dem Wsimarffchen
tt Weimar, 10. April.
Die Wettrevolution vertagt.
wtb Stockholm, 14. April. Heber ein Gespräch, das er kürzlich mit Lenin hatte, belichtet ein Gewährsmann. Lenin habe eingeräumt, -ab die Zeit
Die Ariedenslöhnung.
Berlin, 14. April. Das Inkrafttreten der von der ReichSregierung erlassenen Verordnung über den Eintritt der Friedensgebührnisse für Unteroffiziere und Mannschaften des bisherigen stehenden Heeres ist vom 11. 4. auf den 1. 5. verschoben worden.
Die Verfügung ist anscheinend auf eine Erklärung der Mannschaften, Unteroffiziere und Feldwebel der in Berlin stehenoen Truppenteils daß sie bei der allgemeinen Teuerung mit ihrer Löhnung nicht mehr auskommen könnten, erfolgt., Ein Teil der Mannschaften erklärte kündigen zu wollen. Die Rerchsre- gierung in Weimar wurde von dem Berliner Generalkommando über Sie Forderung der Soldaten unterrichtet.
bis zur Weltrevolution von ihm irrig bemeffen worden fei. Frühestens in 10 Iahren werde es vielleicht soweit sein; diese Wartezeit wäre aber für Rußland zu lang. Es könne nicht länger gezögert werden, dem Zusammenbruch vorzubeugen. Zu diesem Zwecke müßten schleunigst Verkehrsmöglichkeiten geschaffen und das Eisenbahn- Material wieder instand gesetzt werden. Deutsche Ingenieure und deutsche Lokomotiven seien erwünscht.
Landtag wrra uns noch geschrieben: Der Landtag zeigt gegen früher ein wesentlich verändertes Bild Während jener nur 38 Zitze umfaßte, find ihrer setzt 42 vereinigt: die Mehrheit i:t von den bürgerlichen Parteien an die Sosialdemokratie überqegangen. Demzufolge konnten nur wenige von den ehemaligen Abgeordneten beim Wiedersehen sich die Hand drücken, Der Landtag setzt sich vielmehr zumeist aus Herren zusammen, die nur innerhalb der'Partei oder durck den Wahlkampf bekannt finx Auch n in sichtlich des Präsidiums sollte der netie Landtag ein verändertes Gepräge erhalten. Wie nicht anoers :u erwarten, entfiel die Wahl des Präsidenten auf den Abg. Leb e, (So;.). Dieser ist im Eitenacher Oberland aus früheren Zeiten durch seine Agitationsreden und ictz: als Ernahrungskommlssar bestens bekannt. De» 1. Vizepräsidenten erhielten die Demokraten im Abg. Polz, der als Vorstand des Weimarischen Lehrervereins wie auch als Vorsitzender des^Stadtparla- menls Weimar eine weithin geachtete Stellung ein» Nimmt. Leider kam auch der Po ten des 2. Vizepräsidenten, der von den Deutsch-Nationalen bean- jprucht wurde, in die Hand des Sozialoemokra le
Ausstände und Unruhen.
Der Bergarbeiterausstand.
wtb Esten, 14. April. Im Ruhrgebiet hat auch heute die Zahl der Streikenden einen Rückgang zu ve, zeichnen. In der heutigen Frühschicht waren 139 256 Bergarbeiter gegen 160720 am Samstag Morgen ausständig.
Esten, 14. April. Tie Friedrich Krupp A.-G. teilt mit, daß der Streik bei der Firma erloschen sei. — Tie Arbeiter des rheinisch-westfaltichen Elek- Irizitätswerkes verharren noch wei'er im ^syrnpatyte- streik, verrichten aber die Notstandsarbeiten.
Bochum, 14. April. Der Streik im Bochumer Bezirk ist im Abflauen begriffen.
Der Generalstreik in Braunschweig.
