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Rück ordcrung der Kolonien.

* Berlin, 24. April. Tit Deutsche Kolonial- Gesellschaft, Abteilung Berlin, nahm eine Ent­schließung an, in welcher sie die Erwaitung auS- sprickt, daß die Reick,reaicrung bei den Friedens» veihanblungen mit stäikst m Nachdruck auf Rück­gabe unserer Kolonien bestehe. Ein Fneen, der uns unsere Kolonie» raubt, wäre für Deutsch­land unerträg'ich.

Wasser vor im Falle, daß Deutschland den Frictens- veuiag in bezug auf di« entwaffnete Zone östlich des Rheines bricht.

Dieses Bündnis ist schon an sich eine Durchbre­chung dcs Völkerbundgedankcns, der jedes Sonder­bündnis innerhalb ceS Bundes ausschließt. Rach allen bisherigen Erfahrungen wird dieser Bündnis­vertrag außerdem so dehnbar sein, daß er wie e'ne stand ge Drohung über Deutschland schweben düifte.

Wilson.

Genf, 24. Avril. Wie ffanzösische Zeitringen an- amerikanischer Quelle melden, bat Wilson seine Abreise verschoben und den Entschluß tnndgegeben, an den Friedens-Verhandlungen bis zu ihrer Been­digung «eilzunebmen. Tie Zeitungen fügen hinzu, daß man gegenwärtig den Abschluß des >rrie. dens für den 20. Mai vo aus ehe, daß Wilson aber auch bis zum 1. Juni bleiben würde, da er dre Atsichl habe, nach dem Friedensschluß eine außerordentliche Kongreß-Tagung einzuberujen.

Dir Schreckensherrschaft der ungarisch«, RLteregierung.

Empörende Nachrichten treffen ein über daS geradezu sinnlose Wüten der un arische» Nöt regierun«. Beson­ders scharf geht sie regen die Mitglieder de» katholische« Klerus und fielen die Chrrstlichsozialen vor, da ja die Kommunisten und ihre H.lfcr in diesen ihre ärgsten Feinde sehen.

Kürzlich berichtete die Wiener ReichSpokt von einem ' Ausstand der Vanernscka t in der Gemeinde Füle», des unmittelbar an Niederösterreich grenzenden Komi- täte» Oedendbrg, wie der junge Pfarrer mit 15 Bauern der Gemeinde von der Cebcnour. er Noten ®:rte ge­tan,-en genommen u id durch Urteil der Cebenburget NevolutioiiS erichies noch in bei Naät nach seiner ®e- fangennahme slandrechtlich erschossen wurde. Demselben Blatt beri tet ein au» Budapest nach W en zurück.,«» kehrter Wiener Kaufmann übet die wirklich entsetzliche Lage einiger ungarischer Bisciöfe.

Der Primas des Landes, der greise Kardinal-Fürst» erzbischof von Gran, Dr Johann Ezernoch, desien »anzeS Vermögen mit Beschlag belegt ist, wurde an» seinen Woanräumea gewiesen, «18 Wohnuni wurde ihm ein Zimmer im HS bsten Stockwerk seines Grauer PalaiS gegeben, wo er sich als Hästlinz unter flrenaftti Bew-ichunz befindet; ganz ähnlih geht e» dem hervor» ratenden Bitcho; von Etuhuve tzenbur >, dem bi» vor kurzem noch als liberalster Kirchensürst von Unaam ge­feierten Dr. Ottokar ProchaSzka, der seinerzeit ten ersten Antrag in Ungarn aur LandeSoerteilung ge ft eilt bat, ferner »em Bischof von Beszprim Dr. ,t«rdinan^ fto ti und dem Bischof von Raao Anton Feiler. Da» är site Scd cksal ereilte aber ten en-r iscken uns täti, en Dischof von Lteinamangrr, Graf Johann M'ke». Er wurde zuerst, gleich einigen Minifern früherer Re-ti» rnn;en, in einem Kloster inteinirrt, kur, darauf in da» beüi&tyfe Budavek-« 8*r'tHV

T«rRheinbund" der Entente.

