Einzelbild herunterladen
 

Allem Anschein nach scheint die Tame nicht sehr gnädig" mit Ihnen umzuspringen."

Ach," verächtliche Handbetvcgung,das gnädige .Herumspringen i|t ganz auf ihrer Seite. Wer wie die nach Brot gehen muß umb so stolz dabei! Na, ich Ivill darüber nicht sprechen."

Diese stolze Dame," begann Detten llarmlo?,ist also Dienstmädchen."

Nanu, doch nicht gerade."

Oder Kammerzofe?"

Auch das nicht," meinte sie etwas kieinlaul.

Was könnte sie mehr sein? Mcme Weisheit in zu Ende."

Mein Herr, wenn Sie wüßten, was ich wüßte, begann sie orakelhaft.

Na los damit."

Wir ChambriercZ sprechen nicht über die privaien Verhältnisse der Herrschaften."

Sehr löblich." versetzte Detten, indem er gelassen seine Börse, die er wie spielend in der Hai d wog, wie­der zu sich steckte,werde nicht verschon, Ihre phäno­menale Verschwiegenheit an maßgebender Stelle zu er­wähnen."

Oh," machte sie gedehnt, da er Miene machte, die Treppe hinabzusteigen, dann aber wieder schnell gefaßt. Anerkennung, mein Herr, ist eine Blume, die nur auf Gräbern blüht. Ich bin nicht so gestellt, nach m incm Tode Luxus zu treiben. Schauen Sie her," sie offnere geschäftig die Schachtel,zwanzig Paar abgelegter Handschuhe, echt englisches Leder, bis ;um Oberarm hinaufreichend.--Abgelegt? Wie dumm! lieber-

zeugen Sie sich, mein Herr, sehen so angelegte Hand­schuhe einer grande dame aus in' da? gnädige Fräulein Kommerzienrat ist eine gründe dame! Ein-, zweimal getragen, dann beißt'»:Madenoiselle Flo­rence," sagte sie,die schenke ich Jhnni." Sehr nobel, äußerst nobel! Wißen Sie auch, mein Herr, daß die Hantschuhmachenn daS Stück mit einem kranken bezahlt? Ein Franc? das Stück abgelegte: <

schuhe l"

(Fortsetzung folgt.)

Fuldaer Leitung

Freitag, 4. April 1919.

Druck der Fuldaer Aetieudruckcrei xn 'tu.da

Oberbürgermeister Dr. Antom und die Stadt Fulda.

^om 25jähr. Amtsjubitäum des Stadtoberhauptesi.

Ein Ta,, steudigen Gedenkens ist der 5. April für tfie Stadt Fulda 25 Jahre liegt an diesem Tage fce Leitung der Geschicke unserer Heimatstadt in den Händen des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Antoni. W Nachfolger des verstorbenen Oberbürgermeisters wurde am 8. Januar 1894 der damalige PechtSanwalt Dr. jur. Georg Antoni zu Schweinfurt, geboren am 20. Februar 1862 zu Linden bei Hanno­ver zmn Oberbürgermeister von Fulda gewählt. Turch den König wurde die Wahl am 26. Februar bestätigt und am 5. April 1894 wurde der Gewählte durch "den Regierungspräsident Grafen Clairon d' Haufonville in sein Amt eingeführt. Als aufrechten, charaktervollen Mann, als überzeugungstrenen Chri­sten, als unparteiischen, gewissenhaften Beamten, als weitschauendes kenntnisreiches, unermüdliches Stadt­oberhaupt haben die Bürger Fuldas ihren Oberbür- aenueister in den 25 Jahren schätzen gelernt. Auch Gegnern und Kritikern hat es ihm nicht gefehlt. Die Tätigkeit an einer leitenden Stelle des öffent­lichen Lebens macht das unvermeidlich. Die getarnte Bürgerschaft wird aber darin übereinstimmen, daß Herr Oberbürgermeister Dr. Anwni unser Gemein­wesen, das in seiner Amtszeit von 11 000 auf 23 000 Einwohner angewachsen ist, in hervorragender Wei'e gefördert hat. Zum morgigen Jubiläumtage ist es daher berechtigt, einen Rückblick zu werfen auf die Fortschritte, die unsere Stadt in den letzten 25 Jahren unter Leitung des Herrn Oberbürgermeisters gemacht hat. Auch wenn man gerechterweise die erfolgreiche Mitarbeit befähigter Kommunalpolitiker in den städt. Körperschaften und eines Stabes tüchtiger Kommn- «albeamten auf den einzelnen städtischen Berwal- vingsgebieteu nicht außer acht läßt, ergibt sich doch eine große Summe persönlicher Verdienste, die den Namen des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Antoni dauernd mit der Geschichte Fuldas verknüpfen werden.

