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Donnerstag, 17. April 1919.

- Fuldaer Leitung Druck der Fuldaer Lctieudrnckerei in Fuld

»tt parlamentarische ^rievensausschutz.

Der parlamentarische Ausschuß für die Friedens« Hkihandlunaen hat sich konstituiert. Er setzt sich zu« lamme« aus dem Präsidenten der Nationalversamm- fgn6r den drei Vizepräsidenten und 28 Mitgliedern gßet Parteien. Am Mittwoch hielt der Ausschuß jgine erste Sitzung ab. Die Aussprache ergab als« jfllö, wie dringend notwendig die Einrichtung eines solchen Ausschusses ist, der allein der Nationalver- faBtmlunfl die Möglichkeit rechtzeitiger Einwirkung

die Friedensverhandlungen gibt. Im Verlaufe btt Aussprache gab der Vertreter des Auswärtigen zlmteS Gesandter Dr. v. Daniel, seinen Bericht über die Friedensvorbereitun;en, aus dem folgendes .u entnehmen ist:

r Die Regie runa hat die Vorarbeiten rechtzeitig ein- zeleitet. Zur Erklärung eines festen Standpunktes ist bisher nicht gekommen, weil die Forderungen des Feindes nicht feststanden. Er gewinnt den Anschein, patz im Verlauf der Pariser Konferenz wesentliche Senderungen bei den Feinden eingetreten sind. ES steht noch nicht einmal fest, ob ein Vorfriede anaestrebt wird oder unmittelbar der endgültige Friede. Bei den Der» Handlungen wird vor allem der V öl k e rb u n d eine große Rolle spielen. An zweiter Stelle wird die Abrüstung sieben. Hier scheinen die Ansichten innerhalb der Ent­ente scharf auSeinanderzuqehen. Von Frankreich wird, wie man annimmt, die Neutralisierung und Entmili- tarisiqiung deS linken Rheinufers in gewissem Umfange gefordert werden. Im übrigen haben sich die Franzosen von ihren ursprünglichen Forderungen big jetzt so weit zurückgezogen, daß sie einen Unterschied machen zwischen der ilrategischen, politischen und wirt­schaftlichen Grenze. Die strategische Grenze wird der Rhein werden, die politische soll Elsaß-Lothringen und die wirtschaftliche auch das saargebiet umfassen. Sine weitere Forderung wird dahin gehen, daß der Rhein neutralisiert werden soll. Für die Ostmark er­wartet man Bedingungen, die als nickt völlig uner­träglich gelten. Bezüglich der Kolonien liegen noch keine endgültigen Beschlüsse vor. Fn der Frage d«S Schadenersatzes scheinen es die Gegner eingesehen zu haben, daß sie zum mindesten in den nächsten Jahre« aus bares Geld nicht rechn en können. Als sichre kann gelten, daß die Schuldfrage zur Sprache ge­bracht werden soll. Die Ansicht dec Kommission laßt sich dahin zusammensassen, daß Deutschland keinen Frieden unterschreiben darf, der einer ge­rechten Auslegung der 14 Punkte Wilsons nicht entspricht. Der deutsch-demokratische Abg. Freiherr b. Richthofen machte den Vorschlag, daß dem Friedenskongreß ein deutscher Entwurf für den Völker, bimd vorgelegt weiden soll und für die Untersuchung der Schuldfrage ebenfalls ein formulierter deutscher Antrag vorbereitet werde.

Von Seiten der Regierung, die durch die Minister Erzberger und Landsberg vertreten war, wurde erklärt, daß ein Völkerbundentwurf bereits ausgearbeitet sei. Abg. Falk brachte dann die Frage der besetzten Gebiete vor, ferner sprachen Müller - Breslau (Soz.j, Mayer- Schwaben (Zentr.) und Dr. Quiüde (DemokrF. Be­merkenswert war noch, daß der Unabhängige SIbfl. Haase erklärte, nach seiner Kenntnis der Dinge lei­steten die französischen Sozialisten aller Richtungen jeder Annexion mit Ausnahme von Elsaß - Lothringen entschlossenen Widerstand.

