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Frankreich und das Saargevket.
Berlin, 16. April. Die ,B. Z. a. M.' erfährt r® zuverlaisiger Seite, daß zwar das für ta5 Ein- der deutschen Delegierten angea-bene Datum zutnsft, daß dagegen die von der französischen Presse angegebene Regelung der Saargebietsfrage Uoch nicht endgültig ist.
Rotterdam, 16. April. .Daily Mail' meldet aus Pans: Der Kammerausschuß beriet am Montag JW) Dienstag über die Frage des Soarbeckens. Plchon oad namens der Regierung die Erklärung °o. daß Frankreich über das Saardecken nicht der- yamile. Eine Ablehnung der Bedingungen Frank- über das Saarbecken und Elsaß-Lochrinqen durch Deutschland nähme Frankreich jede Möglick- rnt, den Fneden mit Deutschland zu schließen.' »«3 k>?t«»^ErrväAunLen heraus bleibe die Mobilmachung
Zwei Osterbotsch asten —
von Wilson and von Ebert.
Wilson hat „als Wortführer den Ra:eS der Kiei" verkündet, daß die butschen Bevollmächtigten am 25. April mit den Vertretern der gegnerischen Mächte zuiammenkommen sollen. Die Aussicht, daß die Friedensverhandlungen wirklich eröffnet werden sollen, würde unsere Feststimmung heben können, wenn Präsident Wilton uns zugleich mitgeteilt hätte, daß der Friedensvorschlag feinen 14 Punkten entsprechen werde. Darüber bewahrt er aber ein bedenkliches Stillschweigen.
Reichspräsident Ebert hat in der letzten Sitzung der Nationalversammlung eine Kundgebung verlesen lasten, die als zeitgemäße Botschaft an das deutsche Volk zu begrüßen ist. Ebert kann uns freilich noch keine Kunde geben von den ausgestellken Friedensbedingungen, weil er noch keine amtliche Mitteilung erhalten hat. Aber er erhebt kräftigen Ein pruch gegen die grausame Behandlung, die wir bisher erdulden mußten, und gegen die maßlosen Forderungen, die in den französi chen Auslassungen unS angedroht werden. Der Reichspräsident kann sich dabei stützen auf den einmütigen Beschluß der Nationalversammlung vom 10. Apr l, der nur den Frieden der Verständigung und der Berjöhnung für annehmbar erklärt.
„Der Wille des' deutschen Volkes", ferklärt Ebert feierlich, „wird für die Reichsregierung maßgebend sein." Demgemäß müssen die Gegner damit rechnen, daß die Regierung einen Friedensvertrag, der die Zukunft Deutschland- gefährden und der Menschlichkeit widersprechen würde, nicht unterzeichnen wird.
Das ist eine letzte Warnung nach außen hin. Daran schließt sich die nickt mehr neue, aber leider «och immer notwendige Mahnung nach innen. „Saftet ab von der Selbstzerfleischung. Ueberwindet euch. Tut die Augen auf vor dem Abgrund. Arbeitet !"
Eine freudige Stimmung kann die politische Osterbotschaft nicht Hervorrufen. Tas war auch unter den traurigen Verhältnissen der Gegenwart nicht möglich. Wir müssen schon zufrieden lein, wenn die Hoffnung, an die wir uns krampfhaft zu halten suchen, eine gewisse Unterstützung oder wenigstens Schonung findet.
Was soll man nun aus der Erklärung Wilsons folgern? Tritt er als Wortführer bes Vierer» rais hervor, weil seine Grundsätze und Ideen durch« gedrunpen sind? Oder will er durch sein persön- Iich.S Hervorlreten den Riß verkleistern und seine Niederlage verdecken? Tie Sache bleibt vorläufig dunkel. Vielleicht kann man sich an die Ansicht klammern, daß Wilson sich mehr zurückgehalten hätte, wenn wirklich die Friedensbedingungen so oussähen, wie sie vor wenigen Tagen die französische Regierung ins Ausland hat melden lassen. Für einen solchen Gewalrfrieden mit Einschluß des Raubes am Saaraebiet lönnte Wilson kaum den Herold spielen wollen.