Braunschweig, 14. April. Die Unternehmer drohten den Streikenden ihre Betriebe bis acht Tage nach Ostern geschloffen zu halten, wenn die Arbeit md)i sofort wieder ausgenommen würde. D e Urbettei beschlossen ober im Generalstreik zu verharren. Der Beamten- und Bürgerstreik datiert ebenfalls unverändert fort. Seit dem Dienstag ist keine Zeitung erschienen. Nur der unabhängige „Bolksfreund^ gibt täglichem Mitteilungsblatt über die Streiklage heraus. Wie die „P. P. N." aus Helmstedt erfahren, haben die Spartakisten 13 Bürger und 3 Offiziere verhaftet und nach Braunschweig gebracht.
Der Bankbeamtenstrei'.
Berlin, 14. April. Die Aussichten auf eine baldige friedliche Beilegung des Bank-Angestelltenstrer!s sind nicht groß, da die VerbandS.Bankleitungen Bespre- chunaen über das Mitbestimmungsrecht der Angestellten ablehnten. Eine Abordnung der Bankbeamten hat sich nach Weimar begeben, um die Regierung zu der» anlaffen, das vom Bankbeamtenverband entworfene Notgesetz durchzudrücken.
Kämpfe mit Stratzenhändlern.
* Berlin, 14. April. Heute mittag ereignete sick ein Zusammenstoß zwischen Regierungstruppen und fliegenden Händlern in der Gegend der Weinmetster- und Münzstraße. Um den Hehlerwesen entgegen- zutreten, hatte das Alexander-Regiment einen breiten Absperrungskordon vorgenommen. Die Händler widersetzten sich gewaltsam ihrer Vertreibung und so kam es zu einem Feuergefecht, bei dem es eine Anzahl Verwundete gab. Bei den Durchsuchungen der Häuser wurden zahlloses gestohlenes Heere S- gut und Waffen gesunden.
Plünderungen in Stettin.
Wtb Stettin, 13. Avril. Am Fischbollwerk batte sick eine erregte Menge versammelt, die durch Hetzreden von Spartakisten aujgefordert wurde, bei Fischerbooten nach versteckten Fischen zu suchen. Dabei wurde jedoch nur ein Zentner Fische gefunden. Die Menge stürmte dann den großen Speicher der Firma Schanz, wo große jur btt ReichSfettstelle bestimmte Mengen Butter und Fischkonserven lagerten. Die Menge erbrach die Türen und raubte viele Zentner von den dort aufgestapelten Waren.
Neue Kämpfe in München.
Nach neueren Meldungen hat in München eine Gegenaktion der Kommuni st en eingesetzt. Da jegliche Verbindung zwischen Bamberg und München unterbrochen ist, wird angenommen, daß es den Kommunisten gelungen ist, sich der Münchener Post- und Telegraphengebäude wieder zu bemächtigen. Auch der Hauptbahnhof scheint in ihrem Besitz zu sein. Verstärkungen für die Regietungstruppen in München werden bereitgestellt. Auch mit Aklgs- burg ist die Verbindung unterbrochen.
CS liegen folgende Meldungen vor:
* Berlin, 14. April. Die „Telegraphen- Kompagnie" meldet aus München, daß nach den letzten Nachrichten die Kommunistenherrschaft in München keineswegs niedergeworfen ist. In den Straßen der bayrischen Hauptstadt toben beftige Kämpfe zwifchen den regierungstreuen Truppen und den Roten Garden. Der Hauptbahnhof, die Post, das Haupttelegraphenamt und verschiedene andere öffentliche Gebäude befinden sich in den Händen der Kommunisten. Die Lage wird als sehr gefährlich angesehen.
wtb Augsburg, 14. April. Der Schnellzug D 40 nach München ging gestern abend statt um 10 Uhr erst um 11,30 Uhr ab und wurde nur bis Pasing abgefertigt, weil um die'e Zeit im Bezirk des Münchener Hauptbahnhofs heftige Kämpfe stattfanden. Es wurden Minen geworfen. Das Durcheinander war so groß, daß Freund und Feind sich nicht mehr auSkannten. Es gab 60 Verwundete. Das Innere des Bahnhofsgebäudes wurde demoliert und ge« plündert. Es kommen keine Züge von München hier an.
