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Deutsche Nationalversammlung. 8

Sitzung vom 12. April.

DaS Haus beginnt die Aussprache über den Gesetz- entwurf, der die Kali wirtschaft regeln soll.

36g. Sachse (Soz.) stellte sich auf den Boden des Gesetzes und teilte mit, daß die Regierung mit den vier Ecrgarbeiterverbänden im Ruhrkohlengebiet ver­bandelt habe, die siebenstündige Arbeitszeit einschließlich itr Ein- und Ausfahrt einzuführen. Zur Prüfung der Frage, ob auch die sechsstündige Schicht für die Jndu. sirre erträglich sei, sei eine Kommission eingesetzt wor. de«. Dafür werde eine internationale Regelung ein« treten müssen. Bei der gestrigen Revierkonferenz der Vertrauensleute der Bergarbeiterverbände hätten 217 Vertrauensleute für die Wiederaufnahme der Arbeit, 82 dagegen gestimmt und 16 sich der Stimmen enthalten. Die Arbeit werde also wieder ausge­nommen werden. (Beifall) Im deutschen Bergbau bestehe jetzt die kürzeste Schichtzeit in der ganzen Welt. In England werde die Siebenstundenschicht erst am 1. Juli eingeführt werden.

Geheimrat Grasman« verteidigte kurz den Entwurf. l Abg. Imbusch (Ztr.): Die Sozialisierung der Kali» industrie ist notwendig. Ihre Weiterführung mutz aber so erfolgen, daß dadurch nicht die Ausfuhr erschwert wird. Der Kalibergbau im Elsaß würde un? eine sehr ernste Konkurrenz bereiten, wenn das Eisatz bei Frank­reich bleibt. WaS gedenkt die Regierung dagegen zu tun und gegen die Uebergriffe der französischen Be­satzungstruppe den Saarbergleuten gegenüber? Die Kaliindustrie steht zum großen Teil finanzieL vor dem Ruin, wenn nicht bald eine Preiserhöhung für Kali Z «ntritt. Kali kann nur erzeugt werden, wenn Kohlen ^aefördert werden. Von der Regierung muß dafür ge- sorgt werden, daß die Arbeiter im Kohlenbergbau, die * arbeiten wollen, dazu auch in der Lage sind. Noch vor skurzem war es vielen westfälischen Bergleuten nicht . möglich, weil sie ihres Lebens nicht sicher waren. »HÄtl hört!) Einzelne Zechen haben arbeitswillige ^ .Bergarbeiter sogar zurückgewiesen, weil sie nur eine Minderheit der Belegschaft seien. (Hört! hört!) Oft stsirü die Beamten radikaler als die A> beiter und reizen -mH zum Streik auf. (Hört! hört!) Die Preiserhöhung Welf Kalisalze muh sich natürlich in berechtigten Grenzen Hasten. Das vorliegercke Gesetz muß recht bald verab- »Webet werden, damit die Landwirtschaft rechtzeitig notwendigen Düngemittel erhält. Wir schließen siruS de^ Antrag auf Kommissionsberatung an. (Bei- 4 Di« Sibgg. Pohlman« (Dem.), «ehrens (Dtfchntl.)

«d Rsinicke (Dtsch. Bo.) machen auf die Schattenseiten dir Eqialisterung des Kalis und den Mangel des Ent- «lrses aufmerksam, daß er nicht genügend Rücksicht auf ; U Landwirtschaft nimmt.

* DrS Gesetz wurde dem Ausschuß überwiesen, folgt das ErmSchtigungsgesetz.

Reichsminister Dr. Preuß: Der Entwurf will kein «gemeines NoloerordnungSrecht für die Regierung in Wspruch nehmen, er will ihr nur die Möglichkeit geben, es besondere Berhältnifse notwendig machen, auf ter BerordnungSweae gewisse Dinge, die nicht von Mchnetdender prinzipieller Bedeutung sind, zu regeln. MmenS der Regierung kann ich erklären, daß ihr jede !ffjt nach unkontrollierbarer Machtausdehnung fernliegt. Hrnn Sie unS aber die Generalklaufel .oder aussonstigen «ngenden Gründen" streichen wollen, so würde damit er Zweck dieses Gesetzes größtenteils vereitelt werden.