Das äußere Stadtbild.

Alsbald nach seinem Amtsantritt hielt es der Herr Oberbürgermeister für seine vornehmste Pflicht, um die Weiterentwicklung der (Stabt zu fördern und in richtige Bahnen zu lenken, die Ausarbeitung eines Flucht, linienplaues für das, gesamte Stadtgebiet in die Dege zu leiten, um so einen sicheren Führer für die Erweiterung und Ausbildung des Straßennetzes zu er­halten. Unter seiner Leitung entstanden zunächst die Straßen im früheren Kasernenfelde, am Hirtsrain, im iorr. Kessel, Dalberg- und Buseckstratze, Rang- und Kurfürstenstraße u. a. Als eine der vornehmsten Taten auf diesem Gebiete muß die Durchführung der unteren Bahnhofstraße von der Lindenstraße bis zur Rhabanus- Sraße und im Anschluß hieran die Schaffung des herr­lichen Kaiserplatzes bezeichnet werden. Welch eine außerordentliche Arbeit verursachte gerade bei letzterer Ausführung der Grunderwerb von den verschiedenen in Betracht kommenden Grundstücks-Eigentümern, der Ankauf der Häuschen am Hitzeplan, des Zollgebäudes imi? dann wieder der Verkauf des entstandenen Bau- Pländes. Aber die angewandte Mühe hat sich reich­lich gelohnt. Die Stadt Fulda hat durch die Verlän. gerung der Bahnhofstraße in gerader Linie bis auf die . Ahabanusstraße einen bequemen und schönen Eingang uim Mittelpunkt der Stadt erhalten, der bei jedem Fremden einen günstigen Eindruck hinterläßt.

Der Stadtsaal.

Bald erkannte der Herr Cbeibütgermetffer, daß die 'n Fulda vorhandenen Säle in vielen Fallen den An- forderungen bei Versammlungen hiesiger Vereine und Gesellschaften kaum genügten, viel weniger aber für größere Veranstaltungen und Versammlungen ausreich­ten. Sollte also Fuwa nicht als Tagungsort auSschei- den, sollte der Fremdenverkehr in Fulda gefördert wer­den, so mußte ein Saal geschaffen werden, der geeignet war, Versammlungen auch größerer Verbände hier in Fulda aufzunehmen. Tie Frage wurde meisterhaft gelöst. In Verbindung mit dem der Stadr^ bereits gehörigen Orangeriegebäude wurde ein ©abtfaal geschaffen, der für alle Verhältnisse brauchbar stt. ja der wohl zu den schönsten Sälen Deutschlands Mzöhlt werden dürfte. Eröffnet wurde der Saal in den Tagen des 23. und 24. August 1899 anläßlich der Kolben en Jubelfeier des Bonifatiusvereins.

Der Schlachthof.

Die Zustande m dem seit Anfang des Jahres 1768 wber gleichzeitiger Einführung des Schlachtzwanges bestehenden alten Schlachthofe waren mit dem Anwach­sen der Bevölkerung und der dadurch ganz erheblich ge­legenen Schlachtungen vollständig unerträglich gewor­den, sodaß die Errichtung einer neuen Schlachthofanlage dringendes Bedürfnis geworden war. Bereits im cafire 1892 war ein Ausschuß gebildet worden, der die vorbereitenden Schritte in dieser Angelegenheit tun

in

Olgas Irrtum.

Original-Novelle von Alca Ruth. 2' . .....