wtb AngSbnrg, 14 April. Nach Blättermeldungen aus München fand Sonntag nachmittag eine Demonstration der kommunistischen Arbeiter unb Soldaten auf der Therestenwiese statt. Zn den späten Nachmittags, stunden unternahmen die Spartakisten einen Angriff auf den Bahnhof, der von einer republikanischen Schutz- truppe besetzt war. Die Beschießung des Bahnhofs erfolgte zunächst mit Gewehren und Maschinengewehren, toobei eS zahlreiche Tote und Verwundete gab, insbesondere dadurch, daß die Paffanten des Bahnhofsplatzes von der Schießerei völlig überrascht wurden. DaS Publikum stob in wahnsinniger Hast auseinander und suchte in den Häusern Schutz. Als der Angriff mit Maschinengewehren keinen Erfolg versprach, wurden drei Minenwerfer aufgefahren. Da den Verteidi- gern deS BahnbofS nut Maschinengewehre und Handgranaten zur Verfügung standen, war ihre Lage durch die Tätigkeit der Minenwsrfer aussichtslos geworden. Gegen 10 Uhr erfolgte ein allgemeiner Sturm auf den Bamhof, bei dem es den Angreifern gelang, in den Bahnhof einzudringen. Die Besatzung, die unter der Beschießung gelitten hatte, mußte sich ergeben Im Triumphzug wurde der Bahnhofskommandant Aschenbrenner die Neuhauserstraße hinaufgeführt, um angeblich erschoss en zu werden. In der Nacht wurden in kurzer Folge die Stadtkommandantut, das Hauptquartier der republikanischen Schuhtrupve, genommen, sowie die anderen öffentlichen Gebäude München- und die Kasernen bet republikanischen Schutztruppe. Ganz München wat heute früh in den Händen der Spartakisten. Der General streik wurde erklärt. «
Augsburg.
Augsburg, 14. April. In einer außerordentlichen Sitzung des Ä.-, B.- und S.-RateS, der zur Frage der Räterepublik Stellung nahm und über die Forderungen der Bamberger Regierung Beschluß zu fassen hatte, wurde der Beschluß auf Rückgängigmachung des Anschlusses von Augsburg an die Rät e- re publik in stürmischer Debatte mit einer ^»-Mehrheit gefaßt. Der Magistrat nahm seine Arbeiten wieder auf. — In einer darauf vom A.- und S.» Rat einberufenen Massenversammlung begrün- deten Gewerkschaftsführer und A.-Räte die Unmöglichkeit, die Räterepublik aufrecht zu erhalten. Sie teilten mit, daß eine Augsburger Abordnung in Bamberg mit der Regierung Hoffmann verhandele. Das käme einer unbedingten Kapitula tion gleich, aber die Macht der Tatsachen laffe keine Wahl zu. Die Forderungen wurden mit überwältigender Mchrheit angenommen.
Die Regierung in Bamberg.
Bamberg, 14. April. Die Regierung ist bis zur Stunde noch ohne nähere Einzelheiten über die Lage in München. Hebet die geplante Aktion von außen her wird natürlich an zuständiger Stelle Verschwiegenheit bewahrt, doch ist man gesonnen, jetzt endlich durchzugreifen. Die Regierung hat genügend Kerntruppen in Bewegung gesetzt und will rücksichtslos vorgehen. Der Minister für militärische Ange, [egenbeiten Schneppenhorst hatte sich lange der Auf- stellung von Freiwilliqenkorps widersetzt; jetzt hat man sich endlich entschlossen, sich an die gante baye, rische Bevölkerung: Arbeiter, Bauern und Burger» zu wenden, um eine wahre Bolkswehr zu bijden und die bolschewistische Gefahr abzuwenden. Es wäre allerdings bester gewesen, wenn die Regierung die drohende Gefahr früher erkannt hätte, denn es ist nicht so einfach, eine schlagfertige Armee aus der Erde zu stampfen. Vielleicht wäre es in München nicht so weit gekommen, wenn man in bolschewistischen Kreisen damit hätte rechnen muffen, daß der Regie- rung Hoffmann eine schlagfertige Armee zur Verfügung stehe. Fetzt gibt man sich allerdings große Mühe, alle Truppengattungen zusammenzubringen. — Das Justizministerium erläßt eine Veröffentlichung, derzufolge die an verschiedenen Orten Bayerns, insbesondere in München, eingesetzten Revolutionsgerichte ungesetzlich und ihre Urteilssprüche un- "ültig sind. Die Mitwirkenden werden für die Strafen, die sie aussprechen unb vollstrecken, nach dem alten Strafgesetz, insbesondere wegen Mordes und Freiheitsberaubung, verantwortlich gemacht.