Neuerdings ist auch von der Schweiz auS die Nachricht verbreitet worden, der erwähnte französische Bericht entsvreche nicht den vereinbarten Forderungen der Verbündeten, und eS sei überhaupt beschlossen worden, die Frieden sbedinqungen bis zur Mitteilung an die deutschen Unterhändler geheim zu halten. Wenn das zuträfe, dann hätte man die Pa« rrser Kundgebung als ein Mackwerk ClemenceauS Mt betrachten, der vielleicht den Puls der öffentlichen Meinung befühlen sollte.
Tie kräftigste Antwort hat ihm ein französisches Blatt gegeben, nämlich die „Humanite", dre zu dec Saarfrage schreibt:
»Wir erwarten mit einem Gefühl von (Brauen und Ekel die Veröffentlichung der definit.ven Klausel, die dieses historische Verbrechen guthcitzen soll, falls Wilson nicht doch noch im letzten Augenblick in der Aufwallung und Empörung forlgerissen wirb.«'
Zugleich wird gemeldet, daß die tranzösischen So» zialluen, nämlich der französisches .Allgemeine Arbei- terverband, der angeblich 2 Millionen Mitglieder zählt, in Plakaten entschieden Wider'pruch erhebt gegen den Bruch der feierlichen Zusage, gegen die Blockadepolitik und überhaupt gegen die „Sabotage om Frieden". Das ist ja sehr schön; aber (Eiemen« cean macht sich aus dem Einspruch von links gar »ichis, so lange die Opposition es bei Worten bewenden läßt. Die einzige Möglichkeit, den französischen Haß-, Raub- und Vernichiungswiven einzu- dämmen, liegt in der Person WilionS, wie auch die „Humanite" richtig bemerkt. Es muß sich ja nun bald zeiaen, ob Wilson sich selbst verleugnet und feine Grundsätze geopfert hat. Er würde dann vom »Schiedsrichter der Welt" zum Schleppenträger deS Herrn Clemenceau sich erniedrigt hab-n.
Sehr bezeichnend ist die jüngste Aufforderung der «Times", man (olle die verbündeten Truppen in Teutichland einrücken laffen, um den deutschen Bolschewismus ,u ersticken. Deutlicher kann es den Streikern und Ruhestörern nicht gesagt werden, daß sie die Geschäfte derjenigen besorgen, die unS den vernichtenden Gewaltfrieden bescheren wollen.
So kommen schließlich die Osterbot chaften von Mauzen und innen auf dieselbe Mahnung hinaus: Ordnung und Arbeit! Wenn das deutsche Volk oaz nickt begreift, und befolgt, dann müffen auch die «etzren Ojterhoffnungen zu schänden werden.
deS französischen Heeres bis zum Friedensschluß in Kraft.
* Genf, 16. April. Tie „Humanit« meldet, daß die Soztalisten ihre Beteiligung bei den für die Ostertagein ganz Frankreich einberufenen Massenversammlung der Gewerkschaften für einen gerechten Frieden und eine allgemeine Völkerverbrüderung wieder rückgängig gemacht haben. Damit stimmt überein, daß im Kammerausschuß die Sozialisten für Pichons Erklärung über das Saargebiet stimmten.
Was sie fordern.
wtb. Pari», 15. Avril. Die „Liberte" schreibt: Die 125 Milliarden, die Deutschland entrichten muß, stellen nur eint vorläufige Z ahlung dar. Darüber hinaus mutz sich Deutschland verpflichten, für die noch nickt ermittelte Gesamthöhe der Sctäden Wieder» Herstellungskosten zu zahlen und außerdem für die militärischen Pensionen aufzükommen. Deutschland wird sich seiner Schuld in jährlichen Raten entledigen müffen.
• Paris, 15. April. Lloyd George erklärte über die Kriegsentschädigungen, daß Deutschland außer der vorgesehenen Zahlung von 125 bis 150 Milliarden eine Verpflichtung übernehmen soll für sämtliche Schäden, Wiedergutmachungen und Pensionen wieder auszukommen. Die Meinung der Sachverständigen, welche Summe Deutschland in 35 Jahren bezahlen soll, gehen auseinander. Llohd George ist der Ansicht, man solle die Zahlung derselben auf eine Periode von 50 Jahren verteilen, um so eine höhere Entschädigungssumme erhalten zu können.
