Fuld aer Zeitung
Münch ns doch einigermaßen nachdenklich geworden, sie haben sich jetzt die Sache anders überlegt uto bringen den Bestrebungen der anderen revoluüo» nären Gruppen, mit ihnen zu einer Einigung zu kommen, keinen schroffen Widei stand mehr entgegen. Die Herrschaft allein zu übernehmen, darauf verzichten sie nun wohlweislich. Die Räteregierung besteht noch, aber die kommunistischen Führer haben sich bereit erklärt, an den Sitzungen des Zentrakrates mit beratender Stimme teilzunehmen, woraus geschloffen werden kann, daß sie bald auch in der Räteregierung selbst vertreten sein werden. Wieweit die Anhänger der kommunistischen Nichiung der veränderten Haltung ihrer Führer Rechnung tragen werden, ble'bt dahingestellt. Ueberhaupt Zuverlässiges erfährt man über die Dinge in München nicht. Das Kommando des 3. A.-K. teilt mit: Gegenwärtig herrschten in München zwei sogenannte Zentralräte, die sich geg nwäitig bekämpften Die Gewalt der Rä'e stehe vor dem Zusammenbruch. Das ganze Militär stehe auf festen der Regierung Hoffmann rind sei empört über die Lngennachrichten, durch die die gegenwärtige Laae in München ae chaffen worden iei. Für die Bevölkerung sei der Zunand unerträglich. München sei von außen vollkommen abgeschlossen. In der ganzen Siadt gebe es keinen Tropfen Milch und kein Siück Weh mehr. Auch die Kohlenvorräte gingen zu Ende, so daß ein Teil der Betriebe nicht mehr arbeiten könne. Der drahtliche Verkehr nach München sei geiperrt.
Auf dem Lande beginnt die Anhängerschaft der Räterepublik immer stärker zusam >-enzuscbmelzcn. Anshach, Ingolstadt, Crailsheim, Bez. Offenheim, Wasserfrühdlngeu, Weiden und der gesamten Oder- Pfalz hat man die Zustimmung zur Räterepublik zurückgezogen und sich zur Regierung Hoffmann bekannt.
Aschaffenburg, 11. April. Das hier aarnisonierende Jäger-Bataillon hat sich mit großer Mehrheit gegen die Räterepublik ausgesprochen. Die bisherige Sorgen» für Zeitungen ist wieder auf'eboben worden. Da- Ge- neralkommando des 2 Armeekorps hat dem RevolutionS« Ausschuß in Lohr. Aschaffenbur, und Schweinfurt ein Ultimatum von 12 Stunden gestellt, lieber die Spar- takistenführer soll ein Standgericht urteilen. Der Eisenbahnverkehr ist noch gesperrt.
Die Streikbewnrmg im Reiche.
Der Bergarbeiterstreik.
* Essen, 11. April. Die aus dem Ruhrgebiet vorliegenden Melsungen über die Etreiklaze lassen ein Abflauen der Bewegung erkennen. In 15 von insgesamt 20 Bergrevieren hat die Zahl der Ausständigen abgenommen. Auf drei Zechen des südlichen Reviers sind die Belegschaften wieder vollzählig angefahren.
vtb Essen, 11. April. Die vier Bergarbeiter. Verbände erlassen einen längeren Aufruf an die Berg a i beit er des R rhrreviers. in dem sie unter Hinweis auf die zwischen der Regierung und den Bergarbeitern erzielte Einigung ernst und dringend zur Wiederaufnahme der Arbeit auffordern.
* Bochnm, 11. April. Die Konferenz der Vertrauensleute des Alten Bergarbeiterverbandes hat in namentlicher Abstimmung mit 217 gegen 82 Stimmen beschlossen, den Verbandsmitgliedern zu empfehlen, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Daaegen erklärte eine Delegierteuoersammlung' der sti eilenden Ai beiter, die in Kettwig tagte, nicht ein- mal die Noistandsarbeiten dürften ausgenommen werden, solange nicht alle Forderungen erfüllt, und die Regierungslruppen zuruckgezogen seien.
wb. Essen, 11. April. Gestern ist die Essener Bolkswehr von dem Freikorps Lichtschlag wegen Ur» zuverläfs-gkeit aufgelöst und entwaffnet tooiden. Zwischen den Regierun rstruppen und den Ausftän- dnchen kam es zu zahlreichen Zn ammen'tößen. Tie Regierungstruppen Haden dabei eine Anzahl Verwundeter zu beklagen. Auf der Gegenseite gab es eine größere Anzahl Toter. Die Ruhe war wieder hergestellt, als die Regierungstruppen grögere Kräfte ein'ehien.
