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Samstag, 5. April 1919.

Dir sinkende Kohlenförderung.

wtb Esten, 29. März. Es kann nicht oft genug «nd nicht nachdrücklich genug auf den e r s chr e ck e n- ^Tiefstand hingewiesen. werden, den die Loblenförderung im Ruhrbezirk per Zeit erreicht hat.

Nährend sie sich im Durchschnitt in den Monaten <kuli-Oktober vorigen Jahres auf 8,45 Millionen Seiten stellte, ging sie im November auf 6^4 und

Dezember auf 5% Millionen Tonnen zurück. Im Kanuar ist eine kleine Erhöhung auf 6% Millionen Tottncn eingetreten, der jedoch im Februar wieder «l Abfall auf 5,4 Millionen Tonnen folgte. Ter «."dgang int November war zum Teil durch die Der- Miirderuna der Belegschaft infolge der Entlastung der Kriegsgefangenen bedingt. Im Dezbr. ,ahm die Belegschaft zu und setzte ihre auffteigende Entwicklung int Januar und Februar fort, sodaß sie ftn setzten Monat mit 430 000 nur um 15 000 Mann «Ri# 3,48 Prozent hinter dem Stand im Oktober mrückblieb Dagegen war das Förderergebnis um 3 Millionen Tonnen gleich 35 Prozent kleiner als im Oktober. Damit wird die Förderung nicht einmal ' ihren Tiefstand erreicht haben, wenn die Bewegung der Einführung der Sechs st undenschicht, die auf einigen Zecken int westlichen Teil des Bergbau- j desirks bereits erzwungen worden ist, weiter um sich greift. Eine Sechsstundenschicht einschließlich Ein, und Ausfabrt, wie gefordert, batte eine Verkürzung der Kohlenförderung um annähernd ein Drittel zu bedeuten und müßte daher aus das Mrderergebnis einen geradezu katastrophalen Einfluß ausüben. Wie sehr auch der Bedarf des eigenen Wirtschaftslebens an Kohle zurückgegangen ist, so würde alsdann nickt einmal die zur Deckung ersor-- d-rliche Menge zur Verfügung stehen,, geschweige denn, daß wir Kohle« für den Versand ins Ausland siei batten. Die unheilvolle Rückwirkung der Ver- haltnisie auf die Versorgung mit Lebensmittcln liegt a,uf der Hand. Eine weitere Verkürzung der ^Arbeitszeit hatte auch eine entsprechende Erhöhung dc^ S e l b st k o st e n zu bedeuten. Der Verbraucher bekäme die Wirkung durch eine Erhöhung der Kohlen- preise ant eigenen Leibe zu verspüren, und die Wett­bewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt würde aufs schwerste dadurch beeinträchtigt werden.

W . Tie amerikanische Hilfe.

Kürzlich bat Marschall lZoch Gelegenheit genommen, anläßlich eines Festessens sich eingehend über die Hilfe der Amerikaner wäbrend des Feldzüge? 1918 auszu­lassen. Einem im Militärwochenblatt gegebenen Aus­zug entnehmen wir:

W Am 11 Märt 1918 zählte die amerikanische Armee in Frankreich 300 900 Mann. Am 21. März setzte dann die große Offensive der^Deutschen ein, die die Franzosen uftb Engländer von «t. Ouentiü auf Amiens zurückgeworfen halte.Die Situation war ernst", ge­steht .roch. In diesen kritischen Tagen, es war am 28. März, erschienen bei den Oberkommandierenden der Entente die amerikanischen Generäle Pershing und Btiß und erklärten ihre Bereitschaft, nut ihren Truppen einzuarei?en. Dann schick'e Amerika im März 69 000

verstand annehmen.

Früher galt es als Erbweishett: durch Schaden wird man klug! Haben Nur nun nicht schon Schaden genug und übergenug gehabt? Wie klug müßten also die ar­men Deutschen geworden sein? Aber tn vielen Schich­ten und Gegenden macht das gerade Gegenteil von Klugheit sich zum Trumpf, *!

.Mein Sohn, du glaubst nicht, mit tote toentg Weis- hüt die Welt regiert wird!" So schrieb vor ungefähr dreihundert Jahren der schwedische Kanzler Oxen- Merna an fernen Sohn. Der Mann wußte Bescheid; denn damals, int Dreißigjährigen Kriege, stand Schwe» ' den als siegreiche Großmacht im Herzen von Deutsch­land und Europa; der alte Schwede gehl den Regenten der Welt. Seit dem Kladdt

wrzen von Teutsch- hörte selbst zu

den Regenten der Welt. Seit dem Kladderadatsch von, vorigen Herbst wird nun oei uns zu Lande verkündet, mit der unverständigen Wirtschaft der alten Macht­haber sei jetzt aufgeräumt, das Volk werde sich selbst regieren und somit sich selbst fein Glück schmieden. Wie sieht es nun in dieser Glücksschmiede au5? Wird jetzt mit mehr Weisheit regiert?