Pari-, §1. April. Dir -n fvanzön üben Kreisen verlautet, macht der Pan eines Betret igungsbünd» ntsjeS zwischen Großbritannien, Frankreich und den Bereinigte« Staaten Fort chrute. Tie eS Bündnis ist nur für die Rheingegend anwendbar und sieht aut« s»i»luae miluLtstche Ltüoa » Monte -"b

Freitag 25.flprll 1919. |

Polnische Offensive in Litauen.

wtb Amsterdam, 24. Apri l. Nach Neu ter begann die polnische Armee in Litauen an einer Front von 150 Meilen eine große O s f e n si v e, die noch im Borrücken begr ffen ist. Die Polen machte» eine beträchiliche Beule.

TTr GR I verantwortlich für den redaktionell«« Teil; Karl Schütt«. » lll. I für bie ¥in<eiaen: ? P a r ze 11er, jlulda. Rotationsdruck. |

?(r^e;f^re:(e italienischen Telegatlon miS

FL darül-.° ^dr°ht ob sie auch auSgeführt worden chtluugLL" "nod! nicht vor. Per. Ein B r .! Frnd jedenfalls angcstellt worden-

-Py1 den Verbündeten braucht der ' kann ' nlienischen Delegation noch nicht zu sein, E «ut b?6 DorLauf n aber bedeutet

Folien sich keinen Erfolg mehr von der a« d«u Pechaudlunges berfori^ und

Soaflikt auf der Friedenskonferenz.

Tas enttäuschte Italien.

In den letzten Tagen bat sich die Pari'er Kon» tattq andauern-> nut der Frage der staatlichen 3u« -et 5- iglett der Oülüste des adriatiichen Meer s ab. «Kjuält. Tie Jialiener und die Cüdsiaven erheben hier An'p'üche, die miteinander zu vereinbaren den Eiaatswönnern der Enten>e das größte Kopfzerbrech n hernr acht. Tas Haupthindernis ist der bekannte «ondorrer Vertrag vom April 1915, auf Grund dessen Jwlien tn benÄrieg eint, at u.morm bieSntf nteben^tal- stnern tenHafenFium-, diedalmatinischeKüste una den - -orten Teil der vorgelagerten In ein ver prach, gebiete, die aber mit wenigen Ausnahmen von Süd'owen bewohnt werden. Vor allen ist es Et! on, der den ikali-nischen Forderungen heftig toiberftrtbt. Um die öff nilifte Meinung Italiens ,n seinem Sinn zu beeinflussen, hat er nun eine förmliche Erklärung abgegeben, in der er darlegt, warum er die italienischen Forderungen nicht billigen könne. Darauf in hat die italienische Delegation beschlosien, Paris zu verlassen. Es wird gemeldet: , vtb Paris, 24. Avril. (Havas.) Nach vei off. nt sichung einer Roe Wilsons hielt die italienische Delegation eine Sitzung ab, in der sie beschloß, Paris zu verlassen. Sie wird am TonnerSlag {Borgen abreisen.

U ber den Inhalt der Note Wilsons, deren Veröffentlichung die italienische Delegation veranlaßte, ihre Abreise zu beschließen, gibt Reuter folgende Darstellung:

wtb Pari», 24. April. Wilson pab eine offizielle Erklärung über daS Adriati che Meer-Problem ab. Der l'räfibent liefe wissen, bafe er ein für allemal die t'Mr» merksamkeit auf die Tatsacke lenken wolle, bafe es pe. wiffe bestimmt ausaesprockene Grunvsütze gibt, bie von ten Völkern der Welt als eine Grundlage für einen dauernden Frieden angenommen worden find. Die Vereinigten Staaten erinnern daran, bafe keine Abweichung von diesen Grundsätzen stattsiuden soll.