Neugierig darauf, wer diese Papageien fütternde Jungfrau sei, schaute Detten zu dem Balkon hinunter schaute länger, als ein flüchtiger Blick es erheischte. Das er sah, war indessen dazu angetan, seine Augen ^stiller Bewunderung befangen zu halten. Nahe der ^alkonbrüstung saß eine schwarzgekleidete Dame über 5®*® Stickerei gebeugt. Der sanft geneigte, von üppiger Haarfülle umrahmte Kopf war unvergleichlich tchön und ließ DettenS Blut heißer wallen.

Mutlos verschwand sie in den anstoßenden Gemä­uern, aus denen des häßlichen Joko Geschrei Herdrang. Eiten ließ sich schwer in seinen Armstuhl ntebetfallen, Hand auf die Augen gelegt, um dies traumhaft * kestzuhalten.

j^Sie war ihm doch? Hatte er nicht schon schöne trauen in Fülle gesehen. Warum ließ ihn mich dieser nblrck nicht kalt wie sonst? Aber das war nicht Ein- ?^ung, leider nicht! Er fühlte es warm zum Herzen ngen, so eigen süß, daß er selbst nicht mehr darüber vermochte. Er war sogar nicht mehr zu Wernern Denken fähig. Hatte nun seine Stunde geschlagen? Freilich, die mittägige Hitze erschlafft Geist und stimmt das Herz auf einen gefährlichen w. Und tote diese Olga ihr Köpfchen trug!

Wfaef, unnachahmlich!

wb dieser Jdealgesialt mutete man zu, den gefräßi- 2°ko zu füttern! Daß sie ber herrischen Ausforde-

W8 steigend Folge leistete, gefiel: '.hm nickt. DaS U en ihm der ganzen Entrüstung seines Gemütes irert. _ wußte nun, daß sie in einem Abhängigkeitsverhä!t- zu den Jähnekens stmid aber was kümmerte das

Snt-t8? eZ "'Hi ein Narr, daß er da saß und sich de« vorüber zerbrach, wer eine ihm völlig fremde Per-

Ungeduldig sprang er auf. und durcknwß langsam - 7 "tottzter. Zuweilen auch stand er überb genb still.

$ Hastig das Haar aus der Stirne und setzte dann ee8et leine unruhige Wanderung fort.

Platzsrage verzögerten diese Anlage ftaljte hinaus, bis man'sich endlich, auf das tatkräftige Betreiben des Herrn Oberbürgermeisters, für das in der Rosenau gelegene Gelände entschied. Nun kam Trieb in die Sache. Die Dauarbeiten wurden im Jahre 1903 begonnen und nach 314 jähriger Bauzeit konnte am 3. Februar 1907 die neue, mit allen neuzeitlichen Ettmugenschaften auf diesem Gebiete ausgernitete Schlachthofanlage ihrer Be­stimmung übergeben werden.

Wiedergewinnung einer Garnison.

Bon großer Bedeuiung in der damaligen Ze ilage war die dank vor allem der - ätigfeit unseres He-rn Oberbürgermeisters erzielte Wiedererheb: ng Fu das zur Garntsonstadt. Seit Herbst des Jahres 1888 war Fulda aus der Reihe der Garnisonstädte geschieden. Alle Vorstellungen bei den maßgebenden Behörden und Persönlichkeiten um Wiedererlangung einer Garnison waren ebne Erfolg geblieben. Liess Bemühun­gen, Fulka wieder eine Garnison zu verschaf­fen, setzten im Jahre 1898 erneut ein. Es gelang den Bemühungen bersckiedener Herren, an deren Spitze Herr Oberbürgermeister, bei der im J^hre 1899 durch den Reichstag genehmigten Bildung von neuen

Anträge zu, die Bearbeitung des Neukanalisations- ProjelteS dem Ingenieur Mayrich in Gotha zu über­tragen. Das von diesem Ingenieur entworfene Projekt wurde seitens der städt. Körperschaften am 9. Mai 1902 endgültig genehmigt und fand an? 10. Januar 1903 die Genehmigung der Regierung. Am 10. Mai des elben Jahre? twlrde mit der Ausführung begonnen und nach fast 3 >4 jähriger Bauzeit wurde das Werk vollendet u d zum Wohle der gesamten Einwohnerschaft dem Betriebe übergeben. Die Ncukanalisalion der Stadt Iofte_ d.e Neu- und Umpflasterung des gesamten Stra­ßennetzes aus. Bürgersteige wurden angelegt und in gefälligem Kleinpslas er airsgeführt. Tic Straßen­bahnen fanden Ausführung in Basalt-, Schlacken- und Kleinvflastetsteinen. Jedem Fremden fällt die Sauber­keit unserer Straßen angenehm auf. Ohne Hebe Frei­hung kann man sagen, unter der 25jähngen Tätigkeit unseres Oberbürgermeisters ist Fulda eine schmucke Stadt geworden..