Die Frage des Saargebiet-.
Nach einer vom französischen Nachrichtendienst verbreiteten Meldung sollte bekanntlich Frankreich die Ausbeutung des Saarbeckens von der Friedenskonferenz für alle Zeit zugesprochen worden sein. Davon ist aber in den jetzt im neutralen AuSlande vorliegenden Berichten der französischen Presse selbst keine Rede. Sicherlich würde sie es aber mit lautesten Posaunentönen verkünden, wenn Frankreich bei den Pariser Verhandlungen dieses Zugeständnis erlangt hätte. Es kann sich allo nur um ein zeitlich begrenztes AuSbeutungSi echt Frankreichs handeln. Das würde auch den vorliegenden englischen Meldungen entsprechen. Heber die endgültige Staats» zuc-ehörigkeit des Saargebiets soll nach 15 Jahren eine Volksabstimmung statifinden. Wie indesten die „Tel.-Komp." von zuständiger Seite erfährt, hält die deutsche Reichsregierung an dem Standpunkt fest, daß sie sich auf der Friedenskonferenz auf keinerlei Erörterung über die zukünftige Staatszuge- börigfcit des Saargebiets einlasten wird. Falls die Entente den Vorschlag machen sollte, das Saargebiet auf dem Wege einer allgemeinen Volksabstimmung aus dem Körper d--s Deutschen Reiches herauszureißen, werde die deutsche Friedensdelegation dieses An sinnen mit Entfä • -enheit ablehnen, da keinerlei Voraussetzungen hisionscher und rechtlicher Art für eine derartige Lösung der Saarbeckenfrage bestehen.
Beginn der Friedensverhandlnngen am 27. April.
wtb Paris, 14. April. (HavaS.1 Nach Blätter- ntlbu ngen erklärt eine hochstehende amerikanische Persönlichkeit in der .Chicago Tribüne', in einer bei Wilson abgehaltenen Sitzung sei befchlosten worden, daß die Deutschen die Vorfriede nsbedingun gen am 25. April erhalten sollen. Sämtliche wesentlichen Fragen seien praktisch geregelt. DaS Tren- tino- und Adriaproblem werden heute eröriert und man nimmt an, daß Witton bei dieser Gelegenheit unumwunden von den im Verlaufe der Besprechungen zutage getretenen Hindernisten sprechen wird. Da Wilson Frankreich zu Anfang deS nächsten Monais zu verlassen beabsichtigt, wird in gewisten Ententekreisen vermutet, daß er den Deutschen von den Bestimmungen des endgültigen Friedensvertrages Mitteilung machte und daß die Regierung Ebert-Scheidemann den Alliierten die Zusicherung gegeben hat, daß die Bedingungen ungesäumt angenommen würden.
• Paris, 14. April. Die Vertreter der Mächte haben heute früh beschlossen, der deutschen ReichS- regierung mitzuteilen, daß die deutsche Delegation am 2 7. April in Paris erwartet werde. Die erste Konferenz werde noch am Abend des gleichen TageS stattfinden.
genteil, die Ausländer würden alles aufgreifen und verwerten, was sich auf ein deutsches Verschulden am Ausbruch oder der Verlängerung des Krieges deuten läßt, aber die Freisprüche würden sie nicht gelten lassen, sondern sagen: die deutschen Krähen wollen sich gegenseitig die Augen nicht aushacken. Ein solche Erfahrung haben wir ja schon bei den Eisnerschen Enthüllungen gemacht. Durch die Veröffentlichung von Aktenstücken, die anscheinend die deutsche Diplomatie verdächtigten, glaubte dieser weltfremde Weltverbesserer, unsere Feinde besänftigen zu können. Tas einzige Ergebnis war, daß man in Frankreich sagte: Deutschland hat selbst den B.weiS feiner Schuld geliefert, also muß es auch die barte Strafe tragen!