Kämpfe in Düsseldorf.
Düsseldorf II. April. Gegen 12 Uhr nacht« machten die Spartakisten einen Sturm aus den Hauptbahnhof, der aber von der milltarnchen Bewachung abgew estn wurde. Im Stadtteil Oberbilk haben halbwüchsige Burschen Barrikaden gebaut. Schießereien Haden sich in verschiedenen Stadtteilen ereignet. In die Diele des Hotels „sS retten» bacher Hof" wurden Handgranaten, geworfen, wodurch erheblicher Schaden entstanden ist. Auch in Düsseldorf selbst zeichnen sich die Spartaki len durch bestialische Greueltaten gegen die Soldaten aus. die in ihre Hände fallen. In der Zimmerstraße wurde ein Offizier im wahrsten Sinne des Woi tes ru Tode getrampelt. Aehnliche Schandtaten sind in oen letzten Tauen viel vorqekommen.
wtb Düsseldorf, 11. April. Die Barrikaden - bauten im Stadtteil Oberbilk wurden durch Schützengräben und Steinmauein mit Schießschairen stark befestigt. AuS Häuiern und von Dächern wird ailf die Soldaten geschossen. Zwei Soldaten, die vou der Menge angefallen und mißhandelt waren, tour» den in den Rhein geworfen; einer ertrank, der andere könnt? sich retten. Gegen Mittag kam es tn der Gegend des Bainhoses wieder zu einer schwe» rett Schießerei mit Handgranaten und Maschinen» gewehren. , ,
wtb Düsseldorf, 11. April. Die am Nachmittag von der Generalstreikkommission einberufenen sieben Arbeitervetsammlungen beschlossen den allgemeinen Ausland solange for-zu'etzeu, bis chie Regrerungs- truppen in Düss'Idorf den letzten Schuß abaegeben haben. Dir Arbeiter des Gas- und Wasserwerkes sind auf's Reue in den Ausstand getret-u., In der Bahnhofsgegend im Stadtteil Oberbilk wird heftig gekämpft.
wtb Düsseldorf, 12.April. TieZablder Opfer vom Mittwoch bis heute beträgt 37 Tote und 110 Verwundete. Der Belageruniszustand, der gestern aufgehoben war, mußte heute wieder verhängt werden.
Ende des Danziger Generalstreiks.
wtb Danzig, 11. April. Der Generalstreik tu Danzig ist beendet. Die Streikleitung veröffentlicht einen Beschluß, daß es unnütz wäre, den Mackst- habern noch mehr Gelegenheit zum Einschreiten zu neben. Man wolle nicht, daß sich der Kampf mit Waffen abchiele. Die gesamte Arbeiterschaft Danzigs wird ersucht, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen. — Ge tern war es noch jn blutigen Zusammenstößen gekommen.
Der Berliner Bankbeamtenstreik.
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hat heute zu einer völliren Schließung ^llerDerllner Banken und'ryrvt^Seymitkassen > mir ÄuSnayme Lei Berliner Handelslesellichaft geführt Als heute moc.cn die Arbettswilli ren vor der Deutschen Bank erschienen, landen sie den großen Gebäudekomplex von Streikposten umstellt, die den Eintritt mit Gewalt" verhinderten. Ein Teil dieser Streikposten beftand aus Aniehorigen des Metallarbeiterverbcinbes. Es kam zu heftigen Zusammenstößen, die vielfach in $rü eleien ausarteten. Schließlich gelang es den Arbeitswilligen, ein Portal zu stürmen und sich den Durchgang zu erztvin- gen. Drinnen angekommen, schrauoten sie die Hyorcrn- ten an und richteten starke Wasserstrahlen gegen die Streikposten, die sich der Schlauchleitung be- rnächtiaten und sie zerschnitten. Sie richteten nun den Wasserstrahl auch gegen die Arbeitswilligen im Hause. Soweit diese inzwischen oie Büros erreicht hatten, baut- bardierten sie aus den Fenstern die Streikenden mit Tintenfässern. Herbeigerufene Truppen säuberten schließlich die angrenzenden Straßen und den Vorplatz und nahmen die bei der Gewalttätigkeit Ertappten fest. Die Direktion lieh daraufhin den Arbeitswilligen ihren Dank auSsprechen, fü te ab-r hinzu, daß die deutsche Bank nunmehr gleichfalls auf ein Weiterarbeiten verzichten müsse.