Erweiterung des Wasserwerkes.

Infolge des stetig anwachsenden Wafferverbrauckes durch die zunehmende Bevölkerung, insb-sondere auch durch den Verbrauch infolge der Kanalisierung der

w 1919

Wil 1894

E M

ä

1

W

'S - -

*

eiiiil

- £ , -/ W | WM

---s

; f

«... "X

...

IÜk^

X

Artille. 1 entern, Fulda ein Artillerie-Regiment (Nr 47) zu sichern. Groß war die Freude der Dür- gersckast, Fulda wieder als Garuisonstadt zu sehen. Die Stadt übernahm gegen entsprechende Verzinswig die Bauausführung der Kascrnenbauten mit Neben­gebäuden, der Offiziersspeiseanstalt, des Wagenhauses, der Proviantamtsanlage und des Munitionsmagazins. Tie umstürzende Aenderung der Verhältnisse wird jetzt die Stadtverwaltung vor große Aufgaben stellen, wenn es sich darum handelt, diese Anlagen zumteil neuen Zwecken dienstbar zu machen.

Friedhofsanlage.

Von den größeren Ausführungen während der 25- jährigen Tätigkeit des Herrn Oberbürgermeisters darf nicht unerwähnt bleiben die neue Friedhofsanlage an der Künzellerstraße. Tie bisherigen städtischen Fried­höfe reichten für die Beerdigungen nur nock einen kur- zen Zeitraum aus, auch empfahl es sich nicht, dein sogen, neuen Friedhof überhaupt wieder zu belegen. ES mußte baljer eine weitere Friebhofsanlage ins Auge gefaßt werben. Nach verschiebenen Vorschlägen einigten sich bie städtischen Körperschaften für die Anlage an bet Künzcllerstraße. Ter jetzige Friebhof wirb nicht allein allen Ansprüchen auf Sage, Größe und Bobenbesckaffen- heit gerecht, sonbern bie ga.ize architektonische Ausfüh­rung bei Anlage kann nur als hervoragenb bezeichnet werben.

Kanalisation.

Die Förberung bet für bie Stabt so dringlichen Neukanalisation lag dem Herrn Oberbürgermeister ganz besonders am Herzen. Nach langen und eingehenden Verhandlungen über diese Angelegenheit in den städt. Körperschaften, stimmten diese am 4. Februar 1901 dem

Stadt, mußte der Befürchtung aus dem -'ege gegan­gen werden, daß die Wassermenge der Pfafsciiquelle nicht mehr zur Versorgung der Stadt mit Waner aus- reichen würde. Nach vielen Bemühungen gelang der Ankauf weiterer Quellen, der Rommersetquelle, der sog. Stollenquelle und der Quelle in Altenfeld. Nach lieber» Windung dcs jahrelangen Widerstandes der Gemeinde» einwohner von Gichenbach gegen Legung eines zweiten Rchtstranges konnte endlich bie Anlegung eines Sam- mclsckachtcSam Götzenloch" unb bie Legung eines zweiten Röhrsttanges nach bet Stadt tn den Jahren 1906/1912 durchgeführt werden. Tie Befürchtung einer unzureichenden Wasserversorgung der Stabt dürfte hierdurch auf lange Zeit behoben sein.

Ausbau des Gaswerkes.