Abg. Dr. Becker-Arnsberg (Ztr.): jDem Grundge- rnken deS Gesetzes stimmen wir zu, die Generalklausel Äten wir für notwendig. In einer Kommission soll aber -prüft werden, ob für die Generalklausel nicht eine mal weniger kautschukartige Fassung gefunden werden« mit.

-Abg. Dr. Waldfiein (Dem.) Die Geueralklausel M gestrichen werde«, denn sonst fehlt überhaupt jede

-x ÄnoHra««M» (Deutschnatl.): Die Notwendig, nt de» Gesetzes sehen wir ein, können ihm aber in der erliegenden Form nicht zustimmen. Wir beantragen an einen Ausschuß, wo wir mitzuarbeiten «reit sind.

»Abg. Haase (Unabh. Soz.) geht auf einen Vorgang MN, der sich am 27. März zwischen Minister Erzberger Snd ihm abgespielt, hat und sucht nachzuweisen, daß Arzberger über de« Verlauf der KabineitSsitzunn fal« lch- Angaben gemacht hat.

Präsident Fehrmrbach: WaS das mit dem Gesetz 3« tun hat, vermag ich nicht einzusehen. Ich bitte Sie, tznr Sache zu kommen.

Abg. Haase schließend: Wir lehnen die Vorlage ab. Die Vorlage geht an den WirtschaftSausschutz. Montag: ErnührungSfragen.

Preußische Lan-esvepsammluug.

Sitzung vom 12. April.

Der Gesetzentwurf über LandeSkulturbehördeu wird der Siedlungskommisfion überwiesen.

ES folgt die Beratung der Anträge des Zentrums und der deutschen Volkspartei auf LebeaSmittellieferung «n die Berg- und Hüttenarbeiter.

Abg. Brust (Ztr.) schilderte die traurigen Srnäh» umgSverhältnisse im westfälischen Revier.

HandelSminiKer Fischbeck legte dar, daß von der Regierung bi sh«: alles für die Bergarbeiter geschehen »er, was bei der herrschenden Lebensmittelknappheit uloglich war. Sie werden aus den Einfuhrmengen zu« nächst versorgt und erhalten die Schwerstarbeiterzulage. Wenn aus Gründen, die mit dem Arbeitsverhältnis mchte zu tun 'strbeu, gestreikt und das Vaterland in ^lahr gebracht wird, kann natürlich nichts gewährt werden. Hoffentlich tritt bald Vernunft bei den Berg« arberter» ein.

Abg. Tegkdcp (D. Vpt.) weist auf die übereinstim« mcnöe Absicht »er Unternehmer- und Arbeiterorgani- U turnen hin, der Sechsstunden-Schicht von 1921 ab ein» zuruhren. Gegenwärtig sei aber diese ArbeitSzettver, ^nrzung nicht möglich.

Abg. Limbeotz (Soz) erklärt sich für alle Erleichte- ra..gen, die den. Bergarbeitern gewährt werden können, ct Sochsstundenschicht heute noch undurchführ-

Abg. Jordan (Dem.) weist darauf hin, daß die Der- !ch-.echlerung ui den Ernährungsverhällnissen erst fett oem WasienssLstand eingetreten ist. .

Abg. Marimr (Ztr) tritt für Gewährung der Zu- ugen auch am Land- und forstwirtschaftliche Arbeiter und stillende «Mütter ein.

h- Ar. Obwch (Unabh.) erklärt die Behauptung, daß e Entente zur Bedingung gemacht habe, daß in die .f,»^"geblete »ine Lebensmittel gesandt werden dürfen, uw nicht den Tatsachen entsprechend.

Die Anträ, « werden angenommen mit der Ergän- bie Zulagen auch Kindern, schwangeren und (fUlenden Mustern, sowie land- und forstwirtschaftlichen Arbeitern zu.-gewäbren sind.

Darauf jntzrd der derstschnationale Antrag betreffend geistlichen Schulaufsicht und Hebung der «olksschulo fortgesetzt.

v. Abg. iSamp <Ztr.) Den Antrag auf Aushebung etr aeistlhchen Schulaufsicht lehnen wir ab, weil er uns

u einseitig gehalten ist. Wir geben damit aber Die Fachaufsicht nicht preis und hoffen, dem vom Kultusmi­nister angekündigten Gesetzentwurf zustimmen zu können, wenn der Minister mit den kirchlichen Behörden zu einet Verständigung gelangt. An dem konfessionellen Gepräge der Volksschule halten wir fest. Die Hebung der Volks­schule durch Verkleinerung der Klaffen und durch bes­sere Le' rmethoden wollen auch wir, ebenso dre Besfer- stellun.i des Lehrerstander.