AIS Italien in den Krie, eintrat, tat c8 daS auf bet Grün Lage einer privaten Verständigun t mit Groß- britannien und Frankreich, die jetzt al» Londoner Ver. trag bekannt ist. Seit jener Zeit trat eine vollständige Kenterung der Verhältnisse ein. Viele andere profee ims kleine Mächte beteiligten sich, ohne von jener pn- taieu Betembarun i zu w ssen, am Kampie. DaS ikierrerchisch.un^arische Kaiserreich war damals der Hemb EuropiS, auf dessen Kosten der Londoner Ver­trag im Falle eines Sie es eingehalten werden sollte, ES ping aber in Trümmer und besteht nicht mehr. Verschiedene Teile jenes Reiches werden tote jetzt von Italien und allen seinen Afloziterten vereinbart ist. als iinabhäniä e -Staaten etngeritet toerben. Wir wollen ibre Freiheit ebenso begründen wie unsere eigene. Sie «k.löeen zu kleineren Staaten, deren Interessen und Fukunfr ebenso peinlich genau garantiert we.dcn fällten htie die Interessen der mächtigsten -Staaten. Außerdem wurde der Krieg dadurch beendet, bafe Deuts ckta nd im Waffenstillstand vorgeschtagen wurde, der sib auf gewissen klar ausgesprochenen Grundsätzen enfbauen soll und Oie Neuordnung nach Recht und ttzere i tigkett nut sich bringen soll. Auf dieser Erundla.e wurde der Frieden mit Deutschland nicht nur entworfen, sondern auch festgrlett, und auf die­let Grundlage toitd er auch ausgeführt toerben. Wir müssen bei der Nebelung in den ehe- toßiä österretchisL-ungarischen Staaten dieselben Grund» wtze zur Anwendung bringen, die toir in dem Frieben mt: Deutschland zur Anwendung brachten Der Friede wurde nachgesuckt mit dem ausbrück ichen ütieienntm» 8U jenen Prinzipien. Auf ihnen mufe daS ganze Ge» Re des Frieden» ruhen. Wenn jene Grundsätze bet. "polten werden sollen, fo mufe Fiume als üiusgan S» und Eingangstor für den Handel nicht von Italien, kmbern von »en Ländern nördlich unb nordöstlich jene» Hufens dienen, nämlich Ungarn, Bödmen, Rumänien un» den Staaten der neuen süd iowischen Gruppe. J"*1 wir Fiume Italien zuweijen, jo wurden toir «cs Gejühl Hervorrufen, bafe wir absichtlich diesen Halen, der für alle diese Lander Den Houpr.u ang zum "tttclmeer bildet, in die»de einer Mavt leaen. von 51 er keinen wesentlichen Bestandieil bildet und deren «oliveräniiüt, toenn sie Dort erlichtet würde, unuer- ?Etolich dem kaufmännischen und industriellen Leben uer Gcgendan, denen der Haren bienen mufe, fremd er- ^etnen muß. Es geschah zweifelols aus diesem Grunde,

Fiume in den Londoner Vertrag nicht eingeschlos- V- ämdeni ten Kroaten zugetoicsen wurde. ES J* fafüt gesorgt, bafe ter Sieg dem Recht gegeben ^?k>e, sür das Italien seine höchsten Opfer an Gut n J-lut brachte. Italien wurde längs der Alpen bis ?n Das Ende der iftriaiiischen Halbinsel seine natür- reltc-e vollständig toiebergegeben, innerhalb bereit R« vnd alle schönen Gegenden liegen, die die Sa sT- "et ßrofeen Halbinsel zuwandie, und auf denen Sr,6tt ruhmvolle Geschichte de römischen Volkes ab» » , , Seine alte Einheit ist toicberfargejtellt. Seine tnqltnten erstrecken sich wieder bis zu den Wänden, natürliche Verteidigung bilden. Tie mit Jta- erbünbeten Nationen, die nichts vom Londoner ®c irgend einer anderen besonderen Ab» g"vng, die bei Beginn diese» großen Kampfes zu- e. kam, wissen und die ihre groyen Opfer eben» . Jntetefse ter dauernden Weltsriedens brachten, lotin^L fEtzt mit ihren älteren Verbündeten teen-'.s 5 t,on ibnen verlangen, die Opferrolle zu »ins« u ^*e 'n bet neuen Ordnung Europas nicht p->.,l,^anden werden kann. Amerika ist Italiens «e na r^*n Volk zählt Millionen von Einwohnern, tnr-rif Fcktönen Eegendcn Italiens kommen.