Auch dem Gaswerk wandte der Herr Oberbürget- meister seine besondere Aufmcrlsamleit zu. Diese An­stalt erfuhr während seiner Amtstätigkeit eine gänzliche Umgestaltung So erfolgte im Jahre 1896 der Neu­stau eines Retortenhauses mit 3 Cefen nebst einem Kohlenschuppen, sowie ter Neubau eines Steinigung^- Hauses. Im Iahte 1901 erfolgte die Aufstellung eines neuen Gasometers, ferner der Bau eines Verwaltungs­gebäudes, das am 11. Juni 1902 seinem Zweck über­geben werden konnte. Es folgte sodann die Anlage einer Ammoniakfabrik sowie tn den Iahten 1903 und den folgenden die Erneuerung der seit dem Jahre 1863 in bet Erbe liegenden Hauptrohrsttänge,

Das Schulwesen.

Die Hebung und Förderung des Schulwesens nahm Herr Oberbürgermeister jederzeit irahr. Mit der von Jahr zu Jqhr anwachsenden Schülerzahl ging die Ein­richtung neuer Schulklassen und die Anstellung neuer

Lehrkräfte Hand in Hand. Letztere stiegen von ins­gesamt 34 Lehrkräften im Jahre 1895 auf insgesamt 61 im Jahre 1918. Infolge des Anwachsens der Dchületzahl mußten bereits fett Jahren 2 Klassen bet boinvfarrlichen Knabenschule unb 8 Klassen ber Mäd­chenschule im Siabtschulbau untergebracht werden. Diese Trennung hatte aus verschiedenen Gründen miß­liche Zustände geschaffen. Es mußte zunächst an einen Neubau für diese Schule gedacht werden. Dis Lösung ber Platzfrage für biefe Schule wat red t schwierig. Sie verursachte bem Herrn Oberbürgermeister viel Mühe und Arbeit. Schließlich einigten sich bte trabt. Körper­schaften auf bas Baugrunbstück: Stock'fches Anwe-en an ber Kronhofstraße mit bem batanstotzenden Belli n- ger'scken Garten. Tie Ausführung bes Neubaues ( klasiiges Schulgebäube mit Turnhalle) wurde dem Herrn Architekten Mahr übertragen. Der herrliche Schulbau konnte im Herbst 1917 bezogen werden. Die nunmehr frei werdenden Schulräume mt Stadtschulbau wurden vorerst der evangelischen Schule überwiesen, Rs aitdi für diese Schule ein moderner Neubau errichtet werden kann. In der Erkenntnis, baß bei ber zunebmenben Entwickelung ber Stabt Schulhausneubauten unaus­bleiblich fein werben, hatte der Herr Oberbürgermeister rechtzeitig die Gründung eines Schulhausnei''- tufondP angeregt, bem Zuweubimgen aus ben lieber)cbüfien der Städtkasse, der Sparkasse, sowie auch bie Gruridbejitz- lümsatzsteuier zuflosien. Aus Mitteln bieses Fonds wurden die Kosten ber neuen Dornsckule bestritten unb der Stadtkasse eine Belastung erspart.

Auch auf Pen Ausbau des Foctbildungs- s ch u l w e f e n § war Herr Oberbürgermeister stets be- dacht. Es entstanden bie Qrtsstatute für bic gewerb­liche Fortbildungsschule vorn 9. Okt. 1891 und bie Han- belsschule vorn 29. Sept. 1896. Beide Statuiert regel­ten ben Besuch dieser Anstalten. Tie Leitung beider Schulen wurde nebenamtlich versehen. Wohl erken­nend, baß zur Hebung bes Arbeiter- unb Hanbwerker- staubeS eine tüchtige Fackschule erstes Erforbernis sei, strebte ber Herr Oberbürgermeister im Interesse bot weiteren Ausbildung beider Fachsckulen und un? den Schülern fortschreitend eine bessere Schulbildung zu ver­mitteln, die hauptamtliche Lestung der Fachschulen an und fand Zustimmung unterm 28. April 1913 durch bte stäbtiscken Körperschaften. Außer bem nebenamtlich er­teilt toerbenben Unterricht erfolgte weiterhin die An­stellung eines bauptamtlichen Fachlehrers.

