ihr begeben sich die ^enteter der leitenden deutschen Nachrichtenagenturen sow-e 15 Ber» tretet ber deutschen Presse nebst ben Sekretären an den BerbanblungSort.
Angebliche FriedenSbedingunge«.
In ben letzten Monaten tat uns die entente- freundliche Piesie be» neutralen AuSk«n>es jeden Tag mit einer neuen Reihe Friebmsbebingunoen beglückt. Solange bet Boihang von Versailles n'cht bockgegangen ist, behält diese- Thema 'eine An- ziebung« kraft. Es kann auch gar nicht genug erörtert werben. Denn wenn untere Feinde unb ihre Pieffe-^antzlanger des gesamten Au«!anvs ei al< ihre vornehmste Aufgabe betrachten, ben polili chen Horizont taaiöglich mit neuen Versuchsballonen zu bevölkern, s» ist eS unfe>e Pflicht, immer roiebet freimütig unb umroetheutig r» sagen, was unS an diesen bestellten HtrnmelSer cheinunaen nicht gefällt. Reuerdin--- beiotgt bas beut chfeinbliche „Journal be Genäve hie en <8rfitnbung§bienft. Es t> röffem« lich' eine Zufammenstellurtg der angeblichen Frie enS- bebütgungea. Die Litze bringt im wojurilichL» »ich -
Ueberrafchenves. Wir sind ja in dieser Beziehunr an kräftige Kost gewöhnt und können durch krause Ausgeburten impetialt|ti rten Fieberwahns i« leicht nicht ans dem scelii en Gleichgewicht gebracht werden. Abtretung Elsaß-Lotbrineens, der polniftzei Gebieie in ben Gr-n,en von 1772, vera>ö;ert durch oder schlesische Distrikte, Noro^ckleswigS vielleicht auch oct an Belgien grenz nden Bezirle van Moretne^ Eupen und Aialmety, Fiiternattonalifieriing TanugS inte<nat:onale Kontrolle des Saargedtett mit Bolls» adstimmutig nach 15 Jahren, Aberkennung der Eaargruben. Das sind alles D'Nge, hie waren unS tchon oekannt. Tann kommt Vernichtung der Insel Helgoland, Verbot bet Tienstpflrckt für die Landes» verterdigung, vollkommener Kolonialia iö uns 125 Millraroen ÄrregSentichab'.gung. Al» Geienwert stellt man uns "„wirtichastlicke Zrizenäiibnrsse" m Aussicht. Worunter die foniingeruierte Lieferung^ von Rohstoffen zu verstehen sein dürsie; Rohstoffe, damit wir rückt g arbeiten un» un ere Funde mit dieser Arbeit bejoolen können. Der Zweck Ser mnt< ichasltichen Z igesiändnisse, über beten Art unb U n» fang das Genfer Blatt schwerst, wäre alio, dm werioolten Schuldner nicht umfommert zu laffeg, bis er auf Heller und Pfennig bezahlt hat.
Keine VerzSgerung der i
deutschen Verhandlungen.
wtb Paris, 24. April, (vavas.) Man hofft in Paris, daß ter Tag der Verhandlungen mit den deutschen Delegierten durch das Z.'rwirrsnis mit ver italtcin;d).n Delegation nicht oeeisflußt und daß keine Verzögerung emtuü.
Präsident Fehrenbach über den Frieden.
Freidurg 1. Br., 25. April. Gelegentlich der Tagung des hiesigen tathülisckcn BürgcrvereiuS sprach der Präsident der deutsck;eu Nationalversamminng F e h- r e n b a ch über die politische Lage, wobei er es al» sicher bezerchnele, baß Wilson geneigt sei, auf lemett 14 Punkten zu bestehen. Wir sind un» nicht darüber tm Zweifel, was es namentlich für bte Südweuecke o«s Reiches bedeuten würbe, wenn die UnterzcichnunU bi» Friedensvertrages abgeleijnt wird. Jeoensall» nehme ich an, daß wir einen Frieden nichl un t e r- zeichnen, der unsere Gefangenen noch wetier» hin in der Gefingensckaft belaßt und bet ruckt d.e Auf- Hebung der Blockade bringt. Wir werden «uch einem Frieden nicht unterzeichnen, bet da» ©«arge biet Den Feinden auSliefeet und Danzig den Po en zuspricht. Ungeheuer ist die Verantwortung, Rerchrl itunz und Parlament tragen sie gemetz.sam, feintet rhnen steht baS gesamte deutsche Volk. Ta» sollen umere Feinde wissen und das soll in ihre Länder dringen, daß. wir nicht jeden Frieden, ber u n » h i kt i e r t wirb, annehmen, usib baß wir lein EklavenvoU fein wollen.. , , . _ , _ *
Zur innerpolitischen Lage übergehend .sagte Feyren» back ba» Plenum ber Narionalverfammliing habe nut großem Fleiß gearbeitet. In der VerfasiunsSkmmnif- fion könne man von irgenbioelchem Kulturka m p f» seist nichts merken. Tie Kaisers rage fei leinet Meinung nach für Deutschland erledigt. v,e . tionslverfammlnng werde vorlanfg in Weimar bleuen, denn eine Besichtigung des NeickItagsgebänb » habe gezeigt, daß etwa ein halbes Jahr vergehen werbe« bi» »» angerichteten Schäden auSgebesiert seien.