Sagen wir nichts gegen den guten Willen der Re- Sttrung und schelten wir auch nicht auf die verhältnis- mäßig ^en Wahlen. Aber was hilft uns das alles, wenn immer wieder eine Rotte von eingefleischten Bösewichtern ganze Haufen von Dummen findet, die sich zu tollen Streichen beschwätzen lasten? Wir^wer- dm nicht von oben, sondern von untenregiert", don der Armee der Unverständigen, die unter dem Kommando von Spartakus steht.

Schwärmer haben geglaubt, der Krieg solle tote ein Jungbrunnen wirken, aus dem das Volk an Geist Tugend aufgefrischt hervorginge. Träume und Schäume, Ich sehe keinen Zuwachs mt Verstand und ^üllichkxit, Wohl aber an Torheit und an Roheit. Auch e Entartung des Gefühls ist eine Zeitkrankheit, 816 sich immer weiter verbreitet.

AilpolMsche Zeitläuse.

X. Berlin, 2. April 1919.

Ach, wo sind die schönen Zeiten, als wir noch zum M. April uns gegenseitig necktenI Des Spaßes halber wurde da einer und der andere in den April ge­schickt; jetzt sind wir allzumal in das bittere Elend gn'chickt worden.

Eins besteht freilich auch beute noch fori, was da- . malz verspottet wurde: nämlich dte Lerchtgläub gkeit, des gedankenlose Hereinsallen auf vorgeredeten Unsinn. Ta erklärt einer mit geschwollener Stimme: Wer 200 Work in der Woche verdient, muß und kann 300 Mark : baden, und dabei kann er noch seine Tagesarbeit um zwei Stunden kürzen; er braucht nur zu streiken, dann i! egen ihm die gebratenen Tauben in den Mund und die blauen Lappen in die Tasche I Diese Hetze findet immer noch gläubige und gehorsame Zuhörer. Eine Menge der Leute denkt nicht erst nach, ob daS möglich ii., sondern läßt sich blindlings in den Streik schubsen. Tie Gedankenlosigkeit ist ebenso arg,, wie früher bei der Bestellung vonMuckenfett". Leider kommen unS dieseSpäße" der Streikhetzer verzweifelt teuer zu Men. Tie neuzeitlichen Aprilgecken stürzen das ganze Volk in Armut, Hunger, Verzweiflung und Untergang, trenn sie nicht bald wteder etwas gesunden Menschen-

Nickst allem bei den Besiegten; auch bei den sog. Sägern. Von der llnmenscklichkett, mit der die feind- "chen Mächte das wehrlose Deutschland und ferne Ge- ^tgenen seit einem halben Jahr peinigen, brauchen tvtr nicht weiter zu reden. Neuerdings ist aber ein Aelles Licht gefallen auf die Volksseele da drüben: tret Meuchelmörder Villain, der am Vorabend des ?t.,ege§ dm französischen Friedensfreund I a u t e S ietmtückisch erschossen hatte, ist von den Pariser Richtern ttEigesprochen worden. Ueber vier Jahre hinaus batte 6,6 Regierung das Strafverfahren verschleppt. Jetzt, Vachdem die Amerikaner den Sieg entschieden hatten. Staubte sie die richtigeStimmung" vorzufinden. Und Ite. hat sich nickst getäuscht. Jgures ist ermordet und >etn Mörder kann mit erhobenem Haupte spazieren ^SEn. Inzwischen ist aber der Mann, der auf C l e- e r e e a u geschoflen hatte, ohne ihln zu töten, zum 5foe verurteilt worden. Tas neu*1 manBerechtig.

ofine Ansehen der Person".

^.Tst eine solche Verirrung in Frankreich möglich? toitt hoffen, daß in Temschland k-ftt Richter io tzinchtvergeffen sein würde, einen übersatten Mörder

Fuldaer Leitung

Druck der Fulduer Aetieudruckerei iu Fulda

Mann, im April 94000 Köpfe, im Mai 1918 200 000 Mann, im Juni 1918 245000 Mann, im Juli 1918 295 000 Mann, im August 1918 235000 Mann. Dem- entsprechend ftieg die Iststärke der amerikanischen Armee in Frankreich von SOOOOO Mann auf 954 000 Mann im Juli. Im Oktober hatte sie bereits 1700 000 Köpfe erreicht.