Besondere Sorgfalt war auch ber Hebung ber höheren stäbttschen Schule, ber Realschule, gewibmet. Da mit ber Realschule nur geringe Be­rechtigungen für bte Schüler verknüpft waren, diese be­standen in der Berechtigung zum emjährig-fretwtütgcn Militärdienste und zur Ergreifung ber mittleren Beam- tenlaufbahn, stellte ber Herr Oberbürgermeister unterm 23. Okt. 1899 bei ben stabt. Körperschaften den Antrag auf Umwanblung ber Realschule in eine Oberrealschule vmn 1. April 1906 ab. Dieser Antrag würbe genehmigt. Tas Prov.-Schulkollegium erklärte sich am 28. Avril 1900 mit ber Erweiterung ber Realschule zu einer Oberrealschule einverstanden. Tie Anerkertnung der Anstalt als Oberrealschule erfolgte durch Ministerial- Verfügung vorn 2. Nov. 1903. Die Besuchszahl der Anstalt nahm nun toefentließ zu, was wohl bauptsäck- lich auf bie erhöhten Berechtigungen, die der Oberreal­schule zugestanden sind, zurückzuführen sein dürfte.

Der Volksbildung dienten in hervorragender Weife die vom Herrn Oberbürgermeister seinerzeit eingof'ihr- ten Volksbildungsabende. Ter stets dickst gefüllte Stadtsaal bewies am heften bie Notwenbigleit unb bic Beliebtheit bieftr Einrichtung.

Gewerbeausstellung.

Wie sehr unserem Herrn Oberbürgermeister stets bic Förderung und Hebung des Handwerkerstandes am Her­zen gelegen fiat, dafür ist ihm gelegentlich ber Gewerbe­ausstellung 1904 ein glänzendes Zeugnis ausgestellt worden. Wie war er damals tätig, früh und. spät; alles lief durch seine Hand und wenn von dieser Aus­stellung 1904 gesagt werden konnte, sie sei glänzend verlaufen, dann war das unbestritten sein Werk. ES war die erste derartige Ausstellung in Kurhessen. Ter Anregung des Herrn Oberbürgermeisters verdankte jie ihr Entstehen. Mit der ihm eigenen Tatkraft und Frische hat er sie gefördert unb geleitet und zu einem guten Schluß gebracht.

Innere Verwaltung.

Wenden wir noch einen Blick auf die innere Ver­waltung ber Stadt. Vielfach sind hier bie Verände­rungen, b:e im Lause der 25jährigeu Amtstät'glvch des Herrn Oberlürgk tme'sters ehitratcn. Mit bet S,u- wickiluug unb bem Aufblühen ber Stadt naba' i alle Zweige Cer städtischen Verwaltung zu, sodaß am 1. Mai 1900 bie Verlegung ber bisher im sogen, neuen Nat- hause untergebracht gewesenen Büroräumlichkeitert mit Ausnahme btt Sparkasse in bas Stadtschloß erfolgte. Es würbe zu weit sühren, wollten wir alle auf bent Gebiete ber inneren Verwaltung erlassenen Verord­nungen anführen. Bereits int Jahre 1902 gab der Herr Oberbürgermeister unter der BezeichnungF u l- daer Bürgetbuch" eine Sammlung der "besteh ir­den Ordnungen und grundlegenden Eemeinbebe- schlüsse heraus, nicht nur in? Jnieiesse der Mitglieder ber stäbiischen Körpersckaften, sondern ber gesamten Bürgerschaft. Hieraus sollte fcberinann sick auf den perschiedenen Gebieten der städtischen Verwaltung Aus- klärnng versckafsen. Nehmen wir heute einen stäbli'chen Hattshaltsplan in die Hand und unterziehen ihn einer

Es stanb ja fest» Schloß Rottenfels mußte seine Herrin haben. Tas heiratsfähige Alter hatte er nach Ansicht feiner Tante nach dem Tode feiner Eltern trat sie das schwierige Amt an, über diesen wenig lenk­samen Zögling bie lettenbe Hanb zu halten schon überschritten, also wenn sein Herz nun nach biefer Seite hin auch nur ein wenig Feuer fing, fo brauchte er nicht lange ben Troubadour zu spielen. Er konnte sich Wohl den Luxus erlauben, eine Lebensgefährtin, arm wie sie war, und unbekümmert um Dtaiid und Stetig zu wählen. Er selbst war in dieser Hinsicht Te- mot'rat Mso, Fritz von Detten, ertrage einmal ernstlich den Fall!