Rücktritt des Reichsfirranzministers.
Der Reichsfinanzminister Schiffer hat fein Entlasju ngsge such eingereicht. Tie Einreichung deS Ab chiedsgesuches liegt bereits einige Zeit zurück und ei folgte wegen Meinungsverlchieden- b eiten giundlätzlicher Art, die bet der Aufstellung
öZL I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte. I C/tweerf «*> <£HA
HF. Cv» | für die Anzeigen: I. Pa rzeller, Fulda.— Rotationsdruck. | Eipill ™ IV'
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Preußische Landesversammlung.
Sitzung vom 11. April.
Nach einer kurzen Beratung über Anträge deS Ge. schaftSauSschuffeS trat das Haus in die Beratung des von ollen Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen unterzeichneten Antrages Gräfe betr. die Friedens, bedingungen ein. ES wird darin ein Friede verlangt, der 1. ein wahrer Frleoe der.Verständigung ist, 2., gegenüber den vierzehn Wilsonschen Bedingungen keinerlei Verschärfung biingt, insbesondere kein deutsches Gebiet avgibt, 3. die Blockade sofort aufhebt, 4. die schleunigste Rückführung der Gefangenen nach Deutschland durchsetzt und 5. die unverzügliche Räumung der besetzten Gebiete anordnet.
_ Präsident Seiner« führte auS: Die Zukunft der ÄuUumationen ist abhängig von den Beschlüssen der Friedenskonferenz, die von dem Vertrauen aller teil, nehmenden Nationen getragen sein müssen. Wir brauchen einen Frieden, der auf Gerechtigkeit aufgebaut ist und am die Verständigung der Völker. Die Grund, »agen müssen die 14 Punkte Wilsons sein. Wir haben ab» die Besorgnis, daß uns ein Gewaltfrieden aufge- zvungen werden soll und fordern die Regierung auf, lewem Frieden zuzustimmen, der un ere LevenSoebin- VU"sen gefährdet. Sie preußische Regierung hat sich bttttt erklärt, im Sinne der ausgesprochenen Forde» vmgen an die Reichsleitung heranzutreten.
8dg. Adolf Hoffman« (Unabh.) ertlärt, daß -seine vrctei sich an der Abstimmung nicht beteilige, trotzdem fuchste jede Verschärfung der Wilsonschen Punkte und
Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 11. April.
guf ter Tagesordnung stehen zunächst Anfragen.
Llbg. Erkelens lDem.s wendet sich gegen den Terro- «i,mus der freien"Gewerkschasten. Sie Regierung ver. Erteilt nach der Erklärung eines ihrer Vertreter jede «ttinträchti mug der Koalition-'freiheit und sieht bei ^Neuregelung des Arbeitcrrechtes besondere gesetz- liche'Bestimmungen zum Schutze des Koalitionsrechte» ^ilnter den weiteren Anfragen sind besonders her- ^rzubeben Klagen der Ab:g. Schwarz (Ztr) und Bie-
(Sntl.) wegen unwürdiger Behandlung unserer Kriegsgefangenen. Ein Vertreter der Waffen- Mstandskommission erwidert, bag alle Proteste bis jetzt «rgeblich gewesen seien.
Es folgt bann die erste und zweite Beratung deS Metzes über die Sommerzeit.
Regierungskommiffar Geheimrat Köhcker begründet bit Vorlage. Nach dem Bericht des Reichskohlenkom- ytjjar# feien im Sommer 1918 von den Gas. und Elektri- «tätswerken rund eine Diertelmillion Tonnen Kohlen Jrfpart worden.
Ein Vertreter der bayerischen Regierung erklärt sich «eaen die Vorlage, für deren Annahme nur ein Ser» fcrtet der Deutsch-Nationalen spricht, alle übrigen rhen dagegen mit Rücksicht auf bie Undurchführbaren landwirtschaftlichen. Betrieben.