Daß jemals solche irrsinnigen Forderungen von Deutschland anerkannt würden, oder anerkannt wer- den könnten, ist einfach ausgeschloffen. Ueber solche Raubgelüste diskutiert man überhaupt nicht. Wir werden uns nicht von dem Wilonschen Friedensprogramm abbringen lassen. Danach sind wir zwar verpfltchlet, Entschädigung zu le ften, wir haben aber nur für den Schaden aufzukommen, welcher der Zivilb völkerung der besetzten Gebie'e durch unseren Angriff zu Lande, zu Waffer und in der Luft zu- gefügt worden ist. Alle indirekten Schäden, die nicht im besetzten Gebiete angerichtet worden sind, scheiden aus. Es sind also auch ausgeschlossen alle Schäden, di« den feindlichen Heeren oder Staaten durch den Krieg erwachsen sind.
Dayrrn.
Die «Manschen Maßnahmen der Regierung.
Bamberg, 16. April Der Aeltestenrat deS Bayerischen Landtag» hat beschlossen, die Regierung zu ermächtigen, alle geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Truppen zur lieberiD’tfum der Spartakisten anzuwer. den und heranzuziehen, woher auch immer e» möglich sei, auch von autzerhalb Bayerns. Damit sind die Widerstände gegen erne Inanspruchnahme von Reichs- Hilfe beseitigt. Die Entscheidung deS Ministeriums über die Stellan inabme zu dem Beschluß de» Aeltesten- rai'c» wird jedenfalls noch heute fallen. — Wie das „B. T." berichtet, Haden die per-önlich geführten Ber» vandlungen bet bayerischen Ministerpräsidenten und de» Krtegsminister» mit der württemvergischen Regierung erwünschte Früchte gezei.igt.
Der Vormarsch.
* Vambera, 16. April. Gegen München find jetzt alle verfügbaren Truppen der Garnisonen U Im, Ingolstadt und Re gensburg, sowie Abteilungen aus nordbaherischen Garnrwnen zum Aufmarsch in Bewegung gesetzt worden. Ter Angriff wird von einem bekannten bayerischen General geleitet. Sämtliche modernen Kampfmittel stehen den Truppen zur Verfügung. Leider glauben der Regierung nahestehende Kreise, daß die in Marsch gesetzten Truppen nicht ausreichend sind und daß es sich schließlich nickt umgehen lassen wird, preußische Truppen oder das Freikorps Epp, das in letzter ßeit stattlichen Zuzug auS bayerischen Bür- gerkreisen erhalten hat, zu Hilfe zu rufen.
Nürnberg, 16. April. Vor den Toren München? stehen seit gestern mehrere 5 visonen Infanterie, die reichlich mit Artu..rie versehen sind. Minenwerferabteilungen find biegt an die Stebt vorgerückt. Der Nachschub von Verstärkungen aus der Richtung Nürnberg steht bevor. Das Gelände links und reckts der Eisenbahn Augsburg—München ist in ein förmliches Heerlager veiwandelt. Die militärisch« Leitung der Regierungstruppen beabsichtigt, den Einmarsch in München umfassend zu erzwingen. Vor der Durckführung der Operationen wird das Anrücken von Regimentern des östlichen Grenzschutzes und einer seit vorgestern in Bildung begriffenen Bauernwehr erwartet.
Di« Lage in München.