Tas tat er denn auch gründlich, aber er verlor sich dabei in wunderliche Gedanken. Sollte er sich nicht einmal wirklich und wahrhaftig bet Ziehen können, so ohne alle Berechnung und nückterne Folgerung.

Es müßte eine Liebe sein, bie ihn an jeher Fiber bes Hetzens packte, so baß er einmal aufhötte, folge­richtig zu denken und zu handeln, von geheimer Mackt amgeregt; die Ueßerlegenhett des Versianbes ber Voll­kraft seines Herzens unterorbnenb, eine Liebe ohne Logik I

War er zu solcher Liebe fällig?

Er hatte bis jetzt zu der Sippe ber k'ch'en Streber gehört; beshalb wehrte er sich auch gegen ba3 frembe Gefühl, das sein erwachendes Herz gebar. Er hielt nicht viel von bemHimmelhockjauckz:«, zu Tobe be­trübt" fein, schon ber Bcaueinlichkeit halber, ba jene Liebe soviel Entsagung, Enttäuschung unb Sclbflqual im Gefolge hat.

wollte also vernünftig bleiben, bet nüchterne 7 on Tetten, unb hanbel'e doch dieser Ansicht > tcks zuwider, wenigstens ließ sein plötzlicher Et einen diesbezüglichen Veedackt ai flaucken. Et hatt :lich nun doch seinenTropenhelm" aufgestülpt und t.rlietz das Zimtnet in dec Absicht, von Freud Eichbach unb bet kommet zienrätlichen Familie, ber er bisher herzlich wenig Aufmerksamkeit erwiesen, näheres über bte geheimnisvolle Liga zu erfahren.

Jnbem er ans ben Korribot hinauStrat, sah er an dem Treppenabsatz zwei Ehambrieres flüsternd zu'am- menstehen Da kam ihn? die Variation frei nach Schil­ler in den Sinn:

Willst du der Herrschaft tiefstes Sein ergründen. So frage nur beim Zimmermädchen an!"

Während et nun hinzutrat, verschwand die Cham- briere ber zweiten Etage geräuschlos, wähteub ihre Miischwester schleunigst eine Schachtel zu schließen^trach- icte. Detten klopfte so int Vorbeigehen mit bem Silber­knopf seines Stocke? bawibet.

So hübsche Möbels wie Sie," sagte er,sollten niemals mit alten Kästen umgehen."

Wenn schon im allgemeinen baS Kammerkätzchen auf jebe Frage die gebührende Antwort weiß, so gilt bas im befonberen von ben Belgierinnen mit französischem Urtypus. So war beim auch hier bte mit zierlichem Knix gegebene Erwtberung.

Bitte sckön, Monsieur, hätte jeder alte Kasten seinen Wert wie dieser, brauchte ihm weitet nicht zu bangen."

Ich hetic, der Liebste hat darin die Haube ge­schickt, he?"

Sie warf de« behaupten Kopf empor unb lächelte überlegen:Ich würbe es bem Liebsten verargen, ber nichts Besseres zu geben wüßte als bie Haube."

Kann iran Frauen Besseres geben, als bie Haube?" fragte er belustigt.

Wit Eharrb'ietcs beulen in diesem Punkte anders. Wenn uns etn Mann zum Weibe fotbert, legen wir bie Haube ab unb nehmen"

Doch nicht circa ben Kochlöffel?" lachte Detten.

Ten Pantoffel, halten zu ®naben.

Seiten maß sie mit läckelnbem Blicke.

Sie haben zur HauSkommanbeuse bas rechte Aus­sehen!"

Das sagt mir das gnädige Fräulein, so oft ich hören will," gab sie geschmeichelt zu.

Detten horchte auf.

Um deren Urteil zutreffend zu finden, mnß ich wisien, wer ba? gnäbige Fraulein ist. Meiner Ver­mutung nach ist es jene schwa- gckleibete Dame mit bem blonbcn Haare"

Tie?!" schrie sie förmlir a f,bie dient ja!" Nun, was weiter?" fuhr er unwillkürlich auf.

Tie wirb boch wohl nicht Anspruch batauf machen, von mir alsgnäbig" tituliert zu werden. Mein Herr, 1 ich wiederhole sie dient!"