Christliche Arbeiterschaft u. Rätekongretz.

Berlin, 15. April. Auf dem Rätekongreß waren auch einige Vertreter der christlichen Arbeiterschaft an« wesend. Einer der Vertreter, Weinbrenner aus Duisburg, nahm bei der Aussprache über den Bericht des Zentralrate» die Gelegenheit wahr, um den Stand- punkt der christlichen Arbeiterschaft darzulegen. Aus seinen Ausführungen lassen wir nachstehend das Wich­tigste folgen:

Der Kongreß ist nicht, was er angeblich sein ;oll, ein wirkliches Spiegelbild des werktägigen Volke». Die christlichen Gewerkschaften, die Hirsck-Dunckerschen Gc- i Werbevereine, die nichtsozialdemokratischen Angestellten- I und Beamtenorganisationen und die Landwirtschaft | mit ihren vielen Arbeitern sind kaum vertreten. Der Grund unserer trostlosen Wirtschaftslage liegt darin, daß e» viel leichter ist, eine alte Ordnung innerhalb weniger Stunden zu zerschlagen, al» eine neue aufzu- bauen. Wenn man etwas weniger mit Schlagwörtern innerhalb, der Arbeiterschaft arbeitete, dann würde sich sofort zeigen, daß Eohen-Reuß recht hatte, als er Ihnen, den unabhängigen Sozialdemokraten, sagte: .Wenn Eie vier Wochen die Macht in der Hand haben, wird sich sofort Herausstellen, daß Sie die Verspre­chen nicht einzulösen in der Lage sind, die sie der Masse gemacht haben." Es wird behauptet, die vielen Streiks wären darauf zurückzuführen, daß die Forderungen der Arbeiter nicht erfüllt worden sind. ES kommt darauf an, was unter Forderungen verstan, den ist. Wir sind soweit, daß die amerikanischen Kohlen den Rhein hinauf nach der Schweiz ge­liefert werden, weil sie billiger sind als unsere Ruhrkohlen! Wollen wir auf dem Weltmarkt kon­kurrieren, dann dürfen Sie nicht veraeffen, daß die Preise unserer Exportwaren die ausländischen nickt übersteigen dürfen. Die Preise müssen sich zum min­desten den Weltmarktpreisen anpassen, wenn wir nicht vollständig unsere Warenausfuhr einstellen wollen. Was kommt für die Gesamtheit dabei heraus, tpenu wir Werke, die sich in solch schauderhaftem Zustande befin­den, sozialisieren? Sozialisierung heißt doch Steige, rung der Produktion bis zum Höchstertrag. Soziali­sierung heißt doch Berbrlligung der Produktron, da- mit jeder Volksgenosse sich in den größtmöglichsten Besitz aller Verbrauchsgüter setzen kann. Sozialisierung heißt aber nicht, daß die Zecken die Schichten bezahlen und die Arbeiter die Kohlen verkaufen, wie es vorgekommen sein soll. Wenn uns Herr KaliSki sagte: .Wollen wir au» diesen schauderhaften Zuständen her- au», dann müssen sofort eineinhalb Millionen Menschen aufs Land. Wir können der Zustimmung der christ­lichen Arbeiter ebenfalls sicher sein . . ." Jawohl, wir sind damit einverstanden! Man macht von der linken Seite den Zwischenruf, man möge die No»ke-Garde in die Landwirtschafk schicken. Ich verstehe NoSke genau so wie ich Brutus verstehe. Brutu» erschlug Cäsar, weil er Rom mehr liebte al» Cäsar, und weil NoSke ein größeres Verantwortungsgefühl hat, weil ihm die Zukunft des deutschen Volke» mehr am Herzen liegt al» Ihnen, deshalb muß er die Schattenseiten des FreiwilligenshstemS mit in Kauf nehmen. Würde er eS nicht tu«, dann ginge unser gesamtes Volk rettungs­los unter. Ich nehme an, daß Sie (nach link») den ehrlichen Willen haben, an den Wiederaufbau unseres Volkes und unseres Wirtschaftslebens heranzutreten. Wollen Sie das, dann müssen Sie sofort die Schlag­wortagitation einstellen. Wer glaubt, die Gewalt mit Gewalt vernichten zu können, der führt Deutschland in den Bürgerkrieg. Es werden Blutströme fließen, und