Kultusminister Hänisch: Der beste Weg zur Sick­lung der religiösen. Erziehung wäre es, wenn die fet­ten der sozialdemokratischen Forderung auf Entfer. nung deS Religionsunterrichts aus Der Schule zustimmten. (Widerspruch rechts und im Zentr. Zurufe: Niemals!) Der vom Kultusminister Hoffmann und mir ausgegebene Novembererlaß über die Aufhe­bung der geistlichen Schulaus,sicht ist in zwei Dritteln aller Bezirke zur Durchführung gelangt. Auf restlose Durchführung habe ich nicht bestanden, weil ich in der jetzigen Zeit die Verantwortung für einen Kulturkampf , nicht auf mich nehmen will.

Nach kurze« Bemerkungen des Abgeordu. Tegedcr (D. 83p.), der für die Teilung der überfüllten Klassen eintritt und des Abg. Hoffmann (Unabh?, der dem Kul­tusminister ein Zurückweichen in dieser Frage vor dem Zentrum vorwirft, werden die Anträge einem Ausschuß überwiesen

Eine Reihe weiterer Anträge gehen ebenfalls an einen Ausschuß. Ein Antrag der Unabhängigen for­dert die Verwendung der Gebäude der Hohen- zolternfamilie zu Wohlfahrtizwecken.

Der Antrag wird gegen die Rechte angenommen.

Ein Antrag der unabh. Sozialdemokraten fordert den 1. Mai und den 9. November als gefetz. liche Feiertage zu erklären.

Abg. Dr. Weil (Unabh. i tritt für den Antrag ein.

Abg. BartclS (Soz.): Auch wir sind für den Antrag.

Abg. Nippel (Dentschnat.): Zur Feier des 1. Mai fehlt es an Zeit. Der 9. November ist für uns undis« kutabel. Das ist kein Freudentag, sondern der größte Jammertag deS deutschen Volkes. (Großer Lärm bei den Sozialdem.)

Der Antrag wird bezüglich des 1. Mai im Wege der Auszählung mit 112 gegen 114 Stimmen abge­lehnt Dafür stimmen nur die beiden sozialdemokra­tischen Parteien. Bei der Abstimmung bezüglich beB 9. November, die ebenfalls durch Auszählung erfolgte, weitten die Mitglieder der bürgerlichen Parteien zu­meist draußen, so daß sich bei der Stimmenzählung 115 Ja und 11 Nein die Beschluß Unfähigkeit ergibt.

Nächste Sitzung Dienstag.

Unannehmbar.

wtb Paris, 13. April. Nach dem diplomatischen Lagebericht berieten die vier Staatsleiter gestern bor« und nachmittag über die Friedensbedingungen. Sie lösten zunächst die Frage des Saargebietes end­gültig. Danach erhält Frankreich die A.uSbeu- tung des Kohlenbeckens auf immerwährende Zeu (?) und das volle E.gentnm an den Bergwer­ken. Die Landesverwaltung sollte ihm nach englischen BläkterNieidungen auf15 Jahre über«' tragen und dann die Bevölkerung zur Abstimmung über die künftige Staatsangehörigkeit berufen wer­den, eine Lösung, die auch Wiltan wegen der Ach­tung vor seinen Grundsätzen gefordert habe. Diese Nachrichten werden für zutreffend gehalten, ausgenommen vielleicht die Dauer der Ver­waltung durch Frankreich. In der Finanzfrage er­zielten die Siaaiskeiter ein Uebereinkominen über die Höhe des Betrage?, zu dessen Zahlung Deutschland sich im Präliminarfrieden verpflichten soll, und zwar als Deckung für eine erst später festzusetzende Gesamtentschädigung. Die Deckung dürfte nicht unter 125 Mi lli a rde n Frank en betragen und soll in Jahreszahlungen in Gold, fremden Werten, Rohstoffen oder Krediten auf aus­ländische Plätze be'chafft werden. Frankreich soll drei Fünftel davon erhalten. Ferner wird eine erste beträchtliche Zahlung als sofortige Abschlags­zahlung gefordert werden.

