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M 80.

Samstag, 5. AprU 1919.

Fuldaer Zeitung

Druck Ser Auldaer Actte»tsrackürei tu ^rr»a.

Die traurige Lage unserer

Kriegsgefangenen in Frankreich.

Der deutsche Vertreier in Spa hat der inten- Merten Unterkommiffion für Kriegsgefangene eine Note übersandt, worin erneut auf die traurige Lage unserer Kriegsgefangenen hingewiesen und um schleunige Abhilfe ersucht wird. In der Note heißt es u. a.:

Die deutsche Regierung hat durch ihre Gesandt« ichast in Bern eine Reihe von Berichten erhalten, die schweizerische Vertreter über kürzlich unternommene » Beitchiigimgen franzöi'schcr Krieg?gefangenen?ager er­stattet haben. Daraus geht hervor, daß in vielen La- ge n zum Teil infolge der Ueberfüllung durch neu an«

Was not tut.

In der Kyffhäuser Korr. lesen wir u. a. folgen- § *

Zu allen Zeiten herber Trübsal unb mcnertetter Not ift die Erneuerung eines Volkes immer von den gen Kräften ausgegangen, von Philosophie, Dicht« JL» und Religion. Das ist selbst in unserem materiell« wirtschaftlichen Zeitalter, wo national-ökenomischs E-n oberster Trumvf sind, nicht anders. Es ist der «eist, der sich den Körper baut. Hier erwächst unserem E^ri'fttum eine heilige Aufgabe. Vor allem muß sich die D r e s s e. die in unserer schnellebigen Zeit d>e größte Mschr darstellt, von Grund aus erneuern. Aus der &[ut des Sensationellen und des parteipolitischen Kampf- jrne? mich sie sich zu obsektiver Klarheit und Tachstch- seii durchringen. Sie muß die tvahre Erzieherin des kolke? werden. Tie Prefle bat es in der Hand, ob die «ukiinftiae Entwicklung Deutschlands nach oben oder u'nch unten geht. Und ihr Prediger des Höchsten, weg uiit aller Dogmatil und konfessioneller Polemik! Bringt das wahre, echte Christentum wieder zu Ehren! Stur ha$ Christentum kann den Bolschewismus innerlich Überwinden. Heraus denn, ihr Dichter und Propheten! Singet dem neuen Deutschland ein neues Lied!

Das ist ja im allgemeinen ganz richtig; nur verstehen wir nicht, was in diesem Zusammenhang der Hieb auf die Dogmatik foll. Dogmatik ist Glaubenslehre und o^ne Glaubenslehre nibt es selbstverständlich kein Christentum, da das Cb'isten- tum eben auf den Glauben gegründet ist und ohne ibn gar nicht bestehen kann. Und der Trost, den der Gläubige im Christentum findet, liegt zunächst in den Glaubenswahrhe'ten, in der Hingabe an den allgütigen Gott, im Glauben an dessen ewmes Walten, in der tiefen Ueberzeugung von der Unsterb'ichkeit der Seele usw. Wenn der Verfasser des obigen Zi­tats aber nun sagen will, daß jetzt nicht Streit um die Glauben^unterschiede not tut, dann sind wir allerdings mit ihm einverstanden. Dann heißt eS ober auch, die zahlreichen Vorurteile ablegen, mit denen viele sich selbst den Zugang zu dem Trost christlicher Lebensauffassung und Weltanschauung versperren. Mit nichts ist der Durchschnittsmensch von beute meist eher fertig, als mit dem, was wie das Christentum und seine Lehre, Nachdenken und Verinnerlichung verlangt. Mit Oberflächlichkeit hat man noch nie etwas Brauchbares geschaffen.

gekommene Gefangene, zmn großen Tcil_ aber auch durch die Eigenmächtigkeit und die haßerfüllte Gesin- nuna der Kommandanten sehr ernste Mißstände herrschen, gegen die von den französischen Behörden nichts oder zu wenig geschieht.

In dem Laaer zu Orleans sind die Nrresträmne dunkel und unheizbar. Brausen und Abtritte reichen nicht aus. Der Krankenraum hat keine Betten. Die Durchgatigsgefangenen sind in einem großen unteil­baren Zelt untergebracht und mimen auf losem Stroh mit nur einer Decke liegen. Es mangelt ihnen an Wäsche; zum Teil haben sie auch kein Eßgeschirr.

In der Kaserne Richpanse iRouen) schlafen die Kriegsgefangenen auf loser Holzwolle. Als Eßnäpfe dienen noch immer verrostete Gasmaskenbüchsen. Zahl­reiche Kriegsgefangene können nicht nach Hause schrei­ben, weil im Lager seit vier Monaten keine Postkarten eu erbal^t, find.