Die feindlichen Staatsmänner sind schlauer als wir. Sie haben das Verlangen Deutschlands, durch eine internationale Kommission die Hrheberschast des Krieges gründlich aufzuklären, einfach abgewiesen. Sie scheuen sich vor der Oeffnung ihrer 'geheimen Aktenschränke und der eidlichen Vernehmung ihrer Staatsmänner. Die Enthüllungen im russischen Suchomlinow-Prozesse haben sie mit dem ganzen Aufgebot ihrer Pressekräfle so ziemlich wi kungslos gemacht. Es fällt ihnen nicht im Traume ein, noch ein französisches oder englisches Seitenstück zu diesem unbequemen Zwischenfall zu liefern.
Deutschland soll nun trotzdem für sich allem das peinliche Verfahren eröffnen. Unb zwar will der vorlieaende Gesetzentwurf nicht nur die Schuld an der Verlängerung und an dem Verlust des KrieaeS untersucht wissen, sondern auch die Schuld am Ausbruch des Krieges. Letztere kann aber doch nur ergründet und abgemessen werden, wenn man auch die Politik der gegnerischen Staaten kennt und in Betracht zieht.
Die Nationalversammlung kommt nun in eine gewisse Zwangslage. Lehnt sie den Entwurf ab, nachdem er einmal eingebracht ist, dann wird man draußen sagen, das geschehe auS Furcht vor der Aufdeckung der deutschen Schuld.
Auf jeden Fall wird man aber sorgfältig prüfen müssen, ob das vorgeschlaqene Verfahren sich nicht verbessern läßt. Sehr bedenklich ist z. B. die Bestimmung, daß „jeder Deutsche das Verfahren gegen sich leibst beantragen kann". Alle politischen oder persönlichen Feinde der früheren Staatsmänner erlangen damit die Handhabe zu der Hetze. Durch Reden und Preßartikel zwingt man die verhaßten Leute, das Verfahren gegen sich zu beantragen. Wenn der Untersuchungsausschuß die Verfolgung ablehnt, dann wird man über Begünstigung und Bemäntelung schreien. Soll aber der Untersuchungsausschuß oder Gerichtshof selbst jeden einzelnen erzwungenen oder freiwilligen Antrag gründlich untersuchen, dann ergibt daS eine heillose Arbeit, wobei zumeist taubeS Stroh gedroschen wird.
Mindestens wird mit jedem Prozeß viel Staub aufgewirbelt, meistens auch viel Gehässigkeit erweckt, viel Steraer und Zank erregt werden. Den entsprechenden Vorteil wird man Wohl vergebens er- warten.
Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 14 April.
Auf der Tagesordnung steht die sozialdemokratische ae6en5mittelinterpellation.
I sög. Bohle (So,.) verlangt SBerteSung der ans- i-ndlschen Lebensmittel je nach Bedürftigkeit. Durch die Streits der letzten Tage sei eine ganz wesentliche Verteuerung des ausländischen Fleisches und Feiles einaetreten. Unsere Arbetter sollten das als eine ernst» Liifte Mahnung betrachten und sich von den gewissen» V-en Demagogen abwenden. (Allseitige Zustimmung.) r jsmit auch Minderbemittelte die ausländischen Lebens» " mittel laufen tonnten, muffe das Reuch Mittel zur Verfügung stellen. An der Zwangswirtschaft muffe für dir Tauer der LebenSmittelknappheit fest^ehalten werden.