*

Die Fragen des Saarbeckeu s und der (£ ui« fchädigung scheinen danach vorläufig geregelt zu sein. Man kann kaum glauben, daß die Entscheidung dahin gefallen fein soll- daß die Ausbeulung des Saargebiets den Franzosen dauernd zuge- fichert sei. Die französischen Wünsche sind ja wie immer, auch hier, maßlos, aber vorläufig möchten wir doch annehmen, daß hier ein Uebermittlungs- fehler vorlieqt. Eine Auslieferung der Kohlengruben auf ewige Zeit kann niemals zur Grundlage eines Friedens gemacht werden. Toll ist auch, war für Forderungen wegen der Kriegsentschädigung an Deutschland gestellt werden sollen. Nickt unter 125 Milliarden ! " Die Gesarntentschädigung soll aber erst später festgelegt werden. Ein» beträchtliche Ab­schlagszahlung wird für sofort verlangt. In dem Wunsch nach einer großen Schadensvergütung be­gegnen sich die Franzosen mit den Engländern. Die englische Northcliffepresse hat in diesen Tagen Lloyd George sehr bedrängt, sein Work aus der Wahlbe- bkwegung, daß Deutschland aus Heller und Pfennigbis zur Grenze seiner Leistungsfähig­keit" bezahlen müsse, wahr zu machen. Bonar Law reiste kürzlich sogar im Flugapparat nach Paris, um diesem Wunsche vieler Ab« geordneten, die nur unter dieser Parole gewählt worden waren, Nachdruck zu verleihen. Die Fran­zosen und Amerikaner wenden dagegen ein, daß Eng­land durch die Gewinnung der deutschen Kolonien und dadurch, daß eS seinen größten Konkurrenten losgeworden sei, soviel verdient habe, daß e§ keiner beionberen Kriegsentschädigung mehr bedürfe. Bei alledem scheint, daß die feindlichen Mächte die Ab­sicht haben, ganz einseitig von ihren Sachverständigen die Höhe des Schadens (zu dem sie auch die Versor« gung der Kriegswitiven und -Waisen zählen) fest­setzen zu taffem Wohin das füb't, zeigt das Bei­spiel Belgiens, das einen Schadenanspruch von zwanzig Milliarden angemeldet hat, während kurz vor dem Krieg die Statistiker Belgien« das gesamte Nationalvermögen des Landes auf 17 Milliarde« schätz» en.

Die Begierde« der Feinde, die auch wieder Dan­zig in der oder jener Form den Polen auSliefern wollen, werden ihre Grenze an dem festen Willen des deutschen Volkes finden, sich weder einem Land­raub unbestritten deutschen Gebietes zu fügen, noch freiwillig eine Schuldknechtschaft einzugehen, die seine wirtschaftliche Erholung für absehbare Zeit aus- schließen. Wir brauche« «ackeasteife Vertreter auf

der Friedenskonferenz, aber sie müssen auch von der Heimat aus in dem Bewußtsein gestärkt werden, daß sie für ein Volk sprechen, das besiegt ist, sich aber nie zum Arbeitssklaven seiner Gegner erniedrigen >vird. Wir haben nur mit Berufung auf Wilsons WaffenstillstandSprogramm die Waffen nie- bcrgelcgt, wir sind ehrlich bereit, unsere darauf ge­gründeten Berpflichll'nge« restlos zu erfüllen, aber feiner Verdrehung und Verfälschung ins Gegenteil werden wir uns nicht beugen. Ein Frieden,' der uns nicht einmal auS dieser von schwer neu Sorgen erfüllten Gegenwart einen hofs- mmgsvoi'en Blick i« die Zukunft gestattet, ist kein Frieden, »andern grenzenlose Fortdauer des Elends. DaS eigene Todesurteil zu unterschreiben, kann man einer Nation nicht zumuren.

München befreit.