Ilriev» ° ??ite das Vorrecht vor feinen Alliterien im tejjig' der Einleitung des Friedens beauftragt zu Jib iwL.°tn öur^Mfifatn wir jetzt im Begrt fe find, ja; 5 "?ier Bkdingungcn, die cS selbst formuliert lnpe*rpt Et i'?ten Formulierung ich als fein Wortführer m ber ,anr^n: es ist gezwungen, jede Ents.be. düng, taRa beteiligt, mit jenen Grundsätzen in (Ein. tttra-f -f.t;rnßen-8 kann nichis anderes tun. Es ^falten lcn un?* ölaubt in seinem Vertrauen, bafe 2-i. öon ihm vrrlaugen kann, was sich nicht 6;st. e. L jenen geheiligten Interessen vereinbaren I ls, d i. ^"ndelt sich jetzt nicht um Jntereffen, sondern V ^rurkr-K^ 4 e b 0 n B öl k k r N. Ties allein sind Rieben Vnltc cS zustimmLN kann, den

SU schließen.

Die Lage in Bayern.

Bamberg, 22. April. Ter bayerische Landtag wird, sobald die Räumlichkeiien insiand pe rtzi sind, seine unterbiochcnrn Arbeiten wieder oufnehtnen. Sie weiden sich Haupt ächlich m den Kominiff:one« adspielen; nur dann weiden ösfeniliche Vollsitzungen staiifinsrn, wenn es sich um beioncete Kunagebun.,e« ober um sehr dringliche und wichtige F>a en han­delt. Gestein uns heule versuchten iVhtfliteCer der Unabh. Loz aldemokrane «niet der Führung des jtüheren Handelsuuntsters Stmou Bethandiunge» zwischen der Regierung Hoffmann und den Raie» Machthabern in München wieder aiizu.nüpfcn. In den Kielsen des Landtags wurde jcder Versuch zu einem solchen Kompromiß auf hejiigen Widetsiaiid jwßen, und auch die Regle-uug vet sichert, Nicht daran zu denken, mit den frühem Genogen, Die sich als unzuveiläfflg cttoie.cn haben, no.y einmal zu pak- licreu. Es soll reiner Tiick gemacht wei oen.

München, 24. April. In der vergangenen Nacht wurde die Tevölkerung D^üuchens lriederum durchs Sturmgeläut unb Gcsechtslärm alarmiert. Am Mor» gen verbreitete sich das Gerücht von Borpostenge» s c ch t e n, die sich in der näheren Umgebung der Stadt abgespiclt haben sollen. In der Stimmui.g der Mün- chener Garnison zeig.e sich in Erwartung mi.i.örischer Ereignisse eine fiadt Spannung. In der Versammlung der Betriebsräte soll Lewia mit seinem bedingungslosen Cintrelen für den Siampf bis zum AeuHersten lei den Mannschaslcn der Garnison duräaus keine ruckha!t.,ss Zuslimmung gesiuden haben. Tie aus Biegen od.r Brechen eingestellte Politik der russischen Kommun ftex Lewin und Lepinc-Ntssen begegnet bei dem besonne,re» Teil der Münchener Arbelietsaaft und Soldaten wach­sendem Widerspruch. Cs ist nicht zu v.rkennen, bafe die verhängnisvolle wirtschaftliche Tesorganisciticn un» die bedenklich xunehnTende Versorgungsnot bei der Ar­beiterschaft fchicere Besorgn.ffe heruorruft. Tie Stadil- München ist durch Schützengräben seldmäßig le. festigt, sodaß vor dem Angriff eine Artillerieporterci. hing nötig sein wird. Tcr tapfere Verteidiger deS Mütichrner Hauptbahnhofes, Aschenbrenner, der aüev! schließlich der Uebermacht der Spartakisten weichen muhte, von dem man befürchtete, daß er ten Srarta- kisten nt die Hände gefallen sei, ist aus München in Bamberg eincetrcffen. In München bauerst bie Berhajtungen cm. Wer sich nicht als Arbeiter ausweisen kann, wird verhaftet, aber gegen Lösegel­freigelaffen. Auch von Haussuchungen kann man sich durch Geld loSkmifen.