Im französischen Kriegsgefangenenlager Annecy liegen etwa hundert Kriegsgefangene tn einem K'o- st-rgebSude. Viele haben keine Pritscbe und schlafen auf dem Boden, was besonders in der Kavelle, die Steinfußboden hat, gesundheitsschädlich ist. Eine Hen» einrichtt-ng ist nicht vorhanden. Die Verpflegtmg ist ttn-ureichend und wird immer schlechter. Die Folge ist, daß viele Kriegsgefangene beim Rückmarsch von der Arbeit vor Hunger der Ohnmacht nahe sind.

Tie deutschen Kriegsgefangenen in T o r n a i (Frankreich) haben ans Deutschland seit langer Zeit weder Nachrichten noch Pakete erhalten. Vom Auf­sichtspersonal, das miß Franzosen und Belgiern beitete, werden sie mit Kolbenschlägen unb Fußtritten miß­handelt. Tie Mißhandlungen erfolgen meist, wenn die Kriegsgefangenen vor Erschöpfung zusammenbrechm. Ter Musketier Brand wurde mit zwei Balonettstichen in der Brust in das Lazarett gebracht, wo er Ende Ja­nuar starb. Anscheinend ist er einem Posten zum Opfer gefallen.

Die deutschen Kriegsgefangenen in Belfort ha­ben bet einer faireren Grippe-Evidemie nur ganz unzu­reichende ärztliche Pflege erhalten. Soweit sie über­haupt im Lazarett untergebracht wurden, wurden ihnen die Bettstellen fortgenommen und sie mußten auf dün­nen Strohsäcken auf dem Zementfußboden liegen.

Vermischtes.

* Die Unsicherheit auf der Bahn nimmt besonders im Gebiet der Eifel immer mehr zu. Nach Augen­zeugenaussage bestiegen einen von Euskirchen nach Liblar fahrenden Personenzug etwa 200 junge Burschen von 1825 Jahren, die sich auf die einzelnen Waggons verteilten, während der Fahrt in die Abteile eindrangen, um die Reisenden unter Drohungen mit Dolchen und anderen Mordwaffen zur Herausgabe von Lebensmitteln und Wertsachen zu zwingen.' Trotzdem die Notbremse gezogen war, fuhr der Zug in beschleunigter Schnelligkeit weiter. Als er wegen Achsenbrandes in Derkum halten mußte, brachten sich die UeberfaHenen in Sicherheit, da ihnen Schutz nicht gewährt werden konnte. Tie Räuberbande, entetn.

* Zehn Jahre Zuchthaus erhielt am Motttag vom außerordentlichen Kriegsgericht des Landgerichts 1 in Berlin der Schneider Hermann Dill wegen Auf­

ruhrs und Beteiligung als Rädelsführer. Am 7. März während des letzten Generalstreiks in Berlin war ein Soldat einer Regierungspatrouille von fei­nen Kameraden getrennt worden und ging allein der Strafte entlang. Da stürzte sich eine mehr als tau'endköpfige Menschenmenge unter Führung des Angeklagten mit Geschrei auf ihn und schlug auf ihn ein, fo daß er zu Boden fiel. Es gelang ibm jedoch zu fliehen unb sich in ein Eckhaus zu retten, daS einen zweiten Ausgang batte, durch den er zu ent­kommen hoffte. Er wurde aber wiedererkannt, und die Menschenmenge stürzte sich abermals auf den Bedauernswerten. Man schlug ihn wieder zu Boden, der Angeklagte schlug ihm mit dem heruntergefallenen Stahlhelm über den Kopf und hearbeitete seinen Körper und sein Gesicht mit den flößen. Noch ein­mal gelang es dem Soldaten zu fliehen. Die etwas besonneneren Leute, die da meinten, daß es nun genug sei, wurden von dem Angeklagten am Ein­schreiten gehindert. Er bedrohte jeden, der dem Sol­daten zu Hilfe kommen würde. T otzdem fanden sich zwei beherzte Männer, die den Mißhandelten auf die Schultern nahmen und nach einem Lazarett trugen. Dort sollte er eben von einem Lazarett­gehilfen in Empfang genommen werden, als die nachstürmende Menge ihn wieder herauszerrte. Man schleppte ihn weiter und stellte ihn an die Wand eines Hauses am Se efelderplatz, wo er von einem Z vilisten aus der Menschenmenge niedergescho^en wurde. Der Anblick dieses Boraanges war 'o grausig, daß viele Frauen, dm unfreiwillige Zeugen waren, in Wemkrämpfe verfiel-m. Der Staatsanwalt be­dauerte, daß der § 115 tüt die Rädelsführer nur zehn Jahre Zuchthaus als Höchstmaß in Ansatz bringt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu zehn Jahren Zuchthaus.

Sotterdlenitordnung.

Katholischer GotteSdieast.