Der Entwurf wird ab gelehnt.
Sodann folgt die Beratung de» Gesetzentwurfes Aer die Ausbildung von Kriegsteilnehmer» zum Rich. Mimt.
äbg. Grünewald (Sem.) erklärt die Zustimmung ftiaer Fraknon zu diesem Gesetzentwurf weiser sozialer tetfötge den Kriegsteilnehmern gegenüber.
Ldg. Wermuth (Sn. Vp.i erklärt trotz der Sehet» ftn seiner Fraktion deren Zustimmung.
Reichsjustizminister Sr. LandSberg führt auS, daß d« Entwurf des neuen Strafgesetzbuches noch vor Ablauf dieses Jahres veröffentlicht werden könne. In Bearbeitung sei eine Novelle zur Strafprozeßordnung. Der Redner bittet um Annahme de» Gesetzentwürfe- ohne KommiffionSberatung.
Abg. Dr. Kahl (S Vpt.) und Abg. Haase (Nnabh.) «klären gleichfalls ihre Zustimmung zu dem Gesetz» entwarf.
Abg. Dr. Spahn (Zentr.t verlangt, daß auch jene Leute berücksichtigt werden sollen, die jetzt zur Aufrecht« erhaltung der inneren Ordnung in unserem Lande im Heeresdienst stehen.
Der Gesetzentwurf wird unter Ablehnung särnt, lidjer abänberungSanträge in ollen drei Lesungen ohne Kommissionsderatung einstimmig angenommen.
Der Gesetzentwurf betr. die Aenberunz der KriegS- kievergesetze wird ohne Debatte genehmigt.
Samstag: Interpellation Auer betr. Mißstände bei der Verteilung ausländischer Lebensmittel, Ermächtigungsgesetz, Gesetzentwurf über den 1. Mai als Nationalfeiertag, Gesetzentwurf über Kaliwirtschaft.
jede Abtretung deutscher Gebiete ablehne. Auch seine Partei bestehe auf der Rückgabe der Gefangenen und Aufhebung der Blockade.
Der Antrag wird bei Stimmenenthaltung der un- abhän igen Sozialdemokraten angenommen.
ES folit die Beratung einer Gruppe von Anträgen betr. die Gemeinde- und Kreislagswahlen.
Geheimrat Meyer als Regietungsvertretet erklärt: Sie Regierung leugnet nicht, daß die Nolveiordnungcn technische Man ei enthalten uni) sie ist bereit, diese im Zusammenwirken mit dem Hause zu beseitigen. Ein neues Gcmeinberecht wird die Regierung io bald wie möglich vorlegen Sie ist bemüht, das Sclbstverwal- tungSrecht weiter auszubauen.
Die Anträge geben an den Gemeindeausschuß. — Es folgen Anträge der Deutschnationalen auf Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht und auf Hebung der Volksschule und des Lehrerslaiiües.
Kultusminister Hönisch: Die Not'age der Lehrer würdigen wir vollkommen. Ein Gesetzontwurf auf allgemeine Ersehun i der geistlichen Schulaufsicht durch die BolkSschulaUfsicht ift’ fertiggestellt und wird dem HauS in wenigen Wochen zugehen, (beifalls
Abg. JudS (Sem.i spricht seine Genugtuung aus, daß endlich mit der geistlichen Schulaufsicht aufgeräumt werde.
Abg. Fran Dr. Wegscheider (Soz.) befürwortet die Bildung von Lehrerbezirksrätcn, die der Regierung beratend zur Seite stehen.
Abg. Kleinspahn (Unabh.) tritt für die religionslose Schule ein.
Samstag: Fortsetzung; vorher förmliche Anfragen.
Wilsons Drohung.
EP. Zürich, 11. April. Wie dem Bureau Europa» preß indirekt aus Paris betätigt wird, hat Präsident Wilson den allierten Staatsoberhäuptern erklärt, wenn der Friede nicht auf Grund seiner 14 Punkte beschlossen werde, toetbe Amerika sich von der Konferenz zurück- ziehen und Frankreich, Jlalien und England mi!i- lärisch, wirtschaftlich und politisch seinem Schicksal übeilassen. Es würde dann eine Aus örnung zwischen Amerika und Deutschland flattfinben, woraus Deutschland den Hauptnutzen ziehen werde.