Bamberg, 24. April. Ans Augsburg wird ge­meldet: Oberhausen, die nördliche Vorstadt von Augs­burg, ist am 22. April tiachm-iikäg» 4 Uhr von bett Regiernngstruppen besetzt worden. Damit ist Augs­burg mit feinen Vorstädten fest in der Hand der Re­gierung. Tie Arbeit in den Fabriken ist heute in vollem Umfange wieder ausgenommen worden.

Dke Streiksolgen.

Nach langen, et Traten Streikwochen scheint die Aibeiterschaft kes RuhrrevierS zur Beruunft ge­kommen zu fein; d e Beihecrnng aber, die der neue Ausstand hctvoigciufcn hat, läßt sich nimmer wieder (jutmadjen.

Daß, wie gemeldet, ein Berawerk dem Bankerolt verfasicn, ist noch nicht daS Schlimmsie. Scklimmrr ist, daß unserer ganzen Wirtschaft der Konkurs droht, toenn nun nicht endlich der Strcikwaffnsinn rin Ende nimmt. Unsere Kohlenwirtschaft fleht vor dem Zuiammenbruch. Im Jahre 1917 batte die Tagesförderung im Rubrtevier etwa 300000 Tonnen betragen. In der letzten Z/it war sic bis auf 12000 Tonnen aesunken. Mindestens 3 Millionen Tonnen Kohlenförderung sind uns allem durch den Aprilstreik verloren gegangen. Eine auch nur balbweas geregelte Kohlenverloraung der deutschen Beibraucker war danach natürlich gar nicht möglich. Tie Brennstoffvorräte sind überall auf em Mindestmaß aehinfcn. Tie industriellen I Betriebe und die Eisenbahnen sind vielfach nur für wenige Tage mit Kohlen ver ehen. Tie Betiiebs- einschiänknngen auf unseren Bahnen sprechen eine deutliche Sprache. Es bedarf n'ckt wehr viel und das gesamte Räderwerk unterer Wirtschaft liest still. Was hicinach käme, kann auch die lebhafteste Phan­tasie sich nicht ausmalen.

Angesichts wlcher Möglichkeiten ist jeder Streik, der heute in Stene ar etzt wird, ein Vcibrecken am deutschen Volke. Es muffen unbedingt Mittel und Wege :ut fnedlichen Be'lemina aller Streitigkeiten zwischen Arbeirnehmern und Arbeitgebern gesunden weiden. Höiste Zeit ist e8 aber auch, daß den spartakistischen Wühlein in der Arbeiterschaft giünd- lich das Handwerk gelegt toi'b. Geht es io wie bisher auch nur roch eine kurze Zeit weiter, so hoben bie Anarchisten ihr Ziel erreicht. Wir toer­ben bald nicht mehr bas für unter Dasein bringlich Notwendige erzeugen unb befSrbern können. Es wird ben Fabriken zur Herstellung von Waren, ben Bäckern zum Backen von Brot an Brennstoff fehlen. Hart stehen wir an dieser Grenze.