_• Bamberg, 16. April. Hebet die Lage in Müncken wird dem „Freistaat" von einem in besonderem Auftrage nach München entsandten Vertrauensmann der Bamberger Regierung berichtet:
Am vergangenen Freitag teilte der Staatskom» miffar für Demobilinachun iswesen Gruber und die Herren,Dr. Neurath und Seerer dem Zentralrat mit: Bi» spätestens nächsten Mittwoch muß die overbayerische ©ifenba’’n aus Kohleninangel ihren Betrieb einstellen. Frankreich sperrt die Säarkohlrn, Böhmen die böhmische Kohle, das Kohlenkonter in Essen hat die Einfuhr von Kohlen an Bcdinsungen geknipst, die wir nicht erfüllen können. 83 r haben zwar dre Kohlen aus den oberbahenschen Sckächten zuräckgeöal. ten und,banut momentan einen kleinen Vorrat erzielt, doch müffen di« otervayeriscken Ter'werke au» Mangel an Schmieröl, da» aui Nvrddeutschland ko-nmt, in totnhen Tn en ihren Betrieb einsiellen. Die Leben», mittellage ist iolgende: Wir haben weder Brot noch Mehl' Kartoffeln überhaupt keine. Dre Zufuhr an Mftck, Fett, Ältlich und Gemüsen i‘t Luh-rfl » errng. Mit Einftcllen de» Eisenbahnverkehrs wird die Milch» und Fcttzu.uhr völlig stocken und damit der Tod von taufen oen von Säuglingen herbei-reführt werden. Die Soldaten füh'eu, tote men in allen Kasernen versichert, die beginnende Hungersnot bereit» in erheblichem Matze. Hebt’ten» haben die Bauern auf mehreren wicht» 'en B-hnstrecken die Schönen aafge- riffen, um die Leben»m.ttelzu,uhr nach München zu verhindern.
Abnahme des Streiks im Nuhrgediet.
•tb Essen, 15. April. Der Streik im Ruhrrevier ist überall im Abflauen begriffen. Tie Zahl d r Ausständigen erreichte ihren Höhepunkt am 10. April mit 167QQ5, Seivrm hat die Za^jäglich jfeflfc
nommen und betrug in der heutigen Fiühsckickt 127 629 gegen 138256 gestern. Gegen den Höchststand ist mithin allein in der Frühschicht eine A b- nohme um rund 40000 zu verzeichnen. In der gestrigen Früh-, Mittags- und Nachtschicht hat sich bte Zahl der Streikenden auf 263 141 belaufen gegen 300154 in den drei Schichten am Same tag.
wtb Essen, 16. April. Heute streiken in der Frühschicht 117000 Bergleute gegen 127000 gestern, in atien drei Schickten 246000 gegen 263000.
* Bochum, 16. April. Auf'Schacht IV der Gewerk- schäft Lothringen ist heute früh d,e Belegschaft vollzählig wieder ungefähren, auf Schacht I und It haben sich 200 Bergleute zur Arbeit gemeldet. Auch bei oct Gewerkschaft Konstantin der Große und bei den Deutsch-Luxemburg - Schächten hat sich die Zahl der Vlrbcitenber. in der heutigen Frühschicht vermehrt. Gleiwe Meldungen kommen von den anderen Schächten de» Bezirks.
Konkurs einet B«r werkSg«s«llschaft.
Bochum, 16. April. Am 14. April ist über daS Vermögen der Bochumer Bergwerks-A.-G-, der die Zech« Preußen gehört, dos Konkursverfahren eröffnet worden. Die Gesellschaft ist -infolge der Dauer st reikS und der immer größer werdenden Forderungen der Bergarbeiterschaft zu so großen Verlusten gelommen, daß der Konkurs nicht abzuwenden war.
Aus dem Industriegebiet.
* Essen, 15. April. In Essen sind weiter 2000 Mann Regierungstruppen «ingetroffen. Der seit zehn Tagen fttQiegenbe Straßen bahn betrieb ist heute vollständig wieder ausgenommen worden.
Eiberseld, 16. April. Die Arbeiter lehnten mit erheblicher Mehrhe t den Gen eralstreik für das Wuppertal a b. Tie Bankbeamten verwarfen einen Sympalhiestreck zugunsten der Berliner.
Berlin, 16. April. Rach den ans Düsseldorf vorliegenden Nachrichten kann für heute die Beendigung des Generalstreiks erwartet werden; in vielen Fabriken wird bereits gearbeitet. Infolge der gestern beschlossenen Aufnahme der Notstandsarbeiten ist die Versorgung der Stadt mit Gas und Elektrizität, wenn auch in beschränktem Umfange, nach achtiägrrer Unterbrechung wieder möglich. Tie Zeitungen können wieder erscheinen. Die Wasserversorgung der Stadt ist wieder normal.