Die bayerischen Wirren. \
Bamberg, 25. April. Das Ministeriums Hoffmann ist nunmehr vollständig in die Resider^ Übergesiedelt auch die Frauen der Minister haben bori- Wohnung genommen. Die Räteregierung in M u n-i chen hat behufs Ausgabe eigener Banknoten in Höhe^ von 100 Millionen Mark Platten Herstellen lassen, dies aber nicht recht gelungen sind. Polizeipräsident in München ist jetzt der Schlossergeselle Dorsch. Einen kühnen Streich verübten zwei Unteroffiziere der Ra» giemngstruppen. Sie erbrachen nachts die Schuppen der Flugzeugwerke Otto in München und zogen Fokker» apparate ins Freie. Bon der Wache überrascht, gaben sie sich als Spartakisten aus und ließen sich von ben Rotgardisten beim Abflug helfen. Dann flogen sie mit zwei Flugzeugen davon, die sie in Bamberg ablieserten.
Die Spartakisten unternehmen von München aus Erkundungs- und Beitreibungsfahrten mit der Bahn., Heule zogen sie nach Derfen, Mühldorf und Reumarkt.- Es handelt sich hierbei meistens um kleine Abteilungen, die rasch auftauchen und ebenso rasch wieder verjchwür» den.
Durch in den letzten Tagen aus München ßefom^ mene Reisende wird ferner bestätigt, daß tatsächlich Lewin zur Flucht nach Budapest ein Flugzeug startbereit gehalten hatte, weil für die Rote Sarin keine Lebensrnittel mehr vorhanden waren. Au» dieser Klemme halsen die von der Regierung Hoffmann für die Münchener Bevölkerung durchgelassene«» Lebensmittel. Seitdem sitzt Lewin wieder fest inr Sattel, wird aber von Toller scharf befehdet. Bei be» Haussuchungen geht die Rote Garde nach wie vor rücksichtslos vor, zerschneidet Betten und Sophas und be» nimmt sich in viehischer Weise, wenn man sie nicht durch Bestechungen versöhnlicher macht. Am Wittelsbacher Palais sinden jeden Nachmittag Versammlunge» zur ,Volksaufklänmg" statt. München ist willenlos und apathisch geworden. Die einst so sauberen Müm diener Straßen starren von Schmutz. Richt nur Mün» eben und Rosenheim sind in den Händen der Sparta» kisten, sondern auch Kaufbeuren, Schongau, Prenzberg, Starnberg, Gauting und Kochel. Der Machtbereich ber Spartakisten dehnt sich also bi, weit in da, bayerisch» Hochland hinein aus. Garmisch-Partenkirchen, do, zur Regierung Hoffmann steht, wurde am 24. April von den Spartakisten vergeblich angegriffen.
Der Mörder Eisner» umgrbrachl. '
wkb Berlin, 23. April. Der Bamberger Bericht» erstalter des „Bert. Tagebl." meldet: Ein aus Mün» chen entkommener demokratischer Politiker erzählt, da- G r a f A r c o, der Mörder de, Ministerpräsidentertz Eisner, von spartakistischen Soldaten au, der Klink geschleppt und umgebracht wurde. Der bei dem Lantz taoeattentat schwervenvundete Minister Auer, be nieder gehen kann, verließ daraufhin die Klinik, bi sein Leben ebenfalls bedroht war. Der frühere Krieg» Minister de, Ministeriums Eisner, Roßhaupter, ist aus München geflohen und in Bamberg eingetroffen. Zahlreiche Bewohner des vornehmen Bavaria- vitttelr m Müochrn füib een PattrnM« drr Rott»