unser liebes deutsches Volk wird untergehen. Wir haben alle Veranlassung, unser armes zerschlagenes Volk wie- der zur Ruhe, zur Ordnung und zur Arbeit zu bringen, tun wir da» nicht, dann werden wir statt Waren Menschen auSführen und die Auswandererhallen in Hamburg, Bremen und in Antwerpen werden von unseren Volksgenossen gefüllt werden. Run, meine Herren von der Unabhängigen Sozialdemokratie, sor­gen Sie mit dafür, daß unser Volk in deutschen Lan­den Brot und Arbeit finden kann, daß es nicht den Schwarzen und Braunen Helotendiensie zu leisten hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

Lokales.

Ritlha, 17. April 1919.

A Gegen die überfüllten Schulklassen. Heber die Herabsetzung 'der Älaffenfrequenz zunächst im Gebiet leistungsfähiger Schulverbände hat Kultusminister Harnisch folgende Verfügung erlassen: Zur Durchfüh­rung der von der Skaatsreaierung angekündigten Re­form des Schulwesens ist eS notwendig, versuchsweise etliche öffentliche Volksschulen so einzurichten, daß auf jede ordentliche Lehrkraft mit Ausschluß der techni­schen bei mehrklassiqen Schulen höchstens 40, bei einklassi en höchstens 50 Schulkinder entfallen. Die Negierung (das Provinualschulkollegiumj wolle alSbald wegen Erreichung dieses Zieles mit leistungsfähigen Schulverbänden, namentlich solchen, in denen mittlere oder höhere Lehranstalten vorhanden sind, .Verhandlun­gen einleiten und über das Ergebnis bis zum 1. Okt. berichten. E» würde mir erwünscht sein, wenn möglich schnell in einer erheblichen Anzahl von Orten Lehrer - und Lehrerinnenstellen errichtet würden, da bei dem augenblicklichen Angebot von Lehrkräften die sofortige Versetzung dieser Stellen durchführbar und zweckmäßig erscheint. 1

-> Ablieferung von Heeresgut. Trotz wiederholter Aufrufe und Bekanntmachungen der Behörden über Ablieferung von Heeresgut befinden sich noch unge­heure Mengen von Heeresgut aller Art (Kraftwagen, Pferde, Schußwaffen rc.) zu unrecht in den Händen der Bevölkerung. Abgesehen von den seit Ausbruch der Revolution gestohlenen oder unterschlagenen Gütern sind auch' große Werte von Armeematerial durch Heeresangehörige ohne Berechtigung zu Spott- preisen verkauft oder verschleudert worden. Aus Magazinen und Depots sind ferner bedeutende Vor­räte an Lebens- und Genußmitteln, die für die Ver­sorgung der Truppen bestimmt waren, durch unge­treue Angestellte entwendet und in den Privathandel verschoben worden. Alle diese Fälle, die in der Zeit der größten Not unseres Vaterlandes um so ver­werflicher sind, können nur wirksam verfolgt wer­den, wenn jedermann hierbei die Behörden unter­stützt. Anzeigen sind zu richten an die Mil.-Pol. Nach« und Abichub - UeberwachungSstelle XI. A.-K. Kassel, Kölnische Straße 28, Fernruf 2144.

vermischte;.