Stratzenkamps in Iserlohn.
Nach einer Versammlung in der Kaiserhalle zu Iserlohn, in der der Kommunistenführer Brenner eine Rede übet die Weltrevolution und da» bewaffnete Bürgertum gehalten hatte, begab sich ein Demonstrationezug von Kommunisten zum Rathaus, um die verhaßte Sicherheitswehr aufzulösen. Die Fensterscheiben wurde« eingescklagen und etwa 20 Gewehre unbrauchbar gemacht Die Stcherheitswehr leistete kräftigen Wider- stand. Rus beiden S tleit toutSe geschossen und mit H. ndgranciten geworfen. Der Kommunistenführer Bren- na wurde durch einen Bauchschuß schwer verletzt. Außer- dem wurde eine Person getötet. Cpäter gelang tS in einer Besprechung zwischen MagisträtSmitftiedern und dem Arbe.terrat eine Einigung herbeizufuhren.
Die Dresdener Korgätti«.
Nach einer Darstellung in den .Leipziger Neuesten Nachrichten" sind die Gewalttätigkeiten gegrn den KriegS- minl'ter Neu ring keineswegs erst durch das Werfen der Handgranaten verursacht worden, vielmehr hatten fdwn vorher Anstürmende Türen und Fenster etn.ic» schlagen, und aui Aeußerimsen einzelner Hetzer ging hervor, daß man schon während dce Bechcindlungcn de» KriegsministcrS mit der Abordnung der KriegS- bejchädwten de.» Plan gefaßt hatte, verschicvene Persönlichkeiten, namentlich Neuring, in die Elbe zu werfen Nach einer Darstellunz de" Führers der Deputation ergibt sich, daß die Handgranaten in einem Augenblick geworfen wurden, in dem die Abordnung gerade mit dem Minister verhandelte und d»eier bereits sein Einverständnis mit wesentachen Forderungen der Kriegsbeschädigten ouSeesp ochen hatte. Ganz offenbar sind nachallede a spartutig.sche Elemente für die bestialische Tat verantwortlich. Utbtr sie 9n- tastrophe seiest berichtet ern Augenzeuge im Leipziger Blatt sollendes:
Im 2 urrahmen de» Ministe iumS erschienen Soldaten und auch einige Zivilisten, u. a. auch Neu. .na, ES standen viele Soldaten und auch Spartakisten um ihn gedrängt. Er wollte sprechen, schwenkte den, Hut und zeigte ein Blatt Papier, verschiedene Solde.ten baten auch um Ruhe, aber die Menge johlte: «Nieder mit ihm, haut ihn, schmeißt ihn irr dre (Elbe!" Man konnte nicht verstehen, was Neuring sagte. Gr wollte anscheinend Zugeständnisse machen, sie ließen ihn aber nicht zu Worte kommen. Schließlich wurde er von der Treppe hcrabgcstürzt, gestoßen, geschiagen, nach allen Seiten hin» und herzedrängt von Hunderten, hauptsächlich von Soldaten. Wiederholt wurde er mit Fäusten auf den Kopf geschlagen, an den Haaren gezruft und schließlich an das Brückengeländer gedrängt. Als ein Soldat die Kameraden zur Ruhe mahnte und sagte, Neuring wolle von seinem Posten zurückireten, erhob sich noch wüsterer Lärm und der Ruf : .Schlagt »hn tot, in die Elb« mit ihm!" C» wurden Gewehr- schüfse und Maschinengewehr schüsse abgege- bca.- Schließlich wurde Neuring I;o hgehoben und in die Elbe gestü zt und, als er wieder auftauchte, mit Gewehren und Maschinengewehren beschossen.
Generalstreik in Bremen.
Breme«, 16. April. In einer Versa mmlung, in welcher Hauptmann Beerfew-Herlin sprach, verlas der Vorfitzenee der Versammlung eine Bekannt- machung des 21er Rats, der ab 12 Uhr nachts den Allgemeinausstand erklärt. Sämtliche Arbeiter der größeren Werke, wie der Akrienoesellschafr Weser, der Hansa- und Lloydwerke usw. blieben heule morgen von der Aibeit lern. Der größte Teil der Straßenbahner hat sich dem Ausstand angeschlssfen.