Am 26. September kauten 14 amerikanische Dtvt- sionen zwischen AtSne und Maas anläßlich de» franzö- fischen Generalangriffs zur Aktion. Zu gleicher Zett oreifen zwei weitere Divisionen im Verbände der 5. französischen Armee in Gegend Romains an, während noch zwei Divisionen sich bei der englischen Armee in der Gegend von St. Quentin schlaaen. Wieder zwei Divlfionen stehen bei der 4 französischen Armee bei Orfeuil im Gefecht. Endlich haben noch zwei Divi- sionen teil an der Offensive in Flandern (Lys und Schelde). Unterdeflen bereiteten sich sech» strategische Einheiten für einen weiteren Angriff in Loth­ringen vor, der am 14. November erfolgen sollte, aber infolge de» Waffenstillstandes nicht mehr zur Aus- führung gelangte.

Auszug aus dem Stanöesamts-Hegtfter

des Standesamtes Fulda.

Sterbefälle in der Zeit vom 27. März bis 4. April 1919.

27. 3. 19. Ehefrau Elisabeth Gesang geb. Schenk 38 Ihr. 7 Mt. 7 Tage. 28. Landwirts - Witwe Mana Stock geb. Horst au» HechelmannSkirchen 62 Ihr. 7 Mt. 14 Tg 29. Arthur Robert Sarbig 1 Ihr. 1 Mt. 20 Tg. Arbeiter Nikolaus Zähringer aus Steinau, Kr. Schlüch- tern 22 Ihr. 9 Mt. 17 Tg 30 Ebefrau Luzia Hack geb. Möller aus Neuhof 54 Ihr. 5. Mt. 18 Tg. Ehefr. Gisela Gerhard geb. Reuter au» Motzlar 35 Ihr 29 Tg. 31. Christian Schlitt au8 Schlotzau 4 Ihr. 4 Mt. 19 Tg. Witwe Luise Klug geb. Fröhlich 55 Ihr. 7 Mt. 25 Tg. 1. 4. 19. Landw. Konr. Schrimpf au» Landenhausen 37 Ihr. 13 Tg. Landwirt Joseph Kaiser aus Herbstein 63 Ihr. 10 Mt. 19 Tg. Regina Bogel au» Traisbach 71 Ihr. 9 Mt. 29 Tg.

Märkte.

== Fulda, 5. April. Auf dem heutigen Schwei ne- marft waren 50 Ferkel aufaetrieben, die zum Preise von 225 Mark das Stück abgesetzt wurden. Der Schweinemarkt beginnt von jetzt ab kür das ganze Sommerbalbjabr schon um 6 Uhr morgens.

Benn es anfängt wärmer zu werden, kommt man bei Spaziergängen durch die dicke Kleidung leicht in Schweiß, der die natürliche Folge der Körper- auSdünstung ist. Biele Personen leiden jedoch da» ganze Jahr hindurch an übermäßiger Schweißabsonderung, z. B. in den Achselhöhlen, an den Händen ober an den süßen. Dieser LchweißauSbruch verbreitet jenen unannehmlichen und peinlichen Geruch, der uns so zuwider ist. Wenn Siedagegen jedoch täglich das neue, fluffige Schweißmittel Nlanaeol" gebrauchen, dann stehen sie jederzeit sozu- sagen in einem guten Geruch. Sie fühlen sich wohl, erkälten sich weniger, und haben trockene und warme Füße und Hände. Garantiert für die Gesundheit voll- kommen unschädlich, da der natürliche Schweiß dadurch in keiner Weise unterdrückt wird. Preis nur Mir 4.50 die Flasche zu haben: Löwen-Apotheke Fulda.

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deshalb freizusprechen, weil sein Ovfer einer anderen politischen Richtung angebörte. AVer außerhalb des Geriästssaales wird mich bei unS mit zweierlei Maß gemessen. Wym die Polizei oder die Ordnungstruppen einen Ruhestörer niederschießen, so erheben die Unab­hängigen ein gewaltiges Geschrei über dieseBlut­hunde" und vergießen glitzernde Trä-nen über jedes vernichtete Menschenleben. Wenn aber die Spartakisten und ihr aufrührerisches Gesindel Dutzende oder Hun­derte von Menschen in den Todesrachen schicken, so wird darüber keine Totenklage angestimmt; daS bedecken die Unabhängigen mit dem Mantel der Gefühllosigkeit. Es kommt nicht auf die Gerechtigkeit ober die Menschlichkeit art, sondern auf die Partei st ellung. In Frank­reich wird die Mordtat entschuldigt, wenn der Mörder zu den Rechtsparteien gehört und fein Opfer auf der Linken gesucht hat. Unsere Radikalen bemänteln die Mordtat, wenn die Kugeln von links kommen und die Opfer auf der Rechten fallen.