* Das Postflugzeug Hamburg Berlin verunglückt. Das Postfluzzeug Hamburg Berlin mutzte infolge eines Bruches des Kühlrohre» bei Pinnow-Elbe eine Notlandung vornehme«. Da die Landungsstelle un­

günstig war, geriet das Flugzeug in verschiedene Hin» derniffe, stürzte ab und wurde bollständig zertrümmert, Der Führer kam ohne Schaden davon. Die drei Zent­ner schwere Post wurde in Dömitz aufgegeben. Vom 15. April ab wird ein Fluapostverkehr auf der Strecke BerlinHannoverGelsenkirchen eingerichtet.

* Der erste jüdische Reichsgerichtsrat. Oberlandes. gerichtSrat Dr. Salinger in Breslau ist zum ReichSge- richtSrat ernannt worden ES ist, demBerl. Tagbl." zufolge, da» erstemal, datz ein Preuße jüdischen Glau­bens zum RegierungSrat ernannt wurde.

Sotterdlenstordmmg

Katholischer Gottesdianft.

Karfreitag, 18. April. Do«. (Kollekte f. d. hl Land.) 6 Auss. d. Allerhl. i. hl. Grabe (Marienkapelle.) S Beginn d. hl. Zeremonien. Rachm. 4 Matuiin, danach A. i. hl. Grabe (5. Fasten-A.). Stadtpfarrkirche. 6 AuSs. i. hl. Grab, 77, liturgische Feier; 2 Kreuzweg- A., 6 Schlutz°A. Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Gottes­dienst, 5 Schluß-Ä. Frauenberg. Morgens um 5 öffentliche Betstunde; um "A7 Beginn des liturgischen Gottesdienstes; 8 Kreuzweg-A. m. Pr. (bei günstiger Witterung auf dem Kalvarienberge); gegen 10 Prozession in die Stadt zum Besuche der hl. Gräber. Nachrn. 2 Kreuzweg-A.; '/«5 Trauermetten; 7 öffentliche Betstunde. Nonnenkirche. Vorm. 8V« feiert. Karfreitagslituraie. Nachrn. 4 Watutin u. Laubes des CharsamStag. Abds. 6 Abendand., 6lA feiert. Ostermatutin. Severikirche 5 Schluhandacht. MichaelSkirche. AuSsetz. d. Allerh im hl. Grab von morgens 6 Uhr an. Abends 7,6 Uhr Schluhandacht. Herz-Jesu-Heim. 3 Kreuzwegandacht

Karsamstag, 19. April. Dom. 6 Auss. d. Allerhl 7 Beginn der hl. Zeremonien. Gegen 8'/- Hochamt, danach Auferstehungsfeier am hl. Grabe u. Uebertragung d. Allerhl. Stadtpfarrkirche. 6 Auss. i. hl. Grab. 7 liturgische Feier; gegen 8V« Beginn des Amtes. Pfarrkirche znm hl. Geiste. 7,7 hl. Weihen, */«8 Amt. 4 Beichte, 7,8 Rosenkranz u. Beichte. Frauenberg. Um 6V« Beginn des liturgischen Gottesdienstes; gegen 8 feierliche» Amt mit Ostervesper. Abends 5 feierliche Komplet und Auferstehungsfeier. Nonnenkirche. 7 feiert, KarsamStagsliturgie, gegen */«9 Hochamt, danack Auferstehungsfeier.

GvaugrUfcher @oft«8bftaft.

Karfreitag, 18. April. 91/, Uhr: Pfr. Weber Nachrn. 2 Uhr: Sup. Ruhl.

B lederst»!». Borm. 9 Uhr: Pfr. Reich.

Jsvaaktttsch«: VottsSd lenst.

Samstag, 19. April. BorabendgotteSdienst 7,15 morgen» 7,30, nachmittags 5, SabbathauSgang 8,15 Uhr.

Sonntag, 20. April. Morgen» 6,30, Uhr.

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