Amsterdam, 11. April. Laut „Zentral-Netos" ouS Loudon berichtet der Pariser Korreiportdent des Newyorker Blattes „World": Das Ultimatum WiksonS, daß er sich von der Konferenz zurück- ziehen weide, wenn die Hindernisse gegen den Fortgang der Verhandlungen nicht aus dem Wege geräumt würden, hat zur Folge gehabt, daß die Besprechung beschleunigt und beträchtliche Fortschritte erzielt wurden.
Die Lage tu Bayern.
In München sind die Kommunisten durch dir Vorgänge im übrigen Bayern und die Absperrung
Die deutschen Kriegsgefangenen.
wfb Berlin, 11. April. In der Geschäftsstelle des Auswärtigen Amis für die Friedensverhandlün» gen fand unter dem Vorsitz des Bolschafteis Giafen Berns orff eine Besprechung über die Fragen, die hinsichtlich der deutschen Kriegsgefangenen und Zivilinternierten beim Friedens schluß zu "regeln sind, statt. Von mehreren Anwesenden wurde auf Grund authen» lilcher Nachrichten auf das vielfach ganz unmenschliche Los hingewsisen, das die Kriegsgefangenen noch heute, namentlich in Nordfrankreich und Sibirien, zu erdulden haben. Von andererSeite wurden die bedeutenden technischen Schwieiigkeiten unterstrichen, die die Heimbeförderung der Kriegsgefangenen, namentlich aus den überseeischen Ländern, veiumachen wiid.
Die Entschädigung.
wtb London, 1L April. Reuter meldet au8 Baris: lieber die Fragen der Veran Wörtlichkeit und Entschädigung ist Uebereinstimmung erzielt worden. Sie Bezahlung der Entschädigung erstreckt sich auf eine Zeitdauer von 30 Jahren und be linnt am 1 Mai 1921 mit einer Zahlung von einer Milliarde Pfd. Sterling (1 Pfd. Sterling tior dem Krieg gleich 20 Mk) Deutschland muß eine Obligation unterschreiben.'in der es eine einstweilige Schuld von .sechs Milliarden" anerkennt.
I Verlag bet Fuldaer«cHenbtudettitn Fulda. — «reiBmomrti. I 4g IClhtÜ.
I 95 Pfg. — Fernfpr. Nr. S. Telegt.-Abreffe: Fuldaer Zeitung. | J '
Kasino war großer DonnerStags-Dall. Die ^-etie hierzu ist vorgeschrieben: Damen erscheinen g e Kopfbedeckung, die Herren in Frack und mit weißen ^dbatien.
SRefercnbar Eicbbach fuhr auf Einladung sPapa ^nynekez mit den Kommerzienrats 'n der Gala-Chaise. Und 8näbige Mama zeigte sich darob sehr ungnädig, labt eJ'"’ a'§ ^er diplomatische Belvecber durchblicken M stin Freund Fritz dem Feste feentleibe, be- Dle ahnungsvolle Ballmutler seine Gegenwart »18 zu enTpfinden.
u.^ehfn. verließ gleich nach Mittag das Hotel und 7c_'tt rüstig dem L^cere enilang fürbaß, Ten breit» •mungen Panama im Nocken, die Hände in den Ta- des Wethen Sommerrockes ve'graben, so ging er nen Gedanken nach, die .recht unerquicklicher Natur ,no mutzien. "
3-£n5etr Bauplan lag unausgeftrligt zu Hmise, die "Wtte schrieb um Beschleunigung, er entschuldigte sich
Olgas Irrtum.
Original-Novelle von Alca Ruth.
-Darauf rechne auch nicht Ich habe noch verschie- benez Geschäftliches zu erledigen. Fürsorgliche San« •«n bemuttern Waisenknaben meines Schlages mit er- 'tunlicher Ausdauer; und nun wird es mir von dieser vvhegelgt, daß unser Stammgut unbedingt einer gründlichen Restauration benötige. Ich bin der Sache "»-getreten und werde den Plan des Umbaues selbst «unfertigen. Cs handelt sich nämlich —"
--Vermutlich um die Errichtung einer Samenhand- ^H-Nioderlage," warf Karl schnell' ein.