Im übrigen paßt die Freisprechung deS Pariser Meuchelmörders zu dem ganzen Charakter deS Welt­krieges. Wodurch ist er in Gang gekommen? Weil Oesterreich Sühne verlangte für die Ermordung des Thronfolgers und seiner Gemahlim Rußland stachelte das mitschuldige Serbien auf, die Sühne zu bcttoet. gern. Frankreich, England und später Italien und Amerika stellten sich an die Seite dieser Mörderschützer. Durch deren Uebermacht ist nun Tentschland erdrückt worden, das aus Rechtsgefiihl und BundeStreue den Oesterreichern beistehen wollte im Kampfe gegen die Politik des Meuchelmordes. Nachdem.die Gönner der Serben gesiegt haben, wollten die Pariser Richter auch die Ermordung von Janres unbestraft laffen. Die Streiterei über die Einzelheiten dieser Kriegssahre darf unseren Blick nicht ablenken von der grundlegenden Tatsache. Zu Beginn bet Katastrophe steht bet Schutz der Mörder von Serasewo, und zum Schluffe wird der Meuchelmörder von Paris fieigesvrochen.

Zum Kapitel der Verrohung ist noch hervorzuheben, daß heutzutage bei den Plünderungen und Raubzugen die Schießwaffe eine so verhängnisvolle Rolle spielt. Früher unter dem vielgeschmähten alten Re­gime, hatten die Spitzbuben und sogar dieschweren Jungen" eine starke Scheu vor dem Waffengebrauch. Sie wußten, wenn es zum Bluwergietzen kommt,' so stellt sich die Mordkommission em, und bann gibt es eine Verfolgung mit bem Aufgebot aller Spürkünste, bis die Missetäter entdeckt und gefaßt sind. Jetzt hal­ten die Raubritter eine solche Vorsicht nicht mehr für nötig, ©obalb eine Verbrecherbande überrascht wird, schießt sie auf alles, was ihr in die Quere kommt. Glücklicherweise treffen ja nicht alle Kugeln, aber fortwährend lesen wir, baß ein pflichttreuer Beamter ober ein aufgescheuchter Bürger durch die Räuber ver­wundet ober getötet ist. Nur zu oft entkommen die ver­brecherischen Schützen, wenn nicht gerade einer von ihnen auch eine Kugel erhält. Tie Verbrecher besitzen heutzutage mehr Waffen und vielfach beffere Waffen, als die Verteidiger der Ordnung, und sie sind überdies im Vorteil, weil sie sofort rücksichtslos schießen, wäh­rend auf ber anderen Seite erst abgewartet wird, ob es nicht ohne Blutvergießen geht. Es gehört daS zu dem Terror, zu ber Schreckensherrschaft, die jetzt auS- geübt wird von einer gewalttätigen Minderheit, sowohl von blutgierigen Verbrechern als von herrschsüchttgen Bolschewisten.

Du lieber Himmel, was ist daS für ein Frühling! Wie anders hatten wir uns das erste Ostern nach Kriegsschluß gedacht? In den Wolken, die uns ein nachträgliches Winterwetter bescheren, scheint eine ähn- liche Verwirrung zu herrschen, wie in dem Leben der Völker, die nicht zur Ruhe und Genesung kommen können.

Sollen wir verzweifeln? Als Christen muffen wir uns am daS Gottvertrauen klammern Sollen wir als Deutsche uns schämen ober gar unfern Patriotismus verleugnen? Tas würbe -m3 nicht helfen, iz-id es wäre auch ungerecht, benn bie ruderen Völker «#aben auch ihre Schwächen, mich ihre Sünden, und trotz allem kön- nen wir immer noch sagen; Eine Kation, die vier schwere Jahre hindurch gegen die ganze Welt Wider­stand bieten h-nnte, muß doch ft.-aft in sich haben. Ver­suchen wir eS unverzagt, ob dieser Kraftvorrat noch auS- reicbt für die schwere Uebergangszeit, um die Ehre und den Bestaub unseres Volkes für die beffere Zickunst zu retten.

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