Ebenso unmöglich droht bie Bezahlung unb Ver­teilung der Lebensrnittel zu tonben, welche die Feinde in bas veihungeinbeTeutickland hinemlassen wollen. Um bas Maß der Verwirrung voll zu machen, hat her Banlbeamlennreik noch die Abgabe un eier aus­ländischen Wenpzpi-re an dir Entente oeryheit, odaß die eigentlich doch nur als Notbehelf gedach r 'Ausnutzung die er Reserve nicht einmal möglich ist. Tie itnmitt Ibare Folge davon wiederum ist daS schroffe Sinke» unseres Geldwertes. Wir haben jetzt für den holländischen Gulden 5,37 Mk. zn bewilligen, während cS Ende Februar erst 3,40 Mark to'.r»n, tm Vergleich nvt einem Friedenswert von 1,70 Mk.; «nb ben schweizerischen Franken, desien Friedensstand nur 81 Pfg. war, haben wir heute mit 2,67 Mark zu bewerten, nachdem er Ende Februar sich noch aus 1,72 Mark gehalten hatte. Was toir vor her jüngsten Entwertung unserer Valuta noch für 100 Millionen Mark erhalten konnten, müsse» wir jetzt mit 150 M.llionen Mark bezahlen.

Wie elend henrntergekammen unsere industrielle Pro u'tion ift,6eroi ifen mb n j nen fobrn toiederg-ze- benen Kohl enuroSuii onsziffent die Leistungen un eier Hochöfen. Trotz aller Kriegsnot hat unfere monat- liche Raheisener .-uzung im Jahr« 1917 du chshnttt- lich 1095000 Tonnen betragen (in: Bccg'k.ch mit l 609090 Tonnen im letzten FrieirnSjahrc 1913); vom Noveiubcr 1918 ob bat sie sich bi$ einschließlich Mär; be8 laufenden JahreS im MonatSburchschnitl nur auf 432 000 Tonnen belaufen. Der Kohlen- mangel hemmt die Ellenwerk« an allen Ecken und Enden. Tie heutige Produktion unserer Hütten deckt auch nicht annähernd den hkimiichen Bedarf, tzcschweiae denn, daß sie etwas für ben uns o notwenbigen Export übrig ließe. An al biefen Hebeln nicht genug, wirkt bie unfreiwillige Vc inm- bemng der Erzeu'ung naiurgeinäß verteuernd auf ben Betrieb der Werke, waS gerade jetzt, wo ihnen schon allein aus den Ansprüchen der Arbeiter schnell ftcigernbe Mehr lasten ertoachjen, bedenk ich ist. Be­denklich übrigens nicht alle n für die Unternehmen selbst, nem, auch für bie Ge amiheit; soll doch ge­rade die westdeutsche Montamnbuitrte m erster L nie «ui Deckung der Kriegsentichäbigung und der kom- tneuden Steuern heravgezo en werden. Denn die jetziee« Zustande anbauern, wiid die Industrie zu keinen betartigen Leistungen imstande fein. S c ist habet, ihre Reserven aus beffeen Tagen zu verz»h- ren. Schon seit Monaten arbeitet eine Reihe von Eisenwerken b<4 Westens m:t Verlust.

SBic uxgemein nieberdrückenb ist alle» daS, da "« miS fp«ea müßen, dnß sity ba8 Volk <-IMt in

blindem Wahne solche Schaben zufügcn, id'C bei ver­nünftigem Zu'ainmenarbc len aller so leicht zu ver­meiden roäien! Wann wirb endlich ein Wandel ein- irrten? DeS Zieichspräsidenten Citeitooit:Lasset ab von der Eelbnzetfleischung, überwindet Euch, tut die Augen auf vor dem Abgründe, oibei'c:!" tft eine aus der Not geborene Mahnung art alle. Möge sig beherzigt werten, ehe cs zu spät ist!

Der Bergarbeitcrausstand.

wtb Essen, 23. ^pnl. Nach Miitteilung bc«* Dcrabauvercins ist die Zrhl der ausständigen Betg- arbeilci iu der Mittageschicht weiter beträchtlich zurückgegangen, auf GO841 gegen G9461 gestern. In der Morgen- und Muragsschichr betrug bet Rück­gang rund 24 000.