W Bremen, 17. April. Di« LebenSmittelkommis- siou macht bekannt, wegen des Streiks könne der amerikanische Lebensmitleldampfer „Franklin" nickt ansgeladen weiden und die für Samstag beabsich- tiate Verteilung von Kartoffeln und Mehl nicht erfolgen. Ter Kapitän des TamPferS erklärte darum, sofort wieder abfahren zu wollen. Darauf setzte eine in kurzer Zeit organisierte HilfSbe- toegung aus Sürgerfreven em. Mehr «IS hundert Personen, darunter zahlreich« Akademiker, mach en sich an das Ausladen deS Dampfers. Die Aktion steht unter mditänfdjem Schutz, der Hofen ist militärisch besetzt.
Plünderungen in Hamburg.
Hambnrz, 15. April. Im Anschluß an große Alhettslosen-Deinousiiatrouen. wobei veriuM wurde.
das Rathaus'm stü.men, kam es beule in Hamburg zu großen Plünderungen und A"S>chrettung«n. Eine Reihe erster Lokale, u. a. der „Alster-Pavillon , wurden total ausgerämt. Auf berjDtiafje fielen bte Piünberer übereinander her, um sick gegenseitig bte Beule tu entreißen. Dre Stckerbeitsmann» schäften waren erst zur Stelle, als bas Unheil übet2 geschehen war.
Die SlretNag« in Berlin.
VerNn, 16. April. Der Generalstreik der An««« stellten in Berlin ist heute no ch n»ckin Er,cher- «ung getreten In den Betrieben hat die Abstimmung erst am Bormittag stattgefunden und wird zum proßten Teil erst am Nachmittag beendet fern. Ein ttmeZ urteil läßt sich bisher noch nickt gew nnen. Sicher »st, daß ein erheblicher Teil der Angestellte« eenen den Streik ist, daß aber die Mehrheit der Angestellte« der Betriebe jeglicher Art sich zur Erkampsung de» Mitbv. stiinmungSrechtö bei der Einstellung und Eutlnssun» von Angestellten sich für den Streik erklärt h U Die kommunalen Angestellten ,edoch wollen vom Streik nicht» wiffen. Weder bte An gestellten der Elek- triznätswerke, noch der Stcaßen- und Unter grundbahn nehmen daran teil. In diesen Betrieben sindet auch keine Abstimmung statt. Auch,bei anderen Angestellten, gruppen macht sich'eine Strömung pegen den Dru geltend, welcher von der Zentralstre.kte.t..ng au^eübt wird. Dagenen sind die Angestellten bet Berliner Spezialgeschäfte und Warenhäuser, obwohl gerade in. diesen Betrieben baS Mitbest,rnmungSrccht zugesianden worden ist, im Laufe dcS heutigen Vorrnfttaxk zum größten Teil bereit» in den Ausstand getreten. Ss soll ein n-irerlicher Versuch gemacht weroen, t« Verhandlun-swe'e zu einer Einigung zu kommen; Bte Regierung bemüht sich sortgesetzt ebensall» darum. Mintsterialdire'ior Krüger hat sich mit der Streikleitung ms Benehmen , esetzi, um neue Verhandlungen anzuknüpfen. Wie verlaut t, habcn sich auch die cktetall- induflriellen bei den gestrigen Verhandlungen in Weimar sehr entlegenkommend gezeigt.
Berlin, iß. Sprit. Heute nachmittag fand vor dem Schlichtun gSauSschutz eine Sitzung von Vertretern der Bankl! tungcn und Bankan zeflellten statt. Man erwartet eine Vereinbarung aus der Grundlage, daß die Arbeit wieder auftenommen wird unter der Beoinaung, daß bis zum Erlaß eine» Reichseeietze», welches das MubestimmungSrecht der An wstellien tm allgemeinen regelt, feine Entlassung oder soniwen Veränderungen im Personalflande vorgcnommeo
werden.