Tie N;1' richten der vorigen Woche über den Sinn der Räteregierung waren «och verfrüht, aber in der Nacht zum Sonntag ist dre Münchener Ge­waltherrschaft mm doch weggefegt worden. Es wird gemeldet:

Bamberg, 13. April. Heute früh traf hier die Nachricht ein, daß es heute nacht regierungstreuen Truppen glückte, die Münchener Räteregie« tunfl zu stürzerr und die Kommunisten­führer gefangen zu nehmen. Eine Abordnung der Münchener Truppenteile weilte dieser Tage hier und traf mit dem Kriegsministerium die nötigen Vereinbarungen und Vorbereitungen. Die Aktion in München ist nur mit Münchener Truppen durch­geführt worden, speziell das Leibregiment hat sich um die Wiederherstellung der Ordnung verdient ge­macht. Mühsam und "der frühere unabhängige Minister Simon find verhaftet, Landauer ist ver­schwunden und wird gesucht, Dr. Lipp kam in ein Irrenhaus. Die Regierung wird noch !ür längere Zeil in Bamberg bleiben, auch der Landtag wird hier zusammenberufen werden. Nachdem auch Augsburg kapituliert hak, stehen nur noch Hof und Rosenheim außerhalb des Macht­bereiches der Regierung Hoffmann, doch sind in Hof feine Truppen. Dagegen rechnet man mit Widerstand in Rosenheim, da dort fpartakistische, gut ausgerüstete Truppen stehen. In Haßfurt wurden Spartakisten aus Schweinfurt, die sich gestern doit festgesetzt hotten, heute nacht auSgehoden. Die revo­lutionären Ausschüsse von Schweinfurt, Lohr, und Aschaffenburg haben sich bedingungslos unter­worfen. Die Regierung .Hoffmann scheint fest ent­schlossen, mit voller Energie und rücksichtslos vorz«<- gehen und sich auf keinerlei Kornpromlffe mit radikalen Elementen einzulassen

Bamberg, 13. April. Morgen werden auch Regierungstruppe n von außerhalb in Müncheu erntüdtn, um die Ordnung wieder vollkonunen her­zustellen. Der bisherige Veikehrsrnmister Frauen- dorffer ist nun auch aus München in Bamberg ein­getroffen und bat sich der Regierung wiedxr zur Verfügung gestellt.

Bamberg, 13. April, Wie von privater Seite noch mitgeteilt wird, ist der neue Umsturz in Mün­chen ziemlich unblu tig verlaufen. Die sämtlichen staatlichen Gebäude, fielen in kurzer Zeit in die Hände der regierungstreuen Truppen, da fast die gesamte Garuiion Münchens fick auf die Seite des Kabinetts Hoffmann stellte. Sämtliche Kommunisten- sührer, 16.au der Zahl, wurden in der Nackt noch verhaftet. Nur Levien soll mit etwa zwei Millio­nen Gold entkommen sein. Bereits in den ersten frühen Morgenstunden wurde folgende Prokla­mation in den Straßen Münckens angeschlagen:

An die werktätige Bevölkerung Münchens! Arbeiter und Soldaten1 Die gesamte Garnison Münchens in Verbindung mit de-: um das Wohl und Wehe des Pro­letariats besorgten Volksgenossen haben heute nacht den Zenrralrat für abgesetzt erklärt. Heute werden die Arbeiter- und Soldatenräte zue Stellungnahme zur alten sozialistischen Regierung versammelt. Arbeiter und Soldaten! Ehrgeizige, landfremde Agitatoren, die nur ihre eigennützige Politik verfolgten, haben unter Vorspiegelung der crfolaun Einigung des Proletariats ihre selbstsüchtigen Zwecke verfolgt. Leuten wie Lipp und Wagner hat mau Gute Geschicke anvertraut. Lipp hat Euch denunziert, Wagner die belgischen Arbeiter betraten. Heute steht München abgeschnitten vom Lande allein da. ES gilt unsere Rettung. Darum unterstützt d,e gesetzmäßige Regierung, die für Wohlfahrt. Arbeit und Brot sorgt. Lebensmittelzüge stehen auswärts für München bereit. Sichert Euch vor der Reaktion, indem Ihr die sozialistische Regierung unterstützt und die Gar­nison München. Die Bevölkerung Münchens atmet auf. Die regierungstreuen Truppen sind völlig Herr der Lage, nachdem auch Augsburg sich seit gestern er­geben bat.*

lieber die Vorgänge in Augsburg lagen bis­her keine Meldungen vor.

Bamberg, 18. April. Die Regierung erließ eine Proklamation an das Volk, worin sie die An­ordnungen der Räteregierung außer Wirksamkeit setzt und die gesamte Zivil- und Militär-VollzugSgewatt in München dem nach München entsandten fozialisti- schen Abg. Vogel-Fürth überträgt.