J . Tasten faßte ihn scharf ins Auge.
• »Meder auf Spionage gewesen? Du scheinst viel wisson oder wlffen zu wollen; aber ich konstatiere Karl Ciäbach, daß ich Derne Neugierde durch Km weiteres Wort befriedigen werde."
.-2lch-" lachte Karl, .Tu sammelst glühende Kohlen «Uf MLin HauptI" Und er drehte sich eine Zigarette.
mit momentaner Gedankenarmut, ungenügender Sachkenntnis, Unfähigkeit im Planentwerfen usw., und da- bei war ihm der Kopf voller Projekte, die er alle ausführen wollte und alle verlrarf. Freilich waren die mit Santens Bauentwürfen wenig identisch und liefen olle auf schwindlichste Fundamente hinaus. Oer war bas eines gediegenen, standfesten Regierungsbeamten Art und Sitte, wie das verkörperte böse Omen einer unbekannten Dame auf den Fersen zu sitzen, bei 20 Grad Neaumur Schildwache auf dem Balkon zu stehen, um die goldone Morgenstunde, die er sonst fast nur vom Hörensagen kannte, durch leise, eilende Trifte und das Nmischen eines Frauenkleides geweckt, aus unruB gern Schlafe emporzusckrecken und in die Kleider zu fahren. Oder aber mit unheimlicher Beharrlichkeit ahnungslosen Leuten, wiePapa Jähneke aufzulauirn und mit stoischem Gleichmut unter den Schleusen seines redei'den Geistes stand zu halten. Gar nicht zu sprechen von den vie'en lesuliatlosen Strciszügen zum Leuchtturm so:nchl als zum Park Leopold, zu Ben Tön cm und der Avenue de la Reine, besonderes Jnteresie einsam promenierenden schwarzgekleideten Damen widmend; und habet seststel- len zu müssen, daß er durchaus nichts Nennenswertes erreicht, in seinem ungewissen Vorhaben keinen Schritt vorwärts gekommen zu sein! Es war zum Verzweifeln I Er, der ehedem bis in btn Mittag hinein träumte, schlüpfte nun mit dem ersten Sonnenblick aus den Federn und suchte nach allen Himmelsrichtungen den Strand ab nach derjenigen, nach deren Asiblick er in krankhafter Sucht verlangte. Er wußte, daß sie ihre Spaziergänge in den frühen Morgen verlegte, aber wohin sie sich wandte, hatte tt bis jetzt nicht in Eifahrung bringen können. Er hielt mit Selbstironie und Vor- würfen nicht zurück, er adpevi-rie an sein Mannes- gefühl, seinen Stolz, seinen Verband — »ergebens! Alle Jnüanzen ließen ihn im Stich. Allabendlich ge- langten die bcstimmtestrn Vorsätze in ihm -mr Reite, er wollte Zerstreuung suchen, mit der Rarrerei brechen, aoreisen, bei Kommerzienrals Besi'che machen, in em anderes Hotel verziehen — ach! was wollte er nicht alles! Und trenn bann der junge Tag durch die Wolken brach, zeritoben all bie guten Votsätze wie Spreu ün Winbe Er schalt sich einen Narren — und ging!
Soweit war es gekommen mit dem nüchtern dcn- !*ben, entfirn, gediegenen, vernünftigen Fritz von Setten! Er hatte nun seinen Meister gefunden, und zu seiner Beschämung mußte er sich gestehen, daß dieser Meister bas kleine, unbebeutenbe, verkannte Herz war, bas bisher an seinem Denken und Trachten so viel wie keinen Anteil hatte. Er mußte erfahren, daß jenes unscheinbare Ting im Lieben und Haffen der größte Despot ist, und konnte sich der endlichen Erkenntnis nicht mehr verschließen, daß er sich in ein Wesen verliebt hatte, dessen Antlitz er nicht einmal gesehen hatte, von besten Existenz und Charakter er nur wußte .daß eS den häßlichen Ioko zu füttern hafte. Das war denn wirklich schon nicht mehr eines sinnbewußten Menschen würdig, geschweige denn eines im natürlichen Leben wohlbeleumundcten Regierungsastefforöl Aber er tröstete sich damit, baß bie Verliebtheit mit der Nn'urech- nimgSfähigke't gemeiniglich verschwistert ist, und huldigte weiter dem süßen Wahne, der ihn wundersam gefangen hielt.