Im Bochumer Bezirk ist bec Streik endgültig beender. In den Kreisen der Brrgarbettcrtchaft utgcht sich jetzt eine ftuile Et bitter ung gegen die Essener Streikhetzer geltend 'JJlan beginnt ein$u» leben, wie außerordent ich töricht cs war, über die Köpfe der anerkannten Digannat onen hinweg den Lockungen der Neuner otnmisston zu solgeu unb i» einen Streik einzutieten.

Belagetunzkzufland über Sachsen.

Berlin, 24. April. Die Neicksregierunci, gezeich­net von Scheibrmann, bat auf Wunich der jächuichen Regierung über das ganze Gebiet des Freistaates Sachsen ben Belagerungszustand verhängt^ mit dessen Durchführung bie sächsische Regier UUA deaujttagt ist.

bas burch bie Fernhaltung ausbrücklich kunbgeben will, Italien beginnt cinzuseheu, daß cs um das Fell des Bären geprellt toerben soll, den zu erlegen ci mit ausgezogen ist. 1915, als die Entente in aller Welt nach Hilfe suchte und Italien nicht genug hofieren konnte, um es zmn Beitritt in bie Kampfi genoffeuschaft gegen bie Mittelmächte zu bewegen, da erhielten die römischen Staatsmänner schwarz auf weiß die schönsten und reichsten Versprechungen. Sonnino hat in allen Wechselfällen auf dem Schein, den er in der Tasche trug, bestanden, unbekümmert nm die Gesichlcr, d.e seine Verbündeten dabei schirit- ten. Ihnen war der italienische Bundesgenosse mit seinen ewigen Beschwerden und Wünschen schon bald {u einem Schrecken geworden, sic glaubten aber diese lnannchnuichkeiten mit in den Kauf nehmen zu müssen, weil sie Italiens militärrsche Hilfe nicht entbehren konnten. Jetzt aber wirb die Rechnung cingrrcicht. Frankreich unb England haben ben Italienern ihren Kriegsgetoinn garantiert und diese wollen nicht einsehen, baß sich in der Zwischenzeit die Tinge ganz erheblich verschoben haben. Italiens Rechnung müßte heute nicht mehr von dem besiegten und zerschlagenen Sesterre!ch-Ungai.n bezahlt wer­den, sondeni von dem neuen in der Bildung begrif­fenen S ü d s l a v e n t e i ch, das sich für die Ver­wirklichung seiner nationalen Forderungen aus das von der Entente garantierte Selbstbestim­mung s r e ch t beruft und überdies als Freund und Bundesgenosse der Entente sich aufspielt. Tie Ita­liener wollen freilich von diesem Bundesgenossen nichts toiffen unb Hören ungern davon sprechen, daß sic selbst es gewesen sind, die während des Krie­ges die füdslavischen Hochverräter in Rom beher­bergt und gefeiert haben. Sic toiffen zu gut, daß ihnen in den Südflaven ein viel gefährlicherer Feind erstanden ist, als es das alte Lestcrreich- Ungarn toa». Wien war immer einer Verständi­gung und einem Einvernehmen mit Rom geneigt, Belgrad, Agram und Laibach aber sind ausgespro­chen italienfeindlich. Italiener und Südslaben lic, gen wie sprungbereite Tiger lauernd und zähneslet- schernd gegenüber und bie Aufgabe ber Friebens- macher in Paris ist cs nun, eine Fortsetzung des Westkrieaes zwischen seinen eigenen Bunoesgenossen an bei Adria zu verhüten.