Berlin, 12. April. In den Süddeutschen Monats- heften führt Universitätsprofeffor Coßmann in einem Aufsatz auf, daß es vielen Aerzten bekannt fei, daß mehrere an der Spitze der (jetzt gestür teu) Münchener Räteregierung stehende Leiter geistig erkrankt und als pathologische Lügner erkannt seien. Ganz besonders bezeichnet Professor Coßmann den Dr. Lewin als an sekundärer Hirniyphilis erkrankt. Von anderer Seite ist festgestellt worden, daß der verflossene Außenminister Dr. Lipp zweimal in An­staltsbehandlung war, wegen Säuferwahnsinns in verschiedenen Irrenhäusern war und 1915 in Zürich wegen Schiebereien und Schmuggels zu mehrmona­tigem Gefängnis und Landesverweisung verurteilt worden ift___

Ermordung des sächsischen KriegSnrinisters.

Dresden, 12. April. Heute vormittag versam­melten sich die Bei wundeten bet Dresdener Lazarette auf dem Theaterplatz, um gegen die Verfügung des Kriegsministers Neuring zu protestieren, daß in Zukunft nur noch Friedenslöhnungen an die Ver­wundeten ausgezahlt werden sollten. In einem Zuge von etwa 500600 Man« bewegten sich die Demonstranten zum Kriegsminifterium, woselbst sie

eine Abordnung zum Kriegsminister schickte«. Dieser sagte die Erfüllung ihrer Forderungen zu. Gegen zwei Uhr nackmittagS drangen trotzdem einige be­waffnete Soldaten in das Innere des Ministeriums ein. Ein im Ministerium als Ordonnanz ausgestellter unbedachter junger Soldat warf in seiner Verwir­rung in diesem Äugenblik zwei Uebungshandgranoten in den Lichtschacht, die niemand verletzet! tonnten. Auf der Straße vor dem Blockhause entstand darauf­hin das Gerücht, der Minister habe den Befehl zum Werfen von Handgranaten gegeben. Die Menge von kommunist.Rednern ausgereizt, nahm eine drohende, Haltung ein u. stürmte den Eingang des Gebäudes. Dre SickerheitSwache schritt ein und machte von der Waffe Gebrauch. Inzwischen hatten sich die D-mon- strante« noch verstärkt. Die Wache wurde über, wältigt und entwaffnet. Die herbiwerufenen Re. gierungStrnppen erklärten, nicht eingreifen zu wollen, haben die Waffen abgegeben und sind wieder ah» marschiert. Die aufgeregte Menge hält ben, Platz vor dem Kriegsministerium besetzt. An verschiede­nen Stellen sind Maschinengewehre aufgestellt und nehmen das Ministerium unter Feuer. , Um 4 Uhr drangen die Demonstranten in das Gebäude ein, ergriffen bett .Kriegsminister, der sich in das oberste Stockwerk geflüchtet hatte, schleppten ihn auf die Straße, mißhandelten ihn schwer und stürzten ihn von der Brücke in die Elbe hinab. Als der Minister das Ufer schwimmend zu erreichen versuchte, schossen die Demonstranten auf ihn, sc daß er in wenigen Minuten in de« Fluten ver­schwand. .

Der ermordete Kriegsminister Neurmg, etr Mebrheitssozialist, ist erst durch die Revolution zu seinem Amt gekommen. Er war erst Landarbeiter, später Werftarbeiter.

wtb Dresden, 12. April. Nach dem beute vor­mittag auf das Kriegsminifterium ausgeführten Putsche drangen drei Leute in Uniform in das Gc« bäufce des 12. Generalkommandos ein und gaben sich Mitglieder des Roten Soldatenrates aus. Einer von ihnen beherrschte die deutsche Sprache nur ganz mangelhaft, ein Beweis dafür, daß ent­schieden der ganze Vorgang unter dem Einfluß russischer Agenten stand.