Braunschweig. *
»ravnschweki,, 16. April. Der Genernlstreik i« Braunschweig ist beendet. Die Führer,der Braunschweiger Beweaunr haben mit General Mär.'er, bet_tn Braunschweig die Reir>scLekntive üben soll und begen Truppen vor dem Einmarsch standen, in Magdeburg unterhandeln wollen. Die 9ieid>Sre.Hi.rung wird folgende Forderungen stellen: Entwaffnun, der Bevol- fftunAuflösung der Volksmarmedwision und der BoUSwegr nno Ausstellimg von neuen Freiwilligenvee» bänden aus nut Braunschweigern. Außerdem hat General Märker den Auftrag, die Renerunq in Braun- schweig abzusetzen und eine neue Regierung entsprechend der Zusammensetzung der SanbeSWrfamtK» iunz emzurichlen. Auch der Braunschweiger 8hbeitet» rat soll anfgeioit werden. Ein Widerstand ist, V Btaunichwerg nicht i.epiant
* Köuig Ludw'g von Bayern ist am TrenStaz bet Sevelen in die Schweiz ein gereift. Er gedenkt im Kanton Graubünden Wohnsitz zu nehmen.
• Die Tchw u hat der hiesigen deutschen Gesandtschaft gestattet, 3000 deutsche Kinder ohne wirt- schüft licke Zugeständnisse zu einem Erholungsultaub' in bie Schweiz zu bringen. r
DenWez Reich.
-- Weimar, 15. Apiil. Im, Weimarifche» Landtag wurde das Gesetz über bie vorläufig« Staatsgewalt nach unweientlicher Tebatw angenommen. Dagegen stimmten nur bie Unabhängigen. Es rciube bann die Tebafte über bie Beschaffung von StebelunaSlanb fortgesetzt. Nach 2*/«hün« diger Dauer rouroe bet Antrag Mathes an eine be- soubece Kommission verwi-sen. Bei bet Besprechung eines Antrages detr. bie Wiedereinführung bes Zwangswirtschaft für Eier erklärte Staatskomrniffar Bändert, die provisorische Regierung habe nach Ber- stäudigung mit dem Reichsernährungsamr beschlossen, bie Zwangswirtschaft für Erer roiebet ein» zufü hren. An diese Erklärung des Reichskommis- sars knüpfte fick eine umfangreiche Auseinandersetzung über bie Ernäyrungsfrage, in bet zahlreiche Abge- orbnete ba8 Wort nahmen unb in bet auch bet Vrä- fibent des Thünnaischen Ernährungsamtes v. Eichel ebenso wie Prof. Rauch-Jena über die Ernähr ungD- lag« sich ansjpra^en.
Kurland.
* In Indien sind Unruhen ausgebrochen, dick sich aegen bie scharfen Aufruhr - GesetzesvorschlSgai lichten. An ver'chiedenen Stellen würben bie Unruhen' von ben Englänbern blutig unterdrückt.
ans dem rraqvargeviet.
(!) Hanan. Der erste Beigeorbnete, Karl Glases und der Stadtrat W. Lossow haben ihre Aemter niebergelegt — In dem Betrieb bet Quarzlampen gesell schäft m. b. bie medizinische Apparate für Lichtbehanblung fabriziert, finb sowohl bie Beamten, tote bie Arbeiter wegen Loh ndiffe ren» zen in ben Ausstanb getreten. Die Gesellschaft appelliert jetzt öffentlich an die Vermittlung ber Behörden, um eine Beilegung ber Differenzen zu erreichen, bamit nicht länger tausenbe von Kliniken unb Aerzte verhindert werden, ihre Kranken m be* handeln. Infolge der bu>ch die Blockade verichlech- ter:en Besundheitsverhältniffe war bie Nachfrage nach ben betagten Apparaten so groß, baß bie Firma Mit der Lieferung von rund einet Million Elück in» Rückstanb ist.
•i warknrz (Wests.) In ben RubeSrnb trat mit dem Schluß oes Schuljahres der seit 44 Jahren ane hiesigen Gymnasium tätige Oberlehrer Pros. Dr. Wilhelm Böhmer; ct war der dkenstälieste Gymnasial- oberlehret der Provinz Westfalen. Bot einiger Zett wurde ihm der Titel Geheimrat verliehen. Am kitch^ lccheu und -ositischrn Leden hat «t Äck »orpUdltchtz^