Für uns hat Wilsons Erklärung noch eine be, sondere Bedeutung. Sie enthält das deutliche Be­kenntnis zu dem Grundsatz, daß nicht das Jntereffe, sondern das Recht ausschlaggebend für die R e- gelnng dc s Weltfriedens sein soll. Nicht Machtgier und Jnterefsenpslitik sollen bei der Fest­setzung der Friebensbedingungen entscheiden, sondern die Selbstbestimmung der Völker. Aber nicht Italien ist es nicht allein, das Macht- und Jntercssenpolitik treibt, das tun auch England unb Frankrcich in den Forderungen, die sie angeblich Deutsch, lan d stellen wollen. Wir werben ja bald zuver­lässig toiffeu, wie weit Wilson biefen seinen Ver. bündel en gegenüber von feinen Grundsätzen schon nachgegeben hat. Aber jedenfalls eröffnet sich un. sercn Friedensbelegrcrten dir willkommene Gelegen­heit, unter Hinweis auf Wilsons jüngste Erklärung, alle bie Fragen cinbringlich zu verhandeln, in denen uns gegenüber gegen bie Wilsonstlen Grundsätze ver. fahren werden fall. Es bleibt wenigstens bie Hoff­nung, daß so das Schlimmste noch abgeweridet wer. ben kann.

Italienischer Unmut.

Sngano, 24. April. Die italienischen «ratter führen eine außerordentlich heftige Sprache gegen Wilson und die englischen und französifchen Staatsmänner.Po­pow d'Aalia" droht England an, Italien werbe die Auf­stände in Aegypten und Indien schüren.Eorrierc della Sera" schreibt:Wir stehen in dem ernstesten unb kri­tischsten Moment der Konferenz. Alle Mistel sind Miseren Verbündeten recht, um Italien zu ungercchkem Verzicht zu zwingen; imd doch waren unsere Ansprüche so gering. Wir forderten weder Kolonialreiche noch sahelbaste Kohlen- bergwerke, muffen aber zusehen, wie drei Millionen Deut­sche den Tschechen und ebenso viele den Dolen einverleibt werden, wie Ungarn nach rechts und links verteilt, Bul- garien an Serbien und die Türkei an Griechenland oei- schenkt werden. Aber Amerikaner, Engkönder und Fron- zofen werden von Skrupel ergriffen, wenn es sich darum handelt, das italienische Fiume und das italienische Zara Italien zuzusprechen." DieZribuno" faßt:Ohne die Intervention Italiens hätten die Vereinigten Staaten keine Zeit gehabt, in den Krieg einzutrcten und mit den Deutschen als Sieger rechnen muffen. Die Märkte Euro- fa® wären Amerika dann nsrfchloffcn gnoefen. Andere Zeitungen heben hervor, befe Wilson, der mir ein einziges Regiment nach Italien geschickt habe, gegenüber zwei Mil- Ronen an anderen Fronten, fein Recht habe, von den I Iwlienerii zu verlangen, bafe sie auf ihre Ansprüche ver- I zichteten. DasGiornale d'Italia^ sagt:Ohne Sailens I Freundschaft wären die Dinge der letzten fünf Jahre ganz | anders gekommen.'

wti Rom, 24. April. (Stefani.) Gestern abend fanö auf dem Colonna-Platz eine große Bol ksku nb- gebuna für bie italienischen @c; iettforberunpen ffait. Man bemerkte zahlreiche Fahnen im» Inickriften wieEs lebe bad bereinigte Italien",Es lebe das ral'fnifdje Furme",Es iebe Orlanbo",Es lebe sonn io". Es bildete sich ein Zuo, der unter Absingcn batuo ncger Lieber sich zum Kapitol begab. Auf item Kapuolspigtze hielt ter "Bürgermeister von Rom eine An piache, in ber er insbesondere duSfübrie:Von dieser Stelle, wo wir am 24. tÄai 1915 de» Rui narf? dem firiei erichallen ließen, erhebm wir brüte unseren Ruf des Protestes unb der Smxntirng lveg n oe8 Attentates, das unsere geheimen Femde gegen uiueic deiliorn Reckte zu begehen wagen. I alien hat seine Pflicht erfüllt und es bat ba$ Rech', zu verlangen, daß icine Kriegs ziele nickt verraten oder durch hruch!eri^chc Komb nanonen ge chädiat werden; e» kann verlangen, daß die Früchte fern. » blutigen kr iege« nicht von femm Fe »den ocpsisicki toerben." Dre Rede be, Bürgermeisters wurde von einmütigen -LrtsaUSlundgebungcn beglet et.