* Dresden, den 13. April. Heute wurde über ganz Sachsen der Belagerungszustand verhängt, über Dresden der verstärkie Belagerungszustand mit Standrecht. Kirchhof ist zum.Kriegsminister ernannt worden. Alle öffentlichen ©ebäube, sind in der Hand der Regierung, die Stadt ist ruhig.

wtb Dresden, 13. April. Mittags. Gestern abend um 6 Uhr begab sich eine Deputation der Demon- stranten zum Kultusminister Buck, der die Erfül­lung der Forderungen in vollem Umfange zusagte, d. h. Beidehaltzmg der alten Löhne und gleiche. Ver­pflegung wie die Sicherhenstruppen, auch von nächster Zeit ab dasselbe Gehalt wie die Sicher Heils truppen. Daraufhin erklärte die Deputation, daß nunmehr kein Anlaß mehr vorhanden sei, das Kriegsinini- Iteriuiii besetzt zu halten. Kurz nach sechs verließen die Demonstranten das Kriegsministermm. ~ Auf dem Neustädter Markt wächst die Menge von Stunde zu Stunde, darunter viele Neugierige, um das schwer­beschädigte Kriegsministerium anzusehcn. Die Wacke ist noch nicht wieder auf gesogen. Insgesamt sind, soweit bisher seststeht, fünf Personen getötet worden.

Ans dem Rrchrkohlengebiet.

Vohnrn, 12, April. DaS Bild Letz Ausstandes ist heute auf Öen Zechen des Bochumer Bezirkes etwas günstiger als an Den vorhergehenden Tagen. Auch tm rheinischen Bezirk macht sich ein lveitere? Abflauen bemerkbar.

.Dortmund, IS. April. Wührcnb Sie Zecken de? Dortmunder Reviers sich zur Arbeitsaufnahme anschickeri, > v- retten unter dem sparrakrstischelr Druck tSremonia" unö ^Dorstfld- weiter. DaS Eiscnstabl- tnerk Hoesch ift wegen Kohlenmangels still gelegt, ebenso die Maschinenfabrik Deutschland.

Ltratzenkämpfe irr Dirsietdors.

wti, Düsseldorf, 13. April. Gestern wurde in den Straßen der Stadl mehr fach von Häusern u_nb aus Fenster« geschosse n. Ter Hauptbahn Hof jvnrde aus den benachbarten Häusern unter Feuer genom­men. wodurch mehrere Zivilpersonen getöt et, zwei schwer und eine leicht verwundet wurde. Das Mi­litär sah sich genötigt, zur Wiederherstellung bet öffentlichen Sicherheit einzuschreiten. In den Abenb- srunden und in der Nacht nahmen bie JRegieruncS« truppen den Kampf gegen die Spartakisten wieder auf, die sich im Stadtteil Oberbilk verschanzt hot­ten. Das Maschineugerorhrfeuer dauerte bis in die Morgenstunden. Heute vormittag um 3/«9 Uhr be­gann cm äußerst heiliges Geschütz- und Mineniverfel- feuer, das etwa bieibiettcl Stunden dauerte. Daran: drangen dir Regiernngstruppen von verschiedenen Seiten vor. Es gelang nach kurzer Zeit, beit Ober - bittet Marktplatz zu nehmen und die Spartakrsteu zu vertreiben. Tie Soldaten gehen daran, pte Häuser der dortigen Gegend zu durchsuchen. In Oberbilk sind die Regierunastruppen vollständig Her­ren der Laae. In der Kölner Straße sind die Ver­wüstungen sehr erheblich. Die Masten der Leitungen der Straßenbahn liegen zerschossen und Fentterscke - bei: sind zertrümmert, Tacker ab geb e tf r izub ganze Stockwerke eingestürzt. Ter Haupt­angriff wurde von der Kölner' Straße und vorn Hauptbahnhof her geführt. Tie Regierungtztruppcn finden feinen erheblichen Widerstand mehr. Von ihnen lvurden nur wenige verwundet. Dagegen wurdet', zahlreiche Zivilisten, darunter auch viele Unbeteiligte, in die Krankenhäuser eingeliefert, zum Teil sckwrr verletzt. Die Spartakisten find zum größten Teil aus Ellern ge-flüchter. Ter private Fernlptech- Verkehr ist noch gecherrt.

Ei« Kampf um Braunschweig.

Berlin, 13. April. General Märker erhielt von dem ReichSwehrminister den Befehl zur Wieder­herstellung gesicherter Berhälmiste im Eifen'oatzn-, Pop- und Telegraphenverkehr, der feit Tagen gestoi t ist, sowie zur VeiHinderung von ©eroalttätigfeite:: an Poft- und Eisenbahnöeamten, mit seinem .Korps in Braunschweig einzurucken. Tas Uiitei- nehmen wird m den allernächsten Tage« «folg«/.