Ernäbrungsminister Schmidt rrfl&iie, daß er mit Verteilung der Lebensmittel sofort beginnen würde nrb zwar erst an die Großstädte, da die Lebensmittel dort am ehesten gebraucht würden. Auch fetze er darin tin vorzügliches Mittel zur Bekämpfung der politischen Anruhen. Leider stellen sich unserer Versorgung mit ausländischen Lebensmittel durch die Streik» sowohl in bet Industrie wie bei den Beamten, sowie durch Plünderungen der LcbenSmittelmagazine Schwie- eftkeitcn entgegen. Dadurch sinke das Vertrauen deS Auslandes zu unserer Leistungsfähigkeit und unser Kredit. Durch den Streik der Bankdaamten wird die Abgabe ausländischer Wertpapiere verzögert. Wir haben zu befürchten, daß die auf dem Wege befindlichen Lebensmittelschiffe, wenn wir nickt die finanziellen Mittel aufbringen können, noch auf d« Fahrt umhin» jieit werden und ihren Bestimmungsort Deutschland überhaupt nicht erreichen. Durch die-e Streitfrage, ob bei der Entlassung eines Angestellten, diese ober jene Ungeftelltengrupve mltzubestiinmen hpt, kommt die NationinGefaht.in ihrerLebenShcütung benachteiligt zu werden. Mit großer Beunruhigung sehe ich die Schiffe aus deutschen Häfen mit Ballast auSfahten, obwohl wir rn bet Lage wären, Kali als Zahlungsmittel auszuführen. Schließlich kann doch nicht eine einzelnSKrwerbSgruppe unter Ausnutzung der Zwangslage der heutigen Gesellschaft auf der uneingeschränkten Erfüllung Ihrer Forderungen bestehen. Wenn die Bergarbeiter eine bessere Leben», mittelversorgung für sich beanspruchen, so sage ich: Niemand hat mir schwerere Hindernisse bei der Besserung der Lebensmittelversorgung in den Weg gelegt, als die Bergarbei- ter durch ihre Ausstände. (Mit erhobener Stimme). Wenn in unserer Bevölkerung Unruhe vorhanden ist, ja mögen sich diese Unruhen an die einzig Schuldigen halten. Die Schuld an dem teuerem Prei» der ausländischen Lebensmittel sei einzig unjb allein das sinken unserer Valuta durch die Streiks vmd Unruhen. Der Epeck, den er am 14 März mit 8)37 Mark das Stto i:. Aussicht stellte, fei durch das Sinken der Valuta am 10. April schon auf 10,82 Mark gestiegen. DaS sich ergebende Defizit für die Besorgung: von 600000 Tonnen Mehl zur weiteren Brotlieserunq könne er bei der jetzigen Finanzlage nicht der SdchchSkaffe auferlegen, sondern er müsse auf einen Teil des MehlS eine Risiko- Prämie hinzuschlagen. Er beabsichaqe eine neue Ein- nckstung bei der Brotverteilung in der Weise zu treffen, Paß für die Brotkarte mehr Mehl. auSgegeben werden dürfe, wodurch es ermöglicht würde, daß die Begüterten Weizenmehl, die Minderbemittelten Wrot kaufen könnten. Nit der Verteilung des AuSIandSrttehlS soll eine große Speditionsfirma betraut werden. Die Zwangsbewirtschaftung der Eier sei aufgehoben worden, weil der Lerwaltungsapparat in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis stand, und die kleinen Jauern es gewünscht halten, mit denen ein gutes Verhältnis zu haben, die Regierung da» größte Interesse habe. Die Einfuhr ausländischer Lebensmittel werde er nach Kräften unter» stützen. Hierzu bedürfe er als Bundesgenossen die putsche Arbeiterschaft, die die beste Helferin in der «ot sei, wenn sie die Erzeugung jtärle.
Äbfl. Schlack fgtr.): Die hohen Preise für die ausländischen Lebensmittel können gerade von den schlecht Mellten kinderreichen Familien nicht gezahlt werden, die einer Verbesserung rhrer Ernährung am meisten «hülfen. Hier mutz vom Reich Hilfe geleistet werden. Dre Streik» mützten al» Kampfmittel überhaupt au8» «richaltet werden und da» Schiedsgerichtsverfahren an «Ire Stelle treten. Die Zwangsbewirtschaftung dürfe »ur beibehalten werden für Brot, Fleisch, Fett und fwttoffeln. Rußland biete uns in Zukunft di, Mög- Mert einer besseren Lebensmittelversorgung. Die «achte, welche uns immer drückendere Bedingungen "ustrlegen wollen, sollten bedenken, daß sie dadurch die ssnteiessengemeinschast zwischen Deutschland und Rutz- land stärken.