Unterdessen hatte er hie Dünen erreicht. Dieselben sind in die schönsten (Sorten umgewandelt und erstrecken sich vom Chalet du Roi bis zum Fort Wellington. Weiter nach dem Meere zu tritt baS üpvtge Grün der Götten zurück, die Sandregion ist voiherrsbend in ihrer starren Etnförmigkeii in unmittelbarem Gegensätze zu den Kunstanlagen der anschließenden Gärten
_ Setim drang bis zu den SonbEiigeln vor, bie trifte Dünenla- bschast war ein würdiges Seitenstück zu seinem trüben SHntmitnpShilbe.
Der Dünenwärter, ein eisgraues Männchen, laß crul einer Bank im Schatten, hielt dir Hände im Schoß ttnb rieb die Daumen gegeneinander. SaS terF'rt’erie Svmbcsi des ahsterbeitden Ledens in jener Sandregion. Al» Detten auS den Dünen znrückkebrte, gab er dem einsamen Alien cm Geldstück und richtete einigt freundliche Worte an ihn.
»Wie gefällt Euch das Sehen hier, Alter?"
.SS bleibt mir nichts zu wünschen, Herr. Ich habe Ruhe, Einsamkeit und Frieden. TaS ist für meine Jahre genug."
.So habt Ihr keine Familie mehr, feinen Freund, Verwandten? Tas muß ja furchtbar traurig fein-“
Ser Alte lächelte trübe.
.Ich bin nie verheiratet gewesen; ich scheute bie Sorge um Weib und Kind, ich war eigennützig."
„Inst wre ich," dachte Detten, .nun, und seid Ihr nicht daher gut gefahren?" sagte er laut.
.Sehen Sie mich an, Herr," er richtete sich langsam empor, »ich bin ein angehender Sechziger, alle schätzen nftch auf achtzig. Tas sind die Folgen meines Eigen- nutzes," fügte er bitter hinzu, „bie ungenoffenen Vo- terfreuben, bie ungeteilten Sorgen, ein zweckloses Wirken. ein erkaltetes Herz und das Bewußtsein dessen, was ich Gott und dem Leben schuldig geblieben," und mit wehmütigem Lächeln sank er auf die Bank zurück.
Seltsam beklommen stand Serien neben ihm. Cs war ihm, als hätte ein Blitzstrahl das Tnnkel ber Zukunft vor ihm gelichtet. Mit furchtbarer Klarheit stand iS vor ihm, was sich bisher ber besseren Einsicht ver- schloffen. Er blätterte tn dem Buche seines Leben?. Seile für Seite: da standen glänzende Namen, ein frühes Leben, eifrige? Streben, Ehre, Ruhm und An- erfennung, und baS letzte Blatt be'euchtcfte ber Engel mit bet Totenfackel; darauf traten die Worte in feurigen Lettern hervor — jenes alren Mann-s Worte: Ein zweckloses Wirken, ein erkaltetes Herz und die' Anklag" dessen, was er Gott und dem Leben schuldig geblieben Sinnend strich er sich durch den krausen Bart.
Er ging die Stufenleiter seiner bisher erstrebten Erfolge zurück. Wieviel glKn-end absolvierte Semester und Examina lagen hinter ihm! — ITnb aus jenes Mannes schlichter Rede batte er mehr gelernt als in all den Iahten ununterbrochener Studien.
Dem augenblicklichen Impulse folgend entnahm er seiner Börse ein Goldstück und reichte eS dem Alton.
.Hier, alter Philosoph, Eure Weisheit mühte bessere Zinsen iraren. Hätte nimmer gelaubt, daß es im Dünensand auch was zu lernen gibt. Adieu, Alter, ich werde Euer Gast noch öfter fein, ber einzige wohl avS dem Heer bet Ostende besuchet bäucht mir."
„Sie irren, Herr," lächelte der Greis, „auch eine Same ist hier täglicher Gast. Sie bringt deS öftere« mitten hinein zwischen bie SandhlHcl."
(Zortjetzima folgt.)