Sonntag, st. Apr-l. (PassionZsonntao.) Toni (Koll-kte für die JosephLkirche.) '/»st, st,/»V u. 7V< M., V»7 gestiftete M. f. d. gefall. Mitglieder d. Männer- apostolateS, t. ders. Kom. d. MännerapostolateS u. Anspr., 8 Pfarramt m. Pr, l/»10 Katdedralamt m. Pr., 11 Ehr, >/,12 M. m. Pr., 1,2 Her--Jesu-A., 2 Chr., 4 Fastenpr. u. A., 7 A. i. d. Marienkapclle. (Montag nachm. 5 A., Donnerstag abends 8 Fastenpr. u. A., Frei.ag nachm. S Kreuzweg.) Stadtpfarrkir-he. (Kollekte für die St. Sturmiuskirche.) 5/, Kom., 5/» 6-/« M.

u. Kom d. MännerapostolateS, 8 M. u. Pr. 1. Schulgd.', 9'/» Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. 12. Schulgd.), 9'» Cbr. f. d. Jüngl. i. d. Severik., 1/» Chr. f. d. Jungfr, V» Rosenkranz-Bruderschaft, 5 Kriegsbitt-A. Pfarr­kirche zum hl. Geiste. $/»7 Kom., 7 Frühm., 8 Pr u. Amt m. Kom., 5 Pr u. kurze 21. Mittwochs 5 K.-A. Sodali ät. V»10. Severtkirche. 0,7 M. Nonnea- kirche. Hochamt an e onniagen vorm. 10, an Werktagen vormitt. 9, Vesper an Sonntagen nachm. 3, an den Werktagen der Kastenzeit vormittags 10V» Uhr. Hrrz.Jesu-Heim 6 M., 8 Amt m. Pr., 2 u. 8 21. Mitt­woch abends 8 Ar dacht. Frauenberg M. b.>7, 8

Rofenkranzm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr.. nachmitt. 2 Kreuzweg-A. m. sakramenh «egen, 5V» Pr. u. 21. f. d. Tertiären der Stadt Fulda.

5ÄT wir werden erlucht. darauf hinzuw i en, dal) am heutigen pa(floa$,ott*taa die von den 8 f> ö'ctt voraeschnrbtne ZLh.ung der Besucher der hl. Meßen vor« zunehmen ist.

Evangolischer GottsSdienft.

Sonntag, 6. April. Borm. 9V» Reich, 11 Ktuver- gottesdrenst, nachmittags 2 Konfirmandenprirfnn r. jlMMMMIMMMMiIlli !! Ml----1 ~rTl__-T_ V

Mitteilungen der städtisch. Nahrungrmitte'strlle.

5. April 1919.

Ausgabe von Krankenmehl in der städtischen V 'r- kaussstclle:

Dienstag an die Karten 8001 bis 8250, Freitag an die Karten 8251 bis 8500.

Die Nachzügler in Fleischwaren werden in der nächsten Woche durch die Metzgerei von Georg Stein­acker, Frankfurterstraße, bedient.

In der Verteilung 85 werden auf den Kops ac geben: 150 Gramm Weizengrieß zu 48 Pfg., 125 Gr, Nudeln zu 66 Pfg. 250 Gr. Kunsthonig zu 80 Pfg.. 450 Gr. Graupen zu 44 Pfg. das Pfund. Die Grau pen waren eigentlich für eine spätere Ausgabe be. stimmt; da die Säcke indeffen notwendig sind, muß die Ausgabe jetzt schon erfolgen. Mit den Grauvetc ist also längere Zeit auszukommen. Abholung: Donnerstag und Freitag.

In der Verteilung 86 werden auf den Kopf 125 Gramm getr. Mischgemüse zu Mk. 2,20 und 125 Gr. getr. Mohrrüben zu Mk. 2,60 das Pfund gegeben. Abholung: Donnerstag und Freitag.

ä)as bestellte Eiersparpulver ist in den angegebe­nen Geschäften am Donnerstag zu haben.

Zuckerausgabe April: Die April-Zuckerkarten sind den Geschäften spätestens bis zum Dienstag zu übergeben. Ablieferung durch die Geschäfte an die Nahrungsmittelstelle: spätestens Donnerstag. Ge. geben wird 1 Pfund auf den Kopf.

Von dem Landeszuckeramt in Berlin wird da­rauf hingewiesen, daß infolge von mancherlei Um­ständen eine große Zuckerknappheit eingetreten sei. Eine Zuweisung von Einmachzucker in diesem Jahre könne daher voraussichtlich mcht stattfinden; mög­licherweise sei mit einer Herabsetzung der Kopfration in den kommenden Monaten zu rechnen. Den Haus Haltungen werden daher Ersparungen dringend em­pfohlen. _______________

Die Fettration für nächste Woche kann erst au-, Dienstag oder Mittwoch mitgeteilt werden.

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