Abg. BetShofe« (Dem.) will bei der Verteilung der ausländischen Lebensmittel die Kommunen auSgeschal- «t wissen und sieht in der Arbeit die einzige Rettung dem Verhungern. Der einzige Kredit, auf den Deutschland sich verlassen könne, wäre der Privatkredit aee einzelnen Privatunternehmern, der in jahrzchnte. y*oer_ Arbeit draußen geschaffen sei, und sofort eintre» «u würde, wenn daS Ausland sich sagen könne: In a«uschiand bahnen sich wieder gesunde Zustände an. . Abg. Arnstadt (D »Rat.) verlangt teilweise Auftze- •””9 der Zwangswirtschaft. Stärke man die Erzen. Mig unb gewähre dem Landwirt ausreichende Preise, °smn ^rde die Landwirtschaft daS Volk besser und Bürger versorgen können.
Abg. Dusche (D. Vpt.) fordert Arbeiter rntf den »r-bstädten für das Land.
F) -‘‘bg. Wurm (Unabh.) erkennt an, daß durch die e,!13 das Volksvermögen geschädigt würde. Die ^md daran trüge aber die Waffenpolitik der Rcqie- Wenn die arbeitet wieder Glauben und Bet» «roufn gu ihren Vertretern hätten, würden sie auch wever Ruhe unb Arbeitslust bekommen.
.Ernährungsminister Schmidt fordert den Vorredner ^« seinen Appell auch an die Arbeiter deS Ruhrre- e,et§ 8u richten.
~6erft Waitz erklärt, die meisten Bestände des Jb,-. 3 feien bereits dem ReuchSverwertungSamt zur "»sugung gestellt-
^'enstag: Anfragen, Matfeiervorlage, Ermächti» «u-asgxsetz, Kaligesetz.
Der StaatsgerLchtshof.
Entwurf eines Gesetzes übet die Erri chtung . aes sroaisgerichtshofes, der der Nationalveriamm» ^gegangen ist, hat nach den schon Verhältnis- >3'8 weit zurückliegenden Ankündigungen die Re- ""Ang schon lange beschäftigt.
tfo. er Dauben nicht, daß der Staatsgerichtshof alS tn besonders glückliche Erfindung der neuen Re» fckr- ? anerkannt wird. Dar Mann mit dem be« ^rauften Untertanenberftanb fragt sich: Was soll tzV" l>ei diesem umständlichen Herumrühren in der toh, tma^e berauskommen? Wenn der eine oder Mitbürger schließlich wegen eines „Per'chul- verurteil! wird, jo ist dornig doch nichts ge-
Wir hätten dann ebnen Sündenbock oder *e in die Wüste geschickt Tas Ausland würde aber desdalb nicht gnädiger ansehen. Im (Se
Deutsches Keich.
Detnburg ReichLfinanzminister?
Weimar, 14. April. Nachdem Minister Schiffer am Samskag die einstimmige Ditte der demokratischen Fraktion, im Amte zu bieiben, abgefeimt haue, schritt die Fraktion zur Besprechung des Vorschlags eines Nachfolgers aus ihrer Mstte. Die Erörterung dauerte mehrere Stunden und hatte als Ergebnis die einstimmige Wahl des Staatssekretärs a. D. Detnburg, der die Wahl an na 6 m. Die Rerchs- regierung wurde von dem Ergebnis der Wahl in Kenntnis gesetzt. Dernburg wird die Geschäfte voraussichtlich schon in den nächsten Tagen übernehmen.
Volksabstimmung m Baden
Karlsruhe, 14 April. Bei der gestrigen VottSabstim- «nmg wurde die Vers ass un g mit 355 000 gegen 20 000 Stimmen angenommen. Für die Fortsetzung der Ratt- onalversammluna als Landtag stimmten 255 000, dagegen 20 000. Die Bezirke Kehl und Konstanz lebten noch. Die Stimmbeteiligung betrug 30 bi? 35 Prozent
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